Gastartikel: Leszeks Kritik des sexualfeindlichen feministischen Zustimmungsprinzips

Es folgt ein Gastartikel von Leszek.

Konsensprinzip/Zustimmungsprinzip im Sinne des Radikalfeminismus und Gender-Feminismus ist ein Konzept, bei dem es darum geht, dass die Sexualpartner bezüglich aller sexuellen Handlungen immer vorher ausdrücklich nachfragen sollen und jede sexuelle Handlung erst nach ausdrücklich verbal erteilter Zustimmung durchführen dürfen. (Von manchen Vertretern des Konsensprinzips werden auch vorher vereinbarte nicht-verbale Zeichen als Alternative zur Verbalisierung zugelassen). Und das nicht nur beim ersten gemeinsamen Sexualakt zwischen bestimmten Sexualpartnern, sondern auch bei jedem weiterem. Das ist jedenfalls die Reinform dieses Konzepts.

Für die meisten Menschen eine grauenhafte Vorstellung, ein rigides Verhaltenskonzept, dass jede sexuelle Spontanität, Kreativität und Erotik zerstört.

Radikale Feministinnen versuchen seit Jahren das Konsensprinzip als kulturelle/soziale Norm zu etablieren und treffen dabei verständlicherweise weit überwiegend auf Ablehnung. Nur in einigen kleineren feministischen Zirkeln oder kleineren politisch korrekt geprägten linken Zirkeln, die von radikalen Feministinnen dominiert sind, gelang es bisher diesem sexualfeindlichen Konzept offizielle Anerkennung zu verschaffen (was allerdings nicht bedeutet, dass die Mehrheit der Leute in diesen Kreisen sich dann auch tatsächlich in ihren realen sexuellen Interaktionen daran halten würden, aber sie müssen zumindest öffentliche Anerkennung heucheln, um Anfeindungen zu vermeiden.)

Das Konsensprinzip hat m.E. keine Chance sich jemals über kleine feministisch geprägte Subkulturen hinaus auszubreiten, es wird meiner Meinung nach von der großen Mehrheit der Frauen und Männer immer abgelehnt werden. Daher versuchen radikale Feministinnen zunehmend das Konsensprinzip nach und nach gesetzlich zu verankern und es der Mehrheitsbevölkerung aufzuzwingen.

Das Konsensprinzip als kulturelle/soziale Norm sollte aus einer Perspektive der Bejahung sexueller Freiheit m.E. entschieden zurückgewiesen werden.

Das Konsensprinzip begründet abzulehnen bedeutet nicht, Gespräche über sexuelle Vorlieben und Abneigungen vor oder während des Sexualakts prinzipiell abzulehnen und es bedeutet natürlich auch nicht, dass man es ablehnt vorher nachzufragen, falls man sich unsicher ist, ob eine bestimmte sexuelle Handlung für den Sexualpartner o.k. ist; es bedeutet nicht, dass man beim Sex nicht sprechen dürfte; nichts fragen dürfe; nicht verbal ja oder nein sagen dürfe – Verbalisierungen können je nach Kontext sinnvoll sein oder auch nicht.

Und genau das ist das Entscheidende: Die Freiheit der Sexualpartner selbst zu bestimmen, ob bestimmte Verbalisierungen in einem bestimmten Kontext für diese bestimmten Personen gerade sinnvoll sind oder nicht anstatt einer rigiden, autoritären Verhaltensnorm folgen zu müssen, die dies allen Menschen für alle sexuelle Handlungen für immer vorschreiben will.

Radikale Feministinnen aus dem Spektrum des klassischen Radikalfeminismus sowie des postmodernen Gender/Queer-Feminismus versuchen das rigide sexualfeindliche Zustimmungsprinzip als soziale und kulturelle Norm zu etablieren und versuchen dabei auch zunehmend dies Schritt für Schritt durch gesetzliche Regelungen zu erreichen. Unwillkürlich fragt man sich nach der Motivation für diese Bestrebungen. Um diesbezüglich zu einer realistischen Analyse jenseits der Zuschreibung unnachvollziehbarer negativer Absichten zu gelangen, scheint es sinnvoll mal ein paar Kontexte durchzugehen, bei denen eine Form von Zustimmungsprinzip tatsächlich sinnvoll ist:

– Sexarbeit, also Prostitution und Pornographie: hier ist ein Zustimmungsprinzip in dem Sinne, dass vorher alle sexuellen Handlungen eindeutig vereinbart werden, zwingend notwendig.
– BDSM: auch bei sado-masochistischen Sexualpraktiken ist es wichtig vorher Vereinbarungen zu treffen. (*)
– Gruppensex: hier ist es mindestens am Anfang sinnvoll vorher über sexuelle Vorlieben und Abneigungen zu sprechen und zu vereinbaren, welche sexuelle Handlungen stattfinden sollen/können und welche nicht. Wenn die entsprechenden Personen sich dann in sexueller Hinsicht schon besser kennen, ist dies nicht mehr zwangsläufig nötig. Sollte jemand Neues dazukommen, würde es aber erneut notwendig vorher darüber zu sprechen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen.
– Menschen, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt: Manche Menschen, nicht alle, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, haben ein Bedürfnis nach einer Form von Konsensprinzip bei sexuellen Interaktionen, u.U. auch nach einer rigiden Form von Konsensprinzip (jede einzelne sexuelle Handlung vorher abfragen). Für manche Menschen mit sexueller Traumatisierung vermittelt eine Form von Konsensprinzip Sicherheit und eine schrittweise quasi-therapeutische Wiederannäherung an sexuelle Aktivitäten. In diesen Fällen ist es sinnvoll, dass der Sexualpartner sich darauf einlässt.

Jedoch sollte bezüglich solcher Fälle eigentlich klar sein, dass das Fernziel idealerweise nicht darin bestehen sollte für immer nur Sex nach dem Konsensprinzip haben zu können, sondern dass es auch darum gehen sollte langfristig im Rahmen einer intimen und von Vertrauen geprägten Beziehung das Konsensprinzip schrittweise zurückfahren zu können und hoffentlich irgendwann wieder Sex ohne Konsensprinzip haben zu können.

Es sind in der Regel nicht Sexarbeiter, Menschen mit BDSM-Neigungen oder mit Neigung zum Gruppensex in feministischen Kreisen, die dazu tendieren das Zustimmungskonzept als allgemeine kulturelle und soziale Norm für alle sexuellen Aktivitäten aller Menschen zu etablieren, Feministinnen, die diesen genannten Gruppen angehören, tendieren meistens im Gegenteil eher zum sex-positiven Feminismus.

Es sind m.E. Personen aus der letztgenannten Gruppe, also Frauen, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, die im Kontext des vorherrschenden Feminismus danach streben dem Konsensprinzip eine allgemeine Anerkennung oder gar rechtliche Verankerung zu verschaffen. Dahinter steht m.E. der Versuch die ganze Gesellschaft im Hinblick auf sexuelle Interaktionen so einzurichten, wie dies für manche Menschen mit sexueller Traumatisierung am einfachsten wäre. Das Konsensprinzip – gerade auch die rigideren Varianten – sind abgestimmt auf die Bedürfnisse von manchen Menschen mit sexueller Traumatisierung und spiegeln die Wünsche traumatisierter Persönlichkeitsanteile nach einer in sexueller Hinsicht absolut sicheren Umwelt wieder, was für sexuell traumatisierte Persönlichkeitsanteile eben auch Handlungsnormen beinhalten kann, die für Menschen ohne sexuelle Traumatisierung weder ansprechend, noch nachvollziehbar sind.

Andere Feministinnen, bei denen keine sexuelle Traumatisierung vorliegt, unterstützen die Sache dann aus Opportunismus und aus ideologischer Verblendung, auch wenn sie sich selbst in ihren eigenen sexuellen Interaktionen natürlich in der Regel nicht an die rigiden Vorgaben des Konsensprinzips halten.

In dieser Hinsicht ist die primäre treibende Kraft hinter dem Versuch das Konsensprinzip zu verbreiten nicht irgendeine böse Absicht, sondern die treibende Kraft liegt m.E. in – in psychologischer Hinsicht durchaus nachvollziehbaren – persönlichen Bedürfnisse einiger sexuell traumatisierter Personen.

Was aus der Perspektive sexuell traumatisierter Persönlichkeitsanteile als Wunsch nach einer absolut sicheren Umwelt in dieser Hinsicht nachvollziehbar ist, dass ist jedoch aus einer rationalen und erwachsenen Sichtweise nicht nur unrealistisch, sondern auch anmaßend und autoritär.

Denn Menschen ohne sexuelle Traumatisierung haben kein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip – im Gegenteil – und auch nicht alle Menschen mit sexueller Traumatisierung haben ein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip und Menschen mit sexueller Traumatisierung, die ein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip haben, haben nicht zwangsläufig ein Bedürfnis nach den besonders rigiden Varianten des Konsensprinzips.

Das feministische Projekt „Consent Culture“ ist daher zum Scheitern verurteilt, die große Mehrheit der Bevölkerung hat keine Lust auf Sex nach dem Konsensprinzip. Der feministische Slogan „Consent is sexy“ ist, insofern er aussagen soll, dass Sex nach dem Konsensprinzip sexy sei, in Bezug auf die Bedürfnisse der meisten Menschen falsch.

Nicht dass Verbalisierungen nicht manchmal sinnvoll und erwünscht sein können, das kann – wie oben bereits erwähnt – kontextuell sinnvoll sein oder auch nicht. Ob und inwieweit Verbalisierungen erwünscht sind oder nicht sollten Sexualpartner kontextuell selbst entscheiden, aber das Konsensprinzip als rigide Norm, die allen auferlegt werden soll, hat keine Chance auf freiwillige Durchsetzung.

Daher bleibt den ideologisierten Vertretern/Anhängern des radikalen Feminismus, die das Konsensprinzip verbreiten wollen, letztendlich nur das Mittel des Zwangs übrig.

Leider werden radikale Varianten des Feminismus von den derzeitigen ökonomischen und politischen Herrschaftseliten gefördert, weil diese aus verschiedenen Gründen ihren eigenen Herrschaftsinteressen entgegenkommen, so dass Versuche das Konsensprinzip schrittweise gesetzlich zu verankern eine potentielle Gefahr darstellen.

Ich persönlich teile die Auffassung des von mir geschätzten neomarxistischen Theoretikers und bedeutenden Psychoanalytikers Wilhelm Reich, dass wer sich in seiner Sexualität beherrschen lässt, sich in der Regel auch in vielen oder allen anderen Bereichen leicht beherrschen lässt. (Umgekehrt gilt die Aussage freilich nicht: Nur weil jemand sexuell frei agiert, bedeutet das noch nicht, dass diese Person auch in ihrer Gesamtheit eine autonome, freie Persönlichkeit ist, aber ohne sexuelle Freiheit sind freie, autonome Persönlichkeiten grundsätzlich nicht möglich. Sexuell repressive Kulturen sind stets archaische Repressionskulturen, die kulturelle Moderne ist untrennbar mit sexueller Freiheit verbunden.) Heutige Anhänger des politischen Wilhelm Reich – die wenigen, die es heute noch gibt, denn Wilhelm Reich wird in linken Kreisen seit Jahrzehnten kaum noch gelesen – sehen im sexualfeindlichen Radikalfeminismus und Gender-Feminismus ja z.T. ein Herrschaftsinstrument der herrschenden Eliten gegenüber der Bevölkerung:
Rückblick auf den Feminismus: Von Anfang an eine Lüge gegen Gleichheit, Logik und sexuelles Vergnügen von Kerstin Steinbach

Ich persönlich kann mir durchaus vorstellen, dass die oberen Segmente der herrschenden Klasse mittels der Förderung von Radikalfeminismus und Genderfeminismus einerseits und mittels der Förderung des konservativ-orthodoxen Scharia-Islams andererseits langfristig Einschränkungen der sexuellen und persönlichen Freiheit anstreben.

Eine Form von Konsensprinzip ist, wie oben ausgeführt, sinnvoll bei Sexarbeit, BDSM, Gruppensex und für manche Menschen mit sexuellen Traumatisierungen. Dies sind die Teilwahrheiten der Idee vom Konsensprinzip, die zu bewahren sind.

Das feministische Konsensprinzip als allgemeine kulturelle/soziale/rechtliche Norm sollte allerdings m.E. entschieden abgelehnt werden, es steht im Widerspruch zu einer sexuell freiheitlichen Kultur. Daher sollte man sich m.E. auch klar dagegen positionieren, wenn irgendwo versucht wird das Konsensprinzip als allgemeine Norm zu verbreiten.

Ich persönlich habe mich schon ein paarmal geärgert, wenn ich linke Zentren besucht habe – ich bewege mich u.a. in politisch linken Kontexten – und dort Plakate hingen, auf denen für das Konsensprinzip als allgemeine Norm geworben wird. Nicht, dass Personen aus linke-Szene-Kontexten sich mehrheitlich auch in ihren realen sexuellen Interaktionen an ein solches rigides Konzept halten, das tun die genauso wenig wie der Rest der Bevölkerung.

Richtig ist es, wie gesagt, in dieser Hinsicht auf einen Sexualpartner Rücksicht zu nehmen, bei dem eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, aber davon abgesehen haben Menschen ohne sexuelle Traumatisierung innerhalb linker oder feministischer Kreise genauso wenig Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip wie Menschen aus anderen Kontexten.

Gegenüber den Versuchen von Vertretern/Anhängern des radikalen Feminismus der Mehrheitsbevölkerung das Konsensprinzip aufzudrängen, sollte man m.E. klar zum Ausdruck bringen:
– Nein, Sex nach dem Konsensprinzip ist für mich nicht sexy.
– Nein, ich will nicht in eurer „Consent Culture“ leben, die mit sexueller Freiheit nichts zu tun hat, sondern eine sexuell repressive Kultur darstellt.
– Nein, ihr habt über meine Sexualität genauso wenig zu bestimmen wie sexualfeindliche Konservative.
– Nein, ich verabscheue autoritäre Ideologien, die versuchen ihre Macht bis in mein Schlafzimmer auszudehnen.

(*) Aktualisierung: Hier stand ursprünglich:
„– Menschen mit BDSM-Neigungen: auch bei sado-masochistischen Sexualpraktiken ist es auf jeden Fall wichtig vorher klar zu vereinbaren, welche sexuellen Handlungen wie stattfinden sollen/können.“

Das war aber, O-Ton Leszek, eine suboptimale Formulierung. Siehe dazu etwa die Diskussion, insbesondere die Kommentare von Miria.

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Warum sich für mich tatsächlich etwas geändert hat

Der bereits von crumar zitierte Kommentar von Leszek zur aktuellen Debatte zeigt mal wieder, warum man bei Alles Evolution die Kommentar lesen sollte:

Es ist m.E. recht offensichtlich, was der wesentliche Grund dafür ist, dass die Männerrechtsbewegung nicht schneller vorankommt: weil sie vor allem eine Internetbewegung darstellt und außerhalb des Netzes kaum in Erscheinung tritt.

Die Männerrechtsbewegung tut bislang das nicht, was jede andere soziale Bewegung auch tun musste um erfolgreich zu sein, nämlich auch im öffentlichen Raum als konstruktive soziale Bewegung in Erscheinung treten und gewaltfreie Aktionen durchführen.

Der nächste wesentliche Schritt für die Männerrechtsbewegung müsste die Bildung gewaltfreier Aktionsgruppen sein, welche gewaltfreie Aktionen durchführen und zwar so, dass dadurch Sympathie und Interesse für die Männerrechtsbewegung und ihre Anliegen in der Öffentlichkeit geweckt wird und die Medien über diese gewaltfreien Aktionen berichten.

Die Frage „Was tun?„, die in gewissen Abständen immer wieder auf die Tagesordnung in der Blogblase kommt, könnte frustrieren. Ich habe für mich persönlich in den letzten Tagen aber festgestellt, was sich für mich in den letzten Jahren geändert hat. Es mag für andere wenig erscheinen – das kann ich nicht beurteilen – aber für mich ist es ein positives Zeichen, auch in der Hinsicht, dass sich Aktivisten und Blogger nicht gegenüberstehen, sondern ergänzen:

Ich hatte einige Jahre das dumpfe Gefühl, dass bei Debatten um Gleichberechtigung irgendetwas falsch läuft, die Aufregung schien mir „verbogen“ und nicht auf den Kern der Probleme fokussiert. Aber genau benennen konnte ich das nicht. Es war eben nur ein Bauchgefühl, nicht klar zu benennen, heute da, morgen mal wieder weg.

Dann fand ich Texte wie die von man in the middle. Plötzlich wurden die Gedanken geordnet. Die Sachverhalte und Argumente waren klar; sie konnten ja aus tagesaktuellen Ereignissen abstrahiert und allgemeingültig formuliert werden.

Wie crumar schrieb:

Im Rückblick sollte man auch die Erfolge der Männerrechtsbewegung bis zum jetzigen Zeitpunkt betrachten und dazu gehört zweifellos das Phänomen der „sprechenden Männer“, die in zahlreichen Foren in ihren Kommentaren das Wort ergreifen und die bestehenden Verhältnisse kritisieren.

Ja, dieses sprechen können für die eigenen Anliegen, dieses Dinge formulieren können, das war neu und fühlte sich richtig an.

Naiv, wie ich war, versuchte ich einige Argumente in Diskussionen (außerhalb der Anonymität) anzubringen – und scheiterte noch mehr als bei früheren Versuchen, echte Gleichberechtigung im Sinne von „Frauen sind frei, haben damit auch Verantwortung für ihr Handeln“ einzubringen. Die Debatte ist eben nicht frei und allein am besseren Argument orientiert, sondern von Tabus und ggfs. Druck von Interessengemeinschaften begrenzt und gesteuert.

Also, was tun, wenn der öffentliche Diskurs so verbrannt ist, dass man sich nur noch unter Pseudonym zu äußern traut, um nicht geächtet zu werden? Es wird immer einzelne Leute geben, sie sich im Vertrauen ähnlich unzufrieden äußern, aber wie kann man langsam hervortreten?

Mir helfen konkrete Erfolge, auf die ich verweisen kann wie die Gewaltschutzwohnungen für Männer, zuletzt in Sachsen eröffnet. Solche Sachen kann ich offen im Bekanntenkreis herumerzählen.

Das sind „einfache Ziele“, gegen die niemand direkt etwas sagen kann: Das Gegenteil, „Männer sollen nicht vor Gewalt geschützt werden“, ist schwer zu vertreten. Hier ist dann die Schweigespirale durchbrochen, das Trägheitsprinzip umgedreht.

Es erzeugt auch keine assoziative Dissonanz wie „Feministen verhindern bislang Gewaltschutzwohnungen für Männer“, bei der man sein Weltbild ändern muss und lieber Gründe sucht, warum das so ist („das kann nicht sein, dass Leute mit guten Absichten so etwas tun, da muss irgendetwas anderes dahinterstecken“).

Die Arbeit von Gleichmaß e.V. wie die Gewaltschutzwohnung in Gera hat also Wirkung weit über den Kreis der Betroffenen hinaus. Mir ist erst bei der aktuellen Diskussion aufgefallen, dass ich das offen nenne, ohne schon automatisch die üblichen Schutzmechanismen („wenn Du das sagst, wird Du sozial vernichtet“) auszufahren.

Also, das scheint ein Weg zu sein! Was wäre ein nächster Schritt?

Die bisherigen Artikel zum schnellen Nachlesen:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich hatte schon einmal eine Liveversion gebracht – das Lied drückt meine verhalten optimistische Stimmung immer noch richtig aus.

Herbert Grönemeyer: Land unter

Gastartikel: crumar und die dicken Bretter, zweiter Teil

crumar hat sein Wort gehalten und tatsächlich Teil zwei geschrieben! Die Links habe ich ergänzt.

Ich möchte an meinem historischen Rückblick ansetzen, der im ersten Teil einen Bruchpunkt in *einem* Forum charakterisierte, nämlich den bei „telepolis“ zu einem feministischen Artikel von Birgit Gärtner im Jahr 2010.
Hier wurde die Autorin offensichtlich von der Redaktion wegen der Forenreaktionen gezwungen, den ursprünglichen Test um die gröbsten Falschaussagen zu bereinigen und erneut zu veröffentlichen.

D.h. die „Offensive in der Defensive“ – nämlich engagiert aus der Sicht des Lesers zu kritisieren – hatte Früchte getragen, auch weil „heise“ von seiner liberalen Moderationspraxis nicht abließ (ausdrücklich hervorgehoben).

Zwei Jahre später, also 2012 gab es zwei Ereignisse, die ich als Dammbruch charakterisieren würde und die fast zeitgleich erfolgten:

Am 12.4. erschien „Das verteufelte Geschlecht“ von Christoph Kucklick in der „Zeit“ und lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die *eigentlichen* gesellschaftlichen und historischen Gründe für die Entstehung *gesellschaftlich akzeptierter* Männerfeindlichkeit:

Der Feminismus hat die Ideologie der bösen Männlichkeit nicht erfunden, er hat diese nur für eigene Zwecke genutzt und oft sogar richtige und politisch segensreiche Schlüsse daraus gezogen.
Das Stereotyp vom unmoralischen, gewalttätigen, sexuell unersättlichen Mann ist weit vor dem Feminismus entstanden, an einer historischen Schlüsselstelle: zu Beginn der Moderne, um 1800. Die Geburt des maskulinen Zerrbildes ist also unmittelbar mit der Geburt der modernen Gesellschaft verbunden, seither schreiten beide, Moderne und verteufelte Männlichkeit, gemeinsam und untrennbar durch die Historie.
Das Unbehagen an der Moderne wurde zum Unbehagen am Mann.
Und umgekehrt.

http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner/seite-2

Der Lerneffekt: Wer den feministischen Begriff der „toxic masculinity“ bekämpfen will, indem er den Feminismus bekämpft, betreibt ein Art Schattenboxen.
Der Artikel ist in Gänze lesenswert! Sein Buch „Das unmoralische Geschlecht“ (quasi als Antwort auf „Das moralische Geschlecht“ von Lieselotte Steinbrügge geschrieben) wird bereits als Klassiker der Männerbewegung angesehen.
Da es sich um eine gekürzte Fassung seiner Promotion handelt, die nicht einfach zu lesen ist, empfehle ich eine Zusammenfassung in mehreren Teilen von Lucas Schoppe:

Zu Christoph Kucklicks Das unmoralische Geschlecht.
Teil 1: Warum Männerfeindschaft modern ist
Teil 2: Der liebesunfähige Mann: Vom alten Klischee zur revolutionären Neuheit
Teil 3: Politik und Kinderfeindschaft
Teil 4: Zeit für neue Lieder

Am 18.4. erschien beim „Spiegelfechter“ die „Eckpfeiler einer linken Männerpolitik“ von Arne Hoffmann und hier sind die Eckpunkte weniger wichtig, als herauszustellen, dass nach satten 1234 Kommentaren in drei Wochen das Forum geschlossen werden musste.
Eine solche Resonanz auf einen Beitrag eines ausgewiesenen Männerrechtlers hatte es bisher nicht gegeben.
Ebenso wenig die Möglichkeit, auf einem Blog zu veröffentlichen, von dem bekannt ist, der Autor schreibt in und für die „Nachdenkseiten„, einem im linken sozialdemokratischen Spektrum verortbaren Blog.

Nachdem sich Arne Hoffmann mit „Genderama“ zudem als „Blog des linken Flügels der antisexistischen Männerbewegung (Maskulismus)“ positionierte, waren sämtliche Versuche, die Männerechtsbewegung als „rechts“ zu denunzieren und auszugrenzen lächerlich geworden.
Endgültig mit Erscheinen von „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ 2014, einem absoluten Klassiker des linken Flügels der Männerrechtsbewegung. Nichtsdestotrotz gibt sich das Wikipedia-Geschwader von Fälschern, namentlich Fiona und nico b., natürlich noch immer Mühe seinen Eintrag „korrekt“ zu redigieren (ihn also als „rechts“ anzuschmieren).

Nachdem ich diese beiden Männer vorgestellt habe, ist es wichtig, sich deren akademischen Werdegang anzusehen: Christoph Kucklick studierte Politikwissenschaften und Soziologie in Hamburg, Arne Hoffmann Medienwissenschaften in Mainz.
Damit kann übergeletet werden zur politischen Forderung, die Geisteswissenschaften abzuschaffen: Ich halte diese Forderung für falsch.
Sie ist nicht nur falsch, weil die besten Kritiker des Feminismus und Genderismus offensichtlich selber Geisteswissenschaftler sind und diese Forderung auf ihre Selbstabschaffung hinauslaufen würde.

Sondern weil sich in der hier gestellten Frage, ein grober politischer Fehler, nämlich aus einem Gefühl von OHNMACHT abgeleitete Politik verbirgt:

Wie viele Geisteswissenschaftler gibt es denn, die man von feminismuskritischen Positionen oder gar von männerrechtlichen Positionen überzeugen könnte? Nach meiner Einschätzung sind das nicht viele.

Zunächst eröffnet Siggi eine m.E. falsche Frontstellung, nämlich WIR gegen „die Geisteswissenschaften“, die nicht existiert – siehe eben Arne Hoffmann und Christoph Kucklick.
Aber weil ein Gefühl der Ohnmacht ihm sagt, dass Geisteswissenschaftler per se nicht von unseren Argumenten zu überzeugen sind, muss eben „die Geisteswissenschaft“ sterben.

Das klingt zunächst einmal radikal, im Kern steht jedoch entweder das Eingeständnis der Ohnmacht, andere mit Argumenten nicht überzeugen zu können, weil diese ideologisch verbohrt sind oder das Eingeständnis unserer Schwäche, weil wir argumentativ nicht gut genug sind.

Da ich selbstbewusst genug bin zu behaupten, letzteres trifft nicht zu, läuft seine Forderung darauf hinaus, allen Geisteswissenschaften pauschal zu unterstellen, es handle sich um männerfeindliche, feministische Ideologieproduzenten.
Den Beweis für eine solche Behauptung kann jedoch nicht erbracht werden.

Nur weil sich eine feministische Bürokratie aus den Geisteswissenschaften rekrutiert, kann man nicht alle Geisteswissenschaften in Sippenhaft nehmen und kollektiv bestrafen.
Darauf läuft der Vorschlag aber hinaus und allein deshalb finde ich ihn grenzwertig.
Wenn man „die Feministische Infrastruktur und den Staatsfeminismus“ in seiner Macht beschränken willst, dann sollte DAS ein Thema sein.
Mitm erklärt hier, was wir darunter verstehen: maninthmiddle.blogspot.de/p/staatsfeminismus.html

Anders verhält es sich bei den „gender studies“, aber aus anderen, guten Gründen anders.
Leszek (ein Sozialwissenschaftler, übrigens) schrieb auf „Alles Evolution“ im Rahmen einer Antwort auf die Vorschläge:

Innerhalb der Geschlechter-Soziologie dominieren heute leider die Gender Studies. Ich bin allgemein dafür die Gender Studies einer gründlichen Evaluation zu unterziehen und dann alle Personen rauszuwerfen, die nicht wissenschaftlich arbeiten – wobei ich vermute, dass dann wenig von den Gender Studies übrigbliebe.

D.h. Leszek kritisiert die Unwissenschaftlichkeit der „gender studies“, die also (sozial/geistes-) wissenschaftlichen Standards nicht genügen.
Eine Wissenschaft zu kritisieren, bloß weil sie eine andere, von uns nicht gewünschte Positionen vertreten ist nicht ausreichend.
Sie aus diesen Gründen abschaffen zu wollen, wäre haargenau das, was wir unseren politischen Gegnern vorwerfen: Zensur und Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft.

Ich werfe Siggi nicht vor, dass er solche Auffassungen selber hat, sondern für die „radikalen Forderungen“, die Siggi präsentiert sehe ich andere Ursachen, die Leszek ebenfalls (kritisch) anführt:

Es ist m.E. recht offensichtlich, was der wesentliche Grund dafür ist, dass die Männerrechtsbewegung nicht schneller vorankommt: weil sie vor allem eine Internetbewegung darstellt und außerhalb des Netzes kaum in Erscheinung tritt.

Die Männerrechtsbewegung tut bislang das nicht, was jede andere soziale Bewegung auch tun musste um erfolgreich zu sein, nämlich auch im öffentlichen Raum als konstruktive soziale Bewegung in Erscheinung treten und gewaltfreie Aktionen durchführen. (…)

Solange Männerrechtler keine gewaltfreien Aktionen durchführen, wird sich der Fortschritt für die Männerrechtsbewegung eben langsamer vollziehen als es eigentlich möglich wäre.

https://allesevolution.wordpress.com/2017/02/08/es-wird-zeit-fuer-plakative-forderungen-fuer-extrempositionen-die-nur-im-indirektem-zusammenhang-mit-jungen-und-maennerrechten-stehen/#comment-279970

Ich sehe die Forderungen vor dem Hintergrund, dass wir uns in einer politischen Internetbewegung befinden, die alle Kennzeichen einer gefährlichen Filterblase hat.
Vor allem, sich und uns selbst ins Nirwana zu radikalisieren.
Seit 2012 (länger sind die meisten nicht tätig) geht es rasant aufwärts mit männerrechtlichen/maskulistischen Blogs, mit Kommentaren mit youtube-Videos usw., aber der Internet-Aktivismus springt nicht auf das echte Leben über.
Der Fehler ist m.E. angesichts dieser Rasanz der Entwicklung im Internet ungeduldig zu werden, weil man die Internetbewegung mit einer wirklichen politischen Bewegung verwechselt.
Das sind wir aber (noch) nicht.
Es würde helfen, wenn wir uns das eingestehen, geduldig bleiben, weiter männerfeindliche Scheiße fressen und dicke Bretter bohren (am Ende werden wir natürlich sowieso siegen).
Und irgendwann mal den Arsch hoch bekommen – „Komm ins Offene, Freund!“ 😉

Ende Teil 2

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dass mich crumar daran erinnern muss…

Peter Licht: Wir werden siegen

Fundstück: chrima und Leszek über Magnus Klaue

Zum Fundstück „Magnus Klaue über Critical Hetness und Knutschverbot“ schrieb chrima in einem Kommentar:

Klaue? Magnus Klaue! Aua, der tut weh!
Dieser Väter- und Männerfeind hat seine mit Vorurteilen gegen Männer durchtränkte Ideologie u.a. in der konkret verbreitet:
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=menshealth&jahr=2004&mon=02

Der Artikel heißt „Men’s Health“ und hat den Anriss „Die Nation wird von Emanzen, Lesben und Rabenmüttern unterwandert. Doch der „Väteraufbruch“ leistet Widerstand„. Ich gebe zu, dass ich diesen bislang nicht gelesen habe.

Eine kurze Suche bei Genderama nach Magnus Klaue ergibt einen Treffer im Januar 2008, bei dem Arne Hoffmann ihm „wirres Geschreibsel über die sich angeblich am Islam orientierende deutsche Männerbewegung“ bescheinigt. Auch das habe ich nicht weiter geprüft. Es ist für mich allerdings ein Hinweis, ein wenig Vorsicht walten zu lassen.

Was mir selbst aus dem realen Leben gut bekannt ist: Jemand hat bei einem Thema eine scharfe Beobachtungsgabe, ist bei einem anderen aber scheinbar völlig zugenagelt. Diese Deutung bietet auch Leszek in einem antwortenden Kommentar an:

Danke für den Hinweis, das war mir nicht bekannt.

Sein Artikel zur Kritik von Critical Hetness ist aber m.E. trotzdem gut und auch manches andere was er so speziell zur Kritik des Postmodernismus und der postmodernen Political Correctness schreibt, ist m.E. lesenswert.
Scheint sich um eine Person zu handeln, die bei manchen Themen ein Brett vorm Kopf hat, bei anderen Themen aber zu interessanten Analysen fähig ist.

Eine Mischung aus Einseitigkeit und Beschränktheit bei bestimmten Themen einerseits und der Fähigkeit zu interessanten und intelligenten Analysen bei anderen Themen andererseits, findet sich m.E. häufiger bei Theoretikern aus dem Spektrum der antideutschen Linken, zu dem ja auch Magnus Klaue gehört. In diesem Sinne muss man diese m.E. stets differenziert und kritisch rezipieren.

Er erinnert außerdem daran, dass Klaue einen weiteren Text verfasst hat, der in diesem Blog bereits in den Kurznachrichten positiv aufgegriffen wurde. Für die Debatte ist so eine differenzierte Wahrnehmung nur förderlich. Es ist auch das Gegenteil eines Schwarzweißbildes, welches ich immer wieder kritisiert habe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Den Spaß konnte ich mir nicht verkneifen: Eine nichtdeutsche Band singt auf Deutsch über eine Stadt in Deutschland, deren Name jedoch aus sozialistischer Zeit stammt, wobei diese Stadt als Motiv nur wegen des Bezuges auf Karl Marx ausgewählt wurde, der wiederum mit der Stadt ansonsten nichts zu tun hat… ist das jetzt ein gutes oder böses Lied aus antideutscher Sicht?

Мегаполис (Megapolis): Karl-Marx-Stadt

Fundstück: Magnus Klaue über Critical Hetness und Knutschverbot

Leszek wies in einem Kommentar auf einen älteren Beitrag auf einen Artikel von Magnus Klaue hin, in dem es um „Kritik an dem gender/queer-feministischen Critical Hetness/Knutschverbot-Schwachsinn“ geht. Das halte ich für so erwähnenswert, dass ich die von Leszek zitierten Passagen hier ebenfalls wiedergebe.

Magnus Klaue – Das gelebte Nichts

„Wer noch Zweifel daran hegt, daß der auf ungeteilte Freiheit zielende Anspruch der Frauen- und Homosexuellenbewegung unter den Vorzeichen von Gender und Queerness zugunsten einer identitären Cliquen- und Blockwartpolitik preisgegeben wird, die im Namen von »Definitionsmacht« und »Heteronormativitätskritik« den an sich und der Welt verrückt gewordenen Restsubjekten erlaubt, ihren Voluntarismus mit dem guten Gewissen moralisch Größenwahnsinniger auszuleben, der sollte ein paar Stundenmit der Lektüre des Blogs »Mädchenmannschaft« (maedchenmannschaft.net) verbringen.

(…)

Und »Katze« plaudert sogar offen aus, daß der zerqueerte Feminismus unter dem Alibi von Respekt und Sensibilität die häßlichsten Wünsche autoritärer Pädagoginnen von anno dazumal erfüllt: »Eine Lehrerin hatte zu uns damals in der siebten Klasse mal gesagt, wir sollen doch bitte nicht auf dem Schulhof rumknutschen, das koennte Menschen verletzen, die gerade Liebeskummer o.ae. haben. Damals haben wir ueber sie gelacht, heute kann ich es sehr gut nachvollziehen. Auch wenn man vielleicht nicht direkt weiss, wie man es konkret in die Tat umsetzen soll, so finde ich, allein schon der Schritt des Reflektierens, Hinterfragens und darueber Nachdenkens ein sehr wichtiger. Privilegien sollten immer hinterfragt werden!«
Daß in der vernunftverhafteten Normsprache ein Privileg einen illegitimen Vorteil bezeichnet, der einer dadurch über eine Mehrheit sich erhebenden Minderheit zukommt, und daß es bei dem wichtigtuerisch so genannten »Hinterfragen von Privilegien«, das die Queer-Community betreibt, im Gegenteil darum geht, von einer Mehrheit gepflegte Verhaltensweisen im Namen von Sonderrechten zu sanktionieren, also für das eigene, zum lebensnotwendigen Identitätsmerkmal hypostasierte Minderheitendasein Privilegien zu schaffen, um der »heteronormativen« Mehrheit im Namen minoritärer Empfindlichkeiten allerlei Verhaltensmaßregeln aufzwingen zu dürfen– das sind fast schon Petitessen angesichts der Mischung aus Idiotie und Dreistigkeit, mit der sich geschlechterpolitisch progressiv dünkende Menschen ihr neuerwachtes Verständnis für die Sexualfeindlichkeit der Großelterngeneration bekunden.

(…)

Während die kleinbürgerliche Prüderie das transzendierende Moment des Sexus in der Mahnung, ihn nicht allzu deutlich zur Schau zu stellen, zumindest negativ festhält, zielt die nachbürgerliche Prüderie darauf, alle noch vorhandene Restlust in die Affirmation der totalisierten Lustlosigkeit zu verwandeln, die ohnehin Status quo ist. Deshalb können Queere, obwohl sie Homosexuelle als Minorität politisch mitzuschleppen suchen, auch mit schwulem und lesbischem Begehren letztlich nichts anfangen, einfach, weil es überhaupt noch ein spezifisches, an spezifische Objekte sich heftendes Begehren ist.

(…)

Gemäß der als »Definitionsmacht« kodifizierten Regel, daß jeder Wahn respektiert werden muß, solange die von ihm Befallenen an ihn glauben, ist man der Definition von »Aven« zufolge asexuell, »wenn man sich selbst so sieht«.“

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei dem Zeitschriftennamen „konkret“ muss ich an eine Zeile aus dem Refrain folgenden Liedes denken…

Die Fantastischen Vier: Was geht

Fundstück: Radikalfeministinnen gegen intersektionale Feministinnen

Es ist Zeit, die strategischen Popcorn-Reserven anzubrechen: Unter dem Titel „Berliner Szene: Die Hetzfeministinnen“ schießt die Emma gegen die Netzfeministinnen (die poststrukturelle, intersektionale Genderfeministinnen sind). Da kann es eigentlich nur Gewinner geben.

Es kommt auch zu allerlei unfreiwillig amüsanten Formulierungen, dem Vorwurf etwa, die Netzfeministinnen etwa würden Menschen mit der falschen Meinung einfach den Mund verbieten und sie diskreditieren. Wie Fefe bereits sehr treffend kommentierte:

Das ist bei Emma natürlich völlig ausgeschlossen, dass Kritiker mit plumpen Parolen mundtot gemacht werden sollen!1!!

Alles Evolution brachte eine Twitter-Ernte als Artikel. Eine unvollständige Auswahl an Höhepunkten:

  1. Ist die Emma jetzt dem Patriarchat zuzurechnen?
  2. Hat der Artikel bei der Emma absichtlich keine namentlich genannte Autorin, damit die Netzfeministinnen nicht wie üblich die berufliche Existenz eines Kritikers durch eine konzertierte Aktion vernichten können?
  3. Müsste nach der Logik „einem Opfer muss immer geglaubt werden“, die vom poststrukturellen, intersektionellen Genderfeminismus eingefordert wird, der Emma nicht pauschal recht gegeben werden, wenn sie sich über Ausgrenzung beklagt?

In der Zwischenzeit hat Christian Schmidt den Zwist dankenswerterweise in einem richtigen Artikel aufgearbeitet: „Emma-Feminismus“ vs „Netzfeminismus“: EMMA bezeichnet Anne Wizorek, Jasna Strick, Teresa Bücker etc als Hetzfeministen. Hier wird auch auf die Unterschiede in den Ideen eingegangen, der hinter den beiden Feminismusvarianten steckt. Solche Erklärungen halte ich – abseits von allem Amüsement – für sehr wichtig.

Es hat einen großen Nutzen, einmal einige Punkte zu nennen, in denen Alice Schwarze und Co einerseits und Anne Wizorek und Co andererseits gegensätzliche Ansichten vertreten. Zum einen ist das Prostitution (dagegen / dafür), zum anderen Islam (grundsätzlich böse / grundsätzlich gut). Da ist es nämlich kein Wunder, dass es soviel „Antifeminismus“ gibt: Man wird immer einem bestimmten feministischen Weltbild widersprechen, egal was man vertritt. Auch eine abwägende Haltung zu Prostitution oder Islam ist damit immer antifeministisch.

Was sich in diesem Konflikt abzeichnet, ist eine Wachablösung wie in der englischsprachigen Welt, hier allerdings verschärft, weil es in Deutschland jahrzehntelang eigentlich nur eine einzige Feministin gab, die Autorität und Geltung hatte: Alice Schwarzer. Die jungen Feministinnen müssen deswegen eine Emanzipation gegen Schwarzer durchführen, weil diese so lange alles weggebissen hat, was sich als Alternative zu ihr hätte bilden können. Weil Erneuerung so lange abgeblockt wurde, muss sie nun mit einem Knall kommen. Die im Emma-Artikel aufgeführten früheren Szenen („Girlies“ aus den 1990ern, Alphamädchen aus den 2000ern) dienen da als warnende Beispiele!

Zu den zitierten Debatten aus den 1970ern mit den diversen „Widersprüchen“ empfehle ich die Erklärung von Leszek in einem Kommentar, der darstellt, wie aus dem Haupt/Nebenwiderspruch die Intersektionalitätstheorie ursprünglich als fortschrittliche These entgegengestellt wurde.

Am Ende geht es bei dem Konflikt natürlich ums liebe Geld. Hier konkurrieren Alice Schwarzer (Geld ins Ausland geschafft) und Anne Wizorek (Posten von der Regierung bekommen).

Egal, wie es ausgeht: Es ist sehr angenehm, zu erleben, wie sich zwei männerfeindliche Feminismusvarianten gegenseitig anfeinden!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Das Lied wurde im Zusammenhang mit dem Zoff schon leicht abgewandelt von den Weltraumaffen auf Twitter zitiert.

Freundeskreis: A-N-N-A

Fundstück: Leszek verteidigt Konservative

Ganz im Sinne des gestrigen Beitrags geht es heute weiter, wenn es auch diesmal eines längeren Vorlaufs bedarf. Zu einem Artikel bei Alles Evolution, der ein Interview mit Jordan Peterson bespricht, schrieben crumar und Leszek sehr erhellende Kommentare.

Zunächst crumar:

So sehr ich das Anliegen von Jordan Peterson (ebenfalls bspw. Sargon) schätze und unterstütze in ihrem Kampf um „freedom of speech“, so sehr geht mir seine Unkenntnis und (angelsächsische) Ignoranz auf die Nerven.

Bevor ich dazu Beispiele für meine Kritik bringe, möchte ich ein weiteres Video mit ihm empfehlen, weil ich die Kritik an den SJW prinzipiell teile:

Seine in diesem Video vorgestellte These, seine Erkenntnisse bezüglich einer *autoritären Persönlichkeit auf der Linken* sei neu ist jedoch falsch und entweder eine Lüge oder der Tatsache geschuldet, dass er nur Veröffentlichungen im angelsächsischen Sprachraum zur Kenntnis nimmt.

Falls es noch niemandem aufgefallen ist: Die meisten Forscher und Forscherinnen im angelsächsischen Sprachraum können nur *in einer einzigen Sprache* lesen und schreiben, nämlich Englisch.

Was Peterson daher m.E. wahrgenommen hat, sind die in den USA veröffentlichten Forschungsergebnisse der „Frankfurter Schule“ zur „autoritären Persönlichkeit“, die schließlich 1950 in der Veröffentlichung der „The Authoritarian Personality“ mündete.

Dazu hier mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Autoritäre_Persönlichkeit

Hieraus geht hervor, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Konservativismus und autoritärer Persönlichkeit gibt.
Dies war natürlich leitend für die weitere Autoritarismus-Forschung.

Würde er jedoch Kenntnis von E. Fromms Studie von 1929/30, die später unter dem Titel „Arbeiter und Angestellte am Vorabend des Dritte Reiches“ (sehr viel später) veröffentlicht worden ist, besitzen, dann wäre seine These abenteuerlich.

Denn die zentrale Erkenntnis dieser Studie war:

„Die Erwartung, daß sich bei den Arbeitern und Angestellten ein revolutionärer Charakter ausmachen ließe, der durch ein solidarisches, nicht konkurrentes und liebendes Ich gekennzeichnet sein sollte, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: Viele Anhänger der politischen Linken waren gekennzeichnet durch den Widerspruch zwischen politischen Zielen, die auf eine Überwindung der Klassengesellschaft zielten, und persönlichen Haltungen, vor allem gegenüber Frauen und Kindern, die eindeutig einem autoritären Modell zuzurechnen sind.“

http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/autoritaere-persoenlichkeit/1819

D.h. seine These ist wenig originell und schon mal gar nicht neu.
Dann unterschlägt er weiterhin alles, was Wilhelm Reich an einem autoritären Sowjetstaat in „Die Massenpsychologie des Faschismus“ kritisiert hat. Es ist 1946 auf Englisch erschienen; wenigstens so sollte er es gelesen haben.

Der Kommentar ist ursprünglich noch länger. Für mich spielte vor allem der Verweis auf die Forschung von Erich Fromm eine Rolle. Auf diese bin ich erst vor kurzem aufmerksam geworden, weil sie in dem Artikel „AfD, BNP, Front National, Norbert Hofer, Donald Trump – überall Rechtspopulismus?“ erwähnt wird. Dort geht es unter anderem um den französischen Soziologen Didier Eribon, welcher feststellt, dass die Arbeiterklasse durchaus rechts und autoritär sein kann: Warum die Arbeiterklasse nach rechts rückt (beide Quellen via Nachdenkseiten gefunden). Also insgesamt eine interssante These, die auch anderswo aufgegriffen wird.

Hierzu nun der vollständige Kommentar von Leszek:

Danke für diesen wichtigen Beitrag.

Eine kleine Ergänzung.
In Theodor W. Adornos „Studien zum autoritären Charakter“ ist der autoritäre Charakter nicht als konservativ, sondern explizit als pseudo-konservativ bezeichnet worden.

Adorno und Horkheimer haben zudem in späteren Schriften deutlich zum Ausdruck gebracht, dass eine pauschale Gleichsetzung von autoritärem Charkter und konservativ falsch ist.

Max Horkheimer hat in der Spätphase seines Werkes mehrfach einen bestimmten Typus des Konservativen verteidigt, den er als humanistischen Konservativen beschrieb und den er deutlich vom autoritär gesinnten Konservativen oder vom Faschisten abgrenzte.

Max Horkheimer:

„Der wahre Konservative ist vom Nazi und Neonazi nicht weniger weit entfernt als der wahre Kommunist von der Partei, die sich so nennt, nicht unähnlich dem Christen im Verhältnis zur Kirche zur Zeit der Reformation und Gegenreformation. Nazis und Parteikommunisten sind Diener niederträchtiger Cliquen, die nichts anderes wollen als die Macht und ihre endlose Ausdehnung. Ihre wahren Feinde, der Gegenstand ihres Hasses, sind keineswegs, wie sie behaupten, die Totalitären der Gegenseite, sondern die, denen es mit der besseren, richtigen Gesellschaft ernst ist. Zwischen Achtung und Verachtung des Lebendigen verläuft die Trennungslinie (…).“

(aus: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 6: „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ und „Notizen 1949 – 1969“, Fischer Verlag, 2008, S. 408 f.)

„Im übrigen habe ich oft betont, daß richtige Aktivität nicht bloß in der Veränderung, sondern auch in der Erhaltung gewisser kultureller Momente besteht, ja daß der wahre Konservative dem wahren Revolutionär verwandter sei als dem Faschisten, so wie der wahre Revolutionär dem wahren Konservativen verwandter ist als dem sogenannten Kommunisten heute.“

Nachzulesen hier:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45226214.html

„(…) Schopenhauer stand kritisch zur Welt, aber nicht kritisch im Sinne moderner Revolution, sondern kritisch im Sinne des Konservativen. (…) Er maß – wie sehr viele Konservative – die Welt an den Ideen, zu denen sie sich bekannte, und er fand einen krassen Unterschied; und das bestimmte weitgehend die Kritik, die er an der gesellschaftlichen Realität übte. Ich will jetzt nicht auf seine Metaphysik eingehen, die zwar sehr wichtig ist, sondern darauf hinweisen, dass die konservative Haltung ebenso kritisch sein kann, wenn sie eine wahre konservative Haltung ist, wie die ihr entgegengesetzte revolutionär-marxistische. Von Marx las ich erst nach dem Ersten Weltkrieg etwas, und ich fand manche Ähnlichkeit mit Schopenhauer, denn es schien mir, dass die Marxsche Lehre eigentlich ein Protest dagegen war, dass die Losungen der bürgerlichen Revolution – liberte, egalite, fraternite – in der Welt, die sich zu ihnen bekannte, nur für eine relative kleine Gruppe verwirklicht wurden. Und so kamen für mich diese beiden Denker zusammen.”

(aus: Max Horkheimer – Verwaltete Welt. Gespräch mit Otmar Herrsche. In: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 7, Vorträge und Aufzeichnungen 1949 – 1973, S. 364)

Und Adorno betonte in einem Rundfunktbeitrag von 1959 ausdrücklich, dass die autoritäre Persönlichkeit nicht an eine bestimmte politische Weltsicht gebunden ist und auch auf Seiten der Linken zu finden ist:

„Man beurteilte die autoritätsgebundenen Charaktere überhaupt falsch, wenn man sie von einer bestimmten politisch-ökonomischen Ideologie her konstruiere; die wohlbekannten Schwankungen der Millionen von Wählern vor 1933 zwischen der nationalsozialistischen und der kommunistischen Partei sind auch sozialpsychologisch kein Zufall. Amerikanische Untersuchungen haben dargetan, dass jene Charakterstruktur gar nicht so sehr mit politisch-ökonomischen Kriterien zusammengeht. Vielmehr definieren sie Züge wie ein Denken nach den Dimensionen Macht – Ohnmacht, Starrheit und Reaktionsunfähigkeit, Konventionalismus, Konformismus, mangelnde Selbstbesinnung, schließlich überhaupt mangelnde Fähigkeit zur Erfahrung. Autoritätsgebundene Charaktere identifizieren sich mit realer Macht schlechthin, vor jedem besonderen Inhalt.“

(aus: Theodor W. Adorno – Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit, in: Theodor W. Adorno – Erziehung zur Mündigkeit, Suhrkamp, 2015, S. 17)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Fahren wir doch einfach mit der Musik von Queen passend zur Saison fort:

Queen: A Winter’s Tale