Fundstück: Kommentar beim Freitag zur kulturellen Aneignung

Der Artikel „Nicht gecheckt“ von Leander F. Badura beim Freitag befasst sich mit kultureller Aneignung („cultural appropriation“). Ein Kommentar von rka001 hat nicht nur für einige Besuche hier im Blog gesorgt, sondern ist in Gänze lesenswert:

Es gibt in der Linken einige Kommentatoren, die die postmoderne, intersektionale Linke sehr hart kritisieren, z.B. den Blogger Leszek, den ich hier verlinke:

Nutzt die postmoderne Political Correctness den neoliberalen ökonomischen Herrschaftseliten?

Der Kern der Kritik ist, daß die Diskurse, die innerhalb der Linken geführt werden, letzlich zur Spaltung dieser führen, und damit nur den Eliten nützt.

Ein Blogger hat etwas als „Linksflucht“ bezeichnet, was ich bei mir und vielen anderen (älteren) Linken beobachte: Eine zunehmende Entfremdung zwischen der postmodern-geprägten Linken und solchen Menschen, die in den 80gern und 90gern Links-sein mehrheitlich mit dem Kampf zwischen den Klassen assoziiert haben.

Insofern muss ich auch Dirk Ludigs [einem der Vorkommentatoren] widersprechen. Es ist völlig egal, wie man Konzepte wie cultural appropriation einmal gemeint hat. Entscheidend ist, wie sie praktisch umgesetzt werden, und welche Entwicklungen sie forcieren. Im Moment ist es doch so, daß das Ergebnis linker Identitätspolitik äquivalent zu den Ergebnissen rechter Identitätspolitik erscheint: Nämlich die Trennung kultureller Gruppen. Wir haben an amerikanischen Unis mittlerweile nach „Rassen“ getrennte Wohnbereiche und Abschlussfeiern. Wenn ich einem weisshäutigen Menschen verbiete, Dreadlocks zu tragen, sind die Gründe egal: Weil er sich der Aneignung schuldig mache, oder weil er sich „un-weiss“ verhält. In beiden Fällen vergreife ich mich an der Freiheit einzelner. Und wie jemand richtig bemerkt hat, im ersteren Falle wird kein PoC dieser Welt mehr Macht erhalten, weil ein WeisseR sich der Dreads erledigt.

Man muss auch mal sehen, daß die, die heute soviel über Privilegien reden, selber vor Privilegien kaum laufen können, siehe z.B. Frau Hengameh, die sicherlich alles ist, aber keine PoC. [gemeint ist Hengameh Yaghoobifarah]

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Kulturelle Aneignung in Form von Northern Soul!

Softcell: Tainted Love

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Fundstück: Ahoi Polloi über kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung

Zu Ahoi Polloi gibt es nur eins zu sagen: Diese Comics gehen wirklich immer.

Die Themen kulturelle Aneignung („cultural appropriation“), rape culture und sexistische Werbung wurden auch in diesem Blog schon angesprochen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute mit einem Lied, das nicht ohne „kulturelle Aneignung“ möglich gewesen wäre.

Gentleman: Dem Gone

Warum ich den Vorwurf der kulturellen Aneignung in zwei Fällen begrüße

Es war eine der dümmsten Meldungen des vergangenen Jahres: Ein Schüler in Kanada durfte sich zu Halloween nicht als Mariachi-Spieler verkleiden, weil sein Kostüm „sehr beleidigend“ war. Dabei war er selbst Kolumbianer und laut eigenen Angaben stammte bis auf die Gitarre alles aus seiner Heimat. Die Begründung der Schule: Kultur sei kein Kostüm.

Darauf gestoßen bin ich über folgendes Video (10:38-13:20):

Sargon of Akkad: This Week in Stupid (01/11/2015)

Der ganze Schwachsinn ereignete sich unter dem Stichwort „kulturelle Aneignung“ (cultural appropriation), genauer natürlich deren Bekämpfung. Den wo kämen wir da hin, wenn sich Leute beliebig Elemente aus anderen Kulturen raussuchen dürften, die ihnen gefallen? Das muss unbedingt verhindert werden!

Mir ist vor ein paar Tagen eine Idee gekommen, wie man diesen Blödsinn für eine bessere Debattenkultur einsetzen kann – oder sogar gegen sich selbst. Nachdem ich schon geschrieben hatte, was man tun kann gegen Lügner und Manipulatoren, hier ein deutlich weniger ernst gemeinter Vorschlag.

Wenn jemand, der ansonsten „cultural appropriation“ kritisiert, gegen eines der zehn Gebote für bessere Diskussionen verstößt, kann man entgegen: „Scheinargument / Logikfehler stammt ursprünglich von anderer Kultur. Was Du machst, ist nichts anderes als kulturelle Aneignung!“

Aber es geht noch besser: Wie wär’s damit, einen täuschend echt aussehenden Text zu verbreiten, in dem etwa so argumentiert wird?

„Die Tradition, Inhalte anderer Kulturen (also Mode, Haartracht, Schmuck, Zeichen, Musik etc.) nicht einfach so zu übernehmen, stammt ursprünglich von Afroamerikanern, welche in erster Generation aus Afrika als Sklaven verschifft wurden. Durch den täglichen Überlebenskampf erwies es sich als besonders wichtig, an den eigenen Sitten und Gebräuchen festzuhalten, um unter dem enormen Druck die eigene Identität nicht zu verlieren. Eine Anpassung (sog. „tomming“) wäre einer Aufgabe gleichgekommen.

Die ursprüngliche Motivation eines „sich stemmen gegen die Herrschaftsverhältnisse“ geriet leider in Vergessenheit, ja wurde noch schlimmer von den Herrschenden zweckentfremdet und umgedreht, um die Kultur der Rechtlosen nicht „nach oben“ durchsickern zu lassen. Wenn also heutzutage aus bester Absicht eine „kulturelle Aneignung“ kritisiert wird, stellt dies in Wirklichkeit selbst eine unreflektierte Übernahme dar, die aufs schärfste zu kritisieren ist. Gerade die größtenteils besonders priviligierten Einwohner der westlichen Industrienationen sollten stattdessen das Gegenteil praktizieren und auf beliebige Weise Elemente verschiedener Kulturen mischen.“

Gut, wahrscheinlich zu naiv gedacht. Aber als Comic bei erzählmirnix könnte ich mir die Argumentation vorstellen. (Oder jemand hat es längst verarbeitet und ich habe es verpasst / überlesen.)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal natürlich kulturell angeeignet ein Lied, das mit Mariachi zu tun hat (stammt ursprünglich aus dem Film Desperado).

Los Lobos & Antonio Banderas: Canción del Mariachi“ („Morena de Mi Corazón“)