Warum ich schon wieder eine Karriereweisheit bei Star Trek sehe

Kürzlich hatte ich mich erfreut über eine Karriereweisheit in der Serie „Star Trek: The Next Generation“ (TNG) geäußert. Erst später fiel mir auf, dass nur wenige Folgen später eine weitere wichtige Lektion gelehrt wird.

Wer TNG trotz des Alters und Popularität der Serie noch nicht kennt und sie noch sehen will, der lese bitte nicht weiter.

Passenderweise heißt die betreffende Folge der 6. Staffel „Lessons„. Captain Jean-Luc Picard und die neue Chefin der Astrowissenschaft verlieben sich ineinander. Die Dame ist ebenfalls ein hochrangiger Offizier, Lieutenant Commander, wie Data oder Deanna Troi zum damaligen Zeitpunkt. Auch wenn der Zuschauer zunächst den Eindruck bekommt, sie reiße alle Schiffsresourcen an sich, so bekommt er bald das Bild einer Frau präsentiert, die voll in ihrem Fach aufgeht und das beste für ihre Abteilung will, aber auch menschlich zugänglich ist und außerhalb ihres Berufes Musik als Leidenschaft hat.

Problematisch wird das Verhältnis, als Picard auch über ihr Leben im Rahmen einer gefährlichen Mission entscheiden muss. Die Erfahrung, dass sich die Gefühle bei beiden eben nicht so einfach ausschalten lassen und auch richtiges Verhalten zu Schuldgefühlen führen kann, bringt die Offizierin schließlich dazu, sich auf eine Stelle außerhalb der Enterprise versetzen zu lassen und die Beziehung zu beenden. Auf ihre Karriere verzichten, um auf der Enterprise zu bleiben ohne in gefährliche Einsätze zu kommen, möchte sie nicht. Das ist auch gut nachvollziehbar, berücksichtigt man ihren Rang und wie sie bei der Arbeit bei der Sache ist. Zwar sagen sich beide, dass man ja den Landurlaub miteinander abstimmen könne, aber schon das klingt halbherzig und es ist klar, dass die Liebe auseinanderbricht.

Die Folge erklärt recht gut, warum eine Beziehung zwischen zwei Menschen, denen die Karriere an erster Stelle steht und die sehr hoch auf der Rangleiter stehen, sehr schwierig bis unmöglich ist. Auch diese ist nicht eine meiner Lieblingsfolgen, aber in diesem Punkt sehr realistisch.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ein fürchterlich schlechter Film, aber ein toller Soundtrack: Star Trek V – The Final Frontier. Zwei Filme später fragt sich Kirk, wann Sulu Zeit gehabt hat, eine Familie zu gründen…

Jerry Goldsmith: A Busy Man

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Warum ich mich über diese Karriereweisheit bei Star Trek freue

Die Serie „Star Trek: The Next Generation“ (TNG) beleuchtet in einer ihrer späten Folgen einen interessen Aspekt zu Karriere und Risiken. Es ist zwar weder eine meiner Lieblingsfolgen noch ist sie als eine der wichtigsten Folgen in die Star-Trek-Geschichte eingegangen, aber trotzdem lohnt sich ein Blick.

Wer TNG trotz des Alters und Popularität der Serie noch nicht kennt und sie noch sehen will, der lese bitte nicht weiter.

In der Episode „Tapestry“ in der 6. Staffel geraten mehrere hochrangige Offiziere der Enterprise in einen Hinterhalt. Dabei wird Captain Jean-Luc Picard lebensgefährlich verletzt: Sein künstliches Herz, das er nach einem Zwischenfall zu Beginn seiner Karriere vor dreißig Jahren erhalten hat, setzt aus.

Unverhofft findet er sich auf einer weißen Umgebung wieder – aber nicht mit Gott, sondern Q, dem allmächtigen, aber auch aufdringlichen Wesen, das der Crew der Enterprise seit der ersten Folge zu schaffen macht und sie in unregelmäßigen Abständen besucht. Nach einer der üblichen Diskussionen zwischen den beiden bringt Q Picard in der Zeit zurück.

Er ist wieder ein frischgebackener Fähnrich (Ensign), der die letzten Tage vor Erhalt seines Kommandos mit seinen beiden Freunden von der Akademie verbringt. In diese Zeit fällt auch der Zwischenfall, der ihn sein Herz gekostet hat. Q stellt Picard die Aufgabe, dieses Mal nicht fast zu sterben. Tatsächlich schafft es Picard, dem entscheidenden Konflikt aus dem Weg zu gehen, doch um den Preis, durch sein untypisch ausweichendes Verhalten beide Freundschaften zu zerstören.

Plötzlich befindet er sich zurück auf der Enterprise – jedoch nicht als Captain, sondern nur deutlich niedrigerer wissenschaftlicher Offizier (Lieutenant junior grade). Zum Vergleich: Das ist der Rang, den der etwas komplizierte Reginald Barclay innehat oder Worf in den ersten zwei Staffeln. Für Picard nach dreißig Jahren Offiziersdienst in der Sternenflotte ein allzu bescheidenes Ergebnis – zumal man ihm bescheinigt, nie herausragend gewesen und generell Risiken aus dem Weg gegangen zu sein. Er wird also als ungeeignet zum Führungsoffizier befunden, hat aber auch nicht etwa eine alternative Karriere als Wissenschaftler hingelegt (Archäologie war doch seine Leidenschaft!), sondern ein relativ beschauliches Leben ohne großen Fokus auf irgendetwas geführt.

Zum Glück für Picard hat der Spuk schnell ein Ende und er steht wieder vor Q. Der erinnert ihn daran, was für Risiken er auf sich genommen hat – etwa ein Außenteam geführt, um einen Botschafter zu retten, oder das Kommando an Bord eines Schiffes übernommen, als der Captain im Kampf getötet worden war.

Am Ende entscheidet sich Picard, lieber zu sterben als so ein für ihn langweiliges Leben zu führen, und erwacht schließlich in seiner normalen Zeit auf der Krankenstation, dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen.

Das eigentliche Thema dieser Episode – „Was wäre, wenn ich etwas anders gemacht hätte im Leben?“ – ist ein beliebtes Motiv in Fantasy- und Science-Fiction-Filmen, wird aber ebenfalls in „normalen“ Serien oder romantischen Filmen eingesetzt. Es ist für Normalsterbliche relativ einfach nachvollziehbar, bietet Schauspielern den Reiz, in der „alternativen Zeit“ einen Charakter ganz anders darzustellen und kann aus einem gewohnten Setting noch einmal etwas Neues abgewinnen.

Dabei gibt es üblicherweise zwei Versionen: Der Protagonist ist der Meinung, er habe sein ganzes Leben verpfuscht, und sieht dann die alternative Welt, in der es vielen Menschen deutlich schlechter geht (deswegen fungiert als Auslöser für die Reise gerne ein Engel). Oder die Originalrealität ist schlecht und muss durch einen Eingriff in der Vergangenheit „repariert“ werden (was natürlich moralische Implikationen mit sich bringt: wer darf das und wie stark?).

In diesem Fall verhält es sich anders: Picard hatte ein gutes Leben, einzig der drohende Tod ist der Auslöser, etwas anders zu machen. Dabei wird ein klarer Zusammenhang zwischen Karriere und Risiken aufgezeigt. Mit „Risiken“ sind hier keine temporären Rückschläge oder finanzielle Durststrecken gemeint, sondern tatsächliche Gefahr für Leib und Leben, die hier sogar drastisch vor Augen geführt wird. Dieses „nur weil er solche Risiken einging, konnte er so hoch aufsteigen“ ist eine Weisheit, die sich auf die Welt außerhalb von Star Trek und Fernsehserien sehr gut anwenden läßt. Es ist ein guter Punkt für jede Diskussion, warum Leute in Spitzenpositionen aufsteigen – zusammen mit der Tatsache, dass Picard keine eigene Familie hat, wie übrigens die meisten von den Brückenoffizieren der Enterprise, im Gegensatz zu ihren Untergebenen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Hurra, hurra, ich flieg‘ mit Picard / was für ein Glück, ich flieg‘ mit Jean-Luc“ und „ich bleib‘ Deanna Troi treu“ – herrliche Zeilen!

J.B.O. – Der Star Trek (+ Intro „Sound Trek“)

Warum ich keine Verschwörung gegen Frauen in DAX-Vorständen wittere

Bisherige Artikel zum Thema Statistik:

Im Februar wies Genderama auf einen Artikel hin, der die geringere Verweildauer von Frauen in DAX-Vorständen thematisierte. Bezeichnenderweise wurden diese Frauen bereits in der Überschrift als „gescheitert“ bezeichnet – und man hatte auch gleich eine Verschwörungstheorie parat: Wurden sie etwa in eine Falle gelockt? Ich habe mal die Regel gehört, dass wenn eine Zeitungsüberschrift aus einer Ja/Nein-Frage besteht, die Antwort „nein“ richtig ist.

Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand bei der Telekom, unterstützt jedoch diese These und wird mit den Worten wiedergegeben, „Frauen würden gezielt in die Falle gelockt“. Ein Catch-22 von dem Kaliber, wie ich es zuvor von Anne Wizorek kannte: Steigen Frauen nicht in höchste Positionen auf, ist das das Werk einer Männerverschwörung; tun sie es jedoch, ist es hingegen ein hinterhältiger Trick der Männerverschwörung. Alles und das Gegenteil davon zeigt, wie fies man zu Frauen ist. Der Erfolg ist nur eine Falle, damit Frauen keinen Erfolg haben!

Bereits einige Monate vorher, im November 2014, waren die Frauen, die aus den DAX-Vorständen scheiden, Thema der Unstatistik des Monats des Rheinisch-Westfälischen Institus für Wirtschaftsforschung. Diese Serie habe ich bereits einmal erwähnt – es lohnt sich, da am Ball zu bleiben.

Sie erwähnt einen Artikel vom August, in dem eben jener Thomas Sattelberger dieselbe These von der Verschwörung vorträgt. Als Zahlenbasis dienen dabei 8 von 17 Frauen und eine durchschnittliche Verweildauer von 3 Jahren (im Vergleich zu 8 bei Männern).

In dem Unstatistik-Artikel wird gleich das wichtigste Argument genannt: Eine so geringe Anzahl von Fällen läßt keine statistisch signifikante Analyse zu. Beweisen läßt sich damit also gar nichts.

Aber es folgt angenehmerweise sogar eine ganz schlüssige Erklärung: Zum einen sind die Frauen häufiger Quereinsteiger, zum anderen besetzen sie oft das Personalressort. Beides ist mit häufigeren Wechseln verbunden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ergebe sich auch kein Unterschied zwischen den 24 Frauen und 209 Männern, die seit 2007 in den Vorstand eines DAX-Unternehmens berufen worden seien.

Diese kurze, klar verständliche Erklärung war also bereits Ende 2014 verfügbar. Trotzdem wird Anfang diesen Jahres weiter die Mär von der Verschwörung gegen die Frauen verbreitet.

Jetzt mal ganz anders gefragt: Was hat Thomas Sattelberger davon, immer wieder mit derselben (falschen, aber offensichtlich populären) Behauptung in der Zeitung zu stehen? Hat er etwas zu verkaufen, das er damit bewerben möchte? Oh, der neuere Artikel erwähnt es gleich: Es geht um sein Buch „Ich halte nicht die Klappe. Mein Leben als Überzeugungstäter in der Chefetage„. Das soll wohl mutig klingen, könnte aber ebensogut auf einen Menschen hinweisen, der ideologisch motiviert vorgeht.

Beachtlich finde ich dabei zweierlei: Zum einen, dass das Ausscheiden der Frauen aus den DAX-Vorständen als „Scheitern“ angesehen wird, obwohl es laut Statistik nichts Ungewöhnliches ist. Zum anderen, dass offenbar keiner der Frauen zugetraut wird, sich auf dieser Stufe der Karriere durchzusetzen – im Zweifelsfall auch gegen Skeptiker oder erschwerte Bedingungen (Umstände übrigens, die Männern so weit oben vollkommen unbekannt sein müssen; da scheint es irgendwann ohne Aufwand von alleine zu laufen). Frauen werden also von denjenigen als unfähige Versager angesehen, die vorgeben, ihnen helfen zu wollen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es um Möglichkeiten und Kohle machen geht…

The Pet Shop Boys: Opportunities (Let’s Make Lots of Money)