Warum weder ich noch Männer und Jungen im allgemeinen Probleme mit weiblichen Hauptfiguren haben

Entgegen allen Behauptungen gibt es viele „Frauen als Heldinnen im Film“ und Männer mögen diese Filme. Sind die angenommenen Unterschiede in den Vorlieben also falsch?

Uepsilonniks erwähnte in einem Kommentar seinen Artikel „Weibliche Helden à la Hollywood – Ein Problem?“. Es steht dort nicht direkt drin, aber es hat mir zwei Erkenntnisse ins Gedächtnis gerufen:

1. Im Prinzip ist die Verallgemeinerung „Männer kommen mit weiblichen Helden nicht zurecht“ die Übertragung der Verallgemeinerung „Männer kommen mit starken Frauen nicht zurecht“ auf die Popkultur.

2. Wenn die „Stärke“ einer weiblichen Figur darin besteht, immer und überall besser zu sein als alle Männer, dann ist das auch keine interessante Geschichte für Männer im allgemeinen. Es wäre aber auch eine extrem langweilige Figur.

So geht’s nicht!

Solche Allmachtsphantasien, in denen das andere Geschlecht komplett auf die Matte geschickt wird, sie können nur in der Erzählrichtung „Frau gewinnt gegen Männer“ funktionieren. Umgekehrt gibt es nichts an Prestige zu gewinnen. Das mag böse sexistisch klingen; wenn der Kampf auf der Ebene der Körperkraft stattfindet, wird das jedoch mit Fakten aus der Biologie unterfüttert. Dazu nur zwei Fakten aus einer ganzen Sammlung in zwei Artikeln bei „Alles Evolution“:

1. Der Oberkörper von Männern ist im Schnitt 40-50% stärker.

2. Der durchschnittliche Mann hat also die Griffstärke einer professionellen Handballspielerin oder professionellen Judokämpferin.

Christian Schmidt:

99,9% der Frauen haben weniger Oberkörpermuskelmasse als der durchschnittliche Mann. Da sind schon eine Menge sportlicher Frauen darunter und die allermeisten davon sind dennoch schwächer als der durchschnittliche Mann. Was auch deutlich macht, dass alle Vorstellungen davon, dass Frauen ruhig gegen die Männer im Sport konkurrieren könnten utopisch sind.

Dass die „Stärke“ der Frau sich aus der Position gegen alle Männer speist, sollte zu denken geben: Mit echter Stärke, die man in sich selbst hat und nicht in Abgrenzung zu anderen, hat das nichts zu tun. Außerdem wird hier der Geschlechterkampf „Frauen gegen Männer“ gepredigt, ein Nullsummenspiel der Geschlechterverhältnisse.

So geht’s!

Lucas Schoppe hatte vor einigen Monaten in einem sehr aufschlussreichen Text namens „Jungen lesen anders“ aufgeführt, welche Mythen über die Lesegewohnheiten von Jungen herrschen und was sie tatsächlich motiviert. Die Behauptung, “Mädchen würden sich beim Lesen auch in Jungen- oder Männerfiguren hineinversetzen, Jungen sich aber nicht in Mädchen- oder Frauenfiguren.“, korrigierte er prompt:

Aus der Erfahrung im Unterricht lässt sich diese Meinung nicht bestätigen. Jungen versetzen sich sehr wohl und durchaus selbstverständlich auch in Mädchenfiguren hinein. Wir haben zum Beispiel beide schon die Erfahrung gemacht, dass Lutz Hübners (…) Stück Creeps – in der lediglich drei Mädchen bei einem Casting auftreten – auch Jungen begeistern kann. Heldinnen wie Lindgrens Ronja Räubertochter sprechen ganz selbstverständlich auch Jungen an.

Die Vorstellung, Jungen würden sich nicht mit weiblichen Figuren identifizieren, verrät wohl einen durchaus traditionellen und tendenziell auch ressentimentgeladenen Blick auf sie: Jungen nämlich wären weniger als Mädchen fähig oder bereit zur Empathie.

Diese schiefe Blick setzt sich, nebenbei bemerkt, bis ins Erwachsenenalter fort. Männer können ja gar nicht nachvollziehen, was es heißt, wenn man X ist oder Y erlebt…

Dabei gibt es laut Lucas Schoppe sogar recht einfache Indikatoren, was Jungen gerne lesen und was nicht. Und diese haben, welch Überraschung, nichts mit dem Geschlecht der Protagonisten zu tun:

Deutlich wichtiger noch als für Mädchen ist es nach unserer Erfahrung für Jungen, dass ein Buch handlungsstark ist, also eine nachvollziehbare, spannende, vielleicht auch actionreiche äußere Handlung hat. Die Protagonisten müssen nicht unbedingt männlich, aber sie müssen handlungsfähig sein. Jungen würden sich, kurz gefasst, mit Katniss Everdeen aus den Hunger Games eher identifizieren als mit Bella Swan aus der Twilight-Reihe – die tatsächlich fast ausschließlich von Mädchen gelesen wird.
(…)
Katniss hingegen ist selbstständig, wehrhaft, trickreich, und sie hat gelernt, sich auf sich selbst zu verlassen.

Bücher, in denen das innere Erleben der Protagonisten im Mittelpunkt steht und die äußere Handlung kaum eine Rolle spielt, lassen insbesondere Jungen auch dann kalt, wenn die Protagonisten männlich sind.

Eine ähnliche Diskrepanz zwischen der Ablehnung durch Mädchen und der Freude von Jungen habe ich übrigens umgekehrt niemals bei einem Buch oder Film erlebt – auch nicht, z.B., bei dem Film Juno über die Schwangerschaft eines jungen Mädchens. Auch wenn die junge Juno deutlich im Mittelpunkt steht, waren Jungen daran nicht weniger interessiert als Mädchen – schließlich kann das Thema auch sie betreffen.

Jungen können gut mit Mädchen und Frauen mitfiebern und sich für Geschichten interessieren, in denen diese die Hauptfiguren sind. Warum diese Erkenntnis mit Vorurteilen über das, was Männer angeblich nicht mögen, zuschütten? Zur allgemeinen Lebensfreude oder einem besseren Verhältnis der Geschlechter kann das doch nicht beitragen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute ein Lied, das sowohl Junge als auch Mädchen im Titel hat…

The Chemical Brothers: Hey Boy Hey Girl

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Kurznachrichten vom 05.01.2016

1: Der Spiegel berichtet über eine neue Verhütungsmethode für den Mann. Es besteht aus einem mechanischen Ventil für die Samenleiter. Das spannende daran: Im Gegensatz zu den bisherigen Meldungen über neue Verhütungsmethoden für den Mann ist es keine Zukunftsmusik für irgendwann vielleicht in ein paar Jahren, wenn denn Finanzierungen gesichert und klinische Tests durch sind. Es ist tatsächlich bereits im Einsatz, zumindest beim Erfinder selbst. Und noch besser: Durch einfaches Umlegen des Schalters an dem Samenleiterventil kann der Mann jederzeit selbst festlegen, ob er gerade fruchtbar oder unfruchtbar sein will. Es ist kein weiterer Eingriff eines Arztes mehr erforderlich. /Aranxo

2: Ebenfalls im Spiegel wird die Benachteiligung von Jungen in der Schule zum Mythos erklärt. Dass Jungs schlechter in der Schule sind, sei erstens eh schon immer so und zweitens liege es – gender-konform erklärt – selbstverständlich an den „veralteten“ Rollenbildern, denen Jungs nachhängen.

Als wichtigster Grund für die schlechteren Noten der Jungen gelten Rollenbilder, die das Verhalten prägen: Sich für die Schule anzustrengen, ist unter Mädchen akzeptiert, unter Jungen dagegen oft verpönt.

Zitiert wird selbstverständlich der berüchtigte Bildungsforscher Marcel Helbig, der immer wieder gerne herausfindet, dass Jungs einfach selber schuld sind, wenn sie in der Schule versagen. Man beachte hier die schwammigen Formulierungen wie

Als wichtigster Grund [..] gelten Rollenbilder

und

Sich für die Schule anzustrengen, vermuten die Forscher, gilt in Jungen-Cliquen häufiger als uncool. […]  Erfolg in der Schule […] passt offenbar nicht zum häufig vorherrschenden Männlichkeitsideal.

Mit anderen Worten: Das ist nichts weiter als ideologiekonforme Interpretation, Spekulation und Stochern im Nebel.

Wenn Schule für Jungs nicht so funktioniert, liegt es demnach nicht an den erwachsenen Lehrern und Lehrerinnen oder an den Bildungsplanern, sondern an den minderjährigen Jungs. Ist klar.

Mehr männliche Lehrer hält Helbig selbstverständlich für keine Lösung, denn die gäben Jungs genauso schlechte Zensuren. Und andere Gründe für mehr männliche Lehrer kann man sich schließlich nicht vorstellen. /Aranxo

3: Auf fisch+fleisch hat die Bloggerin „Lesespass“ ein hübsches Rührstück über Massentierhaltung verfasst, dabei die klare Rollenverteilung reproduziert und auch gleich ein wenig Männerbashing untergebracht. Das Opfer ist selbstverständlich weiblich (die Kuh) und die Täter sind männlich (Schlachthausmitarbeiter).

Ich finde auch, dass es ein Skandal ist, dass Frauen in Schlachthäusern völlig unterrepräsentiert sind. Wir sollten da eine Quote fordern, mindestens bis zu dem Prozentsatz, in dem Frauen Fleisch konsumieren!!!11!elf

Im Ernst: Es wird wohl nie aufhören, dass Frauen Männern gerne gewisse Drecksarbeiten überlassen, nicht nur in den Schlachthäusern, auch in den Armeen oder der Energieversorgung, davon genauso profitieren wie die Männer, dass diese Arbeiten erledigt werden, die Privilegien des Sich-Heraushaltens genießen, nur um die Männer hinterher als Brutalos an den Menschen und der Umwelt zu diffamieren und sich selbst als die empfindsameren Seelen zu stilisieren. Ich würde mich noch nicht mal wundern, wenn die Bloggerin „Lesespass“ ihr Männerbashing völlig unabsichtlich gemacht hat. Es gehört eben so zum Mainstream, dass es kaum noch auffällt. /Aranxo

4: Der OffTopic-Hinweis des Tages geht heute an die „Achse des Guten„, wo kleine Hinweise darauf gibt, woran es liegen könnte, dass das Vertrauen in die Mainstreammedien so gesunken ist. Wenn z.B. ein Massaker als Schießerei bezeichnet wird, obwohl nur eine Partei bewaffnet war. Wenn z.B. „schwere Krawalle nach einem rechten Aufmarsch“ (Merke: Rechte marschieren immer, auch wenn sie ganz normal gehen) stattgefunden haben, die Rechten an den Krawallen aber gar nicht beteiligt waren, sondern nur die linken Gegendemonstranten und die Polizei. Wenn dadurch verwischt wird, wer Täter und wer Opfer ist. Und vor allem, in welchen Fällen diese Verschleierung passiert und in welchen nicht. Denn die Verschleierung findet meist in den Fällen statt, in denen man die Täter aus ideologischen Gründen nicht so genau benennen will, weil es nicht ins Weltbild passt, z.B. um nur ja keinen Rassenhass oder „Islamophobie“ zu fördern. Ich für meinen Teil bevorzuge da lieber klare Meldungen, auch wenn sie mir nicht ins liebgewonnene Weltbild passen. /Aranxo

5: Das bemerkenswerte Ausbleiben eines #aufschreies aus dem feministischen Spektrum, wenn die Täter die falschen sind, also keine weißen heterosexuellen Männer, hat Birgit Kelle sehr schön kommentiert. /Aranxo

Warum eine erfundene Krankheit noch keinen wahren Mann macht.

Seit einiger Zeit brüte ich darüber, was ich als nächstes thematisieren soll. Habe eine Idee, finde sie erst mal gut, nur um sie wenig später wieder zu verwerfen.

Bezüglich Männerrechten gibt es eigentlich wenig, zumindest fällt mir gerade nichts ein, was nicht schon mindestens einmal gesagt oder geschrieben wurde. Und seien wir ehrlich: die männlichen Männerrechtsbewegten sind einfach viel besser mit der Materie vertraut als ich es auf absehbare Zeit sein werde. Doch nicht mangels Interesse, sondern eher mangels freier Kapazitäten.

Doch ich würde mich gern weiterhin am Geschlechterallerlei beteiligen. Und bei all den vielen Themen über die ich gern schreiben würde, für die mir jedoch die nötige [Recherche-]Zeit fehlt, gibt es etwas, das hier zu thematisieren mich schon länger in den Fingern juckt. Genauer gesagt, seit ich das hier gelesen habe. Dort schreibt Oliver Flesch unter anderem:

AD[H]S gibt es nicht. Oder sagen wir es nicht ganz so krass: Neunundneunzig Prozent der Kinder, denen es diagnostiziert wurde, sind kerngesund.

Er erzählt von einem Jungen, der angeblich AD[H]S hat. Weil: Wenn sich ein Kind nur auf jene Themen konzentrieren kann, die zufällig in sein persönliches Interessensgebiet fallen, dann ist das in Ordnung und ganz normal. Der Autor erzählt, er selbst habe sich als Kind ebenfalls nicht auf die „uninteressanten“ Fächer konzentrieren können. Und er habe es auch gar nicht gewollt.

Das mit dem Wollen ist ein interessanter Aspekt. Viele Menschen, die mit der Materie nicht vertraut sind, erliegen dem Irrglauben, betroffene Kinder seien „ganz normale“ Kinder und müssten etwas einfach nur genug wollen, dann würden sie es auch auf die Reihe bekommen. Doch AD[H]S und die Unfähigkeit, sich auf eine langweilige oder eintönige Sache zu konzentrieren, ist keine Sache des Wollens bzw. des Nicht-Wollens. AD[H]S ist nichts, wofür man sich bewusst entscheidet. Ist ja schön und so weit tatsächlich normal, dass Klein-Oliver null Bock auf langweilige Fächer hatte. Nur ist AD[H]S tatsächlich etwas gänzlich Anderes. Es ist viel komplexer und besteht aus weit mehr als bloßem „sich-nicht-konzentrieren-Können“.

Für mich, ist der Junge, der heute noch glaubt, er hätte AD[H]S, nicht krank. Für mich ist er ein wahrer Mann!

Die erste Frage, welche sich bezüglich des obigen Artikels aufwirft, ist natürlich folgende: Sind weibliche AD[H]S-Betroffene eigentlich auch „wahre Männer“?

Ich gebs zu, der war flach. Da ich selbst einen AD[H]S-betroffenen Sohn habe und derartige Behauptungen von AD[H]S-Verleugnern bzw. -Verharmlosern ziemlich anmaßend finde, hinterließ ich einen Kommentar und überlegte seitdem, ob ich dieses Thema hier bearbeiten soll.

Unschwer zu erkennen: ich entschied mich dafür.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass AD[H]S nach wie vor ein heißes Eisen ist, zumal die Leserschaft hier größer und auch breiter gefächert ist als auf meinem eigenen Blog, wo ich das Thema mehr oder weniger regelmäßig bearbeite.

Ist AD[H]S nun ein Geschlechterthema? Ich sags mal so: Ja und nein. Ja weil immer wieder aus irgendeiner Ecke die Behauptung kommt, es sei ein Mittel, um unbequeme Kinder, vornehmlich Jungs, „ruhig zu stellen“. Ja weil AD[H]S bei Jungs um ein Vielfaches häufiger [und, womit Oliver Flesch ja durchaus ein Stück weit Recht hat, oftmals vorschnell, bei Mädchen dagegen ist es genau umgekehrt] diagnostiziert wird, und nein weil AD[H]S tatsächlich eine Störung des Hirnstoffwechsels ist, die Mädchen ebenso betrifft wie Jungs. Aus irgendwelchen noch nicht vollständig erforschten Gründen ist bei Mädchen die hypoaktive [„Träumerle“], bei Jungs die hyperaktive [„Zappelphillip“] Version stärker vertreten, wobei es natürlich auch verträumte Jungs und hyperaktive Mädchen gibt.

Es wird behauptet, AD[H]S sei eine erfundene Krankheit. Gern wird hierbei eine angebliche Aussage eines gewissen Leon Eisenberg hinzu gezogen, welche er während eines Interviews gemacht haben soll. AD[H]S sei „ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“ und„die genetische Veranlagung für AD[H]S wird vollkommen überschätzt.“ Diese Aussage hat es vor zwei Jahren sogar in den Spiegel geschafft.

Tatsächlich war Leon Eisenberg nur einer von vielen Kinder- und Jugendpsychiatern [und obendrein nicht der erste], die sich mit der Materie beschäftigten. Und tatsächlich hat er AD[H]S nicht erfunden, er hat lediglich Kinder mit Entwicklungsproblemen und ihre Zusammenhänge erforscht.

Irgendwo, ebenfalls in einem Blog, las ich kürzlich, AD[H]S sei ein Instrument üblicherweise überforderter und / oder desinteressierter Eltern, um aufmüpfige, „schwierige“ Jungs mithilfe von sogenannten Drogen „gefügig“ zu machen. Ich finde es jetzt nicht mehr, vielleicht wurde der entsprechende Artikel vom Blogbetreiber gelöscht, nachdem ich einen kritischen Kommentar hinterlassen hatte. Ich weiß es nicht.

Die Frage ist hier wohl: wenn es [Ritalin] dazu missbraucht wird, um Jungs gefügig zu machen, warum wird es dann auch Mädchen verschrieben? Man könnte meinen, dass sich mittlerweile herumgesprochen hat, welche Faktoren sich ursächlich bzw. auslösend auswirken können. Doch scheinbar ist dem nicht so.

Da wären einmal tatsächlich die genetische Disposition, welche nachweislich von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird. Ist dieses Kriterium erfüllt, braucht es noch mehr oder weniger äußere/soziale Einflüsse [Stress/Rauchen/Alkohol während der Schwangerschaft, angespannte familiäre Situation, Trennung der Eltern, emotionale Störung aufgrund des Verlustes einer wichtigen Bezugsperson, etc.] um die Aufmerksamkeitsdefizits[-Hyperaktivitäts]störung „ausbrechen“ zu lassen. Außerdem wurden bei verschiedenen AD[H]S-Betroffenen verkleinerte Hirnregionen festgestellt.

adhs-grafik

Vielerorts wird nach wie vor behauptet, Kinder mit AD[H]S bekämen Ritalin [oder ein anderes Medikament, welches Methylphenidat enthält], um sie ruhig zu stellen. Es werden immer wieder nebulös Behauptungen von angeblichen Todesfällen aufgestellt, doch jedes Mal wenn ich in einem solchen Fall nachhake, wird zurück gerudert oder ausgewichen. Oder aber, das Medikament wurde grob missbräuchlich verwendet. Ich weiß von keinem einzigen Todesfall, welcher durch ärztlich verschriebenes und daraufhin nachweislich korrekt dosiert verabreichtes Methylphenidat verursacht wurde.

Gerne werden, speziell in den Massenmedien, jedoch auch in diversen Blogs, die angeblichen überall vor sich hinvegetierenden Ritalin-Zombies bemüht. Dumm nur, dass ich noch keinem einzigen begegnet bin, und auch niemand den ich kenne, inklusive sämtlicher Kinderärzte bzw. Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, bei denen wir bis dato vorstellig waren.Und das hier ist auch nur einer von vielen Fällen, die man getrost unter Missbrauch ablegen kann. Ärzten und Therapeuten kann man bekanntlicherweise  nicht glauben, die werden ja sowieso alle von der Pharmalobby geschmiert. [Wer Ironie findet, darf sie behalten]

Achtung: Ich behaupte NICHT, es gäbe keinen Missbrauch. Doch tatsächlich sind es nicht die Eltern von betroffenen Kindern, die ihnen Ritalin geben um sie auf diese Weise zu gefügigen Junkies zu machen.

Wer Ärzten und Psychologen nicht glaubt, könnte ja auch einfach jemanden fragen, der selbst von AD[H]S betroffen ist, ob und wenn ja auf welche Weise das AD[H]S-Medikament hilft.

Wenn es nicht erfunden ist, was ist dieses AD[H]S dann?

Eine Störung des Hirnstoffwechsels. Aufgrund von beschleunigtem Dopaminabbau können die Zellen nicht richtig kommunizieren, was unter anderem zu verminderter Konzentrationsfähigkeit, motorischer Unruhe und verminderter Impulskontrolle führt.

Und was macht es, wenn man es nicht behandelt?

Bedeutung für den Betroffenen selbst:

– Schwierigkeiten, sich auf „weniger spannende“ Inhalte zu konzentrieren und daraus resultierend die Gefahr, trotz hohem kognitiven Potential unverhältnismäßig schlechte Leistungen abzuliefern. Außer beim „Lieblingsfach“ bzw. „Spezialgebiet“, was mit dem Belohnungszentrum zusammenhängt: Aufgrund der veränderten Dopamin-Wiederaufnahme sind AD[H]S-Betroffene ständig auf der Suche nach einem neuen „Kick“.
– Hohe Gefahr, als Schulabbrecher auf der schiefen Bahn zu landen.
– Häufiges Anecken in Schule, Beruf und Privatleben und als Konsequenz niedriges Selbstwertgefühl bzw. das Gefühl „falsch“ zu sein, nicht richtig zu funktionieren, was wiederum zu Depression und Suizidgedanken führen kann.
– Geringe Frustrationstoleranz führt häufig zu unkontrollierten Wutausbrüchen.
– Unfähigkeit, Freundschaften zu knüpfen bzw. aufrecht zu erhalten.
– Erhöhte Gefahr, von Zigaretten, Alkohol und/oder Drogen abhängig zu werden.
– Erhöhtes Verletzungsrisiko / erhöhte Unfallgefahr.
– Keine Impulskontrolle. „Handelt/spricht, bevor er/sie denkt, ist vorlaut, frech, spricht aus was ihm/ihr gerade in den Sinn kommt, ungeduldig, kann nicht abwarten bis er/sie an der Reihe ist.“

Für das Umfeld des Betroffenen:

– Innerhalb der Familie: Allgemein sehr angespannte Familiensituation aufgrund eines Kindes [oder mehrerer Kinder], welches unverhältnismäßig mehr Aufmerksamkeit, Zuspruch und Förderung benötigt als ein nicht-betroffenes Kind.
– Konflikte innerhalb der Partnerschaft bezüglich des AD[H]S-betroffenen Kindes bzw. dessen korrekter Erziehung/Behandlung/Förderung. Paare, in denen ein oder mehrere Kinder von AD[H]S betroffen sind, trennen sich ca. 50% häufiger als solche, in denen kein Kind betroffen ist. [Hierfür habe ich leider keine Quellenangabe, da der Psychologe meines Sohnes dies bei einem unserer Termine erzählt hat].
– Geschwister, die sich vernachlässigt oder zumindest hinten angestellt fühlen, weil dem anderen Kind bzw. dessen Besonderheit so viel Beachtung geschenkt wird.

In der Schule: chronisch genervte Lehrer [sofern nicht speziell geschult bzw. auf einer Förder- oder Erziehungshilfeschule] und Mitschüler, da AD[H]S-Kinder nicht nur ständig den Unterricht stören, sondern grundsätzlich Schwierigkeiten haben, Regeln einzuhalten. Sie spielen den Klassenclown oder sind aggressiv und quatschen ständig dazwischen, vergessen Hausaufgaben und Arbeitsmaterial. Hypoaktive ADS-betroffene Kinder sind mit den Gedanken ständig woanders. Zwar stören sie nicht so massiv den Unterricht wie ihre hyperaktiven „Leidensgenossen“, doch sind sie ebenso wenig konzentriert bei der Sache.

– Im Beruf: chronische „Aufschieberitis“, Projekte werden nicht rechtzeitig fertig, was häufig zu Stress mit Vorgesetzten und/oder Chef führt.
– AD[H]S-Betroffene verheddern sich in zu vielen angefangenen Projekten, bis sie schließlich völlig den Überblick verlieren, und bringen nichts zu Ende. Falls doch, gelingt dies nur unter äußerstem Kraftaufwand und mit guter Organisation.
– Häufige Arbeitsplatzwechsel, schlimmstenfalls Arbeitslosigkeit.

Was kann man dagegen unternehmen?

Vorab: Es ist nicht „heilbar“. Es gibt keine Medizin und keine Therapie, die einen Betroffenen ein für allemal von seiner AD[H]S befreit. Es gibt allerdings Mittel und Wege, mit deren Hilfe der Betroffene lernt, sein Leben zu bewältigen, zusammengefasst in der sogenannten „Multimodalen Therapie“.

1. Aufklärung der Eltern
2. Elterntraining
3. Aufklärung des Kindes
4. Verhaltenstraining
5. Medikamentöse Behandlung [normalerweise zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Kontrolle]

Hier wird explizit die Behandlung eines betroffenen Kindes erklärt. Warum ist schnell erklärt: Da es für betroffene Erwachsene Psychotherapie bzw. Versorgung im Sinne einer multimodalen Behandlung einfach nicht gibt.

An der medikamentösen Behandlung scheiden sich die Geister. Methylphenidat reguliert die Kommunikation der Gehirnzellen und ermöglicht es dem Betroffenen, sich zeitlich begrenzt auf etwas zu konzentrieren, bei der Sache zu bleiben. Ebenso aktiviert MPH eine Art „Reizfilter“ in dessen Gehirn: der Betroffene ist nicht mehr so leicht ablenkbar und wirkt allgemein „sortierter“. Aufgrund der veränderten chemischen Zusammensetzung löst es keinen „Kick“ aus und macht somit bei korrekter Einnahme nicht süchtig.

Doch ich will nichts beschönigen. Methylphenidat [kurz MPH], ein AmphetaminDerivat, unterliegt nicht grundlos dem Betäubungsmittelgesetz, und entsprechend streng sind die Verschreibungskriterien. Es kann als Droge missbraucht werden, und nicht umsonst wird die Behandlung ausschließlich unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle durchgeführt, denn es können Nebenwirkungen auftreten. Häufig beobachtete Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit und Einschlafstörungen.

Für Eltern von betroffenen Kindern ist die Entscheidung pro/contra MPH gewiss keine Einfache. Ich weiß das, weil ich selbst zwei Jahre gebraucht hab, um den Weg von völliger Ablehnung bis hin zu „naja, alles andere hat ja nicht funktioniert, versuchen wir´s halt mal“ zu gehen. Realistisch betrachtet ist ab einer gewissen Schwere der AD[H]S weder ein gesundes Großwerden des Kindes noch ein normaler Familienalltag mehr möglich. Bei den leichteren Fällen kann man sicher hie und da ohne Zuhilfenahme von  MPH Strategien für das Leben mit AD[H]S lernen.

Wer es bis hierher geschafft hat: Danke für deine Aufmerksamkeit. Ich weiß, ich habe ziemlich weit ausgeholt, und dennoch habe ich das Thema eigentlich nur „angekratzt“. Es gibt so viel mehr, was es darüber zu wissen gibt, und noch mehr, was erst noch erforscht werden muss. Kinder, die davon betroffen sind, haben natürlich nicht nur Nachteile. Sie sind wie andere Kinder liebenswerte kleine Menschen, die neugierig, regelrecht wissensdurstig sind, dazu noch freundlich und hilfsbereit. Sie sind sensibel und ausgesprochen mitfühlend ihren Mitmenschen gegenüber, häufig unangepasst und kritisch hinterfragend. Ein Grund mehr, genauer hinzusehen und vielleicht selbst zu hinterfragen, bevor man einen weiteren von den Massenmedien hingeworfenen Happen einfach so schluckt.

Ich war dabei

Ersteinmal zu meiner Person, ich bin 62. Als Dreijähriger bin ich mit meinen Eltern nach Süd Afrika ausgewandert, vor 15 Jahren kam ich mit meiner deutschen Frau und zwei Töchter nach Deutschland zurück. Die Kolonien hinken oft den Geschehenessen in der Welt hinterher, somit erinnere ich mich an einer Welt in der es verschiedene Regeln für Männchen und Weibchen gab und Jeder das als selbstverständlich akzeptierte.

Oft höre ich das Frauen früher unterdrückt wurden, aber Heute ist das nicht mehr so und die Frauen und Mädchenförderung ist demnach überzogen.

Diese Aussage ärgert mich, vor allen wenn sie von Maskulisten kommt, beide Geschlechter wurden in mancher Hinsicht benachteiligt und in anderer wieder bevorzugt, die Behauptung das Frauen und Mädchen nur benachteiligt wurden, sogar unterdrückt ist schlicht gelogen. Wenn ich an der Zeit zurück denke als ich die Schule verließ, würde ich nicht sagen das ich Schuldgefühle entwickeln müsste weil es uns Jungs doch so viel besser ginge wie den Mädchen, nein Neid beschreibt meine Gefühle genauer.

In meiner Zeit wurden Kinder in der Schule noch geschlagen, oder genauer gesagt Jungs wurden geschlagen. Hätte mir damals Jemand erzählt der Schmerz und die Demütigung vor der ganzen Klasse den Arsch versohlt zu bekommen ist eines der Privilegen für die ich mich später jeden Tag meines Lebens bei jedem weiblichen Wesen entschuldigen müsste, ich hätte den glatt nicht geglaubt.

Die Berufswahl für Jungs war eigentlich ziemlich eindeutig, es ging hauptsächlich darum möglichs viel Geld zu verdienen, vielleicht auch noch etwas um Prestige.

Die Mädchen in unsere Matrikgruppe hatten drei Möglichkeiten: Sie konnten selbst Karriere machen, sie konnten etwas studieren, was nicht unbedingt für einen Beruf nützlich ist, Philosophy, Geschichte, oder Kunstgeschichte waren sehr angesagt, oder sie konnten einfach jobben, meistens als Büro Assistentin, wenn sie in der Schule Tippen gelernt hatte, konnte sie ab sofort bis zu 250 Rand verdienen, damals war der Rand 5 Mark wert.
Grob geschätzt teilten sie sich in drei gleichgroßen Gruppen die die verschiedenen Optionen wahr nahmen, nur Margareth entschloß sich erst einmal ein Urlaubsjahr ein zu legen, während sie zu sich fand und entschloß was sie mit ihr Leben anfangen wollte. Für einen Jungen der nicht wie ich das Glück hatte Ausländer zu sein, wäre das unmöglich gewesen, das Militär ließ sich nur hinausschieben wenn man ein anerkanntes Lehrinstitut besuchte.

Als Jobberin zwischen Schulabschluß und Ehe, brauchte man keine Altersversogung, sie würde doch später in ihrer Ehemanns Altersversorgung aufgenommen werden, selbst Krankenkasse, konnte sie bei ihren Eltern weiter Mitglied bleiben. Die größten regelmäßigen Ausgaben waren waren neue Ballkleider die mehrmals jählich fällig wurden. Es wäre doch eine Zumutung ein Ball zu besuchen in ein Kleid das die Freundinnen schon gesehen haben.

Ich hatte einen Ausbildungsvertrag mit der Post abgeschlossen, die Post hatte damals noch das Monopol auf Fernmeldedienste, ich wurde sogar für die Zeit die ich auf der Fachhochschule verbrachte bezahlt, nach Abzügen, die vom ersten Tag an Altersvorsorge und Krankenkasse beinhalteten bekam ich knapp 100 Rand ausgezahlt. Am Wochenende durfte ich dann Mädchen ausführen und frei halten die mehr als das Doppelte von dem was ich verdiente hatten. Niemand fand das komisch, der Mann hatte zu zahlen und das wars.

Wenn Frau als Jobberinn bei den Eltern wohnt, dann eignet sich die Situation zum sparen , viele junge Mädchen gönnten sich einmal im Jahr eine exotische Reise, meistens eine geführte Reise durch Europa, durch sogenannte Student Tours angeboten, die Teilnehmer waren mehrheitlich keine Studenten und zu 80% junge Frauen zwischen Schulabschluss und Ehe.

Auch ich verlor meine erste feste Freundin als sie sich auf einer Studententour in ihren Schihlehrer verliebte, aber die Geschichte erzähl ich ein anderes mal.