Kurznachrichten vom 21.05.2017

1: Das Leipziger Landgericht sprach einem Bewerber für eine W3-Professur im Fach Pädagogik an der Universität Leipzig einen massiven Schadensersatz zu, weil dieser trotz eindeutig gewonnenem Berufungsverfahren die Stelle nicht bekommen hatte, und die Rektorin der zweitplatzierten Bewerberin den Vortritt geben wollte. Dies deshalb, weil diese im Gegensatz zum Sieger Kompetenzen im Bereich Gender Studies mitgebracht hätte. Das Gericht hielt es sogar für erwiesen, dass die Rektorin bewusst Gerüchte über sexuelle Verfehlungen des erstplatzierten Bewerbers streute, um diesen aus dem Bewerberfeld zu schlagen.

Hadmut Danisch und Genderama berichteten bereits darüber, aber jetzt hat sich auch ScienceFiles ausführlich mit dem Thema befasst. Sehr lesenswert. Wer das Urteil im Original lesen möchte, das gibt es bei Danisch zum Download.

Das Fazit von ScienceFiles:

So geht Frauenförderung (vermutlich nicht nur) an der Universität Leipzig:
Weil die Berufungskommission sich an fachliche Kriterien hält und den geeignedsten Bewerber auf Platz 1 der Berufungsliste setzt, verzögert Rektor Beate Schücking das Verfahren und versucht nach Überzeugung von drei Leipziger Richtern, die über 8 Stunden Beweisaufnahme durchgeführt haben, den Bewerber auf Platz 1 durch das Gerücht, er habe sich der sexuellen Nötigung schuldig gemacht, aus dem Weg zu räumen. Dass dabei der Leumund und Ruf von Dr. G. zerstört werden könnte, ist Schücking offensichtlich egal. Sie hat ein wichtigeres Ziel: Den „Aspekt der Frauenförderung als gesamuniversitäres Interesse“ durchzusetzen. Und wenn es um Frauenförderung geht, dann gelten Moral und Anstand offensichtlich nichts.

Dem kann ich mich nur anschließen. Und ich kann nur hoffen, dass dies noch ein (disziplinarrechtliches) Nachspiel für die Rektorin gibt.

2: Die jungle world hatte neulich in der Druckausgabe vom 11.5. einen Beitrag über die Antibabypille für den Mann, dessen mögliche baldige Marktreife und die Hindernisse auf dem Weg dahin. Als Schuldigen für die Verzögerung macht der Autor Fabian Hennig „die Geschlechterverhältnisse“ verantwortlich, was natürlich nur eine verschämte Umschreibung für „die Männer“ ist. Der Artikel ist auch online verfügbar. Ein Auszug:

Während die Frauenbewegung die Entwicklung der Antibabypille unterstützte – rein markt­wirtschaftlich ging es also auch hier nicht zu –, verharrt der Mann in einem Status selbstverschuldeter Fruchtbarkeit. Statt sich für ein modernes männliches Kontrazeptivum einzusetzen, das ihm eine bequeme Kontrolle über seine Reproduktionsfähigkeit ermöglichen könnte, verübelt er seiner Partnerin die ihr von ihm aufgezwungene Machtposition. Statt öffentlich für ein neues Präparat einzutreten, ereifern sich Maskulinisten lieber über jene Frauen, die ausgerechnet ihnen ein Kind anhängen wollten, um sie an sich zu binden oder ihnen zumindest den bekanntlich ja nicht gerade üppigen Unterhalt abzupressen. So gab 2015 der britische Telegraph ausgerechnet dem Feminismus eine Mitschuld am dürftigen Entwicklungsstand männlicher Kontrazeptiva: Feministinnen wollten die Macht, die die Kontrolle über die Reproduktion der Gattung mit sich brächte, für sich behalten.

Ein Manifest für neue Kontrazeptiva für Männer kam 2016 entsprechend nicht aus einer sozialen Bewegung, sondern von einem medizinischen Fachkongress des »International Consortium for Male Contraception«. Die Entwicklung, so heißt es dort, »zuverlässiger, reversibler und kostengünstiger männ­licher Kontrazeptiva« sei wichtig, um »Millionen von sexuell aktiven Männern« eine Teilhabe an der Familienplanung zu ermöglichen und die reproduktive Gesundheit von Paaren zu verbessern. Mit dem hier formulierten Ziel einer marktreifen Entwicklung bis 2026 appellierten die Verfasser an Pharmaindustrie und Gesundheitsbehörden. Ahnend, dass dies nicht aus­reichen könnte, plädieren sie jedoch – diese Notwendigkeit habe die Geschichte der Pille für die Frau gezeigt – für die Unterstützung von »Initiativ- und Interessengruppen als Vorkämpfer für männliche Kontrazeption«. Bisher ist jedoch keine politische Bewegung in Sicht, weshalb selbst das im Manifest anvisierte Ziel einer Entwicklung moderner Kontrazeptiva für Männer bis 2026 zumindest für Europa und die USA utopisch klingt.

(Hervorhebungen von mir)

Was soll man dazu noch sagen. Wenn man natürlich die existierende politische Bewegung, die sich genau dafür einsetzt, wahlweise ignoriert, totschweigt, dämonisiert und ihnen auch noch die falschen Ziele (das Gegenteil von dem, was sie tatsächlich fordern) andichtet, dann kann man auch behaupten, die Männer und speziell die „Maskulinisten“ wollten das ja gar nicht. Was schlicht die komplette Verdrehung der Tatsachen ist. Bisher habe ich nur Männerrechtler getroffen, die die Existenz einer endlich vernünftigen Verhütungsmethode für den Mann freudigst begrüßen würden.

Wenn es wirklich nur ein Gerücht sein soll, dass Feministinnen an der Macht festhalten wollten, die die Kontrolle über die Reproduktion mitbringt, und angesichts des feministischen Dauergejammers über die furchtbaren Hormonbomben, die man täglich schlucken müsse, wo sind denn dann die Feministinnen, die sich für eine Pille für den Mann einsetzen, wenn diese doch die Frauen von dieser schlimmen Last und Verantwortung für die Nachwuchsplanung befreien könnte? Ich habe noch keine gesehen.

3: Die Weltraumaffen haben unseren Blog in ihrem gestrigen Sonder-Stream ausdrücklich als einer der wenigen lesbaren deutschsprachigen Blogs gelobt. Ich habe mir die Stelle aber nicht gemerkt, also müsst ihr Euch schon das ganze Video ansehen:

Wer die Stelle wiederfindet, kanns ja gerne in den Kommentaren hinterlegen. 🙂

4: Wieder ein wenig Off-Topic und wieder die NZZ: Dort ist ein sehr lesenswertes Interview mit Jörg Baberowski zu lesen, der in letzter Zeit heftig von einer trotzkistischen Splittergruppe angefeindet wurde, und der sich über die autoritäre Linke unserer Tage und die Gefahren der Political Correctness auslässt. Ein paar Auszüge:

Was ist denn heute eigentlich links?

Vor Jahrzehnten galt als links, wer in der sozialen Frage als Anwalt der Schwachen auftrat. Heute gilt als links, was eine Wohlstandselite der Gesellschaft verordnet: staatliche Bevormundung der Bürger, Selbstbestimmung auf Kosten anderer, die Tribalisierung und Ethnisierung der Gesellschaft, offene Grenzen und die Verteufelung des Nationalstaats, die Anbetung der Globalisierung, die Moralisierung aller politischen Fragen und die Rehabilitierung der Religion gegenüber der Aufklärung.

Das ist ein ziemlich heterogener Cocktail.

Zugegeben: Niemand hätte vor vierzig Jahren für möglich gehalten, dass solche Standpunkte einmal für links gehalten werden würden.

[…]

Auf die politische Korrektheit wird seit einiger Zeit lustvoll eingedroschen. Aber eine überlegte, angepasste Wahl der Sprache ist ja auch Ausdruck von Respekt. Können Sie dies nachvollziehen?

Sie dürfen einen weissen, ungebildeten Mann aus der Unterschicht nach Herzenslust beleidigen. Kein Tugendwächter würde sich darüber empören. Höflichkeit und Respekt im Umgang miteinander sind unabdingbar für eine offene, liberale Gesellschaft – aber Respekt heisst auch: dem Gesprächspartner freies Denken und Sprechen zuzumuten. Die Tabuisierung ist ein Akt der Respektlosigkeit, weil sie dem anderen unterstellt, er sei zu dumm zu verstehen, was gesagt wird. Die Achtundsechziger haben anfangs selbst gegen die Tabuisierung aufbegehrt – gegen das Schweigen ihrer Eltern, die Nazis gewesen waren, sie geduldet oder sich ihnen unterworfen hatten.

Die Achtundsechziger setzten sich mit den Schrecken der Vergangenheit auseinander, aber sie legten zugleich den Grundstein für die Moralisierung des Politischen, indem sie entschieden, worüber und wie über die Vergangenheit noch gesprochen werden konnte. Seither ist der Widerstand gegen einen toten Diktator Legitimation genug, um sich moralisch über andere Menschen zu erheben. Alle anderen Bevormundungsstrategien folgen dem gleichen Muster. Wer über Rassismus, Kolonialismus, über Krieg und Frieden oder das Verhältnis der Geschlechter anders urteilt, als es der hegemoniale Diskurs erlaubt, wird moralisch diskreditiert.

[…]

Es lassen sich verschiedene Arten und Steigerungsformen der Diffamierung des Sprechenden unterscheiden. Stufe 1, ziemlich harmlos: Der andere ist ein Idiot. Stufe 2: Der andere ist ein schlechter, also ein moralisch minderwertiger Mensch. Stufe 3: Der andere ist krank.

Ja, und dann gibt es noch eine vierte Stufe: Der andere gehört zu einer Gruppe, die das Recht auf freie Meinungsäusserung verwirkt hat und die man diskreditieren darf, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Ein weisser, heterosexueller Mann darf Rassist genannt werden, eine Frau mit passendem Migrationshintergrund darf hingegen sagen, was sie über andere denkt.

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Kurznachrichten vom 31.12.2016

1: Pünktlich vor den nächsten Silvesterfeiern feiert der gute alte Keuschheitsgürtel Wiederauferstehung, diesmal „Safe Shorts“ genannt.

„Steig in deine Safe Shorts, ziehe die ergonomisch verlaufenden reiß- und schneidfesten High-Tech-Schnüre fest, bis die Hose sitzt“, steht es auf der Website. Danach werden die Schnüre am Schließmechanismus fixiert, der an den Sirenen-Poweralarm angeschlossen ist. […] Sollte sich jemand an der Hose der Joggerin zu schaffen machen, geht die Sirene an und jault in einer Lautstärke von 130 Dezibel, was Angreifer in die Flucht schlagen soll. […]

Die Schnüre in der Hose, die übrigens aus demselben Material angefertigt sind wie kugelsichere Westen, sollen sich zumindest von Angreifern nicht ohne Weiteres aufschneiden lassen – angeblich nicht einmal mit einer Heckenschere.

Jetzt bin ich mal gepannt, ob das ein Verkaufsschlager wird.

2: In der Jungle World beschäftigt man sich ebenfalls mit Silvester, aber noch mit dem vergangenen. Hannah Wettig beschreibt darin, „wie der feministische Diskurs die Opfer der Silvesternacht im Stich ließ“.

Feministische Frauen initiierten das Bündnis #ausnahmslos, das sich gegen Sexismus und Rassismus gleichermaßen wenden sollte. Diese zunächst in der Sache plausible Reak­tion mutierte sofort zu einem antirassistischen Abwehrkampf gegen die Opfer. […]

Ohne dass es einen Hauch von Zweifel an der Masse der Zeugenaussagen gab, sagten Protagonistinnen des Bündnisses, man wisse überhaupt nicht, wer die Täter gewesen seien. Die Bloggerin Nadja Shehadeh beleidigte auf dem feministischen Blog Mädchenmannschaft die Opfer als Kartoffeln, die einen Italiener nicht von einem Araber unterscheiden könnten. Etliche Feministinnen im Umkreis des Missy Magazins relativierten das Ereignis, indem sie sinngemäß sagten, dass derartige Übergriffe jedes Jahr auf dem Oktoberfest vorkämen, ohne dass es jemanden störe. Schon im Januar konnte das niemand ernsthaft glauben, der sich auch nur einige wenige Zeugenaussagen angesehen hatte. […]

Es war aber kein linker Stammtisch, der sich mal eben spontan äußerte. Vielmehr war es eine Zäsur in der Geschichte der Frauenbewegung, ein Bruch mit entscheidenden Leitideen des Feminismus. Feministinnen glaubten den Opfern von sexu­eller Gewalt nicht, sondern relativierten die Taten. Wo einige noch die Herkunft der Täter abstritten, wiesen andere schon auf traumatische Fluchterfahrungen hin, um das Handeln der Männer zu erklären. […]

Flüchtlinge als politisch denkende und handelnde Menschen zu sehen, ist das Gegenteil von Rassismus. Trotzdem wird allen, die auf den Islamismus als Ursache hinweisen, Rassismus vorgeworfen – und das deutlich heftiger als denjenigen, die sich um eine Erklärung aus Kultur und Tradition bemühen.

Das hat Gründe: Häufig sind es Vertreterinnen islamischer Organisationen oder sogenannte Feministinnen mit Kopftuch, die antiislamistische Argumentationen als rassistisch geißeln. Ihre Argumente werden von Linken oft übernommen. Dabei sollte klar sein: Sie haben eine Agenda, und die ist ganz bestimmt nicht links.

3: MANNdat hat eine maskulistische Filmkritik von Dr. Bruno Köhler zu einem der letzten ARD-Tatorte mit dem Titel „Wofür es sich zu leben lohnt“ (ausgestrahlt am 4.12.) veröffentlicht. Das Urteil von Köhler:

Das übliche männerfeindlich-sexistische Frauenkino. Gute Opferfrauen gegen böse Tätermänner. Die Macher des Films lassen kein Klischee aus, damit beim Zuschauer zu keinem Zeitpunkt auch nur den Hauch von Zweifel an der Legitimität der brutalen Taten der Protagonistinnen aufkommen könnte. Die Ermordeten entsprechen dem Übelsten, was das derzeit politisch korrekte Feindbild zulässt – der Ausländer hassende Rechtspopulist, dessen Tochter zudem noch mit einem Ausländer anbändelt, der skrupellose, über Leichen gehende Unternehmer, der Hunderte armer Frauen auf dem Gewissen hat, der rücksichtslose, geldgierige Betrüger. Alle sind natürlich böse, alte, weiße Männer. […]

Der Film verherrlicht Gewalt, genauer gesagt, er verherrlicht Frauengewalt gegen Männer.

Merke: Wenn Frauen Gewalt gegen Männer ausüben, ist diese immer moralisch gerechtfertigt. Männer wollen dagegen nur Macht ausüben, wenn ihre Gewalt gegen Frauen geht. Die Klischees in der Filmwirtschaft und im Fernsehen sind seit Jahrzehnten immer dieselben.

4: Die ZEIT interviewt die DJane Susanna Kim und behauptet in ihrem Anreißer:

DJane Susanna Kim aka I am Kim Kong erzählt, wie es ist, professionell Platten aufzulegen. Und warum Frauen hier fehlen.

Na, da bin ich schon gespannt wie ein Flitzebogen, als ich endlich an die entscheidende Frage komme:

Frage: Was denken Sie, warum gibt es, gerade im Hip Hop, so wenig DJanes?

Kim: Ich glaube, dass es gar nicht so wenige DJanes gibt. Früher habe ich das aber auch so wahrgenommen. Umso mehr ich mit der Thematik zu tun habe, umso mehr DJanes lerne ich kennen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es viel mehr DJanes im Elektronischen Bereich gibt als im Hip Hop. Obwohl es mittlerweile einige Frauen gibt, ist der überwiegende Teil immer noch männlich. Genau sagen, woran das liegt, kann ich gar nicht, das finde ich selbst komisch. Vielleicht kommen Frauen nicht so oft drauf, dass man ja auch selbst auflegen kann.

Danke fürs Gespräch, liebe ZEIT, kann ich da nur sagen. Genau das, was versprochen wurde, wurde nicht geliefert.

Das ganze Gespräch macht auf mich den Eindruck, als ob Interviewerin Marcia Scharf unbedingt eine feministische Message herausquetschen wollte. Irgendwas nach dem Schema, die Männer lassen sie nicht richtig ran, Frauen müssen sich doppelt beweisen etc. Kein Wunder, der Artikel erschien ja zuerst bei Edition F. Nur zieht die Interviewte nicht so richtig mit. Auch die eher beschwichtigende Antwort auf die Frage:

Frage: Haben Sie schon negative Erfahrungen gemacht, weil Sie eine Frau sind?

Kim: Manchmal bekomme ich schon zu hören: ,Also für eine Frau bist ja gar nicht so schlecht.‘ Das passiert aber sehr selten – zum Glück.

muss natürlich zu der Artikelüberschrift

„Für eine Frau bist du ganz gut“

destilliert werden.

Nebenbei: Ich kann mich an kein einziges Interview erinnern, in dem ein Mann gefragt worden wäre, ob er in seinem Job negative Erfahrungen gemacht hätte, weil er ein Mann ist. Wahrscheinlich weil ein kleiner Teil denkt, das existiert gar nicht, weil Männer eh immer bevorzugt werden. Und der Rest denkt, da müsste man als Mann eben durch. Oder weil Kindergärtner, Erzieher, Grundschullehrer und Krankenpfleger so selten interviewt werden.

Kurznachrichten vom 29.02.2016

1: Der ansonsten als kreuzbrav wahrgenommene Arbeiter-Samariter-Bund versucht dieses Image abzulegen mit einem sexy Werbeclip für Erste Hilfe und dem zugehörigen Hashtag #erstehilfe.

Natürlich gibt es wie immer das übliche Sexismus-Gemecker.

2: Am Donnerstag gab es einen erneuten Fall von „Taharrush gamea“ in Kiel. Innenminister Stefan Studt beeilte sich, davor zu warnen,

Vergleiche zu den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg zu ziehen.

Mit was denn sonst? Die drei Mädchen wurden zwar nicht ernsthaft sexuell belästigt, aber sich zu dritt von einer Menge von 30 Männern verfolgt zu sehen, dürfte sicher nicht lustig sein. Bei diesem Verhalten geht es m.E. weniger um Sexualität, sondern um Einschüchterung und Durchsetzen eines bestimmten Verhaltens, also um Macht. Hier stimmt es ausnahmsweise mal, dass es tatsächlich nicht um Sex, sondern um Macht geht, aber hier fällt Third-Wave-Feministinnen nichts besseres ein, als vor Rassismus zu warnen und zu behaupten, das wäre alles nichts neues.

3: Das Versagen des Dritte-Welle-Feminismus angesichts der Realitäten, die nicht in ihr Weltbild passen, analysiert noch einmal Melanie Götz in der Jungle World.

Der gehypte Postfeminismus verfällt in Schockstarre, wenn bestimmte Konstellationen nicht in sein Weltbild passen. Sein Scheitern liegt im eigenen antiaufklärerischen Potential begründet. […]

Wenn der Rekurs auf gesellschaftliche Verhältnisse und Strukturen durch die »diskursive Herstellung« von Kultur, Geschlecht und Identitäten ersetzt wurde, verschwinden die schlechten gesellschaftlichen Realitäten ausnahmslos bequem aus dem Blick. Dafür gelingt neoislamistischen Welt­anschauungen die Integration im Mainstream und in der antiimperialistisch aufgestellten Restlinken. Der ­Islam braucht nämlich neben der Kairoer Menschenrechtscharta auch noch einen eigenen, koran- und shariakompatiblen »islamischen« Feminismus. Als quasi natürlicher Verbündeter ist letzterer fest in liberale, linke und queerfeministische Diskurse integriert. Dort kann man bestaunen, wie die notorischen Neofeministinnen gemeinsam mit Hijab-Aktivistinnen das Partikulare überhöhen und das Uni­versale verwerfen. Hier feiern ausgerechnet die Dekonstruktionsfetischistinnen mit der neoislamischen Erneuerungswelle gemeinsam jenen Weiblichkeitswahn als Befreiung, dessen Entlarvung der Zweiten Welle noch zum Aufbruch gegen das Patriarchat bewegte.

3: Im Fall Kesha vs. Dr. Luke schlagen sich unsere feministischen Leitmedien ZEIT und SPIEGEL auf die Seite des vermeintlichen Opfers, natürlich unter Weglassen wichtiger Fakten. Die Kommentatoren hauen ihnen das wie üblich um die Ohren.

4: In der Abteilung „Feministinnen diskutieren Männerrechtsthemen“ gibt es zwei neue Posts. Onyx versucht uns zu erklären, warum es gerecht ist, wenn Frauen sich das mit dem Kinderkriegen nach der Empfängnis nochmal überlegen dürfen, Männer aber nicht. Klappt nicht so ganz. Und bei gleichheitunddifferenz wird gefragt, warum Männerrechtler sich (angeblich) kaum für nicht-konforme Männer einsetzen. Ist zwar m.E. nicht so, aber man kann ja mal fragen.

5: Christina Hoff Sommers hat einen einfachen Test von Helen Pluckrose retweetet, unter welchen Umständen man gerne Feminist ist:

Der Beitrag von Helen Pluckrose „Why I No Longer Identify as a Feminist.„, aus dem der Text stammt, ist zur Gänze lesenswert. Immerhin auch Michael Shermer, Herausgeber des Skeptic Magazine und einer der führenden Köpfe der amerikanischen säkularen Bewegung, hat das ebenfalls retweetet. Ich musste das mal eben kommentieren.

Man muss dazu sagen, dass P.Z. Myers auch einer der führenden Köpfe der amerikanischen säkularen Bewegung ist, allerdings mehr in der „Atheism+“-Fraktion, die die SJW-Fraktion innerhalb der säkularen Bewegung ist, also der Ansicht ist, als Atheist müsste man auch Feminist sein. P.Z. Myers hat mich kurz nach folgender Anwort geblockt:

Welche Ehre… 😉

Wie tolerant diese Leute sind, beweisen sie immer wieder aufs neue.

6: Lego ist jetzt auch sexistisch, weil man da was hartes rundes in ein Loch stecken muss/kann/darf. Ganz schlimm daran ist, dass homosexuelle Lebensweisen diskriminiert werden, weil Knubbel an Knubbel nun mal nicht hält und Loch an Loch auch nicht, also werden heteronormative Strukturen dadurch reproduziert:

7: Ein soziales Experiment einer Schauspielergruppe in New York zeigt, was passiert, wenn die Verlobung eines arabisch aussehenden 65-jährigen Mannes mit einer 12-jährigen an die Öffentlichkeit gerät. Das glückliche Paar muss sich schlimme islamophobe, rassistische Anfeindungen von größtenteils cis-sexistischen alten weißen Männern gefallen lassen. Oder so ähnlich…

8: OT-Beitrag des Tages: Facebook hat die Seiten der „Perlen von Freital“ gesperrt, auf denen von anonym bleibenden Seitenbetreibern sog. rechte Hetzer mit vollem Namen genannt und an den Pranger gestellt werden und zu deren Denunziation bei dem entsprechenden Arbeitgeber aufgerufen wird. Kurze Zeit später wurde die Seite offensichtlich auch auf Protest von höchster Stelle (Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD)) wieder freigeschaltet.

Wir lernen daraus: Denunziation, Blockwartmentalität und Menschenjagd sind völlig in Ordnung, wenn sie der guten Sache dienen. Dann nennt man das „Aufklärung“.

Manchmal wünschte ich mir, Dieter Hildebrandt würde noch leben, nachdem es sein Freund Konstantin Wecker es auch nicht fertig bringt, mal ein Wort gegen solche Auswüchse zu sagen.

Kurznachrichten vom 24.02.2016

1: Heute geht es fast nur um die merkwürdigen Dinge, die Feministen so fabrizieren. Los geht’s mit Julia Schramm, die in der Jungle World in einem eher wirren Pamphlet anhand der Bundeskanzlerin beweisen will, dass Frauen in Machtpositionen ihre Weiblichkeit unterdrücken müssen. Schon im dritten Satz liegt Schramm ganz kräftig daneben:

Auch menschliche Gefühle werden ihr nicht zugetraut, ­geschweige denn Irrationalität, Schwärmerei und Verliebtheit.

Da muss Schramm wohl die letzten Monate Flüchtlingsdebatte komplett verschlafen haben. Da hat man Merkel genau das vorgeworfen, was Schramm ihr nicht zugetraut sieht. Und weiter das übliche:

Sexuell aktive Frauen werden bis heute als Schlampen beschimpft. Eine Schlampe als Kanzlerin? Wenn schon eine Frau als Kanzlerin, dann bitte eine anständige!

Hier wird (wie üblich) mit einem Passiv verschleiert, wer eigentlich Frauen als Schlampen beschimpft. Ein „von Männern“ einzufügen, hat Schramm wohlweislich vermieden, denn dann wäre die Wahrheitsverdrehung zu offensichtlich. Denn die Bezeichnung „Schlampe“ kommt m.E.n. weitaus häufiger von anderen Frauen.

Sie trug damals zur Eröffnung der Oper in Oslo ein tief ausgeschnittenes Kleid und gab der ganzen Welt einen Ausblick auf ihren Busen. Tagelang köchelte der Skandal vor sich hin

Welcher Skandal? Da wurde vielleicht ein wenig diskutiert, und auch mehr so in der Yellow Press, ansonsten hat das kaum wen gejuckt. Aber Schramm ist wohl die einzige, die das als Skandal betrachtet.

Dann würde mich doch interessieren, was Schramm über Politikerinnen sagt, die ihre Weiblichkeit nicht verstecken, sondern gezielt einsetzen, wie z.B. Manuela Schwesig oder Katja Suding. Aber die sind deswegen ja auch grandios gescheitert, wie wir alle wissen. So kann das ja nichts werden mit der Karriere.

2: Wie Genderama gestern berichtete, scheint bei Fefe die rote Pille langsam zu wirken. Fefe ist normalerweise mehr linksliberal, (ehemals?) Piraten-freundlich, und als solcher findet man ja normalerweise Feminismus eher leicht unkritisch einfach super. Das scheint vorbei zu sein:

Manchmal frage ich mich ja, ob es eigentlich auch positive Aspekte am Feminismus gibt.

3: Stephanie Wurster von der ZEIT hat einem Workshop zu Sprachveränderung bei Profx Lann Hornscheidt teilgenommen. Und wiederholt dann so Schmonzenz wie:

Die Macht der Sprache ist groß. Selbst Menschen, die wenig bis keine Literatur lesen und im Internet auch nur das Kurze, wissen das, und sie haben offenbar Angst davor, dass die Sprache, so wie sie sie kennen, verändert wird. Sprache wird als quasi gottgegeben wahrgenommen. Dabei wurde sie durch viele Tausend Jahre des Patriarchats geformt.

Ja, Sprache ändert sich immer wieder evolutionär. Das ist aber was anderes, als wenn sie von oben aufgedrückt wird. Das ist dann Herrschaftssprache und immer ein Zeichen von Totalitarismus. Aber wenn man natürlich glaubt, die bisherige Sprache sei auch von oben aufgedrückt worden, ist Gendern eben Widerstand. Und wer sieht sich nicht gern als Rebell?

4: Die FAZ interviewt die Komikerin Carolin Kebekus. Die

liebt derbe Sprüche und bezahlt Männer dafür, dass sie die Drecksarbeit erledigen: So geht Feminismus!

Wenn das ein Kriterium für Feminismus ist, dann gibt’s den schon seit Jahrtausenden. Außerdem meint sie:

Kebekus

…und dass Männer gefälligst zu unterlassen haben, was Frauen nicht passt. Hat sie vergessen zu erwähnen. So viel zum Thema, dass Feminismus ja nur „Gleichberechtigung“ bedeutet. Die Passage nochmal ausführlicher:

Würden Sie sich selbst als Feministin bezeichnen?

Ja. Aber Feminismus hat so einen schlechten Ruf. Das klingt so unrasiert und ungebumst. Dabei bedeutet es doch nur, dass eine Frau machen kann, was sie will. Ich frage mich: Wie kann man kein Feminist sein? Aber es macht viele Leute aggressiv. Wir haben mal eine Sendung gemacht in „Die Anstalt“ zum Thema Feminismus. Da gab es einen Shitstorm. […]

Wie erklären Sie sich die Aufregung bei dem Thema?

Das ist mir ein Rätsel. Nach der Sendung saß ich mit dem Gastgeber Claus von Wagner zusammen, und wir waren fassungslos.

Vielleicht haben manche Männer das Gefühl, dass sie ins Hintertreffen geraten?

Nee, das glaube ich nicht, das stimmt doch auch nicht.

Ja, so ist das, wenn man glaubt, alles zu verstehen, aber in Wirklichkeit nichts versteht, weil man alles durch die Ideologiebrille sieht.

5: Zu Abwechslung was wirklich lustiges:

Fragt sich, wer da konfus ist…

Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Klingt wie: „If you claim to be an atheist and you’re not feminist, you’re absolutely confused on what atheism is.“ Eines von den Dingen, die ich noch nie verstanden habe, ist diese merkwürdige Einstellung von Leuten, dass wenn man in Thema A einer bestimmten Ansicht ist, müsste man in Thema B auch einer bestimmten Ansicht sein, obwohl beide Themen so gut wie nichts miteinander zu tun haben.

6: Dass ca. 80% der Obdachlosen von Männern gestellt werden, wissen wir hier ja. In den USA hat man sich eine besondere Methode einfallen lassen, um Obdachlosigkeit zu „verhindern“, wie Janet Bloomfield zeigt:

https://twitter.com/AndreaHardie/status/701945785273950208

7: Prostitution ist ja immer wieder ein Thema für innerfeministische Konflikte, so auch angesichts eines in der kommenden Woche in Hamburg stattfindenden Kongresses zur Sexarbeit, der vom Pro-Sexarbeit-Flügel veranstaltet wird und von der Feministischen Partei scharf angefeindet wird. Man wehrt sich gegen die Einmischung wie folgt:

Besonders besorgniserregend finde ich, dass hier unter dem Label „Feminismus“ nicht nur das Grundrecht der Forschungsfreiheit eingeschränkt werden soll sondern auch Räume abgeschafft werden, in denen sich Forscher*innen, Sozialarbeiter*innen und Sexarbeiter*innen in einem geschützten Raum austauschen können. Das halte ich persönlich aus feministischer und demokratischer Sicht höchstproblematisch. Wenn wir solche Forderungen bei Sexarbeit akzeptieren, sehe ich nicht, was in Zukunft davon abhalten soll, auch Veranstaltungen zu anderen Bereichen von Sexualität zensieren zu lassen.

Ich bin mal gespannt, wie hoch man die Forschungsfreiheit noch hält, wenn man Prof. Ulrich Kutscheras neues Buch aus feministischer Warte rezensiert. Und bei Zensur von anderen Bereichen von Sexualität denke ich als erstes an die Werbeplakat-Verordnung im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, aber das ist hier sicher nicht gemeint.

8: Der Kampf gegen die Prostitution treibt manchmal auch seltsame Blüten. In den USA gibt es eine merkwürdige Koalition aus der Homeland Security Behörde, radikalen Feministen und evangelikalen Christen, die versuchen, jede Form von Prostitution als erzwungen zu labeln. So bittet z.B. die Homeland Security Hotels, ungewöhnlichen Verbrauch von Kondomen in ihren Zimmern an die Behörde zu melden. Websites, die Anzeigen von Prostituierten schalten, werden massiv gestört, auch wenn das Werben für Sexarbeit völlig legal ist. Es werden zahlreiche Razzien veranstaltet, wobei aber Zwangsprostitution selten nachgewiesen wird und eher Mädchen unter 18 gefunden werden, die es zwar freiwillig tun, was aber in dem Alter natürlich nicht legal ist. Stattdessen werden dann die Kolleginnen im selben Etablissement mal eben wegen Menschenhandels angeklagt. So kann man die Statistiken in Sachen „sex trafficking“ natürlich auch hoch treiben. Das Video dazu:

9: Prostitution und ganz normales Dating-Verhalten haben ja so manche kleine Schnittmengen. Markus und Rachel diskutieren das Ende ihrer Beziehung und sie findet, dass Geld doch wirklich nicht so wichtig ist – solange es seines ist, das ausgegeben wird. Die Facebook-Gruppe „Das ist schmutzig, falsch und moralisch höchst verwerflich. Bin dabei.“ hat das festgehalten, aber lest selbst, was er ihr antwortet.

Kurznachrichten vom 15.02.2016

1: Kommende Woche soll Professor Ulrich Kutscheras Buch „Das Gender-Paradoxon“ erscheinen. In dem Buch beschäftigt sich Kutschera in 440 Seiten mit den Gender Studies und warum diese unwissenschaftlich sind und deshalb an den Unversitäten nichts verloren haben. Der Blog ScienceFiles.org veröffentlich dazu den zweiten Teil eines Exklusiv-Interviews, das bereits im Herbst geführt wurde.

2: Bei der linken Wochenzeitung Jungle World kritisiert Hannah Wettig, dass der intersektionale Feminismus angesicht der Übergriffe in Köln komplett versagt habe.

Das Bündnis #ausnahmslos, so mag man unterstellen, wollte wohl solche Entgleisungen einfangen und alle unter einem politisch-korrekten Dach vereinen. Doch die Forderung, das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt dürfe nicht islamisiert werden und Redaktionen sollten stigmatisierende Deutungen unterlassen, kann man nur allzu leicht so verstehen, dass über den Hintergrund der Täter überhaupt nicht geredet werden sollte. Das aber kommt dem Verbot einer Deutung gleich. Dass man das Warum lieber gar nicht wissen möchte, zeigt auch die ewig wiederholte Behauptung, Sexismus und sexualisierte Gewalt kämen in der deutschen Gesellschaft ebenso vor.

Der Hinweis, beim Oktoberfest sei es nicht anders, ist zudem noch eine unfassbare Relativierung. Es ist nicht der »alltägliche Sexismus«, wenn sich Hunderte, wenn nicht Tausende von Männern in diversen Städten in der Silvesternacht treffen, möglicherweise verabredet, um Frauen gezielt anzugrabschen. Man muss fragen, warum sie das taten. Dafür aber muss man wissen, wer die Täter sind. […]

Mit ihrem Gerüst zur Welterklärung gehen nun diese Feministinnen den Islamistinnen und Islamisten gehörig auf den Leim. In feministischen Foren wird über die sogenannte Islamophobie diskutiert, während das Erwähnen der frauenverachtenden Aspekte des Islam tabu ist. Unhinterfragt schluckt man, wenn Musliminnen ihr Kopftuch als Ausdruck von Emanzipation und gar Feminismus bezeichnen. […]

Wenn es um Rassismus geht, verbleibt der intersektionelle Feminismus in einem simplen Schwarz-Weiß-Schema: Hier die Weiß-Positionierten, dort die people of color, die alle umfassen, die irgendwie von Rassismus betroffen sind. Juden können, wenn es passt, einfach zu den PoC addiert werden. Antisemitismus ist dann allenfalls eine Spielart des Rassismus. Das ist der Tatsache geschuldet, dass sich die Protagonistinnen dieser Weltinterpretation zwar bestens in den hiesigen queer-feministischen Subkulturen auskennen, die Welt da draußen aber schlicht nicht ihr Forschungsgegenstand ist. Vor allem aber würde, wenn sie denn von den verschiedenen Formen von rassistischer, ethnischer und religiöser Diskriminierung Kenntnis nähmen, ihr gesamtes Konzept nicht mehr funktionieren. Man muss genau wissen, wo, wann und wie sich etwas zugetragen hat, um zu wissen ob ein Muslim von einem Christen diskriminiert wurde oder ob es nicht vielleicht umgekehrt war.