Fundstück: Margarete Stokowski begrüßt Straftaten gegen politisch unliebsame Personen

Margarete Stokowski dreht frei. Fefe drückt es so aus:

Ich brauche mal eure Hilfe. Ich lese vorhin diese Kolumne im ehemaligen Nachrichtenmagazin und gewinne den Eindruck, dass darin falsche Vergewaltigungsvorwürfe als ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung betrachtet werden. Und dass die Autorin das nur deswegen nicht macht, weil es ihrer Meinung nach „nicht funktioniert“.

Wo ist mein Denkfehler?

Gemeint ist der Text „Sexuelle Belästigung: Gibt es eine weibliche Geheimwaffe?“ von Margarete Stokowski bei Spiegel Online. Schon die Einleitung hat es in sich:

Frauen haben es angeblich sehr leicht, unliebsame Kerle zu beseitigen: Sie können einfach behaupten, ein Mann habe sie sexuell belästigt – dann sind dessen Ruf, Familie und Karriere futsch. Wenn es nur so einfach wäre.

Wie bitte? Was dann?

Wenn es so wäre: Was hindert uns? Gibt es nicht genug ätzende Leute, die man auf diese Art loswerden könnte? Ist es nicht geradezu fahrlässig, Despoten, Rechtspopulisten und Ausbeuter an der Macht zu lassen, wenn man sie so einfach unschädlich machen könnte? Wäre es nicht unsere heilige weibliche Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie nicht noch mehr Schaden anrichten, bevor wir dann in Ruhe die Trümmer der letzten Jahre aufräumen?

Ja, was ist eigentlich der Grund dafür, unliebsame Personen nicht mit Straftaten loszuwerden? Mir fallen spontan Demokratie und Rechtsstaat ein. Aber es gibt ja die These, bestimmte Feministinnen ständen mit beiden schon länger auf dem Kriegsfuß.

Aber was ist mit denen, die weniger Macht haben? Es könnte ja sein, dass die uns schutzlos ausgeliefert sind. Wer das glaubt, muss aber irgendwie auch erklären können, warum auf diese Art nicht reihenweise unliebsame Männer aus dem Weg geschafft werden.

Wie es der erste Kommentar treffend ausdrückt: „Wer sagt Ihnen denn, dass dem nicht so ist?“ (Danke, kuschkusch!)

Wenn es so einfach wäre, jemanden wegen Belästigung, Missbrauch oder Vergewaltigung verurteilen zu lassen oder zumindest im großen Stil unbeliebt und machtlos zu machen, dann müssten Frauen mit einem Mindestmaß an krimineller Energie das doch tun.

Sind die bekannt gewordenen Falschbeschuldigungen für Margarete Stokowski also bedauerliche Einzelfälle, die das Kraut nicht fett machen? Ignoriert sie sie bewusst? Oder hat sie so dermaßen keine Ahnung?

Richtig ist: Falschbeschuldigungen werden dann leichter aufdeckt, wenn die Polizei kritisch ist und dem angeblichen Opfer nicht so einfach glaubt. Denn dann eine gute Geschichte zu präsentieren, die mehrmaligem Nachfragen standhält, und entsprechende Beweise zu fälschen, ist nicht so einfach. Aber gerade in die Richtung plädieren manche Feministinnen ja, dass man einfach „zuhören und glauben“ soll.

Andererseits gibt es die Unschuldsvermutung (ja, ja, für Alice Schwarzer das Unwort des Jahres!), die bei Aussage gegen Aussage verhindern soll, dass ein Unschuldiger verurteilt wird. Auch das wird immer wieder bitter beklagt und ein Freispruch so gewertet, als lasse man automatisch einen Täter laufen.

Zack, eine Gang gegründet, zack, Flaschendrehen: Eine muss mit Höcke Frühsport machen und sich nur noch merken, ob der jetzt Bernd oder Björn heißt. Die nächste muss ihren Hintern in der Nähe von Gaulands Hand platzieren und so weiter.

Es geht sogar noch einfacher. Man sieht das ja im Fall Rainer Brüderle: Einen Mann wegen seines Alters beleidigen, der bringt ein schlechtes Kompliment, und zack, Monate später fällt das der Frau auf und die Karriere des Mannes ist beendet.

Es wäre kein so großes Opfer, wenn man die dadurch loswerden könnte.

Moment, ist hier die Rede vom Täter, der ein Opfer bringt? Opfer ist doch immer noch die Person, die die Falschbeschuldigung erleidet. Das klingt wie eine Täter-Opfer-Umkehr, oder auch „victim blaming“! Die Begründung „diese Person hatte es nicht anders verdient“, mit der eine Straftat moralisch gerechtfertigt werden soll, ist ja genau das.

Margarete Stokowski will möglicherweise die oft getane Feststellung konterkarieren, eine Frau könne alleine mit der Beschuldigung der Vergewaltigung das Leben eines Mannes zerstören. Konkrete Beispiele aus den Kommentaren: Andreas Türck, Jörg Kachelmann, Horst Arnold, Gustl Mollath. (Danke, riedlinger!)

Stattdessen sagt sie direkt: Falschbeschuldigung gegen politisch unliebsame Personen, da habe sie nichts dagegen. Wenn das nur funktionieren würde.

Nun dürfte es unter den Leserinnen ja genug Frauen geben, die sich an die prominenten Fälle von Falschbeschuldigung erinnern und die wissen, dass statt „wenn das nur funktionieren würde“ in Wirklichkeit „und es funktioniert auch, wenn man es geschickt genug anstellt“ gilt. Ein direkter Aufruf, so zu handeln, ist das natürlich nicht. Aber indem ich die Methode schildere, sie moralisch absegne und einer Umsetzung dann nur noch das Hindernis „leider funktioniert das ja nicht“ in den Weg stelle, während Leute, die einigermaßen im Bilde sind, durchaus wissen, dass es sehr wohl geht, betreibe ich geistige Brandstiftung.

Kaum zu glauben, aber wahr: Margarete Stokowski hat es geschafft, noch perfider als seinerzeit Anne Wizorek gegenüber Jörg Kachelmann zu sein.

Aktualisierungen:

Lucas Schoppe meldet sich in den Kommentaren und verweist auf seinen Text zum selben Thema.

Lutz Bierend (Superlutz) ist ebenfalls wieder in Hochform.

Christian Schmidt bei Alles Evolution zum selben Thema.

Fefe hat eine Reaktion veröffentlicht, in der allen Ernstes auf dieser Linie argumentiert wird:

Warum darf also der Spiegel so einen Artikel mit einem Aufruf zum „Vergewaltigungsvorwurf als Waffe“ veröffentlichen?

Weil die Redaktion eben erkannt hat, dass Frauen, selbst wenn sie es theoretisch wissen, es niemals in der Praxis anwenden werden!

Frauen machen keine schlimmen Dinge, auch wenn sie sie für richtig halten? Und was ist mit den bekannten Fällen von Falschbeschuldigung? Oder Valerie Solanas und ihr Mordanschlag auf Andy Warhol? Weibliche Terroristen (gab’s doch schon in der RAF)? Und nicht zu vergessen all die Männer, die dann glauben, stattdessen Hass in Gewalt umsetzen zu müssen, eben weil die Frauen ja „zu lieb“ sind und verdient haben, dass ihnen jemand diese „Arbeit“ abnimmt.

Breakpoint/Anne Nühm stellt Die Margaretchen-Frage: Was hindert Frauen an Falschbeschuldigungen?.

Zwei Artikel mit gegenteiliger Meinung sind bei Onyx und bei Margret erschienen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wer sich moralisch ruiniert hat, sollte feststehen.

Die Sterne: Was hat dich bloß so ruiniert?

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Fundstücke: Thomas Fischer und sjw-watch zu Statistik

Das von mir bereits erwähnte Blog sjw-watch und der Zeit-Kolumnist Thomas Fischer schreiben über Statistik. Die Ausführungen passen sehr gut zusammen.

Fischer erklärt zunächst ausführlich die Kriminalstatistik der Polizei: Was zählt diese überhaupt, was ist eine Dunkelziffer, was die Aufklärungsquote usw. und kommt dann auf eine ganz andere Statistik zu sprechen.

Die Ergebnisse der bei der Justiz ankommenden Strafverfahren finden sich in der sogenannten „Strafverfolgungsstatistik“.
(…)
Hier wird erfasst, wie die Justiz mit den eingeleiteten Strafverfahren umgegangen und was als deren Ergebnis herausgekommen ist.

Was Polizei und Justiz zählen, sind ganz verschiedene Dinge und nicht miteinander vergleichbar. Beide sind jedoch letzten Endes relevant, um ein realistisches Bild der Kriminalität in Deutschland zu bekommen.

Das Blog sjw-watch zitiert im Artikel „Statistik für Anfänger mit @FrDingens“ die bei mir vor allem durch das „Fappygate“ in Erinnerung gebliebene Yasmina Banaszczuk:

In manchen Bundesländern führen nur 4% der Anzeigen zu einem Urteil. 4%. Anders: 96% der angezeigten Vergewaltiger werden nicht verurteilt.

Das ist natürlich Blödsinn sondergleichen. Für sie ist tatsächlich jeder Angezeigte automatisch ein Vergewaltiger! Vergessen wir nicht: Auch Jörg Kachelmann und Horst Arnold waren wegen Vergewaltigung angezeigt.

Einen besonneneren Blick richten die beiden eingangs erwähnten Quellen auf die Statistik. Und hier klingen sie erstaunlich ähnlich:

sjw-watch:

Würden bei einer Demo 30 Leute festgenommen und 29 vor Gericht freigesprochen, würde sich sogar die konservativste Zeitung hüten, als Schlagzeile “29 Terroristen kommen ohne Strafe davon” zu titeln.

Thomas Fischer:

Zugespitzt: Wenn ein übermotivierter Beamter 100 Verfahren wegen Landfriedensbruch gegen 100 zufällig festgenommene Anti-Bahnhofs-Demonstranten registriert und die Staatsanwaltschaft sämtliche Verfahren sofort mangels Tatverdacht einstellt, ist trotzdem die „politisch motivierte Gewaltkriminalität“ explodiert, und die Polizei hat alle Verfahren „aufgeklärt“, obwohl in Wirklichkeit gar nichts passiert ist.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Natürlich muss es diesmal etwas mit Zahlen im Titel sein!

The Cure: Wrong Number

Kurznachrichten vom 06.10.2016

1: Silke Burmester tritt auf Twitter gegen Jörg Kachelmann nach und erntet einen kleinen Shitstorm. Zurecht.

2: Birgit Kelle kommentiert die Entscheidung des Weltschachverbandes, die WM an Iran zu vergeben und damit die Spielerinnen zum Boykott oder unter das Kopftuch zu zwingen.

3: 5Cs Thrive, eine Gruppe von Studenten am Claremont College, erklärt Makulinität zur psychischen Störung:

Masculinity can be extremely toxic to our mental health, both to the people who are pressured to perform it and the people who are inevitably influenced by it. We would like to encourage discussion on how to openly talk about our emotions and our wellbeing, and how to engage in masculine identities in a healthy way. Relevant to this discussion is how masculinity can harm our relationships with people and one’s ability to cope when relationships are difficult or end. We want to create a safe and open space where we can talk about masculinity and its various intersections with our identities and experiences.

Allerdings gibt es auch Widerstand dagegen:

It seems Thrive’s efforts were not entirely successful, as some students avoided the event out of concern that it would alienate men. “If masculinity is described as something negative—a mental illness—then this is sexism against men,” stated Will Gu (PO ’20) in an email to the Independent. “Safe spaces… are supposed to make everyone feel comfortable. Criticizing masculinity makes males who adhere to traditional gender norms uncomfortable.”

4: Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, übt in der heutigen Ausgabe der ZEIT deutliche Selbstkritik an den Grünen, was den Hardlinern der LGBTI-Fraktion von queer.de überhaupt nicht passt. Auszüge:

Die „kulturelle Hegemonie“ seiner Partei habe zum Aufstieg der Rechtspopulisten beigetragen. Angesichts einer umfassenden Modernisierung der Gesellschaft wachse bei vielen Menschen „das Gefühl der Überforderung zum Gefühl des Kontrollverlusts aus“, so der Ministerpräsident. Nun gehe es darum, deutlich zu machen, „dass die neuen Freiheiten in der Lebensgestaltung ein Angebot und keine Vorgabe sind“.

Darüber hinaus forderte Kretschmann seine Partei dazu auf, das „Moralisieren“ zu unterlassen: „Wir sind keine Heiligen und werden es auch dann nicht, wenn man uns dazu machen will“, heißt es in dem Beitrag für die „Zeit“. Anstatt Vorgaben für die individuelle Lebensgestaltung zu treffen, sollten die Grünen sich auf den Kampf für eine gute Ordnung der Dinge konzentrieren. […]

Gleichzeitig schränkt Kretschmann seinen Einsatz für LGBTI-Akeptanz jedoch ein: „Es geht darum, dass jeder nach seiner Fasson leben kann und nicht darum, traditionelle Lebensformen abzuwerten oder die Individualisierung ins Extrem zu treiben. Individualismus darf nicht zum Egoismus werden, sonst wird gesellschaftlicher Zusammenhalt unmöglich. So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen – und das ist auch gut so.“

Darüber hinaus enthält Kretschmanns Artikel eine Passage, die man als Aufforderung an LGBTI-Aktivsten deuten kann, sich zurückzunehmen und verbal abzurüsten: „Auf der einen Seite erleben wir eine tendenziell übersteigerte politische Korrektheit, auf der anderen Seite das krasse Gegenteil: einen Verbalradikalismus und eine Verrohung der Sprache. Wir müssen eine neue Tonlage finden, getragen von Klarheit und Respekt. Auf diesem Boden kann unsere politische Kultur gedeihen.“

Kaum sagt ein Grüner mal was vernünftiges…

5: Und zum Abschluss ein Vortrag, der wunderbar in die Reihe Männerhass passt. Barbara Kirchner referiert über „Dämmermännerung. Neuer Antifeminismus, Alte Leier“. Bin dem vor nicht allzu langer Zeit über den Weg gelaufen. Vorsicht, Blutdruckgefahr…

Kurznachrichten vom 01.10.2016

1: In Österreich wurde ein 1. Online-Männerkongress organisiert, der heute beginnt und bis zum 10. Oktober andauern soll. Jeden Tag kann man ab 18:00 Uhr online zwei Vorträge anschauen und evtl. auch mitdiskutieren. Dazu gibt es auch ein Video von NICHT-Feminist, bei dem der Initiator Christian Peherstorfer interviewt wird:

2: Gestern hat Sophia Thomalla mit folgendem Tweet einen riesigen Shitstorm ausgelöst:

https://twitter.com/ThomallaSophia/status/781924621390057476

Später hat sie das mit folgendem Tweet relativiert:

Dennoch fühlt sich die Gutmenschenfraktion extrem getriggert. Ich bin schon ziemlich erstaunt, was so ein harmloses Witzchen an blankem Hass in der ach so zivilisierten Political-Correctness-Fraktion auslösen kann, bis hin zu unverhohlener Frauenverachtung. Nur so ein paar Beispiele:

https://twitter.com/favefugee/status/781946944411299840

https://twitter.com/goia/status/781932544812019712

Immerhin bewahrt der Account der neuen Kampagne #NichtEgal gegen „Hate Speech“ Contenance:

Auch andere bewahren einen kühlen Kopf, z.B.:

3: Pampers stellt die Werbung für geschlechtsneutrale Kindernamen ein, nachdem über 13.000 Bürger eine Online-Petition auf der eher bürgerlichen Petitions-Plattform citizen go unterschrieben haben.

4: Der Blogger Fefe kommentiert das neueste Urteil im Fall Kachelmann, in dem das erste Mal ein Gericht festgestellt hat, dass die Beschuldigerin Claudia Dinkel die angebliche Vergewaltigung fingiert hat, wie folgt:

Herzlichen Glückwunsch, lieber Feminismus! Das habt ihr ja schön hingekriegt, dass sich selbst überführte Falschbeschuldiger noch als Opfer fühlen, denn auf der anderen Seite stand ein weißer Mann. Opfer eines „Justizskandals“ und einer Verschwörung des Patriarchats. Lügnerinnen nicht unbesehen zu glauben ist ein Zeichen von Frauenfeindlichkeit. Soweit sind wir inzwischen.

5: Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist in Berlin mit dem Frank-Schirrmacher-Preis ausgezeichnet worden. Die NZZ dokumentiert seine Dankesrede. Ein Auszug:

Mit den von Philipp Muray angekündigten neuen Zeiten ist ganz einfach die Rückkehr des Matriarchats in neuer Form gemeint, in Staatsform. Die Bürger werden in einem Zustand fortgesetzter Kindheit unterhalten, und der erste Feind, den unsere westliche Gesellschaft auszurotten versucht, ist das männliche Zeitalter, ist die Männlichkeit selbst.

In diesem Sinn hat die Entwicklung der französischen Gesellschaft seit Philippe Murays Tod und insbesondere seit der Rückkehr der Sozialisten an die Macht seine Prophetien in atemberaubendem Ausmass bestätigt, und mit einer Rasanz, die ihn selbst, glaube ich, erstaunt hätte. Die Tatsache, dass Frankreich nach Schweden das zweite Land der Welt sein könnte, das die Kunden von Prostituierten bestraft, das, so glaube ich, wäre selbst Philippe Muray schwergefallen zu glauben, er wäre entsetzt zurückgeschreckt vor der Perspektive. Nicht so früh. Nicht so schnell. Nicht in Frankreich.

Die Prostitution abschaffen heisst, eine der Säulen der sozialen Ordnung abzuschaffen. Das heisst, die Ehe unmöglich zu machen. Ohne die Prostitution, die der Ehe als Korrektiv dient, wird die Ehe untergehen, und mit ihr die Familie und die gesamte Gesellschaft. Die Prostitution abzuschaffen, das ist für die europäischen Gesellschaften einfach ein Selbstmord.

Die Rede enthält auch noch den ein oder anderen weiteren spannenden und ungewöhnlichen Gedanken, ist aber ziemlich lang.

6: Die US-amerikanische Schachmeisterin Nazi Paikidze-Barnes will die Weltmeisterschaft im kommenden Februar im Iran boykottieren, weil die Spielerinnen gezwungen werden sollen, beim Spielen einen Hijab zu tragen.

7: Derweil werben Islamisten wie folgt für das Kopftuch:

kopftuchwerbung

Wen die Fliegen darstellen sollen, könnt Ihr Euch sicher denken.

8: Und wo wir grade wieder mal dabei sind, von Jesus and Mo gibts wieder was neues, das dazu passt:

Warum ich diese beiden Stellen in Anne Wizoreks Buch perfide finde

An meinem regulären Tag hatte ich keinen Artikel veröffentlicht, sondern nur ein Fundstück zur Filmkritik, das aber offensichtlich nicht besonders interessant war. Deswegen folgt nun ein längerer Text.

Ende September ist Anne Wizoreks Buch „Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute“ erschienen. Es hat in den ersten Tagen bereits jede Menge Rezensionen gegeben (bei Amazon tobte eine wahre Schlacht). Ich hatte damals keine Zeit, um es so schnell zu lesen. Geschafft habe ich es überhaupt nur, weil ich nach den ersten paar Dutzend Seiten meinen ursprünglichen Plan über Bord warf, jede diskutierenswerte Stelle zu vermerken und Notizen zu machen. Da es bereits viele Texte über das Buch insgesamt.gibt, möchte ich stattdessen in einer losen Serie immer wieder einzelne Aspekte oder Stellen herausgreifen und besprechen.

Das hat den Vorteil, dass ich einzelne Teile genauer betrachten kann. Stoff dafür bietet das Buch genug. Außerdem sind die einzelnen Kapitel so unterschiedlich, dass man das auch machen kann, ohne eine längere Argumentation aus den Augen zu verlieren.

Warum dieses Buch?

Natürlich gibt es auch Argumente gegen ein solches Vorgehen. Mir fallen sofort ein: 1. Anne Wizorek ist doch nur eine einzelne Frau, die ist überhaupt nicht repräsentativ für Feministinnen allgemein! 2. Das Buch ist gar nicht so wichtig, daran kann man doch nicht den Feminismus an sich festmachen! 3. Eine zu intensive Beschäftigung misst sowohl der Autorin als auch ihrem Buch mehr Bedeutung zu, als sie tatsächlich haben.

Dazu sei gesagt: Anne Wizorek hat den Grimme-Preis für den Aufschrei bekommen. Der Titel des Buches spielt auch auf diese Aktion an. Sie ist eine Person, die mediale Aufmerksamkeit bekommt. Sie spielt also für das, was in Deutschland derzeit unter dem Stichwort Feminismus passiert, eine große Rolle. An ihr lassen sich nicht, das sei ausdrücklich gesagt, alle Feministinnen messen oder „die typische/durchschnittliche“ Feministin festmachen.

Ich bin mehrfach dieses Jahr angeblafft worden mit dem Hinweis, ich solle doch mal lieber ein feministisches Buch lesen. Dem bin ich hiermit nachgekommen. Ab jetzt kann ich zumindest insofern mitreden. Ich halte es ohnehin für eine gute Vorgehensweise, die Bücher eines vermeintlichen oder tatsächlichen ideologischen Gegners zu lesen.

Und zuletzt kann aus dem Internet alles wieder verschwinden. Was in einem Buch steht, das bleibt. Es ist dann schwerer öffentlich zugänglich für alle, aber es kann bei Diskussionen wieder hervorgeholt werden von denen, die es haben.

Ich hatte in meinem Artikel über Hollaback bereits einmal das Buch erwähnt. Im folgenden möchte ich jedoch auf die beiden schlimmsten Stellen des gesamten Buches eingehen. Sie sind mir beim Lesen sofort unangenehm aufgefallen und sind für mich das Schlechteste, was dieses Buch zu bieten hat.

Der Fall Elliot Rodger

„Als am 23. Mai 2014 bekannt wurde, dass ein junger Mann namens Elliot Rodger in Isla Vista, Kalifornien, sechs Menschen getötet und 13 weitere in einem Amoklauf verletzt hatte, bekam ich dies wieder mal zuerst über Twitter mit. Es kursierte bereits ein Blogpost, der die Tat mit der Männerrechtsbewegung und Pick-up-Artist-Szene in Verbindung brachte.“

(Anne Wizorek, S. 303; im Original steht die URL des Artikels bei den Quellangaben, auf die jeweils via Zahl verwiesen wird)

Für mich ist das ein Paradebeispiel für „mit der Wahrheit lügen“. Es stimmt, dass im erwähnten Artikel behauptet wird, Elliot Rodger habe mit der Männerrechtsbewegung und Pickup zu tun. Was aber nicht genannt wird: Es gibt überhaupt keinen Beleg dafür – weder in dem Artikel selbst, noch in einer späteren Quelle. Das liegt daran, dass die Behauptungen nicht stimmen. Mit Männerrechten hatte Elliot Rodger überhaupt nichts am Hut. Angeblich soll er Geld für eine Pickup-Schulung ausgegeben haben, die aber bei ihm nicht funktionierte, so dass er später Zeit in Anti-Pickup-Foren verbrachte.

Nun könnte das einfach ein peinlicher Recherchefehler sein. Diese Behauptungen machten die Runde, um Belege kümmerte sich da niemand mehr. Wenn es so viele Leute schreiben, wie kann das denn falsch sein? Wie kann die Berichterstattung an so vielen Stellen versagen und ungeprüft solche Falschmeldungen übernehmen? Es waren doch Quellen, denen die Autorin eventuell sonst auch immer vertraute.

Das wäre schlimm genug. Blogartikel kann man schnell korrigieren, Bücher erst in der nächsten Auflage. Anne Wizorek müsste sich hier vorwerfen lassen, ihre Quellen nicht genügend geprüft zu haben.

Ich glaube jedoch nicht, dass das ein Versehen war, sondern gehe davon aus, dass das in voller Absicht geschehen ist. Die Stelle im Buch ist genau so geschrieben, dass man sie nicht als „an sich falsch“ kritisieren kann. Wäre Anne Wizorek tatsächlich davon überzeugt gewesen, dass die Quelle stimmte, dann hätte sie etwas schreiben können in der Form „er war ein Männerrechtler und betrieb Pickup“, also kurz und knapp und deutlich. Das hätte man leicht anfechten können. So messerscharf an dem zu bleiben, was man schreiben kann, aber alles wegzulassen, was die Behauptungen als ungerechtfertigt entlarvte (und das ist im Prinzip jede Quelle, die diese genauer untersucht hat) – das erscheint mir zu sauber ausgeführt, um das Ergebnis eines Zufalls zu sein.

Falls Anne Wizorek jedoch wusste, dass beide Behauptungen nicht stimmten (oder bisher nicht belegt worden sind), dann wäre es nur redlich gewesen, das klarzustellen – oder sie überhaupt nicht erst zu erwähnen. Und hier beginnt die Täuschung der Leser, die nicht mehr über den Fall wissen: Natürlich geht man implizit davon aus, dass kein Autor Vorwürfe erwähnt, an denen nichts dran ist, insbesondere dann, wenn keine Abwägung über ihre Glaubwürdigkeit erfolgt und keine weitere Information. Selbst in eine Frage verpackt, die scheinbar erst einmal gar nichts behauptet (fiktives Beispiel: „War Anne Wizorek beteiligt am Beschädigen einer Apotheke?“) und genauer besehen mit Sicherheit mit „nein“ beantwortet werden kann, wirkt das: Denn wenn es völlig aus der Luft gegriffen wäre, würde doch redlicherweise niemand die Frage stellen… das ist ein beliebtes Prinzip des Boulevard-Journalismus, mit nichts in der Hand etwas schreiben zu können und dabei ganz nebenbei den Ruf von Personen zu beschädigen.

Und genau davon gehe ich auch in diesem Fall aus: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Männerrechtsbewegung und Pickup-Verfechter in schlechtes Licht rücken, indem sie sie mit einem mehrfachen Mörder in Verbindung bringt – und das, ohne das direkt zu behaupten und damit angreifbar zu sein! Das finde ich perfide.

Wenn man schon im Mai/Juni in dieser Blogblase mitgelesen hat, dann weiß man, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Außerdem ist dieser Trick, wie erwähnt, durchaus aus der Presse bekannt. Der zweite Fall ist hingegen noch schlimmer.

Der Fach Jörg Kachelmann

„Als ich vor ein paar Jahren einer Bekannten riet, dass sie den sexuellen Übergriff anzeigen sollte, von dem sie mir gerade erzählt hatte, deutete sie nur auf den Fernseher, der im Hintergrund lief und die neuesten Bilder vom Kachelmann-Prozess zeigte. „Damit mir dann auch niemand glaubt? Nein danke.“ Ich hatte keine Antwort für sie – und habe sie bis heute nicht.“

(Anne Wizorek, S. 112)

Dröseln wir das erst einmal sauber auf. Jörg Kachelmann ist von dem Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Dabei kamen dasselbe Prinzip zur Anwendung wie überall sonst: Der Angeklagte gilt als unschuldig, solange seine Schuld nicht hinreichend bewiesen ist. Die Unschuldsvermutung gehört zum Fundament des Rechtsstaates. Es spielt dabei keine Rolle, ob jemand beliebt oder ein Außenseiter ist, ein anständiger Bürger oder ein Charakterschwein.

Natürlich steht es jedem frei, zu glauben, was er will. In der Öffentlichkeit bestimmte Dinge über andere Personen zu behaupten, kann jedoch je nach Rechtslage negative Konsequenzen nach sich ziehen. Jörg Kachelmann hat eine ganze Reihe Unterlassungsklagen gegen diejenigen gewonnen, die das vergessen hatten oder einfach mal austesten wollten.

Was lesen wir in diesem kurzen Abschnitt? Da ist eine Frau offenbar Opfer eines Verbrechens geworden, scheut jedoch vor einer Anzeige zurück, weil sie davon ausgeht, dass in einem prominenten Fall die Klägerin ebenfalls Opfer eines Verbrechens wurde und ihr niemand glaubt. Anne Wizorek fällt dazu angeblich nichts ein.

Das Perfide an dieser Schilderung ist: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Ansicht vertreten, Jörg Kachelmann sei in Wirklichkeit schuldig gewesen. Sie stellt diese Behauptung ja nicht selbst auf, sondern erzählt sie aus dem Mund einer Freundin.

Dass sie diese Ansicht vertritt, läßt sich recht leicht mit ein wenig Logik belegen. Gehen wir einmal vom Gegenteil aus: Da wird ein Unschuldiger in einem rechtstaatlichen Verfahren freigesprochen, eine Bekannte glaubt jedoch, die Klägerin sei tatsächlich sein Opfer gewesen und traut sich deswegen nicht, ein ihr widerfahrenes Verbrechen anzuzeigen. Dazu soll man dann nichts zu sagen wissen. Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Deswegen muss unter der Annahme, dass Anne Wizorek grundsätzlich etwas Sinnvolles schrieb, davon ausgegangen werden, dass sie Jörg Kachelmann für schuldig hält. Dann bekommt der zitierte Absatz einen Sinn – auf fatale Weise, wie ich noch zeigen werde.

Doch zunächst zurück zum Szenario, bei dem man von der Unschuld des Freigesprochenen überzeugt ist. Was wäre das erste, was man der Freundin sagen könnte? Etwa „das ist etwas ganz anderes, der Mann ist unschuldig“ oder „das zeigt doch nur, dass Recht und Gesetz funktionieren, das sollte Dich eher ermutigen“. Auf keinen Fall würde man sie im Glauben lassen, sie habe keine Chance mit einer Anzeige, wenn sie sich auf einen Fall beruft, bei dem man der Überzeugung ist, er sei richtig entschieden worden und anders gelagert.

Gehen wir nun einen Schritt weiter. Nehmen wir (fiktiv!) an, Jörg Kachelmann sei tatsächlich schuldig. Was hätte man dann der Freundin sagen können? „Es wird immer Fehlentscheidungen geben, aber das darf Dich nicht entmutigen“ oder „Das ist doch ein ganz anderer Fall, lass uns mal lieber überlegen, was für Beweise und welche Zeugen es für das gibt, was Dir geschehen ist“.

Egal, was man also über den Fall Kachelmann glaubt – es gibt so oder so etwas, das man einem Menschen sagen kann, der laut eigener Aussage einen Übergriff erlebt, diesen noch nicht angezeigt hat und seine Zweifel mit dem Fall Kachelmann begründet. Anne Wizorek stellt das jedoch als gigantisches Problem dar. Sie, die Aufschrei-Mitinitiatorin, Feminismus-Aktivistin, Talkshowteilnehmerin und Buchautorin, ist von Sprachlosigkeit betroffen. Obwohl selbst ich mit zwei Minuten Nachdenken auf einige vernünftige Vorschläge komme, findet sie bis heute nicht die passenden Worte.

Dass ein Angeklagter in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen wird, wirkt also so lähmend auf Opfer von sexuellen Übergriffen und Leuten, die den Opfern helfen wollen, dass bereits die Anzeige dieser Verbrechen verhindert wird. (Ich bin hier ganz nebenbei davon ausgegangen, dass die Freundin die Wahrheit sagt. Sonst würde es noch komplizierter.) Die Unschuldsvermutung sorgt also nicht nur dafür, dass „im Zweifelsfalle für den Angeklagten“ gilt, sondern nebenbei auch, dass die Ahndung offensichtlicher, womöglich leicht beweisbarer Verbrechen nicht geschieht.

Es muss sich also entschieden werden zwischen „ein paar Unschuldige über die Klinge springen lassen“ und „Massen von Opfern im Stich lassen“. Mit derselben Logik hat man auch schon Folter und außerrechtliche Gefängnisse im Kampf gegen den Terrorismus gerechtfertigt. Da der Rechtsstaat dem Rechtsstaat im Wege steht, müssen wir auf den Rechtsstaat verzichten, weil wir sonst keinen Rechtsstaat mehr haben.

Das ist keine Einzelmeinung, sondern war insbesondere im Fahrwasser des Kachelmann-Prozesses häufig zu hören. Das sei angemerkt, damit es nicht so wirkt, als stehe Anne Wizorek mit ihrer Haltung im luftleeren Raum. Über die Hintertür zu behaupten, Jörg Kachelmann sei schuldig und so zu tun, als stehe der Rechtsstaat der Verfolgung sexueller Übergriffe im Weg, das ist doppelt perfide.

Fazit

Es sind, wie eingangs erwähnt, die beiden schlimmsten Stellen in Anne Wizoreks Buch; der Rest sieht glücklicherweise anders aus. Schade, dass sie im Einsatz für ein (ihr) hehres Ziel auf solche Mittel zurückgreift.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das auf dem Amoklauf einer Schülerin basiert. Wenn wir Geschlechterrollen ausbrechen wollen, kann es ja nur sinnvoll sein, sich auch diese Fälle in Erinnerung zu rufen.

The Boomtown Rats: I Don’t Like Mondays