Fundstück: The Onion über Intersektionalitätstheorie

Gerade eben gefunden: Die Satire-Seite The Onion verarscht gehörig Judith Butler und die SJWs.

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Fundstück: Die Herrschaftsverhältnisse bei Blumen und Bienen

Im Rahmen der Diskussion des Artikels „Kyriarchat als das neue Patriarchat und Intersektionalität“ kam es bei Alles Evolution zu einem Gedankenaustausch zwischen den Kommentatoren only_me und KDMultipass, der es verdient hat, einen prominenten Platz als eigener Blogartikel eingeräumt zu bekommen:

only_me:

Es gibt da ein Herrschaftsverhältnis, das ich nicht verstehe, vielleicht kann eine der anwesenden Feministinnen erklären, in welche Richtung die Kyriarchie hier wirkt.

Das sind auf der einen Seite die Blumen, die den ganzen Tag stramm stehen müssen und umzig Prozent ihrer gesamten Energie in die Produktion von Pollen stecken, welche dann von Heerscharen von Bienen geraubt werden.
Blumen sind eindeutig unterdrückt.

Da sind auf der anderen Seite die Bienen, die jeden Tag ihr Leben riskieren und viele Kilometer weit fliegen, um die Pollen der einen Blume zu anderen Blumen zu tragen, damit diese bestäubt werden. Das ist so anstrengend, dass die Lebenserwartung der Arbeiterbiene nicht mehr als 5 Wochen beträgt.
Bienen werden eindeutig von Blumen ausgebeutet

Wie rum ist denn nun hier das Herrschaftsverhältnis richtig?

KDMultipass:

Na, die Bienendrohnen sind doch die einzigen in diesem System die cis, männlich und heterosexuell sind. Sollte also doch klar sein🙂 🙂

only_me:

Ach, die Drohnen beuten SOWOHL die Bienen als auch die Blumen aus?

Ich Drösel, da hätte ich auch von selbst drauf kommen können.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? 2016 hat eine breite Schneise in der Popkultur hinterlassen – bei dem Flugzeugabsturz über dem Schwarzen Meer ist nun kürzlich auch noch der Chor der Roten Armee ums Leben gekommen. Das waren diejenigen, die unter anderem mit der finnischen Band „Leningrad Cowboys“ Rockmusik mit etwas ungewöhnlichem Arrangement aufgenommen und präsentiert haben.

Leningrad Cowboys & The Alexandrov Red Army Ensemble: Sweet Home Alabama

Gastartikel: Leszek über Intersektionalität

Es ist mal wieder passiert: Bei „Alles Evolution“ schrieb Leszek einen Kommentar, der sich 1:1 als lesenswerter Artikel übernehmen läßt. Solche Hinweise sollten leichter wiederzufinden sein!

Letzten Endes erklärt Leszek, wie sich das Feindbild weißer Mann und die Rangliste der Privilegien entwickeln konnten. Arne Hoffmann kann sich hingegen auf die Schulter klopfen, denn in seinem Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ hat er genau die nach allen Seiten offene Intersektionalität beschrieben, die Leszek hier als noch ausstehenden Fortschritt beschreibt – und die auch einleuchtend ist.

Ab jetzt O-Ton Leszek:

Man muss die Durchsetzung der heutigen Intersektionalitätsmodelle m.E. ideengeschichtlich betrachten. Diese Modelle erscheinen uns heute mit guten Gründen als unterkomplex und schädlich, aber sie haben sich ideengeschichtlich in Folge einer linken Kritik an theoretischen Modellen herausgebildet, die noch unterkomplexer waren.

Die Idee der Intersektionalität entstand ideengeschichtlich in Folge einer – in meiner Augen berechtigten und notwendigen – linken Kritik an in den 70er Jahren bekannten theoretischen Modellen, die als ungerecht angesehene Ungleichheitsverhältnisse im Kontext von Hauptwiderspruchs/Nebenwiderspruchsmodellen zu fassen versuchten.

Diesbezüglich gab es zwei bekannte Modelle:

– Ein klassisch-marxistisches Hauptwiderspruchs/Nebenwiderspruchsmodell, welches ökonomische Klassenkonflikte als Hauptwiderspruch deutete und alle anderen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung als Nebenwidersprüche verstand, die sich mehr oder weniger automatisch mitauflösen würden, wenn der Hauptwiderspruch Klassenherrschaft beseitigt wäre.

– Mit diesem klassisch-marxistischen Modell konkurrierte insbesondere ein im Radikalfeminismus der 70er Jahre verbreitetes alternatives Haupt/Nebenwiderspruchsmodell, welches gerade nicht Klassenverhältnisse, sondern stattdessen als patriarchalisch interpretierte Geschlechterverhältnisse als Hauptwiderspruch deutete und wiederum alle anderen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung, einschließlich der ökonomischen Klassenbeziehungen, zu Nebenwidersprüchen reduzierte, die sich mehr oder weniger automatisch mitauflösen würden, wenn erstmal das Patriarchat beseitigt würde.

Dieses radikalfeministische Haupt/Nebenwiderspruchsmodell fand außerhalb des Feminismus aber keinerlei Unterstützung und Anerkennung, ja es führte sogar zu einer zunehmenden Isolierung des Radikalfeminismus von der politischen Linken, denn keine linke Strömung zeigte irgendeine Bereitschaft ihre eigenen theoretischen Grundlagen oder jeweiligen Arbeitsschwerpunkte dem klassischen Radikalfeminismus unterzuordnen. (Diese Isolierung war eine wichtige Vorausetzung dafür, warum sich radikale Feministinnen ursprünglich überhaupt auf die Idee der Intersektionalität eingelassen haben, der radikale Feminismus wäre bei Beharren auf einem feministischen Haupt/Nebenwiderspruchsmodell nämlich in immer stärkere Isolierung von der Linken geraten.)

Nun gerieten solche Haupt/Nebenwiderspruchsmodelle in den 70er und 80er Jahren zunehmend in die Kritik, ihnen wurde – m.E. berechtigt – vorgeworfen

– auf schlecht belegten historischen Theorien zu beruhen, nach denen sich alle vorhandenen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung historisch aus nur einer einzigen ursprünglichen Unterdrückungs-/Diskriminierungsform (z.B. Klassenherrschaft oder Patriarchat) entwickelt hätten

– dass sie die Relevanz der Analyse, Kritik und Bekämpfung anderer Unterdrückungs-/Diskriminierungsformen als derjenigen, die jeweils als Hauptwiderspruch gedeutet wurde, verschleiern würden, indem diese alle zu zweitrangigen Nebenwidersprüchen reduziert würden, dass die Anliegen anderer unterdrückter oder diskriminierter Gruppen dadurch abgewertet würden und die Beseitigung entsprechender Mißstände erschwert würde

– dass die Annahme, dass mit der Beseitigung des jeweiligen Hauptwiderspruchs sich alle anderen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung automatisch wie von Zauberhand mitauflösen würden, wohl kaum eine realistische und begründete Auffassung darstellt.

Als Alternative zu Haupt/Nebenwiderspruchsmodellen wurde die Entwicklung von theoretischen Modellen zur Konzeptualisierung von Herrschafts- und Diskriminierungsformen gefordert, in denen diese sowohl in ihrer jeweiligen relativen Eigenständigkeit als auch in ihrer spezifischen Verwobenheit mit anderen Herrschafts- und Diskriminierungsformen erfasst würden, ohne dabei einen Hauptwiderspruch vorauszusetzen und ohne, dass bestimmte Unterdrückungs-/Diskriminierungsformen in letzter Instanz auf andere reduziert und dadurch in ihrer Relevanz abgewertet würden.
Da Haupt/Nebenwiderspruchsmodelle m.E. in der Tat unrealistisch und dysfunktional sind, war dies erstmal auch ein sinnvoller theoretischer Fortschritt.

Dies war die Basis für die Entwicklung von Intersektionalitätsmodellen. Hierbei setzte sich nun leider eine DOGMATISCHE SCHLIEßUNG nach einer Seite hin bei der Konzeptualisierung von Diskriminierungen durch und diese wurde durch poststrukturalistische Theorien unterfüttert.
Wie ich schon mehrfach erklärte, („Was ist Political Correctness?“ und „Nutzt die postmoderne Political Correctness den neoliberalen ökonomischen Herrschaftseliten?„) wurden Diskriminierungen so konzeptualisiert, dass einer Seite stets der Status der Norm und der anderen Seite der Status der Abweichung oder Ableitung von der Norm zugewiesen wurde, die eine Seite wurde als allgemein privilegiert konstruiert, die andere Seite hingegen als allgemein diskriminiert.
So kam es zur Entstehung von spezifischen Norm-Feindbildern (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich) und denjenigen Gruppen, denen der Status der Norm zugeordnet wurde, wurde abgesprochen, dass sie Bezugspunkte von Diskriminierung sein könnten.

Anstatt also ergebnisoffen zu forschen, welche Privilegien und Diskriminierungen es jeweils auf allen Seiten gibt und zu versuchen alle realen Diskriminierungen auf allen Seiten zu beseitigen, wurde aufgrund der dogmatischen Schließung nach einer Seite hin einfach vorausgesetzt, Diskriminierung gebe es immer nur auf einer Seite.

Dies führt dazu, dass viele reale Diskriminierungen, Benachteiligungen und soziale Problemlagen in diesen einseitigen Modellen aus dem Blickfeld gerieten, z.B.:

– die zahlreichen Diskriminierungen und sozialen Problemlagen, von denen Jungen und Männer betroffen sind:

www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

– die sozialen Problemlagen der weißen Unterschicht in den USA:

www.jacobinmag.com/2011/01/let-them-eat-diversity/

– Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen gegenüber Christen in mehreren nicht-westlichen Ländern (auch, aber nicht nur in islamischen Ländern).

Nicht, dass Intersektionalitätsmodelle die Überschneidungen von Diskriminierungen untersuchen, ist das Problem, sondern die dogmatische Schließung der zeitgenössischen Intersektionalitätsmodelle nach einer Seite hin, die eine realistische und kontextspezifisch angemessene Erfassung von Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen auf allen Seiten unmöglich macht und damit eine tatsächliche empirische Diskriminierungsforschung und Ungleichheitsforschung wesentlich verhindert.

Die heutigen Intersektionalitätsmodelle haben sich also ideengeschichtlich als Resultat einer berechtigten Kritik an den unterkomplexen Haupt/Nebenwiderspruchsmodellen der 70er Jahre entwickelt, sind aber leider selbst zu unterkomplex.

Der nächste notwendige theoretische Schritt muss also darin bestehenden die dogmatische Schließung nach einer Seite hin zu beseitigen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bevor die Diskussion in den Kommentaren auf Marx gelenkt wird, bringe ich den lieber gleich in der Popkultur.

Richard Marx: Right Here Waiting

Warum ich Attraktivität nicht rassistisch finde

Elitemedium hat einen Artikel ausgegraben, der mit einem herrlich dämlichen Vorwurf daherkommt: Eine Vorliebe für asiatisch aussehende Frauen sei rassistisch.

An sich ist nichts dagegen zu sagen, einen bevorzugten Typ oder Vorlieben zu haben. Aber der Spaß hört für mich auf, wenn es nur um meine Hautfarbe geht. Nicht nur, dass es absolut oberflächlich ist – es ist schlicht rassistisch und beleidigend, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu beurteilen und ihnen bestimmte Eigenschaften anzudichten.

Bei der Anklägerin handelt es sich um Thi Yenhan Truong, eine vietnamesischstämmige Deutsche. Auf ihren Artikel wird schon bei Elitemedium in den Kommentaren gut angesprungen; ich möchte hier noch einmal einige Dinge auseinanderdröseln, die hier meiner Meinung nach vermischt werden:

Marius Jung erwähnt in seinem Buch „Singen können die alle – Handbuch für Negerfreunde“, wie es in nervt, wenn ihm Leute ungefragt die „Haare durchwuscheln“ (erwähnt ab 08:50). Interesse und Faszination aufgrund körperlicher Eigenschaften zu wecken, ist – auch bei Männern – nicht uneingeschränkt positiv. Bis hierhin gehe ich also mit.

Aber ab dann trennen sich bereits unsere Weltsichten. Wie schon bei Elitemedium erwähnt, stünde die gegenteilige Reaktion – eine Abneigung gegenüber asiatisch aussehenden Frauen – doch erst recht unter Rassismusverdacht. Dabei würde niemand ernsthaft das Fass aufmachen, Frauen für ihre Vorliebe für große Männer „Größismus“ vorzuwerfen. Was man mag und nicht mag, läßt sich nicht verordnen.

Was nun die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften oder Verhaltensweisen aufgrund von Hautfarbe (wahlweise auch Nationalität) angeht: Das ist auf das Individuum heruntergebrochen tatsächlich nicht in Ordnung. Aber das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass solche Unterschiede nicht im Durchschnitt tatsächlich existieren können. Ganz ketzerisch gefragt: Was ist so schlimm daran, wenn Stereotype tatsächlich ein Körnchen Wahrheit enthalten, wenn sich bei einer fiktiven wissenschaftlichen Untersuchung etwa herausstellt, dass südländische Männer im Schnitt leidenschaftlicher sind oder mehr flirten? Über die einzelne Person sagt das nichts aus. Oder, wie es eine Überschrift bei Alles Evolution ausdrückt: „Häufungen wird es immer geben, dies darf aber keinen Konformitätszwang erzeugen„.

Und wenn wir mal mit offenen Augen durchs Leben gehen, dann begegnen wir solchen Verallgemeinerungen an allen Ecken und Enden:

  1. deutsche Frauen über Latin Lover
  2. deutsche Männer über osteuropäische Frauen
  3. schwarze Männer über Blondinen
  4. Brasilianerinnen über Blonde

Natürlich ist das nicht „gerecht“. Man kann sich als Nicht-Latino ewig darüber aufregen, dass bei Männern bestimmter Nationalitäten ein gewisses Macho-Gehabe nicht als „primitiv“ verurteilt wird, sondern als „authentisch“ oder „zur Kultur gehörig“ gewertet und gerne angenommen wird. Was soll’s? Stattdessen sollte man lieber hinschauen, wer dem eigenen Aussehen und der eigenen Nationalität positive Eigenschaften zuweist und das als Bonus beim Flirten verwenden.

Die erwähnte Autorin muss ihre höhere Attraktivität bei einigen Männern hingegen unbedingt zu einem Nachteil bzw. Rassismus umdeuten. Das passt eigentlich wunderbar zum intersektionalen Feminismus, in dem der „reinste“ und „beste“ Mensch derjenige ist, der das größte Opfer ist. Einen Vorteil durch etwas zu haben macht einen nach diesem Weltbild zu einem schlechteren Menschen – bekloppt, aber wahr!

Das ist natürlich eine astreine Anleitung zum Unglücklichsein, weil man sich über etwas Gutes, was einem „einfach so“ passieren kann, nicht freuen darf. Dass einen dann Flirten und Partnersuche frustriert, ist kein Wunder.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ein Lied, in denen schwarze und weiße Männer besungen werden…

Hair: Black Boys / White Boys

Warum ich dieser Dolchstoßlegende keine Chance einräume

Auch zwei Wochen nach der US-Präsidentschaftswahl finde ich immer noch spannende Beiträge. Den heutigen Artikel rahme ich bewusst in zwei davon ein.

Via Fefe stieß ich auf eine großartige Analyse von Scott Alexander beim Slate Star Codex. Die lohnt es sich im Detail nachzulesen. Drei wesentliche Punkte:

  1. Donald Trump hat bei den Schwarzen, Hispanics und Asiaten gewonnen… am wenigsten jedoch bei den Weißen.
  2. Rassisten sind keine relevante Wählergruppe.
  3. Angst und Panik sind keine Lösung.

Die ersten beiden Punkte werden mit Fakten unterlegt und es ist wichtig, sich das klarzumachen, um nicht auf ein hektisch zusammengezimmertes neues Narrativ hereinzufallen („Rassisten haben die Macht übernommen! Wir werden alle sterben!“), das einem zwar einen Teil des (negativen) alten Weltbildes bewahrt, letzten Endes aber nicht weiterhilft. Damit kommen wir zum Thema der Legendenbildung im Fahrwasser der Wahlen. Ich hatte ja schon geschrieben:

Ehrlich gesagt warte ich noch auf die ausformulierte Dolchstoß-Legende: Hillary Clinton sei auf offenem Felde ungeschlagen gewesen, aber weiße Männer hätten heimlich Donald Trump gewählt. Mit solch einer Niedertracht sei die gute und eigentlich siegreiche Sache hinterrücks erdolcht worden.

Darauf kam folgender Hinweis von Lucas Schoppe:

Die Dolchstoßlegende gibt es übrigens schon, aber es sind natürlich nicht die weißen MÄNNER, die der wacker kämpfenden und im Felde unbesiegten Hillary den Dolch in den Rücken gestoßen haben – sondern die weißen Frauen.

Er verweist auf Hengameh Yagoobifarah in der taz. Die These dort lautet: „Weiße Frauen haben den Feminismus verraten“ (schöne Erwiderung von elitemedium!). Diese Dolchstoßlegende passt jedoch nicht gut.

Rufen wir uns in Erinnerung: In den USA leben etwa 70% Weiße, 12% Schwarze, 11% Hispanics, Rest Asiaten/sonstige. Wenn ich dabei 50% Männer annehme (in Wahrheit sind es weniger), dann erklärt das Feindbild weißer Mann 35% der Einwohner zu den Bösen. Dabei kann das sogar ein Abschwächung sein, wenn man mit „Männer sind böse!“ gestartet ist. Letzteres ist seit ca. 200 Jahren ein beliebtes Narrativ, es hat sich eingebürgert. Man riskiert entsprechend wenig, dieses Klischee zu bemühen.

Nun die weißen Frauen der Gruppe der Gesellschaftsfeinde und Modernitätsverhinderer zuzuschlagen, bedeutet aber, in den USA schlagartig 35% der Menschen, die bisher den „Opfern“ zugerechnet wurden, zu „Tätern“ zu machen. Das ist eine zu große Gruppe, zumal Frauen mehr Empathie genießen und ein Angriff auf Frauen Schutz- und Versorgungsinstinkte auslösen kann.

Übertragen auf Deutschland passt das natürlich noch weniger – der Anteil der Nicht-Weißen ist viel geringer. So kommt etwa auf 270 Weiße ein Schwarzer (Marius Jung, ab 10:46).

Natürlich ist das auch den hiesigen Feministinnen klar und sie handeln entsprechend nicht „intersektionell korrekt“, denn sonst würden sie sich größtenteils selbst aus dem Rampenlicht kicken. Wie Christian Schmidt bei Alles Evolution treffend feststellt:

Auch Anne Wizorek geht lieber selbst in Talkshows statt darauf zu bestehen, dass eine schwarze Feministin an ihrer Stelle (oder wenigstens zusätzlich) eingeladen wird.

Doch immer, wenn man denkt, es geht nicht durchgeknallter, hilft einem Twitter: Alex verweist auf einen Tweet, wo jemand allen Ernstes vorschlägt, in den USA allen Weißen (inklusive sich selbst) das Wahlrecht zu entziehen. Das ist natürlich eine „geile“ Idee, einfach mal 70% in den Status vor dem allgemeinen Wahlrecht zurückzuversetzen. Es komme mir niemand mehr mit Emanzipation und Suffragetten!

Aber abschließend zurück zur Vernunft. Via Aufwachen-Podcast stieß ich auf einen anderen Podcast, in dem der advocatus diaboli (ein Sozialkundelehrer!) über „Nach Trump“ spricht. Er fängt etwas verhalten mit der Wahl an, steigert sich dann aber beträchtlich (die Leute merken doch, wie es läuft; man soll mit Leuten reden usw.). Ja, wer sagt denn, die Bevölkerung sei dumm? Hier erklärt ein ganz normaler Bürger, was man machen kann, und das ohne rosarote Brille, sondern klar die Probleme benennend.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Eine weitere Gruppe, deren Einfluss mit dem Ausgang der Wahl gebrochen wurde, wären die „Spin Doctors“.

Spin Doctors: Two Princes

Fundstück: man in the middle zu Intersektionalismus

Aus einen Kommentar von man in the middle (mitm) bei Alles Evolution über Intersektionalismus :

Er basiert auf dem Begriff Intersection = Durchschnitt von zwei oder mehr Mengen, hier konkret die Menge der Frauen, Schwarzen, behinderten oder andere. Damit wird unterschwellig die extrem fragwürdige bis glatt falsche These ausgestellt, das seien überhaupt homogene soziale Gruppen, diskurstechnisch wird also bei allen Debattenteilnehmern eine implizite Zustimmung zu diesen „Fakten“ erzwungen.

Die einzig sinnvolle Reaktion ist normalerweise, die Verwendung dieses Begriffs komplett abzulehnen oder ihn als das umzudefinieren, was er ist: der begriffliche Versuch weißer privilegierter Feministinnen, sich als Mitglied der Gruppe der sozialen Unterschicht (egal ob schwarz oder White trash), die man sich als Putzfrau hält, zu positionieren.

Ich würde hier nicht das Wort „Durchschnitt“ verwenden, das an einen Mittelwert à la arithmetisches Mittel erinnert, sondern „Schnittmenge“. Ansonsten ist das – ein weiterer – guter Beitrag zur Diskussion.

Man beachte unter dem Original-Artikel auch die Kommentare der üblichen Verdächtigen (Leszek, LoMi, crumar). Es war ohnehin eine sehr fruchtbare Diskussion, die unter anderem zwei Beispiele für alte Hüte, die uns als neu verkauft werden, lieferte.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da der Begriff „intersection“ in der Diskussion auch auf einen Begriff aus dem Straßenverkehr zurückgeführt wurde, fiel mir als erstes dieses Lied ein („Kreisverkehr“!)…

Yes: Roundabout

Fundstücke: Alte Hüte, die uns als neu verkauft werden

Faszinierend, wie oft sich „neue“ oder „revolutionäre“ Konzepte als alter Wein in neuen Schläuchen herausstellen. Drei Beispiele, die mir einfallen:

Intersektionalismus

Wie crumar bei Alles Evolution feststellt:

Was mich am meisten ärgert ist, dass die Intersektionalistinnen schamlos plagieren und so tun, als hätten sie etwas neues erfunden.

Dabei ist der echte Erfinder des Intersektionalismus mit folgendem griffigen Bild hervorgetreten:

Die „Katholische Arbeitertochter vom Land

Der Begriff geht auf Ralf Dahrendorf zurück im Zusammenhang mit Bildungsnachteilen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen (Arbeiter, Landbevölkerung, Mädchen, Katholiken). Er stammt aus dem Jahr 1966.

crumar weiter:

Was uns als neu verkauft wird, hat als Erkenntnis ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel.
(…)
Wenn sich in einer untersuchten Gruppe der Bevölkerung *zu einer bestimmten Zeit*, bestimmte Teilgruppen *nicht* befinden und dies an der Verkettung mehrerer Nachteile liegt, die empirisch nachweisbar sind – dann ist der Schluss von Dahrendorf richtig.
Er schloss von einer *empirischen Beobachtung* der Bevölkerung auf die Existenz von Nachteilen von Bevölkerungsgruppen.

Was die Intersektionalistinnen jedoch tun, ist eine ahistorische, (a-)kontextuelle UMKEHRUNG dieser Vorgehensweise.
Hier ist für immer und von vorne herein *gesetzt*, wer „diskriminiert“ ist.
(…)
Eine Wissenschaft, bei der von Beginn an die Resultate feststehen hat aufgehört Wissenschaft zu sein.

die gläserne Decke

LoMi in den Kommentaren zum selben Artikel:

Die „gläserne Decke“ ist übrigens schon vor gut 100 Jahren eingeführt worden als „ständische“ Dimension und zwar durch Max Weber. Dieser hatte sehr wohl erkannt, dass nicht alle Ungleichheit das Ergebnis von Besitzverhältnissen ist, sondern dass gewisse privilegierte Gruppen nach eigenen Kriterien von sich aus Menschen ausschließen.

Männer böse, Frauen gut

Lucas Schoppe: Zu Christoph Kucklicks Das unmoralische Geschlecht.

  1. Warum Männerfeindschaft modern ist
  2. Der liebesunfähige Mann: Vom alten Klischee zur revolutionären Neuheit
  3. Politik und Kinderfeindschaft
  4. Zeit für neue Lieder

Kernidee: Die Idee, dass Männer schlecht sind und Frauen gut, ist etwa 200 Jahre alt. Die Veränderungen, die die Gesellschaft durch die Moderne mitmacht, werden holzschnittartig auf die beiden Geschlechter heruntergebrochen: Der Mann, das schrecklich-entfremdete Wesen, die Frau, das natürlich-bewahrende Wesen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei dem Gedanken, dass unterschiedliche Zeiträume durcheinander geworfen werden, fiel mir ein entsprechender Liedertitel ein:

Udo Jürgens: 1000 Jahre sind ein Tag