Fundstück: Sinkende Einkommen bei Männern führen zu weniger, bei Frauen zu mehr Ehen

Das Blog „MGTOW Deutsch“ erwähnt gleich zweimal einen Artikel von Florian Rötzer bei Heise namens „Sinkende Einkommensunterschiede setzen Männer unter Druck„. Was in diesem Artikel steht, fügt sich wie ein Puzzleteil in die im Blog schon besprochene Studie „Trade Liberalization and Mortality: Evidence from U.S. Counties“ von Justin R. Pierce und Peter K. Schott (Entwurf vom Dezember 2015 als PDF).

Am Anfang wird zwar das Feindbild weißer Mann bemüht und verschwiegen, wie viele Frauen für Donald Trump gestimmt haben, aber immerhin werden auch tatsächliche wirtschaftliche Sorgen als Hintergrund erwähnt. Bereits bekannt ist: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt die Suizidrate bei Männern in Osteuropa und – schon oben im Rahmen der Studie von Pierce und Scott erwähnt – in den USA.

Basis für den Heise-Artikel ist eine neue Studie von David Autor, Gordon Hanson und David Dorn namens „When Work Disappears: Manufacturing Decline and the Falling Marriage-Market Value of Men“ (PDF).

Für die „Schicht der Männer ohne Hochschulabschluss zu tun hat, die in der verarbeitenden Industrie tätig sind, um ihre Jobs fürchten oder diese bereits verloren haben“ ergibt sich folgendes traurige Bild:

Weil ihre Karriere- und Einkommensaussichten sinken oder wegbrechen, sinkt auch ihre Attraktivität auf dem Heiratsmarkt und damit wohl auch bei der Partnerwahl. Das macht wütend und verzweifelt.

Und bei diesen Männern hört es nicht auf:

Allerdings sind die Ergebnisse wohl über diese Schicht hinaus gültig. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der jungen Menschen, die verheiratet sind, stark zurückgegangen. Zwischen 1979 und 2008 fiel der Anteil der Frauen im Alter von 25-39 Jahren, die verheiratet sind, bei den Hochschulabgängerinnen um 10 Prozent und um 20 Prozent bei denjenigen, die einen Highschool-Abschluss oder weniger haben. Parallel dazu steigt die Zahl der der Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten, so hat sich in etwa derselben Zeit die Zahl der Kinder von unverheirateten Müttern fast verdoppelt.

Hier sieht man, wie Probleme miteinander verbunden sind. Der sehr deutlich betitelte Artikel „How Not to Be Poor“ listet als einen Tipp gegen Armut „keine außerehelichen Kinder haben“ auf und zeigt in einer Grafik, dass Armut in der Gruppe der Alleinerziehenden mit Abstand am häufigsten vorkommt.

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde in den USA deutlich, dass mehr Männer als Frauen von deren Folgen betroffen waren und dass die Gehälter der Männer stärker darunter leiden.

Hier stellt sich dann spätestens der AH-Effekt ein („Das habe ich doch schon bei Arne Hoffmann gelesen…“), gefolgt vom „PfelM-Reflex“ („Ich gucke mal nach, was in dem Buch Plädoyer für eine linke Männerpolitik darüber steht…“). Und siehe da, es findet sich selbst bei schneller Suche folgendes:

Kapitel „Der Mann als ökonomischer Verlierer“, S. 144, 146, bezogen auf Deutschland. Für das Phänomen, dass Männer stärker von der Wirtschaftskrise betroffen sind, habe ich irgendwo den Terminus „hecession“ aufgeschnappt.

Bei Wirtschaftskrisen oder bei steigenden Importen aus dem Ausland sollen sich die Mechanismen auf dem Heiratsmarkt besonders nachhaltig auf dem unteren Ende der Einkommensschichten auswirken. Die Zahl der Männer, die arbeitslos sind oder weniger verdienen, auch weniger als die Frauen, steigt, während ihre Attraktivität für die Frauen sinkt. Dazu kann ein Anstieg im Drogen- und Alkoholkonsum, der Kriminalität und auch der Mortalität kommen.

Die Autoren gehen in der Studie vor allem den Auswirkungen einer erhöhten Einführung von chinesischen Waren auf dem US-Arbeitsmarkt nach.

Genau wie die oben erwähnte Studie von Pierce und Schott, nur dass hier noch der Heiratsmarkt dazukommt.

Steigt jedoch die Arbeitslosenquote bei den jungen Frauen mit geringer Qualifizierung relativ an, erhöht sich Heiratsbereitschaft.

Nichts Neues: Frauen haben im Notfall die Möglichkeit, in eine Partnerschaft „zu fliehen“ und aus dem Arbeitsmarkt auszusteigen. (Ja, nicht jede und unter allen Umständen, aber tendenziell.)

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler würde ein „Schock“ von einem Punkt Anstieg chinesischer Importe auf hauptsächlich männliche Beschäftigung zwischen 1990 und 2007 den Anteil der 18-25-jährigen Frauen, die keine Heirat eingehen, um 3,9 Prozentpunkte ansteigen lassen, während ein solcher „Schock“ auf überwiegend weibliche Beschäftigung den Anteil der jungen Frauen, die niemals verheiratet waren, um 3,1 Prozentpunkte senkt.

Mit anderen Worten: Sich alleine auf die Frauen und ihre Unabhängigkeit zu konzentrieren wäre das falscheste, was man machen könnte! Geht es nämlich den Männern schlecht, gibt es mehr Armut für alle, auch bei den Kindern. Wie Lucas Schoppe gerne ausführt: Die meisten Menschen haben überhaupt kein Interesse an einen Geschlechterkrieg, weil sie viel zu sehr auf Kooperation angewiesen und daher an ihr interessiert sind. Es kann daher auch nicht sinnvoll sein, Interessen von Männern und Frauen in Konkurrenz zueinander zu sehen, ohne den Gesamtzusammenhang zu betrachten. Hier würde sich tatsächlich ergeben: Im Zweifelsfall auf den Mann achten – eine sehr unangenehme, unkorrekte Botschaft.

Sollten die Analysen für die „Handelsschocks“ auf den Arbeits- und Heiratsmärkten für die Regionen, in denen das verarbeitende Gewerbe wegbricht, das Mitte des 20. Jahrhunderts den Wohlstand breiter Schichten garantiert hat, aber seit Jahrzehnten schrumpft, zutreffen, dann dürfte auch die kommende Automatisierungswelle ähnliche Folgen haben. Dann wären aber nicht nur die Arbeitsplätze von Arbeitern betroffen, sondern auch die von Höherqualifizierten und Akademikern, was nach der Studie den Heirats- und Partnermarkt noch maßgeblicher beeinflusst.

Und da können wir direkt den nächsten Bekannten erwähnen: Schließlich hat der Stadtmensch als Dauerthema, dass aufgrund der zunehmenden Automatisierung immer mehr Stellen wegfallen – und dass die Politik keinerlei Lösungsansätze anbietet, geschweige denn das Problem erst einmal anspricht, falls sie es überhaupt erkannt hat. Stattdessen werden wir mit irgendwelche sinnlosen Symbolkampagnen und -gesetzen beschäftigt.
So lassen sich in einem großen Bogen eine Palette von Themen miteinander verknüpfen: Wirtschaftslage, Gesundheit von Männern, Heiratsmarkt, Geschlechterunterschiede, Armut in der Gesellschaft.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Schien mir ganz angemessen für den heutigen Tag…

Jan Garbarek and The Hilliard Ensemble: Parce Mihi Domine

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#heisegate : Trump is evil, Apple ist Weltfrieden

Wir zitieren mal die Überschrift:

Transgender-Schüler: Apple wirft Trump-Regierung Diskriminierung vor

Der neue US-Präsident will Transgender-Schülern nicht mehr erlauben, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechende Toilette zu verwenden. Der iPhone-Hersteller sprach sich in einem Statement deutlich dagegen aus.

Dann klein irgendwo im Text:

Unter der bisherigen Regelung drohte Schulen, die Transgender-Schülern nicht die freie Wahl der jeweiligen Toilette erlaubten, ein Entzug staatlicher Zuschüsse. Präsident Trump hatte stets argumentiert, öffentliche Schulen und Staaten sollten selbst darüber entscheiden dürfen, wie sie das Thema regeln.

Huch! Trump ist doch nicht Hitler? Jedenfalls nicht so ganz? Jedenfalls wenn man sich überlegt, wie die guten Feministinnen von der Störenfriedas keine Schwänze auf den Frauenklo wollen weil sie bedrohlich und sowieso fies und eklig sind? http://diestoerenfriedas.de/die-sache-mit-den-safe-spaces-warum-ich-keine-schwaenze-auf-frauentoiletten-haben-will/

Die hilfreichen Nerds aus dem Heiseforum kommen zur Hilfe: Nutzer wwwfang

https://www.heise.de/forum/Mac-i/News-Kommentare/Transgender-Schueler-Apple-wirft-Trump-Regierung-Diskriminierung-vor/Zum-Verstaendnis-Wie-die-Vereinigten-Staaten-organisiert-sind/posting-29994363/show/

Zum Verständnis: Wie die Vereinigten Staaten organisiert sind

Dass der Artikel Trumps Entscheidung falsch darstellt, wurde hier ja schon mehrfach eingebracht. Er verbietet nichts, er will auch nichts „nicht mehr erlauben“, er hat eine föderale Zuschussregelung entsorgt und damit die Angelegenheit auf die Ebene der Bundesstaaten verlagert. Nicht mehr, nicht weniger.

Das kann man, wenn man denn unbedingt will, als Versuch ansehen, erzkonservativen Kräften irgendwo im Bible Belt in die Hände zu spielen und damit durch die Hintertür etwas zu verbieten. Andersrum kann man aber natürlich genauso sagen, Trump ermöglicht es den Kaliforniern, ihre eigene freizügige Entscheidung zu treffen, ohne dabei auf die ganz besonders christlichen Christen achten zu müssen.

Was in dieser Hinsicht im Artikel steht, ist nur eines: Bockmist. Wer auch immer das geschrieben hat, sollte das korrigieren und sich entschuldigen.

Aber zum Thema:
Tatsächlich folgt die Entscheidung einem ganz simplen Grundprinzip, auf dem die Vereinigten Staaten aufbauen: Die Bundesstaaten halten sich aus internationalen Dingen raus, das ist Sache der Bundesregierung, und die Bundesregierung hält sich aus Dingen raus, die lokal geregelt werden können, das ist Sache der Bundesstaaten und Gemeinden.
Nicht umsonst war auch die jetzt von Trump abgeschaffte die Obama-Regelung keine Vorschrift, sondern ganz banal ein Entzug von Bundeszuschüssen (die meines Wissens nach zudem noch nicht einmal in Kraft war, eben weil die Zuständigkeit der Bundesregierung angezweifelt wurde).

Wer es nicht weiss, wie strikt diese Trennung der Zuständigkeiten läuft, kann sich als Beispiel die Polizei ansehen: Weder der Präsident, noch der Gouverneur haben das Recht einem örtlichen Polizeibeamten irgendetwas zu sagen, denn die Polizei ist Sache der Gemeinden (bzw. Städte).

Das hat also alles nichts mit Verbieten oder Erlauben zu tun, das ist eine Frage der Staatsorganisation.

Der einzige Streitpunkt wäre hier, inwieweit die Kloklage Teile der US-Verfassung berührt, die sich gegen Unterdrückung wenden. Zur Erinnerung: Es gab in einigen Staaten noch bis in die 60er nach Rassen getrennte Klos. Auch das wurde erst durch die Bundesregierung unterbunden.

Danke, wwfang. Warum bekommt das Heise nicht hin?

#Heisegate : Mass Effect

Im Newsticker von Heise, eigentlich ein Refugium von Postgendernerds, finden sich immer mehr einseitige, SJW-artige „News“. Halbwegs aktuelle Beispiele hier und hier. Die Autoren sind meist eine bestimmte wiederkehrende Gruppe, aber auch Chefredakteur Jürgen Kuri hatte sich schon mal eindeutig und einseitig proradikalfeministisch geäussert. Nun wird das Heiseforum von Nerds bevölkert, das ist gemeinhin keine Spezies denen man Einseitigkeiten, Halb- und Volllügen unterschieben kann. Daher lohnt sich dort immer ein Blick, insbesondere wenn mho und Konsorten Dinge von sich geben.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Mass-Effect-Andromeda-Aufregung-um-Gesichtsanimationen-eskaliert-in-Hasskampage-gegen-Entwicklerin-3659066.html

Es ist mal wieder passiert! Eine Frau(!) wurde kritisiert(!) und das tatsächlich auch unter der Gürtellinie. Schnell reiten die weißen Ritter herbei um der armen Opfer*in zu helfen. Klar ist, wer nicht komplett auf ihrer Seite ist, ist auf jeden Fall den Morddrohern gleichzusetzen. Weil Frau. Schauen wir mal ins Forum:

https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Mass-Effect-Andromeda-Aufregung-um-Gesichtsanimationen-eskaliert-in-Hasskampage-gegen-Entwicklerin/Unfassbar-dieser-Hass/posting-30120199/show/

Unfassbar dieser Hass

Wer andere mit so menschenverachtenden „Hassbotschaften“ wie „Cosplayerin ohne Videospiele-Erfahrung“ „verunglimpft“, der frisst auch keine Kinder, das ist doch wohl klar..

OK, im Ernst – ich unterstelle mal, dass da irgendwo deutlich schlimmere Dinge gegenüber dieser Entwicklerin geäußert wurden. Und ich kann auch nachvollziehen, wenn man derartiges in dem Artikel nicht wiederholen will.
Aber dann soll man doch bitteschön ganz auf Beispiele verzichten und nicht „Hassbotschaften“ vom Kaliber „das finde ich aber jetzt echt nicht gut, ne“ anführen, um den Tenor der „Kampagne“ zu beschreiben.

https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Mass-Effect-Andromeda-Aufregung-um-Gesichtsanimationen-eskaliert-in-Hasskampage-gegen-Entwicklerin/Als-Cosplayerin-ohne-Videospiele-Erfahrung-verunglimpft/posting-30123928/show/

Boah, dieser Frauenhass wieder!

Im Netz wurde die Designern, die privat auch Cosplay betreibt, als „Cosplayerin ohne Videospiele-Erfahrung“ verunglimpft.

Das ist schon hart und sehr unter der Gürtellinie. Wie kann man sowas nur wagen? Frauenhass, einfach überall. Dabei was doch jeder das jeder Cosplayer total auch Videospieler ist.

https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Mass-Effect-Andromeda-Aufregung-um-Gesichtsanimationen-eskaliert-in-Hasskampage-gegen-Entwicklerin/frueher-waren-es-einfach-Beleidigungen/posting-30122798/show/

früher waren es einfach Beleidigungen …

…. heute ist alles Hass. Ich kanns nicht mehr hören.

Merken eigentlich die verantwortlichen Journalisten und Politiker nicht, wie sie echten Hass verniedlichen und verharmlosen mit ihrem Wildwuchs-Sprachmissbrauch?!

Aber auch der dezente Hinweis, mit wem man es tatsächlich zu tun hat: https://i2.wp.com/theralphretort.com/wp-content/uploads/CpH3WtHWEAAABDS-1.jpg

Und insbesondere mal ein Link auf die ganze Geschichte. Sehr zu empfehlen.

https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Mass-Effect-Andromeda-Aufregung-um-Gesichtsanimationen-eskaliert-in-Hasskampage-gegen-Entwicklerin/Hier-die-Originalartikel/posting-30121772/show/

Hier die Originalartikel

Da auch heise inzwischen no plattforming betreibt, hier die Originalartikel die die „Hasskampagne“ gestartet haben damit sich jeder selbst eine Meinung bilden kann:

http://theralphretort.com/a-cosplayer-with-no-video-game-experience-was-the-lead-facial-animator-for-mass-effect-andromeda-3017017/

http://theralphretort.com/whatever-lie-it-takes-bioware-is-desperate-to-save-the-turd-known-as-mass-effect-andromeda-3018017/

Fazit: Ein Heiseartikel, der höchst einseitig (des-)informiert und damit eine gewisse politische Agenda bedient.

Gastartikel: crumar und die dicken Bretter, zweiter Teil

crumar hat sein Wort gehalten und tatsächlich Teil zwei geschrieben! Die Links habe ich ergänzt.

Ich möchte an meinem historischen Rückblick ansetzen, der im ersten Teil einen Bruchpunkt in *einem* Forum charakterisierte, nämlich den bei „telepolis“ zu einem feministischen Artikel von Birgit Gärtner im Jahr 2010.
Hier wurde die Autorin offensichtlich von der Redaktion wegen der Forenreaktionen gezwungen, den ursprünglichen Test um die gröbsten Falschaussagen zu bereinigen und erneut zu veröffentlichen.

D.h. die „Offensive in der Defensive“ – nämlich engagiert aus der Sicht des Lesers zu kritisieren – hatte Früchte getragen, auch weil „heise“ von seiner liberalen Moderationspraxis nicht abließ (ausdrücklich hervorgehoben).

Zwei Jahre später, also 2012 gab es zwei Ereignisse, die ich als Dammbruch charakterisieren würde und die fast zeitgleich erfolgten:

Am 12.4. erschien „Das verteufelte Geschlecht“ von Christoph Kucklick in der „Zeit“ und lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die *eigentlichen* gesellschaftlichen und historischen Gründe für die Entstehung *gesellschaftlich akzeptierter* Männerfeindlichkeit:

Der Feminismus hat die Ideologie der bösen Männlichkeit nicht erfunden, er hat diese nur für eigene Zwecke genutzt und oft sogar richtige und politisch segensreiche Schlüsse daraus gezogen.
Das Stereotyp vom unmoralischen, gewalttätigen, sexuell unersättlichen Mann ist weit vor dem Feminismus entstanden, an einer historischen Schlüsselstelle: zu Beginn der Moderne, um 1800. Die Geburt des maskulinen Zerrbildes ist also unmittelbar mit der Geburt der modernen Gesellschaft verbunden, seither schreiten beide, Moderne und verteufelte Männlichkeit, gemeinsam und untrennbar durch die Historie.
Das Unbehagen an der Moderne wurde zum Unbehagen am Mann.
Und umgekehrt.

http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner/seite-2

Der Lerneffekt: Wer den feministischen Begriff der „toxic masculinity“ bekämpfen will, indem er den Feminismus bekämpft, betreibt ein Art Schattenboxen.
Der Artikel ist in Gänze lesenswert! Sein Buch „Das unmoralische Geschlecht“ (quasi als Antwort auf „Das moralische Geschlecht“ von Lieselotte Steinbrügge geschrieben) wird bereits als Klassiker der Männerbewegung angesehen.
Da es sich um eine gekürzte Fassung seiner Promotion handelt, die nicht einfach zu lesen ist, empfehle ich eine Zusammenfassung in mehreren Teilen von Lucas Schoppe:

Zu Christoph Kucklicks Das unmoralische Geschlecht.
Teil 1: Warum Männerfeindschaft modern ist
Teil 2: Der liebesunfähige Mann: Vom alten Klischee zur revolutionären Neuheit
Teil 3: Politik und Kinderfeindschaft
Teil 4: Zeit für neue Lieder

Am 18.4. erschien beim „Spiegelfechter“ die „Eckpfeiler einer linken Männerpolitik“ von Arne Hoffmann und hier sind die Eckpunkte weniger wichtig, als herauszustellen, dass nach satten 1234 Kommentaren in drei Wochen das Forum geschlossen werden musste.
Eine solche Resonanz auf einen Beitrag eines ausgewiesenen Männerrechtlers hatte es bisher nicht gegeben.
Ebenso wenig die Möglichkeit, auf einem Blog zu veröffentlichen, von dem bekannt ist, der Autor schreibt in und für die „Nachdenkseiten„, einem im linken sozialdemokratischen Spektrum verortbaren Blog.

Nachdem sich Arne Hoffmann mit „Genderama“ zudem als „Blog des linken Flügels der antisexistischen Männerbewegung (Maskulismus)“ positionierte, waren sämtliche Versuche, die Männerechtsbewegung als „rechts“ zu denunzieren und auszugrenzen lächerlich geworden.
Endgültig mit Erscheinen von „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ 2014, einem absoluten Klassiker des linken Flügels der Männerrechtsbewegung. Nichtsdestotrotz gibt sich das Wikipedia-Geschwader von Fälschern, namentlich Fiona und nico b., natürlich noch immer Mühe seinen Eintrag „korrekt“ zu redigieren (ihn also als „rechts“ anzuschmieren).

Nachdem ich diese beiden Männer vorgestellt habe, ist es wichtig, sich deren akademischen Werdegang anzusehen: Christoph Kucklick studierte Politikwissenschaften und Soziologie in Hamburg, Arne Hoffmann Medienwissenschaften in Mainz.
Damit kann übergeletet werden zur politischen Forderung, die Geisteswissenschaften abzuschaffen: Ich halte diese Forderung für falsch.
Sie ist nicht nur falsch, weil die besten Kritiker des Feminismus und Genderismus offensichtlich selber Geisteswissenschaftler sind und diese Forderung auf ihre Selbstabschaffung hinauslaufen würde.

Sondern weil sich in der hier gestellten Frage, ein grober politischer Fehler, nämlich aus einem Gefühl von OHNMACHT abgeleitete Politik verbirgt:

Wie viele Geisteswissenschaftler gibt es denn, die man von feminismuskritischen Positionen oder gar von männerrechtlichen Positionen überzeugen könnte? Nach meiner Einschätzung sind das nicht viele.

Zunächst eröffnet Siggi eine m.E. falsche Frontstellung, nämlich WIR gegen „die Geisteswissenschaften“, die nicht existiert – siehe eben Arne Hoffmann und Christoph Kucklick.
Aber weil ein Gefühl der Ohnmacht ihm sagt, dass Geisteswissenschaftler per se nicht von unseren Argumenten zu überzeugen sind, muss eben „die Geisteswissenschaft“ sterben.

Das klingt zunächst einmal radikal, im Kern steht jedoch entweder das Eingeständnis der Ohnmacht, andere mit Argumenten nicht überzeugen zu können, weil diese ideologisch verbohrt sind oder das Eingeständnis unserer Schwäche, weil wir argumentativ nicht gut genug sind.

Da ich selbstbewusst genug bin zu behaupten, letzteres trifft nicht zu, läuft seine Forderung darauf hinaus, allen Geisteswissenschaften pauschal zu unterstellen, es handle sich um männerfeindliche, feministische Ideologieproduzenten.
Den Beweis für eine solche Behauptung kann jedoch nicht erbracht werden.

Nur weil sich eine feministische Bürokratie aus den Geisteswissenschaften rekrutiert, kann man nicht alle Geisteswissenschaften in Sippenhaft nehmen und kollektiv bestrafen.
Darauf läuft der Vorschlag aber hinaus und allein deshalb finde ich ihn grenzwertig.
Wenn man „die Feministische Infrastruktur und den Staatsfeminismus“ in seiner Macht beschränken willst, dann sollte DAS ein Thema sein.
Mitm erklärt hier, was wir darunter verstehen: maninthmiddle.blogspot.de/p/staatsfeminismus.html

Anders verhält es sich bei den „gender studies“, aber aus anderen, guten Gründen anders.
Leszek (ein Sozialwissenschaftler, übrigens) schrieb auf „Alles Evolution“ im Rahmen einer Antwort auf die Vorschläge:

Innerhalb der Geschlechter-Soziologie dominieren heute leider die Gender Studies. Ich bin allgemein dafür die Gender Studies einer gründlichen Evaluation zu unterziehen und dann alle Personen rauszuwerfen, die nicht wissenschaftlich arbeiten – wobei ich vermute, dass dann wenig von den Gender Studies übrigbliebe.

D.h. Leszek kritisiert die Unwissenschaftlichkeit der „gender studies“, die also (sozial/geistes-) wissenschaftlichen Standards nicht genügen.
Eine Wissenschaft zu kritisieren, bloß weil sie eine andere, von uns nicht gewünschte Positionen vertreten ist nicht ausreichend.
Sie aus diesen Gründen abschaffen zu wollen, wäre haargenau das, was wir unseren politischen Gegnern vorwerfen: Zensur und Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft.

Ich werfe Siggi nicht vor, dass er solche Auffassungen selber hat, sondern für die „radikalen Forderungen“, die Siggi präsentiert sehe ich andere Ursachen, die Leszek ebenfalls (kritisch) anführt:

Es ist m.E. recht offensichtlich, was der wesentliche Grund dafür ist, dass die Männerrechtsbewegung nicht schneller vorankommt: weil sie vor allem eine Internetbewegung darstellt und außerhalb des Netzes kaum in Erscheinung tritt.

Die Männerrechtsbewegung tut bislang das nicht, was jede andere soziale Bewegung auch tun musste um erfolgreich zu sein, nämlich auch im öffentlichen Raum als konstruktive soziale Bewegung in Erscheinung treten und gewaltfreie Aktionen durchführen. (…)

Solange Männerrechtler keine gewaltfreien Aktionen durchführen, wird sich der Fortschritt für die Männerrechtsbewegung eben langsamer vollziehen als es eigentlich möglich wäre.

https://allesevolution.wordpress.com/2017/02/08/es-wird-zeit-fuer-plakative-forderungen-fuer-extrempositionen-die-nur-im-indirektem-zusammenhang-mit-jungen-und-maennerrechten-stehen/#comment-279970

Ich sehe die Forderungen vor dem Hintergrund, dass wir uns in einer politischen Internetbewegung befinden, die alle Kennzeichen einer gefährlichen Filterblase hat.
Vor allem, sich und uns selbst ins Nirwana zu radikalisieren.
Seit 2012 (länger sind die meisten nicht tätig) geht es rasant aufwärts mit männerrechtlichen/maskulistischen Blogs, mit Kommentaren mit youtube-Videos usw., aber der Internet-Aktivismus springt nicht auf das echte Leben über.
Der Fehler ist m.E. angesichts dieser Rasanz der Entwicklung im Internet ungeduldig zu werden, weil man die Internetbewegung mit einer wirklichen politischen Bewegung verwechselt.
Das sind wir aber (noch) nicht.
Es würde helfen, wenn wir uns das eingestehen, geduldig bleiben, weiter männerfeindliche Scheiße fressen und dicke Bretter bohren (am Ende werden wir natürlich sowieso siegen).
Und irgendwann mal den Arsch hoch bekommen – „Komm ins Offene, Freund!“ 😉

Ende Teil 2

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dass mich crumar daran erinnern muss…

Peter Licht: Wir werden siegen

Fundstück: Der Armutsbericht der Bundesregierung – ein Armutszeugnis

Es gibt ein Thema, das ich auch 2017 immer wieder hervorkramen möchte: Die These, dass der Fokus auf Genderkrams und Identitätspolitik in Massenmedien und Politik die wirklichen Themen in breiten Teilen der Bevölkerung verdeckt. Dinge wie das Feindbild weißer Mann zeugen von einem Realitätsverlust, bei dem die Probleme von Leuten „da unten“ nicht mehr verstanden, geschweige denn angepackt werden.

Die Nachdenkseiten verwiesen in ihren Hinweisen des Tages auf den Heise-Artikel „Gelenkte Wirklichkeit: Bundesregierung streicht brisante Stellen aus Armutsbericht“ von Marcus Klöckner. Das war schon ein starkes Stück, obwohl die Passagen, die entfernt wurden, letzten Endes nur wiedergeben, was man als Normalsterblicher sowieso schon längst vermutet hat:

  • Wer mehr Geld hat, dem wird auch mehr Gehör geschenkt seitens der Politik.
  • Folgerichtig verzichten Arme auch auf ihre Teilnahme an der Demokratie – auf sie hört ja eh keiner.
  • Politik wird auf Kosten der ärmeren Bevölkerungsschichten gemacht.

Wie es im Originalartikel treffend heißt:

Der Osnabrücker Politikwissenschaftler Armin Schäfer hat die Studie für das Bundesarbeitsministerium ausgearbeitet. Seine Erkenntnisse fanden sich dann auch in einer ersten Fassung des Armutsberichts. Die Rede war demnach von einer „Krise der Repräsentation“.
(…)
Man muss auf diese Aussagen nicht zweimal schauen, um zu erkennen: Sie enthalten politischen Sprengstoff. Wenn es eine „Krise der Repräsentation“ gibt, wenn arme Menschen sich nicht an Politik beteiligen, weil sich Politik faktisch sowieso nicht an diesen Bürgern orientiert, dann muss von einer schweren Schieflage des demokratischen Systems ausgegangen werden. Dass die Bundesregierung nun gerade diese brisanten Stellen aus dem Armutsbericht hat streichen lassen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Während die Regierungschefin den Begriff „postfaktisch“ in Deutschland quasi „eingeführt“ hat und damit auf einen angeblichen Trend in der Bevölkerung verweist, Tatsachen nicht ins Auge zu blicken, zu leugnen oder gar zu verdrehen, werkelt derzeit offensichtlich die Regierung bei einem so zentralen und wichtigen Thema wie das der Armut daran, sich die Wirklichkeit zurecht zu biegen. Der Armutsbericht scheint im „postfaktischen Zeitalter“ angekommen zu sein.

Jung & Naiv: Streichungen im Armutsbericht: Warum zensiert sich die Bundesregierung selbst?

Fefe wertet die Ergebnisse der Studie gar als indirekten Revolutionsaufruf, zumal „die Dominanz der Besserverdienenden die Legitimation des gesamten politischen Systems in Frage stellt“. Soweit sind wir noch nicht. Aber es gärt langsam. Wie die Realität aussieht, der sich die Bundesregierung offensichtlich verschließen will, kann man ganz hervorragend an zwei Berichten über Duisburg-Marxloh und Köln-Chorweiler festmachen.

Die Nachdenkseiten verweisen in ihren Hinweisen des Tages auf den Deutschlandfunk-Artikel „No-Go-Area“Duisburg-Marxloh zur Negativ-Marke kreiert““ von Moritz Küpper. Franz Voll zog für sieben Monate in den Stadtteil, um sich ein umfassendes Bild zu machen:

Er spazierte mit Pegida, besuchte ein Gymnasium, fuhr zu einer Stahl-Demo. „Eine aggressive Stimmung liegt in der Luft. Das alles haben die Arbeiter in Duisburg schon einmal erlebt. Auch vor 30 Jahren wurde viel versprochen, nichts gehalten. Ich treffe mich mit Ulf, einem betroffenen Stahlkocher. ‚Warum seid ihr hier? Ich verstehe so gut wie nichts von dem, was die da oben sagen‘.“ – „Wir sind hier, um denen zu zeigen, dass wir viele sind, aber das wird auch nicht helfen. Ich hoffe nur, dass es nicht schon wieder beschlossene Sache ist und dass das hier nicht wieder genauso ein Schmierentheater wird wie damals. Wir glauben denen kein Wort.“

Ganz ähnlich waren die Berichte über „Trumpland“ – das ökonomisch abgehängte Amerika, das sich von den Politikern im Stich gelassen fühlt. Es beginnt zu brodeln – und es sage hinterher niemand, das hätte doch niemand kommen sehen können.

Die Nachdenkseiten erwähnen in ihren Hinweisen des Tages außerdem auf einen weiteren Deutschlandfunk-Artikel namens „Köln-Chorweiler: Arme Stadtteile machen noch ärmer„, ebenfalls von Moritz Küpper. Diesmal lebte Sebastian Kurtenbach drei Monate in dem Stadtteil. Beachtenswert ist hier insbesondere der berichtete Teufelskreis aus niedriger Wahlbeteiligung (OB-Wahl: unter 9 Prozent) und geringem Engagement der Politik. Das darf Demokraten nicht kalt lassen.

Kein Ratsmitglied der Stadt Köln wohnt in Chorweiler, die Menschen haben nicht den Eindruck, durch eine Wahl etwas verändern zu können – und auch die Parteien ziehen Konsequenzen:

„Es ist ja nachvollziehbar, dass Parteien sagen: Wenn wird dort nicht gewählt werden, investieren wir dort auch in Wahlkämpfen weniger als woanders. Das halte ich aber für gefährlich.“

Die Streichungen im Armutsbericht und die desolate Lage ganzer Stadtteile, die keine großen Hoffnungen mehr hegen, auf „normalem Wege“ etwas zu verändern – eine Mischung, die dem Establishment irgendwann um die Ohren fliegen kann. Das passt zu einer erstaunlich offenen Einschätzung nach den US-Präsidentschaftswahlen. Dabei hatte sich Norbert Röttgen sinngemäß so ausgedrückt:

  1. Uns ist gar nicht bewusst, dass es den Leuten so mies geht.
  2. Wir rechnen nicht damit, dass solche Leute konsequent genug sind, um wählen zu gehen und entsprechend zu wählen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei den Berichten über Armut hatte ich plötzlich eine Liedzeile über einen armen Jungen im Kopf…

The Lords: Poor Boy

Warum ich Obdachlosigkeit für ein vernachlässigtes Thema halte

Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl war unter anderem von Cicero genutzt worden, um darauf hinzuweisen, dass sich die Eliten von weiten Teilen der Bevölkerung entfremdet und keine Ahnung mehr haben, welche Probleme diese wirklich haben. Egal, was sich in der großen Politik abspielt: Das ist ein hervorragender Anlass, um auf die echten Themen hinzuweisen.

Die Nachdenkseiten sind mit gutem Beispiel vorangegangen. Dazu ergänzend: Angesichts von toten Soldaten und solchen mit psychischen Störungen ist mir Frieden wichtiger als Geschlecht von hochrangigen Politikern.

Ein weiteres Thema, von dem Männer überproportional betroffen sind, ist Obdachlosigkeit. Da erfahre ich via Genderama, dass Innsbruck bis zu 2.000 € Strafe für Übernachtung im Freien verhängen will. Das ist natürlich reine Schikane, um Obdachlose aus der Innenstadt zu entfernen, „aus den Augen, aus dem Sinn“.

Es ist aber schon fast zehn Jahre her, als ich erlebte, in was für unterschiedlichen Welten die Leute unterwegs sind. Aus der Erinnerung heraus: Ariadne von Schirach, jünge, hübsche Frau, die eine gaaanz schreckliche Last durchs Leben trägt wegen ihres Namens (ihr Großvater hat seinerzeit die HJ gegründet), stellte ihr Buch vor, dessen Thema in etwa lautete „Es ist alles so schrecklich kompliziert mit unverbindlichen Bekanntschaften in Berlin“, wobei natürlich irgendeine schwammige Angst („Pornographisierung“ o.ä.) nicht fehlen durfte. Sie wurde dann überraschend deutlich zurechtgestutzt von Frank Zander, der auf sein Projekt Weihnachtsfest für Obdachlose aufmerksam machte. Das war doch gleich um mehrere Dimensionen ernster und realitätsnaher.

Die Zeiten sind nicht besser geworden: „Zahl der Wohnungslosen stark gestiegen“ vermeldet der Tagesspiegel (gefunden via Nachdenkseiten), „Immer mehr Wohnungslose in Deutschland“ ist bei Heise zu lesen (gefunden via Stadtmensch-Chronicles).

Die Zahlen sprechen für sich:

2010: 248.000 Wohnungslose
2016: 335.000 Wohnungslose, davon
29.000 Kinder
306.000 Erwachsene, davon
220.000 Männer

35% Zuwachs in sechs Jahren. Dabei sind insgesamt ca. 65,7% Männer.

Der Tagesspiegel zitiert die Regierung:

„Wohnungslosigkeit liegt vielfach nicht in fehlendem Wohnraum begründet, sondern hat in der Regel eine Reihe anderer sozialer und zum Teil auch psycho-sozialer Ursachen“, heißt es in der Regierungsantwort. Oft sei gezielte Hilfe nötig, weil familiäre Probleme, Sucht oder Krankheiten eine Rolle spielten.

Klar, weil mehrere andere Faktoren dazukommen können, kann es natürlich auf keinen Fall an mangelndem bezahlbaren Wohnraum liegen! Mal ganz davon abgesehen, dass sich die Politik bei speziellen Angeboten für Männer mit Problemen auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, um es mal milde auszudrücken.

Der Stadtmensch kommentiert entsprechend:

Wohnungslosigkeit war schon immer ein hauptsächlich männliches Problem, für das sich offziell und offiziös nur wenige sporadisch interessieren. (…)
Das Thema Obdachlosigkeit zeigt wie kein anderes auf, wie das Schicksal vieler männlicher Betroffener lediglich als vorweihnachtliche Mildtätigkeits-Folklore Verwendung findet (…). Ansonsten wird dieses Thema nur allzu gerne als persönliches Versagen der Betroffenen abgewürgt.
(…) Womöglich könnten sich die Bürgerleins ja mal fragen, wieso für Millionen Flüchtlinge – aber auch für die armen Banken – bei jeder Gelegenheit um Verständnis und Staatsknete geworben wird, die herkömmlich Gestrauchelten in diesem Land aber nur als pseudo-christliches Klischee einmal im Jahr auftauchen.

Forschungsergebnis zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) zeigen hier übrigens ein weiteres Ungleichgewicht der Geschlechter: Frauen werten häufiger Obdachlose ab.

Sowohl Nachdenkseiten als auch Stadtmensch verweisen auf Angela Merkels Aussagen à la „Deutschland gehe es gut“. Genau so muss man dieses Salbadern mit der Realität konfrontieren!

Was aber die Bundeskanzlerin und Wohnungslose angeht: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bot vor einiger Zeit im Rahmen einer Aktion Kaffee an, bei der Männer 26 Cent mehr zahlen sollten. Das treibt die Realitätsferne auf die Spitze: Müssten männliche Obdachlose 1,26 € für einen Kaffee beim BMFSFJ bezahlen, Angela Merkel hingegen nur 1 €?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Albumversion ist deutlich vitaler, aber ich fand diese Demoversion angemessener.

Paul Simon: Homeless (demo)