Fundstück: Ahoi Polloi über Beschimpfungen, Hate Speech und den postheroischen Mann

Da waren doch noch ein paar schöne Beiträge aus dem Jahr 2016 von Ahoi Polloi. Ich hoffe, es geht 2017 in diesem Sinne weiter!

  1. Sexist vs. Lügnerin
  2. hate speech (vgl. diesen Klassiker von xkcd)
  3. der postheroische Mann

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. über Nazis, freie Meinungsäußerung und immer wieder Nazis
  2. Ausreden, Fake News und Rassismus
  3. prägnante Wahlanalyse
  4. Donald Trump, Politik und Medien
  5. Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen
  6. Sexismus
  7. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  8. kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  9. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  10. das neue Sexualstrafrecht und die Unschuldsvermutung
  11. dreimal zu „hate speech“
  12. eine ganze Sammlung
  13. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenigstens gibt es zum Thema „Lügner“ auch ordentliche Lieder. Diesmal Meta-Popkultur inklusive – hatte sich Youtube nicht mit der GEMA geeinigt oder war das auch eine Lüge, was die Konsequenzen angeht?

Beyoncé, Shakira – Beautiful Liar

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Fundstück: Die Geister, die sie riefen…

Also damit konnte ja wohl niemand rechnen: Donald Trump benutzt das „safe space“-Konzept gegen Kritiker. Wie Fefe ebenfalls zu bedenken gibt: Was, wenn Donald Trump Anti-„hate speech“-Gesetzgebungen (Kriterium: „fühle mich traumatisiert“) durchzieht?

Genau das passiert, wenn man irgendwelche schwammigen Begriffe ins Feld führt, um andere Leute, deren Meinungen einem nicht passen, zum Verstummen zu bringen: Dieselben Regelungen werden dann irgendwann vom ideologischen Gegner gegen einen selbst angewandt.

Das ist aber nur ein Vorgeschmack. Was bei Einschränkung der Meinungsfreiheit anfängt, setzt sich über Überwachung fort und geht hin bis zum Mord. Wie Fefe zum dritten richtig schrieb:

Bei neuen Ermächtigungsgesetzen für Polizei, Dienste und Militär warne ich seit Jahren davor, dass selbst wenn wir unserer Regierung jetzt trauen, dass sie keinen Scheiß macht mit solchen Befugnissen, dann muss man doch im Hinterkopf behalten, dass die nächste Regierung möglicherweise aus verrückten Triebtätern besteht.
(…)
Mir fällt gerade auf, dass Trump sich auch hervorragend zur Illustration dieses Punktes eignet. Obama hat in den USA eine Drohnenmord- und Geheimdienst-Massenüberwachungs-Infrastruktur aufgebaut, die weltweit ihresgleichen sucht. Und jetzt sitzt Donald Trump an diesen Knöpfen. Kann jederzeit weltweit jeden beschnüffeln und gezielt von einer Drohne ermorden lassen.

Die Logik, mit der so etwas installiert wird, ist natürlich immer dieselbe: Wir wollen doch nur gegen das Böse™ kämpfen und da kommen wir mit herkömmlichen Mitteln nicht weiter!

Die Sache nimmt jedoch noch eine weitere gruselige Wende: Die Sache mit der Überwachung und den Drohnen war ja schon immer falsch. Es schienen nur viele gehemmt zu sein, einen jungen, charismatischen Präsidenten dafür zu kritisieren. Spätestens jetzt, wo klar ist, an wen diese Instrumente demnächst gehen, könnte doch auch der letzte aufwachen und darauf kommen, dass Barack Obama der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit da keinen Gefallen getan hat.

Journalisten trauen sich jedoch auf breiter Front noch nicht einmal, Barack Obama überhaupt darauf anzusprechen. Der Aufwachen-Podcast 157 (“ Everybody loves Obama“) hat die gesamte Peinlichkeit im Detail. Tilo Jung erzählt zunächst, wie er auf der Pressekonferenz seine Frage zu den Drohnen nicht stellen durfte („Tilo fragt Obama (nichts)“). Dann kommt das unsägliche Interview von ARD und Spiegel, das statt richtigen Fragen anscheinend nur aus Gefühlen, Belanglosigkeitenen und Vereinfachung besteht („Spon und ARD fragen Obama“). Und die werfen dem einfachen Volk Dummheit vor!

So einfach kommt man von absurden Nischenthemen zur großen Weltpolitik. Es wird Zeit, dass es wieder eine Debatte gibt, denn dieses Schweigen und zum Schweigen bringen kann nichts Gutes hervorbringen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Es ist so leicht und einfach, „den“ Amerikanern Dummheit vorzuwerfen… dabei ist offensichtlich, dass sie darauf kein Monopol haben.

Green Day: American Idiot

Fundstück: Ahoi Polloi dreimal zu „hate speech“

Ahoi Polloi hatte ich bereits zweimal erwähnt. In den vergangenen Monaten sind eine ganze Reihe guter Cartoons erschienen. Sogar drei davon behandeln „hate speech“ in verschiedener Form:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal natürlich mit Hass im Titel.

Shock Therapy: Hate Is Just A Four Letter Word

Kurznachrichten vom 02.07.2016

1: Da wählt der Landesverband einer Parteijugendorganisation eine 22-jährige Lesbe zu ihrer Vorsitzenden, und schon wird sie im Netz übelst beschimpft. Es fallen Worte wie „Fotze“, „untervögelt“, „Kampflesbe“, „dumme Göre“. Soweit scheint das ja alles normal, kennt man schon, das können ja nur diese homophoben Arschlöscher sein.

Nur, es ist nicht so ganz, wie es scheint.

Die erste Überraschung: Der Landesverband ist der thüringische Verband der Jungen Alternative, also der Jugendorganisation der AfD. Und das auch noch in dem Verband, dessen Vorsitzender Björn Höcke ist und der deswegen als besonders rechtsextrem verschrieen ist.

Die zweite Überraschung: Die Anfeindungen kommen nicht etwa aus der eigenen Partei, die ja von der Konkurrenz immer wieder als homophob tituliert wird, sondern von der Fraktion, die sonst so gerne die Fahne der Toleranz und Akzeptanz vor sich her trägt. Offensichtlich hat sich bei der Beschimpfungsaktion auch ein Mitarbeiter von queer.de besonders hervorgetan, wie dies das Blog Gaystream dokumentiert.

2: Wo wie schon beim Thema sind: In einem gewohnt treffsicheren Beitrag analysiert Lucas Schoppe, dass es bei der Kampagne gegen „Hate Speech“ in Wirklichkeit um die Bekämpfung von unliebsamen Meinungen geht, indem man diese Meinungen eben als „Hass“ verunglimpft. Unter anderem hat Schoppe dem Bundesfamilienministerium, das hinter der Kampagne steht, einige Fragen gestellt, wie z.B. diese:

oder diese:

und das süffisant wie folgt kommentiert:

Julia Schramm ist immerhin bei der Amadeu Antonio-Stiftung „Fachreferentin für Hate Speech“, obwohl es mir in diesem Zusammenhang nicht ganz klar ist, ob sie nun darüber referiert, wie Hate Speech zu analysieren oder wie sie zu verfassen ist.

Das Familienministerium hat sich bisher einer Beantwortung enthalten. Im Fazit schreibt Schoppe:

Wer  den Eindruck erweckt, schon Kritik, und sei es dumme und polemische Kritik, sei eine Form des Hasses – der verstellt den Blick für den realen politischen und religiösen Hass, der ja nicht einfach in den Schreckenskammern der Geschichte verschwunden ist.

Wer zudem Hass immer nur als Hass der anderen begreift, der stärkt Freund-Feind-Muster und der produziert Hass, anstatt ihn zu bekämpfen. Keine Demokratie braucht ein Ministry of Love, das wie in Orwells 1984 unterscheidet, welche Gedanken gedacht werden dürfen und welche nicht.

3: Wer schon immer mal wissen wollte, was hinter diesen ganzen neuen Geschlechtern eigentlich steckt, und wer jetzt warum was ist, hier werden ein paar davon erklärt.

4: In Bayern hat eine muslimische Rechtsreferendarin erfolgreich gegen eine Verwaltungsvorschrift geklagt, nach der sie im Gerichtssaal kein Kopftuch tragen dürfe. Jetzt darf sie wohl, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, da der Freistaat Bayern gegen das Urteil in Berufung gehen will. Das Augsburger Verwaltungsgericht hat diese Benachteiligung mit der Begründung gekippt, dass für einen solchen Eingriff ins Persönlichkeitsrecht eine Verwaltungsvorschrift nicht ausreiche, sondern dies gesetzlich geregelt werden müsse. Ein solches Gesetz gibt es aber bislang noch nicht in Bayern.

Ich bin da ein wenig gespalten. Formal muss ich dem Gericht recht geben. Eingriffe ins Persönlichkeitsrecht müssen gesetzlich geregelt werden, das geht nicht einfach mal eben über eine Verwaltungsvorschrift. Inhaltlich sehe ich es aber wie Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU):

Jeder müsse vor Gericht „auf die Unabhängigkeit, die Neutralität und erkennbare Distanz der Richter und Staatsanwälte vertrauen können“. Dieses Vertrauen dürfe durch das äußere Erscheinungsbild nicht erschüttert werden, so der Justizminister.

Allerdings sollten sie langsam mal die Kreuze in den Gerichtssälen abhängen, sonst klingt diese Forderung ziemlich hohl. Das dürfte dann auch das größte Problem bei der Formulierung eines entsprechenden Gesetzes sein: Wie kriegt man es hin, dass die Kreuze weiter hängen bleiben dürfen, die Muslima aber ihr Kopftuch abnehmen muss. Denn schließlich steht ein Symbol an der Wand noch viel mehr für die gesamte Institution als ein persönliches Bekenntnis.

5: In Schweden haben Feministinnen tatsächlich eine Kampagne #SheForHe gestartet. Das klingt ja so, als ob Feministinnen wirklich mal Männern helfen wollen. Das ist auch tatsächlich so, allerdings wollen sie ihnen nur dabei helfen, weniger Pornos zu schauen. Wie sie das anstellen wollen, ist noch nicht zu mir gedrungen, denn in schwedisch bin ich blutiger Anfänger, aber ich hätte da sicher einige Tipps. Wahrscheinlich ähnliche wie dieser Twitterist: