Kurznachrichten vom 15.01.2018

1: Aktuell brodelt immer noch #metoo und die Gegenrede der 100 französischen Frauen, angeführt von der Diva Catherine Deneuve. Diese hat sich jetzt teilweise bei Opfern sexueller Gewalt dafür entschuldigt, ihr mitunterzeichneter Aufruf sei evtl. missverständlich gewesen sein. Tatsächlich sieht sie aber keinen Grund, inhaltlich etwas davon zurückzunehmen.

In dem offenen Brief von über hundert Frauen werde sexuelle Belästigung in keinster Weise gerechtfertigt, ansonsten hätte sie ihn nicht unterschrieben, erklärte die Schauspielerin. Den Vorwurf, keine Feministin zu sein, wies sie zurück.

In einem Interview mit der FAZ verteidigt Mitautorin Catherine Millet den Aufruf. Zwei Ausschnitte:

Gut, dann sprechen wir doch von den Nuancen. Am Anfang Ihres Textes schreiben Sie: „Die Vergewaltigung ist ein Verbrechen, aber eine plumpe Anmache ist kein Delikt.“ Sind Sie wirklich der Ansicht, man mache da keinen Unterschied?

Ehrlich gesagt, ja. Vor ein paar Tagen hörte ich im Radio eine Feministin, die gegen unseren Text argumentierte. Und sie erklärte genau das: Man dürfe nicht mehr unterscheiden, man müsse einen Mann, der einem irgendwie lästig wird, sofort anzeigen. Ich finde das verrückt. Es gibt doch wohl sehr viele sehr unterschiedliche Formen des Lästig-Seins. Manche davon sind schlimm, viele sind es nicht. Die zu unterscheiden, die graduellen Nuancen nicht einfach zu verwischen, das scheint mir essentiell.

Glauben Sie nicht, dass das jede Frau anders empfindet?

Natürlich, aber gerade deshalb sollte man es doch jeder Frau überlassen, das für sich selbst zu entscheiden, selbst zu wissen, wo ihre Grenze liegt. Gerade deshalb, gerade weil jede Frau das anders empfindet, bin ich dagegen, dass man uns eine Moral von außen auferlegt.

Sie sprechen auch von Puritanismus.

Ja, für mich huldigt ein Großteil dieser Feministinnen einer puritanischen Utopie, in der die Komplexität der Sexualität vollkommen glattgebügelt wird. Um eine sexuelle oder sogar nur eine romantische Beziehung mit einem anderen einzugehen, muss einer offensiv sein, sonst passiert nichts. Da kann es schon mal sein, dass man sich ungeschickt oder plump verhält. Ist das so entsetzlich? […]

Sie sind also nicht gegen die #MeToo-Bewegung oder den #balancetonporc-Aufruf („Prangere dein Schwein an“), sondern gegen das, was Sie als Ausschweifungen der Bewegung bezeichnen?

Na ja, sagen wir es so: Ich bin persönlich dagegen, dass man so ernste Angelegenheiten wie eine Vergewaltigung auf dem Marktplatz von heute, also im Netz verhandelt. Dass man Männer in den sozialen Netzwerken eines solchen Deliktes beschuldigt, sie öffentlich denunziert, bevor man sich an die Justiz gewandt hat – für mich ist das der Wilde Westen. Wir leben in zivilisierten Gesellschaften, wir haben Gesetze, die dazu da sind, uns zu schützen, stattdessen wählt man die öffentliche Anklagebank und rechnet vor den Augen aller mit diesem oder jenem ab. Außerdem habe ich wirklich ein Problem mit diesem Begriff.

Dem des Schweines?

Ja. Die meisten werden es vergessen haben, aber unter den Nazis waren die „Schweine“ die Juden. Zur „Denunziation“ der „Schweine“ aufzurufen scheint mir also, von allem anderen mal abgesehen, zutiefst schockierend. Zumal mir diese Generalisierung nicht gefällt. Dass alle Männer jetzt plötzlich Tiere sind. Was soll denn das? Natürlich gibt es Männer, die zu weit gehen, aber das ist ja nicht die Regel.

2: Harald Martenstein vergleicht im Tagesspiegel die öffentlichen Rezeptionen zweier aktueller Dauerthemen, nämlich die #metoo-Kampagne auf der einen Seite und die Gewaltdelikte muslimischer Migranten auf der anderen Seite.

In der „Me too“-Debatte ist zu Recht von den kulturellen Faktoren die Rede, die Missbrauch begünstigen: Chefetagen voller Männer, Kumpanei, machtlose, verängstigte Frauen. Bei der Gewalt von muslimischen Migranten ist dagegen jeder Fall ein Einzelfall. Die Taten haben höchstens am Rande mit Prägungen zu tun. Und die Statistik ist sowieso rassistisch. […] In der „Me too“-Debatte ist kaum eine Emotion groß genug, Wut ist Trumpf. In der anderen Debatte wird relativiert, dass sich die Balken biegen. Die einen Opfer sind traumatisiert, die anderen Opfer sind nicht selten tot.

3: Kommen wir zum zweiten großen Aufregerthema der Woche, der Liebesgeschichte zwischen Malvina und Diaa, die im November vom Kinderkanal ausgestrahlt wurde, aber nach dem Mord an der 15-jährigen Mia in Kandel erst richtig von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und so in die Kritik kam. Die FAZ bietet eine gute, auch leicht kritische Zusammenfassung der Debatte.

Am Samstag kam beim Hessischen Rundfunk (HR) eine Wiederholung der Sendung mit anschließender Diskussionsrunde, die aber m.E. eine Farce war, denn man hatte einen Kritiker der Sendung gegen vier Verteidiger antreten lassen, und dieser Kritiker war auch noch von der AfD, so dass das Setting klar war: Nur die Bösen können etwas gegen eine Liebesbeziehung zwischen einer deutschen 16jährigen und einem syrischen Flüchtling haben, dessen Alter nach wie vor ungeklärt ist, aber mit derzeit 20 angegeben ist*. Wenn man also ein kleines Problem darin sieht, dass er bei ihr keine kurzen Röcke akzeptiert, keine männlichen Freunde, die sie auch noch umarmen möchte, wenn er ihr das Kopftuch andient, gegen dass sie sich noch sträubt, aber wenigstens verzichtet sie ihm zuliebe schon auf Schweinefleisch, also wenn man darin evtl. ein Problem sehen könnte, dann kann man ja nur einer dieser ewiggestrigen Rassisten sein.

Die neuesten interessanten Details sind noch nicht im FAZ-Artikel enthalten, nämlich dass Diaa auf seinem Facebook-Profil die Seite des Islamisten-Predigers Pierre Vogel geliked hat, und dafür die fadenscheinige Begründung gibt, er habe an einem Gewinnspiel teilnehmen wollen, aber die Seite nicht inhaltlich erfasst und stehe nicht dazu. Bei dem „Gewinnspiel“ ging es um eine Reise nach Mekka. Und als nächstes taucht noch ein Foto von ihm auf, wo er auf einer Kanone posiert und das auf arabisch kommentiert, dass er Deutschland islamisieren wolle.

* Diaa, der auch noch Mohamed heißt, welcher Name davon der erste ist, blieb bisher unklar, sieht m.E. mindestens aus wie 25, wenn nicht 30, hat einen veritablen Vollbart, in  dem auf manchen Fotos schon ein paar graue Härchen zu sehen sind. Auf seinem Facebook-Profil gibt es 5 Jahre alte Bilder, auf denen er auch schon sehr erwachsen aussieht. Und zudem gibt der HR an, in seinem Pass stünde als Geburtsdatum 1998. Gleichzeitig hat man verkündet, dass er vor kurzem 20 geworden sei. Kann es evtl. sein, dass Mohamed Diaa zufällig am 1. Januar geboren ist, wie zufällig viele andere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge? Wer traut sich, dagegen zu wetten?

Und wie immer in letzter Zeit, hat man zu dem Fall von Feministinnen noch keinen Ton gehört. Wenn das kein syrischer Flüchtling, sondern ein deutscher Mann wäre, er wäre längst als sexistischer Möchtegern-Pascha gebrandmarkt worden.

4: Die Richard Dawkins Foundation hat einen Beitrag von Jeffrey Tayler bei Quilette übersetzt, in dem er die Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko porträtiert und interviewt, die sich gegen den Kulturrelativismus und den Verrat der regressiven Linken an ihren ehemaligen Idealen sowie deren Anbiederung an den (politischen) Islam ausspricht.

Der Verrat vieler sogenannter Liberaler, wenn es um das Verhältnis von Islam zu Terrorismus und Frauenrechten geht, hat sie tief getroffen. „So viele auf der Linken – im Englischen heißen sie regressive Linke, aber hier nennen wir sie Islamogauchisten – haben den Manipulationen der Islamisten nachgegeben. Für diese Linke wurde Kommunitarismus – ethnische Identitätspolitik, die eine direkte Verneinung des französischen Ideals der Gleichheit darstellt – eine neue Religion.“ Sie atmet tief ein. „Wenn so viele Menschen, die eigentlich auf deiner Seite stehen sollten, auf die Manipulationen deines Gegners reinfallen, dann fühlst du nur noch Verzweiflung. Es gibt dieses Argument laut dem Kritik am Islam rassistisch ist. Das ist Gift für die öffentliche Debatte. Ich habe kein Problem damit islamphob genannt zu werden. Ich bin tatsächlich sogar religions-phob. Es ist kein Verbrechen, Angst vor Religion zu haben. Als Frau Angst vor Religion zu haben, ist normal.“ […]

Sie hegt großen Zorn gegen diejenigen Liberalen, die darauf bestehen, den Islam nicht zu kritisieren, weil dies in ihren Augen Trump oder Marine Le Pen dabei hilft, ihr Narrativ über Muslime zu verfestigen. Solche „Liberalen“ sagt sie, schlagen ernsthaft vor, „Frauenrechte, Sicherheit, das Wohlergehen kleiner Mädchen, das fundamentale Recht auf Meinungsfreiheit, ja sogar das Recht auf unseren eigenen Lebensstil und die Art wie wir uns kleiden, laut auf der Straße zu lachen, all das aufzugeben, aus Angst nicht mit den Meinungen der Rechtsextremen in Verbindung gebracht zu werden! Für mich ist das keine Lösung, sondern Feigheit und sehr gefährlich. So sind Fremdenfeinde die einzig verbleibenden Islamkritiker, die die Bühne für sich allein haben. Aber dies ist kein Thema für die Rechtsextremen. Es ist ein Thema für die gesamte Gesellschaft. Wenn ich höre, wie Liberale derart sprechen, begreife ich, dass sie und die Islamisten dasselbe wollen: Die Unterdrückung progressiver Stimmen. Wenn man diese Stimmen zum Schweigen bringt, wird man ein Verbündeter des Islamismus.“ […]

Donald Trumps Wahl zum Präsidenten ist „ein perfektes Beispiel, für das Versagen der Demokraten, das Problem beim Namen zu nennen.“ Trump hat mit der Angst der Amerikaner vor der terroristischen Bedrohung gespielt, so dass sie für den einzigen Kandidaten stimmten, der willens war, das Problem anzusprechen.“ Trump, so sagt sie, ist ein „Clown, die Parodie eines Politikers, eines Menschen, ein Cartoon der genauso auch von Charlie Hebdo erdacht sein könnte. Und er gewann, weil die Demokraten es nicht fertigbrachten, ehrlich über den Islam zu reden.“

Zur Gänze lesenswert.

5: Ein Bäcker in den USA muss einem lesbischen Pärchen 135.000 US-Dollar Schmerzensgeld bezahlen, weil er sich aus religiösen Gründen geweigert hat, dem Paar die Hochzeitstorte zu backen. Das Paar fühlte sich „mentally raped“.

In the lawsuit, the two women claimed to have been mentally raped and said that they have suffered 88 symptoms of emotional distress as a result of Sweet Cakes By Melissa refusing to sell them a wedding cake.

6: Zum Abschluss ein Filmtipp: Gestern Abend lief auf der ARD die Dokufiction „Härte“, die wahre Geschichte des ehemaligen Karate-Meisters und Zuhälters Andreas Marquart, verfilmt von Rosa von Praunheim. Marquardt wurde jahrelang von seiner Mutter sexuell missbraucht und geriet unter anderem dadurch auf die schiefe Bahn. Ein wirklich aufrüttelnder, authentischer Film, der unter die Haut geht. Unbedingt ansehen. Trailer gibts schon mal hier:

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Kurznachrichten vom 31.10.2017

1: Eine neue Wendung in der aktuellen Weinstein-Sexismus-Debatte: Es gibt jetzt ein erstes männliches Opfer in der Hollywood-Filmindustrie, den Schauspieler Anthony Rapp. Und der Beschuldigte ist niemand geringeres als Kevin Spacey, einer der bekanntesten Schauspieler Hollywoods (American Beauty, Sieben, L.A. Confidential, Die üblichen Verdächtigen). Spacey hat sich daraufhin umgehend als schwul geoutet. Er ist derzeit vor allem als Hauptdarsteller der Serie „House of Cards“ bekannt, die nach der sechsten Staffel jetzt eingestellt werden soll. Ob die Belästigungsvorwürfe Grund dafür sind, ist unklar, es sieht aber danach aus.

2: Thomas Gesterkamp betreibt mal wieder Männerrechtler-Bashing bei der taz. Linke Männerrechtler gibt es seiner Ansicht nach nicht, das ist alles nur Mimikri und Kreidefressen.

Die Namen der Zusammenschlüsse sollen harmlos klingen, am besten progressiv und aufklärerisch. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um Frauenhasser und Anti-Gender-Aktivisten.

Frauenhasser ist man für Leute wie Gesterkamp, wenn man Frauen nicht gleich jeden Wunsch den Augen ablesen und erfüllen will. Oder ihnen sogar Selbstverantwortung zutraut. Oder für gleiche Beteiligung bzw. Bezahlung auch gleiche Leistung verlangt. Wie schrecklich!

Ich habe unter dem Artikel der taz einen Kommentar geschrieben, aber da ich bezweifle, dass er veröffentlicht wird, kann ich ihn ja schon mal hier veröffentlichen:

Das klingt nach einer ausgewachsenen Verschwörungstheorie, die Gesterkamp hier ausbreitet.

Wie das mit dem „keine Bühne bieten“ für unliebsame Meinungen in der Praxis aussieht, und dessen Erfolg, konnte man gerade wunderbar auf der Frankfurter Buchmesse beobachten.

Langfristig wird es keine Geschlechterpolitik mehr geben, bei der nur die Interessen der Frauen zählen, und Alibi-Vereine von feministischen Gnaden wie das Bundesforum Männer, die zwar mit üppigem Etat ausgestattet sind, aber wichtige Interessen von Männern lieber nicht ansprechen (Es nicht zu tun, dafür wurden sie ja auch gegründet), am Rande Fähnchen winken dürfen.

Gesterkamp fürchtet um die feministische Hegemonie in der Geschlechterdebatte, und das zurecht. Aber lasst es Euch nochmal ins Stammbuch schreiben: Wenn Linke noch länger meinen, sie könnten Interessen von Männern ignorieren, werden diese Männer eben rechts wählen. Ihr habt den Schuss anscheinend immer noch nicht gehört. Die Parteien, die Feminismus fest im Programm haben (SPD, Grüne, Linke), wurden mit zusammen unter 40% eben krachend abgewählt.

Das liegt vor allem daran, dass das linke Lager sein wichtigstes Ideal, den Universalismus verraten hat. Man kümmert sich nicht mehr um alle, sondern nur noch um Minderheiten, denen Sonderprivilegien eingeräumt werden. Anrecht auf Mitleid und Hilfe haben nur noch diese, wer nicht zu den anerkannten Opfergruppen gehört, leider nicht. Das, mit Verlaub, ist das Gegenteil von links und „progressiv“.

Da bin ich doch froh, dass es da noch ein paar Männerrechtler gibt, die die Ehre der Linken unter den Männern zu retten versuchen.

3: Harald Martenstein kommentiert das Bestreben des Asta der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, der ein Gedicht Eugen Gomringers von der Fassade entfernen lassen will, weil es angeblich Frauen herabsetze.

4: Einen ausgewogenen Kommentar zum Kopftuchstreit von Hamed Abdel-Samad kann man beim hpd lesen.

5: In der Schweiz suchen die Kernzellen des althergebrachten Patriarchats, das Handwerkergewerbe, händeringend nach jungen Frauen, die die Vorherrschaft der Männer endlich brechen wollen – nur leider zieren die sich und bleiben lieber bei den üblichen Berufswünschen.

Es gibt zwar offene Stellen, die Berufe interessieren die Jungen [schweizerisch: junge Menschen, d.A.] aber nicht. Statt etwa als Gipserin zu arbeiten, warten viele Schulabgänger lieber im Zwischenjahr auf ihre Traumstelle, etwa als medizinische Praxisassistentin.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund will ihnen nun einen Job in den beliebten Berufen verschaffen, indem er eine Aufstockung der Lehrstellen «vor allem für mehrheitlich weiblich geprägte Berufsfelder wie Gesundheit und Soziales» fordert, wo die Betriebe heute zu wenig Lehrstellen anbieten würden.

Was natürlich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Arbeit in diesem Sektor weiter für die Arbeitnehmer verschlechtert. Hinterher beschwert man sich dann wieder über schlechte Bezahlung. Währenddessen tun die Verantwortlichen doch wirklich alles, um das Handwerk für Frauen schmackhaft zu machen:

Um den Beruf für junge Frauen attraktiver zu gestalten, wurde bei der Lehre als Fleischfachfrau die Fachrichtung «Feinkost und Veredelung» geschaffen. Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen ist nicht Teil der Ausbildung, dafür etwa die kreative Herstellung von kalten Platten. «Diese Arbeiten entsprechen Frauen eher», sagt Bildungsleiter Philipp Sax.

Na wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht. Wobei: Ist das nicht sexistisch, Frauen die Lust am Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen abzusprechen? Frau Stokowski, übernehmen Sie!

6: Und nun ein paar ältere Links, die sich bei mir angesammelt haben, die aber, soweit ich das überblicke, bisher weder von Arne auf Genderama noch sonstwo in der Blogosphäre erwähnt wurden.

Passend zur letzten Nachricht: Im Juli starb mit nur vierzig Jahren eines der größten Genies unserer Tage, die Mathematikerin Maryam Mirzakhani. Bezeichnenderweise gab es auf feministischen Seiten dazu nur Schweigen im Walde. Die Gelegenheit, eine Heldin aus dem MINT-Bereich zu würdigen, ließ man einfach verstreichen. Ich vermute, deshalb, weil Feministinnen sich zwar immer lauthals beschweren über die geringen Frauenquoten in dem Bereich, sich selbst aber auch nicht wirklich dafür interessieren.

7: Passend zur aktuellen Moralpanik mit allerlei gouvernantenhaften Versuchen zur Setzung von neuen Verhaltensregeln für Männer, aber schon vom August: Katja Lewina erklärt bei jetzt.de: „Warum Feministen die besseren Liebhaber sind“ Die Kommentatoren darunter stoßen ihr entsprechend Bescheid.

8: Meredith Haaf fragte im Rahmen der Kopftuchdebatte bei der SZ: „Wie islamfeindlich ist der Feminismus?“ und zeichnet da wieder einmal die Konfliktlinien zwischen zweiter und dritter Welle, oder auch der Schwarzer-Emma-Fraktion und der eher intersektionalen Fraktion nach. Haaf ordnet sich der dritten Welle zu. Die Konfliktlinien sind vor allem drei Themengebiete. Die Emma-Fraktion ist gegen Islam, gegen Porno und gegen Prostitution, die dritte Welle ist jeweils dafür. Als rechtspopulistisches, patriarchales Arschloch (wie man heute wirkliche Linksliberale halt so nennt) bin ich natürlich beim Islam auf Seiten der Emmas, bei den beiden anderen auf Seiten der dritten Welle.

Selbstverständlich spricht Haaf sich gegen ein Kopftuchverbot aus, allerdings m.E. aus den falschen Gründen. Sie kritisiert z.B. die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes, weil diese ein Kopftuchverbot für Minderjährige forderte, mit den Worten:

Soll der westliche Säkularismus in all seiner bleichen Glorie als Leitideal wirklich an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft – Kindern – exerziert werden?

Ja, ich frag mich ja auch, ob man durch Altersgrenzen bei Porno- und Horrorfilmen, beim Führen von Fahrzeugen, beim Schusswaffengebrauch, beim Konsum von Alkohol und Tabak nicht auch bleiche Leitideale an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft exerziert. Und wieso sollte man die Freiheit von Kindern beschränken, sich mit fünf Jahren völlig frei für eine Beschneidung zu entscheiden, mit der Aussicht, der Mittelpunkt einer großen Feier zu sein und viele Geschenke zu bekommen? Warum sollte man achtjährige Mädchen davon abhalten, den 40-jährigen Mann ihrer Träume zu heiraten? Also was sollte denn dagegen sprechen, dass Kinder schon von kleinauf lernen, dass sie mit einem Kopftuch zu den ehrbaren Frauen gehören, während diejenigen, die es nicht tun, Schlampen sind? Und die Jungs lernen das gleich mit? Ich komm einfach nicht drauf.

9: Ab und zu ist man auch positiv von Plattformen überrascht, die man eigentlich für ziemlichen Schrott hält. Vice.com (ja, genau die) brachte einen Beitrag, der sich kritisch mit der allgemein üblichen Berichterstattung auseinandersetzt, wenn männliche Minderjährige von erwachsenen Frauen „verführt werden“. Chapeau!

10: Zum Abschluss würde ich Euch gerne noch eine Reportage von Birgit Schrowange vorstellen, die schon länger im Netz kursiert. Es geht dabei um neue Wohnprojekte für Flüchtlinge in Ludwigshafen, für das einheimische sozial Schwache aus ihren Wohnungen geworfen wurden, in denen sie zum Teil schon Jahrzehnte gewohnt haben. Es ist quasi ein Lehrstück dafür, wie man mit falschen kommunalen Entscheidungen die AfD stark macht.

Aber darum geht es mir eigentlich gar nicht, sondern um eine kleine Sequenz, bei der es darum geht, wer von den nun Heimatlosen den rar gewordenen Sozialwohnungsraum bekommen sollte. Zieht Euch das mal ab Minute 14:27 rein und achtet auf das, was Birgit Schrowange dem Flüchtlingshelfer Hans-Werner antwortet:

Um Schrowange im Wortlaut zu zitieren:

Jetzt sind mal die anderen dran, meint Hans-Werner. Ich denke, dass zumindest alle Frauen und Kinder hier unterkommen sollten.

Genau, während die Männer ruhig mal unter Brücken schlafen können.

Und das sagt sie mit einer Selbstverständlichkeit ohne jeden Selbstzweifel, wie sie typisch ist, weil so etwas gar nicht mehr wahrgenommen wird. Frauen und Kinder haben selbstverständlich mehr Anrecht darauf als Männer, dass ihnen geholfen wird. So ist das eben in einem frauenunterdrückenden Patriarchat.

Warum ich finde, dass Lächeln und glücklich sein verboten gehört

Gestern ging es mir darum, wie die Maßstab für sexuelle Belästigung auf lächerliches Niveau herabgesenkt wird. Heute möchte ich auf das Thema Sexismus in der Werbung zu sprechen kommen.

Die Meldung machte bereits vor über einem Jahr die Runde: Im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain soll auf den vier Werbeflächen, die auf öffentlichem Gebiet stehen, keinerlei sexistische oder diskriminierende Werbung mehr erscheinen. Bereits damals befand Harald Martenstein: Wie bei den Taliban!

Ich habe mich damals tatsächlich mal aufgemacht, zumindest eine dieser Flächen zu sehen und zu begutachten, was denn dort überhaupt für Werbung erscheint. Vielleicht wäre es ja nur viel Lärm um nichts. Die erste ernüchternde Erkenntnis: In der Straße standen auf kurzer Strecke mehrere Werbeflächen – welche davon auf öffentlichem Boden, das konnte ich in der Kürze der Zeit nicht in Erfahrung bringen. Erinnern kann ich mich an Unterwäschewerbung von Calzedonia – aber ob die auf einer der vier Flächen war, weiß ich nicht.

Ende April ist das Thema wieder hochgekommen. Wer sich den Text von Jan Fleischhauer durchliest (gefunden via Prof. Dr. Günter Buchholz) oder gar Harald Martensteins „Über Frauenbilder in der Werbung„, der fasst sich an den Kopf: Es ist gelungen, die bereits absurden Forderungen noch auf die Spitze zu treiben!

Künftig ist bereits „grundlos lächeln“ ein Hinweis auf Sexismus und Diskriminierung – nur bei Frauen, wohlgemerkt. Das klingt logisch, denn Menschen nur aufgrund ihres Geschlechtes unterschiedlich zu behandeln ist natürlich nicht sexistisch oder diskriminierend. Gut, dass mir das noch einmal jemand sagt! Ich hätte es sonst nicht bemerkt.

„Aber… das ist Wahnsinn!“ „Nein! Das. ist. Kreuzberg-Friedrichshain.“

Wobei ich einwenden muss: Die Grundthese lautet ja, dass die Werbung uns dahingehend beeinflusst, was wir als normal empfinden. Nach dem Wegfall von Werbung mit anlasslos lächelnden Frauen müsste sich das Verhalten von Frauen in Berlin also dahingehend ändern, dass sie weniger anlasslos lächeln. Ganz provokant gefragt: Kann man weniger als gar nicht lächeln? Es ist ja jetzt nicht so, dass in Deutschland die Leute entsetzlich häufig lächeln würden. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich Klagen darüber noch nie gehört, wohl aber Feststellungen, die eher in die andere Richtung gehen.

Und damit sind wir bei einem Vorschlag vom Schwulemiker, auch bekannt als Adrian. Ihm gehen die Maßnahmen noch nicht weit genug:

Ein lobenswerter Schritt auf dem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung und Emanzipation von Frauen! Doch warum geht man nicht noch einen entscheidenden Schritt weiter und führt eine Mode- und Sittenpolizei für Frauen im Allgemeinen ein, so wie es in einigen islamischen Ländern Standard ist? Denn Werbung ist ja nur eine Seite des Schrecken, welches Frauen täglich ertragen müssen. Zuviele echte Frauen geben sich und anderen Frauen ein schlechtes Beispiel, indem sie sich falsch verhalten, ohne Anlass lächeln, sich körperbewusst kleiden, dem Konsum frönen. Einige Frauen sollen sogar verführerisch und schön sein! Kann man das tolerieren?

Nein! Aus diesem Grund unterstütze ich die Maßnahmen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg nachdrücklich und schlage außerdem vor, in der Werbung und in der Öffentlichkeit nur noch lächelnde, verführerische, schön Männer zu erlauben, die sich körperbewusst kleiden und Freude am Konsum haben. Ein solches Opfer ist mir das Wohl der Frauen wert.

Frauen zu verbieten ist weder legal noch moralisch richtig oder gar möglich, aber warum sie nicht tatsächlich aus der Werbung verbannen? Zwar stellt das einen Eingriff in den Markt dar (Frauen treffen einen Großteil der Konsumentscheidungen und ich erinnere mich an die Meldung, in einer Einkaufspassage sei ein Großteil der Geschäfte für Frauen), aber es geht um das Allgemeinwohl. Vergessen wir nicht, dass der ursprüngliche Plan darin bestand, im öffentlichen Stadtbild Werbung überhaupt zu verbieten!

„Die unsichtbare Frau“ wird uns noch viel Freude bereiten. Zeigen wir Männer, die fünfe gerade sein lassen und einfach mal so lächeln, die sich naiv einfach über den schönen Tag freuen, gut aussehen wollen und daher körperbetont gekleidet sind, fürsorglich sind (natürlich nur für ihre Söhne, Töchter kommen ja nicht mehr vor), mit großer Freude im Haushalt tätig, oder schlicht und ergreifend schön sind, weil sie auf ihr Erscheinungsbild achten.

Wie schon bei der Popkultur werden die Sittenwächter das nicht lange durchgehen lassen. Als nächstes wird der Mangel an Frauen beklagt, so dass sie wiederkommen, aber nur in „sicheren Rollen“, wo sie nur positiv dargestellt werden. Danach kommt die Kritik an den festgelegten Rollen und dass Frauen auf bestimmte Eigenschaften reduziert werden, womit beide Geschlechter gleich häufig auch negativ gezeigt werden. Dann sind wir wieder am Anfang der Schleife angelangt und die nächste Iteration geht los.

Aber zwischendurch haben die homosexuellen Männer ihre Freude und ich meine Ruhe. Das ist es mir wert.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal über einen Mann, der sich für einen Filmstar hält, obwohl er bisher nur in der Werbung vorkam.

Harpo: Moviestar

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