Warum ich den Brüdern Braun applaudiere

Gestern hatte ich über eine persönliche Erfahrung mit unsichtbaren Männern gebloggt. Von diesen unsichtbaren Menschen gibt es aber noch viel mehr. Sie sind von der Politik ausgeblendet und von den Massenmedien schlicht vergessen worden. Im gesellschaftlichen Diskurs kommen sie nicht vor. Gehör finden einige von ihnen dann wieder, wenn sie bereits sind, auch radikale Konsequenzen daraus zu ziehen.

In dieses Bild fügt sich ein Fundstück, über das ich – mal wieder – via Fefe gestolpert bin. Dass ich nochmal im ehemaligen Nachrichtenmagazin echte Nachrichten lesen würde, hätte ich nicht erwartet! Immerhin muss ich anerkennend zugeben, dass Spiegel Online hier ausnahmsweise aus der üblichen Berichterstattung ausschert.

Was war geschehen? Das Miniatur-Wunderland in Hamburg hatte im Januar all diejenigen Leute gratis hereingelassen, die sich den Eintritt nicht leisten konnten. Entgegen den Unkenrufen, dann würden sich viele Leute auch einfach so das Geld sparen, kamen genausoviele zahlende Besucher wie im Vorjahr. (Korrekt mitgedacht: Gemäß dem Fall, dass die Besucherzahlen ansonsten steigen, hätten natürlich dennoch einige das Angebot ausgenutzt. Aber ich möchte nicht knauserig sein und erwähne das nur, damit kein Statistik-Fehler in den Kommentaren aufgeführt wird.)

Und – wer hätte das gedacht? – natürlich waren unter den 18.000 Profitierenden auch Flüchtlinge. Den Leuten mal etwas anderes zu zeigen als ihren Alltag, das war ja ein Anspruch von Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik. Deswegen begrüße ich solche Angebote, egal wen sie treffen. Sie bieten immer die Chance, einen Menschen zu erbauen und zu erhellen, und diese Chance sollten so viele wie möglich haben.

Anlass für die Berichterstattung – hier wird es dann wieder ganz gewöhnlich – war ein Brief an die Betreiber, die Brüder Gerrit und Frederik Braun, in dem sich jemand darüber echauffierte, dass auch Flüchtlinge gekommen waren. Weitere Stichworte: Merkel, Wirtschaftsflüchtlinge, Bomben.

Die Brüder haben in mehrfacher Hinsicht sehr souverän reagiert: Da der Brief nicht anonym war, haben sie tatsächlich den Absender angerufen. Im Artikel laden sie ihn ausdrücklich ein, ins Miniatur-Wunderland zu kommen und mit ihnen zu reden. Einen schauerlichen Brief mit einer besonnenen Einladung zu kontern – Hut ab!

Sie haben eben nicht den Namen des Absenders bekannt gegeben und ihn damit sozial geächtet, oder gar „von der Debatte ausgeschlossen“. Gut möglich, dass jemand, der so einen wütenden Brief schreibt, mit solchen Maßnahmen nicht mehr erreichbar ist. Aber gleichzeitig lesen eben viele andere, irgendwie frustrierte, aber noch unentschlossene Menschen solche Artikel. Für die kann das ein Signal sein: „Die Brüder Braun halten sich nicht nur für gute Menschen; sie wollen auch keinen Graben aufmachen zu denen, die sie nicht für gut halten, sondern lieber mit diesen Leuten reden.“

Die rührselige Geschichte hat aber noch ein ganz trauriges Element:

Frederik Braun: (…) Wir verzeichnen Pro-Kopf-Umsätze. Das heißt, wir wissen, wie viel jeder Kunde im Durchschnitt im Bistro ausgegeben und Merchandising gekauft hat. Und rechnet man diese 18.000 raus…,

Gerrit Braun: …kommt man auf ein ganz trauriges Ergebnis.

Frederik Braun: Es ist nämlich die gleiche Zahl wie sonst. Was heißt, obwohl diese 18.000 Menschen keinen Eintritt zahlen mussten, hatten die meisten nicht mal das Geld, ihren Kindern eine Cola zu kaufen.

Frederik Braun: [W]ir haben Märchen da unten erlebt. Weinende Kinder, weinende Eltern. Ein Sohn hatte sich zu Weihnachten als einziges gewünscht, ins Miniatur-Wunderland zu gehen – und die Eltern konnten es sich nicht leisten, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Und jetzt standen sie da und beide Eltern haben geheult. Mir stiegen auch die Tränen in die Augen. Für solche Momente hätten wir eigentlich bezahlen müssen.

Am gesellschaftlichen Leben mangels Geld nicht teilnehmen zu können: So sieht Armut in Deutschland aus. Mit solchen Aktionen und der entsprechenden Berichterstattung macht man sie sichtbar. In einem „Deutschland geht es gut“-Weltbild kommen sie nicht mehr vor, weil sie ihm widersprechen.

Ein hässlicher Zweifel, der seit Tagen an mir nagt: Ob dieser Artikel auch erschienen wäre ohne den feindseligen Brief gegen Flüchtlinge? Das und die starke emotionale Reaktion darauf waren schließlich der Aufhänger. Die Erwähnung der allgemeinen Armut wurde sozusagen Huckepack in den Artikel getragen.

Flüchtlinge gegen arme Deutsche auszuspielen, egal in welche Richtung, hieße allerdings, eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) durch eine andere zu ersetzen. Dabei verhält es sich in Wirklichkeit so, dass wer eine GMF ok findet, auch eher einer anderen zustimmt. Es hat also keinen Sinn, da irgendwelche Prioritäten zu verhalten: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist immer abzulehnen!

Die Brüder Braun haben auch in dieser Hinsicht richtig reagiert: Sie haben nicht unterschieden zwischen „wichtig“ und „weniger wichtig“, „bringt Aufmerksamkeit“ und „bringt keine“. Sie haben das getan, was eigentlich Aufgabe von Politik und Medien wäre: Den Armen Aufmerksamkeit gegeben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zwei Brüder, die eine positive Nachricht verbreiten… da fällt mir als erstes auch ein Lied mit „Brothers“ im Titel ein.

Coldplay: Brothers and Sisters

Fundstück: Männer? Ausländer? Alles Kriminelle!

Blogger uepsilonniks zeigt Parallelen in der Hetze gegen Männer und Ausländer auf. Diese liegen auf der Hand, wenn man sich vor Augen hält, dass eine pauschalisierende Abwertung in beiden Fällen nichts anderes als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) ist.

Es spielt daher keine Rolle, ob man wie die „Frauen gegen Gewalt“ mit einer riesigen Dunkelziffer begangener Vergewaltigungen arbeitet (und die Falschbeschuldigungen einerseits unter die Vergewaltigungen mischt, sie andererseits schön von den Verurteilungen trennt – denn das kann ja gar nicht passieren, dass ein Unschuldiger verurteilt wird!), oder ob man eine Karte mit dem zynischen Namen „Einzelfall-Map“ anlegt, auf der angeblich Straftaten von Ausländern dokumentiert werden und deren Aussage darin besteht, dass es natürlich nicht Einzelfälle sind, sondern uns einfachem Volk das wahre Ausmaß der Kriminalität von Ausländern verschwiegen wird. Uepsilonniks zum einenden Element der Gruppen, die solche Hetze betreiben:

Beide haben neben der Kaltherzigkeit gegenüber Kindern ein weiteres gemeinsam: Sie lieben das Verbrechen Vergewaltigung. Während Sexistinnen jeden siebten Mann zum Vergewaltiger stempeln, sprechen Rassisten liebevoll von „Rapefugees“.
(…)
Gräuelpropaganda Nummer 1 ist das Beschwören einer Flut von Vergewaltigungen. Ein- und dieselbe Sauce, nur das Feindbild unterscheidet sich.

Er verweist praktischerweise auf einen Artikel, der Anti-Ausländer-Karte sachlich auseinandernimmt: Kartenlegen mit kriminellen Ausländern. Der ist in Gänze lesenswert. Besonders beachtlich ist daraus folgende Passage:

Ein weiteres entscheidendes Problem der Karte ist, dass sie sich zwar auf Polizeimeldungen stützt – diese wiederum jedoch in den meisten Fällen einzig auf den Aussagen der vermeintlichen Opfer beruhen.

Heißt also: Die Karte verzeichnet nicht die Fälle, in denen Ausländer (beziehungsweise irgendwie nach Ausländern aussehende Personen) Straftaten verübt haben, sondern: Fälle, in denen das jemand gegenüber der Polizei behauptet hat. Was nicht bedeutet, dass es auch stimmt.

Die Unschuldsvermutung – ja, sie lebt noch! Und genau, wie man sie bei jeder anderen behaupteten Straftat und bei jedem anderen behaupteten Täter anwenden soll, so gilt sie auch bei der Kombination mutmaßliche Vergewaltigung / Mann, egal, was uns da irgendwelche von Hass zerfressenen Leute eintrichtern wollen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es um Hass geht, auch ein Lied über Hass…

Subway to Sally: Wenn Engel hassen

Fundstück: Gesammelte Falschbeschuldigungen

Der Blogger Uepsilonniks hat etwas einfaches, aber sehr effektives gemacht: Er hat Fälle von Falschbeschuldigungen gesammelt und zitiert. Der Clou dabei: Es sind sowohl solche mit fremdenfeindlichen Hintergrund gegen männliche Flüchtlinge als auch solche allgemein gegen Männer dabei.

Beim Durchlesen liegt der Gedanke nahe: Egal, wen es trifft, es ist nie ok. Selbst wenn solche Straftaten tatsächlich begangen werden, darf man nicht irgendeine Gruppe unter Pauschalverdacht stellen – weder männliche Flüchtlinge noch Männer allgemein. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) wird nicht dadurch besser, dass man die Zielgruppe gröber oder feiner auswählt.

Für weiteres Lesen bietet sich der Verweis auf das Forum „Induzierte Erinnerungen“ an: Erfundener Missbrauch und Falschanschuldigungen in Deutschland und Umgebung. Auch der Blogger Lotosritter war bereits explizit darauf eingegangen:

Wer mehr über Falschbeschuldigungen erfahren möchte, hier der Link zu der entsprechenden Rubrik im Forum Falsche Erinnerungen, das von einem Opfer sexueller Gewalt inzwischen rein als Archiv betrieben wird. Die Liste, der hier durch die Presse bekannt gewordenen Falschbeschuldigungen, ist erschreckend lang.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zum Thema Erinnerungen fällt mir der Film Memento mit seinem Ambient-Soundtrack ein.

David Julyan: Leonard and Natalie

Fundstück: Männliche Ausländer haben eine doppelte Chance, unter Generalverdacht gestellt zu werden

„Wo bleibt da die Chancengleichheit?“, möchte man zynisch hinzufügen. Doch der Reihe nach.

Gerhard kritisiert einen Artikel über Kriminalität von Ausländern von asemann:

Ersetze „Ausländer“ durch „Männer“ und Du hast genau dieselbe femifaschistische Argumentation, die auch [Margarete] Stokowski so gerne hinlegt.

Die „Eine Zeitung“ berichtete kurz zuvor: „Es war schon wieder ein Mann!!!“: Lutz Bachmann fordert nach Mord an Freiburger Studentin Ausweisung aller Männer. Übertroffen hatte das zuvor nur Der Postillon mit seiner Schlagzeile über die Gruppe mit den meisten Verbrechern.

Via Fefe, der über Berichterstattung in gleichen Fall bloggte, stieß ich auf einen Artikel in der Berliner Zeitung, in dem mir einige Abschnitte besonders ins Auge fielen:

„Aber wir dürfen nicht vergessen“, ergänzte [Steffen] Seibert nun, „wir reden von der möglichen Tat eines afghanischen Flüchtlings – nicht von einer ganzen Gruppe von Menschen, die wie er Afghanen oder Flüchtlinge sind.“
(…)
Darum bat auch Freiburgs grüner Oberbürgermeister Dieter Salomon: Man möge „die Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranzuziehen“.

Aber das Geschlecht schon? Bzw. man möge bitte die Herkunft des mutmaßlichen (Rechtsstaat!) Täters ignorieren, damit er dann genauso wie inländische Männer unter Generalverdacht gestellt werden kann? Wann hören wir so etwas wie „wir reden von der möglichen Tat eines Mannes – nicht von einer ganzen Gruppe von Menschen, die wie er Männer sind.“?

Die Ruhrbarone haben einen Artikel veröffentlicht, in dem Martin Niewendick genau das Gegenteil getan hat: Er zählt einzelne Taten von Männern gegen Frauen auf und summiert das als „Der Krieg der Männer gegen die Frauen„. Allerdings bekommt er in den Kommentaren ordentlich Gegenwind, gerade von einigen üblichen Verdächtigen hier aus der Blogblase:

Matze:

Soll ich hier jetzt eine Liste starten mit Müttern die ihre Kinder töten und das ganze dann der Krieg der Mütter gegen ihre Kinder nennen? Denn zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Kindstötungen werden durch die leiblichen Mütter verübt.

Adrian:

Ein erstaunlich erfolgloser Krieg, bedenkt man, dass Frauen die Mehrheit stellen, länger leben und seltener Opfer von Gewalt werden als Männer.

djadmoros:

Mit demselben Level an verallgemeinernder Dummheit ließe sich schreiben, dass ein Krieg »der Ausländer« gegen »die Deutschen« herrscht oder ein Krieg »der Moslems« gegen »das Abendland«. Aber das wäre dann zweifellos »Hate Speech«.

Ebenso bezeichnende wie weitverbreitete Doppelmoral: Sexismus ist Scheiße, außer gegen Männer. Rassismus ist Scheiße, außer gegen Weiße.

uepsilonniks:

Das was der Autor hier mit Männern macht, machen Rassisten exakt genauso mit Flüchtlingen, Muslimen, Ausländern. Aber hey, der aufrechte Pseudolinke weiß genau zwischen guter und böser Hetze zu unterscheiden…

Und damit schließt sich der Kreis. Ich bin sehr erfreut darüber, dass als Mittel, um sie vor Augen zu führen, „Männer“ und „Ausländer“ in beide Richtungen getauscht werden. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) ist immer abzulehnen. Genau diese Erkenntnis ist es, die ich zum Beispiel mit der Serie „Spaß mit Männerhass“ erzielen möchte.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es sowohl um Ausländer als auch Männer geht…

Foreigner: Growing Up The Hard Way

Fundstück: Spaß mit Männerhass – Folge 14

Ein Beispiel für eine ganz klassische männerfeindliche Argumentation zeigt der Stadtmensch in seinem Artikel „Ladenhüter Feminismus“ auf. Er zitiert und kritisiert den Artikel „Der Mann als Wille und Vorstellung“ von Selma Mahlknecht:

Der Feminismus beispielsweise kann per Definition nicht männerfeindlich sein. Er (…) bekämpft nicht den Mann als solchen. Der Feminismus, der eine Welt der Chancengleichheit und Partnerschaftlichkeit einfordert, unterstellt (…), dass Männer sehr wohl dazu in der Lage sind, in einer solchen Welt zu leben. Der Feminismus behauptet, dass Männer offene Haare und Miniröcke aushalten können, dass sie selbst nach Mitternacht und in dunklen Seitengassen fähig sind, Frauen, sogar schöne, unvergewaltigt ihrer Wege gehen zu lassen.

Das Schema dieser gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit lautet:
„Ich habe nichts gegen X, sie sollen sich nur nicht wie Xse verhalten“

Wie Christian Schmidt im gleichnamigen Artikel passend schreibt:

Und es wäre eben auch nicht weniger rassistisch, wenn man sagt, dass man „nichts gegen Schwarze hat, wenn sie eben nicht stehlen und vergewaltigen, sie könnten sich ja ändern“. Weil man eben eine Gruppe verurteilt und ihr bestimmte negative Eigenschaften unterstellt und nur den Einzelnen davon ausnimmt, wenn er sich exkulpiert.

Über diese Stelle musste ich immer lachen, denn sie erinnerte mich an einen Text, den ich vor fast 20 Jahren gelesen habe. Ein Team um Rainer Stenzenberger präsentierte eine Art Seifenoper im Internet mit Namen „Kleine Welt“: Heute mag es technisch trivial klingen, aber 1997 war es Pionierarbeit: Die Serie bestand aus den Texten aus der jeweiligen Perspektive des Charakters, passend bebildert mit Fotos von Schauspielern.

Aus der Riege der jungen Protagonisten stach einer hervor: Herr Schlüter, der Hausmeister. Seine Ansichten waren jenseits von Gut und Böse. Aus dem Gedächtnis heraus: Einmal gab es Krach in der Kneipe, weil sich einer in der Runde abfällig über Schwarze geäußert hatte. Schlüter hatte damals einen schwarzen Angestellten und schilderte, wie er seinem Kumpel fast eine geschallert hätte. Im Brustton der Überzeugung, dass er sich damit gegen Rassismus eingesetzt hätte, erzählte er, was er als Antwort gebrüllt hätte: Die Schwarzen könnten schließlich nichts dafür, dass sie dümmer seien als Weiße!

Es ist einfach ein wunderbares Beispiel für das Denkmuster „Ich habe eine positive Einstellung gegenüber Xsen, schließlich akzeptiere ich, dass sie minderwertig / von Natur aus böse sind“. Weitere Varianten bezogen auf Männer waren bei Alles Evolution zu lesen:

In Diskussionen, in denen es darum geht, ob Feminismus Männerfeindlichkeit ist, stelle ich häufig eine Frage:

Kannst du mir einen Artikel zeigen, der die positive Sicht des Feminismus auf Männer darstellt?
(…)
Tatsächlich habe ich aber als Reaktion hierauf noch keinen wirklich positiven Artikel gezeigt bekommen. Die Artikel haben eher den folgenden Inhalt:

  1. Wir hassen Männer nicht, wir glauben ja, dass Männer besser werden können.
  2. Wir hassen Männer nicht; einige Männer sind gut.
  3. Wir hassen Männer nicht; man kann sie umerziehen.
  4. Wir hassen Männer nicht; wir sind bereit, ihnen zu verzeihen, wenn sie hinreichend büßen und sich ändern.
  5. Mir persönlich bekannte Männer sind durchaus gut; leider sind nicht alle so.
  6. Männer sind nicht das Problem, sondern die Männlichkeit, also das Verhalten des typischen Mannes.
  7. Wie du als Mann aufhören kannst, ein schrecklicher Mann zu sein, indem du ein feministischer Ally wirst und deine Privilegien hinterfragst.

(Rechtschreibung und Zeichensetzung in der Liste leicht angepasst von mir.)

Es lohnt sich, hier einmal ungeschminkt die versteckten Grundannahmen (Präsuppositionen), die in diesen Aussagen enthalten sind, herauszuschreiben, ähnlich wie es Lucas Schoppe bei den „36 Fragen an Männer“ gemacht hat:

  1. Die meisten Männer sind schlecht.
  2. Männer einfach so – ohne Umerziehung – sind nicht zu ertragen.
  3. Männer als Gruppe haben Schuld auf sich geladen und können nicht so bleiben, wie sie sind.
  4. Wenn einzelne Männer gut sind, gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.
  5. Männlichkeit / typisch männliches Verhalten ist schlecht.
  6. Männer müssen sich ausdrücklich von den anderen Männern im allgemeinen distanzieren.

Jedem Menschen einer demographischen Gruppe abzusprechen, dass er einfach so ok ist, wie er ist – das ist schon ein starkes Stück. Aber auch von denjenigen, die nicht pauschal verurteilt werden wollen für das, was sie sind, zu verlangen, sich von den anderen Gruppenmitgliedern abzugrenzen, bevor man überhaupt in Erwägung ziehen kann, sie zu akzeptieren, ist der Hammer.

Aus einem Buch über Nationalsozialismus ist mir die Erzählung eines Zeitzeugen in Erinnerung geblieben, wie über einen fahrenden jüdischen Händler gesprochen wurde: „Das ist der gute Jude. Er ist Jude, aber er betrügt die Leute nicht.“ Natürlich ist das antisemitisch. Wie auch der Zeitzeuge selbst urteilte: Die positive Darstellung des einen wird dazu verwendet, die Gruppe an sich negativ zu charakterisieren.

Wenn man das Eingangszitat umformuliert mit einem Platzhalter, was würde wohl allgemein von diesem „X-ismus“ gehalten?

Der X-ismus beispielsweise kann per Definition nicht fremdenfeindlich sein. Er (…) bekämpft nicht den Ausländer als solchen. Der X-ismus, der eine Welt von Zucht und Ordnung einfordert, unterstellt (…), dass Ausländer sehr wohl dazu in der Lage sind, in einer solchen Welt zu leben. Der X-ismus behauptet, dass Ausländer offene Haare und Miniröcke aushalten können, dass sie selbst nach Mitternacht und in dunklen Seitengassen fähig sind, Deutsche, sogar schöne, unvergewaltigt ihrer Wege gehen zu lassen.

Zur Erinnerung: die Spielregeln

Nur ein kleiner Test:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Fundstücke mit Quellangabe einfach in die Kommentare schreiben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Na, zumindest sind einige Lieder mit Hass im Titel sehr melodisch…

The Pretenders: Thin line between love and hate

Fundstück: „Männer werten nicht immer stärker ab als Frauen.“

Quelle der Aussage: Prof. Andreas Zick sowohl in einer Veröffentlichung als auch in einem Vortrag über Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF).

Da klingeln natürlich sofort die Alarmglocken. Waren Frauen nicht das edlere, friedlichere, sozial intelligentere Geschlecht?

Das muss ja ein reaktionärer Knochen sein, dieser Professor! Wer hat es ihm überhaupt erlaubt, so etwas zu verbreiten?

Das PDF aus dem Jahr 2014 heißt Die Vorurteile der anderen – Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit statt Toleranz und Weltoffenheit. Die entsprechende Grafik findet sich auf Seite 28.

Hervorgehoben und bei Frauen stärker verbreitet sind Fremdenfeindlichkeit, Muslimfeindlichkeit, Etabliertenvorrechte, Abwertung von Langzeitarbeitslosen. Außerdem finden sich bei Frauen häufiger Rassismus und Abwertung von Obdachlosen.

Bei Männern stärker verbreitet sind hingegen Antisemitismus, Sexismus (beachtlich: auch Frauen können sexistisch sein), Abwertung von Behinderten, Abwertung von Sinti und Roma, Abwertung von Asylbewerbern. Der stärkste Unterschied ist jedoch Homophobie.

Insgesamt, so zu lesen auf S. 17, nehmen Sexismus und Abwertung von Homosexuellen ab. Das Dokument liegt auf nuernberg.de, also dem offiziellen Internetauftritt der Stadt Nürnberg. Als eine wichtige Quelle (neben aktuellen Ergänzungen) wird eine Studie aus dem Jahr 2011 genannt.

Sie stammt (jetzt kommt’s) von der Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und findet sich unter einer URL, die „gegen Rechtsextremismus“ im Namen trägt. Zur Erinnerung: Die SPD will die männliche Gesellschaft überwinden, um die menschliche zu errichten. Die SPD-nahe FES bescheinigt Männern in einigen Punkten eine bessere Einstellung als Frauen. Das ist, als ob es in der Hölle schneite.

Das PDF ist 222 Seiten stark und nennt sich Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung (2011).

Zugegeben, ich habe die Studie nur durchgeblättert und an einigen Stellen genauer nachgelesen. Auf S. 15 wird etwa als ein zentrales Ergebnis genannt: Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Einstellungen kaum. Das ist ja bereits ein großer Widerspruch zur These, Frauen seien die besseren Menschen oder irgendwie edler. Als Ursache für GMF spielt das Gefühl der Benachteilung (!) eine Rolle. Ist es daher schlau, genau das zu verbreiten?

zunächst: Weltbild wie gehabt

Auf S. 22 werden Frauen, nicht jedoch Männer als Ziel von GMF genannt, obwohl sich Männerfeindlichkeit natürlich auf der Welt finden läßt und diese kein sich ausschließendes Merkmal zu Frauenfeindlichkeit darstellt.

Zitat S. 25: Eine wesentliche Kategorie, auf der Vorurteile und Stereotypen im Alltag basieren, ist das Geschlecht. Die mangelnde Gleichstellung von Männer und Frauen in allen Bereichen des Lebens ist ein anhaltendes Thema, denn Frauen sind strukturell noch immer massiv benachteiligt.

mangelnde Gleichstellung (nicht Gleichberechtigung!), strukturelle Benachteiligung ( = „nicht überall, wo es etwas zu holen gibt, mindestens 50% Frauen“?)… da fallen die bekannten Stichwörter.

Zitat S. 36f: Moderne Vorurteile können sich auch in einer Überbetonung individueller Gleichheit ausdrücken. Häufig wird auf Gleichheit verwiesen, um Forderungen nach Maßnahmen zur Verbesserung von Chancen spezifischer Gruppen eine Absage zu erteilen. Strukturelle Chancenungleichheiten und Diskriminierungen werden dabei übersehen oder verleugnet, beispielsweise bei der Ablehnung von speziellen Frauenquoten mit dem Verweis darauf, dass sich individuelle Leistung durchsetze. Übersehen wird dabei, dass die entscheidenden Strukturen aber von Männern gemacht sind, an den Bedürfnissen von Männern orientiert sind und von Männern dominiert werden.

Man beachte, wie hier Gleichwertigkeit und Gleichheit durcheinandergewirbelt werden: Die grundsätzliche Gleichwertigkeit eines jeden Individuums sollte entscheidend sein. Ob wir an der Spitze eine Gleichheit bezüglich der Geschlechter haben müssen, darüber läßt sich hingegen herzhaft streiten.

Wenn eine Elite von Männern die Regeln aufstellt, warum sollte man sie durch eine neue Elite von Frauen ersetzen, anstatt etwa generell die Eliten zu zerschlagen und eine Meritokratie anzustreben?

Zitat (zur Sexismus-Definition) S. 47: Männer und Frauen werden mit Verweis auf vermeintlich biologische Fakten unterschiedliche Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Neigungen zugeschrieben, die in ihrer Konsequenz erklären und rechtfertigen, warum Frauen im Durchschnitt weniger Macht, Einfluss, Vermögen oder Zugangschancen als Männer haben. (…)
So erfreuen sich etwa evolutionäre Erklärungen für Geschlechterunterschiede großer Beliebtheit in öffentlichen Debatten. Im wissenschaftlichen Gewand werden traditionelle Vorurteile reproduziert, indem Beobachtungen geschlechtertypischen Verhaltens auf biologische Faktoren zurückgeführt werden. Kulturelle, das heißt erlernte und durch die äußeren Strukturen bedingte, Erklärungen werden dabei unterbelichtet. Stattdessen wird über die Natur von Frauen und Männern so spekuliert, dass die untergeordnete Statusposition von Frauen, wie sie sich in Spitzenpositionen oder Einkommensgefällen manifestiert, naturalisiert wird.

Also quasi der vulgäre Anti-Christian: Biologische Ursachen gibt es nicht, werden jedoch als Erklärung und Rechtfertigung für alles herangezogen.

S. 72: Zur Messung von Sexismus wurden folgende Aussagen verwendet:

  • Frauen sollten ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen.
  • Wenn Arbeitsplätze knapp sind, sollten Männer mehr Recht auf eine Arbeit haben als Frauen.

Dabei kann man durchaus fragen, ob Frauen sich nicht stärker Richtung Ehe orientieren sollten, wenn man bei Männern dasselbe bemängelt. Und dass Frauen in Deutschland insgesamt mehr Wert auf die Rolle als Mutter legen können, ist bei der aktuellen Geburtenrate doch keine absurde Meinung – dazu kommt, dass Männern zu wenig Einsatz als Vater vorgeworfen wird, obwohl es ganz andere Gründe dafür geben kann als fehlende Motivation.

Zur zweiten Aussage gibt es inzwischen etwa eine Forderung nach einer Männerquote bei Zahnärzten, weil zu wenige Zahnmedizinerinnen nach der Babypause in den Beruf zurückkehren, ganztags arbeiten oder das Risiko einer eigenen Praxis auf sich nehmen wollen. Klingt ganz so, als gäbe es einen Grund, vereinzelt auf Männer zu achten, um die Grundversorgung sicherzustellen.

Zitat zum Zusammenhang zwischen Sexismus und Homophobie, S. 81: Recht wenige Befragte befürworten die Gleichstellung einer der beiden Gruppen und verweigern die Gleichstellung der jeweils anderen.

Da haben wir wieder das Verwischen von rechtlicher Gleichheit und Ergebnisgleichheit. Bei klarem Verstand hat es keinen Sinn, die Lage von Frauen mit denen von Homosexuellen gleichzusetzen. Dürfen (heterosexuelle) Frauen etwa bislang nicht heiraten, erben oder Kinder adoptieren? Und wo gibt es umgekehrt die Forderung nach einer Homosexuellenquote in den Aufsichtsräten?

der Knüller

Schließlich kommt jedoch der interessante Teil auf den Seiten 97 ff.:

Stimmen Frauen oder Männer häufiger abwertenden Aussagen gegenüber
schwachen Gruppen zu? Wir haben die Antworten aller europäischen Befragten differenziert nach Geschlecht ausgewertet. Die daraus resultierenden GMF-Mittelwerte in Abbildung 18 zeigen, dass Frauen sich durchschnittlich häufiger abwertend äußern als Männer.

Der differenzierte Blick auf die einzelnen Dimensionen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit offenbart im Wesentlichen ein ähnliches Muster (vgl. Abb. 19). Frauen sind im Durchschnitt signifikant fremdenfeindlicher, rassistischer, islamfeindlicher und sexistischer als Männer. Kein Unterschied zeigt sich im Antisemitismus. Männer antworten lediglich bezüglich der Homophobie signifikant abwertender als Frauen.

Beachtlich, welches Ergebnis hier unter anderem geliefert wird: Frauen sind sexistischer als Männer! Sie stimmen also häufiger den vorher genannten Aussagen zu, dass sich Frauen stärker auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter konzentrieren sollten oder in Zeiten knapper Arbeitsplätze bevorzugt Männer beschäftigt werden sollten. Dabei könnte man das weniger dramatisch ausgedrückt einfach in Einklang bringen mit den wahren Ergebnissen der Allensbach-Studie: Aufgabenteilung, Mütter möchten in den ersten Jahren lieber beim Kind sein, da müssen die Väter eben mehr arbeiten.

Am Ende wird auch hier auf S. 100 noch einmal ausdrücklich festgehalten:

Männer und Frauen unterscheiden sich nur geringfügig im Ausmaß der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

Das ist kein Widerspruch zu den signifikanten Unterschieden. Sie könnten vorhanden sein, sind aber nicht besonders groß.

Dass beide Veröffentlichungen sich unter anderem darin unterscheiden, wer etwa jeweils sexistischer ist, tut der Sache keinen Abbruch: Das kann bei ungefährer Gleichheit passieren.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Warum hasst der eine den anderen?“ wird im folgenden Lied gefragt.

Depeche Mode: People are People