Fundstück: Gender Pay Gap – der Fall Birkenstock

Zum Mythos Gender Pay Gap wurde bei Alles Evolution ganz nebenbei folgender Fall erwähnt: Bei einer Tochterfirma von Birkenstock bekamen weibliche Mitarbeiter jahrzehntelang (bis 2012) etwa einen Euro weniger je Stunde. Christian Schmidt beurteilte das so:

Darüber zu reden ist natürlich wirklich dumm und gehört dann auch, wenn tatsächlich das Geschlecht ein Kriterium für einen geringeren Lohn war, ohne das auf den jeweiligen Mitarbeiter geschaut wurde, entsprechend gestraft. Allerdings hatte es sich wohl um Altlasten aus der Vergangenheit des Unternehmes gehandelt, als die männlichen Mitarbeiter auch noch die körperlich anspruchsvolleren Aufgaben erfüllt haben.

Männliche Mitarbeiter bekamen früher eine andere, körperlich schwerere Arbeit, und wurden deswegen besser entlohnt. Inzwischen ist der Grund für die ungleiche Bezahlung weggefallen, es wurde also tatsächlich Frauen für gleiche Arbeit weniger bezahlt.

Das ist – wie man es auch dreht und wendet – genau der Fall, der für den Gender Pay Gap immer behauptet wird. Hier stimmt die Behauptung tatsächlich und auch wenn ich sie im allgemeinen für falsch halte, werde ich mich davor hüten, solche Fälle kleinzureden. Im Gegenteil, die Redlichkeit gebietet es, auch Sachen zu veröffentlichen, die dem eigenen Weltbild widersprechen.

Dass es einen historischen Grund für die echt ungleiche Bezahlung gibt, macht diese zumindest erklärbar – aber kein Stück akzeptabel. Im Gegenteil, da fällt einem doch die Kinnlade runter, wenn ein Unternehmen so schludert! Und ja, schludrig muss man es nennen dürfen, denn das war die Verteidigungslinie des Unternehmens, ansonsten wäre es ja Absicht und das wäre noch schlimmer.

Ich empfehle, den Artikel „Frauen verdienten bei Birkenstock weniger“ ganz zu lesen. Es ist schon sehr peinlich.

Allerdings eignet sich der Fall Birkenstock als Anschauungsmaterial dafür, wie es aussieht, wenn ein wirklicher Gender Pay Gap auftritt: Als die Ungleichheit aufflog, ergab das rund 100 Fälle vor dem Arbeitsgericht.

eckitake5 dazu in den Kommentaren bei Alles Evolution:

Der Fall Birkenstock, der nun auch schon einige Jahre zurückliegt, ist das einzige authentische Beispiel für Lohndiskriminierung, das mir überhaupt bekannt ist. Da haben im Westerwald die Geschäftsführung und der Betriebsrat jahrelang geschlafen und veraltete Tarifverträge durchgeschleppt. Die machen vielleicht gute Schuhe, sind aber sonst wohl nicht so auf Zack.

Dieses Beispiel wird von den Verfechtern des Gender-Pay-Gap nun immer wieder benutzt, um die These von der geschlechtsspezifischen Lohndiskriminierung zu illustrieren. Ansonsten: Nichts. Kein Urteil. Auch keine Reportage oder journalistisches Produkt, das am lebenden Beispiel aufzeigt, wie ungerecht Frauen bezahlt werden.
(…)
Meine Vermutung: Es gibt diese Fälle einfach nicht. Oder nur in winzigen Klitschen, die in irgendeiner Nische werkeln. Oder kennt jemand Beispiele?

Das möchte ich hier gerne wiederholen: Wann immer jemand einen Fall von tatsächlich ungleicher Bezahlung bei gleicher Arbeit findet, bitte hier in die Kommentare packen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es um Schuhe ging…

Depeche Mode: Walking In My Shoes

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Nostalgie-Fundstück: Thomas Sowell über das Gender Pay Gap

Zu dem Thema Mythos Gender Pay Gap hatte ich kürzlich noch einen Freakonomics-Beitrag von 2016 erwähnt. In einem früheren Kommentar zum selben Thema hatte Kommentator Matze auf einen Ausschnitt aus einer Fernsehsendung von vor mehreren Jahrzehnten verwiesen. Das fand ich so interessant, dass ich unbedingt die ganze Sendung sehen wollte, auch um den Kontext zu haben.

Firing Line – „The Economic Lot of Minorities“

William F. Buckley Jr. interviewt Thomas Sowell, Autor mehrerer Bücher („Ethnic America“, „Markets and Minorities“). Bei der Dame, die im zweiten Teil der Sendung Fragen stellt, handelt es sich um Harriet F. Pilpel. Sie wird vorgestellt unter anderem als Anwalt und Feministin.

Die Sendung wurde aufgezeichnet am 12. und ausgestrahlt am 15. November 1981 (laut ovguide).

Der Ausschnitt, den ich zuerst gesehen hatte, ist ab ca. 45:30-49:33 zu sehen. Relevant für das Thema ist aber auch 25:02-25:41 – auf diese Passage bezieht sich Sowell später auch ausdrücklich. Die im späteren Teil zitierten Daten sind von 1978.

Ich gebe im folgenden die Aussagen Sowells wieder, wobei ich sie meistens nicht als indirekte Rede kennzeichne. Wo ich mich mit meinem Anmerkungen nicht zurückhalten konnte, habe ich dies in kursiv getan. In einigen Fällen wird an verschiedenen Stellen in der Sendung mehrmals dasselbe Thema angeschnitten. Ich habe diesbezügliche Aussagen soweit es ging zusammengetragen. Es ist also nicht streng chronologisch!

IQ

Der IQ von Schwarzen liegt 15 Punkten unter denen von Weißen. Er erhöht sich mit ihrem sozioökonomischen Aufstieg. Es gibt keinen speziellen „IQ von Schwarzen“ und keine besonderen Faktoren bei ihnen.

Zum Vergleich: Jüdische Soldaten schnitten während des 1. Weltkriegs unterdurchschnittlich in einem Armeetest ab. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich das verändert.

Der IQ (auch einer Gruppe) ist also nicht festgelegt. Es gab in der Vergangenheit Gruppen mit Sprüngen von mehr als 20 Punkten in zwei Generationen.

ethnische Gruppen und Verdienst

Der „angelsächsische“ Anteil der Bevölkerung Amerikas liegt bei 15%. Zwar verdienen sie 105-106% im Vergleich zum Durchschnitt, aber andere Gruppen noch mehr:

Juden 170%
Japaner 132%
Chinesen 112%
Iren 103%
Westindier 94%
Schwarze 62%
Indianer 60%

Hierbei wurde das Alter nicht berücksichtigt. Gerade das wurde vorher als ein Faktor genannt, z.B. dass ältere Schwarze weniger verdienen als ältere Weiße, aber bei den jüngeren sich das angleicht.

Bestimmte Gruppen, die klar diskriminiert wurden, verdienen sogar mehr. Der Durchschnittsverdienst ist also nicht Folge von Diskriminierung.

der Markt als anti-diskriminatorisches Instrument

Buckley wirft dann auch die passende These in den Raum: Der Markt hat überhaupt kein Interesse an Diskriminierung. Sowells Erwiderung: Diskriminierung kostet – und einige Leute werden bereit sein, dafür zu zahlen.

Der Markt muss z.T. stark reguliert werden, um Diskriminierung aufrechtzuerhalten: In Südafrika gibt es Quoten für Weiße und die Firmen versuchten, Schlupflöcher zu finden, um doch mehr Schwarze anzustellen (weil diese weniger kosteten). (Ja, die Diskriminierung wird durch die Quote eingeführt, nicht etwa durch sie beseitigt!)

Typischerweise geht Diskriminierung von Regierungen aus. (Soviel zur Idee „Der Staat soll’s richten.“) Wer nicht auf Profit aus ist, diskriminiert leichter (Bildungssystem, früher z.B. nicht nur gegen Schwarze, sondern auch gegen Juden). Diskriminierung ist pandemisch, verbreitet „wie Sauerstoff“, wenn sie nicht viel kostet. Sport und Unterhaltung, wo es großen Wettbewerb gibt, sind offener.

Gerade weil die Regierung diskriminiert, läßt sich Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt schwer messen. Wenn etwa bestimmte Gruppen nur schlechte Bildung bekommen, dann werden es deren Mitglieder automatisch auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben.

Politik, Armee und Universitäten

Als Aufhänger diente die geringe Anzahl von Frauen in hohen politischen Ämtern. Darauf entgegnet Sowell: Regierungen sind nie ein genaues Spiegelbild gesellschaftlicher Gruppen. Das sind Armeen ja ebenfalls nicht! Das gilt auch nicht für Studenten, Doktoranden an Unis.

Dinge wie eine politische Karriere schließen andere Sachen aus, weswegen auch Sowell selbst keine angestrebt hat. Frauen in der Wissenschaft (mit Karriere) sind deutlich seltener verheiratet, häufiger geschieden (als sonstige Frauen oder männliche Wissenschaftler).

Werbung und Fernsehkonsum

Es gibt demographische Analysen über Fernsehkonsum, damit die Werbung stimmt. Die Werbung folgt den Interessen der Leute, nicht umgekehrt. (Soviel zur Allmacht der Werbung!)

Selbst bei Sachen, die vollständig der individuellen Kontrolle von Leuten unterliegen, zeichnen sich große Unterschiede ab. Wo ist das Werteproblem, wenn Leute unterschiedliche Dinge tun (im Unterschied zu „andere Leute davon abhalten, etwas zu tun“)?

Gender Pay Gap, erste Passage (25:02-25:41)

Dinge wie unterdurchschnittlich viele Frauen / Schwarze in politischen Ämtern sagen erst einmal gar nichts. Wenn es Hinweise auf Diskriminierung gibt, dann soll man Beweise vorlegen. Am besten ist es, die vernünftigste Erklärung unter den bekannten Umständen anzunehmen.

Leider wird genau umgekehrt argumentiert: Man schaut auf Prozentzahlen (Politik/Verdienst) und folgert daraus auf Diskriminierung, ohne auf die Bedingungen zu achten.

In Wirklichkeit sollte man gleiches mit gleichem vergleichen, also z.B. Frauen, die dauerhaft Vollzeit arbeiten. Dann verschwinden die Unterschiede, ja, Frauen verdienen sogar z.T. mehr.

Leider werden viele Faktoren üblicherweise nicht berücksichtigt: Begabung, Ausbildung, Alter…

Die Unterschicht selbst entscheiden lassen?

Spannenderweise fragt die Feministin, ob es denn wirklich eine gute Idee sei, bei den armen, ungebildeten Schwarzen die Eltern Entscheidungen treffen zu lassen. (Genau so sieht für mich Arroganz der Eliten aus!) Sowohl Buckley als auch Sowell befürworten eine Entscheidungsfreiheit etwa bei der Bildung. Gerade Sowell plädiert aus eigener und allgemeiner Erfahrung, dass solche Eltern wollen, dass es ihren Kindern besser gehe.

Gender Pay Gap, zweite Passage (45:30-49:33)

Pilpel sieht Diskriminierung gegen Schwarze und Frauen, Sowell verweist auf das, was er vorher gesagt habe. Unter gleichen Umständen verdienen Schwarze sogar mehr. Pilpel behauptet, Frauen verdienten weniger für die gleiche Arbeit, Sowell verneint dies und fordert, gleiches mit gleichem zu vergleichen. Bei gleichen Faktoren verdienen Frauen z.T. mehr.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Musik aus der Sendung klingt in besserer Qualität viel schöner!

Brandenburg Concerto No. 2 in F major, BWV 1047 (Freiburger Barockorchester)

Fundstück: Freakonomics über „Gender Pay Gap“

Gefunden via Genderama: Freakonomics berichten über die wahre Geschichte des Gender Pay Gaps. Angenehmerweise gibt es die gesamte Sendung als Text zum Nachlesen.

Die Ökonomin Claudia Goldin zerlegt dabei den Mythos Gender Pay Gap. Die wesentlichen Punkte:

  • Im Großen und Ganzen bekommen Frauen nicht weniger Geld für die gleiche Arbeit.
  • In der Vergangenheit gab es durchaus Diskriminierung, auch etwa gegen Schwarze, bei denen Firmen direkt gesagt haben, dass sie diese nicht einstellen wollen.
  • Direkt nach der Ausbildung sind die Löhne gleich; sobald ein Kind geboren wurde, arbeiten Männer (im Schnitt!) härter.
  • Mehr Zeit haben zu wollen und zeitliche Flexibilität sind ein wesentliche Faktoren für Einkommenseinbußen.
  • Der Wunsch nach Flexibilität spiegelt sich auch in der Stellenwahl wieder.
  • Unterschiedliche Berufe selbst machen aber nur 25% der Unterschiede aus; ein Großteil fällt auf die Arbeitsbedingungen innerhalb desselben Berufes wie Anzahl der geleisteten Stunden zurück.
  • Claudia Goldins Partner hat denselben beruflichen Hintergrund; sie verdienen auch fast gleichviel – sie etwas mehr.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Freak“ ist eigentlich ein sehr negatives Wort, spielt in etwa derselben Klasse wie „Creep“. Aber selbst dafür findet sich noch ein Lied…

H-Blockx: Go Freaky

Fundstück: Spaß mit Männerhass – Folge 13

Matze wies in einem Kommentar auf einen Beitrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hin:

Erfahren Sie was Kaffee mit Gleichstellung zu tun hat
Kaffee für Männer 1,26€
Kaffee für Frauen nur 1€

Natürlich geht es um den Mythos Gender Pay Gap. Allerdings versteht das BMFSFJ hier auch das Gesetz der großen Zahlen falsch und folgert, eine angenommene Ungerechtigkeit im großen müsse sich auch als Ungerechtigkeit im kleinen zeigen, so dass man diese auch auf individueller Ebene „ausgleichen“ könne. Der Übergang von falsch verstandener Statistik zu offenem Lügen ist für mich hier schwer festzumachen.

Im Einzelfall läßt sich die angenommene Gerechtigkeit der Kaffeepreise schnell wiederlegen. Ich selbst würde das wie schon gesagt so machen:

Ich tauche mit einem Obdachlosen auf und frage nach, wieviel er gerechterweise für den Kaffee zahlen soll.

Auch schön, wie Thomas78 kommentiert:

Was die wohl gesagt hätten, wenn ich mich klargemacht hätte, dass jede Frau in der Runde vermutlich mehr verdient als ich mit Hartz IV…

Und wer würde folgendes gerecht finden?

Kaffee für Juden 1,26€
Kaffee für Arier nur 1€

Selbst wenn in irgendeinem Land Juden im Durchschnitt 26% mehr Geld hätten, wäre es doch abstoßend, von jedem einzelnen höhere Preise zu verlangen. Die Idee, dass alle Juden reiche Geizkragen seien, gehört zu den klassischen Elementen des Antisemitismus.

Wollte man die reichen Leute allgemein mehr zur Kasse bitten, wäre es dennoch falsch, alle Mitglieder einer reicheren demographischen Gruppe in einen Topf zu werden. Schließlich könnte es unter ihnen einige „sehr reiche, extrem erfolgreiche“ und viele „arme, mittellose“ geben.

Zur Erinnerung: die Spielregeln

Nur ein kleiner Test:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Fundstücke mit Quellangabe einfach in die Kommentare schreiben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal wieder Kaffee…

Blur: Coffee And TV

Fundstück: asemann mit drei Erklärungen für Ungleichverteilungen

Beim vorherigen Artikel über den Mythos Gender Pay Gap ging es in der Diskussion u.a. darum, wie man den Sachverhalt erklärt.

Vor einiger Zeit nannte asemann die drei Erklärungen für Ungleichverteilungen (zwischen Männern und Frauen), die ich hier in eigenen Worten wiedergeben möchte:

  1. systematische Diskriminierung
  2. Ergebnis von Entscheidungen, die auf durchschnittlich unterschiedlichen Präferenzen basieren
  3. Zufall (statistisches Rauschen)

So kurz und knackig kann man es ausdrücken!

„Zufall“ ist gerade dann möglich, wenn die Unterschiede sehr klein sind und man nur sehr wenige Messungen hat. Das hat natürlich noch niemanden davon abgehalten, so etwas trotzdem als seriöse Statistik auszugeben! Man denke daran, wie etwa Wahlprognosen oder der Sonntagsfrage immer wieder Schwankungen von wenigen Prozentwerten als wichtige Ergebnisse verkauft werden, obwohl sie schlicht auf Ungenauigkeit basieren können.

Ansonsten bleiben noch zwei Möglichkeiten: Dass die Menschen davon abgehalten werden, gleich zu handeln, oder dass sie einfach andere Sachen wichtiger bewerten. Die Idee, dass Gruppen von Menschen im Schnitt verschieden sein können und deswegen unterschiedliche Entscheidungen treffen, scheint mit dem Weltbild einiger Leute nicht vereinbar zu sein. Schade, wenn die Welt nur heile sein kann, wenn alle Menschen gleich sind und nicht nur gleichwertig…

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Irgendwie scheint es auch nicht so schön zu sein, wenn die Leute überall gleich sind…

Morrissey: People Are The Same Everywhere

Fundstück: Maddox zum Mythos Gender Pay Gap

Der Mythos Gender Pay Gap, also der Fehlschluss, unterschiedliche durchschnittliche Einkommen aller Frauen im Vergleich zu allen Männern bedeute, dass eine Frau für exakt dieselbe Arbeit weniger bekomme als ein Mann, scheint unausrottbar. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mischt selbst fleißig daran mit, diesen Irrtum weiter zu verbreiten, worauf unlängst sowohl in den Kommentaren als auch in den Kurznachrichten hingewiesen wurde. Umso wichtiger ist es, Gegenbeiträge zu bringen.

Klar, verbohrte Ideologen wird man damit nicht überzeugen können. Aber es gibt immer genügend Leute mit gesundem Restzweifel, denen man damit vielleicht eine Initialzündung geben kann. In diesem Sinne:

Maddox: How every company in America can save 23% on wages

Schon die Überschrift nennt das wichtigste Gegenargument: Warum stellen Unternehmen nicht ausschließlich Frauen ein, wenn sie ihnen tatsächlich 23% weniger Gehalt zahlen können?

Es wäre doch völlig absurd, bei – wie ja stets angenommen – völlig gleichwertigen Bewerbern einen Mann zu nehmen, wenn sich die Lohnkosten um 23% nach unten drücken ließen! Welche Motivation gäbe es in einem Unternehmen, gegen das Gesetz des Marktes zu handeln? Da müsste schon eine gewaltige Verschwörung aller Unternehmen her, um den Druck des Kapitalismus außer Kraft zu setzen. Hier wird es dann endgültig absurd.

Beachtlich, dass selbst Barack Obama die richtigen Zahlen falsch benutzt. Aufklärung tut also dringend Not!

Es ergibt sich aber auch die Gelegenheit für einen Kalauer: Wenn wie behauptet Frauen für jeden Dollar, den ein Mann verdient, 77 Cent bekommen, sollen sie doch gut zufrieden sein! Wieviel bekommt schließlich ein Mann ab von dem Geld, das seine Frau verdient?

Maddox bricht das allgemeine Gebot von Unternehmen, möglichst geringe Kosten zu haben (natürlich mit dem Ziel der Gewinnmaximierung), auf seine persönliche Situation herunter: Er hätte gerne den Illustratorinnen seines Buches 23% weniger gezahlt und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Das finde ich sehr nachvollziehbar!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die richtigen Zahlen zu haben reicht nicht, damit die Wahrheit dahinter zu den Leuten durchdringt. In diesem Lied haben die Leute zwar die richtige Nummer, kommen aber trotzdem nicht durch…

De la Soul: Ring ring ring (Sax mix)

Kurznachrichten vom 18.02.2016

1: Nadia Shehadeh, die tatsächlich einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat, der im wesentlichen aus „hat gebloggt“ und „hat getwittert“ besteht, hat in der linken Zeitschrift „analyse & kritik“ eine durchaus amüsante Typifizierung von männlichen Feministen verfasst, und (unfreiwillig?) klargemacht, dass es für Männer im Feminismus absolut nichts zu gewinnen gibt. Den Beitrag sollte man vielleicht den Herren Herr und Speer unter die Nase reiben.

tl;dr: Männer, haltet einfach die Schnauze, wir Frauen wissen es sowieso besser als Ihr!

Sie sind ein Mann und Ihnen sind unliebsame Parallelen zu sich aufgefallen, als Sie diesen Text gelesen haben? Prima, das ist der erste Schritt in Richtung Besserung. Üben Sie sich zukünftig in Zurückhaltung und halten Sie öfter mal die Klappe, dann sind alle anderen schneller fertig. Sie können sich sinnvoll beteiligen, indem Sie feministische Arbeit durch Geldspenden, Care-Arbeit, Putzdienste und vor allem in den meisten Fällen durch eigene Unsichtbarmachung unterstützen.

Unsichtbarmachung? Der Terminus kommt mir bekannt vor. Ist das nicht normalerweise was ganz böses?

Bei solchen Aussichten kommt bei den Herren der Schöpfung wohl so richtig Freude auf. Wie nennt man das nochmal, wenn das eine Geschlecht sich ums Putzen und die Kinder kümmern und ansonsten die Fresse halten soll, damit das wichtige Geschlecht Zeit zum Schwadronieren hat?

2: Das Interview mit Shereen El Feki über Sexualität und Islam „Mohammed war in gewisser Weise Feminist“ auf Spiegel Online finde ich etwas zwiespältig. Sie sagt zwar einige richtige Dinge. Aber das hier finde ich dann doch ziemlich schräg:

Tatsächlich hat der Islam aber auch Potenzial für gleichberechtigtes Leben. Islamische Feministinnen weisen seit Jahren immer wieder darauf hin. […] Das geht zurück bis zum Propheten Mohammed, der von starken Frauen umgeben war. Er äußerte sich auch sehr klar zu Sex, sagte etwa, dass auch die Frau den Geschlechtsverkehr genießen solle. In gewisser Weise war er Feminist.

Solange sie Sex genießen darf – also den Sex, den ihr die Religion und ihre Familie erlaubt bzw. vorschreibt -, macht es ja auch nichts aus, wenn sie in einem Zelt herumlaufen muss.

Wobei – Islam und Feminismus haben doch wirklich viele Dinge gemeinsam: Irrationalität, Totalitarismus, Obskurantismus, wildes Daherbehaupten von Dingen, die es nicht gibt, Humorlosigkeit und ständiges Beleidigtsein wegen jeder Kleinigkeit, ein Männerbild vom Mann als triebgesteuertes Monster. Hab ich was vergessen? Ihr dürft die Liste gerne verlängern…

3: Das Magazin Spiked Online berichtet über einen eher weniger beachteten Pay Gap, nämlich den „Sexuality Pay Gap“. Demnach verdienen lesbische Frauen im Schnitt ca. 9% mehr als Hetero-Frauen. Erklärt wird das damit, dass lesbische Frauen weniger Kinder bekommen und dass sie aufgrund der Erwartung, auch keine Familie in der Zukunft zu haben, von vorneherein besser bezahlte Jobs suchen. Ums mit fefe zu sagen: Das hätte jetzt auch wirklich niemand vorausahnen können!

4: Apropos fefe: Der weist gerade auf eine Aussage von Hillary Clinton hin:

If we broke up the big banks tomorrow….would that end racism? Would that end sexism?

Und ich dachte immer, die Zerschlagung des Kapitalismus sei die Voraussetzung für die Zerschlagung des Patriarchats. Allerdings, wenn ich es mir recht überlege, hat sie auch wieder recht. Rassismus und Sexismus werden nie enden. Dafür gibt es zuviele Leute, die an deren Bekämpfung verdienen.

5: Dr. Stevie Meriel Schmiedel, Vorkämpferin von Pinkstinks, klärt uns in einem Gastkommentar für die HAZ mit dem Titel „Macht rosa Spielzeug krank?“ darüber auf, wie böse die Farbe rosa ist. Wer nach dem Intro…

Prinzessin Lillifee und Lego Friends sind nur vordergründig harmloses Mädchenspielzeug. Sie sind eine bedenkliche Antwort auf die Emanzipation der Frauen und können Einstiegsdrogen zu weiblichen Suchtkrankheiten sein. Was tun also, wenn kleine Mädchen pinkfarbene Püppchen lieben?

…nicht schon ermüdet abwinkt, darf gern weiterlesen.

6: Wo wir gerade bei Kinderspielzeug sind: Die Rettung naht aus Australien und wird gerade auf Facebook gehypt: Sonia Singh stellt ungeschminkte Puppen her. Ist der Trend jetzt neu oder gabs das nicht schon alles einmal?

7: Lucas Schoppe hat den schönen Brauch seines Monatsrückblicks wieder aufgenommen.

8: In Bremen untersuchte eine Studie, warum in dem Bundesland die Verurteilungsrate bei Vergewaltigungsverfahren mit 5,5% signifikant unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Das Ergebnis: Eine Verschärfung des Strafrechts würde nichts ändern, denn die Fehler liegen schon im Ermittlungsverfahren. Man will deshalb die Vernehmungen der Opfer von besser geschultem Personal durchführen lassen und sie aufzeichnen. Außerdem:

Ein weiterer Punkt, der künftig anders gehandhabt werden soll, sind Ermittlungen im Umfeld des Tatverdächtigen. Sie sollen intensiviert werden, wo es sinnvoll und mit der Unschuldsvermutung vereinbar erscheint.

9: Bei einem gemeinsamen Vortrag von Milo Yiannopoulos und Christina Hoff Sommers an der University of Minnesota haben Feministen und SJWs mal wieder gezeigt, was sie von Free Speech halten: