Allein gelassene Familien

Es folgt ein Gastartikel von Siggi, ursprünglich im Blog Scheidende Geister erschienen.

Über die Recherche zu meinem Artikel Allein Gelassene Alleinerziehende bin ich darauf aufmerksam geworden, dass die weit überwiegende Zahl der Alleinerziehenden einen großen Teil ihrer Einkünfte aus öffentlichen Transferleistungen bezieht. Nach Aussage des verlinkten Artikels bekommen 87 Prozent der Alleinerziehenden beziehen Hartz IV-Leistungen. Staatliche Leistungen, beispielsweise Kindergärten, Schulen, Universitäten, öffentlicher Verkehr, Straßen und Polizei werden praktisch nicht durch Alleinerziehende finanziert, aber natürlich genutzt.

Es war die Anspruchshaltung der Autorin, die mich nachdenklich gestimmt hat. Diese habe ich als überzogen empfunden und daher ihre Aussagen hinterfragt. Heraus kam für mich im Wesentlichen, dass man auch auf die Verantwortung der Alleinerziehenden schauen sollte, bevor man nach mehr Geld schreit, und das subtile Gefühl, dass Familien nicht nur für ihre eigenen Kinder zahlen, sondern überproportional auch für Alleinerziehende. So weit habe ich das im Blogeintrag beschrieben.

Mich interessierten die Fakten. Fündig wurde ich beim Statistischen Bundesamt (Seite 34). Dort findet sich der Durchschnitt des Bruttoeinkommens aus unselbstständiger Arbeit aufgeschlüsselt nach Haushaltstyp: 1527 Euro für Alleinerziehende, 3563 für den Hauptverdiener einer Familie und 1007 für den Partner. Männliche Singles verdienen Durchschnittlich 1664 Euro, Single-Frauen 1216 Euro.

Unter „sonstige Haushalte“ sind im Wesentlichen die Familien erfasst, die Kinder über 18 Jahren haben. Das können Rentner mit erwachsenen Kindern und Enkeln sein, aber auch Eltern, deren Kinder studieren. Leider wurde diese Gruppe nicht weiter heruntergebrochen. In dieser Gruppe verdient der Hauptverdiener im Schnitt 2861 Euro, der Partner 684 Euro.

Damit keine Zweifel aufkommen: Familien mit minderjährigen Kind(ern) erzielen mit Abstand die höchsten Einkommen von allen Haushaltstypen, sie sind es, die die höchsten Steuern zahlen und damit die Gemeinschaft und die Alleinerziehenden im Wesentlichen finanzieren. Die sonstigen Haushalte sind die nächsten größeren Leistungserbringer.

Das kann man auch schnell durchrechnen (NRW, Jahr 2017, nicht in der Kirche, Alter 30, Kinder: Ja, gesetzlich versichert, 1,1 Prozent Zusatzbeitrag):

  • Alleinerziehend, Steuerklasse 2: 1527 Euro brutto, Steuern: 51,00 Euro
  • Ehepartner 1, Steuerklasse 3: 3563 Euro brutto, Steuern: 327,74 Euro
  • Ehepartner 2, Steuerklasse 5: 1007 Euro brutto, Steuern 107,40 Euro
  • Single Mann, Steuerklasse 1, kein Kind: 1664 Euro brutto, Steuern: 124,83 Euro
  • Single Frau, Steuerklasse 1, kein Kind: 1216 Euro brutto, Steuer: 27,50 Euro
  • (Sonstiger) Ehepartner 1, Steuerklasse 3: 2861 Euro brutto, Steuern: 163,99 Euro
  • (Sonstiger) Ehepartner 2, Steuerklasse 5: 684 Euro brutto, Steuern 66,08 Euro

Wir sehen: Das Geld für die Alleinerziehenden kommt nicht von einer anonymen Gruppe von Reichen, die unlauter an ihr Geld gekommen sind. Es wird den Familien genommen. Familien, die ihren Status auch ihren verantwortungsvollen Entscheidungen und ihrer eigenen harten Arbeit zu verdanken haben.

Eine Durchschnittsfamilie zahlt monatlich 435,14 Euro Steuern. Ein Durchschnittsalleinerziehender zahlt monatlich 51,00 Euro Steuern. Es braucht mehr als acht Alleinerziehende, um das Steueraufkommen einer Familie zu ersetzen.

Nimmt man an, dass die Mutter die Erziehung übernimmt, zahlt der Vater der Kinder als Single Mann 124,83 Euro Steuern. Eine Alleinerziehende Mutter und der getrennt lebende Vater zahlen gemeinsam 175,83 Euro Steuern. Es braucht fast 2,5 getrennt lebende Durchschnittsfamilien, um das Steueraufkommen einer Durchschnittsfamilie zu ersetzen.

Die Annahmen in dieser Kalkulation habe ich so gewählt, dass sie den geringsten Unterschied im Steueraufkommen nach sich ziehen: Die Beispielfamilie ist verheiratet und profitiert damit von Steuervorteilen. Bei der getrennt lebenden Durchschnittsfamilie habe ich die Steuerklasse 2 dem Partner mit dem geringen Einkommen zugewiesen, so dass hier mehr Steuern als nötig bezahlt werden.

In der Realität ist der Unterschied im Steueraufkommen also noch größer, da nicht alle Paare mit Kindern verheiratet sind und manche Alleinerziehende gemeinsam mit dem anderen Elternteil die Steuervorteile optimieren können.

Zusätzliches Problem könnte sein, dass es attraktiver ist getrennt zu leben, um Sozialleistungen zu bekommen. Wenn der Partner arbeitet kann das ein Motiv sein. Dazu kenne ich keine Zahlen, es ist aber auf jeden Fall ein Fehlanreiz zum Schaden der Kinder. Es macht schon einen Unterschied, als Familie beispielsweise 200 Euro über dem Hartz IV-Satz zu liegen (mit dem Einkommen des Partners) oder Mutter und Kind voll abgesichert zu haben über Hartz IV, während er nur (seine eigene) Miete zahlen muss.

Mit höheren Leistungen für Alleinerziehende – wie im ursprünglichen Artikel gefordert – macht man außerdem den Sozialleistungsbetrug attraktiver – also Paare, die tatsächlich zusammenleben, sie gibt ihn aber bei der Behörde nicht mit an und erhält sämtliche Vergünstigungen einschließlich Hartz IV, sein Einkommen ist komplett verfügbar. Wie dieser Artikel zeigt, wird dies wiederum hauptsächlich durch die Familien finanziert.

Fazit

Mein Gefühl, dass vor allem Familien die Alleinerziehenden finanzieren, wurde durch Fakten bestätigt. Es scheint keine öffentliche Debatte darüber zu geben, zumindest kenne ich keine. Es wird so getan, als seien die Mittel für soziale Wohltaten „da“, so als würden nicht Menschen dafür Leistung erbringen müssen.

Und oft bringen Familien Opfer, um hohe Einkommen erzielen zu können, etwa lange Pendelstrecken, Überstunden, Umzug in eine wirtschaftsstarke Region oder wochenlanger Einsatz auf Montage.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, zu welchen Transferleistungen Familien moralisch verpflichtet sind und welches Verhalten man von (zukünftig) Alleinerziehenden und ihren Sexualpartnern erwarten kann.

Schon sieben Prozent Überwachungsstaat – Lohngleichheitsgesetz und Gender Pay Gap

Es folgt ein Gastartikel von Jonas.

Wenn es einen toten Winkel gibt, der im Verdacht steht, unfeministische Unmoral zuzulassen, muss dieser ausgeleuchtet werden. In Zeiten des zunehmend autoritären Staatsfeminismus bedeutet das, dass ein Überwachungsstaat eingerichtet werden muss. Die Frauenquote war hierfür ein Anfang. Denn was braucht man, um zu garantieren, dass die gesetzlichen Frauenquoten in privaten Unternehmen durchgesetzt werden? Staatliche Kontrolle. Ein bisschen staatliche Kontrolle privater gesellschaftlicher Bereiche ist noch kein Überwachungsstaat. Aber viel und umfangreiche Kontrolle schon. Und auf diesem Weg befinden wir uns. Denn nun müssen sich die privaten Unternehmen wieder dem Auge des Staates entblößen und man sollte sich auf der Zunge zergehen lassen wofür. Für sieben Prozent irgendetwas.

Für sieben Prozent Steuerhinterziehung? Nein, das wäre ja noch halbwegs nachvollziehbar, denn das Geld gehört ja dem Staat. Für sieben Prozent zu wenig Feuerlöscher? Dafür würde man kein extra Gesetz erlassen, das die Unternehmensfreiheit weiter einschränkt, obwohl sieben Prozent Feuerlöscher zu wenig durchaus schlimme Folgen haben könnten. Nein, es handelt sich um sieben Prozent durchschnittlichen Lohnunterschied zwischen Frau und Mann, deren Ursache man nicht genau kennt und wo die Regierung vermutet, dass sie durch frauendiskriminierende Praktiken in den Unternehmen zustande kommen. Auch das, es sei klar und deutlich festgestellt, ist noch kein Überwachungsstaat. Aber das Lohngleichheitsgesetz, das neue Gesetz zur Beseitigung des bereinigten Gender-Pay-Gaps (bGPG) offenbart ein besorgniserregendes Verständnis von den Aufgaben und den Grenzen staatlicher Gewalt und zeigt damit: Der Überwachungsstaat wird kommen, denn wer vor der Frauenquote nicht zurückgeschreckt ist und danach noch eine zweite Salve auf die Unternehmensfreiheit abfeuert, der wird auch weitere nicht scheuen oder sogar für „überfällig“ halten. Dies eine Gesetz ist zwar nur ein kleines Mosaiksteinchen, das erst mal noch nicht viel anrichten wird, aber das Bild, das entstehen soll, ist schon ungefähr klar und weitere Steinchen werden folgen. Nun haben wir also für sieben Prozent irgendwas schon sieben Prozent Überwachungsstaat. Kurios übrigens, dass der feministische Staat durch das neue Lohngleichheitsgesetz nicht selber überwacht, sondern die Unternehmen verpflichtet, sich selbst zu überwachen und die Kosten für die dadurch entstehende Bürokratie selbst zu tragen. Das wäre so, wie wenn der DDR-Dissident die Wanze, die in seinem Wohnzimmer spioniert (weil die Stasi errechnet hat, dass eine siebenprozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass er Westradio hört) selbst kaufen und einbauen muss. Also liebe Frau Ministerin Schwesig, wie wäre es denn, wenn sie für ihre Marotten, die sie an den privaten Unternehmen auslassen, eine Ausgleichszahlung für den zusätzlichen Papierkram anbieten würden? Das wäre etwas lächerlich aber sehr gerecht.

Früher dachte ich immer, der Überwachungsstaat wird wegen der „Terrorabwehr“ eingeführt. Das wird er auch bestimmt, doch heute glaube ich, dass der feministische Überwachungsstaat noch schneller sein wird. Da wird heutzutage schon mal die gesamte (!) Privatwirtschaft unter den Generalverdacht des „Sexismus“ gestellt. Wie wär’s denn für 2020 mit Überwachungskameras in den Betrieben um „sexistische Kommentare“ und „Belästigung“ am Arbeitsplatz effektiv zu bekämpfen? Das Videomaterial muss von der Regierung und der Frauenbeauftragen des Unternehmens regelmäßig gesichtet werden. Ach so, und die Kameras muss natürlich der Arbeitgeber bezahlen, der kann das allen beschäftigten weißen heterosexuellen Männern dann vom Lohn abziehen, weil noch 0,7% bGPG übrig sind. Dann haben wir endlich Gerechtigkeit. Quatsch, sagen jetzt die sozialdemokratischen bis linksradikalen Gesellschaftsingenieurinnen und Gesellschaftsingenieure, ein bisschen Unfreiheit.. was soll schon passieren, es ist doch für eine gute Sache. Ein braves und fortschrittliches Unternehmen, das peinlich darauf achtet, genug Quotenfrauen vorweisen zu können und keinen statistisch erfassbaren bGPG zu erzeugen, hat ja schließlich nichts zu verbergen! Doch wer die Freiheit aufgibt um Gerechtigkeit herzustellen, wird am Ende beides verlieren. Abgesehen davon, dass „Gerechtigkeit“ hier Ansichtssache ist. Ist die Existenz eines bGPG denn überhaupt ungerecht?

Ich persönlich vermute, dass der bGPG hauptsächlich dadurch zustande kommt, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen etwas zurückhaltender sind und auch gar nicht die Absicht haben, maximalen Lohn aus ihrer Arbeit herauszuholen. Traditionellerweise sind ja nicht sie die Hauptverdiener der Familie, sondern der Ehemann. Desweiteren werden Frauen bei schweren körperlichen Arbeiten aus offensichtlichen Gründen vielleicht durchschnittlich weniger bezahlt, was im bGPG nicht unbedingt berechnet wird. Und auch bei nicht körperlichen Arbeiten wird die Leistung des einzelnen Mitarbeiters nun mal zum Glück nicht durch staatliche Statistik, sondern durch den Unternehmer bewertet. Wenn ein Unternehmer hierbei „politisch unkorrekt“ bewertet, muss man diese Entscheidung akzeptieren, anstatt den Unternehmer pauschal unter den Verdacht des „Sexismus“ zu stellen. Es kann ja einfach sein, dass Frauen halt durchschnittlich (durchschnittlich!) etwas weniger oder weniger wertvolle Leistung erbringen und sie dementsprechend bezahlt werden. Das wäre doch kein Weltuntergang. Vielleicht aber ist ein großer Teil dieser sieben Prozentpunkte tatsächlich durch echte Diskriminierung bedingt. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon? Niemand, denn die sieben Prozent sind ja nicht umsonst durch die Statistik nicht erklärt. Kann und muss man so was überhaupt wissen? Ist das nicht eigentlich ziemlich alberne Erbsenzählerei? Die These jedenfalls, dass das alles „Sexismus“ ist, der so fies und verheerend ist, dass der Staat gleich die Unternehmensfreiheit (die ein Grundrecht ist) beschneiden muss um ihn zu bekämpfen, ist
jedenfalls sehr gewagt. Aber warum denken Regierung und Öffentlichkeit so? Weil sie eine
paranoide Angst vor der Sünde des Sexismus haben. Weil ihnen die eigene Moral höher steht, als die Wirtschaftsfreundlichkeit, die politische Vernunft, die Freiheit und letztendlich das Grundgesetz. Und weil sie dumme Materialisten sind, den der Unterschied, ob sie nur einen Flachbildfernseher oder einen Flachbildfernseher mit Sky-Abo haben, äußerst wichtig und hochpolitisch ist. Kurz: Weil sie fortschrittliche Mainstream-Staatsfeministen sind.

Gastartikel: Leszek darüber, wie eine echte Ungleichheits- und Diskriminierungsforschung aussehen kann

In der Diskussion über Insektionalität antwortet Leszek auf Mark E. Smith. Das kann man wieder 1:1 zitieren und zu einem Gastartikel machen:

Ich bin, was die Möglichkeit der Entwicklung von tatsächlich wissenschaftlichen Alternativen zur heute dominierenden ideologischen Intersektionalitätsforschung optimistischer als du.

Erstmal denke ich, dass es für eine wirklich empirische Ungleichheits- und Diskriminierungsforschung unvermeidbar ist, sich auch mit Überschneidungen von Diskriminierungsformen und deren Auswirkungen zu beschäftigen, denn solche sozialen Phänomene existieren ja nunmal und es fällt daher zwangsläufig auch in den Aufgabenbereich einer empirischen Ungleichheitsforschung solche Dinge zu berücksichtigen.

Man kann ja nicht einfach sagen: Weil die heutigen postmodernen Intersektionalitäts“forscher“ überwiegend unwissenschaftlich zu diesem Thema arbeiten, sollten als Reaktion darauf reale soziale Phänomene in der Forschung einfach ignoriert werden.🙂
Die Alternative zu schlechter Forschung ist nicht keine Forschung, sondern bessere Forschung, denke ich.

Ich gebe mal ein Beispiel, das männerrechtlich relevant ist:
Es liegen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen vor, die belegen, dass Jungen in heutigen deutschen Schulen bei gleichen Leistungen im Schnitt schlechtere Noten erhalten als Mädchen. Hierbei haben wir es also gemäß der Befunde mit Diskriminierung zu tun.

Es gibt des Weiteren auch Forschungsbefunde, die zu dem Ergebnis kommen, dass Schüler beiderlei Geschlechts aus der Unterschicht bei gleichen Leistungen seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten als Schüler aus höheren sozialen Schichten. Auch dies ist gemäß der Befunde ein kritikwürdiges Diskriminierungsphänomen.

Wenn wir feststellen wollen, welche Gruppen von Schülern von Bildungsdiskriminierung besonders stark betroffen sind, werden wir nicht darum herumkommen, diese beiden Forschungsbefunde nicht nur isoliert zu betrachten, sondern auch zueinander in Beziehung zu setzen – und damit gelangen wir automatisch zur Intersektionalität.
Setzen wir beide Befunde zueinander in Beziehung wird deutlich, dass Jungen aus der Unterschicht im Schnitt besonders stark von Bildungsbenachteiligung betroffen sind, weil bei ihnen beide genannten Aspekte zusammenkommen.

Immer vorausgesetzt, dass die entsprechenden Forschungsbefunde fundiert sind, kann eine wissenschaftlich ausgerichtete Ungleichheitsforschung ein solches Überschneidungsphänomen nicht ignorieren, sie hat die Realität so wirklichkeitsgetreu abzubilden wie möglich, einschließlich der Überschneidungen von Diskriminierungen, wo es solche gibt.

Und auch die Männerrechtsbewegung als Anti-Diskriminierungsbewegung, die sich mit Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind, befasst, kann ein solches Phänomen m.E. nicht ignorieren.

Die meisten Kritikpunkte, die du benennst, betreffen ja Dinge wie klare Definitionen von Begriffen, begründete Auswahl von Strukturkategorien und Begründung der Auswahl von Forschungskontexten. Das sind alles wichtige Dinge, aber ich kann nicht erkennen, dass eine empirisch ausgerichtete Ungleichheitsforschung dies grundsätzlich nicht leisten könnte. Recht hast du natürlich damit, dass empirische Intersektionalitätsforschung umso schwieriger wird, je mehr Strukturkategorien man einbezieht.

Das Intersektionalitätsmodell von Nina Degele und Gabriele Winker, auf dass du ansprichst, beurteile ich übrigens auch etwas positiver als du. Zwar ist dieses Modell noch weit von dem entfernt, was mir vorschwebt, aber ich halte es für ausbaufähig und einen Schritt in die richtige Richtung.
Winker und Degele vertreten übrigens im Gegensatz zum Mainstream der Gender/Queer-Szene formal nicht das oben von mir kritisierte Prinzip der dogmatischen Schließung, d.h. sie sagen nicht, Diskriminierungen könne es immer nur auf einer Seite geben. Allerdings bleibt dies bei ihnen leider ein Lippenbekenntnis, in der Praxis werden keine ernsthaften Konsequenzen aus dieser Sichtweise bei ihnen gezogen, so dass sie letztendlich dann leider doch im politisch korrekten Paradigma verbleiben.

Trotzdem ist ein Teil der Ideen, die Degele und Winker in ihrem Buch „Intersektionalität – Zur Analyse sozialer Ungleichheiten“ für die Forschungspraxis formulieren m.E. interessant und anregend, daher würden ich ihren in dem Buch dargestellten Ansatz – bei aller berechtigten und notwendigen Kritik an ihrer Befangenheit hinsichtlich einigem typischen gender/queer-feministischem PC-Nonsens – nicht in Bausch und Bogen verwerfen. Ich halte ihren Intersektionalitäts-Ansatz also, wie gesagt, für das, was mir vorschwebt, keinesfalls für ausreichend, aber z.T. für potentiell ausbaufähig.

Auch dass Winker und Degele überhaupt auch die Strukturkategorie „Klasse“ berücksichtigen, ist für Gender/Queer-Kreise nicht selbstverständlich. Meistens spielt für deren Sichtweisen die Kategorie „Klasse“ keine Rolle mehr, diese Kategorie ist im Mainstream der politisch korrekten postmodernen Linken quasi „rausgefallen“.

Ich denke, dass eine tatsächlich wissenschaftliche Intersektionalitätsforschung in ihrer Forschungspraxis und Theoriebildung vor allem sehr viel kontextspezifischer agieren muss.
Es darf, wie oben dargestellt, nicht mehr darum gehen, bestimmte Gruppen einseitig als diskriminiert und andere einseitig als privilegiert zu labeln, sondern es sollte m.E. darum gehen, ergebnisoffen zu forschen, ob und inwieweit IN BESTIMMTEN SOZIALEN KONTEXTEN Diskriminierungen und Überschneidungen von Diskriminierungen vorhanden sind – ohne diese dann undifferenziert auf andere Kontexte zu generalisieren.

So könnte man z.B. bei einer Intersektionalitätsforschung nach meinen Vorstellungen ein Forschungsprojekt in der gender/queer-feministischen Subkultur machen, um herauszufinden, welche Einstellungen zu weißen, heterosexuellen Männern dort verbreitet sind und wie sich diese manifestieren. Ich würde vermuten, dass das Zusammentreffen der drei Strukturkategorien Hautfarbe, Geschlecht und sexuelle Orientierung im Sinne von weiß, männlich und heterosexuell in der gender/queer-feministischen Subkultur Bezugspunkt einer signifikanten und sich intersektional verstärkenden Diskriminierung ist, d.h. also: ich vermute, dass die gender/queer-feministische Subkultur ein sozialer Kontext ist, in dem sich eine Diskriminierung weißer, heterosexueller Männer wahrscheinlich ganz konkret wissenschaftlich nachweisen ließe.

Zweitens sollte m.E. auch die zeitliche Dimension bei Diskriminierungen stärker beachtet werden, es müsste also in gewissen zeitlichen Abständen immer wieder geprüft werden, ob bestimmte festgestellte Diskriminierungen und Überschneidungen von Diskriminierungen immer noch existieren bzw. immer noch in gleichem Ausmaß existieren. Einmal empirisch festgestellte Diskriminierungen könnten ja z.B. 20 Jahre später potentiell behoben oder zumindest signifikant verbessert sein und dies müsste dann auch berücksichtigt werden.

Drittens sollte m.E. stärker berücksichtigt werden, dass nicht alle sozialen Ungleichheiten zwangsläufig auf Diskriminierung beruhen.
Unterschiedliche durchschnittliche geschlechtsspezifische gesellschaftliche Verteilungen können z.B. auch auf unterschiedliche durchschnittliche Präferenzen von Frauen und Männern zurückgehen.
Oder wenn bestimmte Migrantengruppen im Schnitt häufiger in den unteren sozialen Schichten zu finden sind, so kann auch eine für moderne Gesellschaften dysfunktionale prämodern-autoritäre Sozialisation, die wenig Wert auf Bildung legt, potentiell einen signifikanten Beitrag hierzu leisten.

Solche alternativen Erklärungsansätze dürfen m.E. nicht mehr von vornherein ausgeblendet werden, weil sie dem PC-Paradigma widersprechen, sondern müssen ebenso in eine ergebnisoffene Forschung einbezogen werden.

Meta (ab jetzt wieder Graublau)

Die Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem, welche Leszek anspricht, ist das Leib- und Magenthema von Lucas Schoppe, der dazu zahlreiche Artikel veröffentlicht hat, zuletzt etwa Der WDR und der Hass auf Jungen. Immer wieder erschütternd zu lesen, wie Erwachsenen den Jungen selbst die Schuld an ihren Schwierigkeiten geben!

Zum Bloggen generell: Ich werde demnächst höchstwahrscheinlich eine Pause einlegen, weil ich keinen regelmäßigen Internetzugang haben werde. Wenn es trotzdem klappt, schön, ansonsten bis Mitte Januar!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es um Schule geht: Die sollte hoffentlich inzwischen aus sein…

Alice Cooper: School’s Out (live)

Gastartikel: Leszek über Intersektionalität

Es ist mal wieder passiert: Bei „Alles Evolution“ schrieb Leszek einen Kommentar, der sich 1:1 als lesenswerter Artikel übernehmen läßt. Solche Hinweise sollten leichter wiederzufinden sein!

Letzten Endes erklärt Leszek, wie sich das Feindbild weißer Mann und die Rangliste der Privilegien entwickeln konnten. Arne Hoffmann kann sich hingegen auf die Schulter klopfen, denn in seinem Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ hat er genau die nach allen Seiten offene Intersektionalität beschrieben, die Leszek hier als noch ausstehenden Fortschritt beschreibt – und die auch einleuchtend ist.

Ab jetzt O-Ton Leszek:

Man muss die Durchsetzung der heutigen Intersektionalitätsmodelle m.E. ideengeschichtlich betrachten. Diese Modelle erscheinen uns heute mit guten Gründen als unterkomplex und schädlich, aber sie haben sich ideengeschichtlich in Folge einer linken Kritik an theoretischen Modellen herausgebildet, die noch unterkomplexer waren.

Die Idee der Intersektionalität entstand ideengeschichtlich in Folge einer – in meiner Augen berechtigten und notwendigen – linken Kritik an in den 70er Jahren bekannten theoretischen Modellen, die als ungerecht angesehene Ungleichheitsverhältnisse im Kontext von Hauptwiderspruchs/Nebenwiderspruchsmodellen zu fassen versuchten.

Diesbezüglich gab es zwei bekannte Modelle:

– Ein klassisch-marxistisches Hauptwiderspruchs/Nebenwiderspruchsmodell, welches ökonomische Klassenkonflikte als Hauptwiderspruch deutete und alle anderen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung als Nebenwidersprüche verstand, die sich mehr oder weniger automatisch mitauflösen würden, wenn der Hauptwiderspruch Klassenherrschaft beseitigt wäre.

– Mit diesem klassisch-marxistischen Modell konkurrierte insbesondere ein im Radikalfeminismus der 70er Jahre verbreitetes alternatives Haupt/Nebenwiderspruchsmodell, welches gerade nicht Klassenverhältnisse, sondern stattdessen als patriarchalisch interpretierte Geschlechterverhältnisse als Hauptwiderspruch deutete und wiederum alle anderen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung, einschließlich der ökonomischen Klassenbeziehungen, zu Nebenwidersprüchen reduzierte, die sich mehr oder weniger automatisch mitauflösen würden, wenn erstmal das Patriarchat beseitigt würde.

Dieses radikalfeministische Haupt/Nebenwiderspruchsmodell fand außerhalb des Feminismus aber keinerlei Unterstützung und Anerkennung, ja es führte sogar zu einer zunehmenden Isolierung des Radikalfeminismus von der politischen Linken, denn keine linke Strömung zeigte irgendeine Bereitschaft ihre eigenen theoretischen Grundlagen oder jeweiligen Arbeitsschwerpunkte dem klassischen Radikalfeminismus unterzuordnen. (Diese Isolierung war eine wichtige Vorausetzung dafür, warum sich radikale Feministinnen ursprünglich überhaupt auf die Idee der Intersektionalität eingelassen haben, der radikale Feminismus wäre bei Beharren auf einem feministischen Haupt/Nebenwiderspruchsmodell nämlich in immer stärkere Isolierung von der Linken geraten.)

Nun gerieten solche Haupt/Nebenwiderspruchsmodelle in den 70er und 80er Jahren zunehmend in die Kritik, ihnen wurde – m.E. berechtigt – vorgeworfen

– auf schlecht belegten historischen Theorien zu beruhen, nach denen sich alle vorhandenen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung historisch aus nur einer einzigen ursprünglichen Unterdrückungs-/Diskriminierungsform (z.B. Klassenherrschaft oder Patriarchat) entwickelt hätten

– dass sie die Relevanz der Analyse, Kritik und Bekämpfung anderer Unterdrückungs-/Diskriminierungsformen als derjenigen, die jeweils als Hauptwiderspruch gedeutet wurde, verschleiern würden, indem diese alle zu zweitrangigen Nebenwidersprüchen reduziert würden, dass die Anliegen anderer unterdrückter oder diskriminierter Gruppen dadurch abgewertet würden und die Beseitigung entsprechender Mißstände erschwert würde

– dass die Annahme, dass mit der Beseitigung des jeweiligen Hauptwiderspruchs sich alle anderen Formen von Unterdrückung/Diskriminierung automatisch wie von Zauberhand mitauflösen würden, wohl kaum eine realistische und begründete Auffassung darstellt.

Als Alternative zu Haupt/Nebenwiderspruchsmodellen wurde die Entwicklung von theoretischen Modellen zur Konzeptualisierung von Herrschafts- und Diskriminierungsformen gefordert, in denen diese sowohl in ihrer jeweiligen relativen Eigenständigkeit als auch in ihrer spezifischen Verwobenheit mit anderen Herrschafts- und Diskriminierungsformen erfasst würden, ohne dabei einen Hauptwiderspruch vorauszusetzen und ohne, dass bestimmte Unterdrückungs-/Diskriminierungsformen in letzter Instanz auf andere reduziert und dadurch in ihrer Relevanz abgewertet würden.
Da Haupt/Nebenwiderspruchsmodelle m.E. in der Tat unrealistisch und dysfunktional sind, war dies erstmal auch ein sinnvoller theoretischer Fortschritt.

Dies war die Basis für die Entwicklung von Intersektionalitätsmodellen. Hierbei setzte sich nun leider eine DOGMATISCHE SCHLIEßUNG nach einer Seite hin bei der Konzeptualisierung von Diskriminierungen durch und diese wurde durch poststrukturalistische Theorien unterfüttert.
Wie ich schon mehrfach erklärte, („Was ist Political Correctness?“ und „Nutzt die postmoderne Political Correctness den neoliberalen ökonomischen Herrschaftseliten?„) wurden Diskriminierungen so konzeptualisiert, dass einer Seite stets der Status der Norm und der anderen Seite der Status der Abweichung oder Ableitung von der Norm zugewiesen wurde, die eine Seite wurde als allgemein privilegiert konstruiert, die andere Seite hingegen als allgemein diskriminiert.
So kam es zur Entstehung von spezifischen Norm-Feindbildern (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich) und denjenigen Gruppen, denen der Status der Norm zugeordnet wurde, wurde abgesprochen, dass sie Bezugspunkte von Diskriminierung sein könnten.

Anstatt also ergebnisoffen zu forschen, welche Privilegien und Diskriminierungen es jeweils auf allen Seiten gibt und zu versuchen alle realen Diskriminierungen auf allen Seiten zu beseitigen, wurde aufgrund der dogmatischen Schließung nach einer Seite hin einfach vorausgesetzt, Diskriminierung gebe es immer nur auf einer Seite.

Dies führt dazu, dass viele reale Diskriminierungen, Benachteiligungen und soziale Problemlagen in diesen einseitigen Modellen aus dem Blickfeld gerieten, z.B.:

– die zahlreichen Diskriminierungen und sozialen Problemlagen, von denen Jungen und Männer betroffen sind:

www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

– die sozialen Problemlagen der weißen Unterschicht in den USA:

www.jacobinmag.com/2011/01/let-them-eat-diversity/

– Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen gegenüber Christen in mehreren nicht-westlichen Ländern (auch, aber nicht nur in islamischen Ländern).

Nicht, dass Intersektionalitätsmodelle die Überschneidungen von Diskriminierungen untersuchen, ist das Problem, sondern die dogmatische Schließung der zeitgenössischen Intersektionalitätsmodelle nach einer Seite hin, die eine realistische und kontextspezifisch angemessene Erfassung von Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen auf allen Seiten unmöglich macht und damit eine tatsächliche empirische Diskriminierungsforschung und Ungleichheitsforschung wesentlich verhindert.

Die heutigen Intersektionalitätsmodelle haben sich also ideengeschichtlich als Resultat einer berechtigten Kritik an den unterkomplexen Haupt/Nebenwiderspruchsmodellen der 70er Jahre entwickelt, sind aber leider selbst zu unterkomplex.

Der nächste notwendige theoretische Schritt muss also darin bestehenden die dogmatische Schließung nach einer Seite hin zu beseitigen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bevor die Diskussion in den Kommentaren auf Marx gelenkt wird, bringe ich den lieber gleich in der Popkultur.

Richard Marx: Right Here Waiting

Gastartikel: djadmoros zum Abdriften des Feminismus ins Narzisstische

In einem Kommentar reagiert djadmoros auf den gestrigen Artikel, in dem ich ausführlich Lucas Schoppe zitiert habe. Diesen Kommentar möchte ich im folgenden ungekürzt als Gastartikel wiedergeben:

Die biografische Ebene eines Bekenntnis zum Feminismus ist für mich unter vielen Umständen gut nachvollziehbar.

Schoppe benennt aber auch den Angelpunkt, an dem eine nachvollziehbare persönliche Betroffenheit fließend in den Narzissmus übergeht:

»Feminismus wird hier eigentlich gar nicht als politische Bewegung oder als Set politischer Positionen wahrgenommen, die offen kritisiert werden können – sondern als dringend notwendiger Teil der eigenen Biographie. Wer den Feminismus angreift, greift damit in ihrer Wahrnehmung die Biografie und das Leben dieser Frauen an«

Auf der biografischen Ebene ist Feminismus eine individuelle Problembewältigungsstrategie. Entscheidend ist, dass ich mir selbst zutraue, die Herausforderungen, die sich mir in meinem Leben stellen, sozusagen mit »Bordmitteln« bewältigen zu können, indem ich bestimmte Einstellungen und Sichtweisen auf die Welt pflege. Darum gibt es auch keinerlei notwendige Verbindung zwischen einer persönlichen, feministisch geprägten Emanzipation und staatlichen Maßnahmen wie einer Frauenquote.

Einer der »Urtexte« der neuen Frauenbewegung, Betty Friedans »Der Weiblichkeitswahn« von 1963, zeigt ziemlich deutlich, dass die feministischen Frauen dieser Generation gerade keinen harten Restriktionen ihrer Lebensführung mehr unterliegen, sondern, »weichen« kulturellen Erwartungen, die auch kein patriarchales »Original« mehr darstellen, sondern einen restaurativen Zeitabschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg, der hinter das zurückfällt, was Frauen zwischen 1920 und 1945 bereits erreicht hatten. Auch die von Schoppe genannten Beispiele betreffen solche »weichen« Restriktionen.

Die Drift ins Narzisstische beginnt, wenn ich entweder meine persönlichen Herausforderungen für einzigartig und inkommensurabel zu halten beginne, oder wenn der objektive Grad einer Repression von Frauen aus politischen Gründen ins Unermeßliche und prinzipiell Inkommensurable aufgebläht wird. Viele Frauen, für die Feminismus eine biografische Strategie darstellt, haben die Abdrift des institutionalisierten Feminismus ins Narzisstische und Totalitäre gar nicht mitbekommen – was auch für viele Männer gelten dürfte, die ihr feministisches Bekenntnis als eine Art Solidarität auf biografischer Ebene sehen: man unterstützt Frauen in ihrer Weltsicht in der Erwartung, sie dadurch in ihrer Eigenkompetenz zu bestärken.

Die Verwandlung einer biografischen Strategie in einen gesellschaftlich herrschenden Diskurs (die im Radikalfeminismus immer schon parallel lief, der aber erst mit Zeitverzögerung der Durchbruch zur hegemonialen Ideologie gelungen ist) hatte nun zur Folge, dass eine weitere Generation von Frauen, die nicht einmal mehr Anlass zur biografischen Beschwerde hat, im Kontext einer Ideologie sozialisiert wurde, die das alte Märchen von der umfassenden Unterdrückung der Frau unter anachronistischen Rahmenbedingungen weitererzählt.

Diese Frauen bekommen die Einladung, ihre persönlichen Probleme zu narzisstischer Übergröße aufzublasen, auf dem Silbertablett serviert – und da die institutionalisierten feministischen Kader (wie jede Bürokratie) ein Interesse an der Reproduktion und Ausweitung ihrer Zuständigkeiten haben, ist diese Einladung zudem eine Aufforderung, die mit der Sanktion bewehrt wird, andernfalls nicht als moderne, emanzipierte Frau zu gelten.

Hinter dieser Fassade hat sich die historische Kraft des Feminismus jedoch mittlerweile erschöpft, und die Bewegung steuert dem intellektuellen Bankrott entgegen. Kluge Feministinnen können diese Differenzierung zwischen biografischer Strategie und etablierter Ideologie nachvollizehen. Den anderen kann man den Angriff auf ihre narzisstische Selbstwahrnehmung, welche vom Angriff auf die Ideologie impliziert wird, leider nicht ersparen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Sich für den Nabel der Welt zu halten, wie es bei Narzissten der Fall ist, ist ja nun kein schöner Zug. Zum Thema „der Nabel der Welt“ gibt allerdings ein schönes Lied…

Jovanotti: L’ombelico del mondo

Gastartikel: Nutzt die postmoderne Political Correctness den neoliberalen ökonomischen Herrschaftseliten?

Nachdem sich Leszek schon zu Political Correctness geäußert hatte, erläuterte er in einem weitereren Kommentar genauer, warum aus seiner Sicht die postmoderne Political Correctness den „Interessen der ökonomischen und politischen Herrschaftseliten“ nütze. Erneut hat das einen eigenen Artikel verdient, denn unabhängig davon, ob man seine politische Einstellung oder Sicht auf die Welt teilt, sind seine Ausführungen sehr lesenswert geschrieben.

Die postmoderne Political Correctness nutzt Großkapitalisten und Superreichen m.E. in vielerlei Hinsicht und dies wurde von anderen Kommentatoren und mir ja auch bereits an anderer Stelle mehrfach dargestellt und begründet.

Im Folgenden seien ein paar Aspekte hierzu kurz wiederholt:

– Die politisch korrekte postmoderne linke Strömung hat für die ökonomischen Herrschaftseliten den gewaltigen Vorteil, dass sie sich für Kritik der politischen Ökonomie, Kapitalismuskritik/Antikapitalismus und Klassenkampf in der Regel wenig interessiert. Solche für klassisch linke Strömungen zentrale Themen spielen für politisch korrekte postmoderne Linke in der Regel entweder keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die politisch korrekte postmoderne Linke befasst sich stattdessen mit spezifischen (Anti-)Diskriminierungsthemen auf Grundlage einer m.E. einseitigen und falsch angelegten (Anti-) Diskriminierungstheorie.
Je einflussreicher die politisch korrekte postmoderne linke Strömung innerhalb der gesamten Linken wird, desto mehr verlagert sich der Schwerpunkt der gesamten Linken weg von ökonomischen, kapitalismuskritischen, klassenkämpferischen Themen, hin zu spezifischen (Anti-)Diskriminierungsthemen, die gemäß einer einseitigen und beschränkten Perspektive angegangen werden.
Auf diese Weise wird eine Linke produziert, die für ökonomische Probleme und Entwicklungen, Strukturen und Auswirkungen des kapitalistischen Systems und die Ziele und das Wirken ökonomischer Herrschaftseliten weitgehend blind sind. Der Vorteil für die ökonomischen Eliten liegt auf der Hand: Durch die Transformation der klassischen Linken zu einer politisch korrekten Linken fällt die Linke als ursprünglich größter Gegner der ökonomischen Herrschaftseliten zunehmend aus.

– Nicht nur stellt die politisch korrekte postmoderne Linke aufgrund ihres weitgehenden Desinteresses an ökonomischen, kapitalismuskritischen und klassenkämpferischen Themen keinen ernsthaften Gegner für die ökonomischen Herrschaftseliten mehr dar, sie agiert außerdem im Gegensatz zu klassischen Strömungen der radikalen Linken, die neben konkreten sozialen und ökonomischen Verbesserungen im Hier und Jetzt in letzter Instanz auch eine grundlegende Gesellschaftsveränderung anstrebten, hinsichtlich der von ihr angestrebten Ziele systemkonform. Die von der politisch korrekten postmodernen Linken angestrebte Beseitigung vermeintlicher oder tatsächlicher Diskriminierungen als wesentliches Ziel ist potentiell innerhalb des bestehenden kapitalistischen Systems möglich und setzt keine grundlegende gesellschaftliche Transformation von gesellschaftlichen Strukturen voraus. Die politisch korrekte postmoderne Linke benötigt für die Erreichung ihrer wesentlichen Ziele keine grundlegende gesellschaftliche Veränderung oder gar soziale Revolution, die von ihr geförderten Gruppen sind keine revolutionären Subjekte.
Je mehr Einfluss die politisch korrekte postmoderne Linke innerhalb der gesamten Linken gewinnt, desto mehr verlagert sich die Perspektive der gesamten Linken weg von grundlegenden Alternativen zur bestehenden staatlich-kapitalistischen Herrschaftsordnung oder gar sozial-revolutionären Perspektiven hin zum Anstreben einer – aus postmodern-linker Sicht – besseren Integration bestimmter vermeintlich oder tatsächlich diskriminierter Gruppen innnerhalb der bestehenden Ordnung.
Auch hier liegt der Vorteil für die ökonomischen Herrschaftseliten auf der Hand: Das bestehende staatlich-kapitalistische System selbst wird weniger kritisch analysiert und in Frage gestellt, der zunehmende Einfluss der politisch korrekten postmodernen Linken innerhalb der gesamten Linken impliziert den Abschied der Linken von grundlegender Gesellschaftskritik, Alternativen zum Bestehenden und sozialer Revolution.

– Je mehr Personen mit politisch korrekt-postmodernen Einstellungen, Werten und Normen in andere linke Strömungen und deren Arbeitsschwerpunkte eindringen, desto mehr entfremden sich diese klassisch-linken Strömungen und Gruppen der Mehrheitsbevölkerung. Nehmen wir mal folgendes Beispiel: Ein paar Leute mit postmodern-politisch-korrekten Einstellungen werden Mitglieder innerhalb einer gewerkschaftlichen Gruppierung oder innerhalb einer linken Gruppierung im Spektrum der Neuen Sozialen Bewegungen. Ab diesem Zeitpunkt werden nun alle alten und neuhinzustoßenden Personen im Kontext dieser Gruppierung mit den „Segnungen“ des politisch korrekten postmodernen Denkens vertraut gemacht und ihnen wird klar gemacht, was sie nun zu erwarten haben: „Geschlechtssensible Sprache“ und andere Sprachumerziehungsmaßnahmen, Privilegienreflektionen, Definitionsmacht, Mikro-Aggressionen, politisch korrektes Sexualverhalten, d.h. Sex nach dem Konsensprinzip usw.
Der Effekt dürfte klar sein: Die Mehrheitsbevölkerung wird massiv abgestoßen, kein Arbeiter bzw. Bürger (Bürger hier gemeint im Sinne von Citoyen, nicht von Bourgeois), der halbwegs alle Tassen im Schrank hat, wird ein Interesse daran haben, längerfristig in einer solchen Gruppe mitzuarbeiten.
Auch hier liegt der Vorteil für die ökonomischen Herrschaftseliten auf der Hand: Je größer der Einfluss der politisch korrekten postmodernen Linken innerhalb der gesamten Linken wird, desto mehr entfremdet sich die Linke der Mehrheitsbevölkerung, wird die Linke zu einer für den „Normalbürger“ und Arbeiter unnachvollziehbaren und abstoßenden Psycho- und Politsekte, die mit den realen sozialen Problemlagen, Ängsten und Interessen der Menschen nichts mehr zu tun hat und als Vertretung für sie nicht mehr in Frage kommt.

– Die theoretische Grundlage der einseitigen und falsch angelegten (Anti-)Diskriminierungstheorie der politisch korrekten postmodernen Linken beruht darauf, stets einer Gruppe den Status der Norm zuzuweisen und einer anderen Gruppe den Status der Abweichung oder Ableitung von dieser Norm, so dass die erste Gruppe dann als privilegiert und die zweite als diskriminiert konstruiert wird. Dabei wird kein Wert darauf gelegt gründlich zu prüfen, ob diese einseitigen Zuweisungen eines entweder privilegierten oder diskriminierten Status überhaupt zutreffend sind – in mehreren Fällen erweisen sich diese Zuweisungen bei genauerer Prüfung als falsch – es geht in keiner Weise darum objektiv festzustellen, inwieweit auf jeder der beiden Seiten Diskriminierungen und Privilegierungen bestehen und dann alle vorhandenen Diskriminierungen auf allen Seiten zu beseitigen.
Aus dieser einseitigen Perspektive haben sich nun bestimmte politisch korrekte Norm-Feindbilder herausgebildet, z.B.: männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich. Das politisch korrekte Feindbild des weißen, heterosexuellen Mannes, in dem verschiedene dieser Norm-Feindbilder zusammenfallen, ist ein direktes Resultat dieser falsch angelegten Form von Analyse.
Dieser fehlkonzipierte (Anti-)Diskriminierungsansatz trägt z.B. dazu bei, dass Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen von denen Jungen und Männer betroffen sind, obwohl vielfach vorhanden, nicht wahrgenommen, sondern ignoriert werden

http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

http://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

oder, dass – wie der US-amerikanische linke Kritiker der postmodernen Political Correctness Walter Benn Micheals erwähnt – ein großer Teil der zeitgenössischen US-amerikanischen Linken die Armut und die sozialen Problemlagen der weißen Unterschicht ignorieren:

https://www.jacobinmag.com/2011/01/let-them-eat-diversity/

Des Weiteren begünstigt der falsch angelegte (Anti)Diskriminierungsansatz der politisch korrekten postmodernen Linken mit seiner Identitätspolitik und seinen albernen Norm-Feindbildern gesellschaftliche Spaltungen. Anstatt zu versuchen die Menschen im gemeinsamen Widerstand gegen die gesellschaftlichen Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen und gegen die Herrschaftsinteressen der ökonomischen und politischen Eliten zu vereinen, wie es die klassische Linke versuchte, werden verschiedene Teile der Bevölkerung gegeneinander ausgespielt: Frauen gegen Männer, Homosexuelle gegen Heterosexuelle, Nicht-Weiße gegen Weiße usw.
Auch hier liegt der Vorteil für die ökonomischen Herrschaftseliten auf der Hand: Die postmoderne Political Correctness führt mit ihren Norm-Feindbildern und ihrer Identitätspolitik, die dann wiederum Gegenreaktionen hervorrufen, zu Konflikten und Spaltungen innerhalb der Bevölkerung, fungiert also als eine Teile-und Herrsche-Strategie für die ökonomischen Herrschaftseliten und sichert deren Herrschaft und die Verfolgung ihrer Macht- und Profitinteressen, da die neoliberalen ökonomischen Eliten von einer gespaltenen Bevölkerung keinen großen Widerstand zu erwarten haben.

Dabei geht es mir persönlich nun nicht darum, dass die Linke sich ausschließlich auf Kapitalismuskritik, Ökonomie und Klassenkampf konzentrieren sollte und das Thema (Anti-)Diskriminierung keine Rolle innerhalb der Linken spielen sollte. Beides – Kritik der politischen Ökonomie und Anti-Diskriminierung – sind an sich legitime Themen der Linken, es geht mir darum, dass der politisch korrekte postmoderne (Anti-)Diskriminierungsansatz unwissenschaftlich, ungerecht und schädlich ist und deshalb verworfen werden sollte.

Stattdessen braucht es einen neuen, aktualisierten, tatsächlich wissenschaftlichen und um Objektivität bemühten (Anti-)Diskriminierungs-Ansatz, der das postmoderne Paradigma von Norm und Abweichung/Ableitung völlig hinter sich lässt und stattdessen ausgehend von einer humanistisch-universalistischen und integral-antisexistischen Perspektive, die nicht mit zweierlei Maß misst, stets auf allen Seiten sorgfältig prüft, ob und inwieweit Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen jeweils vorhanden sind und was getan werden kann, um diese zu beseitigen ohne dabei in Diskriminierungen einer anderen Gruppe zu verfallen und frei von den Einseitigkeiten, Übertreibungen und Verrücktheiten der postmodernen Political Correctness wie irrationale Sprachumerziehungsmaßnahmen, Privilegienreflektionen, Definitionsmacht, Mikro-Aggressionen, politisch korrektes Sexualverhalten, Kulturrelativismus, Norm-Feindbilder, Identitätspolitik usw.
Es sollte stets Wert darauf gelegt werden, dass mit (Anti-)Diskriminierungsthemen auf eine Weise umgegangen wird, die weder zu einer Entfremdung der Linken von der Mehrheitsbevölkerung führt, noch die Klassensolidarität spaltet. Dann wäre linke Anti-Diskriminierung kein neoliberales Spaltungsinstrument mehr, würde den Klassenkampf nicht mehr behindern und die Linke könnte wieder zu einer konstruktiven politischen Kraft werden.

Die zeitgenössische politisch korrekte postmoderne Linke steht mit ihren gesellschaftlichen Auswirkungen im Einklang mit wesentlichen Interessen der neoliberalen ökonomischen Eliten und wird daher von diesen gehätschelt und großgezogen.
Wenn es die postmoderne Political Correctness nicht gäbe, müssten Großkapitalisten und Superreiche sie erfinden! Vielleicht haben sie das ja auch – falls nicht, so sind sie jedenfalls an der Förderung dieser linken Strömung in ihrem eigenen Interesse stark interessiert.

Eigene Anmerkungen

Soweit Leszek. Dass mit pseudorelevantem Radau à la Identitätspolitik die wirklich wichtigen Themen wie gerechte Verteilung des Wohlstands verdeckt werden, halte ich für eine der wichtigsten Thesen überhaupt („Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren“). Dabei ist die Verteilungsfrage keineswegs genuin links; sie gehört vielmehr grundsätzlich zu einer Demokratie mit Marktwirtschaft. Die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen ist das ganz nüchterne volkswirtschaftliche Ziel der Wirtschaftspolitik.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es schon um Kapitalismus geht…

Die Ärzte: Opfer

Gastartikel: Was ist Political Correctness?

Ein weiteres Mal habe ich einen Kommentar von Leszek in einen Gastartikel umgewandelt, weil er sehr gut formuliert ist. In allen Punkten der Analyse muss man Leszek nicht zustimmen – nur halte ich gut geschriebene Texte immer noch für die beste Basis einer Diskussion.

Ich verwende den Begriff im Allgemeinen in zwei Bedeutungen, eine umfassende und eine speziellere.
Im umfassenden Sinne verstehe ich unter Political Correctness alle Versuche argumentfreie moralisierende Diskursstrategien für ideologische Zwecke zu nutzen, einschließlich damit verbundener Propagandalügen und damit verbundener jeweiliger spezifischer Theorien und Theorieelementen.

Bei Political Correctness geht es demnach nicht um rationale (ethische) Argumentation, sondern um die Herstellung irrationaler Über-Ich-Funktionen, es geht also darum Menschen argumentfrei ein „Du sollst“ bzw. ein „Du darfst nicht“ in den Kopf zu setzen, sowie darum, weltanschauliche Gegner mittels moralisierender Zuschreibungen argumentfrei öffentlich zu diskreditieren.
In dieser umfassenden Bedeutung kann es Formen von Political Correctness in jeder politischen Strömung geben, es existieren demnach linke, liberale und konservative/rechte Formen von Political Correctness. (Vieles, was sich im Spektrum speziell der rechten Kritik an der heute vorherrschenden Form linker Political Correctness findet, ist m.E. in Wahrheit ebenfalls eine Form von PC.)

Ein früher Kritiker jeder Form von Political Correctness, der neomarxistische Philosoph Theodor W. Adorno, bemerkte zu den negativen Folgen solcher Diskursstrategien (in dem Artikel „Zu der Frage: Was ist deutsch?“):

„Nicht wenige Fragen gibt es, über die ihre wahre Ansicht zu sagen, fast alle mit Rücksicht auf die Folgen sich selbst verbieten. Rasch verselbständigt sich eine solche Rücksicht zu einer inneren Selbstzensurinstanz, die schließlich nicht nur die Äußerung unbequemer Gedanken, sondern diese selbst verhindert.“

Und ein weiterer früher Kritiker jeder Form von Political Correctness, der neomarxistische Psychoanalytiker Wilhelm Reich, beschäftigte sich ausführlich mit der kritischen Analyse des negativen Einflusses irrationaler Über-Ich-Funktionen:

http://www.lsr-projekt.de/wrnega.html

Bezeichnenderweise ist eines der zeitgenössischen Standardwerke der linken Kritik am Radikalfeminismus und Gender-Feminismus von einer feminismuskritischen Marxistin in der Tradition von Wilhelm Reichs geschrieben worden:

Kerstin Steinbach: Rückblick auf den Feminismus: Von Anfang an eine Lüge gegen Gleichheit, Logik und sexuelles Vergnügen

Im engeren Sinne verwende ich den Begriff Political Correctness je nach Kontext auch für eine ganz bestimmte Variante der Political Correctness, nämlich die heute in westlichen Gesellschaften vorherrschende Form linker Political Correctness und damit verbundene Diskursstrategien, Propagandalügen und Theorien. Diese zweite Bedeutung entspricht weitgehend dem, worauf PC-Kritiker meistens abzielen, wenn sie von Political Correctness sprechen, nämlich die postmoderne Political Correctness und um eben die geht es auch in meinem Kommentar zu Critical Hetness/Knutschverbot. (Anpassung von Graublau: „oben verlinkten“ aus dem Text entfernt und dafür den Link selbst eingefügt)

Die postmoderne Political Correctness hat sich ideengeschichtlich wesentlich aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus entwickelt (siehe hierzu das ausgezeichnete Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt, auf das ich in meinem letzten Kommentar hinwies.) Ich bezeichne die postmoderne Political Correctness daher auch als Vulgär-Poststrukturalismus. Zur postmodernen PC bzw. zum Vulgär-Poststrukturalismus gehören Theorieströmungen wie Gender Studies, Queer-Feminismus, Critical Whiteness und postmoderner Multikulturalismus.

Die postmoderne Political Correctness beruht auf einer m.E. fehlkonzipierten und einseitig angelegten (Anti-) Diskriminierungstheorie, die stets so funktioniert, dass einer Gruppe der Status der „Norm“, einer anderen Gruppe stets der Status der Abweichung oder Ableitung von dieser Norm zugewiesen wird. Jene Seite, der der Status der Norm zugewiesen wurde, gilt dann als privilegiert und Unterdrücker, die andere Seite gilt als diskriminiert und unterdrückt.

Dabei geht es also in keiner Weise darum aus einer um Objektivität bemühten Haltung heraus AUF ALLEN SEITEN zu erforschen, wo jeweils Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen vorhanden sind, was die Ursachen dafür sind und wie diese beseitigt werden können.
Das postmoderne Paradigma von Norm und Abweichung/Ableitung legt stattdessen von vornherein fest, welche Gruppen den Status als diskriminiert erhalten und welche den als privilegiert. Dies erfolgt über Normzuschreibungen (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich), die dann für PC-Ideologen oft zu Feindbildern werden.
Die Mitglieder derjenigen Gruppen, denen der Status der Norm zugeschrieben wurde, werden dann u.a. zu „Privilegienreflektionen“ aufgefordert, in der Hoffnung, dass sie die entsprechenden Zuschreibungen dadurch verinnerlichen (was allerdings in der Praxis oft nicht funktioniert, sondern pädagogische Gegenteileffekte hervorruft, wie ich in dem verlinkten Kommentar ja erwähnte).

Die postmoderne PC ist außerdem mit bestimmten, oft irrationalen Sprachumerziehungsmaßnahmen verbunden, das resultiert ideengeschichtlich daraus, dass sich der Poststrukturalismus aus der strukturalistischen Sprachphilosophie heraus entwickelt hat und dazu neigt den Einfluss von Sprache massiv zu überschätzen. Entsprechend fallen PC-Ideologen der Mehrheitsbevölkerung gerne mit schwer nachvollziehbaren Sprachumerziehungsmaßnahmen und Sprachverkomplizierungen auf den Wecker.

Auf Kritik, und sei sie noch so sachlich und begründet, reagieren PC-Ideologen im Allgemeinen, indem Kritiker pauschal und undifferenziert als rechts, sexistisch, rassistisch, homophob usw. gebrandmarkt werden. Dabei bedienen sich PC-Ideologen gerne zweier Strategien der Entwertung von Begriffen, die für die politische Linke in analytischer und kritischer Hinsicht wichtig sind. Entweder werden Begriffe wie rechts, sexistisch, rassistisch, homophob usw. undifferenziert auf alles und jeden angewendet, der eine von der postmodernen PC-Ideologie abweichende Meinung vertritt oder es werden neue ausufernde Definitionen dieser Begriffe erfunden, die zwar rational nicht begründbar sind, aber entsprechende diskursstrategische Funktionen pseudowissenschaftlich legitimieren sollen (z.B. sexistisch ist, wer an durchschnittliche Geschlechtsunterschiede zwischen Frauen und Männern glaubt; rassistisch ist, wer den orthodox-konservativen Islam kritisiert; rechtsradikal ist, wer die postmoderne PC kritisiert, denn solchen Leuten geht es ja nur darum Privilegien und damit Ungleichheiten zu erhalten.)

Der von mir geschätzte linke Philosoph Jürgen Habermas verwendet die schöne Formulierung von der zwanglosen Kraft des besseren Arguments, die einem von ihm befürworteten herrschaftsfreien Diskurs als Leitbild dienen soll. Sowas ist mit PC-Ideologen aber leider nicht zu machen.

Die postmoderne PC bzw. der Vulgär-Poststrukturalismus kommt m.E. den Interessen der ökonomischen und politischen Herrschaftseliten in vielerlei Hinsicht entgegen, denn sie ist, wie in dem verlinkten Kommentar bereits erwähnt, gut dazu geeignet von Staats- und Kapitalismuskritik abzulenken, den Klassenkampf zu behindern, Menschengruppen gegeneinander auszuspielen, eine Teile-und-herrsche-Politik zu betreiben, die Linke der Mehrheitsbevölkerung zu entfremden, die Meinungsfreiheit einzuschränken, sexuelle Repression zu fördern und den Aufbau eines autoritären Staates zu begünstigen, daher wird die postmoderne PC m.E. von den ökonomischen und politischen Herrschaftseliten gefördert – allerdings nur solange die PC-Ideologen als nützliche Idioten brauchbar sind, ist erstmal jede wirksame linke Opposition lahmgelegt und ein autoritärer Staat etabliert, werden die PC-Ideologen von den neoliberalen Herrschaftseliten entsorgt werden.

Ich betrachte die postmoderne Political Correctness also wesentlich als neoliberales Herrschaftsinstrument.

Endes des Artikels – noch ein wenig meta

Entgegen meinen Erwartungen haben wir es geschafft, auch im Oktober jeden Tag einen Artikel zu veröffentlichen. Für die Resonanz war das sicher eine gute Sache! Der Artikel über Thomas Fischer und sjw-watch hat es sogar in ein Video geschafft (3:24-5:40):

MaMMoNMaGaZiN: SAFESPACE 23 – Gesammelter Femi-Müll vom 20.10.2016

Ebenfalls wurden in diesen Monat mehr Gastartikel per E-Mail eingereicht als vorher. Gerne weise ich dabei darauf hin, dass der Blogname bewusst gewählt wurde, um alle möglichen Sichtweisen präsentieren zu können. Wie es schon in der Anfangszeit dieses Blogs erwähnt wurde: Auch ein radikalfeministischer, genderfeministischer oder poststrukturalistischer Text hat hier seinen Platz (von generell feministischen mal ganz abgesehen, davon hatten wir schon welche).

Ich habe da keine Angst, was die freie Debatte angeht: Selbst wenn die Auslegung der groben Kommentarmoderationsregel „jeder moderiert unter seinen Artikel so stark oder wenig wie er will“ streng ausgelegt würde und die Kommentare unter einem Beitrag ganz geschlossen würden – am nächsten Tag könnte direkt ein neuer Artikel mit einer anderen Position zum selben Thema veröffentlicht werden, unter dem die Diskussion dann erst richtig losginge.

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass Kommentare nicht automatisch freigeschaltet wurden. Hier scheint WordPress übermotiviert zu sein; wessen Kommentare woanders als Spam markiert wurden, der scheint es auch hier im Blog schwerer zu haben. Die Option „ein Kommentar desselben Autor muss bereits freigeschaltet sein“ reicht entgegen der Dokumentation offenbar nicht aus.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die „politisch korrekte“ Version hatten wir schon, hier ist das Original:

Die Ärzte: Quark

Vom dummen, männlichen Wähler

Es folgt ein Gastartikel von Lion.

Nach Wahlen werden gerne Statistiken und Erkenntnisse der Wahlforscher veröffentlicht. Schon seit langen Jahren ist es üblich, danach zu schauen, in welchen Wahlkreisen die Parteien die meisten Stimmen einheimsten und welche Wählerwanderungen es zwischen den Parteien gab. Neuerdings wird jedoch auch größerer Wert darauf gelegt, die Wählerschaft anhand persönlicher/demographischer Kriterien zu zerlegen, nach der Fragestellung: „Wer wählt eigentlich Partei XYZ?“.

Vordergründig geht es dabei um das Informationsbedürfnis innerhalb der Gesellschaft, das damit befriedigt werden soll. Man sollte aber nicht vernachlässigen, wozu solche Veröffentlichungen außerdem genutzt werden können.

Neben einer rein quantitativen Wertung einer Wahl („Welche Partei erhielt wieviel Stimmen?“) wird durch die neue Betrachtungsweise unterschwellig eine qualitative Betrachtung ins Spiel gebracht – was dem Gleichheitsgrundsatz „eine Person – eine gleichwertige Stimme“ (egal, welches Geschlecht, welcher ethnischen Herkunft, welche Religionszugehörigkeit, welcher Intelligenzgrad, welcher Schulabschluss, welcher Beruf usw.) widerspricht. Statt es nach diesem demokratischen Grundsatz hinzunehmen, dass es jedem Wähler und jeder Wählerin selbst überlassen bleibt, die Entscheidung zur Stimmvergabe nach eigenem Gutdünken vorzunehmen, wird die Wählerschaft der gewollten Anonymität entrissen und anhand der Kriterien sortiert.

Dieses kann niemals wertfrei geschehen. Eine höhere Intelligenz/ein höherer Schulabschluss wird beispielsweise immer als „besser“ gesehen werden, als eine niedrigere Intelligenz oder ein geringerer Schulabschluss. „Jung“ gilt immer noch als erstrebenswerter als „alt“. Und (Leser von Blogs mit Geschlechter-Themen wissen es) „weiblich“ gilt gerne als moderner / zukunftsweisender / cleverer als „männlich“.

Überlegt man sich dann noch, dass auch Parteien (insbesondere durch die handelnden Personen der Medienbranche) ständig Wertungen erfahren, ist es nur ein kleiner Schritt zu positven/negativen Assoziationsketten und zu einer Sache, die ich „doppelte Diffamierung“ nenne. Gesetz den Fall, Partei XYZ hat in den Medien nicht gerade den besten Ruf, so schlägt man mit einer angeblich neutralen Formulierung wie „Die Partei XYZ wird vorwiegend von Männern, Arbeitslosen und weniger Gebildeten gewählt“ gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Assoziationskette XYZ-Wähler – Mann – arbeitslos – weniger gebildet diffamiert in zwei Richtungen: Gegen die Partei und gegen Angehörige der identifizierten Wählerschaft. Die unterschwelligen Aussagen sind: a) Die Partei XYZ bekommt nur Zustimmung von weniger erfolgreichen/beliebten Personen, also ist Partei XYZ auch zweifelhaft und b) Männer / Arbeitslose / weniger Gebildete wählen oft „die falsche Partei“, also kann man diese Personengruppen auch nicht für voll nehmen.

Im Sinne der Demokratie, aber auch im Sinne unterschiedlicher Personengruppen sollte man sich gegen dieses Gift der unterschwelligen Wertung verwehren. Es gilt: Eine Person – eine Stimme, egal, wie diese Person „beschaffen“ ist oder wie sie zum Entschluß gekommen ist, eine bestimmte Partei zu wählen. Weder die Wählenden noch ihre Stimme sind qualitativ zu gewichten. Wer es trotzdem tut, dem kann getrost unterstellt werden, damit eigene Ziele zu verfolgen, gerade dann, wenn es sich um Medien handelt, die sich ja ansonsten „Gleichheit in jeder Hinsicht“ auf die Fahnen geschrieben haben.

Gastartikel: man in the middle zur Frauenbevorzugung

Das ging ja schnell! Vor einem Monat hieß es bei Alles Evolution „Dienstrechtbeförderungsgesetz – Beförderung der Frau, auch wenn der Mann besser ist“, gestern kam die Nachricht, dass das Gesetz vom Düsseldorfer Verwaltungsgericht wegen Verwassungswidrigkeit gekippt wurde.

Hierzu kam von „man in the middle“ (mitm) ein äußerst erhellender Kommentar, den ich zum Gastartikel befördere, denn er liefert das passende Hintergrundwissen zur Nachricht. Leicht nachlesbar und zudem so aufbereitet, dass man eine Kurzversion in dem Kommentar präsentiert bekommt und von dort aus wiederum auf verschiedene detailliertere Texte gelangt. So sieht es aus, wenn man an einer Sache über einen längeren Zeitraum dranbleibt!

(ab jetzt – bis zur Popkultur – mitm:)

Dieser Skandal hat ja eine lange Vorgeschichte. Der erste Akt war 2014 das von Kraft / Löhrmann bestellte Gutachten von Papier/Heidebach. Das Gutachten sollte einen Weg zur „verbindlichen Festlegung von Zielquoten sowie zur Verankerung von Sanktionen“ zeigen. „Verbindliche Zielquoten“, also harte Frauenquoten, sind eklatant verfassungswidrig, deshalb ging es darum, den Verfassungsbruch irgendwie zu kaschieren.

Papier erfand dann den Trick, die „Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation“ zu benutzen, indem man die Beurteilungsmaßstäbe so extrem vergröbert, daß eine konkurrierende Frau sehr oft „gleich qualifiziert“ mit einem konkurrierenden Mann ist. Das Prinzip der Bestenauslese sollte also weitgehend entkernt werden, also Art. 33 Abs. 2 GG unterlaufen werden, um über ein drittklassiges Frauenfördergesetz Art. 3 Abs. 2 GG auszuhebeln. Das Grundgesetz wird also gleich doppelt gebrochen, unsere Feministinnen entwickeln eine unglaubliche kriminelle Energie, wenn sie Männer diskriminieren können. Details dazu hier.

Das Dienstrechtsmodernisierungsgesetz ist genau nach diesem Muster gestrickt, mehr dazu hier.

Daß das Verwaltungsgericht Düsseldorf sein Urteil mit der Unzuständigkeit des Landes begründet, erweckt den Eindruck, das Gesetz sei an einer rein bürokratischen Klippe gescheitert. Dieser Eindruck ist mMn falsch.

Das Gesetz ist deswegen verfassungswidrig, weil es dem Beamtenstatusgesetz (BeamtStG) und dort dem § 9 „Kriterien der Ernennung“ widerspricht. Dieser § 9 wiederholt aber nur die wesentlichen Inhalte von GG Art.3. Der § 9 könnte also eigentlich wegfallen, weil er mit Blick auf das übergeordnete Grundgesetz redundant ist. In vielen Gesetzestexten werden Inhalte aus übergeordneten Gesetzen wiederholt, diese theoretisch verzichtbaren Anteile verbessern die Lesbarkeit und Verständlichkeit der Gesetze, sie sind zulässig, obwohl diese Gesetze bzw. deren Gesetzgeber dafür gar nicht zuständig sind.

Im Dienstrechtsmodernisierungsgesetz hätte also auch eine Wiederholung von Teilen des BeamtStG oder GG stehen können (vermutlich findet man solche Stellen sogar). Solche redundanten Passagen stören niemanden.

NRW ist unzuständig, ein dem BeamtStG § 9 direkt widersprechendes und GG Art.3 indirekt widersprechendes Gesetz zu erlassen. D.h. die Feststellung der Unzuständigkeit des Landes stellt implizit auch den Verfassungsbruch (GG Art.3) fest.

Eine zweite Klatsche ist die folgende im Prinzip überflüssige Erwähnung in der Urteilsbegründung:

Vor diesem Hintergrund bedurfte es keiner Entscheidung, ob die Neuregelung zugleich dem in Art. 33 Abs. 2 GG verankerten Leistungsgrundsatz widerspricht. Das Gericht hält es jedoch für fraglich, ob der Gesetzgeber hinreichend berücksichtigt hat, dass das Leistungsprinzip auch dem öffentlichen Interesse an einer Besetzung eines öffentlichen Amtes gerade mit dem leistungsstärksten Bewerber und damit auch der Sicherung der Qualität des öffentlichen Dienstes dient.

Das Gericht hat also deutliche Zweifel, ob die oben erwähnte Entkernung von Art. 33 Abs. 2 GG verfassungsgemäß ist. Das ist selbst mit als Amateurjurist sofort aufgestoßen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich hatte dieses Lied zwar schon einmal, aber dieses mal eine Version von einer anderen Band. Es fiel mir wieder als erstes zum Thema „Gesetz“ ein…

Bobby Fuller Four: I Fought The Law

Gastartikel: Leszek über Kulturmarxismus

Bei man tau kam in der Diskussion mal wieder das Stichwort „Kulturmarxismus“ auf. Um zu diesem leidigen Thema hier im Blog einen zentralen Referenzartikel zu schaffen, greife ich tatsächlich den Vorschlag von djadmoros auf und fasse zwei Kommentare von Leszek zu einem Gastartikel zusammen. Sie standen ursprünglich unter dem Kulturmarxismus-Artikel bei Alles Evolution.

1. Kommentar

„Kulturmarxismus“ ist ein Schlagwort der US-amerikanischen Rechten, dessen eigentlicher wesentlicher Bezugspunkt gar keine Marxisten/Neo-Marxisten sind, sondern die in den USA entstandenen Varianten des Poststrukturalismus wie Gender/Queer/Critical Whiteness/postmoderner Multikulturalismus.

Der Begriff „Kulturmarxismus“ hat lediglich eine diskursstrategische Funktion, indem die US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke als marxistisch geframed werden soll, um leichter gegen sie in Kreisen antikommunistisch sozialisierter Konservativer agitieren und mobilisieren zu können. Marxistische Verschwörungen zu erfinden, um die eigenen Anhänger zu mobilisieren, hat in den USA unter Konservativen/Rechten Tradition und in diesem Zusammenhang ist dieser Begriff zu verstehen.

Dazu wurde eine falsche ideengeschichtliche Herleitung des US-amerikanischen Poststrukturalismus und der Political Correctness aus dem Neo-Marxismus in der Tradition des Freudomarxismus konstruiert (Frankfurter Schule, Wilhelm Reich).
Das ist ideengeschichtlich allerdings Unsinn, denn die US-amerikanischen Varianten des Poststrukturalismus sind in Wahrheit aus einer einseitigen und rigiden US-amerikanischen Rezeption und Interpretation des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen, (die sich aber vom ursprünglichen französischen Poststrukturalismus deutlich unterscheidet) und haben mit der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reich nichts zu tun.

Alan Riding: Correcting Her Idea of Politically Correct

„Wer das Gegenteil darlegen will, der muss einen Beweis dafür bringen, dass die anderen Theorien nur Mittel zum Zweck sind.“

Er müsste überhaupt erst einmal belegen, dass Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie oder Wilhelm Reichs (die heutzutage im Sinne einer großen und geschlossenen linken Strömung ohnehin nicht mehr existieren), die behaupteten Positionen vertreten. Das ist ja in der Regel nicht der Fall, denn hier wird ja so vorgegangen, dass zwei ganz unterschiedliche und miteinander konkurrierende linke Traditionen zusammengeworfen werden, die sich in ihren theoretischen Grundlagen und Strategien gravierend unterscheiden.

Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie oder Wilhelm Reichs sind in der Regel keine Poststrukturalisten. Anhänger des Poststrukturalismus sind in der Regel keine Neo-Marxisten/Freudo-Marxisten. Natürlich kann es im Einzelfall auch mal Personen geben, die sich für beides interessieren und an beides anknüpfen, aber grundsätzlich sind das verschiedene philosophische und politische Strömungen.

Weil Anhänger der US-amerikanischen Varianten des Poststrukturalismus nun als marxistisch geframed werden soll, kommt es zu unsinnigen Aussagen wie: „Kulturmarxisten“ haben ein Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ oder „Kulturmarxisten“ sind Kulturrelativisten/Multikulturalisten und ähnliches.

In Wahrheit vertreten Anhänger des Neo-Marxismus in der Tradition des Freudo-Marxismus kein Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ und sind im Allgemeinen auch keine Multikulturalisten. Das PC-Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ wird – nicht von allen, aber von den radikaleren – Anhängern der in den USA entstandenen Varianten des Poststrukturalismus vertreten und auch der US-amerikanische kulturrelativistische Multikulturalismus ist in diesem US-amerikanischen poststrukturalistischen ideengeschichtlichen und theoretischen Kontext entstanden.

Das ständige Zusammenwerfen zweier unterschiedlicher linker Theorietraditionen, bei der man nun der einen ständig Dinge unterstellt, die diese gar nicht vertritt, macht für Anhänger dieser konservativen/rechten Verschwörungstheorie nun natürlich jede ersthafte wissenschaftliche Diskussion unmöglich, denn die ganzen falschen Aussagen können ja nicht wissenschaftlich belegt werden.

Das ist aber auch nicht Sinn der Sache, es handelt sich wie gesagt um konservative/rechte Propagandalügen, Selbstaufwertungs- und Gegnerdämonisierungsstrategien – was ich als Political Correctness von rechts bezeichne.

Manche anderen Dinge, die da behauptet und unterstellt werden, sind sogar frei erfunden und werden weder von Neo-Marxisten in der Tradition des Freudo-Marxismus, noch von Anhängern des US-amerikanischen Poststrukturalismus vertreten.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Anhänger dieser konservativen/rechten Verschwörungstheorie keine überzeugenden Argumente oder wissenschaftlichen Belege für ihre Behauptungen angeben können, sondern es stets beim Behaupten bleibt.

Der Begriff „Kulturmarxist“ erfüllt in diesem konservativen/rechten Diskurs eine ähnliche Funktion wie die Begriffe „Faschist“, „rechts“ etc. bei extremen linken PC-Fanatikern. Es wird einfach inflationär und undifferenziert alles und jeder damit bezeichnet, der von den eigenen Auffassungen zu stark abweicht.

Die konservative/rechte Anti-Kulturmarxismus-Verschwörungstheorie ist also m.E. als ein Beispiel für eine Form von Political Correctness aus dem konservativen/rechten Spektrum zu interpretieren und sollte m.E. in diesem Sinne analysiert werden: als konservative/rechte Diskursstrategie der Selbstaufwertung/Gegnerdämonisierung/Propagandalügen.

2. Kommentar

Ich poste, weil es in diesem Zusammnenhang gut passt an dieser Stelle auch nochmal meinen kürzlichen längeren Beitrag, in dem ich erlärte, warum das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ seinen Ursprung im US-amerikanischen Poststrukturalismus und nicht im Marxismus/Neo-Marxismus hat:

“Kulturmarxismus” ist ein von der US-amerikanischen Rechten erfundener Unsinnsbegriff, dessen eigentlich intendierter Bezugspunkt keine Marxisten/Neo-Marxisten sind, sondern die spezifisch US-amerikanischen Strömungen der postmodernen/poststrukturalistischen Linken wie Gender Studies/Queer Studies/Critical Whiteness/Multikulturalismus.

Diese haben mit der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reich faktisch nichts zu tun, sondern sind aus einer Rezeption des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen.

Sie werden von der US-amerikanischen Rechten aber nicht als “Postmoderne Linke” oder “Poststrukturalistische Linke” bezeichnet, sondern als “Kulturmarxisten” und es wird kontrafaktisch ein neo-marxistischer Ursprung konstruiert, einfach weil man sich von dem Begriff “Marxismus” bei stark antikommunistisch sozialisierten Konservativen in den USA eine größere Agitations- und Mobilisierungswirkung verspricht.

Da ein größerer Teil der konservativen Basis in den USA zudem geistes- und sozialwissenschaftlich wenig gebildet ist, kann man ihnen jeden Scheiß erzählen, also werden US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke auf einmal als Neo-Marxisten gelabelt, obwohl sie das weder objektiv, noch subjektiv sind und es wird eine marxistische Verschwörung behauptet, die nicht existiert.

Triviale konservative/rechte Propagandalügen!

Das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” ist – wie bereits mehrfach erwähnt – aus einer US-amerikanischen einseitigen, dogmatischen und radikalisierten Rezeption und Interpretation des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen.

Es gibt keine marxistische oder neo-marxistische Strömung/Richtung/Schule, die das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” vertritt und auch mit Herbert Marcuse hat es nichts zu tun.

Im ursprünglichen französischen Poststrukturalismus gab es das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” übrigens auch nicht, erst die extreme Identitätspolitik von in den USA entstandenen Poststrukturalismus-Varianten führte zur Herausbildung dieses PC-Feindbildes.

Das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” wird also vertreten – nicht von allen – aber von den radikaleren Vertretern der in den USA entstandenen Sub-Strömungen des Poststrukturalismus wie Gender/Queer/Critical Whiteness Studies/postmoderner Multikulturalismus.

Diese US-amerikanischen Sub-Strömungen des Poststrukturalismus sind entstanden, als es nach dem Zusammenbruch des sogenannten real existierenden Sozialismus (von mir als Staatskapitalismus bezeichnet) zu einer Krise und einem massiven Rückgang sozialistischen, marxistischen und neo-marxistischen Einflusses in der US-amerikanischen akademischen Linken kam.

Sie sind also keinesfalls aus dem Neo-Marxismus heraus entstanden, sondern sind ganz im Gegenteil ein Resultat des Einflussverlusts sozialistischer, marxistischer und neo-marxistischer Strömungen und Theorien in der akademischen Linken in den USA.

Die Lücke, die der Einflussverlust des Sozialismus/Marxismus/Neo-Marxismus in der US-amerikanischen akademischen Linken hinterlassen hatte, wurde nun durch den Poststrukturalismus gefüllt und dieser wurde zum wichtigsten neuen theoretischen Paradigma der US-amerikanischen akademischen Linken.

Die Behauptung, die US-amerikanischen Unterströmungen des Poststrukturalismus seien Anhänger von Herbert Marcuse ist ebenfalls eine konservative/rechte Propagandalüge. Im Allgemeinen ist das Werk von Herbert Marcuse für Anhänger von Gender/Queer/Critical Whiteness Studies/Multikulturalismus irrelevant und sie knüpfen theoretisch nicht daran an.

Dies sei im Folgenden mal wieder belegt.

Zieht man bekannte Einführungswerke zu Gender/Queer/Critical Whiteness etc. heran, Werke, in denen die wirklichen theoretischen und ideengeschichtlichen Grundlagen der entsprechenden Strömungen dargestellt werden, dann lässt sich die tatsächliche Relevanz von Marcuse für die Theoriebildung in diesen Strömungen ziemlich eindeutig ermitteln.

Ich führe daher mal wieder ein paar Einführungswerke zu Critical Whiteness, Gender, Queer etc. auf, die ich besitze und deren Literaturverzeichnis oder Personenregister ich (soweit vorhanden) nach Marcuse durchsucht habe:

Katharina Röggla: Critical Whiteness Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Annamarie Jagose: Queer Theory – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Nina Degele: Gender/Queer Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Andreas Kraß: Queer Denken – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Gabriele Winker, Nina Degele: Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten – enthält ein Literaturregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Therese Frey Steffen: Gender – enthält eine kommentierte Bibliographie, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Hadumond Bußmann & Renate Hof : Genus- Geschlecherforschung/Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Heinz-Jürgen Voss/Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-)Kapitalismus – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Renate Kroll (Hrsg.): Metzler Lexikon Gender Studies – kein Eintrag zu Herbert Marcuse. Unter dem Eintrag “Kritische Theorie” wird lediglich erwähnt, dass es mal Feministinnen gab, die sich auf Adornos und Horkheimers “Dialektik der Aufklärung” bezogen haben. Da es sich hierbei um das bekannteste Werk der Frankfurter Schule handelt, wäre es schon rein statistisch unwahrscheinlich, dass es nie eine Feministin gegeben hätte, die sich mal irgendwie darauf bezogen hätte. Von einem nennenswerten Einfluss der Frankfurter Schule auf die Gender Studies ist in dem Eintrag natürlich nicht die Rede, von einem Einfluss von Herbert Marcuse auf die Gender Studies erst Recht nicht.

Luca Di Blasi – Der weiße Mann. Ein Anti-Manifest – enthält ein Literaturverzeichnis: Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

In den genannten Büchern wird Herbert Marcuse also noch nicht mal am Rande erwähnt, sein Werk ist im Allgemeinen für die Theoriebildung des US-amerikanischen Poststrukturalismus irrelevant.

Herbert Marcuses Werk ist mit dem PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” darüber hinaus auch nicht in Einklang zu bringen. Zwar war der SPÄTE Marcuse leider ein Vulgär-Feminist, aber ein Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” gab es bei ihm nicht. Im Gegenteil spielten weiße, heterosexuelle Männer in Marcuses Revolutionstheorie durchaus eine Rolle.

Marcuse hatte gehofft, dass die in den 60er und 70er Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen sowie das US-amerikanische “Lumpenproletariat” die Rolle einer “revolutionären Vorhut” gegen das kapitalistische System übernehmen würden und dann die Arbeiterklasse mitreißen würden.

Zu dieser “revolutionären Vorhut” gehörte für Marcuse auch die Studentenbewegung (an der auch viele weiße, heterosexuelle Männer teilnahmen) sowie, nicht nur das schwarze, sondern auch das weiße US-amerikanische “Lumpenproletariat” zu dem auch viele weiße, heterosexuelle Männer gehörten.

Die ideengeschichtlichen Ursprünge des PC-Feindbildes des “weißen, heterosexuellen Mannes” liegen woandes, wie ich bereits kürzlich in einem Kommentar erklärte, den ich nun einfach nochmal zitiere.

Das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ hat ideengeschichtlich wie gesagt seinen Ursprung in einer in den USA entstandenen dogmatischen und radikalisierten Übertragung von Konzepten des französischen Poststrukturalismus auf die in den 60er und 70er Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen, die sich inzwischen längst akademisch institutionaliert hatten.

Eines der Hauptthemen des französischen Poststrukturalismus ist die Analyse und Kritik der Ausschlussfunktion bestimmter Normen. Dieser analytische Ansatz wurde von US-amerikanischen Vertretern des Poststrukturalismus in radikalisierter Form auf die Antidiskriminierungs-Diskurse bzgl. Frauen, Nicht-Weiße und Homosexuelle in den USA übertragen.

Weil Diskriminierungen im Rahmen poststrukturalistischer Theorien oft in einem „Paradigma von Norm und Abweichung“ analysiert werden, führte eine radikalisierte Version dieses Ansatzes zu einer Herausbildung von „Norm-Feindbildern“: männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich.

Hierbei spielte auch noch eine undifferenzierte Übertragung von Jacques Derridas Versuch einer „Dekonstruktion der Metaphysik“ eine Rolle.
Der französische Poststrukturalist Jacques Derrida vertrat die Ansicht, dass die westliche Metaphysik von der Vorstellung hierarchisch gegliederter Dualismen durchzogen sei. Unter „Dekonstruktion der Metaphysik“ verstand Derrida den philosophischen Versuch die hierarchische Gliederung von Dualismen aufzulösen und sie auf eine Ebene von Gleichwertigkeit zu überführen. Dazu entwickelte er eine bestimmte Methode.

Was auf Ebene der Philosophie ein interessantes Projekt sein kann – insbesondere da Derridas Dekonstruktion einen eher spielerischen Charakter hat, frei von dem rigiden Dogmatismus politisch korrekter Fanatiker – das kann problematisch werden, wenn es in einseitiger, undifferenzierter und radikalisierter Weise auf Anti-Diskriminierungsdiskurse übertragen wird, wie es in der US-amerikanischen Poststrukturalismus-Rezeption geschah.

Entsprechend dem poststrukturalistischen „Paradigma von Norm und Abweichung“ als analytischem Ansatz und dem Versuch der Dekonstruktion hierarchisch gegliederter Dualismen, die von Derrida übernommen wurde, führte die Übertragung dieses Ansatzes auf Anti-Diskriminierungsdiskurse in radikalisierter Form dazu, dass eine Reihe von Dualismen zu bedeutsamen analytischen Kategorien wurden:

Norm: weiß, Abweichung: nicht-weiß, insbesondere schwarz
Norm: männlich, Abweichung: weiblich
Norm: heterosexuell, Abweichung: homosexuell
Norm: cissexuell, Abweichung: transsexuell
Norm: westlich, Abweichung: nicht-westlich

Das Verhältnis der beiden jeweiligen Aspekte zueinander wurde also als streng hierarchisch interpretiert. Die „Dekonstruktion“ angewandt auf diese Sichtweise meint nun die Schwächung der jeweiligen Norm-Kategorie und die Stärkung der jeweiligen Abweichungs-Kategorie, so dass eine Gleichwertigkeit der beiden Aspekte entsteht.

Resultat dieser radikalisierten Übertragung von poststrukturalistischen Konzepten auf US-amerikanische Anti-Diskriminierungsdiskurse sind also „Norm-Feindbilder“ (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich) und im Zusammentreffen dieser Attribute entsteht dann das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen, cissexuellen, westlichen Mannes“, in dem sich alle diese vermeintlichen Normen treffen.

Das ist der tatsächliche ideengeschichtliche Ursprung des PC-Feindbildes des „weißen, heterosexuellen Mannes“, welches mit marxistischen und neo-marxistischen Theorien und Strömungen nichts zu tun hat und von diesen auch nicht vertreten wird.

Anhänger dieser Perspektive des US-amerikanischen Poststrukturalismus vertreten NICHT die Ansicht, dass eine Schwächung des „weißen, heterosexuellen Mannes“ zu einer Überwindung des Kapitalismus führen könne. Das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ ist KEINE Strategie zur Überwindung des Kapitalismus, es ist ein Resultat der extremen Identitätspolitik US-amerikanischer Anti-Diskriminierungsdiskurse auf radikalisiert poststrukturalistischer Grundlage – und nur aus diesem Kontext heraus zu verstehen.

Wer es genauer nachlesen will, sei noch einmal verwiesen auf das Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt “Multikulturalismus und Political Correctness in den USA”, in dem die ideengeschichtlichen Grundlagen der Political Correctness bei Einhaltung von Standards wissenschaftlichen Arbeitens und mit Belegquellen dargestellt werden.

Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA

(Die einzige neo-marxistische/sozialistische Strömung, die Hildebrandt in seinem Buch im Zusammenhang mit der Herausbildung des neuen poststrukturalistischen Paradigmas der US-amerikanischen akademischen Linken erwähnt, ist übrigens der strukturalistische Marxismus, gemeint ist offenbar der strukturalistische/poststrukturalistische Marxismus in der Tradition von Althusser, also eine Marxismus-Variante, die selbst schon stark postmodern geprägt ist. Aber selbst dieser postmodernen Marxismus-Variante wird in dem Buch kein großer Einfluss eingeräumt.)

Abschließend…

Wie ich schon drüben bei Lucas Schoppe schrieb:

Man kann es immer noch schöner, wissenschaftlicher, besser belegter machen, aber wer das will, schreibt in der Regel auch keine Blogbeiträge. (Ich bin selbst Perfektionist und kenne das Problem…)

Ich bin auch großer Fan davon, die besten Kommentare noch einmal als eigene Blogeinträge zu veröffentlichen. 1. findet man sie so deutlich leichter selbst wieder, 2. sind sie für neue Leser leicht auffindbar und die Leseschwelle ist geringer (Wer wühlt sich durch Tausende von Kommentaren, um die am besten formulierten 1-2% zu finden? Warum sollte jemand umgekehrt gezielt nach bestimmten Kommentatoren suchen, wenn er noch niemanden von den Diskutaten einschätzen kann?), 3. zeigt es auch, was die Betreiber eines Blogs selbst als gut und lesenswert einschätzen.

Nachtrag 11.08.:
Luisman ist mit diesem Artikel nicht einverstanden und hat in seinem Blog unter „Immunisierungsstrategie“ eine Kritik geschrieben. Ich empfehle ausdrücklich, auch diese zu lesen! Es soll sich jeder selbst eine Meinung bilden.

Aktualisierung:

Der Artikel hat es am 23.04.2017 in ein Video der Weltraumaffen namens „Pausenclowns der Frankfurter Schule“ geschafft! Er wird zwar nur kurz angesprochen (2:18:25-2:20:27), ebenso wie Luismans Kritik, wird aber sauber und ordentlich in der Quellenliste aufgeführt. Das lob ich mir!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit Marx und dem Gefühl, das ich es vielleicht besser hätte wissen müssen, als dieses Thema wieder aufzugreifen…

Richard Marx: Should’ve Known Better