Warum ich Alice Greschkows Artikel über ambitionierte Frauen empfehle

Unter meinen Artikel zum Erlauben der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA hatte
Alice Greschkow einen Kommentar geschrieben und auf ihren Artikel zum Thema Ehe hingewiesen mit der Einladung, zu kommentieren. Die Dame war mir bislang unbekannt, hat aber einige interessante Lebensdaten: Universitätsabschlüsse in Deutschland, Dänemark und Polen und spricht anscheinend noch Bulgarisch (stammt zumindest aus Bulgarien). Sie bloggt auf Deutsch und Englisch.

Wie das bei mir so ist, merkte ich mir nur den Kommentar, machte aber weiter nichts daraus. Mir war beim Stöbern ein ganz anderer Artikel als der vorgeschlagene ins Auge gefallen: Can we avoid the “Ambitious Woman Trap”?, also sinngemäßt „Können wie die ehrgeizige-Frau-Falle vermeiden“?

Zunächst beschreibt sie eine Sorte Frau, die sie häufig in ihrem Freundeskreis vorfindet: intelligent, attraktiv, witzig und ehrgeizig – ach ja, und Single. Das klingt auf den ersten Blick bedauerlich. Aber schon dann ist die Frage interessant, ob die Frauen auch von Männern so eingeschätzt werden und nicht nur von den Freundinnen.

Dass es ehrgeizige Frauen schwerer haben, einen Partner zu finden, glaube ich jedoch sofort. Alice Greschkow nennt auch gleich zwei Gründe: Männer verpartnern sich, was Position und Kohle angeht, lieber „nach unten“, Frauen „nach oben“. Allem Gerede von modernen Beziehungen zum Trotz bleibt das erstaunlich konstant. Hier gefällt mir, dass beides direkt nebeneinander genannt wird, denn natürlich beeinflussen sich beide Partnerwahlkriterien bis zu einem gewissen Grad. Wenn ich als Mann etwa bereit bin, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen, jedoch den Eindruck habe, dass sich viele Frauen finanziell nach oben orientieren (und nie nach unten), dann bin ich in meiner Wahrnehmung ökonomisch der schlechteste akzeptable Mann für eine Frau, die gleichviel verdient. Ich konkurriere also mit allen Männern, die besser darstehen – ein ziemliches Risiko, das ich vielleicht eingehe, wenn ich außerordentlich gutaussehend bin oder zusätzlich zum Beruf noch Prestige habe. In jedem Fall kann ich mit Fokus auf finanzieller Gleichheit nur eine sehr schmale Nische bedienen. Je weiter ich mich hingegen nach unten umsehe, desto mehr Möglichkeiten habe ich.

Alternativ genügen aber auch die echten Ergebnisse der Allensbach-Studie für eine triviale Erklärung: Die Mutter möchte in der ersten Zeit häufig ganz für das Kind da sein, die Väter erfüllen diesen Wunsch gerne und arbeiten deswegen Vollzeit. Das funktioniert besser, wenn der Mann ohnehin vorher mehr verdient hat. Das höhere Einkommen ist also das passende Puzzlestück zum häufigen Szenario. Treffe ich als Mann eine ehrgeizige Frau, muss ich mindestens genauso ambitioniert (und erfolgreich!) sein – ansonsten bin ich eine schlechte Wahl als Partner. Mal ganz davon abgesehen, dass Ehrgeiz auch nicht angeboren ist, sondern bei Männern notgedrungen genau deswegen häufiger gelebt wird.

Ehrgeiz bei einer Frau bedeutet also, dass weniger Männer sich Chancen ausrechnen können, als Partner in Frage zu kommen – selbst wenn sie das gar nicht so sieht! Für Männer mit Kinderwunsch ist eine Frau, die zuerst einmal beruflich weit aufsteigen will, umgekehrt auch keine gute Wahl, weil Karriere und Kinder kriegen in dieselben Jahre fällt.

Es gibt also recht nachvollziehbare Gründe, warum das oft nicht passt. Allerdings braucht niemand neidisch sein auf Väter mit Karriere: Die müssen nämlich darauf verzichten, ihre Kinder allzuoft zu sehen.

Alice Greschkows Artikel enthält aber noch einige weitere schöne Stellen: Etwa, dass es natürlich tröstet, als Frau nach einer Abfuhr von den Freundinnen zu hören „Er ist einfach eingeschüchtert von Dir, weil Du eine starke Frau bist“, „Er könnte Dich nicht wertschätzen, weil er zu unreif ist“ oder „Männer haben einfach Angst vor Bindungen“, das aber letzten Endes den Graben zwischen den Geschlechtern weiter aufreißt – und der Frau eine willkommene Ausrede liefert, warum sie Single ist. Nebenbei verstärkt diese Erklärung nur noch die Überzeugung, dass die Frau kaum Chancen auf einen Mann hat.

Es folgt eine sehr schöne Überzeugung, die ich viel zu selten lese: Wenn Frauen so akzeptiert werden sollen, wie sie sind, und es unterschiedliche Typen gibt – dann muss den Männern doch dasselbe erlaubt sein! Und tatsächlich sei die Mär vom modernen, bindungsunwilligen Mann so allgemein gesprochen nicht wahr (hier beruft sie sich auf Helen Fisher). Der Fehler liegt also nicht bei den Männern, sondern besteht darin, die Männer so negativ zu sehen.

Es sei daher Sache der ambitionierten Frauen, die immer noch einen Mann suchten, der besser sei als sie selbst, ihre Partnerwahlkriterien zu überdenken. Dazu noch der Hinweis, dass die Rollen für Männer im Gegensatz zu denen der Frau nicht flexibler geworden sind.

Die erwähnte Allensbach-Studie hatte diesbezüglich die Möglichkeiten für Frauen aufgezeigt: Sie selbst haben es in der Hand, beruflich nach einem hohen Einkommen zu streben und einen Partner zu wählen, der nicht deutlich mehr verdient. Dann ist die Aussicht, bald nach der Geburt der Kinder wieder ins Berufsleben einzusteigen, deutlich höher.

Bei Alice Greschkow folgt der Hinweis, dass man sich nicht von ehrgeizigen / attraktiven Frauen abschrecken lassen sollte. Das ist richtig, wenngleich beide Eigenschaften nicht deckungsgleich sind, sondern sich, wie oben erläutert, zuviel Ehrgeiz negativ auf die Attraktivität auswirken kann. Dazu kommt, dass diejenigen, die das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wie einen Kampf darstellen, dieser Ermutigung zum Ansprechen direkt entgegenwirken: Wenn alles Belästigung ist und Männer stets damit rechnen müssen, plötzlich als Vergewaltiger beschuldigt zu werden, treibt das das Risiko für den ersten Schritt (der in der Regel vom Mann ausgehen muss, weil es so erwartet und bevorzugt wird) unnötig in die Höhe. Jeder halbwegs intelligente Mann wird sich bei einer Frau auch fragen, ob er ihre mitunter hohen Ansprüche erfüllen kann. Hat er diesen Eindruck nicht, landet die Frau bei längerem Kontakt in der Friendzone – denn die gibt es auch für Frauen.

Alice Greschkow beendet ihren Artikel mit einem positiven Schlusswort. Das finde ich allemal schöner als immer nur negativ zu sein. Ich empfehle, den Artikel auf Englisch zu lesen und nicht nur bei meinen Anmerkungen zu bleiben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Glaubst Du, dass Du alleine besser dran bist?“ heißt es in diesem Trance-Stück einer Künstlerin, die auch noch Alice heißt.

Alice Deejay: Better Off Alone

Werbeanzeigen

Warum mich solche Frauenfußballwerbung ärgert

„Dritte Plätze sind was für Männer!“ hieß es zur Fußball-WM der Frauen 2011. Und auch für die diesjährige WM ist es gelungen, eine selten dämliche Werbung zu finden:

#Titeltraum – Ein Kurzfilm mit Carolin Kebekus.

Warum stößt mich das so ab? Was haben beide Werbungen im negativen Sinne gemeinsam?

Wie die Stadtmensch-Chronicles 2011 berichteten: „Von Anfang an wurden die WM-Kampagnen als Kriegserklärung gegen die Männer designt.“

Ja, dieses Element „Wir sind besser als die Männer“ finde ich schon sehr verstörend, zumal es für mich nach „Wir müssen uns unbedingt mit Männern vergleichen!“ klingt. Dabei sollte die eigene Leistung doch einen eigenen Wert haben – unabhängig davon, was andere geschafft haben (außer natürlich, sie waren die direkten Konkurrenten).

Beim Fußball könnte das Bild nicht weiter von der Realität entfernt sein: 2003 verloren die damaligen Weltmeisterinnen gegen die B-Jugend des VfB Stuttgart, also gegen 14- bis 16-jährige (Quelle: taz).

Den Kurzfilm würde man mit vertauschten Rollen sofort als sexistische Werbung brandmarken. Man stelle sich vor, so wie Carolin Kebekus würde ein Mann über Frauen reden (und dabei als positive Figur dargestellt)! Manches geht eben nur mit Männern…

Es ist aber auch bezeichnend, dass die Schiedsrichterin, die eigentlich neutral über einen sportlichen Wettkampf wachen müsste, klar Partei ergreift und das Geschehen genüsslich kommentiert. Man fühlt sich an manche Debatten erinnert, wo einige Leute der Meinung sind, Sprüche dürften nur in eine (die politisch genehme Richtung nämlich) ausgeteilt werden. Stattdessen wäre hier ja eine weitere Chance, die Leistung einer Frau zu zeigen, die in ihrer Rolle als Schiedsrichterin aufgeht und das Spiel nüchtern und zurückgenommen beurteilt.

Der Film ist aber auch ansonsten von vorne bis hinten verkrampft und bemüht: Er wiederholt den alten Grabenkampf Männer gegen Frauen, am dem außer irgendwelchen Extremisten sowieso niemand Interesse hat. Die Männer spielen vorher fröhlich und entspannt und fangen erst gegen die Frauen mit peinlichen Patzern an. Die Botschaft für Männer lautet also: Spielt nie gegen Frauen, da könnt Ihr nichts gewinnen, sondern Euch nur blamieren! Das kollektive Gekicher der Frauen auf die abwertenden Sprüche gegenüber den Männern zeugt auch nicht gerade von einem Frauenbild, das im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Es ist schon traurig, dass der Frauenfußballnationalmannschaft ein Wert nur gegen die Männer zugestanden wird. Waren wir da nicht schon einmal weiter?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied aus dem Jahr, als den Männern bei der Fußball-WM ein dritter Platz zuwenig war.

Andreas Bourani: Auf uns

Warum ich Transsexuelle nicht für Kronzeugen bei Geschlechterthemen halte

Bei Vergleichen zwischen Geschlechtern werden ab und zu Transsexuelle hinzugezogen, welche sich erfolgreich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben. Die simple Begründung dahinter: „Die haben schon einmal beide Geschlechter gehabt und müssen es ja besser wissen als wir!“

Nun sind die Erfahrungen Transsexueller grundsätzlich interessant und und es ist gut, wenn diese Menschen Gehör finden. Als Maßstab dafür, welches Geschlecht es nun besser hat / edler ist usw. taugen sie jedoch nichts.

  1. Menschen sind nicht objektiv – einzelne Menschen schon gar nicht, egal, welche. Einzelpersonen sind das Gegenteil einer verlässlichen Stichprobe.
  2. Alle Transsexuellen haben das Pech, im falschen Körper geboren worden zu sein. Da enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Warum sollte also einer stellvertretend für alle von ihnen sprechen können?
  3. Ein Mensch hat von Geburt an Geschlecht X, empfindet sich aber als Geschlecht Y. Ganz klar, der kann automatisch besonders nüchtern über die Geschlechter reden – es ist ja nicht so, dass das für ihn womöglich ein hochemotionales Thema wäre, das sein Leben geprägt hat!

In Wirklichkeit pickt man sich jeweils ein Beispiel heraus, dass die eigene Weltanschauung bestätigt. Auf meinen Artikel über blödsinnige Comics bei Everyday Feminism wies maddes8cht in einem Kommentar noch auf einen Artikel hin, in dem ein Transmann „25 männliche Privilegien“ auflistete. Auseinandergenommen hat diese Liste etwa Sargon of Akkad:

Male Privilege as Experienced by Women

Das Verhältnis von Transsexualität und Feminismus ist ohnehin ein eher seltsames bei denjenigen feministischen Strömungen, laut denen Geschlecht nur eine soziale Konstruktion sei. Kurz gefasst könnte nichts davon weiter entfernt sein als ein Mensch, der zwei klar unterscheidbare biologische Geschlechter erkennt, eines davon hat, aber unbedingt das andere haben will, um endlich glücklich zu werden.

Ein anderes Beispiel aus einem anderen Artikel wurde im Februar bei Alles Evolution behandelt („Transgender wissen, welches Geschlecht welche Privilegien hat„). Auch wenn im ursprünglichen Artikel einige Vorteile für Frauen vorkamen, war der Grundtenor derselbe: Männer haben es besser.

Aber wie gesagt – aus den Erfahrungen Transsexueller einen objektiven Maßstab zu machen, führt in die Irre. Ansonsten müsste man ja folgender Aussage zustimmen, die im Februar in einem Fundstück bei Genderama zu lesen war. In der Sendung „This American Life“ ging es um Testosteron und ein Transsexueller, der im Körper einer Frau geboren worden war, beschrieb, was nach der Hormoneinnahme geschah:

Griffin Hansbury: Something that happened after I started taking testosterone, I became interested in science. I was never interested in science before.

Alex Blumberg: No way. Come on. Are you serious?

Griffin Hansbury: I’m serious. I’m serious.

Alex Blumberg: You’re just setting us back a hundred years, sir.

Es sei erwähnt, dass etwa im Blog Mel Chua dieselbe Sendung behandelt wird und in einer längeren Version des Zitates dort ausdrücklich nur der zeitliche, nicht jedoch ein kausaler Zusammenhang bestätigt wird.

Dort wird in einem anderen Zitat aus der Sendung nebenbei mit dem Mythos aufgeräumt, dass Männer „nicht klar denken, wenn sie testosterongesteuert sind“:

People who are deprived of testosterone don’t become Spock-like and incredibly rational. They become nonsensical because they’re unable to distinguish between what is and isn’t interesting, and what is worth noting and what isn’t.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mir gingen die Titel über Männer und/oder Frauen aus, deswegen habe ich eines aus den 1980ern genommen von einer Gruppe namens „Trans X“.

Trans X: Living On Video

Fundstück: Badesalz und die armen Frauen

Das hessische Comedy-Duo hat sich in einem Sketch mit zum Teil erschütternden Frauenschicksalen befasst. Nichts für zarte Gemüter!

Badesalz: Frauenschicksale

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Badesalz haben neben zahlreichen Sketchen auch Liederparodien drauf. Hier etwa ein auf „If You Don’t Know Me By Now“ von Simply Red.

Badesalz: Evi, Du wohnst in Bad Nauheim

Warum ich keine Verschwörung gegen Frauen in DAX-Vorständen wittere

Bisherige Artikel zum Thema Statistik:

Im Februar wies Genderama auf einen Artikel hin, der die geringere Verweildauer von Frauen in DAX-Vorständen thematisierte. Bezeichnenderweise wurden diese Frauen bereits in der Überschrift als „gescheitert“ bezeichnet – und man hatte auch gleich eine Verschwörungstheorie parat: Wurden sie etwa in eine Falle gelockt? Ich habe mal die Regel gehört, dass wenn eine Zeitungsüberschrift aus einer Ja/Nein-Frage besteht, die Antwort „nein“ richtig ist.

Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand bei der Telekom, unterstützt jedoch diese These und wird mit den Worten wiedergegeben, „Frauen würden gezielt in die Falle gelockt“. Ein Catch-22 von dem Kaliber, wie ich es zuvor von Anne Wizorek kannte: Steigen Frauen nicht in höchste Positionen auf, ist das das Werk einer Männerverschwörung; tun sie es jedoch, ist es hingegen ein hinterhältiger Trick der Männerverschwörung. Alles und das Gegenteil davon zeigt, wie fies man zu Frauen ist. Der Erfolg ist nur eine Falle, damit Frauen keinen Erfolg haben!

Bereits einige Monate vorher, im November 2014, waren die Frauen, die aus den DAX-Vorständen scheiden, Thema der Unstatistik des Monats des Rheinisch-Westfälischen Institus für Wirtschaftsforschung. Diese Serie habe ich bereits einmal erwähnt – es lohnt sich, da am Ball zu bleiben.

Sie erwähnt einen Artikel vom August, in dem eben jener Thomas Sattelberger dieselbe These von der Verschwörung vorträgt. Als Zahlenbasis dienen dabei 8 von 17 Frauen und eine durchschnittliche Verweildauer von 3 Jahren (im Vergleich zu 8 bei Männern).

In dem Unstatistik-Artikel wird gleich das wichtigste Argument genannt: Eine so geringe Anzahl von Fällen läßt keine statistisch signifikante Analyse zu. Beweisen läßt sich damit also gar nichts.

Aber es folgt angenehmerweise sogar eine ganz schlüssige Erklärung: Zum einen sind die Frauen häufiger Quereinsteiger, zum anderen besetzen sie oft das Personalressort. Beides ist mit häufigeren Wechseln verbunden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ergebe sich auch kein Unterschied zwischen den 24 Frauen und 209 Männern, die seit 2007 in den Vorstand eines DAX-Unternehmens berufen worden seien.

Diese kurze, klar verständliche Erklärung war also bereits Ende 2014 verfügbar. Trotzdem wird Anfang diesen Jahres weiter die Mär von der Verschwörung gegen die Frauen verbreitet.

Jetzt mal ganz anders gefragt: Was hat Thomas Sattelberger davon, immer wieder mit derselben (falschen, aber offensichtlich populären) Behauptung in der Zeitung zu stehen? Hat er etwas zu verkaufen, das er damit bewerben möchte? Oh, der neuere Artikel erwähnt es gleich: Es geht um sein Buch „Ich halte nicht die Klappe. Mein Leben als Überzeugungstäter in der Chefetage„. Das soll wohl mutig klingen, könnte aber ebensogut auf einen Menschen hinweisen, der ideologisch motiviert vorgeht.

Beachtlich finde ich dabei zweierlei: Zum einen, dass das Ausscheiden der Frauen aus den DAX-Vorständen als „Scheitern“ angesehen wird, obwohl es laut Statistik nichts Ungewöhnliches ist. Zum anderen, dass offenbar keiner der Frauen zugetraut wird, sich auf dieser Stufe der Karriere durchzusetzen – im Zweifelsfall auch gegen Skeptiker oder erschwerte Bedingungen (Umstände übrigens, die Männern so weit oben vollkommen unbekannt sein müssen; da scheint es irgendwann ohne Aufwand von alleine zu laufen). Frauen werden also von denjenigen als unfähige Versager angesehen, die vorgeben, ihnen helfen zu wollen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es um Möglichkeiten und Kohle machen geht…

The Pet Shop Boys: Opportunities (Let’s Make Lots of Money)

Fundstück: Nick Guerra und die „verrückten Frauen“

Das Thema „Comedy“ kam in letzters Zeit öfters auf. Ich möchte daher ein Fundstück präsentieren, in dem der Comedian Nick Guerra die Klage „Wo sind all die guten Männer hin?“ auseinandernimmt. Nicht alles aus diesem Video halte ich für einen Megabrüller, aber ich finde es doch interessant, dass der Club Laugh Factory so ein Programm erlaubt.

Nick Guerra: Crazy Women

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da gab es doch mal eine Band, die eine amerikanische Frau besang…

The Guess Who: American Woman

Warum ich schwangere Kolleginnen völlig ok finde

„Die Wirtschaft könnte so gut laufen, wenn nur die Menschen nicht wären!“ Diese Einstellung führe ich schon immer auf asoziale Ratten zurück. Ja, bei dieser Gelegenheit spreche ich deutliche Worte. Der Mensch als Störfaktor im Wirtschaftssystem – da hat jemand etwas falsch herum verstanden (oder die falschen Prioritäten gesetzt). So direkt sagt das zum Glück fast niemand, aber wann immer eine Argumentation sich in die Richtung bewegt, werde ich hellhörig.

Was musste ich zuletzt lesen? Einen verstörenden Artikel nebst entsprechender Diskussion. Das eigentliche Thema sollte ein ganz anderes sein, aber es wurde zurecht die Hauptsache: Eine diskriminierende, weil sexistische Auswahl von Bewerbern. Frauen hätten, so wurde frank und frei zugegeben, selbst bei bester Qualifikation keine Chance, die Stelle zu bekommen.

Es ist faszinierend und bewundernswert, wie sehr einige Kommentatoren nachsetzten und sich nicht mit halbgaren Beschwichtigungen zufrieden gaben. Darunter fielen:

  1. Die meisten Frauen wollen gar nicht führen.
  2. Es gibt ja ohnehin nur 5% Bewerberinnen.
  3. Es ist ja nur eine Stelle!
  4. Das ist sowieso ein harter, das möchte man den wenigsten zumuten.

Natürlich ist das alles Blödsinn. Wenn sich eine Frau findet, die hart im Nehmen ist, die in einer solchen Stelle ihre Erfüllung sieht, dann muss sie, wenn sie die Qualifikation hat, eine Chance haben, die Stelle zu bekommen. (Immer unter der Voraussetzung, dass sie so gut ist wie andere Bewerber usw. – ich werde jetzt nicht die Bedingungen aufzählen, die unter „mit gesundem Menschenverstand betrachtet“ zusammenfassen würde.)

Mein Lieblingstest bei solchen Fragestellungen ist ja immer: Wie sähe derselbe Sachverhalt aus, wenn man sinngemäß Ausländer / Schwarzer / Jude einsetzen würde? „Wir wollen grundsätzlich keine Ausländer für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Schwarzen für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Juden für die Stelle.“ Starker Tobak!

Stellen wir uns ein anderes, aber sehr ähnlich gelagertes Beispiel vor: Eine Stelle wird geschlechtsneutral ausgeschrieben, es wird aber eigentlich nur eine Frau gesucht. Es bewirbt sich ein hochqualifizierter Mann, formal entspricht er den Anforderungen, aber man kann ihn aus diesen diskriminierenden Gründen nicht nehmen und streicht die Stelle lieber ganz. Unglaublich, oder? Der Fall eines Mathematik-Professors sorgte vor vier Monaten zurecht für Aufsehen (zumindest in dieser Blogblase) – ich staune aus heutiger Sicht, bei wem unter anderem.

Kommen wir nun zu dem Grund, der vorgeschoben wird, um Diskriminierung zu rechtfertigen: „Wir haben Angst vor Frauen als Mitarbeitern, weil die schwanger werden können.“ Alles klar! Und nächste Woche: Warum ist die Geburtenrate (gerade bei Akademikerinnen) so niedrig?

Fummeln wir das mal Schritt für Schritt auseinander. Zunächst einmal sollten wir nicht auf eine billige Nebelkerze hereinfallen: Das sei eine Stelle im Top-Management. Deswegen sei es doch klar, dass man völlige Hingabe erwarten müsse, und das sei bei Frauen im gebärfähigen Alter unwahrscheinlich. Außerdem gehe es um KMU (für die Nicht-Ökonomen: das steht für „kleine und mittlere Unternehmen“). Bei denen wirke sich der längere und unerwartete Ausfall eines Mitarbeiters fatal aus.

Also, was denn nun? Das Spitzenmanagement, über das wir im Zusammenhang mit der Frauenquote reden, betrifft nur eine Handvoll Großkonzerne, also gerade nicht KMU. Und KMU werden uns immer auch damit als wichtiges Rückrat oder Seele der deutschen Wirtschaft verkauft (und ich glaube es sogar), dass sie anpassungsfähiger seien.

Mit Verlaub: Die Karte „die können sich nicht darauf einstellen“ zieht da nicht. Je größer der Laden, desto eher findet man jemanden innerhalb des Betriebs, der den Ausfall ersetzen kann. Je kleiner die Klitsche, desto mehr kann man erwarten, dass sich alle Beteiligten absprechen.

Klar, ungeplante Schwangerschaft läßt sich nie zu 100% ausschließen. Aber bitte, hören wir denn sonst nicht von irgendwelchen Leuten mit stolzgeschwellter Brust, das einzig konstante sei der Wandel, und das sei ihr tägliches Geschäft? Und so etwas Gewöhnliches wie eine schwangere Frau bringt sie aus dem Konzept? Auf welchem Planeten leben diese Leute? Mal umgekehrt gesehen: Wenn in dieser Blogblase Forderungen nach Sicherheit abgelehnt werden (die auch überzogen sind, meine Wertung), dann mit dem Hinweis, dass ich mich nie vollständig vor Risiken schützen kann und vor allem, dass es immer Idioten geben wird. Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt auch für diesen Fall.

„Kind und Karriere“ halte ich tatsächlich für eine Illusion, und ich glaube, dass der Ausdruck hauptsächlich wegen der Alliteration verwendet wird, denn ansonsten führt er in die Irre. Ich setze dem mal eine andere entgegen: „Auslaufmodell Alleinverdienerehe“. Darum muss „Kind und Beruf“ vereinbar sein – ohne Reibung und Ärger wird das nicht gehen, aber es muss machbar sein.

Sodann lese ich, die Stelle sei als Sprungbrett geplant. Dann wird nach 2-3 Jahren ohnehin ein Wechsel nötig sein! Gerade wenn man Typen direkt von der Uni im Auge hat, die sich hocharbeiten wollen, muss man davon ausgehen, dass sie von einer anderen Firma abgeworben werden. Dieses Schicksal ist KMU nur zu gut bekannt. Um nach oben zu kommen, muss man wechseln oder von Anfang an bei einer größeren Firma einsteigen.

Der nächste Widerspruch: Entweder es sind genug andere Leute da, weil man eine Flut von Bewerbungen hat, bei denen man nicht nach formalen Kriterien aussortieren kann. Dann wird Ersatz zu finden kein Problem sein. Eine Frau automatisch auszuschließen ist dennoch Diskriminierung, selbst wenn ihre Chance auf die Stelle minimal waren. Oder es herrscht Fachkräftemangel (meiner Ansicht nach generell ein Mythos, er herrscht eher „Mangel an Fachkräften, die man mit einem niedrigen Lohn abspeisen kann“) und man bekommt schwer einen neuen Mitarbeiter: Dann ist jedoch Entgegenkommen sinnvoll in Form von Regelungen, mit denen man auf Schwangerschaften adäquat reagieren kann.

Sexuelle Diskriminierung bei der Vergabe von Stellen trifft Männer wie Frauen (siehe das Mathematik-Professur-Beispiel oben). Mein Bekannter X suchte lange eine Stelle. Eine Regel schälte sich heraus: Aufgrund der „Wir wollen unseren Frauenanteil erhöhen und stellen bei gleicher Qualifikation eine Frau ein“-Regelung vieler Unternehmen hatte er keine Chance mehr, sobald sich eine (wohl mindestens halbwegs qualifizierte) Frau bewarb. Es war ab dann egal, wie gut er war. Genau das würde eine Frau umgekehrt im Ausgangsfall erleben. Aus diesem Grund bin ich auch gegen eine Frauenquote, denn sie läuft auf einen ähnlichen Mechanismus hinaus.

Meine Bekannte Y hingegen wurde in ihrer ersten Stelle ausgebremst und nicht ernst genommen. Es stellte sich heraus, dass der Chef ein mentales Problem hatte. Er war der Meinung, Frauen gehörten an den Herd und da sie irgendwann schwanger würde, würde sie jetzt eh nichts reißen.

Mein Bekannter Z wiederum wurde völlig ausgelaugt an seinem Arbeitsplatz. Sein Vorgesetzter verlangte Übermenschliches. Für den Kram zu Hause, da habe man ja eine Frau, die einem den Rücken freihielte… auch die Einstellung ist natürlich von vorgestern. Textaufgabe: Wie läßt sich diese Idee mit der Realität vereinbaren, in der es homosexuelle Männer gibt, bei denen beide Partner arbeiten – von Single-Männern wollen wir mal gar nicht reden?

Wenn eine Stelle „nur für Männer“ vorgesehen wird, weil man das Frauen aufgrund der Härte „ja auch nicht zumuten“ kann – dann ist das einerseits Frauenbevormundung. Andererseits handelt es sich auch um Männerdiskriminierung („mit denen kann man es ja machen“).

Ich selbst habe in mehreren KMU erlebt, wie sowohl Frauen als auch Männer Elternzeit genommen haben. Schwangerschaftszeiten kann man planen inklusive Rückkehr. Die Einstellung war: Lieber einen Mitarbeiter halb verlieren als ganz an die Konkurrenz. Die Rückkehrer kommen schneller wieder rein in den Ablauf als ganz neue Leute.

Alle anderen Kollegen bekommen die Stimmung mit und eine gute und faire Behandlung motiviert auch die anderen. Die Kollegen ohne Kinder helfen mit. Es ist ja klar, dass das jeder später selbst verlangen kann. Dabei hilft eine gute Mischung im Unternehmen, etwa indem man ein paar „junge Heißsporne“ hat, die sich beweisen wollen. Das ist ein typisches Beispiel für eine Solidargemeinschaft – der eine steht für den anderen ein.

Selbst nach dem Ausscheiden aus dem Betrieb wird Gutes über die Firma erzählt. Und ein guter Ruf kann viel ausmachen.

Richtig ist aus: Die Elternzeit für Väter musste erkämpft werden. Die Väter, die ich erlebt habe, haben sie gerne genommen. Zufriedene Väter schienen auch besser ranzuklotzen, es hatte also seinen Sinn.

Und die Vorstellung von „totale Flexibilität“ ist ohnehin eine Illusion. Wer soll so ein Haus bauen?

Interessant finde ich, wie Sexismus an dieser Stelle durch „ökonomische Zwänge“ begründet wird auf der Ebene eines einzelnen Betriebes gerechnet wird. Das hat aber gleich mehrere Macken.

Zum einen gilt auch für ökonomische Modelle: garbage in, garbage out. Man kann aus einem Modell nicht herausholen, was man nicht hineingesteckt hat. Was sich nicht beziffern läßt, läßt sich auch nicht einpreisen. Gut motivierte Mitarbeiter sind unbezahlbar! Auch das Wirtschaftssystem existiert nicht im luftleeren Raum, sondern basiert auf der Gesellschaft, die dazugehört. Es gibt also viele Einflussfaktoren, die man aber schwer einpreisen und damit in das Modell packen kann.

Außerdem wird der alte Fehler gemacht, für eine volkswirtschaftliche Beurteilung betriebswirtschaftlich zu denken. Dabei ist klar, dass das nicht funktioniert: Das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie ist ein Beispiel, wie man gerade nicht das gesamtgesellschaftliche Optimum bekommt, wenn jeder für sich optimiert. Wenn jemand das „Risiko“ schwangere Frau ausschließen will, will er sich möglichen Kosten entziehen, die gesamtgesellschaftlich anfallen müssen (sonst stirbt die Gesellschaft langsam aus – wir sind übrigens auf gutem Wege dabei).

Schließlich stellt sich noch die Frage, warum denn „das Primat der Wirtschaft“ gelten soll. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, auch wenn das meistens nicht sinnvoll oder möglich ist, sowie ein ins Private überbordendes Wirtschaftssystem, das uns nebenbei eine „marktkonforme Demokratie“ beschert und eine Lebensplanung, bei der die Menschen der Wirtschaft dienen und nicht umgekehrt – es scheint ein weiteres Mal, als sei der wahre Feind einer modernen Gesellschaft nicht „das Patriarchat“, sondern der Neoliberalismus. Es ist zum links werden!

Was tun? Denn die Firma (oder Autorin) hat einfach keinen Bock auf „keine Diskriminierung“. Dazu kann man sie (ohne Beweise) nicht zwingen und selbst mit Beweisen hat es wenig Sinn, jemanden reinzupuschen, der da nicht willkommen ist.

In einer überraschenden Wende bringe ich jetzt (scheinbar) neoliberales Gewäsch: Der Markt funktioniert an dieser Stelle! So eine Einstellungspolitik läßt sich auf Dauer schwer kaschieren, selbst wenn sie nirgendswo aufgeschrieben oder verkündet wird. Die beste Konsequenz für jeden einzelnen besteht darin, einen weiten Bogen um diese Firma zu machen! Die wollen Frauen nicht und laugen Männer gerne etwas mehr aus. Das regelt sich mit der Zeit von selbst, denn die Leute erzählen das ja.

Die beste Strategie für jeden einzelnen besteht also darin, die Augen und Ohren aufzuhalten und solche Sachverhalte weiterzugeben. Wenn ein Unternehmen weniger verkauft oder Probleme hat, neue Mitarbeiter zu finden, weil die Einstellung von hinreichend vielen Leuten einfach nicht hingenommen wird, dann gibt es irgendwann genügend Leidensdruck, um sich zu ändern. Das mag langsamer wirken und weniger plakativ sein als ein Gesetz. Aber ich glaube, dass das am Ende besser funktioniert.

P.S.: Was mich nicht überzeugt: Frauen als „halsstarrig“ darstellen, wenn sie auf etwas beharren. Das nennt man auch Durchhaltevermögen. Zum Vergleich: Ansonsten werden Frauen (zumindest in dieser Blogblase) umgekehrt gerne als „wenig hartnäckig“ abgewertet oder bekommen zu hören „die halten keinen Widerspruch / keine harten Worte aus“ oder „regen sich über ein paar wenig nette Bezeichnungen zu sehr auf, lassen sich davon ins Bockshorn jagen“. In meinem Berufsleben sind Kolleginnen übrigens sehr erfolgreich gewesen mit dieser Methode und auch sehr beliebt bei Kunden und anderen Kollegen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal gibt’s einen Klassiker Depeche Mode. Ist schon beachtlich, wie oft in der Popmusiker der 1980er der zügellose Kapitalismus besungen wurde…

Depeche Mode: Everything Counts