Erfahrungsbericht: Eine unerwartete Begegnung bei der Frauentagsdemo

Zurzeit wohne ich im schönen Halle an der Saale, eine Stadt die übrigens viel besser ist als ihr Ruf. Eine der schönen Seiten: Wenn man durch den eher überschaubaren Stadtkern spaziert trifft man immer wieder zufällig Bekannte. So auch gestern Abend, als ich zum Marktplatz gegangen bin um mir die feministische Demo anlässlich des sog. „Frauentages“ aus der Nähe anzusehen. Die Menschenansammlung ist erstaunlich groß. Halle ist eine Universitätsstadt, die meisten Demonstranten sind linke bis linksradikale Studenten.

Wie ich ein Stück am Rand der Menschenansammlung entlanglaufe komme ich an einen Obdachlosen vorbei. Teilnahmslos starrt er auf das bunte, laute Treiben direkt vor ihm, wo privilegierte wohlhabende Akademikerinnen über Lautsprecher vom „Patriarchat“ und ihren Luxusproblemen schwadronieren. Ich überlege schon, mich demonstrativ neben den armen Kerl zu setzen, aber ich lasse es bleiben.

Ich sehe mir die Demonstranten an. Ca. 30 – 40% Männer. Darunter entdecke ich auch zwei Studenten, die ich noch aus der Zeit kenne, als ich noch Kontakte zu Linken hatte. Sie gehören der Antideutschen pro-israelischen Linken an, die aus irgendwelchen Gründen in Halle besonders stark ist. Auch eine große Israel-Fahne sehe ich. Die Linken nutzen halt jeden Vorwand, um ihre Agenda ins Zentrum zu rücken, egal, ob es pro-israelische oder anti-israelische sind. Im späteren Verlauf der Demo werde ich auch eine Rednerin hören, die u.a. gegen das Kopftuch anredet (Ja, das gibt es in Teilen der Linken noch).

Ich gehe ein Stück weiter. Dann erblicke ich am Rand der Menschenmenge bekannte Gesichter, die ich auf einer Frauentagsdemo nun so gar nicht erwartet hätte: Syrische Flüchtlinge. Über Studium, Arbeit und Freundschaften kenne ich viele Syrer persönlich und verstehe mich mit ihnen sehr gut. Nun stehen dort am Rand der Menschenmenge fünf syrische Männer, drei davon Bekannte von mir. Ich gehe auf die Gruppe zu, begrüße sie und stelle mich dazu. Nach ein bisschen Smalltalk folgt das folgende Gespräch, das ich hier sinngemäß, auf das wesentliche vereinfacht und in korrektem Deutsch, wiedergebe. Die Namen und unerhebliche Details sind abgeändert, doch inhaltlich hat das Gespräch tatsächlich so stattgefunden:

Ich: Was macht ihr hier?

Mahmud: (kann am besten Deutsch und dominiert daher das Gespräch): Wir sind hier jede Woche in der Nähe für einen Sprachkurs. Die Lehrerin meinte, um wirklich gut Deutsch zu lernen, lernt man am besten eine deutsche Frau kennen.

Khaled: Sie meinte, eine gute Gelegenheit dafür ist die Demo zum Frauentag. Deswegen sind wir hergekommen. Und wir dachten schon, das ist wieder eine ausländerfeindliche Demo.

Ich: (lache) Nein, das ist diesmal keine ausländerfeindliche Demo.

Mahmud: Ist das von irgendeiner Partei? Ich habe so eine Fahne gesehen.

Ich: Ja, die linken Parteien, SPD, Linke und Grüne sind hier bestimmt dabei. Die Linken sind in Deutschland feministische Parteien und das hier ist eine feministische Demo.

Mahmud: DAS SIND FEMINISTEN !?

Ich: Ja, was hattest du denn gedacht? Du solltest dir hier lieber keine Freundin suchen, da wirst du keine Freude mit haben.

Mahmud: Na, dann weg hier! (Er wendet sich schon zum gehen)

Usama: Was ist los?

Mahmud: (erklärt ihm auf Arabisch kurz die Lage, dann schaut er auf die Demo). Ja, du hast recht. Auf dem Plakat da hinten steht ‚feminism‘.

Mahmud: Wofür demonstrieren sie? Haben Frauen hier nicht gleiche Rechte wie Männer?

Ich: Ja, die Feministen reden von „gleichen Rechten“, aber sie wollen in Wahrheit Sonderrechte.

Khaled/Mahmud: Ja richtig, Sonderrechte.

[Anmerkung: Das Frauen bei uns mehr Rechte haben, scheint bei den Syrern weit verbreitetes Wissen zu sein. Hin und wieder haben syrische Freunde solche Bemerkungen gemacht. Dazu eine kleine Anekdote: Ich helfe einem syrischen Freund öfters beim Papierkram. Mir ist aufgefallen, dass der Schriftverkehr (Miete, Sozialhilfe etc..) immer über den Namen seiner Ehefrau geht, die sich aber ganz gewiss nicht um solche Sachen kümmert und kaum Deutsch kann. Ich habe ihn gefragt, warum er das so macht. Er wollte erst nicht mit der Sprache rausrücken, also hakte ich nach. Dann erklärte er, er habe gehört, dass Frauen in Deutschland bevorzugt werden, also hat er sich gedacht, dass er Vorteile bekommt (Anträge schneller bearbeitet werden etc..), wenn er unter dem Namen seiner Frau auftritt. Er sagte das ohne Vorwurf oder Hohn; es ist halt einfach so; andere Länder andere Sitten. Ich lache und sage, dass er damit vielleicht sogar richtig liegt. Dann fälscht er in aller Seelenruhe die Unterschrift seiner Frau, die währenddessen in der Küche nebenan das Essen zubereitet.]

Weiter im Text:

Ich: Gerade eben spricht die Rednerin über das Abtreibungsrecht, weißt du was Abtreibung ist?

Mahmud: Ja. Aber warum interessiert die das? Das sind doch Lesben, oder? Die werden doch gar nicht schwanger.

Ich: Nicht alle Feministinnen sind Lesben.

Mahmud: Ach so. Und ist Abtreibung erlaubt in Deutschland?

Ich: Nicht so richtig, aber Frauen können es problemlos machen. Es ist nur an Bedingungen geknüpft.

Mahmud: Ja, es gibt eine Frist von vier Monaten oder so. [er ist gut über das Thema informiert, weil er in einem Krankenhaus arbeitet.]

Abdullah: Bei uns dürfen die Frauen das nicht.

Mahmud: Aber ich finde es gut, dass es erlaubt ist. Der Staat sollte sich da nicht einmischen.

[Man könnte meinen, dass das für Muslime eine ungewöhnliche Meinung ist. Tatsächlich aber haben sehr viele Syrer eine politische Haltung, die man in unseren Begriffen als klassisch liberal bezeichnen kann. Sich in fremde Familienangelegenheiten (den „Harem“) einzumischen, ist in der konservativen arabischen Gesellschaft generell ein Tabu (also eben „haram“) – das gilt insbesondere für die Familienangelegenheiten fremder Konfessionen und traditionellerweise hat sich auch der islamische Staat an diese Sitte zu halten. Ein staatliches Familienrecht gibt es in diesem Sinne im Orient herkömmlicherweise nicht.]

Ich: Ja das schon, nur wollen manche Feministen z.B. das Abtreibungsrecht bis zum 9. Monat.

Mahmud: Aber das ist doch ein Mensch dann!

[Zwei der Syrer haben es auf einmal sehr eilig, ob das was mit dem Thema zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Sie verabschieden sich und rennen schnell zur Straßenbahn, die gerade ankommt. Dass sie um ca. 18:30 noch schnell irgendwo hin müssen bezweifle ich. Dass Araber ohne Not rennen, ist eher ungewöhnlich.]

Mahmud: Ich habe gehört, dass Frauen in Deutschland weniger Geld für die gleiche Arbeit bekommen. Wenn das stimmt, ist das wirklich ungerecht. [Anmerkung: Die Deutschbücher, mit denen die Flüchtlinge lernen, enthalten manchmal feministische Propaganda als Übungstexte.]

Ich: Für die gleiche Arbeit, verdienen sie gleich. Für unterschiedliche Arbeit verdienen sie unterschiedlich.

Mahmud: Aber mir wurde gesagt, für die gleiche Arbeit verdienen sie weniger.

Ich: Das ist eine Lüge der Feministen.

Mahmud: Ach so.

Khaled: Ich denke, die Mitarbeiter im Jobcenter verdienen alle gleich.

Ich: Die werden nach gesetzlichem Tarif bezahlt, da gibt es keine Unterschiede.

Khaled: Nur bei privaten Firmen gibt es unterschiedlichen Lohn.

Ich: Genau. Der Lohn wird individuell ausgehandelt.

Mahmud: Aber der Chef sagt nicht z.B., ‚du bekommst weniger Lohn, weil du eine Frau bist‘.

Ich: Nein, ich glaube nicht, dass es so etwas gibt. Aber Frauen arbeiten weniger, Männer machen mehr Überstunden und so, daher verdienen sie mehr.

Mahmud: Ja natürlich, wenn ich Chef wäre, würde ich auch lieber Männer einstellen, weil sie mehr arbeiten. Eigentlich ist es mit egal, aber die Frauen kümmern sich mehr um die Kinder.

Ich: Soweit ich weiß, verdienen Frauen manchmal sogar mehr für die gleiche Arbeit. Manchmal müssen Unternehmen oder Ämter eine Quote erfüllen. Sie sollen so und so viele Frauen einstellen, aber es gibt zu wenige Frauen und deshalb müssen sie den Frauen mehr Gehalt zahlen, glaube ich.

Khaled: (aufgeregt) Ja, tatsächlich, ich habe davon gehört!

Mahmud (Auf die Demo im Hintergrund zeigend, die mittlerweile den Marktplatz verlässt und in die Leipziger Straße abzieht): Wir müssen hier eigentlich stehen und für unsere Rechte kämpfen. Die Frauen nehmen uns die Arbeitsplätze weg (lacht).

Ich: … Naja, jedenfalls bin ich hierher gekommen, um mir diese Demo anzuschauen. Ich bin gegen die Feministen. Ich finde diese Leute gefährlich.

Mahmud: Gefährlich? Warum?

Ich: Z.B. wollen sie die Demokratie einschränken. Sie fordern ein Gesetz, dass weniger Männer zur Bundestagswahl kandidieren, verstehst du?

Mahmud: Ja, natürlich.

[Wir wechseln das Thema und sprechen über ein paar leichtere Dinge. Mahmud, Khaled und der dritte Verbliebene, der zu dem Thema nichts gesagt hat, weil er sprachlich nicht folgen konnte, wollen nach Hause. Die Demo ist abgezogen. Wir verabschieden uns. Ich mache mich auf den Weg, um sie weiter zu verfolgen, erlebe dabei aber nichts interessantes mehr.]

Dass eine Frauenquote für das Parlament (Paritätsgesetz) eine Einschränkung der Demokratie darstellt, schien den beiden Syrern unmittelbar einzuleuchten, ohne dass ich es irgendwie erklären musste. Zwei ca. 30-jährige Ausländer ohne juristische Ausbildung, die das GG noch nie von innen gesehen haben und aus einem Land ohne freie Wahlen kommen, in dem jegliche Regierungskritik seit Jahrzehnten mit Folterknast, Polizeiwillkür und (Massen-)Mord verfolgt wird, verstehen die Grundprinzipien der liberalen Demokratie und der allgemeinen Handlungsfreiheit offenbar besser als unsere Justizministerin Barley und große Teile von Parteispitzen, Parlament und linker Presse. Und warum? Nicht etwa weil die beiden klüger oder gebildeter wären, sondern einzig und allein, weil sie ehrlicher sind und ihnen aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes, die alberne, verklemmte Scheu davor, den Feminismus zu kritisieren und Frauen – wenn notwendig – Grenzen aufzuzeigen, komplett fremd ist. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon vorher mit Syrern gemacht. Ein so unbekümmertes Gespräch wäre mit Deutschen außerhalb der feminismuskritischen Blase so gut wie unmöglich. Vielen Dank an dieser Stelle an die wackeren Demonstranten, die dieses Gespräch überhaupt erst möglich gemacht haben. As-Salamu alaykum wa Rahmat Allah!

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Feminismuskritik widerspricht Facebook-Gemeinschaftsstandards

Am Freitag erschien bei der WELT von eine deutliche Kritik am Feminismus, von dem auch zu dem neuesten Vergewaltigungsfall in Freiburg wieder nur dröhnendes Schweigen zu vernehmen ist. Die Täter waren eben die Falschen. Mindestens acht Männer haben eine 18-jährige Frau über ca. vier Stunden vergewaltigt. Bis auf einen Deutschen mit Migrationshintergrund waren die übrigen sieben Syrer und bereits alle polizeibekannt.

Das der Beitrag leider bei WELT Plus hinter der Bezahlschranke liegt, zitiere ich hier einige Passagen:

Eigentlich schlüge die Stunde der Linken. […] Anlässe gäbe es genug. Die Gruppenvergewaltigung in Freiburg. Die Prügelattacke auf Kippa-Träger in Berlin. Angriffe auf Schwule und Lesben auf Straßen und Plätzen. Drohungen gegen Apostaten in Flüchtlingsheimen. Und in manchen Fällen: Offene Verherrlichung von Nationalsozialismus und Holocaust auf Demonstrationen für gerechten Frieden in Nahost. Doch die Waffe der Kritik bleibt im Schrank. Zumindest dann, wenn die Täter nicht deutscher Herkunft sind.

[..] Auch in Freiburg kamen die ersten Politikerreaktionen nicht ohne die Warnung vor einer Vereinnahmung der Taten durch Rechtsextremisten aus. Um die Opfer der Verbrechen geht es da längst nicht mehr. Nicht um Maria L. Nicht um Susanna F. Nicht um Adam A. Nicht um die 18-Jährige aus Freiburg, über die ihre Peiniger ein lebenslanges psychisches Martyrium verhängt haben. Den Opfern, so sie noch atmen, dürfte weniger nach dem von sich selbst ergriffenen Taumel sein, der einen Teil der Nation nach jedem neuen Verbrechen übermannt.

[…] „Natürlich müssen wir über Probleme reden“, heben jene, die substanzielle Kritik zu üben längst verlernt haben, an. […] So viel linksliberale Nachsicht wünschte sich so mancher eingeborene Sprücheklopfer. Man könnte es so versuchen: Bei migrantischen Tätern wird oft entschuldigend auf deren Sozialisation in patriarchalen Systemen verwiesen. Wie könnten sie anders!

Mit dem gleichen Argument wären dann aber auch ihre biografiedeutschen Pendants freizusprechen. Denn, das hat uns die feministische Kritik ja mit auf den Weg gegeben, auch Deutschland ist ein patriarchal strukturiertes Land. Wieso die Sozialisation bei den einen strafmildernd wirkt, während sie bei den anderen keine Rolle spielt, bliebt das Geheimnis dieser Klientel.

Wer sich aus der Deckung wagt, lebt gefährlich. Längst gilt die feministische Übermutter Alice Schwarzer vielen ihrer jungen Erbinnen als islamophobe Rassistin, weil sie es wagt, Kopftücher uncool zu finden und auf Emanzipationsdefizite in mehrheitsmuslimischen Gesellschaften hinzuweisen.

[…] Schwarzers Schicksal, ausgerechnet von der linksliberalen Avantgarde in die rechte Schmuddelecke verbracht zu werden, ereilt selbst Migranten. Säkulare, liberale und ehemalige Muslime warnen schon lange vor den Gefahren, die einem angestrengten Weggucken in antirassistischer Mission innewohnen.

Ein ungeheurer Affront für ein Milieu, das sich Migranten als Schützlinge hält und das recht ungemütlich werden kann, wenn diese die Rolle nicht klaglos annehmen. So landen kluge Mahnerinnen und Mahner wie Seyran Ates, Necla Kelek, Ahmad Mansour, Düzen Tekkal und Hamed Abdel-Samad im Giftschrank des politischen Diskurses. Auf die Störung der politischen Friedhofsruhe steht die Höchststrafe.

Der Fall der Gruppenvergewaltigung von Freiburg ist die zweite Tat binnen zwei Jahren, die ein Trauma in der Stadt hinterlassen wird. Schon der brutale Mord von Hussein K. an der Studentin Maria L. 2016 erschütterte die dortige Bevölkerung. Auf eine feministische Antwort darauf wird wohl noch länger zu warten sein.

Eine großartige Kritik, die die Doppelmoral des aktuellen Feminismus (Alice Schwarzer und die EMMA ausgenommen) auf den Punkt bringt. Diesen Beitrag habe ich am Freitagabend in einer Facebook-Gruppe gepostet, mit dem m.E. ziemlich harmlosen Kommentar: „Warum sind Feministinnen so still, wenn die Vergewaltiger Flüchtlinge/Zuwanderer sind? Was denkt ihr?“

Es entspann sich eine kontroverse und mit harten Bandagen geführte Diskussion. Nach ein paar Stunden ging ich ins Bett. Als ich am nächsten Tag wieder an den Rechner ging, war folgende Meldung von Facebook in meinem Postfach:

Screenshot_2018-11-03 Facebook

Ich finde das ein ziemlich starkes Stück. Feminismus darf offensichtlich nicht kritisiert werden. Oder die Verbindung von Vergewaltigung und Flüchtlingen ist nicht mehr erlaubt, obwohl in diesem Fall offensichtlich. Ich halte das für einen massiven Eingriff in die Meinungsfreiheit. Ich habe ja schon viel von willkürlichen Löschungen auf Facebook gehört, war aber selbst noch nicht betroffen. Tatsächlich sind die Löschungen nicht wirklich willkürlich, bestimmte Meinungen außerhalb des linksliberalen Mainstreams sind offensichtlich nicht gern gesehen.

Wie geht es Männern und Kindern nach ihrer Flucht hierher?

…fragt niemand. Der erste April ist übrigens vorbei.

Hier geht es NICHT um die Frage ob wir Flüchtlinge reinlassen sollen oder nicht und was Frau Merkel damit zu tun hat. Ich mache hier explizit das Thema auf, wie wir mit den Menschen umgehen, die hier sind. Wer die Flüchtlingsfrage(tm) diskutieren will, macht das bitte woanders. Ich behalte mir daher ausnahmsweise und explizit vor, entsprechende Kommentare nicht zuzulassen oder auch zu löschen. Danke für Euer Verständnis.

Jedenfalls hat mal wieder jemand gefragt, wie es weiblichen Flüchtlingen geht. Und natürlich den Kindern von Müttern. Es war Unicef und die Berliner Charité. Dargestellt in der Zeit und bei Spiegel Online.

Mir erschließt sich schlichtweg nicht, warum man hier nur die weiblichen Flüchtlinge sieht. Was übrigens eine Tradition ist, die so lange währt wie die Flüchtlingskrise. Schon früh wurde bemängelt, dass Frauen viel zu weit weg von Waschräumen untergebracht wurden. Dass man insbesondere Frauen helfen müsse.

Man könnte sich natürlich auch mal zu den geschlechtsspezifischen Problemen der 2/3 Mehrheit der Flüchtlinge machen, aber das wäre wohl zuviel der Gleichstellung, um die man sich in diesem Land doch sonst so sehr bemüht. Was würde rauskommen?

  • Männer bekommen wahrscheinlich grundsätzlich die schlechteren Unterkünfte.Sie werden ohne Rücksicht auf unterschiedliche Ethnien und Kulturen zusammengepfercht.
  • Männer werden stärker aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt.
  • Männer werden bevorzugt auf die gefährliche Reise geschickt und unter Männern sind die meisten Todesopfer zu verzeichnen.
  • Männer haben den expliziten Auftrag, ihre zuhausegebliebenen Familien zu versorgen und verzweifeln im besonderen Maße daran ihn nicht erfüllen zu können.
  • Männer sind sicherlich nicht nur hier, sondern natürlich noch mehr in ihren Herkunftsländern von Gewalt bedroht und haben sie reichhaltig erlebt.
  • Wie steht es eigentlich mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs von Männern?

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich angekotzt darüber, dass unsere Qualitätsmedien klaglos darüber berichten wie man die Hälfte der Menschen mal wieder vergisst. Nebenan bei Alles Evolution fragt Christian ob man Maskulist sei, wenn man findet, dass durch den Feminismus in unserer Gesellschaft die Männer systematisch benachteiligt und Frauen bevorzugt werden. Für das Frauenministerium ist man bei Bejahung ein fieses Maskunazischwein. Sowas aber auch.

Warum ich den Brüdern Braun applaudiere

Gestern hatte ich über eine persönliche Erfahrung mit unsichtbaren Männern gebloggt. Von diesen unsichtbaren Menschen gibt es aber noch viel mehr. Sie sind von der Politik ausgeblendet und von den Massenmedien schlicht vergessen worden. Im gesellschaftlichen Diskurs kommen sie nicht vor. Gehör finden einige von ihnen dann wieder, wenn sie bereits sind, auch radikale Konsequenzen daraus zu ziehen.

In dieses Bild fügt sich ein Fundstück, über das ich – mal wieder – via Fefe gestolpert bin. Dass ich nochmal im ehemaligen Nachrichtenmagazin echte Nachrichten lesen würde, hätte ich nicht erwartet! Immerhin muss ich anerkennend zugeben, dass Spiegel Online hier ausnahmsweise aus der üblichen Berichterstattung ausschert.

Was war geschehen? Das Miniatur-Wunderland in Hamburg hatte im Januar all diejenigen Leute gratis hereingelassen, die sich den Eintritt nicht leisten konnten. Entgegen den Unkenrufen, dann würden sich viele Leute auch einfach so das Geld sparen, kamen genausoviele zahlende Besucher wie im Vorjahr. (Korrekt mitgedacht: Gemäß dem Fall, dass die Besucherzahlen ansonsten steigen, hätten natürlich dennoch einige das Angebot ausgenutzt. Aber ich möchte nicht knauserig sein und erwähne das nur, damit kein Statistik-Fehler in den Kommentaren aufgeführt wird.)

Und – wer hätte das gedacht? – natürlich waren unter den 18.000 Profitierenden auch Flüchtlinge. Den Leuten mal etwas anderes zu zeigen als ihren Alltag, das war ja ein Anspruch von Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik. Deswegen begrüße ich solche Angebote, egal wen sie treffen. Sie bieten immer die Chance, einen Menschen zu erbauen und zu erhellen, und diese Chance sollten so viele wie möglich haben.

Anlass für die Berichterstattung – hier wird es dann wieder ganz gewöhnlich – war ein Brief an die Betreiber, die Brüder Gerrit und Frederik Braun, in dem sich jemand darüber echauffierte, dass auch Flüchtlinge gekommen waren. Weitere Stichworte: Merkel, Wirtschaftsflüchtlinge, Bomben.

Die Brüder haben in mehrfacher Hinsicht sehr souverän reagiert: Da der Brief nicht anonym war, haben sie tatsächlich den Absender angerufen. Im Artikel laden sie ihn ausdrücklich ein, ins Miniatur-Wunderland zu kommen und mit ihnen zu reden. Einen schauerlichen Brief mit einer besonnenen Einladung zu kontern – Hut ab!

Sie haben eben nicht den Namen des Absenders bekannt gegeben und ihn damit sozial geächtet, oder gar „von der Debatte ausgeschlossen“. Gut möglich, dass jemand, der so einen wütenden Brief schreibt, mit solchen Maßnahmen nicht mehr erreichbar ist. Aber gleichzeitig lesen eben viele andere, irgendwie frustrierte, aber noch unentschlossene Menschen solche Artikel. Für die kann das ein Signal sein: „Die Brüder Braun halten sich nicht nur für gute Menschen; sie wollen auch keinen Graben aufmachen zu denen, die sie nicht für gut halten, sondern lieber mit diesen Leuten reden.“

Die rührselige Geschichte hat aber noch ein ganz trauriges Element:

Frederik Braun: (…) Wir verzeichnen Pro-Kopf-Umsätze. Das heißt, wir wissen, wie viel jeder Kunde im Durchschnitt im Bistro ausgegeben und Merchandising gekauft hat. Und rechnet man diese 18.000 raus…,

Gerrit Braun: …kommt man auf ein ganz trauriges Ergebnis.

Frederik Braun: Es ist nämlich die gleiche Zahl wie sonst. Was heißt, obwohl diese 18.000 Menschen keinen Eintritt zahlen mussten, hatten die meisten nicht mal das Geld, ihren Kindern eine Cola zu kaufen.

Frederik Braun: [W]ir haben Märchen da unten erlebt. Weinende Kinder, weinende Eltern. Ein Sohn hatte sich zu Weihnachten als einziges gewünscht, ins Miniatur-Wunderland zu gehen – und die Eltern konnten es sich nicht leisten, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Und jetzt standen sie da und beide Eltern haben geheult. Mir stiegen auch die Tränen in die Augen. Für solche Momente hätten wir eigentlich bezahlen müssen.

Am gesellschaftlichen Leben mangels Geld nicht teilnehmen zu können: So sieht Armut in Deutschland aus. Mit solchen Aktionen und der entsprechenden Berichterstattung macht man sie sichtbar. In einem „Deutschland geht es gut“-Weltbild kommen sie nicht mehr vor, weil sie ihm widersprechen.

Ein hässlicher Zweifel, der seit Tagen an mir nagt: Ob dieser Artikel auch erschienen wäre ohne den feindseligen Brief gegen Flüchtlinge? Das und die starke emotionale Reaktion darauf waren schließlich der Aufhänger. Die Erwähnung der allgemeinen Armut wurde sozusagen Huckepack in den Artikel getragen.

Flüchtlinge gegen arme Deutsche auszuspielen, egal in welche Richtung, hieße allerdings, eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) durch eine andere zu ersetzen. Dabei verhält es sich in Wirklichkeit so, dass wer eine GMF ok findet, auch eher einer anderen zustimmt. Es hat also keinen Sinn, da irgendwelche Prioritäten zu verhalten: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist immer abzulehnen!

Die Brüder Braun haben auch in dieser Hinsicht richtig reagiert: Sie haben nicht unterschieden zwischen „wichtig“ und „weniger wichtig“, „bringt Aufmerksamkeit“ und „bringt keine“. Sie haben das getan, was eigentlich Aufgabe von Politik und Medien wäre: Den Armen Aufmerksamkeit gegeben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zwei Brüder, die eine positive Nachricht verbreiten… da fällt mir als erstes auch ein Lied mit „Brothers“ im Titel ein.

Coldplay: Brothers and Sisters