Fundstück: Ahoi Polloi über Fake News, die „alternative Rechte“ und Martin Schulz

Immer wieder lesenswert: Ahoi Polloi schafft es, sogar der Fake-News-Hysterie noch einen neuen Aspekt abzugewinnen!

Fake News der besonderen Art
eine Alternative zur „alt-right“
Martin Schulz als Hans Dampf in allen Gassen

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. über Medienblockade, political correctness und Ballerspiele
  2. über Beschimpfungen, Hate Speech und den postheroischen Mann
  3. über Nazis, freie Meinungsäußerung und immer wieder Nazis
  4. Ausreden, Fake News und Rassismus
  5. prägnante Wahlanalyse
  6. Donald Trump, Politik und Medien
  7. Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen
  8. Sexismus
  9. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  10. kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  11. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  12. das neue Sexualstrafrecht und die Unschuldsvermutung
  13. dreimal zu „hate speech“
  14. eine ganze Sammlung
  15. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Also, damals gab es ja noch einen ganz anderen Martin, der unglaublich angesagt war…

Diether Krebs: Ich bin der Martin, ne…?!

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Fundstück: Wladimir Putin kommentiert souverän Fake News

Weil die US-Präsidentschaftswahlen nicht wie von politischem Establishment und Massenmedien erwünscht ausgingen, musste eine Verschwörungstheorie her: Die braven Wähler wären durch Fake News manipuliert worden, um am Ende Donald Trump zu wählen. Und wer war der Bösewicht dahinter? Natürlich, die Russen! Sie haben nicht nur die Wahlen gehackt. Weil Donald Trump sich mit Wladimir Putin verstehen soll, „drohe“ Verständigung zwischen den USA und Russland. Viel bekloppter geht’s nicht.

Und was ist die beste Reaktion darauf? Genau, selbst Fake News gegen Donald Trump in die Welt setzen! Er soll sich angeblich in Moskau mit Prostituierten vergnügt haben. In diesem Zusammenhang hatte Fefe mal wieder ein bemerkenswertes Fundstück. Laut dem äußerte sich der russische Präsident sinngemäß so:

Donald Trump sei ein erwachsener Mann, habe seit Jahren mit Schönheitswettbewerben zu tun und einige der schönsten Frauen der Welt getroffen. Er, Wladimir Putin, halte es für schwer zu glauben, dass Donald Trump daher in ein Hotel eilen müsste, um einige leichte Mädchen zu treffen – obwohl die russischen ohne jeden Zweifel die besten der Welt seien.

Was habe ich gelacht! So reagiert man auf solche Vorwürfe: Nicht ernst nehmen, mit vernünftigen Einwänden die Gerüchte schon auf einfachster Ebene völlig unglaubwürdig erscheinen lassen und danach noch einen entspannten Spruch raushauen, mit dem man zeigt, dass man sich auf so billige Weise schon gar nicht aus der Reserve locken läßt. Da müsst Ihr schon mit etwas Besserem kommen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hier ein Lied mit Bezug auf Wladimir Putin und erlogenen Geschichten.

Funny van Dannen: Wladimir Putins Cousine

Warum ich die „Fake News“-Hysterie selbst für „Fake News“ halte

Also gut, „Fake News“ sollen es dann sein. Die Massenmedien haben sich auf ein neues Narrativ einigen können, mit dem der Widerspruch zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen erklärt werden kann:

Die richtige Sache war „auf offenem Felde ungeschlagen“, aber ausländische Mächte haben durch das massenhafte Verbreiten von Falschmeldungen (Fake News) im Internet die Wähler so beeinflusst, dass diese am Ende dem falschen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben.

Das ist ein tatsächlich recht rundgeschliffener Mainstreammythos. Die Erklärungen vorher waren letzten Endes schwer zu verteidigende Positionen. Deutungen aus einem geschlossenen Weltbild heraus wie etwa die im Sinne der Identitätspolitik waren nicht massenkompatibel genug. Ich hatte ja bereits der Dolchstoßlegende von den bösen weißen Frauen, die Donald Trump gewählt haben, keine Chance eingeräumt, weil sie als Erweiterung des Feindbildes weißer Mann nicht taugt.

Die jetzt getroffene Lösung hat viele Vorteile: Mit „russischen Hackern“ kann man irgendwelchen anonymen Kräften die Schuld in die Schuhe schieben, aber nebenbei noch andeuten, als gäbe es eine Verbindung zur russischen Regierung / Wladimir Putin. Und das ohne irgendwelche ordentlichen Quellen (wodurch sich das Narrativ natürlich selbst als Fake News entlarvt). Fake News sind noch besser als der Vorwurf der Wahlfälschung, welcher sowieso routinemäßig alle vier Jahre in den USA erhoben wird, zumal man diesen ja irgendwie beweisen müsste. Ferner läßt sich behaupten, Wahlbeeinflussung durch Fake News könne sich jederzeit wiederholen, „auch bei uns“, womit man die Brisanz für Europa hat und das Thema schön warmgehalten wird. Dass die Massenmedien mit diesem Narrativ subtile Fremdenfeindlichkeit schüren („die wollen uns was!“) und Angst verbreiten, während sie sonst Angst bei der Bevölkerung kritisiert – wen kümmert das schon?

Denn die Alternative wäre ja eine echte Wahlanalyse, wie sie etwa die Nachdenkseiten oder Cicero veröffentlicht haben und bei der dann unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht kommen: „Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren“ – für sie sind soziale Klassen kein Thema mehr.

Dieses Erkenntnis käme aber für weite Teile der Medien einem Schuldeingeständnis gleich, denn sie sind längst Teil der Elite, die eine funktionierende vierte Macht im Staate kritisieren und gegen die diese eine Gegenöffentlichtkeit aufbauen würde. Um sich nicht selbst in schlechtes Licht zu rücken, soll daher vermieden werden, die Bevölkerung ernst zu nehmen.

Der Vorstoß einiger Politiker, „Fake News“ zu einem neuen Straftatbestand zu machen, wurde entsprechend medial flankiert: Journalisten treten allen Ernstes für Zensur ein, nachdem ihnen die Deutungshoheit entglitten ist. Man beachte: Das war nicht irgendein Schreiberling für ein Käseblatt, sondern die WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich in den Tagesthemen!

Wie bei den Nachdenkseiten treffend kommentiert wurde:

Auf dem direkten Weg in die Postdemokratie. Was sind bitte „Gezielte Desinformation zur Destabilisierung eines Staates“? Das liegt immer auch im Auge des Betrachters. Aus Sicht der Eliten kann das jede Kritik an den herrschenden Verhältnissen sein.

Der ansonsten überstrapazierte Vergleich mit den Nazis trifft diesmal: Schon die Nazis gaben vor, „Fake News“ zu bekämpfen. Die Nachdenkseiten haben hierzu eine studentische Hausarbeit von Tobias Jaecker gefunden:

Um die Presse in den Griff zu bekommen, bedienten sich die Nationalsozialisten zunächst des Instruments der Notverordnungen, die der Reichspräsident erlassen konnte. Mit der „Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933 wurden Beschlagnahmung und Verbot von Druckschriften geregelt. Unter der Verantwortung von Reichsinnenminister Frick wurde ein umfangreicher Katalog von Verbotsgründen erarbeitet. Darunter fielen etwa die Verbreitung „unrichtiger Nachrichten“ und der Aufruf zum Streik.

Die Nazis im O-Ton (Quelle: Dokumentarchiv.de):

„Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933
„Periodische Druckschriften können verboten werden (…) wenn in ihnen offensichtlich unrichtige Nachrichten enthalten sind, deren Verbreitung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden. (…) Zuständig für das Verbot einer periodischen Druckschrift sind die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen.“

Es ist alles nicht neu: In den letzten Jahren haben wir eine ganze Reihe von Initiativen erlebt, um unter dem Deckmantel einer guten Sache Zensurinstrumente einzuführen. Zunächst waren es die Netzsperren gegen Kinderpornographie. Dann wollte die EU Antifeminismus verbieten. Vor den Vereinten Nationen durften sich Anita Sarkeesian und Zoë Quinn darüber ausheulen, was für schreckliche Sachen ihnen im Internet passieren würden: Es gäbe tatsächlich Leute, von denen sie kritisiert würden! Sie forderten Schutz – wobei der Vorwurf der „Nachstellung“ sich für sie nicht nur auf illegale Aktivitäten erstrecke, sondern auch so fürchterliche Beschimpfungen wie „Du bist eine Lügnerin“ oder „Du bist doof“. Das Wehklagen hatte woanders durchaus Erfolg: Google machte machte den Bock zum Gärtner.

Wie schnell solche Mechanismen, um Leute mit abweichender Meinung zum Schweigen zu bringen, entgleiten können, hätte man eigentlich aus der Geschichte lernen können. Nun hat Donald Trump noch einmal exemplarisch vorgeführt, was „die Geister, die sie riefen“ bedeutet.

Welch Ironie, dass ausgerechnet „Der Postillon“ besonders vielseitig über Fake News berichtet:

  1. Ratgeber: Alles, was Sie jetzt über Fake-News wissen müssen
  2. Bundeskanzler Hubert Dreher will Fake-News unter Strafe stellen
  3. Hat Fake-News verbreitet: Türkischer Journalist zu 5 Jahren Haft verurteilt
  4. Teenager (15) endlich fertig damit, unter jedes einzelne YouTube-Video „Fake!“ zu schreiben – der vielfach vergessene Ursprung der Fake-News-Vorwürfe

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Um „News“ wieder in einen positiven Zusammenhang zu bringen:

Huey Lewis & The News – Perfect World

Fundstück: Ahoi Polloi mit Ausreden, Fake News und Rassismus

In diesem Monat hat sich einiges verändert und Ahoi Polloi hat gleich mehrere dieser Phänomene kommentiert. Ich bin nach wie vor beeindruckt, wie hier die Schlagzahl an guten Ideen gehalten wird!

  1. neue Ausrede (seit diesem Monat!)
  2. Fake News (werden seit diesem Monat endlich ernst genommen!)
  3. Rassismus (bzw. über den richtigen Umgang mit diesem)

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. prägnante Wahlanalyse
  2. Donald Trump, Politik und Medien
  3. Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen
  4. Sexismus
  5. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  6. kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  7. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  8. das neue Sexualstrafrecht und die Unschuldsvermutung
  9. dreimal zu „hate speech“
  10. eine ganze Sammlung
  11. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es um Nachrichten geht, die nicht stimmen… hier passen sowohl der Bandname als auch die der Liedertitel.

Huey Lewis & The News – Some of My Lies Are True