Fundstück: Was macht das coole Patriarchat für den einfachen Angestellten?

Der von mir als Gastartikel verwendete Kommentar von Leszek hat einige sehr interessante Kommentare ausgelöst. Ich hoffe, die Diskussion geht noch weiter!

Ein Punkt, der dort genannt wurde, waren gewaltfreie Aktionen, die mit wenig Aufwand viel Effekt erzeugen können. Dafür braucht man natürlich künstlerische Begabung und Kreativität.

Das bringt mich zum heutigen Fundstück. Evan Delshaw hatte ich bereits erwähnt. Vergangenen Monat hat er ein neues, gut gemachtes Video veröffentlicht:

Paying with Privilege

Keine zweieinhalb Minuten lang, mit Humor, gleichzeitig werden eine ganze Reihe Fakten genannt. Kein einfaches Abfilmen vor der Webcam, sondern mit Aufwand produziert.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, dass jetzt jeder solche Videos machen muss und darunter gar nichts geht. Ich freue mich erst einmal, dass solche schönen Sachen entstehen. Für die Frage, was ich selbst machen kann, ist es aber ein guter Denkanstoß, einmal verschiedene gute Aktionen zu sehen.

Was wäre denn die einfachste Folgeaktion? Deutsche Untertitel für diejenige, die des Englischen nicht so mächtig sind? Den Clip verbreiten über die üblichen Kanäle?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da gab’s doch mal ein Lied über Videos…

The Buggles: Video Killed The Radio Star

Fundstück: Evan Delshaw und das Universitäts-Orientierungs-Video für Männer

Ein Video nennt alarmierende Zahlen: 160% aller weiblichen Schüler und Studenten werden vergewaltigt! (*) Da Männer von Natur aus zu Vergewaltigungen neigen, muss man sie darüber aufklären, dass das nicht gut ist. Endlich gibt es ein Video, das männlichen Schülern und Studenten zeigt, wie sie sich zu benehmen haben!

University Orientation Video

Evan Delshaw war mir zuerst durch seine gut gemachte Anita-Sarkeesian-Parodie aufgefallen. Der junge Mann hat aber mehr in petto, so etwa eine Krisensitzung des Patriarchats (ähnlich wie seinerzeit bei Christian Schmidt). Er nimmt auch ein feministisches Podiumsgespräch auseinander oder präsentiert seine feministische Marketingagentur und ihre tollen Erfolge.

Schön finde ich, wie er die verquere Logik von Anita Sarkeesian auf die Schippe nimmt. Dabei ist er gut angezogen und gepflegt und hat offensichtlich technischen Aufwand getrieben, anstatt das Video einfach vor seinem Computer zu drehen:

Feminist Fails with Frequency – Delshaw Daily

Ab 1:22 zitiert er ihren astreinen Catch-22 aus einem ihrer frühen Videos: Sie behauptet sinngemäß, je mehr man glaube, von etwas nicht betroffen zu sein, desto mehr sei man betroffen. (Es ging um Einfluss von Medien auf das eigene Weltbild, also etwa Darstellung von Frauen als hilflos.) Mit der Logik lassen sich auch Hexenprozesse führen: Entweder man gibt es zu und die Schuld ist erwiesen, oder die Tatsache, dass man es nicht zugibt, zeigt, wie sehr man schuldig ist. „Je mehr man abstreitet, ein gefährlicher Massenmörder zu sein, desto wahrscheinlicher ist man einer.“

Gegen 3:59 weist er auf ein interessantes Dilemma hin: Würde man aus Anita Sarkeesians Leben ein Spiel machen – würde sich das nicht erst recht der Kritik aussetzen müssen, eine Frau einseitig und unnötig als hilfslos darzustellen?

Es erinnert an eine Frage, die ich über Dr. Matt Taylor gelesen habe: Hätte er sich ein Hemd machen lassen mit halbnackten Femen-Mitgliedern, wäre das dann sexistisch oder befreiend gewesen?

(*) Es hat ja niemand gesagt, dass die Zahlen stimmen müssen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Stück von der Band Feuerschwanz, deren Name bereits andeutet, dass sie unanständige Lieder machen. Ich habe sie Ende 2005 gesehen: Eine lebenslustige Truppe, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt, bei der Frauen mitmachen und den Zuschauern auch einfach mal Met in den Mund gegossen wird. Leider versteht nicht jeder soviel Spaß. Das hat zuletzt anscheinend dafür gesorgt, dass ein Auftritt abgesagt werden musste. Na, dann erwähnen wir das umstrittene Stück doch am besten!

Feuerschwanz: Wunsch ist Wunsch