Warum ich dieses Interview mit Ulrich Kutschera schauerlich finde

Via Emannzer stieß ich auf ein Interview mit Ulrich Kutschera, das kath.net unter dem Titel Meinungs-Unfreiheit und fehlende Debattenkultur veröffentlicht hat. Nun habe ich selbst ja mehrfach für Meinungsfreiheit und eine bessere Debatte plädiert – dem Titel nach sollte das also genau meine Sache sein. Ich finde das Interview allerdings schauerlich. Die wichtigste Frage ist natürlich, warum.

Stecken wir erst einmal den Rahmen sinnvoll ab: Das wird keine Bewertung der Arbeit Ulrich Kutscheras oder gar sämtlicher seiner Äußerungen sonstwo. Erst geht einzig um dieses Interview. Wir hatten in diesem Blog ja bereits eine Rezension von Ulrich Kutscheras Buch durch djadmoros.

Ferner beurteile ich unter der Annahme, dass korrekt zitiert wird. Wir wissen von anderswo, wie man hervorragend Aussagen aus dem Zusammenhang reißen kann. In diesem Fall gehe ich – bevor ich gegenteilige Informationen bekomme – davon aus, dass dies hier nicht geschehen ist, denn kath.net war ihm wohlwollend, zumindest neutral gesonnen und ich traue Ulrich Kutschera erst einmal zu, dass er solche Aussagen auch so tätigt.

Was nützt es kath.net, so ein Interview zu veröffentlichen? Es ist kompatibel mit einem christlich-konservativem Weltbild („das gute Abendland wird bedroht“). Ein Streit der Weltanschauungen wird insofern vermieden, als Atheismus gar nicht erwähnt wird.

Wenn ich ein Interview mit jemandem lese, der ein Anliegen hat, das ich eventuell sogar teile, frage ich mich: Kann ich „Neutrale“ damit überzeugen? Ist es vorzeigbar? Dieses Interview ist für die schon Bekehrten, nicht für die Zweifelnden oder Suchenden. Es ist der Name Ulrich Kutschera, der zieht – ohne ihn wäre das Interview Standardkost

Wenn ich von Ulrich Kutschera nicht schon vorher gehört hätte, würde ich ihn nach diesem Interview für ziemlich durchgeknallt oder zumindest unseriös halten. Einfacher Test dazu: Das Interview so lesen, als ob es mit „Peter Meier“ geführt worden wäre. Was glaube ich, was Peter Meier wohl für ein Typ ist, nachdem ich nur dieses Interview mit ihm kenne?

Ich kann nachvollziehen, dass ein „early investor“ gegen die Mainstream-Meinung eher jemand ist, der Lust auf Konflikt hat, der seinen Wert durch viele Gegner bemisst, wenig zu verlieren hat, und eventuell auch etwas eitel ist. Das alles würde mich also nicht wundern. Es hätte auch keinen Sinn, von Gender-Studies-Kritikern zu erwarten, dass sie perfekte oder uneigennützige Menschen sind.

Was finde ich also konkret kritisierenswert? Gehen wir das Interview mal wie ein Fehlersuchbild durch:

1. vollstände Ablehnung der Geistes- und Sozialwissenschaften
(siehe Leszeks Kritik an Kutschera)

Das kommt als Thema hier in der Blogblase immer wieder hoch. Ich halte das sowohl in der Sache als auch „strategisch gedacht“ für falsch. Man schart damit vielleicht einen harten Kern um sich, wird aber nicht breite Zustimmung für sich gewinnen können.

2. unbedingte Verknüpfung von Themen: Wer A meint, muss auch bei B zustimmen

Hier wird eine Ablehnung der Gender Studies mit einer bestimmten Einstellung in der Flüchtlingsdebatte verknüpft. Damit verringert man automatisch den Kreis der Leute, die einem zustimmen werden, denn aus A folgt noch lange nicht B.

3. Pessimismus: Die Gesellschaft geht vor die Hunde

Richtig, wenn ich Aufmerksamkeit bekommen möchte, ist es sehr effektiv, mit Zorn und Angst zu arbeiten. Wenn ich allerdings Leute mobilisieren möchte für eine längerfristige Bewegung für etwas, dann muss ich vor allem ein positives Bild verkaufen. Reine Pessimisten haben nur sehr selten die Welt verändert (Pessimisten sagen sogar: noch nie).

4. Pseudo-Weltgewandtheit

Er gibt angeblich einen Blick aus internationaler Perspektive, bedient aber Leidenssehnsucht und Untergangsstimmung in Deutschland. Ich nenne das „fear porn“ – man ergötzt sich an Horrornachrichten.

Umgekehrt scheint er eine äußerst selektive Wahrnehmung zu haben, wenn er die USA über den grünen Klee lobt, was die Streitkultur angeht. So ist doch gerade das „deplatforming“ (man läßt Liberale oder Konservative nicht an Universitäten auftreten – oder gar Komiker, wenn ihr Humor „beleidigend“ ist) dort eine grassierende intellektuelle Seuche.

Ich orientiere mich fast ausschließlich über US-News. Dort finden Sie z. B. nach Terroranschlägen sofort die korrekten Täterbeschreibungen und den Verlauf der Untat.

Das würde, wenn es so wäre, gegen die US-Medien sprechen, denn Täterbeschreibungen und den Verlauf der Tat muss die Polizei erst erstellen bzw. rekonstruieren. Wie oft hieß es nach einem Verbrechen, man habe einen Verdächtigen, welcher dann jedoch freigelassen wurde, da er sich als unschuldig erwies, oder die Spure ginge in Richtung X, was sich später als falsch herausstellte?

5. Widersprüche zur Meinungsfreiheit und Debattenkultur

Er beklagt laut und dramatisch, es gäbe es in Deutschland keine Meinungsfreiheit und gibt sich als Streiter für unbequeme Wahrheiten, knickt aber in einem konkreten Fall selbst ein:

Nachdem mir der Organisator der Studium Generale-Vortragsreihe „Evolution“ mitgeteilt hatte, dass studentische Protestaktionen zu meinem Termin geplant seien, sagte ich ab

„Mit denen diskutiere ich nicht“ ist aber keine gute Haltung, um die eigenen Ansichten zu verbreiten und zu zeigen, dass man die besseren Argumente hat. Es wäre für einen wirklich streitbaren Wissenschaftler eigentlich ein gefundenes Fressen, wenn von jeder Sachkenntnis unbeeinflusste Leute gegen einen protestieren. Die könnte man richtig schön vorführen, sie haben es ja so gewollt!

Gut, bei der Wikipedia gestehe ich zu, dass Argumentieren oft tatsächlich keinen Sinn hat.
Da haben schon mehrere tatsächliche Wissenschaftler bei Artikeln aus ihrem Fachgebiet das Handtuch geworfen, weil da einfach die Masse über „die Wahrheit nach Wikipedia“ abstimmen können und die Meinung eines uninformierten, aber gut vernetzten Menschen mit viel Zeit locker mehr wiegt als die eines Studierten.

6. biologischer Determinismus

Die wirklichen Probleme, die sich bei einem Männer-Überschuss von jungen, paarungsbereiten, zum Gebären unfähigen Variationen-Generatoren in jeder Population ergeben (Destabilisierung bis zu Kollaps), werden unter den Tisch gekehrt. (…) Ein Männerüberschuss, bezogen auf die entsprechende Alters-Kohorte, geht immer primär zu Lasten der Frauen und erhöht die Konkurrenz unter den testosterongesteuerten Herren.

Kutschera will soziale Phänomene alleine durch Biologie vorhersagen. Gut, wenn man schon Sozial- und Geisteswissenschaften vollends ablehnt, was will man auch anderes machen, als mit MINT-Fächern die Welt erklären? Eine Soziologie etwa könnte erklären, wie man mit einem „Männerüberschuss“ umgeht, unter welchen Bedingungen es friedlich bleibt, wie man trotz der daraus resultierenden Chancenlosigkeit vieler Männer beim anderen Geschlecht den Betroffenen eine sinnvolle Rolle in der Gesellschaft ermöglichen kann usw. Das wäre ein deutlich positiverer Ansatz als „die Welt geht automatisch unter“.

7. Polemik gegen Gegner

Eine Wortwahl wie „naturwissenschaftlich unterbelichtete Ideologen“ wird einige Fans erfreuen, aber Außenstehende und Unentschlossene abschrecken. Eine schlechte Methode, um die eigene Kritik auf eine breite Basis zu stellen.

Umgekehrt werden in der Formulierung die „rechten Nazi-Verbrecher“ im Deutschland der 1930/40er Jahre die rechten Nazi-Verbrecher in Anführungsstriche gesetzt, so als ob das eine Übertreibung wäre und sie nicht rechts, Nazis oder Verbrecher gewesen wären… sehr gruselig.

8. Schlechte Belege

wer nüchterne Fakten benennt, z. B. die Tatsache, dass mindestens 90 % aller Zuwanderer junge Männer aus arabisch/afrikanischen Ländern sind (s. Internet-Bilder), wird in eine „rechtsradikale Ecke“ gestellt.

„Siehe Internet-Bilder“das soll eine Quelle sein, mit der man „nüchterne Fakten“ benennt? Und das von einem Wissenschaftler!

Fazit

Beim Lesen des Interview kamen mir immer wie die zwei abgelutschten Sprüche „Schuster, bleib bei Deinen Leisten!“ und „O si tacuisses, philosophus mansuisses.“ in den Sinn. Eine Kritik an den Gender Studies aus biologischer Sicht ist höchst willkommen. Mit vielem anderen, was Ulrich Kutschera in dem Interview äußert, kann ich jedoch überhaupt nichts anfangen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Den Klassiker von Sam Cooke, in dem der Sänger zugibt, wenig Ahnung von Biologie zu haben, hatte ich schon einmal. Hier ist eine schöne Coverversion:

The Moon Loungers: What a Wonderful World

Fundstück: EMANNzipation – Gleichberechtigung bitte auch für Männer

Auf diesen Beitrag wollte ich schon lange gesondert hinweisen, weil er so sehenswert ist. Der WDR brachte ihn ursprünglich in der Rubrik „Gegen den Strich“ seiner Sendung „Markt“. Angenehmerweise wurde er rechtzeitig bei Youtube eingestellt, so dass man ihn nach wie vor sehen kann:

EMANNzipation – Gleichberechtigung bitte auch für Männer (Original)

EMANNzipation – Gleichberechtigung bitte auch für Männer (Alternative Quelle)

Inhaltliche Zusammenfassung bei Genderama:

Der fast 20 Minuten lange Beitrag steht seit seiner Ausstrahlung auf der Blogroll von Genderama. In ihm stellen ausnahmsweise mehrere nicht-feministische Männer ihre Sicht auf die Geschlechterdebatte dar. Gunnar Kunz und Bernhard Lassahn weisen auf die mangelnde öffentliche Unterstützung von Männerorganisationen und das generelle Ausblenden der Männerperspektive in der Geschlechterdebatte hin. Wolfgang Jacobs schildert seine Erfahrungen als Opfer häuslicher Gewalt durch seine Partnerin. Der Psychotherapeut Professor Matthias Franz macht unter anderem darauf aufmerksam, dass über 90 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle Männer betreffen und sich Jungen dreimal so oft umbringen wie Mädchen. Wenn es anders wäre, so Franz, „hätten wir schon lange einen Aufschrei in unserer Gesellschaft, dann würde sich eine Talkshow an die andere reihen“. Die Soziologin Karin Flake erklärt, wie Väter von Müttern bei der Kindererziehung beiseite gedrückt werden. Auch die Benachteiligung von Jungen im Schulsystem und ausgrenzende Vorurteile gegen Männer in erzieherischen Berufen werden in dem Beitrag behandelt. Darüber hinaus hinterfragt er den beliebten Mythos, dass Frauen für dieselbe Tätigkeit 22 Prozent weniger als Männer verdienen würden.

Dieser Inhalt hat dem Beitrag 2016 die Saure Gurke der Medienfrauen „für besonders frauenfeindliche Beiträge“ eingebracht. Oder wie es Arne Hoffmann im oben verwiesenen Genderama-Beitrag ausdrückt:

Schon das Formulieren einer nicht-feministischen Perspektive gilt den Medienmacherinnen als Frauenfeindlichkeit.

Lucas Schoppe hat sich mit dieser Logik in seinem Artikel Ist Gleichberechtigung frauenfeindlich? auf humorvolle Weise auseinandergesetzt.

Der WDR-Film kam wesentlich zustande durch die Leute hinter nicht-feminist.de (heute faktum-magazin.de ). Zu dem ursprünglichen Erfolg, diese Themen in die Massenmedien zubringen, kam Ende 2016 noch hinzu, die peinliche Haltung der Medienfrauen aufzudecken. Wenn man mit dem Ansprechen von Problemen andere Leute provozieren kann, ist klar, wie weit es bei denen mit der Menschenfreundlichkeit wirklich her ist…

Dieses große Lob spreche ich dabei Leuten aus, mit denen ich mir gerade nicht ständig gegenseitig auf die Schultern klopfe. Vor wenigen Wochen wurde mein Artikel „Warum positive Einstellungen zu Feminismus für mich kein Fehler in der Matrix sind„, in dem ich auch Lucas Schoppe großzügig zitierte, als „Pudelquatsch der Woche“ ausgezeichnet.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hoffen wir aufs Beste fürs neue Jahr.

ABBA: Happy New Year

Fundstücke: Artikelsammlung zur Silvesternacht 2015

Heute jährt sich die Silvernacht 2015 und mit ihr die Übergriffe in Köln. Aus diesem Anlass möchte ich – sozusagen als Leseliste – eine Sammlung von Artikeln bringen, die ich in den Monaten danach zu dem Thema gelesen und für lesenswert befunden habe. Es ist natürlich eine rein subjektive Auswahl mit besonderem Augenmerk auf diese Blogblase. Es bedeutet auch nicht, dass ich mit dem im jeweiligen Standpunkt, der im Artikel ausgedrückt wird, übereinstimme.

Einige Links, die ich gesammelt hatte, funktionieren inzwischen nicht mehr (die SZ Dank Adblocker-Blocker, Aranitas Gedanken hat eine neue URL, aber nicht alle alten Artikel). Einige Themen werden noch extra behandelt („Flüchtlinge“ waren schon vorher ein Thema, wurden aber mit der Debatte verbunden; „der postheroische Mann“ sprengt dann endgültig den Rahmen).

Als erstes möchte ich gesondert auf eine Buchrezension hinweisen, die erst vor wenigen Tagen erschienen ist und einige Fakten kurz und bündig nennt: Falsche Lehren aus der Silvesternacht von Monika Frommel (via Genderama).

Es folgen in chronologischer Reihenfolge die Artikel. In einigen Fällen habe ich noch Notizen zu den Artikeln. Nach der Liste kommen noch einige Zitate aus den Artikeln oder deren Kommentaren.

Popkultur gibt’s diesmal nicht, dafür eine technische Frage in die Runde: Schon seit einiger Zeit scheint dieses Blog keine Pingbacks mehr an andere Blogs zu versenden. Habt Ihr das Problem auch? Ist das also ein allgemeines WordPress-Problem? Oder liegt es an den Einstellungen? Hat sich im Hintergrund etwas geändert, was man jetzt neu einstellen muss? Oder werden die Pingbacks doch alle verschickt, aber fälschlicherweise als Spam identifiziert? Würde mich sehr darüber freuen, dieses Rätsel endlich zu lösen!

Artikel zum Thema „Silvesternacht von Köln 2015“

Gerhard beim Geschlechterallerlei: Nicht nur Männer sind Opfer von Gewalt

Mein Senf: Köln und Macht

Genderama: Vermischtes vom 05. Januar 2016

Erzählmirnix: Darum geht’s jetzt

Der Sexismusbeauftragte: Ein Hoch auf die Sippenhaft

Emannzer: Nur Erniedrigung von Frauen?

Der Blog des linken Maskulismus: Köln und die Gewalt am Bahnhof – entgültige und letztendliche Erklärung, die alle Zweifel beseitigt

sjw-watch: Die verstörende Reaktion der SJWs auf die Ereignisse in #Köln

Mein Senf: Menschen – Gruppen – Eigenschaften

Alles Evolution: Zu den sexuellen Belästigungen am Kölner Bahnhof

uepsilonniks: Feministische Deutung der Kölner Übergriffe: Sexismus sticht Rassismus

Genderama: Vermischtes vom 06. Januar 2016 – insbesondere über den Mythos „die Presse hat geschwiegen“ und den Kontext von OB Rekers Tipp („eine Armlänge Abstand halten“)

Lotoskraft: Zwei Seiten einer hässlichen Medaille

Don Alphonso bei Deus ex Machina: Sexuelle Gewalt in Köln mit dem Oktoberfest kleinreden

Legal Tribune Online: Kriminologe zur Silvesternacht in Köln „Keine ’neue Dimension der organisierten Kriminalität'“

Erzählmirnix: Handlungsanweisungen

Lucas Schoppe bei man-tau: Köln: Vom Alptraum in die Schützengräben

Gerhard Kaspar: Geschlechterrassismus ist In. Feminismus und Islamismus einig. Männer sind Schweine!

Genderama: Vermischtes vom 07. Januar 2016

Der Blog des linken Maskulismus: Solidarität mit dem nichtweissen Mann! (toller Aufruf!)

Genderama: Vermischtes vom 08. Januar 2016 – insbesondere über den Mythos „die Presse hat geschwiegen“

Genderama: Vermischtes vom 08. Januar 2016

Elitemedium: Doppelmoral

Gerhard Kaspar: Lügenpresse? Nein, aber Grünenpresse entspricht der Realität

Genderama: Lesermail (Versagen der Massenmedien)

Lucas Schoppe bei man-tau: Wie Anne Wizorek sexuelle Gewalt verharmlost

uepsilonniks: Die besten feministischen Reaktionen zu Köln-Sylvester

Emannzer: Männer – potenzielle Vergewaltiger?

Genderama: Vermischtes vom 11. Januar 2016

Mein Senf: #ausnahmslos (beinahe)

asemann.de: #ausnahmslos Mainstream

Erzählmirnix: Entwürdigt</a<

asemann.de: Rant: Wie die Nicht-Berichterstattung über Übergriffe Frauen zum Schweigen bringt

Dr. Alexander Stevens auf cuncti.net: Sexmobs und Sexismus – Deutschland dreht durch!

Genderama: Presseschau vom 11. Januar 2016

Genderama: Vermischtes vom 12. Januar 2016

Der Sexismusbeauftragte: Potentielle Vergewaltiger

asemann.de: Warum wird #ausnahmslos so hart getrollt?

Alles Evolution: #ausnahmslos

asemann.de: #ausnahmslos – schon gescheitert?

Genderama: Vermischtes vom 13. Januar 2016

Genderama: Vermischtes vom 13. Januar 2016 zum Zweiten

Der Sexismusbeauftragte: Potentielle Entschuldigung

Genderama: Vermischtes vom 15. Januar 2016:

Drachenrose: Der cis-heteronormative weiße Mann, der grundsätzlich immer schuld ist, und die Realität

aranxo beim Geschlechterallerlei: Kurznachrichten vom 16. Januar 2016

Corinna Bernauer bei der Piratenpartei: Warum Strafrechts- und Sexismusdebatten die falsche Reaktion auf Köln sind

asemann.de: Deutsche mit Migrationshintergrund vs. #ausnahmslos-Netzfeministinnen

Stadtmensch-Chronicles: Ausnahmslos vermurkst

Die Kraft von Kultur und Sozialisiation im intersektionalen Feminismus – der ganze ideologische Widerspruch treffend zusammengefasst

aranxo beim Geschlechterallerlei: Kurznachrichten vom 18. Januar 2016

Lucas Schoppe bei man-tau: Ein Kämpfer für den rechten Glauben besucht ein Amt

Genderama: Vermischtes vom 19. Januar 2016

Dog’n’Cat: Listen And Believe, If…

asemann.de: Verharmlosung a la Anke Domscheit-Berg

Erzählmirnix: Männer sind…

Genderama: Vermischtes vom 23. Januar 2016

asemann.de: Anne Will: Pauschalisieren mit Domscheit-Berg und Daimagüler

maennerrechte.org: Impressionen vom 06.02.2016 – missbrauchen von Missbrauchsopfern, Sexismus in Piratentrümmern – dieser Kommentar fasst es gut zusammen

asemann.de: Anti-Rassismus und Feminismus: Die Quadratur des Kreises – und noch einmal: der Widerspruch auf den Punkt gebracht

Genderama: Köln: Auflistung der Übergriffe zu Silvester liegt vor – Bilanz der Anzeigen

Leserpost (die ignorierten Opfer von Köln) – eine ganze Familie Opfer

Genderama: Vermischtes vom 13. Februar 2016 – 1/6 männliche Opfer, ignoriert

aranxo beim Geschlechterallerlei: Kurznachrichten vom 15. Februar 2016 – gute Kritik von links (Jungle World)

Lucas Schoppe bei man-tau: Kernschmelze. Rückblick auf einen überfordernden Monat

Der Schwulemiker: Von der Wölfin im Schafspelz

Genderama: Vermischtes vom 07. April 2016

Monika Frommel bei novo-argumente: Falsche Lehren aus der Silvesternacht (via Genderama: Vermischtes vom 23. Dezember 2016)

Monika Frommel bei Cuncti: Falsche Lehren aus der Silvesternacht (alternative Quelle)

Auswahl von Zitaten aus den Artikeln und deren Kommentaren

Tom174 bei Mein Senf:

wie kann es sein, dass Brüderles Dirndl Spruch zu einem Aufschrei führt, der Hinweis auf #köln aber in die rassistische Ecke geschoben wird?
(…)
Die Weissen haben die Macht. Ob das die Betroffenen Weissen auch so sahen?
(…)
wären es weisse Männer und eine schwarze Frau gewesen, was glaubt ihr was los gewesen wäre
(…)
Aber es passt eben, in direkten Beziehungen nicht, willkürlich definierten Gruppen (Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung was auch immer) mit Defaulteigenschaften zu belegen. Weder im Schlechtem noch im Guten.
(…)
Brüderle hatte an dem Abend auch nicht die Macht, seine Karriere hat die ach so wehrlose Journalistin zu einem ihr und ihrem Verlag genehmen Zeitpunkt beendet.

Christian bei Alles Evolution:
Hier hat Christian hervorragend vorhergesehen, wie man das Geschehene mit seinem Weltbild vereinbaren kann:

>>Man wertet dies nicht als etwas besonderes, sondern verweist darauf, dass es vielleicht etwas radikaler als sonst war, für die meisten Frauen das tägliche Leben eh ein Spiesrutenlauf tagtäglicher Belästigung ist, bei dem Frauen so etwas ständig erleben, und zwar von allen Hautfarben. Jetzt passt es auch wieder in das System, denn das Hervorheben der Übergriffe durch Schwarzafrikaner (darf man hier von PoCs schreiben?) ist dann:

* Leugnung der Rape Culture vor Ort („gute Deutsche machen das nicht“)
* Rassismus („wenn PoCs etwas machen, dann wird es erwähnt, im täglichen Leben ignoriert“)“<<

Ein Gedanke, der bei Forderungen an Männer nur selten vorkommt:
„Nur das mich eben mit afrikanischen oder deutschen Banden nichts verbindet, ich werde sie schon zum Schutz meiner Selbst sicherlich nicht in ihre Grenzen weisen, weil ich das gar nicht kann. Es dürfte dieser Subgruppe auch im übrigen relativ egal sein, wie sich anderweitig Männer benehmen, es sind schlicht sehr getrennte Verhältnisse.“

david in den Kommentaren:

Zu Ägypten: es gab mal eine Reihe von Meldungen über Frauen, die auf dem Tahir-Platz und drumherum begrapscht wurden. Das wurde bei uns über alle Maßen aufgebauscht (zur selben Zeit starben dort Männer!). Man berichtete damals viel über False Flag – Störer und Prügler, da das Regime offenbar versuchte die Demonstrationen als gewaltsame Aufstände zu diskreditieren.
Komischerweise kam den westlichen Journalisten nie in den Sinn, dass dies auch gerade für die wirkungsvollsten Ereignisse gelten könnte, die bei uns (und auch dort) den größten Aufschrei auslösten.
Komischerweise hat man von diesen Belästigern vorher und nachher praktisch nie wieder gehört. Nur zum Zeitpunkt, als die Leute mit der Revolution beschäftigt waren, ist das passiert. Genau am selben Ort.
Darauf hat mich schon damals mein Kairoer Freund aufmerksam gemacht, den ich just damals, Ende 2011, dort besucht habe.

Und später:

Hab mich gestern noch mit einer Freundin unterhalten, die mit einer Gruppe Frauen im Iran war. Als sie über einen Marktplatz in Ishafan gegangen seien, sei JEDE von ihnen MEHRMALS im Getümmel begrapscht worden.
Da scheint also durchaus ein Problem vorzuherrschen, was in unserem Kulturkreis in der Form keinesfalls besteht.

Der große Unterschied zu der Situation, die sich den Frauen in Köln geboten hat: es existiert dennoch eine generelle Ablehnung solchen Verhaltens, ein soziales Korrektiv ist jederzeit vorhanden und greift, wenn man sich dagegen wehrt, Umstehende darauf aufmerksam macht. Dann ist für den Grapscher schnell der Teufel los.

schöner Kommentar von yannababei erzählmirnix:

Also, wenn ich ein Mann wäre, würde ich mich davon diskriminiert fühlen, immer als sabberndes Monster, dass beim Anblick einer nicht total verhüllten Frau sofort jegliche Selbstkontrolle verliert, dargestellt zu werden.

Arne Hoffmann bei Genderama, Vermischtes vom 09. Januar 2016:

Als einheimischer Mann hat man in dieser Irrsinns-Logik keine Chance. Schweigt man zu den Übergriffen, beteiligt man sich dran, sexuelle Gewalt unsichtbar zu machen. Empört man sich darüber, zeigt man, dass man nur sein Revier für eigene Übergriffigkeiten schützen möchte. Der nicht-zugewanderte Mann wird als im Kern bösartig schlicht vorausgesetzt.

Nicks Sternstunde bei erzählmirnix:

Es ist nur ein ganz kleiner und nur allzu logischer Schritt von „Männer haben einen kulturell determinierten Hang zu sexueller Gewalt“ hin zu „Muslimische Männer haben aber einen stärkeren kulturell determinierten Hang zu sexueller Gewalt“.

Die Geschichte des biologistischen Rassismus ist sehr ähnlich verlaufen: Erst wurde behauptet, dass der männliche Geschlechtstrieb an sich sexuelle Gewalt determiniere, um dann in einem zweiten Schritt zu behaupten, dass der „Wilde“ einen stärkeren und weniger kontrollierbaren Geschlechtstrieb habe. Das Ergebnis war die Rechtfertigung von sehr grausamen Lynchmorden, nur in einem Klima der Todesangst könne der schwarze Mann seinen Geschlechtstrieb im Zaume halten. Beim weißen Mann genüge eine strenge Erziehung (und Beschneidung)

Der zweite Schritt folgt eben fast unausweichlich aus dem ersten, weil es eine Binse ist dass nicht alle Menschen gleich sind. Der Kernfehler liegt in einem deterministischem Verständnis von Biologie/Kultur.

Es nützt also nichts, wenn unsere lieben Feministinnen sich darüber beschweren, dass Feminismus für rassistische Zwecke „instrumentalisiert“ werde. Die Frage, die sich Feminismus stellen müsste wäre: „Warum können Rassisten derart spielend leicht Feminismus instrumentalisieren. Wieso kann man eine soziale Bewegung, deren Ziel die Gleichheit aller Menschen ist, für eine Bewegung mißbrauchen, deren Ziel die Ungleichheit der Menschen ist. Stimmt etwa etwas mit unseren Paradigmen nicht? Haben wir etwa etwas mit den Rassisten gemein?“

Und LoMi ergänzend:

Normalerweise haben Rassisten in der gesellschaftlichen Mitte wenig Erfolg. Rassismus wird überwiegend abgelehnt. Sie haben deshalb ja auch die Idee von „Rasse“ aufgegeben.

Die Vorstellung von einer starken kulturellen Prägung können sie aber aufgreifen. Denn diese Vorstellung ist ja akzeptiert in der gesellschaftlichen Mitte. Wenn der Feminismus sagt, dass Gewalt gegen Frauen ein Kulturprodukt ist, dann können sie den Rechten kaum widersprechen, wenn diese das auch sagen. Und wenn der Feminismus einen kollektiven „Feind“ benennt, können Rassisten das ebenfalls in gewissem Rahmen tun, weil das Bild des kollektiven „Feindes“ oder „Täters“ ebenfalls akzeptiert ist. Es hat im Feminismus eben nur etwas andere Vorzeichen.

asemann:

Die Angriffe von Köln haben die Glaubwürdigkeit eines Kernbestandteils des intersektionalen Feminismus, die Privilegientheorie (die besagt, dass weniger privilegierte Menschen privilegierte Menschen per definitionem nicht diskriminieren können) vollkommen zerstört. Es ist offensichtlich geworden, und wird jetzt auch in linken Kreisen diskutiert (…), dass schwarze Asylanten eben auch übergriffig sein können, obwohl sie doch „unterprivilegiert“ gesehen werden. Und nun wird auch den linken, intersektionalen Feministinnen bewusst, dass ihre Weise, die Privilegientheorie in Aktionen umzusetzen, ideologisch verblendeter Unsinn war.

Bisher habe größere Teile der Damen, die sich jetzt mit „#ausnahmslos“ an die Spitze der Bekämpfung von sexueller Gewalt und Rassismus setzen wollen, daran mitgearbeitet, Frauen, die sexuelle Gewalt durch „Unterprivilegierte“ erfahren haben, mundtot zu machen und in die rechte Ecke zu stellen.
Sogar linke Aktivistinnen, die es wagten, Belästigung in einem „Refugee-Soli-Camp“ öffentlich zu machen, wurden mundtot gemacht, sogar die TAZ wurde anscheinend eingespannt, um die Behauptungen dieser Aktivistin zu dementieren.
Das heißt: Es gab in der feministischen Szene bisher ganz absurde Zustände, wo einerseits verlangt wurde, Frauen in Bezug auf sexuelle Belästigung immer zu glauben, andererseits Frauen aber nie geglaubt wurde, wenn diese „unterprivilegierte“ Tätergruppen beschuldigten.

Arne Hoffmann bei Genderama, Vermischtes vom 15. Januar 2016:

Zeigt sich auch hier eine Besorgnis erregende Erodierung der Männlichkeit? Das Unvermögen in Kategorien von „Das wird hart, aber da müssen wir jetzt durch!“ zu denken? Ein beliebter Vorwurf meiner Vorgängergeneration an meine lautete „Mit euch kann man auch keinen Krieg gewinnen“. Derartige Formulierungen sind heute natürlich politisch höchst unkorrekt. „Mit euch kann man keine nationale Herausforderung meistern“ trifft es aber gut.

Ich wurde abgetrieben!

Es folgt ein Gastartikel von Emannzer. Vielen Dank!

Ein ziemlich persönlicher Beitrag, der viel in der ich-Form geschrieben sein wird. Einer, der mancher egozentrisch anmuten könnte und dennoch mal das beschreibt, was jeden Tag in diesem Land passiert.

Genetik bedeuted, dass zwei Menschen sich sexuell vereinigen und etwas Neues daraus entsteht. Diese Vererbungslehre bedeutet aber aber ebenfalls, dass aus dem natürlichen Prozess von „Mutation und Selektion“ etwas evolutionionäres entsteht. Quasi eine Art ‚Unsterblichkeit‘ auf begrenzte Zeit, denn mit jeder Generation halbiert sich potenziernd die Wahrscheinlichkeit, in seinen Enkelskindern weiter zu leben.

Aber das soll hier nicht das Thema sein und es geht auch nicht um irgendwelche Diskussionen oder abgehobenen Beiträge zum Thema „Sozialisation“ oder ähnlichem.

Es geht schlicht und einfach um einfach um das hier:

Abtreibung

Die etwas dramatisch wirkende Überschrift oben, mag polarisierend klingen – so man denn den einleitenden Text nicht verstanden hat. Aber er ist es nicht im Kontext der Fortpflanzung – und ich stellte im Laufe meines Lebens fest, dass es ausgeblendete Grauzonen in der Gesellschaft gibt, die bis heute kaum einer Betrachtung wert waren, denn „ihr Bauch gehört ihr“. Ist dem wirklich so, oder reden wir von einer Gruppe Narzisstinnen, die sich nabelzentriert nur um sich selbst dreht und dabei vergisst, dass es immer zwei Seiten gibt.

Der Auslöser zu diesem Thema war ein Beitrag von Graublau hier und es ging um das Thema „Sexuelle Selbstverantortung und Fortpflanzung“, sinngemäß. Daraus entspann sich eine Diskussion, welche u.a. im Thema Abtreibung mündete. Und diese hatte, bei bestimmten Menschen, immer den gleichen Grundtenor: Die Mutter trägt das Risiko, der Vater hatte seinen Spaß und sollte diesbezüglich auch nichts zu melden haben.

Dies ist nun stark ‚abstrahiert‘, stellt aber dar, wo ein Vater-in-spe steht – und wo sich eine Mutter-in-spe zu wähnen scheint: „Eine links, eine rechts und einen fallen lassen“ (es geht ums Stricken)

Irgendwann platzte mir der Kragen und ich brachte mich um eine Nacht, in einer hitzigen Diskussion, welche u.a. so (und nicht direkt) kommentiert wurde:

Beim Thema Abtreibung gibt es überhaupt keinen maskulistischen Konsens und keine Forderungen, sondern lediglich Vorschläge wie dass Väter ihren Widerspruch zumindest offiziell festhalten können und im Fall einer Traumatisierung aufgrund ihrer Machtlosigkeit, bei der Tötung ihres Nachwuchses kein Einspruchsrecht zu haben, bessere therapeutische Hilfe erhalten sollten.

Was passiert in diesen und zahllosen anderen Fällen? Feministinnen führen sich in einer unfassbaren Weise auf und steigern sich in die schrillste Empörung hinein, weil Männer ihren diversen Behauptungen und Wünschen überhaupt noch zu widersprechen wagen, statt bei all diesen Fragen ausschließlich radikalfeministische Maßstäbe gelten zu lassen. Diese „Empörung“ erinnert regelmäßig an die Tobsuchtsanfälle von Vierjährigen“

Bevor ich dieses Zitat auf Genderama las, hat mich diese unglaublich ‚emanzipierte‘ Diskussion; nebst einer Argumentation auf selbstfixierter Ebene derartig ‚getriggert‘ und ‚gespoilert‘, dass ich in nachtschlafender Zeit das Folgende schrieb:

Die Frau, die ich mal liebte wurde schwanger – und hat abgetrieben. Es war sicherlich nicht einfach für sie – aber ebenso sicher fehlte jede persönliche und gesellschaftliche Empathie dafür, wie sich der Partner dabei fühlt und was er gerne gewünscht hätte.

Und dieses auch auf eigenes finanzielles Risiko, ohne Regressansprüche, durchzuziehen bereit wäre. Der Name des Kindes hätte (so ein Junge) Julian gelautet – auch wenn er jurististisch nur ein Es bis dato war. Nun liegt der fiktive “er” auf dem Komposthaufen ungelebter Geschichte.

Tja, das ist lange her, seit es mir passiert ist (bzw. ich erleben musste). Hier also nun die Geschichte hinter der Geschichte und ich hoffe, die lange Einleitung hat, bis jetzt, noch niemanden zum Einschlafen gebracht.

Es ist eine kleine Geschichte der Zeit, unter der Männer heutzutage sozialisiert werden, aufwachsen müssem und mit deren Nebenwirkungen sie halt zu leben haben – bzw. zu leben lernen müssen, in diesem Zeitalter einer ‚Selbstbestimmung‘. Es ist die Geschichte eines Vaters in spe, welcher mitabgetrieben wurde und das Selbstbestimmungsrecht über sein Erbgut verlor:

Mein Name war Julian

Niemand kennt mich, niemand nimmt Notiz von mir und niemand nimmt mich wahr – denn ich existiere nicht und werde es auch niemals tun.

Denn ich war ein „Zellklumpen“, juristisch ein Ding und neuronal noch nicht ausgebildet. Und ich war zur falschen Zeit wohl falschen Ort.

Es war ein schöner Vorsommertag, als ich mit meiner Freundin Konstanze in einem Park spazieren ging. Händchenhaltend und verliebt gingen wir also spazieren und anschließend ins näheste Café. Ein traumhafter Tag also.

Während wir Kaffeer tranken, uns übereinander freuten, den späten Frühling genossen, da kam es dann plötzlich:

„Ich bin schwanger“

Und mein Herz machte (tatsächlich) einen Aussetzer vor Freude, und froher Erwartung, sodass ich anfangs gar nicht den ernsthaften Ausdruck in ihrem Gesicht bemerkte. Erst viele Sekunden später bemerkte ich diesen auch.

Und mir wurde kalt und klamm ums Herz, denn ich ahnte, was wohl anschließend folgen wird. Meine diesbezügliche Intutition wurde auch nicht ‚enttäuscht‘:

„Ich werde abtreiben“

In ihem Gesicht las ich die gleiche Verzweiflung, welche mich im selben Moment überkam und ich fragte nach dem Grund. Die Antwort hatte nichts uns zu tun, sondern mit ihrem (fehlgeschlagenem) Unternehmertum dahinter (was aber auch nicht weiter zum Thema beiträgt i.Ü.)

Mich übermannten Gefühle einer völligen Verzweifelung, der bizarren Vorstellung es ihr auszureden und der stillen Hoffnung, das es dennoch nicht soweit kommen wird, wie prophezeit.

Und da diese Frau mich liebte, wie ich sie eben auch, war es eben auch für sie wohl nicht einfach, da eher der introvertierte Typ auf exaltierte Art. Um ehrlich zu bleiben, sie hat wohl auch mit sich gerungen.

Und was waren meine Optionen?

Nun, sie waren klitzeklein. Sozialisiert, wie man als Mann heutzutage zu sein hat, ergab ich mich meinem Schicksal, das eines ungeborenen Kindes zu ebengleichen werden sollt. Ich sagte:

„Ja – ich freue mich auf unser Kind“ und gleichzeitig „Ja, ich respektiere deine Entscheidung“ (was ich auch tat – und ‚was anderes hätte ich auch tun können, in diesem Land).

Um nicht missverstanden zu werden: Sie kämpfte mit sich selbst und wusste sogar das Sternzeichen , welches sie recherchiet hat. Sie machte es sich also auch nicht einfach. So rungen wir mitenander und wurden uns nicht einig.

Die Realität ist grausam

Das sind nicht meine Worte, sondern die von der Frau, welche ich mal liebte. Sie nannte diese im Zusammenhang mit der vorgeschriebenen Ultraschall-Untersuchung und meinte, dass es weh tut, einen Herzschlag sehen zu können; den man noch niemals gesehen hat.

Ich biss damals die Zähne aufeinander und fragte dennoch, warum wir diesen Puls nicht am Leben halten können. Es gab niemals eine Antwort darauf.

Und weil ein ‚Unglück‘ wohl selten allein kommt, kam am Tag vor dem Abort eine Dokumentation über das werdende Leben.

Niemals werde ich vergessen, wie ich in diesem Moment Rotz und Wasser heulte und die Ex mit starren Augen (ohne erkennbare Gefühlsregung auf den Monitor starrte). Vielleicht begriff ich in diesem Moment:

Realität ist kein Ponyhof.

Wie auch immer, am nächsten Tag stand die Abtreibung an. Und Ex kämpfte damit, auch wenn ich solche Fragen wie „sollen wir das wirklich tun“ schon etwas schräg empfinde, im Kontext der Optionen.

Es hat sehr weh getan!

Einige Stunden später war es vorbei. Schluss, Aus, Feierabend! ES war weg und ich fix und fertig. Das war schlimm, noch schlimmer empfand ich allerdings dieses hier:

  • „Es war mein Problem – nicht deins!“

Soweit also das persönlichste, was ich bereit bin im WWW von mir preis zu geben und ich denke, jeder Blog, Kommentar oder Thread hat so seine eigene Geschichte. Mutatiom und Selektion halt. Auch zu Zeiten einer Christi Geburt aka Weihnacht.