Warum ich noch immer keinen Männerstreik am Horizont sehe

Vorab: Der Autor des Blogs Männerstreik hat eine andere Vorstellung von einem Streik der Männer als ich. Daher empfehle ich ausdrücklich, dessen Blog zu lesen, um zu erfahren, was andere unter diesem Stichwort verstehen. Ich gehe nicht davon aus, dass ich eine Mehrheitenmeinung vertrete, sondern erläutere nur meinen eigenen Standpunkt.

Ich spiele heute eine Runde „Wir hinterfragen Genderama-Meldungen“. Christian von „Alles Evolution“ hat es bereits vorgemacht, bei ihm ging es um die angeblich fast 50% jungen Männer, die über ungewollten Sex berichten. Mir war Ende März eine andere Meldung aufgefallen, die ich zunächst als Fundstück erwähnen wollte; dann habe ich mich jedoch dagegen entschieden und lieber abgewartet, bis ich wieder an der Reihe mit einem Artikel war.

Quellen

Zunächst erwähne ich die Quellen. Das ist ein Gebot der Redlichkeit. Es war mir überhaupt nur möglich, ansatzweise zu recherchieren, weil jeder Autor korrekt seine Quellen genannt hat. Egal, ob ich den Meinungen dieser Quellen zustimme oder nicht, es ist sehr wichtig, sie anzugeben.

1. Genderama: Kein Schwein ruft sie an

Dort erwähnt:
2. Stadtmensch-Chronicles: »Danke, Feminismus!«

Dort werden sowohl ein Youtube-Video als auch ein Artikel erwähnt, wobei in der Beschreibung des Videos auf den Artikel verwiesen wird:

3. Sandman: Canadian Beavers – MGTOW

4. Rejecting Modern Women: The Marriage Strike Hitting Women Hard, Why Men Arent Dating Women

Die Ausgangslage

Ich hatte mich in einem meiner ersten Artikel in diesem Blog kritisch mit dem Begriff „Männerstreik“ auseinandergesetzt: „Warum ich keinen Männerstreik brauche – aber mehr als nur ein Jahr des Mannes“.

In dem Abschnitt „Warum ein Männerstreik nicht funktionieren könnte“ habe ich ausgeführt, dass ein bewusstes Ablehnen von Ehe und Partnerschaft nicht funktionieren kann, weil es zu viele Männer gibt, die sich diese Dinge wünschen. Für diese Männer würde es sich lohnen, dem Streikaufruf nicht zu folgen.

Bei Genderama erschien hingegen mit dem Hinweis auf „die aktuellen Verschiebungen im Verhältnis der Geschlechter“ ein Text, der das Gegenteil andeutete. Anscheinend würden wirklich die bindungs- und heiratswilligen Männer knapp. Bei einer Singleparty sei das Verhältnis Frauen:Männer 150:3; eine konkrete sehr attraktive Frau gehe leer aus, nachdem sie zehn Männern ihre Telefonnummer gegeben habe.

Klar, mein erster Impuls war: Wo gibt es diese Probleme? Da ziehe ich hin! 🙂

Aber natürlich musste ich mich mit diesem Beitrag näher befassen, denn er widersprach mir fundamental. Sollte ich mich geirrt haben? Dann wäre Abbitte fällig! Und ich hätte etwas sehr wichtiges gelernt, das mein Weltbild veändert hätte… allein es blieh der persönliche Eindruck, dass in meiner eigenen Umgebung nichts von dieser angeblichen Veränderung zu spüren ist.

Was wirklich passiert ist

Genderama zitierte die Stadtmensch-Chronicles, wo wiederum einzelne Stücke aus einem Youtube-Video, einem Blogartikel und Kommentaren zum Artikel erwähnt werden. Es geht in dem Stadtmensch-Chronicles-Artikel jedoch nicht darum, den Männerstreik bezüglich Bindungsverweigerung zu belegen. Das ist wichtig, denn sonst könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, ich würde Stadtmensch-Chronicles vorwerfen, Tatsachen zu verdrehen. Was zitiert wurde, findet sich auch so in den Quellen und ist in der Form der Verarbeitung nicht zu beanstanden. Gefährlich ist es jedoch, den Stadtmensch-Chronicles-Artikel wiederum weiterzuverwenden unter dem Motto „guckt mal, wie sich der Partnermarkt generell verändert“, denn das gibt er nicht her. Es wirkt auf mich wie das Stille-Post-Prinzip, bei dem über mehrere Stationen nur ein Teil der Nachricht weitergegeben wird und am Ende etwas herauskommt, was so im Original nie gesendet wurde.

Der ursprüngliche Artikel im Blog „Rejecting Modern Women“ ist schon ziemlich starker Tobak. Man findet dort völlig verquere Grundannahmen wie etwa, dass die meisten Frauen ihre Männer betrügen würden und dass Männer „die modernen Frauen“ ablehnen würden (siehe auch der Blogtitel).

Das alleine muss noch nichts bedeuten. Schließlich weiß ich, seit Serdar Somuncu aus „Mein Kampf“ vorgelesen hat, dass auch ein Werk von Adolf Hitler als Basis für einen lustigen Abend taugt.

Konkrete Beispiele fehlen jedoch in dem Artikel. Die beiden auf Genderama zitierten Fälle stammen denn auch ursprünglich aus dem Youtube-Video.

Der Autor „Sandman“ (ein Pseudonym! Dürfen dessen Beiträge überhaupt als Belege gegen mich verwendet werden? Schließlich bin ich angeblich unter Pseudonym doch ebenfalls nicht glaubwürdig genug! 😉 ) läßt sich seine Videos bezahlen. Insofern könnte ich „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ vermuten. Aber gehen wir genauer darauf ein, was er erzählt, und wie das mit dem Bild eines Männerstreiks zusammenpasst.

Beispiel 1: 150 Frauen kommen auf 3 Männer bei einer Singleveranstaltung. Das wird so tatsächlich im Original erwähnt. Allerdings sollte man auch die vielleicht nicht ganz nebensächliche Rahmenbedingung nennen: Es ging um Männer mit hohen 6-stelligen bis niedrigen 7-stelligen Einkommen in Kanadischen Dollars (CAD). Nehmen wir mal 1.000.000 CAD an, das wären aktuell ca. 657.000 EUR. (Natürlich war der Umrechnungskurs zum Zeitpunkt der E-Mail, aus der das Beispiel stammt, ein anderer, aber ich weiß von keinen stärkeren Währungsschwankungen und es geht nur um ein Näherungsbeispiel.)

Launisch formuliert: Kennen Sie das nicht auch? Sie verdienen als Mann über 600.000 Euro im Jahr und wollen nichts mit Frauen zu tun haben, was Richtung Ehe geht? Ein Massenphänomen! 😉

Ok, ernsthaft: Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass diese Ausgangsbedingung nicht auf die breite Masse der Männer (in Deutschland) zutrifft. Ansonsten frage ich mich, warum so oft auf das Risiko, nach der Scheidung an der Armutsgrenze zu leben, hingewiesen wird (und warum ich dieses Szenario durchaus für realistisch halte).

Das Beispiel kann nicht als genereller Beleg für einen Männerstreik herhalten, weil es sich nur „weit oben“ abspielt. (Wenn so eine eingeschränkte Betrachtungsweise gegen Männer verwendet wird, wird das zurecht kritisiert. Stichwort Apex Fallacy / Gipfel-Trugschluss. Also sollte auch bei anderen Standpunkten darauf geachtet werden, diesen Fehler nicht zu begehen.)

Beispiel 2: Die sehr attraktive Frau, bei der sich von zehn Männern keiner meldet. Auch dieses Beispiel wird in der Tat so im Original erwähnt. Auch hier gibt es ein klitzekleines Detail, das man eventuell doch erwähnen sollte. Die Frau ist 38 Jahre alt.

Wir erinnern uns: Aus einem Artikel bei Alles Evolution: „Wie man sieht, geht es ab 38 steil bergab für die Fruchtbarkeit und steil nach oben mit der Unfruchtbarkeit.“

Das heißt, als Partnerin, um eine Familie zu gründen, ist die Frau einfach schon sehr alt, zumal wenn man noch einen gewissen Ehe-Anbahnungszeitraum ansetzt. Der Mann in dem Beispiel ist bereits 48, hätte aber – ungerechte Biologie! – immer noch die Chance auf eine Familie, wenn er denn wollte.

Wenn die Frau ernsthaft, so wie ausdrücklich erwähnt, heiraten und ein Kind haben will, dann ist das etwas spät. Die Antwort, dass sie vielleicht „die falschen Männer jagt“, halte ich für einen guten Hinweis. Männer, die in ihrem Alter oder älter sind und gleiche Absichten haben, werden sich nach jüngeren Frauen umsehen. Das ist nicht gemein, sondern realistisch. Wenn sie mit 38 „megaheiß“ aussieht, stellt sich auch die Frage: Was hat sie gemacht, als sie 25 war? (Zu ihrer Verteidigung: Es gibt eine Zwickmühle, auf die ich nachher noch eingehen werde.)

Leider kommt bei diesem Beispiel das übliche Vokabular („Feminazis“) vor. Es folgt eine Verallgemeinerung: „Diese Frauen bekommen genau das, was sie verdient haben. Sie dürfen niemanden beschuldigen außer sich selbst.“ – Hat diese konkrete Frau die Gesetze gemacht oder eingefordert? Ist sie ein Feminazi?

Beispiel 3: Noch eine erfolglose Singleveranstaltung. Sie konnte erst beim zweiten Versuch stattfinden, weil sich beim ersten Mal zu wenige Männer anmeldeten. Der Veranstalter rief für den zweiten Versuch Freunde an, unter anderem einen, der in Afghanistan ein Bein verloren hatte (die Frauen waren nicht beeindruckt; sein Wert war gesunken) und einen Blinden.

Wenn es – durch einen Streik der Männer – einen echten Männermangel geben würde, hätten die beiden Behinderten gute Chancen gehabt, eine Frau abzubekommen. Denn wenn ansonsten niemand zu haben ist, muss man sich mit dem begnügen, was geht. Offensichtlich geschieht das aber nicht, so dass es keinen ernsthaften Männermangel geben kann.

Dann wird noch erwähnt, dass Männer angeblich nicht bereit sind, bei Singleportalen zu bezahlen, um Frauen zu kontaktieren. Ist das tatsächlich so? Wird denn nicht sonst geschrieben, dass es Frauen dort soviel leichter hätten und in einer Flut von Nachrichten untergingen? Was ist denn nun richtig?

Beispiel 4: Ein Mann Mitte 40 hat Probleme, Frauen Anfang 30 zu treffen, die (finanziell) irgendetwas mit in die Ehe bringen würden. Er arbeitet im Finanzsektor (aha!) und musste für das Geld, das er hat, viele Opfer bringen (etwa z.B. Freizeit, um Frauen kennenzulernen?).

Als Ausweg wird vorgeschlagen, dass Frauen 500.000 CAD auf dem Konto haben und versprechen, nach der Geburt der Kinder wieder zu arbeiten und/oder dass der Unterhalt per Gesetz auf 50:50 festgelegt wird.

Und hier kommt die in Beispiel 2 angekündigte Zwickmühle: Gehen wir einmal davon aus, dass die Frauen fair spielen wollen und für die gutbezahlten Jobs genauso geeignet sind wie Männer. Also machen sie dasselbe und sind, wenn sie die 500.000 CAD zusammen haben, Anfang 40. Sie haben das Opfer gebracht, darauf zu verzichten, vorher so etwas wie ein Privatleben zu haben, und sind nun weit jenseits ihrer (biologisch) fruchtbarsten Jahre. Es hilft ihnen auch nichts, einen Mann Anfang 30 kennenzulernen. Also entweder auf gleicher Höhe spielen wie die hier erwähnten Männer oder Kinder haben – beides geht nicht! Daher hat es auch keinen Sinn, zum Beenden eines „Ehestreiks“ zu fordern, dass Frauen sich so verhalten wie Karrieremänner, damit die Männer keine finanziellen Einbußen befürchten müssen – außer, man schließt bei einer Ehe Kinder von Anfang an aus.

Damit ist das gesamte Bild, das in diesem Video entworfen wird, nicht haltbar. Solche Männer können keine Frauen finden, die durch eigene Hände Arbeit das gleiche Einkommen haben und noch jung und knackig sind. Der einzige Ausweg, der mir einfällt, wenn es um „gleiche Finanzen“ geht, wären reiche Erbinnen.

Beispiel 5: Der arme Frauenversteher (oder doch nicht?). Es geht schon gut los mit „Man kann Frauen entweder verstehen oder lieben“ – Super Spruch, damit macht man sich bestimmt viele Freunde! Es geht um einen Mann, der „die rote Pille nicht nehmen möchte“ und nach wie vor mit Frauen ausgeht. Und Hoffnung hat, dass es eine gute Frau für ihn gibt. (Dieser naive Narr! Offensichtlich in der Matrix gefangen!)

Er ist 35 Jahre alt, hat 400.000 CAD Ersparnisse, keine Schulden und führt einen bescheidenen Lebenswandel. (Kurze Gegenfrage: Wie viele Männer in Deutschland haben in diesem Alter etwa 263.000 EUR Ersparnisse? Klingt für mich nach einem Problem breiter Bevölkerungsschichten!) In Toronto fehlen Frauen mit ähnlichem Hintergrund; sie haben etwa 10-20.000 CAD an Ersparnissen, aber zigtausend CAD Schulden durch Kreditkarte und Studiengebühren nach 10 Jahren Berufserfahrung; also etwa 10-30.000 CAD insgesamt (Schulden? Guthaben?).

Frauen sind nicht an ihm interessiert. Allerdings möchte er „für sein Aussehen und seine Persönlichkeit geliebt“ werden… Vielleicht strahlt er nicht genügend finanzielle Sicherheit aus? Es wird nicht erwähnt, ob er sich zum Beispiel gut kleidet. Ein Flirtexperte würde ihm vielleicht dabei zustimmen, mit seinem Wohlstand nicht zu protzen, allerdings durchaus einwenden, dass er geordnete Finanzen und nicht etwa zu starke Sparsamkeit signalisieren sollte.

Geld soll für ihn eine oberflächliche Sache sein… warum hat er dann soviel davon? Er foltert Frauen, indem er ihnen (später) zeigt, wieviel Geld er hat und zerstört ihr Selbstbewusstsein, indem er ihnen zeigt, dass sie nicht gut genug für ihn sind… ist er jetzt doch Täter und nicht armer Narr, der die Realität nicht erkennen will? Vor allem ist es doch überflüssig, sich mit solchen Frauen abzugeben, die offensichtlich kein Interesse an einem haben.

Er beschämt sie dafür, dass sie wenig Geld haben, unter anderem weil sie durch die Welt gereist sind, gut essen gewesen und ein neues Auto gekauft haben. Sachen machen, die einem Spaß machen, klingt jedoch verdächtig nach dem Programm von „Men Going Their Own Way“ (MGTOW), das Sandman vertritt (siehe etwa den Titel des Videos). Ist es etwa plötzlich falsch, wenn Frauen dasselbe machen? Bzw. eigentlich wäre es dann doch ein Fehler der Männer, das nicht ebenso in frühen Jahren zu tun und dann finanziell auf demselben Niveau zu landen, anstatt dass am Ende der Mann „zu reich“ und die Frau „zu arm“ ist. Es wäre auch kein Horrorszenario, so wie es in dem Video angedeutet wird, dass sich die Frauen „mit einem armen Typen abgeben“ müssen. Vielleicht wäre das ja jemand, der einen ähnlichen Lebensstil hat und zu ihnen passt?

Als letztes wird die kanadische Immobilienblase ins Feld geführt. Ein ordentliches Haus sei nicht mehr zu bezahlen. 2003 habe eines 250.000 CAD gekostet, zehn Jahre später 750.000 CAD. Das sei von einem Mann mit einem Jahreseinkommen von 50-100.000 CAD nicht zu bezahlen. (Allerdings verdienen die Männer aus Beispiel 1 das Zehnfache… da würde die Argumentation also nicht mehr passen.) Ein Haus wäre also nur drin, wenn auch die Frau arbeiten ginge. Nun ist die Rede von einem Immobilienkartell, welches angeblich möchte, dass Leute heiraten und große Häuser kaufen. Ist das nicht unlogisch? Wäre es nicht praktischer, auf die Single-Männer abzuzielen, die die Kohle haben? Jetzt kauft ja angeblich niemand… was überhaupt nicht zur Blase passt.

Fazit

Nichts aus dem Video und den Artikeln deutet auf einen Männerstreik hin, der dazu führt, dass Frauen massenweise alleine bleiben, obwohl sie attraktiv als Ehefrau und Mutter wären. Für mich war es dennoch wichtig, diese Geschichte einmal genauer zu untersuchen.

Es lohnt sich, auch ein großes Blog wie Genderama, das viele interessante Meldungen bringt, ab und zu zu hinterfragen. Das mindert keineswegs die Qualität des Blogs.

Frei nach LoMi: Ich möchte lieber mit der gesunden Portion Restzweifel leben, dass ich mich irre, um Erfahrungen machen zu können, die meinem bisherigen Weltbild widersprechen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es hier so oft ums Geld ging, ein passendes Lied dazu.

Depeche Mode: Everything Counts

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Mythos Lohnschere

Beinahe alles, was Frauenorganisationen heutzutage so fordern, wird mit der angeblichen Lohnschere begründet. Über die angebliche Lohnschere wird auch von den Medien gerne immer wieder berichtet. Das Ganze hat nur einen Haken: Es gibt keine Lohnschere. Aber bevor ich mich im Einzelnen mit etwas beschäftige, was es nicht gibt, beschreibe ich einmal, was es gibt.

Eine triviale Feststellung: Der Tag hat 24 Stunden. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Ähnliches gilt für menschliche Energie. Unsere Aufmerksamkeit und unser Einsatz sind genauso begrenzt wie unsere Zeit auf dieser Welt. Wenn wir mehr feiern, arbeiten wir weniger. Wenn wir mehr arbeiten, haben wir weniger Zeit für Freunde und Familie. Wenn wir uns mit voller Kraft unseren Kinder widmen, geht sich keine Karriere aus. Zumindest keine Top-Karriere. Zumindest nicht zeitgleich. Unsere Zeit und Energie sind wie eine Flüssigkeit, von der wir nur eine begrenzte Menge haben. Wenn unser Leben ausgeglichen ist und wir keinen äußeren Druck haben, verteilt sich unsere Zeit und Energie annähernd gleichmäßig zwischen Arbeitsleben und Privatleben.

ausgleich

Das nennt man neudeutsch work-life-balance. Und bei einem modernen, jungen, kinderlosen, einigermaßen gut ausgebildeten Menschen funktioniert das oft ganz gut. So lange Männer und Frauen keine Kinder haben, entwickeln sich ihre Karrieren, ihr Einkommen und ihre Kochkünste heutzutage ungefähr gleich. Aber wenn das erste Kind kommt, muss sich etwas ändern. Ein Kind erzeugt Zwang. Jemand muss in der Nacht aufstehen und jemand muss aufpassen. Den ganzen Tag. Plötzlich ist nicht mehr alles freiwillig. Auch die Arbeit nicht. Das Kind braucht schließlich Essen und ein sicheres Zuhause. Der Druck kommt aber nicht nur von den objektiven Bedürfnissen eines Kindes, sondern auch vom Staat. Wobei der Staat immer nur Druck auf Männer ausübt und das in entgegengesetzter Weise. Im Berufsleben werden durch Frauenquoten Männer verdrängt, im Familienleben durch das einseitige Familienrecht ebenfalls. Der Effekt dieser Maßnahmen ist gegenläufig. Wenn der junge Mann aufgrund von Frauenbevorzugung in Verwaltung und Wissenschaft keine Karriere mehr machen kann, wird er mehr Zeit für das Kind haben. Wenn der junge Mann nach einer Trennung als Vater entsorgt wird, hat er mehr Zeit für die Karriere. Irgendwo taucht die männliche Energie wieder auf. Welcher Druck ist stärker?

druck

Unser aller Erfahrung zeigt, dass die gesetzliche Verdrängung der Väter ungleich größere Auswirkungen hat als alle Förderungsmaßnahmen im Berufsleben zusammen. Das ist nichts Neues. Diese Zusammenhänge sind seit Jahrzehnten bekannt. Auch etwas anderes hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert: Weder konservative „Rechte“ noch feministische „Linke“ wollen an der Vorherrschaft der Frauen in der Familie etwas ändern. Mit den bekannten Ergebnissen. Den 90% alleinerziehenden Müttern stehen 90% Männer in Spitzenpositionen gegenüber.

prozente

Alleinerzieher und Spitzenjobs sind zwei Seiten der gleichen Medaille und gleichzeitig nur die Spitze des Eisbergs. Der staatliche Druck wirkt auch bei der Durchschnittsfamilie. Und er wirkt auch bei Vätern, die (noch) nicht getrennt von der Kindesmutter leben. Schließlich weiß ja jeder Mann, was ihm nach einer Trennung blüht. Also geht der typische Vater mehr oder weniger freiwillig vor allem Geld verdienen und die typische Mutter arbeitet halbtags oder gar nicht, womit der Vater natürlich mehr Geld verdient. Verdienen muss. Das ist kein männliches Privileg, sondern eine männliche Pflicht. Der Mann verdient mehr, aber das Geld wandert ohnehin zu Frau und Kind. Das ist offenbar politisch gewollt. Daher ändert sich auch an den Einkommensunterschieden nichts. Ist die Lohnschere also ein Produkt des Familienrechts? Nein. Weil es keine Lohnschere gibt. Für eine „Schere“ müssten sich die Einkommen von Männern und Frauen mit der Zeit entgegengesetzt auseinanderentwickeln.

schere

Wenn wir eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen hätten, würden Männerlöhne steigen und Frauenlöhne fallen. Oder zumindest Männerlöhne steigen und Frauenlöhne gleichbleiben. Das würde dann ungefähr so aussehen.

arm-reich

Das ist eine Lohnschere. Aber nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen Arm und Reich. Die Grafik zeigt die Entwicklung der Jahreseinkommen in Österreich in absoluten Zahlen. Ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung verdient weniger als die untere Kurve, ein Viertel verdient mehr als die obere Kurve, der Rest ist dazwischen. Die Einkommen des unteren Viertels stagnieren. Inflationsbereinigt verlieren die unteren 25% laufend an Einkommen, während die oberen 25% laufend gewinnen. Das ist eine Schere. Mit Frauen und Männern hat das aber nichts zu tun.

geschlechter

So sieht das Verhältnis Männer zu Frauen in Österreich aus. Beide Einkommen steigen im Durchschnitt. Weder steigt das Männereinkommen stärker, noch stagniert das Fraueneinkommen. Das Verhältnis von Frauenlöhnen und Männerlöhnen ist konstant.

geschlechter-prozent

 

Fraueneinkommen sind im Durchschnitt 60% der Männereinkommen. Die einzigen wahrnehmbaren Veränderungen sind die grössere Konjunkturabhängigkeit der Männereinkommen und ein 2%-Anstieg bei den Frauen durch die staatliche Frauenförderung der letzten Jahre.

Als Ersatzbehauptung für die leicht widerlegbare Lohnschere hört man dann oft, dass Frauen angeblich für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekämen. Auch das ist falsch. Natürlich bekommt nicht jede Frau so viel bezahlt wie jeder Mann. Es bekommt ja auch nicht jeder Mann das Gleiche wie jeder andere Mann. Die angebliche Diskriminierung der Frauen wird immer wieder mit einem „unerklärten Rest“ bei den statistischen Einkommensunterschieden begründet. Wieviel „unerklärter Rest“ bleibt, hängt aber davon ab, wie genau man hinsieht. Wenn man Teilzeitarbeit, Karriereunterbrechung, Überstunden und so weiter statistisch herausrechnet, bleibt irgendwann überhaupt kein „unerklärter Rest“ bei den Einkommensunterschieden übrig. Das wurde vor einem Jahr recht deutlich mit Zahlen veranschaulicht.

Damit sind wir wieder bei der begrenzten Zeit und Energie. Der Staat übt auf Männer in allen Lebensbereichen Druck aus. Bei getrennten Eltern werden Väter aus der Familie verdrängt, während Frauenförderprogramme Männer aus Spitzenpositionen in Wirtschaft und Politik verdrängen sollen. Aber man kann die Männer nicht überall gleichzeitig verdrängen. Und die Erfahrung zeigt, dass der Druck durch das Familienrecht ungleich wirksamer ist. Am langfristigen 40%-Einkommensunterschied konnten all die Förderungsmaßnahmen der letzten Jahre nichts wesentliches ändern, weil das Familienrecht nicht entsprechend reformiert wurde. Die staatliche Diskriminierung von Vätern im Verbund mit den natürlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen erzeugt eine über Jahre stabile statistische Ungleichheit in Familie und Beruf.

Eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen gibt es nicht. Es gibt stabile Unterschiede und es gibt Diskriminierung. Bei den Unterschieden ist der Familienbereich die Ursache und die ungleiche Arbeitsverteilung die Folge. Und die Diskriminierung richtet sich gegen Männer. Wer die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen beseitigen will, muss Mütter zur Lohnarbeit verpflichten und Väterquoten bei alleinerziehenden Eltern umsetzen.

Und übrigens: Jeder Journalist, der das Wort „Lohnschere“ verwendet, zeigt vor allem, dass er nicht über die Begriffe nachdenkt, die er verwendet.