Kurznachrichten vom 29.02.2016

1: Der ansonsten als kreuzbrav wahrgenommene Arbeiter-Samariter-Bund versucht dieses Image abzulegen mit einem sexy Werbeclip für Erste Hilfe und dem zugehörigen Hashtag #erstehilfe.

Natürlich gibt es wie immer das übliche Sexismus-Gemecker.

2: Am Donnerstag gab es einen erneuten Fall von „Taharrush gamea“ in Kiel. Innenminister Stefan Studt beeilte sich, davor zu warnen,

Vergleiche zu den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg zu ziehen.

Mit was denn sonst? Die drei Mädchen wurden zwar nicht ernsthaft sexuell belästigt, aber sich zu dritt von einer Menge von 30 Männern verfolgt zu sehen, dürfte sicher nicht lustig sein. Bei diesem Verhalten geht es m.E. weniger um Sexualität, sondern um Einschüchterung und Durchsetzen eines bestimmten Verhaltens, also um Macht. Hier stimmt es ausnahmsweise mal, dass es tatsächlich nicht um Sex, sondern um Macht geht, aber hier fällt Third-Wave-Feministinnen nichts besseres ein, als vor Rassismus zu warnen und zu behaupten, das wäre alles nichts neues.

3: Das Versagen des Dritte-Welle-Feminismus angesichts der Realitäten, die nicht in ihr Weltbild passen, analysiert noch einmal Melanie Götz in der Jungle World.

Der gehypte Postfeminismus verfällt in Schockstarre, wenn bestimmte Konstellationen nicht in sein Weltbild passen. Sein Scheitern liegt im eigenen antiaufklärerischen Potential begründet. […]

Wenn der Rekurs auf gesellschaftliche Verhältnisse und Strukturen durch die »diskursive Herstellung« von Kultur, Geschlecht und Identitäten ersetzt wurde, verschwinden die schlechten gesellschaftlichen Realitäten ausnahmslos bequem aus dem Blick. Dafür gelingt neoislamistischen Welt­anschauungen die Integration im Mainstream und in der antiimperialistisch aufgestellten Restlinken. Der ­Islam braucht nämlich neben der Kairoer Menschenrechtscharta auch noch einen eigenen, koran- und shariakompatiblen »islamischen« Feminismus. Als quasi natürlicher Verbündeter ist letzterer fest in liberale, linke und queerfeministische Diskurse integriert. Dort kann man bestaunen, wie die notorischen Neofeministinnen gemeinsam mit Hijab-Aktivistinnen das Partikulare überhöhen und das Uni­versale verwerfen. Hier feiern ausgerechnet die Dekonstruktionsfetischistinnen mit der neoislamischen Erneuerungswelle gemeinsam jenen Weiblichkeitswahn als Befreiung, dessen Entlarvung der Zweiten Welle noch zum Aufbruch gegen das Patriarchat bewegte.

3: Im Fall Kesha vs. Dr. Luke schlagen sich unsere feministischen Leitmedien ZEIT und SPIEGEL auf die Seite des vermeintlichen Opfers, natürlich unter Weglassen wichtiger Fakten. Die Kommentatoren hauen ihnen das wie üblich um die Ohren.

4: In der Abteilung „Feministinnen diskutieren Männerrechtsthemen“ gibt es zwei neue Posts. Onyx versucht uns zu erklären, warum es gerecht ist, wenn Frauen sich das mit dem Kinderkriegen nach der Empfängnis nochmal überlegen dürfen, Männer aber nicht. Klappt nicht so ganz. Und bei gleichheitunddifferenz wird gefragt, warum Männerrechtler sich (angeblich) kaum für nicht-konforme Männer einsetzen. Ist zwar m.E. nicht so, aber man kann ja mal fragen.

5: Christina Hoff Sommers hat einen einfachen Test von Helen Pluckrose retweetet, unter welchen Umständen man gerne Feminist ist:

Der Beitrag von Helen Pluckrose „Why I No Longer Identify as a Feminist.„, aus dem der Text stammt, ist zur Gänze lesenswert. Immerhin auch Michael Shermer, Herausgeber des Skeptic Magazine und einer der führenden Köpfe der amerikanischen säkularen Bewegung, hat das ebenfalls retweetet. Ich musste das mal eben kommentieren.

Man muss dazu sagen, dass P.Z. Myers auch einer der führenden Köpfe der amerikanischen säkularen Bewegung ist, allerdings mehr in der „Atheism+“-Fraktion, die die SJW-Fraktion innerhalb der säkularen Bewegung ist, also der Ansicht ist, als Atheist müsste man auch Feminist sein. P.Z. Myers hat mich kurz nach folgender Anwort geblockt:

Welche Ehre… 😉

Wie tolerant diese Leute sind, beweisen sie immer wieder aufs neue.

6: Lego ist jetzt auch sexistisch, weil man da was hartes rundes in ein Loch stecken muss/kann/darf. Ganz schlimm daran ist, dass homosexuelle Lebensweisen diskriminiert werden, weil Knubbel an Knubbel nun mal nicht hält und Loch an Loch auch nicht, also werden heteronormative Strukturen dadurch reproduziert:

7: Ein soziales Experiment einer Schauspielergruppe in New York zeigt, was passiert, wenn die Verlobung eines arabisch aussehenden 65-jährigen Mannes mit einer 12-jährigen an die Öffentlichkeit gerät. Das glückliche Paar muss sich schlimme islamophobe, rassistische Anfeindungen von größtenteils cis-sexistischen alten weißen Männern gefallen lassen. Oder so ähnlich…

8: OT-Beitrag des Tages: Facebook hat die Seiten der „Perlen von Freital“ gesperrt, auf denen von anonym bleibenden Seitenbetreibern sog. rechte Hetzer mit vollem Namen genannt und an den Pranger gestellt werden und zu deren Denunziation bei dem entsprechenden Arbeitgeber aufgerufen wird. Kurze Zeit später wurde die Seite offensichtlich auch auf Protest von höchster Stelle (Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD)) wieder freigeschaltet.

Wir lernen daraus: Denunziation, Blockwartmentalität und Menschenjagd sind völlig in Ordnung, wenn sie der guten Sache dienen. Dann nennt man das „Aufklärung“.

Manchmal wünschte ich mir, Dieter Hildebrandt würde noch leben, nachdem es sein Freund Konstantin Wecker es auch nicht fertig bringt, mal ein Wort gegen solche Auswüchse zu sagen.

Kurznachrichten vom 23.02.2016

1: Monika Ebeling, ehemalige Gleichstellungsbeauftrage von Goslar, startet eine Kampagne „Ein Herz für Männer“.

2: Transfrau Caitlyn Jenner hat es sich angeblich anders überlegt und will nun wieder Bruce sein, berichtet zumindest die Plattform mobilelikez.com. Aber da ich diese Plattform nicht kenne und ich keine Bestätigung finden konnte, könnte das auch Satire oder sonstiger Nonsens sein.

3: Bei Novo Argumente setzt sich Monika Frommel mit Hillary Clinton und deren strategischen Ausrichtung auf Feminismus auseinander und erklärt, warum das nicht so ganz funktioniert.

4: Als Gegensatz zu dem Browser-AddOn “Binnen-I be gone” , das sogenannte gensersensible Sprache aus Webseiten entfernt, gibt es auch ein JavaScript-Tool namens Alex, das schon beim Schreiben unsensible und taktlose Sprache beim Schreiben anmeckert.

Whether your own or someone else’s writing, alex helps you find gender favouring, polarising, race related, religion inconsiderate, or other unequal phrasing.

  1. boogeyman may be insensitive, use boogey instead
  2. slaves / master may be insensitive, use replica / primary instead
  3. he may be insensitive, use they, it instead
  4. cripple may be insensitive, use person with a limp instead
  5. Don’t use “nigger”, it’s profane
  6. policeman may be insensitive, use officer, police officer instead

Die beiden letzten Bespiele habe ich selbst ausprobiert. Immerhin werden nur Vorschläge gemacht und man darf immer noch schreiben, was man will.

5: Hadmut Danisch nimmt eine Studie auseinander, nach der bei GitHub Programmiererinnen diskriminiert würden, weil ihre Änderungen öfters von Projektleitern abgelehnt würden. Golem, die BBC und der Standard hatten eher unkritisch berichtet. Die Emma machte daraus sogar die steile These, dass Frauen die besseren Programmierer seien.

Das heißt, sie zählen einfach aus, wieviele Requests akzeptiert wurden, scheren sich aber überhaupt nicht darum, was Inhalt und Qualität der Änderungen war und warum sie abgelehnt wurden.

Es ist halt wie immer: Eine Korrelation ist noch keine Kausalität. Sowas muss man genauer untersuchten. Genauso gut (oder falsch) könnte man sagen, dass damit der Beweis erbracht wäre, dass Frauen schlechter programmieren können, denn ihre Bugfixes taugten ja nichts. […]

Da hätte man eben mal ihre Bugfixes anschauen müssen. Vielleicht waren die ja allesamt Murks. [Rachel Nabors] oder jemand gleichen Namens unterhält bei Github mehrere Repositories, aber nach Programmierkunst sehen die alle nicht aus. Scheint sich mehr auf Comic-Zeichnen zu verstehen und das Ziel zu verfolgen, Benutzerschnittstellen durch Comic-Animationen zu verschönern. Ich bekomme da so eine entfernte Ahnung, was die vielleicht unter Bugfix so versteht.

Unklar ist dabei auch, wieso sie eigentlich Github Pull Requests mit Programmieren gleichsetzen. Denn viele – vor allem feministisch motivierte – Frauen kümmern sich nicht um den Code, sondern um irgendwelche Texte, Übersetzungen, oder vielleicht Änderungen an User Interfaces, die aber eben auch nicht immer jedem gefallen. Funktionale Sachen sind da eher selten.

Gerade das sind aber typisch feministische Angriffspunkte, die wenig Sachkunde und Programmierfähigkeiten erfordern, einfach die Texte und Manuals auf political correctness zu trimmen und durchzugendern. Hat mit Programmieren nichts zu tun und wird natürlich oft abgelehnt.

6: In einem jahrelangen Dauerstreit zwischen der Sängerin Kesha und dem Pop-Produzenten Lukasz „Dr. Luke“ Gottwald, bei der sie ihm jahrelangen sexuellen Missbrauch vorwirft und er dies vehement bestreitet, hat Kesha eine Niederlage vor Gericht hinnehmen müssen. Dr. Luke wirft ihr im Gegenzug vor, dass sie den Vorwurf nur erhebe, um aus ihrem aktuellen Plattenvertrag mit seiner Firma heraus zu kommen, wonach sie verpflichtet wäre, sechs weitere Alben mit Dr. Lukes Label aufzunehmen. Die FAZ und der Rolling Stone berichten ebenfalls.