Feminismuskritik heilt Tourette-Syndrom! – Der kuriose Wandel des Shlomo Finkelstein und die gruppenbildende „Anti-SJW-Identität“

Heute hab ich endlich das zwei-stündige Video „Ursachen der Flüchtlingskriminalität“ von den beiden Youtubern ‚Doktorant‘ und ‚Shlomo Finkelstein aka Die Vulgäre Analyse‘ zu Ende geschaut. (ist schon vom 21.07.) Zunächst eine gewisse Einführung in die Thematik und wer die beiden sind:

Doktorant ist das Pseudonym eines anonymen Biologen, der sich insbesondere dadurch hervorgetan hat, dass er mit Youtube-Videos Feminismus, Gendertheorie und Identitätspolitik aus (evolutions-)biologischer und politisch linksliberaler Sicht kritisiert. Er zeichnet sich dabei durch einen betont neutralen, wissenschaftlichen und sehr Statistik-lastigen Stil aus. Dabei schafft er es aber meistens, äußerst geistreich und anschaulich zu argumentieren. Er hält sich mit seinen Urteilen grundsätzlich zurück, wenn ihm die Faktenlage nicht klar ist. Seine Lieblingswörter sind „Daten“ und „anschauen“. Manche seiner Videos haben inhaltlich den Wert von wissenschaftlichen Arbeiten, wie sie im akademischen Bereich Standard sind (bzw. sein sollten). Zum Thema Flüchtlinge und Islam hatte sich Doktorant vor dem Video mit Finkelstein noch nicht geäußert.

Shlomo Finkelstein aka DVAist das Pseudonym eines anonymen Youtubers, dessen Markenzeichen ist, dass er vor allem Islam, Feminismus und „Gutmenschentum“ bzw. „Social Justice Warriors (SJWs)“ in maximal beleidigender Form in den Dreck zieht, Schweinespeck auf dem brennenden Koran grillt, Andersdenkende regelmäßig als wertlose Vollspastis ansieht und inhaltlich auf eher bescheidenem Niveau argumentiert. Dumm ist er nicht, auch kein klassischer Neurechter etc. doch das rhetorische Niedermachen des Andersdenkenden und -glaubenden steht bei ihm definitiv im Vordergrund. Er verkauft sich nicht durch Seriösität und Intellekt sondern; ähnlich wie z.B. Akif Pirinçci; durch exzessiv zur Schau getragene politische Unkorrektheit und massig Fäkalsprache. Wie Pirinçci kommt er mir als wütender gekränkter Narzisst daher. Finkelsteins Lieblingswörter sind „ich“ und „fick“. Seine Videos haben daher einen gewissen Unterhaltungswert (wenn man Tourette-Patienten und Mein Kampf lustig findet, wird man auch mit ihm seinen Spaß haben). Manchmal können sie auch zum kritischen Nachdenken anregen oder sind sehr origineller witziger Spott auf dümmliche Diversity-Ideologen. Doch abgesehen davon sind sie nach wissenschaftlichen Standards wertlos und nach journalistischen Standards meist hochgradig tendenziös. Sie sind oft der Prototyp von dem, was Heiko Maas als „Hatespeech“ verbieten möchte.

Beide Youtuber sind also sehr unterschiedlich. Das einzige, was sie verbindet ist ihre ablehnende Haltung zur Identitätspolitik der „SJW“-Bewegung und insbesondere zum zeitgenössischen Feminismus. Und genau dies hat sie nun zusammengebracht. Beide hatten ein beliebtes Opfer; nämlich den öffentlich-rechtlich finanzierten Youtube-Kanal „Jäger&Sammler“, bei dem auch die völlig verblödete aber um so mehr von sich selbst überzeugte Feministin Suzie Grime und der dusselig-nervige „Antirassismus“-Aktivist Tarik Tesfu zu Wort kommen, dessen Qualität vor allem darin besteht ein schwarzer schwuler Hipster zu sein. Des Weiteren gibt’s da noch Nemi el-Hassan, deren wichtigste Lebenswerke sind, dass sie ein Kopftuch trägt aber trotzdem emanzipiert ist und diskriminiert wird aber trotzdem hübsch lächeln kann und dann noch weitere Gestalten, die ich nicht kenne und wahrscheinlich auch nicht kennen muss. Das Programm soll politische Aufklärung für Jugendliche darstellen, ist aber meist nur oberflächliches Political Correctness und Diversity-Kasperletheater für die Kids. Dieses Youtube-Projekt hat nun – wie das nun mal so ist, wenn man die Leute GEZ-finanziert für dumm verkaufen will – ein großes Problem mit „Hatespeech“ (also anderen Meinungen) und ist daher auf die selbstgerechte Idee gekommen, den bösen Nazis, die sie immer in den sozialen Medien haten eine „Hass-Therapie“ anzubieten. Dafür boten die Neger&Gammler den drei Youtubern, die sie „für den meisten Hass verantwortlich machen“, ein Gespräch in Berlin an, um die Welt endlich ein Stück weit vom grausamen Joch des Meinungspluralismus zu „therapieren“. Diese fiesen Oberhater, die dafür eingeladen wurden, waren nun Doktorant, Shlomo Finkelstein und noch ein Dritter namens Dorian, der hier jetzt keine Rolle spielt.

Das Gespräch kam leider nicht zu Stande. Warum, ist jetzt nicht wichtig. Wichtig ist, dass durch die ganze Aktion der Jäger&Sammler zwei Charaktere zusammenkamen, die kaum zueinander passen und sich unter normalen Umständen wohl eher aus dem Weg gehen würden. Doch diese haben nun bereits drei Videos zusammen gemacht und eines davon ist das oben verlinkte „Ursachen der Flüchtlingskriminialität“. In dieser Youtube-Diskussion zwischen dem Doktorant und Finkelstein geht es um die Frage, ob die häufigen Sexualstraftaten von muslimischen Einwanderern in Deutschland direkt mit dem Islam zu tun haben. Finkelstein meint, „ja“, kann dies aber nicht ausreichend begründen und Doktorant meint „weiß nicht“, weil er keine ausreichende Begründung sieht. Das war’s eigentlich schon. Inhaltlich ist das Video daher nicht so super spannend, auch weil beide bei dem Thema auch nur Zeitungsleser sind. Doch sehenswert ist es aus einem anderen Grund: Weil dort ein kleines Wunder geschehen ist.

Shlomo Finkelstein wurde plötzlich von seinem aufgesetzten Tourette-Syndrom geheilt und konnte während des gesamten zwei-stündigen Videos ganz normal reden. Und das obwohl es in dem Dialog um sein absolutes Lieblingsthema geht; nämlich den kausalen Zusammenhang zwischen Islam und Widerwärtigkeit. Nur ganz selten musste er unbedingt mal „Fick“ sagen (was sollen sonst die Leute denken, schließlich hat er viele Fans zu verlieren) aber ansonsten argumentierte er ruhig und sachlich. Niemand wurde schwer beleidigt, sämtliche Koranexemplare in greifbarer Nähe wurden verschont. Er konnte sogar – aufpassen! – seine eigene islamfeindliche Position in Frage stellen und verschiedene Sichtweisen abwägen. Hammerhart! Und das, obwohl der Doktorant eine Sicht auf muslimische Flüchtlinge offenbarte, die Finkelstein höchstwahrscheinlich als „schwachsinnige naive SJW-Fotzen-Scheiße“ und „Leck-mich-am-Arsch-Islamfaschismus-Fick-Relativierung“ oder dergleichen gelten würde, wenn sie jemand aus dem linken politischen Lager geäußert hätte. Doch nun kann er auf einmal seine penetrant nervige ultra-arrogante „dass ich Recht hab ist absolut klar und wer das nicht einsehen will ist Abschaum“-Attitüde komplett ablegen. Wie kommt das? Spontaner Sinneswandel? Ist Finkelstein kurz vor dem Gespräch Gutmensch geworden? Macht er heimlich ’ne „Hasstherapie“ mit Nemi el-Hassan, die ihn solange anlächelt und ‚Islam ist Frieden‘ sagt, bis er hypnotisiert und zu Tränen gerührt in ihre Arme fällt?

Leider nein; es gibt andere Gründe. Er ist Narzisst. Und die etablierten linken Meinungsmacher, die ihn und seinesgleichen als boshafte Nazi-Ketzer ansehen und mit ihrer aufdringlichen Verlogenheit seinen Geschmack beleidigt haben, haben ihn schwer gekränkt. Und so geht’s vielen. Nur beherrschen sich die meisten halt trotzdem. Aber nicht Finkelstein. Er will Rache. Und die schweren Beleidigungen, mit denen er seine Videos ausschmückt, sind eben nicht einfach nur vulgär-polemische Überspitzung seiner Meinung, sondern sie erfüllen genau diese Funktion. Mit ihnen zahlt er es den politisch-korrekten SJW-Beknackten heim. Aber warum sollte er sich am harmlosen Doktorant rächen? Ich verwette meinen fucking islamophilen Arsch darauf, dass der Dok sogar dann ungefickt geblieben wäre, wenn er explizit gesagt hätte, dass er eine Mitschuld des Islams an der Flüchtlingskriminalität ausschließt. Denn seinen Bruder fickt man eben nicht.

Was lernen wir draus? Je nachdem mit welcher Seite Finkelstein gerade redet, passt er seine Rethorik, seinen Stil und sogar seine Meinung an. Denn nur so ist erklärbar, weshalb sich Finkelstein im Dialog mit Doktorant nicht kämpferisch geben musste. Schließlich musste er sich ja hier nicht mit den verfeindeten SJWs messen, sondern nur mit einem „Gleichgesinnten“ von der anscheinend „eigenen Seite“, der halt nur eine etwas andere Meinung vertritt.

Ferner wurde durch die Aktion „Hasstherapie“ der J&S eine problematische Gruppenidentität geschaffen, die es möglich machte, dass ein lösungsorientierter Wissenschaftler wie Doktorant mit einem islamfeindlichen Schwadroneur wie Finkelstein zusammen Videos zu macht. Beide gehörten nämlich in Folge der unnötigen und eben polarisierenden Auseinandersetzung mit den selbstgerechten Linken von J&S der „Anderen Seite“ an, nämlich dem Lager der „politisch-Unkorrekten“ – den „Anti-SJWs“. Beide saßen im selben Boot. Und als die Bootsfahrt eigentlich zu Ende war, sind sie einfach drin sitzen geblieben und noch mal rausgefahren. Die Tatsache also, dass Doktoant und Finkelstein u.a. die Feminismuskritik teilen und daher vermeintlich eine Gruppe bilden, hat letzteren von den nervösen vulgären Ausfällen seines vorlauten Mundwerks befreit.

Wieso ist mir dieser blöde Finkelstein so wichtig, dass ich so einen langen Artikel darüber schreibe? Weil ich glaube, dass Finkelsteins Lagerdenken ein anschauliches Beispiel für ein tiefliegendes Problem der Anti-SJW-Bewegung ist. Wie harmlos wäre Finkelstein, wenn er sich in all seinen Videos nicht dem entmenschlichten SJW-Zeitgeist gegenübersehen würde, sondern einfach nur gleichrangigen Mitbürgern, die halt eine andere Meinung haben als er? Was wäre, wenn er sich nicht dauernd im destruktiven Lagerdenken des Finkelstein vs. SJW-Modus befinden würde, sondern konsequent im konstruktiven Finkelstein vs. Doktorant-Modus? Es würde garantiert kein Koran gegrillt werden und keine Fotze müsste gefickt werden, weil sie die falsche Meinung vertritt.

Jeder, der das hier liest, fasse sich an bzw. in die eigene Nase und prüfe, wie groß der Finkelstein ist, der in ihm steckt. Denn dieser identitätspolitische Popel ist ein generelles Problem aller, die sich vom herrschenden politisch-korrekten linken Diskurs abgestoßen fühlen. Wie würden wohl unsere Meinungsäußerungen und Argumentationen aussehen, wenn wir uns nicht einem wahnsinnigen quasi-entmenschlichten übermächtigem Feind gegenübersehen würden (z.B. dem Staat, den Medien, dem linken Zeitgeist, Dem „System“ oder der „Islamisierung“), sondern ganz normalen Mitbürgern, die halt einfach eine andere Meinung haben? Man könnte einfach seine Ansichten austauschen, zu einer Lösung kommen oder am Ende einsehen, dass man eh keine Ahnung hat und fertig. Das ganze kann man natürlich leicht weiter spinnen: Pegida-Demonstranten müssten sich keine Volksverräter und Lügenpressen, die das deutsche Volk austauschen wollen, herbei phantasieren, dauerrasende Berserker wie Hadmut Danisch könnten mal ’ne Woche Urlaub nehmen und in sich gehen bevor sie heißlaufen wie ein MG im Grabenkrieg und WikiMANNia, bräuchte sich kein Frauenbild zusammenbasteln, das an nationalsozialistische Rassentheorien erinnert. Sie alle müssten es nur schaffen sich der Anti-System oder Anti-SJW-Identität zu verweigern. Dann würde es keinen Krieg der Vorwürfe, sondern einen Austausch der Ansichten geben. Selbiges gilt natürlich für die „andere Seite“.

 

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