Meldungen und Nichtmeldungen

Keine Meldung: Männer sterben 6 Jahre früher als Frauen.
Meldung: Afroamerikaner sterben im Schnitt vier Jahre früher als Weiße.

Interessant an dem Artikel finde ich insbesondere, dass hier ausschließlich im generischen Maskulinum geschrieben wurde. Da kann man schon den Verdacht hegen, daß der Autor bewußt um das Problem herumgeschrieben hat.

Ich schließe mich dem Appell der Gesundheitsbehörde an: „Alle Amerikaner sollten die gleichen Möglichkeiten haben, gesund zu leben“

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Warum ich den Brüdern Braun applaudiere

Gestern hatte ich über eine persönliche Erfahrung mit unsichtbaren Männern gebloggt. Von diesen unsichtbaren Menschen gibt es aber noch viel mehr. Sie sind von der Politik ausgeblendet und von den Massenmedien schlicht vergessen worden. Im gesellschaftlichen Diskurs kommen sie nicht vor. Gehör finden einige von ihnen dann wieder, wenn sie bereits sind, auch radikale Konsequenzen daraus zu ziehen.

In dieses Bild fügt sich ein Fundstück, über das ich – mal wieder – via Fefe gestolpert bin. Dass ich nochmal im ehemaligen Nachrichtenmagazin echte Nachrichten lesen würde, hätte ich nicht erwartet! Immerhin muss ich anerkennend zugeben, dass Spiegel Online hier ausnahmsweise aus der üblichen Berichterstattung ausschert.

Was war geschehen? Das Miniatur-Wunderland in Hamburg hatte im Januar all diejenigen Leute gratis hereingelassen, die sich den Eintritt nicht leisten konnten. Entgegen den Unkenrufen, dann würden sich viele Leute auch einfach so das Geld sparen, kamen genausoviele zahlende Besucher wie im Vorjahr. (Korrekt mitgedacht: Gemäß dem Fall, dass die Besucherzahlen ansonsten steigen, hätten natürlich dennoch einige das Angebot ausgenutzt. Aber ich möchte nicht knauserig sein und erwähne das nur, damit kein Statistik-Fehler in den Kommentaren aufgeführt wird.)

Und – wer hätte das gedacht? – natürlich waren unter den 18.000 Profitierenden auch Flüchtlinge. Den Leuten mal etwas anderes zu zeigen als ihren Alltag, das war ja ein Anspruch von Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik. Deswegen begrüße ich solche Angebote, egal wen sie treffen. Sie bieten immer die Chance, einen Menschen zu erbauen und zu erhellen, und diese Chance sollten so viele wie möglich haben.

Anlass für die Berichterstattung – hier wird es dann wieder ganz gewöhnlich – war ein Brief an die Betreiber, die Brüder Gerrit und Frederik Braun, in dem sich jemand darüber echauffierte, dass auch Flüchtlinge gekommen waren. Weitere Stichworte: Merkel, Wirtschaftsflüchtlinge, Bomben.

Die Brüder haben in mehrfacher Hinsicht sehr souverän reagiert: Da der Brief nicht anonym war, haben sie tatsächlich den Absender angerufen. Im Artikel laden sie ihn ausdrücklich ein, ins Miniatur-Wunderland zu kommen und mit ihnen zu reden. Einen schauerlichen Brief mit einer besonnenen Einladung zu kontern – Hut ab!

Sie haben eben nicht den Namen des Absenders bekannt gegeben und ihn damit sozial geächtet, oder gar „von der Debatte ausgeschlossen“. Gut möglich, dass jemand, der so einen wütenden Brief schreibt, mit solchen Maßnahmen nicht mehr erreichbar ist. Aber gleichzeitig lesen eben viele andere, irgendwie frustrierte, aber noch unentschlossene Menschen solche Artikel. Für die kann das ein Signal sein: „Die Brüder Braun halten sich nicht nur für gute Menschen; sie wollen auch keinen Graben aufmachen zu denen, die sie nicht für gut halten, sondern lieber mit diesen Leuten reden.“

Die rührselige Geschichte hat aber noch ein ganz trauriges Element:

Frederik Braun: (…) Wir verzeichnen Pro-Kopf-Umsätze. Das heißt, wir wissen, wie viel jeder Kunde im Durchschnitt im Bistro ausgegeben und Merchandising gekauft hat. Und rechnet man diese 18.000 raus…,

Gerrit Braun: …kommt man auf ein ganz trauriges Ergebnis.

Frederik Braun: Es ist nämlich die gleiche Zahl wie sonst. Was heißt, obwohl diese 18.000 Menschen keinen Eintritt zahlen mussten, hatten die meisten nicht mal das Geld, ihren Kindern eine Cola zu kaufen.

Frederik Braun: [W]ir haben Märchen da unten erlebt. Weinende Kinder, weinende Eltern. Ein Sohn hatte sich zu Weihnachten als einziges gewünscht, ins Miniatur-Wunderland zu gehen – und die Eltern konnten es sich nicht leisten, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Und jetzt standen sie da und beide Eltern haben geheult. Mir stiegen auch die Tränen in die Augen. Für solche Momente hätten wir eigentlich bezahlen müssen.

Am gesellschaftlichen Leben mangels Geld nicht teilnehmen zu können: So sieht Armut in Deutschland aus. Mit solchen Aktionen und der entsprechenden Berichterstattung macht man sie sichtbar. In einem „Deutschland geht es gut“-Weltbild kommen sie nicht mehr vor, weil sie ihm widersprechen.

Ein hässlicher Zweifel, der seit Tagen an mir nagt: Ob dieser Artikel auch erschienen wäre ohne den feindseligen Brief gegen Flüchtlinge? Das und die starke emotionale Reaktion darauf waren schließlich der Aufhänger. Die Erwähnung der allgemeinen Armut wurde sozusagen Huckepack in den Artikel getragen.

Flüchtlinge gegen arme Deutsche auszuspielen, egal in welche Richtung, hieße allerdings, eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) durch eine andere zu ersetzen. Dabei verhält es sich in Wirklichkeit so, dass wer eine GMF ok findet, auch eher einer anderen zustimmt. Es hat also keinen Sinn, da irgendwelche Prioritäten zu verhalten: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist immer abzulehnen!

Die Brüder Braun haben auch in dieser Hinsicht richtig reagiert: Sie haben nicht unterschieden zwischen „wichtig“ und „weniger wichtig“, „bringt Aufmerksamkeit“ und „bringt keine“. Sie haben das getan, was eigentlich Aufgabe von Politik und Medien wäre: Den Armen Aufmerksamkeit gegeben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zwei Brüder, die eine positive Nachricht verbreiten… da fällt mir als erstes auch ein Lied mit „Brothers“ im Titel ein.

Coldplay: Brothers and Sisters

Fundstück: Globalisierung erhöht die Suizidrate in den USA

Die Nachdenkseiten wiesen gleich zweimal auf einen Artikel von Thomas Fricke hin, der sowohl bei Spiegel online als auch WirtschaftsWunder erschienen ist. Unter dem Titel „Donald Trump und der Freihandel – Globalisierung kann tödlich sein“ bespricht er eine Studie namens „Trade Liberalization and Mortality: Evidence from U.S. Counties“ von Justin R. Pierce und Peter K. Schott (Entwurf vom Dezember 2015 als PDF). Dabei wurde untersucht, „welche Wirkung es auf die Menschen in besonders betroffenen Regionen in Amerika hatte, als im Herbst 2000 der Handel mit China stark liberalisiert wurde.“

Wo die neue Konkurrenz besonders stark zunahm, fielen Jobs weg – und es gab in den Jahren darauf deutlich mehr Suizide und Drogentote; oft stieg auch die Zahl der Alkoholtoten.
(…)
Noch während der Neunzigerjahre hätten die Suizidraten in etwa stagniert. Merklich nach oben gingen die Fälle erst um das Jahr 2000 – als die Importbarrieren fielen. Damals beschleunigte sich auch die Zunahme der Todesfälle durch Drogenkonsum. Wo die Arbeitslosenquote um 2,6 Prozentpunkte stieg, schnellte die Suizidrate im Schnitt um fast ein Drittel hoch. Kein Zufall, sondern im Wirkungszusammenhang, wie die Experten über diverse Gegenchecks herausfanden.
(…)
Nun hat sich natürlich nicht jeder, der seinen Job verlor (oder zu verlieren drohte), das Leben genommen, klar. Die Diagnose der beiden Experten lässt aber erahnen, welche seelischen Folgen der Bruch des Jahres 2000 auf Menschen etwa im viel zitierten Industrieraum des Rust Belts hatte.
(…)
Nach Auswertung von Pierce und Schott gilt der Befund steigender Todesraten vor allem für weiße Männer. Jene Gruppe von Arbeitern, die eben auch überproportional in jenen Industrien arbeiteten.

Das finde ich in zweierlei Hinsicht beachtlich: Zum einen ergibt sich hier dasselbe Bild wie bei den Suizidziffern Osteuropas: In wirtschaftlich oder gesellschaftlich unsicheren Zeiten gehen diese bei Männern in die Höhe.

Zu anderen: Vielleicht waren die weißen Männer im Rust Belt doch nicht so doof bei der US-Präsidentschaftswahl. Vielleicht haben, wie schon mehrfach als Gegenthese in den Raum gestellt wurde, vielmehr die Massenmedien (und die Linke) diese Leute und ihre Bedürfnisse völlig aus den Augen verloren und hängen lieber Verschwörungstheorien nach, als ihre Wahrnehmung der Realität zu prüfen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um „Nicht aufgeben!“ geht, fällt mir immer ein Lied von Chicane aus dem Jahr 2000 ein. Das gibt es in vielen Versionen, zuletzt ist mir diese hier aufgefallen:

Chicane feat. Bryan Adams – Don’t Give Up (Reboot 2013)

HILLARY CLINTONS NIEDERLAGE: Keine Mutter für die Nation

So titelte die Schweizer Wochenzeitung WoZ die Niederlage Clintons gegenüber Donald Trump. Sehen sich weiße Frauen tatsächlich der Versuchung ausgesetzt, sich dem Unterdrücker anzuschließen, weil er ihnen die Teilhabe an der Macht vortäuscht und sich bis heute wenig daran geändert hat? Dieses Narrativ mag bei genauerem Hinsehen nicht richtig zu überzeugen.

Würde die WoZ identisch argumentieren, wenn Frauen wie Sarah Palin, Marine Le Pen oder Frauke Petry zur Wahl gestanden hätten?

Interessant wäre ja die Frage, ob dieses Narrativ (Frauen sind immer noch diskriminiert, Frauen solidarisieren sich lieber mit dem Unterdrücker, weil es ihnen Vorteile verschafft etc.), das die WoZ bzw. Anna Jikhareva erzählt, auch so geschrieben worden wäre, wenn ein Mann bei den Demokraten gegen eine Frau bei den Republikanern angetreten wäre: z.B. eine Frau wie Sarah Palin oder Marine Le Pen oder Frauke Petry? Vermutlich nicht! Da hätte die WoZ vermutlich die Frauen gelobt, die nicht Palin, Le Pen oder Petry gewählt haben, weil sie sich sonst „ideologisch“ in unlösbare Widersprüche begeben hätte. Das identitätspolitische Narrativ (Frauen sollten gefälligst Frauen wählen: alles andere ist unsolidarisch oder eben Komplizenschaft) funktioniert also nur unter ganz bestimmten Prämissen und ist deshalb nicht wahnsinnig stichhaltig bzw. valide.

Clinton hat sicherlich nicht einfach verloren, weil sie eine Frau war, sondern weil sie im Gegensatz zur Obama-Wahl 2012

  • bei allen Altersgruppen bis 64 Jahren prozentual weniger Stimmen als Obama holte;
  • bei allen Ethnien (Weiße, Afroamerikaner, Hispanics, Asiaten und Sonstige) prozentual weniger Stimmen holte als Obama:
  • und auch insgesamt bei den Frauen prozentual weniger Stimmen holte als Obama!

vgl. FAZ

Haben weiße Frauen die Privilegien ihrer Hautfarbe gewählt?

Auch die nachträgliche Begründung von  Jikhareva ist nicht sehr stichhaltig bzw. vollständige Spekulation, die besagt, dass die weißen Frauen lieber die Privilegien ihrer Hautfarbe gewählt haben. Die weißen Frauen, die insbesondere über überdurchschnittlich viel kulturelles Kapital besaßen, haben in hohem Masse für Clinton gestimmt. Diejenigen Frauen, die eben gerade hinsichtlich des kulturellen Kapitals nicht privilegiert waren, haben zu 62% für Trump gestimmt. Viel naheliegender dürfte die Interpretation sein, dass gerade weiße Frauen, die zur Unterschicht gehören und zu den Globalisierungsverlierern gehören, für Trump gestimmt haben.

vgl. SPIEGEL

Und was für Privilegien haben wohl diese weißen Frauen, die wenig kulturelles Kapital besitzen? Im Vergleich zu Männern, die wenig kulturelles Kapital besitzen, dürften sie auch noch weniger ökonomisches Kapital besitzen. Clinton konnte diese Frauen offenbar nicht wahnsinnig überzeugen, dass es ihnen mit ihrer Wahl besser geht.

Schließen sich Frauen lieber ihrem Unterdrücker an, weil er ihnen ein Teilhabe an der Macht vortäuscht?

Und dass sich weisse Frauen ausgesetzt sehen, sich dem Unterdrücker anzuschließen, ist auch nichts weiter als Spekulation. Was genau hätte den Clinton für diese weiße Frauen mit wenig ökonomischem und kulturellem Kapital zu bieten gehabt? Wollte Clinton die Lohnquote für die Arbeitenden erhöhen? Oder ganz allgemein den Gini-Index der USA verbessern, folglich die Kluft der Einkommens- und Vermögensverteilung verringern? Oder wollte sie dafür sorgen, dass die USA weniger eine Plutokratie bzw. Oligarchie ist und ganz allgemein die politische Partizipation der unteren Klassen stärken? Hat Obama irgend etwas diesbezüglich erreicht? Außer der Entspannung zu Kuba und dem Iran sowie Obamacare findet man bei Obama keine nachhaltigen Verbesserungen.

Auch die Aussage, dass die Wahl von Trump für die Frauen ökonomisch negative Folgen haben wird, ist reinste Spekulation und es fehlt jegliche Begründung dafür.

Eine Mehrheit der Menschen wollte einen „Change“ und nicht den Status Quo

Der restliche Text von Jikhareva, der die schwache Repräsentation der Frauen in Exekutive und Legislative in den USA beklagt, mag zwar grundsätzlich richtig sein, ist jedoch für die Analyse der US-Präsidentschaftswahl 2016 mehrheitlich irrelevant. Seit 1945 gab es in den USA nur einmal eine Phase, in der die gleiche Partei ununterbrochen 12 Jahre bzw. drei Amtszeiten hintereinander den Präsidenten stellen konnte. In allen übrigen Phasen konnte die gleiche Partei höchstens 8 Jahre den Präsidenten stellen. Ein großer Teil der Menschen in den USA wollte einen Wechsel (Change) und den erhält man nicht, wenn man noch einmal einen Präsidenten wählt, der aus der selben Partei stammt wie der Vorgänger und schon gar nicht, mit einer Präsidentschaftskandidatin, die innenpolitisch den Status quo weiterführt.

Entscheidend waren die Staaten des Mittleren Westens: Globalisierungsverlierer

Entscheidend bei dieser Wahl waren nun mal die Staaten Ohio, Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Also Staaten, mit überdurchschnittlich hohem Anteil von weißen, wenig gebildeten Menschen, die man unter die Globalisierungsverlierer subsumieren kann. Clinton hatte hier Mühe zu punkten, weil die protektionistischen Sprüche von Trump nun mal glaubwürdiger waren als analoges von Clinton.

Fazit

Das mehrheitlich identitätspolitische Narrativ von Anna Jikhareva ist m.E. überwiegend falsch. Es ist vornehmlich ein ideologisches Narrativ, das nur dann funktioniert, wenn eine Frau bestimmte Voraussetzungen mitbringt wie dies bei Hillary Clinton der Fall war (Mitglied der demokratischen Partei, identitätspolitische, postmodernistische und intersektionale Programmatik), jedoch bei anderen Frauen, die z.B. eher konservativ, rechtspopulistisch oder protektionistisch politisieren, nicht angewendet werden kann/darf, weil sich sonst die Autorin ideologisch in unlösbare Widersprüche verstrickt. Es ist somit ein ideologisches Narrativ, das eben gerade die komplexe empirische Realität aussen vor lassen muss, damit die Ideologie durchgehalten werden kann. Die Realität ist also komplexer, als es Ideologen gerne hätten.

Quellen:

WoZ-Artikel: HILLARY CLINTONS NIEDERLAGE Keine Mutter für die Nation

Fundstück: Spaß mit Männerhass – Folge 4

Es gab bereits die ersten Wortmeldungen zur neuen Serie. So antwortete crumar (Formatierung von mir):

Mit meinem Liebling in Sachen „Ich-klinge-wie-der-Völkische-Beobachter-bin-aber-eigentlich-liberal/links!“:

Als Fötus sind sie empfindlicher, in der Schule scheitern sie häufiger, sie neigen zu Gewalt und Kriminalität, und sie sterben früher: Sind Neger die Mangelwesen der Natur? Nun offenbaren auch noch die Biologen: Das Neger-Chromosom ist ein Krüppel, der Neger dem Untergang geweiht.

Demnach: Der Untergang der Rasse liegt in ihren Genen begründet und damit klar auf der Hand. Schulisches scheitern, Gewalt und Kriminalität haben in letzter Instanz biologische Ursachen die diese determinieren; es ist eine spezifische Eigenheit ihrer Rasse.
Gesellschaftlich ist das unmöglich zu korrigieren, weil es nicht gesellschaftlich verursacht wurde.

Aber auch die Juden haben laut dieser Quelle außerordentliche genetische Defekte, die ihren unaufhaltsamen Niedergang erklären:

Der Quell des Übels lässt sich in jedem jüdischen Zellkern betrachten. (…)
Juden (…) erscheinen wie gentechnisch verkorkste Arier, denen die Natur einen Geburtsfehler im Zellkern verankert hat. (…) Und dieser Mickerling hat die Fähigkeit verloren, sich zu regenerieren.

Die Folge: Mutationen sowie genetische Verluste werden unweigerlich vom jüdischen Vater auf den Sohn vererbt. Im Laufe der Ahnenreihe sind bereits Hunderte Gene dem Schwund zum Opfer gefallen. Übrig blieb ein genetischer Trum, dessen Inspektion Forscher nun erschauern lässt.

Also: Das überlegene, natürlich ein arisches Gen, ist der Gold-Standard, an dem sich jedes andere mickrige Gen messen lassen muss.
Jede Abweichung davon – wie hier auch fehlerfrei erkannt worden ist – ist selbst *vor* Geburt bereits ein Fehler. Insbesondere aber, wenn das Resultat ein jüdischer *Sohn* (weiterer Fehler) ist.
In diesem Fall vervielfachen sich die genetischen Verluste, die Mutationen und übrig bleibt, was den arischen Forscher erschauern lässt.

Die arische Forschung „zeigt sich davon überzeugt, dass das Ende viel schneller naht. Das jüdische Chromosom tanze „nur noch mit seinem eigenen Spiegelbild“ und habe den Kontakt zur Außenwelt für alle Zeit eingebüßt (…) und warnt (…): „Juden leben bis auf weiteres unter Vorbehalt.“

Was kann hier anderes nahen, als das baldige Ende der jüdischen Rasse???

Diese neutral vermittelten, rein wissenschaftlichen Erkenntnisse über Männer in einer betont geschlechtersensiblen Sprache wurden uns 2003 (nein, nicht 1933) präsentiert von „Spiegel Online“ in dem garantiert hate-speech freien Artikel:

Eine Krankheit namens Mann“ (womit Neger und Juden selbstverständlich mit gemeint sind!)

Es ist m.E. einer der wichtigsten Artikel um aufzuzeigen, wie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit funktioniert, eben weil sie sich gegen Männer richtet.
Allein, es gäbe eine „biologisch vorbestimmte Abschaffung“ wäre bei jeder anderen Gruppe von Menschen undenkbar gewesen zu schreiben, weil „Abschaffung“ offenkundig Resultat einer Handlung ist.

Die gedankliche Koketterie mit einer finalen, einer „Endlösung“ so bezeichnend:

Da trifft es sich, dass die Reproduktionsmediziner derzeit üben (…) den Mann durch Technik zu ersetzen. Dabei wenden sie Methoden an wie das Klonen oder die Herstellung von Ersatzspermien aus weiblichem Gewebe. Läuft alles glatt, dann brauchen die Frauen der Zukunft von Männern nicht einmal mehr den Samen. „Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“, textete Herbert Grönemeyer. Von wegen.

Wie auch die Zeit danach; man sieht

ein sapphisches Utopia heraufdämmern, eine Rückkehr der Menschheit zu jenem Paradies der Dichterin Sappho auf der Insel Lesbos, in dem Mädchen und Frauen sich unter Ausschluss der Männlichkeit künstlerischen und intellektuellen Vergnügungen hingaben.

Eine Rückkehr DER Menschheit ins Paradies – in dem sich keine Männer befinden, weil (logisch schließend) Männer nicht Bestandteil der Menschheit sind.
Der Mann ist Unmensch.
D.h. hier wird vollendet, was die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen mit dem Satz: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“ nur andeuten wollte und konnte.

Aus diesem Grund ist es so schwer, Menschenrechte für Männer zu erkämpfen.

Zur Erinnerung: die Spielregeln

Nur ein kleiner Test:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Fundstücke mit Quellangabe einfach in die Kommentare schreiben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Auch wenn der Mann im Spiegel 38/2003 schlecht wegkommt, ist es mir trotzdem gelungen, ein Musikstück mit passendem Titel zu finden!

Michael Jackson: Man in the Mirror