Gastartikel: Leszeks Kritik des sexualfeindlichen feministischen Zustimmungsprinzips

Es folgt ein Gastartikel von Leszek.

Konsensprinzip/Zustimmungsprinzip im Sinne des Radikalfeminismus und Gender-Feminismus ist ein Konzept, bei dem es darum geht, dass die Sexualpartner bezüglich aller sexuellen Handlungen immer vorher ausdrücklich nachfragen sollen und jede sexuelle Handlung erst nach ausdrücklich verbal erteilter Zustimmung durchführen dürfen. (Von manchen Vertretern des Konsensprinzips werden auch vorher vereinbarte nicht-verbale Zeichen als Alternative zur Verbalisierung zugelassen). Und das nicht nur beim ersten gemeinsamen Sexualakt zwischen bestimmten Sexualpartnern, sondern auch bei jedem weiterem. Das ist jedenfalls die Reinform dieses Konzepts.

Für die meisten Menschen eine grauenhafte Vorstellung, ein rigides Verhaltenskonzept, dass jede sexuelle Spontanität, Kreativität und Erotik zerstört.

Radikale Feministinnen versuchen seit Jahren das Konsensprinzip als kulturelle/soziale Norm zu etablieren und treffen dabei verständlicherweise weit überwiegend auf Ablehnung. Nur in einigen kleineren feministischen Zirkeln oder kleineren politisch korrekt geprägten linken Zirkeln, die von radikalen Feministinnen dominiert sind, gelang es bisher diesem sexualfeindlichen Konzept offizielle Anerkennung zu verschaffen (was allerdings nicht bedeutet, dass die Mehrheit der Leute in diesen Kreisen sich dann auch tatsächlich in ihren realen sexuellen Interaktionen daran halten würden, aber sie müssen zumindest öffentliche Anerkennung heucheln, um Anfeindungen zu vermeiden.)

Das Konsensprinzip hat m.E. keine Chance sich jemals über kleine feministisch geprägte Subkulturen hinaus auszubreiten, es wird meiner Meinung nach von der großen Mehrheit der Frauen und Männer immer abgelehnt werden. Daher versuchen radikale Feministinnen zunehmend das Konsensprinzip nach und nach gesetzlich zu verankern und es der Mehrheitsbevölkerung aufzuzwingen.

Das Konsensprinzip als kulturelle/soziale Norm sollte aus einer Perspektive der Bejahung sexueller Freiheit m.E. entschieden zurückgewiesen werden.

Das Konsensprinzip begründet abzulehnen bedeutet nicht, Gespräche über sexuelle Vorlieben und Abneigungen vor oder während des Sexualakts prinzipiell abzulehnen und es bedeutet natürlich auch nicht, dass man es ablehnt vorher nachzufragen, falls man sich unsicher ist, ob eine bestimmte sexuelle Handlung für den Sexualpartner o.k. ist; es bedeutet nicht, dass man beim Sex nicht sprechen dürfte; nichts fragen dürfe; nicht verbal ja oder nein sagen dürfe – Verbalisierungen können je nach Kontext sinnvoll sein oder auch nicht.

Und genau das ist das Entscheidende: Die Freiheit der Sexualpartner selbst zu bestimmen, ob bestimmte Verbalisierungen in einem bestimmten Kontext für diese bestimmten Personen gerade sinnvoll sind oder nicht anstatt einer rigiden, autoritären Verhaltensnorm folgen zu müssen, die dies allen Menschen für alle sexuelle Handlungen für immer vorschreiben will.

Radikale Feministinnen aus dem Spektrum des klassischen Radikalfeminismus sowie des postmodernen Gender/Queer-Feminismus versuchen das rigide sexualfeindliche Zustimmungsprinzip als soziale und kulturelle Norm zu etablieren und versuchen dabei auch zunehmend dies Schritt für Schritt durch gesetzliche Regelungen zu erreichen. Unwillkürlich fragt man sich nach der Motivation für diese Bestrebungen. Um diesbezüglich zu einer realistischen Analyse jenseits der Zuschreibung unnachvollziehbarer negativer Absichten zu gelangen, scheint es sinnvoll mal ein paar Kontexte durchzugehen, bei denen eine Form von Zustimmungsprinzip tatsächlich sinnvoll ist:

– Sexarbeit, also Prostitution und Pornographie: hier ist ein Zustimmungsprinzip in dem Sinne, dass vorher alle sexuellen Handlungen eindeutig vereinbart werden, zwingend notwendig.
– BDSM: auch bei sado-masochistischen Sexualpraktiken ist es wichtig vorher Vereinbarungen zu treffen. (*)
– Gruppensex: hier ist es mindestens am Anfang sinnvoll vorher über sexuelle Vorlieben und Abneigungen zu sprechen und zu vereinbaren, welche sexuelle Handlungen stattfinden sollen/können und welche nicht. Wenn die entsprechenden Personen sich dann in sexueller Hinsicht schon besser kennen, ist dies nicht mehr zwangsläufig nötig. Sollte jemand Neues dazukommen, würde es aber erneut notwendig vorher darüber zu sprechen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen.
– Menschen, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt: Manche Menschen, nicht alle, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, haben ein Bedürfnis nach einer Form von Konsensprinzip bei sexuellen Interaktionen, u.U. auch nach einer rigiden Form von Konsensprinzip (jede einzelne sexuelle Handlung vorher abfragen). Für manche Menschen mit sexueller Traumatisierung vermittelt eine Form von Konsensprinzip Sicherheit und eine schrittweise quasi-therapeutische Wiederannäherung an sexuelle Aktivitäten. In diesen Fällen ist es sinnvoll, dass der Sexualpartner sich darauf einlässt.

Jedoch sollte bezüglich solcher Fälle eigentlich klar sein, dass das Fernziel idealerweise nicht darin bestehen sollte für immer nur Sex nach dem Konsensprinzip haben zu können, sondern dass es auch darum gehen sollte langfristig im Rahmen einer intimen und von Vertrauen geprägten Beziehung das Konsensprinzip schrittweise zurückfahren zu können und hoffentlich irgendwann wieder Sex ohne Konsensprinzip haben zu können.

Es sind in der Regel nicht Sexarbeiter, Menschen mit BDSM-Neigungen oder mit Neigung zum Gruppensex in feministischen Kreisen, die dazu tendieren das Zustimmungskonzept als allgemeine kulturelle und soziale Norm für alle sexuellen Aktivitäten aller Menschen zu etablieren, Feministinnen, die diesen genannten Gruppen angehören, tendieren meistens im Gegenteil eher zum sex-positiven Feminismus.

Es sind m.E. Personen aus der letztgenannten Gruppe, also Frauen, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, die im Kontext des vorherrschenden Feminismus danach streben dem Konsensprinzip eine allgemeine Anerkennung oder gar rechtliche Verankerung zu verschaffen. Dahinter steht m.E. der Versuch die ganze Gesellschaft im Hinblick auf sexuelle Interaktionen so einzurichten, wie dies für manche Menschen mit sexueller Traumatisierung am einfachsten wäre. Das Konsensprinzip – gerade auch die rigideren Varianten – sind abgestimmt auf die Bedürfnisse von manchen Menschen mit sexueller Traumatisierung und spiegeln die Wünsche traumatisierter Persönlichkeitsanteile nach einer in sexueller Hinsicht absolut sicheren Umwelt wieder, was für sexuell traumatisierte Persönlichkeitsanteile eben auch Handlungsnormen beinhalten kann, die für Menschen ohne sexuelle Traumatisierung weder ansprechend, noch nachvollziehbar sind.

Andere Feministinnen, bei denen keine sexuelle Traumatisierung vorliegt, unterstützen die Sache dann aus Opportunismus und aus ideologischer Verblendung, auch wenn sie sich selbst in ihren eigenen sexuellen Interaktionen natürlich in der Regel nicht an die rigiden Vorgaben des Konsensprinzips halten.

In dieser Hinsicht ist die primäre treibende Kraft hinter dem Versuch das Konsensprinzip zu verbreiten nicht irgendeine böse Absicht, sondern die treibende Kraft liegt m.E. in – in psychologischer Hinsicht durchaus nachvollziehbaren – persönlichen Bedürfnisse einiger sexuell traumatisierter Personen.

Was aus der Perspektive sexuell traumatisierter Persönlichkeitsanteile als Wunsch nach einer absolut sicheren Umwelt in dieser Hinsicht nachvollziehbar ist, dass ist jedoch aus einer rationalen und erwachsenen Sichtweise nicht nur unrealistisch, sondern auch anmaßend und autoritär.

Denn Menschen ohne sexuelle Traumatisierung haben kein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip – im Gegenteil – und auch nicht alle Menschen mit sexueller Traumatisierung haben ein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip und Menschen mit sexueller Traumatisierung, die ein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip haben, haben nicht zwangsläufig ein Bedürfnis nach den besonders rigiden Varianten des Konsensprinzips.

Das feministische Projekt „Consent Culture“ ist daher zum Scheitern verurteilt, die große Mehrheit der Bevölkerung hat keine Lust auf Sex nach dem Konsensprinzip. Der feministische Slogan „Consent is sexy“ ist, insofern er aussagen soll, dass Sex nach dem Konsensprinzip sexy sei, in Bezug auf die Bedürfnisse der meisten Menschen falsch.

Nicht dass Verbalisierungen nicht manchmal sinnvoll und erwünscht sein können, das kann – wie oben bereits erwähnt – kontextuell sinnvoll sein oder auch nicht. Ob und inwieweit Verbalisierungen erwünscht sind oder nicht sollten Sexualpartner kontextuell selbst entscheiden, aber das Konsensprinzip als rigide Norm, die allen auferlegt werden soll, hat keine Chance auf freiwillige Durchsetzung.

Daher bleibt den ideologisierten Vertretern/Anhängern des radikalen Feminismus, die das Konsensprinzip verbreiten wollen, letztendlich nur das Mittel des Zwangs übrig.

Leider werden radikale Varianten des Feminismus von den derzeitigen ökonomischen und politischen Herrschaftseliten gefördert, weil diese aus verschiedenen Gründen ihren eigenen Herrschaftsinteressen entgegenkommen, so dass Versuche das Konsensprinzip schrittweise gesetzlich zu verankern eine potentielle Gefahr darstellen.

Ich persönlich teile die Auffassung des von mir geschätzten neomarxistischen Theoretikers und bedeutenden Psychoanalytikers Wilhelm Reich, dass wer sich in seiner Sexualität beherrschen lässt, sich in der Regel auch in vielen oder allen anderen Bereichen leicht beherrschen lässt. (Umgekehrt gilt die Aussage freilich nicht: Nur weil jemand sexuell frei agiert, bedeutet das noch nicht, dass diese Person auch in ihrer Gesamtheit eine autonome, freie Persönlichkeit ist, aber ohne sexuelle Freiheit sind freie, autonome Persönlichkeiten grundsätzlich nicht möglich. Sexuell repressive Kulturen sind stets archaische Repressionskulturen, die kulturelle Moderne ist untrennbar mit sexueller Freiheit verbunden.) Heutige Anhänger des politischen Wilhelm Reich – die wenigen, die es heute noch gibt, denn Wilhelm Reich wird in linken Kreisen seit Jahrzehnten kaum noch gelesen – sehen im sexualfeindlichen Radikalfeminismus und Gender-Feminismus ja z.T. ein Herrschaftsinstrument der herrschenden Eliten gegenüber der Bevölkerung:
Rückblick auf den Feminismus: Von Anfang an eine Lüge gegen Gleichheit, Logik und sexuelles Vergnügen von Kerstin Steinbach

Ich persönlich kann mir durchaus vorstellen, dass die oberen Segmente der herrschenden Klasse mittels der Förderung von Radikalfeminismus und Genderfeminismus einerseits und mittels der Förderung des konservativ-orthodoxen Scharia-Islams andererseits langfristig Einschränkungen der sexuellen und persönlichen Freiheit anstreben.

Eine Form von Konsensprinzip ist, wie oben ausgeführt, sinnvoll bei Sexarbeit, BDSM, Gruppensex und für manche Menschen mit sexuellen Traumatisierungen. Dies sind die Teilwahrheiten der Idee vom Konsensprinzip, die zu bewahren sind.

Das feministische Konsensprinzip als allgemeine kulturelle/soziale/rechtliche Norm sollte allerdings m.E. entschieden abgelehnt werden, es steht im Widerspruch zu einer sexuell freiheitlichen Kultur. Daher sollte man sich m.E. auch klar dagegen positionieren, wenn irgendwo versucht wird das Konsensprinzip als allgemeine Norm zu verbreiten.

Ich persönlich habe mich schon ein paarmal geärgert, wenn ich linke Zentren besucht habe – ich bewege mich u.a. in politisch linken Kontexten – und dort Plakate hingen, auf denen für das Konsensprinzip als allgemeine Norm geworben wird. Nicht, dass Personen aus linke-Szene-Kontexten sich mehrheitlich auch in ihren realen sexuellen Interaktionen an ein solches rigides Konzept halten, das tun die genauso wenig wie der Rest der Bevölkerung.

Richtig ist es, wie gesagt, in dieser Hinsicht auf einen Sexualpartner Rücksicht zu nehmen, bei dem eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, aber davon abgesehen haben Menschen ohne sexuelle Traumatisierung innerhalb linker oder feministischer Kreise genauso wenig Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip wie Menschen aus anderen Kontexten.

Gegenüber den Versuchen von Vertretern/Anhängern des radikalen Feminismus der Mehrheitsbevölkerung das Konsensprinzip aufzudrängen, sollte man m.E. klar zum Ausdruck bringen:
– Nein, Sex nach dem Konsensprinzip ist für mich nicht sexy.
– Nein, ich will nicht in eurer „Consent Culture“ leben, die mit sexueller Freiheit nichts zu tun hat, sondern eine sexuell repressive Kultur darstellt.
– Nein, ihr habt über meine Sexualität genauso wenig zu bestimmen wie sexualfeindliche Konservative.
– Nein, ich verabscheue autoritäre Ideologien, die versuchen ihre Macht bis in mein Schlafzimmer auszudehnen.

(*) Aktualisierung: Hier stand ursprünglich:
„– Menschen mit BDSM-Neigungen: auch bei sado-masochistischen Sexualpraktiken ist es auf jeden Fall wichtig vorher klar zu vereinbaren, welche sexuellen Handlungen wie stattfinden sollen/können.“

Das war aber, O-Ton Leszek, eine suboptimale Formulierung. Siehe dazu etwa die Diskussion, insbesondere die Kommentare von Miria.

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Fundstück: Falscher Alarm bei „Fettlogik überwinden“

Ein eigentlich harmloser Text bei „Fettlogik überwinden“. Erzählmirnix erzählt:

Gestern war ich bei einer neuen Ärztin, da meine alte Hausärztin aufgehört hat. Irgendwann bei der Untersuchung meinte sie plötzlich ganz überrascht: “Sie haben viel abgenommen!!!” und offenbar war ich nicht enthusiastisch genug, denn sie begann mir einen kleinen Vortrag zu halten, dass ich doch mal stolz auf mich sein solle, und dass das doch ganz toll sei und überhaupt, das muss man ja erst mal schaffen, und warum ich mich nicht mehr freue.

Der blitzschnelle Gedanke, der mir sofort beim Lesen als Reaktion kam: Dann hättest Du die Ärztin wegen „Untersuchungs-Vergewaltigung“ belangen können, schließlich hast Du nicht enthusiastisch genug zugestimmt.

(Offensichtlich bin ich inzwischen schon so darauf konditioniert, dass ich „enthusiastisch“ automatisch in diesen Kontext einordne. Ich bin diesen Consent-Quark so leid…)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal natürlich die Ärzte, die über eine alternative Ernährungsweise singen („Ich werd niemals dick und rund, weil ich mich gut ernähr. Von jetzt an leb ich gesund.“):

Die Ärzte: Blumen (live)

Warum mir diese Comics etwas anderes sagen

Nach der Tee-Zustimmung macht nun ein Comic auf „Everyday Feminism“ gerade die Runde, in dem angeblich dargestellt wird, wie „die Gesellschaft“ Zustimmung zu sexuellen Handlungen behandelt. In Wirklichkeit zeigt der Artikel natürlich in erster Linie, was die Autorin Alli Kirkham für ein negatives Gesellschaftsbild hat, wenn sie allen Ernstes glaubt, solche Grenzüberschreitungen würden im allgemeinen akzeptiert und sogar verteidigt. „Rape Culture“, die von ihren den Kritikern selbst erzeugt wird.

Aber machen wir uns mal den Spaß und stoßen ins selbe Horn: Wie würden die dargestellten Situationen ablaufen, wenn die Welt nach radikalfeministinnen Regeln ablaufen würde? Weitere Vorschläge willkommen! (Der Aktive in meinen Beispielen ist jeweils der Mann, auch wenn es im Comic anders ist. Machen wir uns nichts vor: Es geht nur um diese Konstellation!)

Ein Student und eine Studentin geben sich beide die Kante. Betrunken beschließen sie, „Pulp Fiction“ zu schauen. Als die Studentin am nächsten Morgen bereut, den Film geguckt zu haben, denunziert sie den Studenten wegen „Film-Vergewaltigung“ bei der Uni-Verwaltung. Die Universität verständigt nicht etwa die Polizei, sondern läßt ein Gremium jenseits der Justiz den Fall behandeln. Solange der Student nicht seine Unschuld beweisen kann, gilt er als schuldig und muss damit rechnen, für das betrunkene Anschauen von Pulp Fiction von der Uni zu fliegen.

Ein Mann will sich von einer Frau das Auto ausborgen und sie fährt mit. Er möchte nicht als böser Raser gelten. Daher bleibt er alle 100 Meter stehen und fragt sie, ob sie auch enthusiastisch zustimmt, dass er weiterfahren darf. Auf keinen Fall reicht es ihm aus, wenn sie vorher sagt: „Fahr den Wagen mal richtig aus, ich mag das und melde mich schon, wenn es mir nicht passt.“

Eine Frau läßt sich eine Tätowierung machen. Nachdem sie von Politik-Aktivistinnen überzeugt wird, dass sich keine Frau freiwillig so eine Tätowierung stechen läßt, zeigt sie Monate nach dem Vorgang den Tätowierer wegen „Tattoo-Vergewaltigung“ an. Sollte er freigesprochen werden wegen Mangels an Beweisen, beklagen die Aktivistinnen, dass sich nun weniger Frauen trauen werden, Vergewaltigungen anzuzeigen, und plädieren dafür, im Zweifelsfall lieber einen Unschuldigen zuviel in den Knast zu stecken als einen bösen Tätowierer laufen zu lassen.

Das sind natürlich vollkommen absurde Situationen, die einfach dadurch zustande kommen, dass ich hier völlig schiefe Vergleiche anstelle. Aber das gilt fürs Original ebenso
– mit dem traurigen Unterschied, dass das von einigen Leuten vollkommen ernst genommen wird.

Der einzige Nutzen besteht in der geistigen Übung, zu erkennen, warum die Vergleiche nicht passen. Das liegt vor allem daran, dass in einem Fall das „Opfer“ als vollkommen machtlos und passiv dargestellt werden. Der Typ, dem gegen seinen Willen jede Menge Gewichte aufgeladen werden, kann anscheinend nicht etwa bereits das erste ablehnen. In den anderen Fällen sind die Opfer nicht anwesend (!) oder nicht bei Bewusstsein oder die Täter drohen jeweils Gewalt an. Hier ist die Vorstellung, es gäbe keinen breiten gesellschaftlichen Konsens darüber, dass das nicht ok ist, lachhaft.

Ähnlich wie ich schon an anderer Stelle sagte: Lassen wir doch einfach diese durchgeknallten Übertragungen auf andere Situationen, die nicht funktionieren, und widmen wir uns lieber vernünftigen Themen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit Queen, den Weltmeistern der „Consent Culture“. In ihrem Lied „I Want It All“ geben sie oft und enthusiastisch Zustimmung!

Queen: I Want It All

Fundstück: Tee-Zustimmung

Ich hatte es schon einmal woanders gesehen und nach dem Anfang mit Schaudern schnell weggeklickt. Jetzt hat es Gerhard aber in einem Kommentar erwähnt und deswegen gehe ich ausdrücklich darauf ein: Jemand vergleicht in einem Video Sex mit „jemandem eine Tasse Tee machen“ und will daran das Konzept der Zustimmung (consent culture) erklären.

Tea Consent

Nette Idee, aber hanebüchen. Der Vergleich hinkt einfach an zu vielen Stellen – oder offenbart ein völlig verqueres Weltbild:

  • Tee trinken ist nicht etwa etwas, was gegenseitig geschieht, nein, eine der Personen „erleidet“ das quasi und läßt es über sich ergehen. Besser kann man Frauen nicht als völlig passiv darstellen. (Machen wir uns nichts vor, es geht um Männer und Frauen.)
  • Nicht der aktive Part, also die Arbeit um das Tee zubereiten und das vorschlagen, ist irgendwie eine Leistung. Nein, der großartige Teil ist die Gnade der Person, der der Tee angeboten wird, sich dazu herabzulassen, ihn anzunehmen!
  • Die Person, der der Tee angeboten wird, kann nicht von sich aus einfach sagen, dass sie heute keine Lust auf Tee hat, selbst wenn sie weiß, dass die andere Person ständig Tee trinken will. Sie kann auch nicht von sich aus eine andere Zeit vorschlagen oder etwas ganz anderes zu machen.
  • Es ist überhaupt nicht möglich, bereits vorab auf das Thema Tee trinken zu kommen. Weder kann man Durst signalisieren noch Lust auf Tee. Es gibt auch keinerlei Phasen, die überlicherweise vor dem Teetrinken ablaufen. Man kann keine Stimmung für Tee trinken erzeugen.
  • Man stelle sich den Horror vor, plötzlich Tee zu trinken, nur weil man vorher gemeinsam die Sorte ausgesucht, das Wasser zum Kochen gebracht und die Tassen hingestellt hat. Wenn man dann nicht noch einmal ausdrücklich vor jedem Schluck nachfragt, ist es ganz klar rape tea!
  • Wenn eine Person, so wie in dem Video dargestellt, ständig Tee trinken will, warum trinkt sie den nicht alleine oder sucht sich jemand anderes dafür? Scheint ja keine gute Konstellation zu sein, wenn einer ständig will und der andere nicht.
  • Was passiert eigentlich, wenn die passive Person gerne Tee hätte, aber die aktive ausnahmsweise keine Lust, welchen zu machen und zu trinken?

Lustige Anekdote am Rande: Die Autorinnen des Films „Mädchen Mädchen 2“ haben „Teetrinker“ als synonym für „Langeweiler“ verwendet. Konkret bekommt es der eigentlich ganz okaye Junge ab, der ständig Tee für eines der Mädchen macht.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Ärzte haben mal ein Wortspiel auf „Liberté“ gemacht. Durch die neue Metapher bekommt das Lied jedoch eine andere Bedeutung.

Die Ärzte: Lieber Tee

Warum ich kein Konzept der Zustimmung erkenne

Was bisher geschah: Radikalfeministinnen wie Anne Wizorek sehen praktisch überall eine Rape Culture (Vergewaltigungskultur). Dieser kann man nur entkommen, indem man sich ausdrücklich der Consent Cultur (Zustimmungskultur) anschließt. Das entscheidende Element besteht darin, dass derjenige, der den nächsten Schritt macht, vorher sicherstellt, dass der Partner dem zustimmt. Bei einem heterosexuellen Paar fällt diese Verantwortung in der überwiegenden Mehrheit der Fälle dem Mann zu, denn allen Rufen nach Gleichberechtigung zum Trotz wollen in dieser Situation viele Frauen offenbar eine traditionelle Rollenverteilung.

Mal von dem grundsätzlichen Problem, dass plötzlich intime Dinge ohne ausdrückliche verbale Zustimmung automatisch unter „Vergewaltigungskultur“ einsortiert werden, abgesehen: Wie kann man denn sicher sein, dass die Partnerin wirklich zustimmt?

Der Gedanke hinter der ausdrücklichen Zustimmung ist ja, dass sich ein übergriffiger Mann nicht mehr damit herausreden kann, er dachte, sie wollte es doch auch. Dass sie das schon sagen würde, davon darf man nicht ausgehen, schließlich könnte die Frau ja verängstigt sein oder unter Schock stehen.

Und damit gehen die Probleme erst richtig los: Natürlich muss niemand, der A sagt, auch B sagen. Also muss für jeden Schritt eine Zustimmung eingeholt werden, damit sich niemand unter Druck gesetzt fühlen kann. Und die Zustimmung muss enthusiastisch sein, damit ein eventuell erzwungenes „ja“ nicht als Entschuldigung dienen kann.

Nun gehört es zu einem der wichtigsten Bestandteile des Radikalfeminismus, dass man nie sagen kann, wann es mal gut ist, weil man sich damit dem Verdacht aussetzt, reaktionär zu sein. Deswegen kann auf jede noch so extreme Forderung noch eine weitere draufgesetzt werden.

Inzwischen sind wir bei „Auch ja bedeutet nein“ und „Man kann seine Zustimmung im Nachhinein zurücknehmen“:

Das ist durchaus stimmig: Man will jegliche mögliche Situation, in der das Opfer später nicht gegen den Täter vorgehen kann, verhindern, und sozusagen alle an Bord holen mit ihren jeweiligen Problemen, sich so zu verhalten wie es eine breite Mehrheit der Menschen kann.

Damit sind wir aber endgültig auf dem Gebiet der Verschwörungstheorien angelangt. Denn letztendlich läßt sich nie beweisen, dass jemand nicht doch unter Druck stand (oder sich so fühlte, was auf dasselbe hinausläuft).

Es gibt daher keinerlei Möglichkeit, mit Sicherheit Einvernehmen zu bekommen. Jeder Mann (der ja meistens aktiven Part übernimmt) kann wegen Belästigung oder Vergewaltigung an den Internet-Pranger gestellt werden. Zum Glück leben wir nicht in einer „accusation culture“, in der normale Frauen eine Beschuldigung wegen Vergewaltigung für eine ganz alltägliche Sache halten.

Es kam vor einiger Zeit mal in einer Diskussion auf und ich nenne es gerne ausdrücklich: Für mich ist es entscheidend, ob ich jemandes Maßstäbe erfüllen kann. Hohe Ansprüche können gerechtfertigt sein. Wenn ich jedoch den Eindruck habe, es sowieso nicht recht machen zu können, dann versuche ich es auch erst gar nicht – so wie hier.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? OOMPH! mit „Du willst es doch auch“ passen wie die Faust aufs Auge.