Gendersprache: Ein Beispiel für tendenziöse Umfragen

Genderama verbreitete am Mittwoch eine Civey-Umfrage zum Thema Gendersprache. Die Umfrage ist aus zweierlei gewichtigen Gründen nicht aussagekräftig. Erstens verlässt sich Civey auf Onlineumfragen, die in den Sozialwissenschaften allgemein in der Kritik stehen, weil sie kaum repräsentativ gestaltet werden können. Civey macht Umfragen, die oft in Online-Zeitungen unter Artikeln zu finden sind bei denen der Leser nach seiner Meinung zum Artikelthema gefragt wird und behauptet nun, diese Umfragen seien repräsentativ. Ich empfinde solche Umfragen als nette Extras der Onlinezeitungen, aber repräsentative Umfragen im Sinne der empirischen Sozialwissenschaft kann man so eher nicht erzeugen. Auf die Methodik möchte ich hier aber nicht weiter eingehen. Wichtiger ist die Problematik der Fragestellung:

Ist die Nutzung geschlechtsneutraler Sprachformulierungen Ihrer Meinung nach eine sinnvolle Maßnahme zur Gleichstellung aller Geschlechter?

Auf diese Frage antworten dann zwei Drittel der Befragten mit „nein“ oder „eher nein“. Das restliche Drittel verteilt sich recht gleichmäßig auf „weiß nicht“, „eher ja“ und „ja“.

Was sagt das aus? Wenig! Wenn man das Ergebnis schnell mal so liest, denkt man sich, dass zwei Drittel der Befragten gegen den Gebrauch von Gendersprache sind. Doch tatsächlich steht da nur, dass zwei Drittel der Befragten Gendersprache nicht für eine sinnvolle Maßnahme der Gleichstellung halten. Was Civey mit dieser merkwürdigen Fragestellung bezwecken wollte, kann ich mir denken: Nämlich diejenigen aus ihrer „repräsentativen Umfrage“ auszuschließen, die nicht nur gegen Gendersprache sind, sondern darüber hinaus auch noch gegen die „Gleichstellung aller Geschlechter“ im allgemeinen. Selbst wenn man gegen Gendersprache ist und an der Umfrage teilnehmen will, muss man ja indirekt die „Gleichstellung aller Geschlechter“ akzeptieren. Die Fragestellung setzt eine solche feministische Grundhaltung nämlich voraus bzw. wird das Gleichstellungsdogma als eine Art Konsens verkauft, was es absolut nicht ist. Die Frage ist also politisch tendenziös und mir persönlich ist es übrigens herzlich egal, ob dieses oder jenes nun eine geeignete Maßnahme zur „Gleichstellung“ ist, weil ja eben schon das Ziel an sich falsch ist.

Wie wäre es das nächste mal also einfach mit der Frage: „Sind Sie für oder gegen den verbindlichen offiziellen Gebrauch gegenderter Sprache?“. Wenn man die Frage so stellen würde, wären auch wahrscheinlich nicht „nur“ zwei Drittel gegen diese Sprachpolitik, sondern deutlich mehr.

Trotzdem ist natürlich klar, dass hier viele Menschen einfach ihre Ablehnung gegenüber gegenderter Sprache im allgemeinen ausgedrückt haben, auch wenn die Antworten streng genommen etwas anderes aussagen. Solche problematischen Fragestellungen fallen mir bei solchen Umfragen unter Onlineartikeln immer wieder auf. Ich rate daher jedem, der an solchen Umfragen teilnehmen möchte, die Fragen und auch die Antwortmöglichkeiten(!) auf solche manipulativen Tricks abzuklopfen und im Zweifelsfall nicht teilzunehmen. Gerade wenn es um sensible Themen geht.

Zum Schluss noch eine kleine Umfrage für die Leser*/Innen/Außen und Lesenden:

Halten Sie die Mauer für eine sinnvolle Maßnahme zum Schutz des Sozialismus?

ja

eher ja

weiß nicht

eher nein

nein

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