Fundstücke: Was tun im neuen Jahr?

Einige Artikel und Kommentare aus den letzten Wochen zeigen in Kombination einige interessante Möglichkeiten für 2017 auf. Bei Alles Evolution sind Fragen zum neuen Jahr erschienen und die ersten beiden finde ich besonders interessant:

1. Was wäre aus euer Sicht etwas, was die Männerbewegung voranbringen könnte? Wie setzen wir es um?
2. Welche Aktionen plant ihr oder würdet ihr gerne sehen?

eckitake5 beantwortet diese in den Kommentaren wie folgt:

1. Ein Gesicht. Jemand, der für die Männeranliegen steht und auch Talkshow-tauglich ist. Und öffentlich gegenhält. Am besten nicht ganz so provokativ wie Milo Yiannopoulos, sondern so klug und klar wie Janice Fiamengo. Kann man sich aber nicht selber backen und ist wohl nicht in Sicht.

2. Man sollte die Hauptstadt-Medien stärker bearbeiten. Vor allem an den hohen feministischen Feiertagen wie dem Equal Pay Day und dem Tag gegen Gewalt an Frauen. Das würde vielleicht manche Berichterstattung etwas verbessern. Viele Journalisten plappern den feministischen Kram nach, weil sie die Gegenposition gar nicht kennen.

Bei man-tau blickt man in the middle (mitm) in zwei Kommentaren sowohl zurück als auch voraus:

Gute Idee, die man auf sich selber ausdehnen kann: hat man im vergangenen Jahr seine Ziele erreicht, seine Zeit sinnvoll verwendet, stimmen die Annahmen über das politische oder sonstige Umfeld noch?

Die Männerrechtsbewegung (wie auch immer man die eingrenzt, zählt z.B. Fischer im Recht zur MRB? formal sicher nicht, faktisch hat er aber enorm viel für die MRB erreicht) ist ja in gewisser Weise eine thematisch spezialisierte außerparlamentarische Opposition und Protestbewegung, die insb. auch die feministische Propaganda und Meinungsmanipulation in den dominierenden Medien seit Jahren bekämpft. 2016 kann man insofern fast Erdrutsch bezeichnen, denn u.a. der Brexit und die Trump-Wahl zeigten, daß man mit der Kritik an der Presse und der feministischen Politik keineswegs alleine war. Vermutlich hat das jahrelange Hinweisen auf die Denkfehler und Widersprüche der feministischen Ideologie viele Leute zum Nachdenken und zum Ziehen von Konsequenzen gebracht (in den USA und in GB, in D wird es erst bei der Bundestagswahl richtig spannend). Allerdings ist dieser Erdrutsch nicht trennbar von singulären Ereignissen, namentlich der Flüchtlingswelle oder dem islamistischen Terror, die der Hauptgrund waren, warum einige politische bzw. mediale Betonköpfe an Macht verloren haben. Die MRB ist da eigentlich mehr Trittbrettfahrer, was aber egal ist, man hat jetzt eine Chance, mehr politischen Einfluß zu gewinnen. Man muß aber jetzt neu nachdenken, welche Chancen und Randbedingungen man hat und welche Forderungen man stellt.

Zur Lügenpresse, unserem Lieblingsgegner: der ist geschwächt, aber Totgesagte leben meistens länger, als man denkt, die Propagandaschlachten werden also weitergehen, und Gegendarstellungen bleiben eine zentrale Aufgabe. Das führt zu einigen Fragen:

Wieviel fundierte Information können wir als thematisch spezialisierte Masku-Blase für uns selber und ggf. auf Nachfrage dem allgemeinen Publikum bieten? Es ist relativ einfach, nur die Denkfehler und inneren Widersprüche feministischer Argumentationen aufzuzeigen. Wenn man in die Rolle eines zuverlässigen Informationslieferanten wachsen will, wird es anstrengend. Das schafft keiner alleine, dazu ist die Bandbreite an Themen viel zu groß. Es würde schon helfen, wenn man für die ca. 10 wichtigsten Themen einen sattelfesten Experten hätte.

Damit zusammen hängt das Thema Informationsüberflutung. Viele Themen im Kontext der Geschlechterthematik ufern aus, kein Mensch kann das alles lernen und wissen (vor allem in der Freizeit). Informationsreduktion ist daher entscheidend. Was direkt zu Bildungsfragen führt: was kann man als Grundwissen in den diversen Themengebieten voraussetzen? (Abiturwissen?) Was setzt man als spezielleres und volumenmäßig noch schaffbares Spezialwissen eines zertifizierten Maskus 🙂 oben drauf? Eine Debatte um ein Masku-Curriculum fände ich spannend (und notwendig): Education is not preparation for life…

Ebenfalls bei Lucas Schoppe wird Mark E. Smith in mehreren Kommentaren unter seinem eigenen Artikel ganz konkret, was er als Strategie sieht:

Ich beschäftige mich nur mit Schutzbach [gemeint ist Franziska Schutzbach], weil sie gegenwärtig in der Schweiz quasi die Schnittstelle zwischen dem Spezialdiskurs (Wissenschaft) und dem Interdiskurs (Medien) ist. Mir geht es quasi darum, dass so viel wie möglich im Netz über sie gelesen werden kann, wenn man nach ihr googelt und man dann sieht, dass sie auch viel Schrott erzählt.🙂

Ich habe ziemlich viel qualitative Inhaltsanalysen und Diskursanalysen gemacht, einfach weil ich der Überzeugung bin, dass schlussendlich für Krieg oder Frieden, für Sozialabbau oder Sozalstaatlichkeit, die öffentliche Meinung relevant ist. Deshalb finde ich bei den Linken momentan, wenn es um die Medien geht, die Nachdenkseiten am sinnvollsten. Relativ einfache Sprache, jedoch trotzdem reflexiv und kritisch. Mich hat immer Öffentlichkeit, Medien, PR, politische Kommunikation, Framing, Narrative, Diskurse, kulturelle Hegemonie etc. interessiert, weil ich wie gesagt, das Gefühl habe, dass dies die halbe Miete für politischen Erfolg ist.

Diesen drei Einschätzungen möchte ich meine Ansicht hinzufügen, insbesondere was das Bloggen angeht.

  1. Grundsatzartikel zu bestimmten Stichworten halte ich für wichtig und ich würde sie möglichst trennen von der tagesaktuellen Debatte, aus deren Anlass sie dann leicht wieder hervorgeholt werden können.
  2. Weil durch tagesaktuelle Ereignisse, Artikel, Videos usw. bestimmte Themen immer wieder hochkochen, habe ich schon länger eine Themensammlung ins Auge gefasst. Damit läßt sich zeigen, dass man sich schon länger mit einer Thematik befasst hast, dass bestimmte Argumente und Narrative immer wiederholt werden und dass umgekehrt vieles, was ein anderer vielleicht zum ersten Mal liest, trotz Analyse und Debatte stets auf ähnliche Weise erneut durchs Internet geht. Quasi „man in the middle“-Unterstützung.
  3. Mit demselben Ziel, also leichteres Einlesen für Neulinge, ältere maßgebliche Artikel immer wieder aufführen. Umgekehrt Insiderjargon vermeiden – oder, noch besser, getrennt erläutern.
  4. Mehr Verlinkung, um die Artikel zeitloser zu machen. Am Tag selbst findet jeder Artikel X und Kommentar Y, aber später sieht’s ganz anders aus.

Wie so ein Blogerfolg aussehen kann, das zeigt das hohe Google-Ranking von Alles Evolution und man in the middle beim Stichwort Privilegientheorie (2. und 3. Treffer bei mir). Mit anderen Worten: Wer nach dem Wort googelt, bekommt ganz oben bereits die Impfung gegen die Beschämungspropaganda angeboten.

Gleichzeitig lohnt es sich, sehr populäre Themen zu behandeln. Alles Evolution hat etwa den Dauerbrenner „Wie vermeidet man die Friendzone?“ – das war der meistgelesene Artikel 2016 (siehe Grafik in den Kommentaren), obwohl er vom Januar 2012 stammt.

An solche „Einstiegsartikel“ gilt es anzudocken und weitere lesenswerte, leicht erschließbare Inhalte anbieten. Sprich, ich möchte es neuen Besuchern leicht machen, viel Zeit mit Lesen zu verbringen. So geht es mir als Leser woanders nämlich ebenfalls: Ich komme via Google oder einer Verlinkung für eine ganz bestimmte Sachen und dann schaue ich mich um. Finde ich auf die Schnelle noch mehr, das interessant klingt, bleibe ich länger hängen.

Insofern zahlt es sich aus, „feministische Kampftage“ und populäre Videos durch eigene Beiträge begleiten. Ich denke da an die „36 Fragen an Männer„, die im letzten Jahr die Runde machten (das wäre eine Steilvorlage für die nächste, spontane Blogparade) oder auch die zahlreichen Artikel zum vermeintlichen „Equal Pay Day“. Gerade weil sie in aller Munde sind, werden diese Themen dann von Leuten gesucht, was dann wieder Zufallsfunde ermöglicht.

Eine der schönsten Entwicklungen des vergangenen Jahres geht über das Bloggen hinaus. Fragte Christian Schmidt noch im Dezember 2015 „Braucht die Männerbewegung einen Youtubekanal (und wer will einen unterhalten/helfen)?„, so läßt sich heute konstatieren: Ab 2016 gab es endlich interessante Youtube-Kanäle auf Deutsch, die die entsprechenden Themen beackerten und in schöner Regelmäßigkeit etwas veröffentlichten.

Das wird auch vorbildlich mit dem Bloggen kombiniert: Zum einen werden in Blogs die Quellen aufgelistet. Das Stapelchipsblog wurde etwa aus diesem Grund überhaupt ins Leben gerufen und bietet immer wieder Artikelsammlungen an. Umgekehrt sind Youtube-Videos leicht in Artikel einzubinden und liefern, wie z.B. der Doktorant, auch einfach mal das komplette Thema eines Artikels.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich mache mir keine Illusionen: Es wird noch viel Wasser den Rhein herunterfließen, bis sich etwas ändert in Gesellschaft und Politik. Dennoch bin ich verhalten positiv – so wie etwa das folgende Lied. Wer sagte, dass Männer keine großen Emotionen jenseits von Fußball ausdrücken können?

Herbert Grönemeyer: Land unter

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Warum ich die Anzahl der Sexualpartner nicht aussagekräftig für Attraktivität finde

Bei Alles Evolution wurde eine Studie besprochen, die die Auswirkung der Anzahl der Geschlechtspartner auf die Attraktivität misst. Natürlich stellt sich zuerst die Frage, ob die Studie überhaupt verallgemeinerbare Ergebnisse produziert. Befragt wurden, wie so oft, vor allem junge Studenten. Aber selbst wenn man die Aussagen dann nur auf diese Gruppe bezieht, gibt es eine interessante Erkenntnis, die Christian Schmidt so zusammenfasst (Rechtschreibung korrigiert):

Wie man sieht, sind die Betrachtungen für eine Langzeitbeziehung relativ gleich. Männer sind eher noch toleranter als Frauen, was die Anzahl der Sexualpartner angeht. Bei etwas kürzerem gestehen Männer Frauen mehr Sexualpartner zu.

Also das Gegenteil der üblichen „slut shaming„-Folklore, nach der Männer Frauen das Leben schwer machen, indem sie diese als Schlampen titulieren oder nicht mehr wollen, wenn diese mit vielen Männern etwas hatten. Wenn überhaupt, gibt es ein „absolute beginner shaming“ von den Frauen: Bei ihnen gibt es einen deutlichen Knick nach unten in der Bereitschaft, mit einem Mann ohne vorherige Sexualpartner eine Langzeitbeziehung einzugehen.

Mit dem richtigen Kontext – junge Studenten – ist das sogar einigermaßen nachvollziehbar: Gehen wir davon aus, dass sich die meisten vor allem gleichaltrige Partner vorstellen. Die meisten Leute in dem Alter werden erste entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Männer sind zudem weniger wählerisch, um „zum Zuge zu kommen“. „Wer als Mann dann noch keine Sexualpartner hatte, mit dem stimmt etwas nicht oder er ist extrem unattraktiv“ ist zwar keine richtige Folgerung, aber ich kann nachvollziehen, dass viele so denken oder intuitiv so reagieren.
Und damit sind wir auch beim Knackpunkt der Studie: Die reine Anzahl ist wenig aussagekräftig. Es ist der Kontext, von dem viel mehr abhängt. Wie es Christian Schmidt schon richtig anschneidet:

Allerdings scheint es mir eine sehr abstrakte Bewertung zu sein, die nicht einbezieht, dass mit den Sexualpartnern üblicherweise auch bestimmte Verhaltensweisen oder ein bestimmtes Aussehen korrespondieren kann.
(…)
[E]ine Frau mit 20 Männern, die aber ansonsten klasse aussieht und nicht billig wirkt, sondern sich lediglich in einer bestimmten Phase etwas „ausgelebt“ hat, ansonsten aber gegenwärtig in ihrem Bekanntenkreis nicht als „Schlampe“ gibt, wird auch keinen Mangel an Interessenten haben. Ebenso der attraktive Alpha, der gut aussieht und „Charme“ oder „Game“ hat.
(…)
Ich vermute mal, dass ein „wahrnehmbares billiges Verhalten“ Frauen in ihrer Attraktivität sehr schadet und bei Männern vielleicht eher, dass sie ein „falsches Spiel betreiben“ oder Frauen nur als weitere Nummer sehen.

Das wäre das richtige Thema. Welchen Ruf hat die Person in ihrem sozialen Umfeld? Wie redet sie über bisherige Beziehungen / Ex-Partner? Was wären die Gründe, warum Beziehungen auseinander gingen? Wie diskret sind „kurze Abenteuer“ abgelaufen? Wie waren die Sexualpartner verteilt auf das Lebensalter? Wie attraktiv waren die bisherigen Partner?

Unter den Beispielen für Frauen, die nichts mit „Schlampen“ zu tun haben, listete ich selbst etwa folgenden Typ auf:

die “in der Findungsphase”: vielleicht noch minderjährig, oft gerade volljährig, noch wenige Erfahrungen und dadurch einen gewissen Erfahrungshunger. Alles ist neu und aufregend – und wer möchte schon bei den Erlebnissen, die laut Popkultur in dem Alter alle vorzukommen haben, zurückstecken? Es mag einige unangenehme, lange nachwirkende oder peinliche Erfahrungen geben. Typischerweise hört diese Findungsphase nach einigen Jahren auf – und dann weiß diese Frau sehr gut, wer sie ist und was sie will.

Genau das ist der Punkt: Es gibt eine Ausprobierphase, in der es eine ganze Reihe Partner geben kann. Das kann die absolute Zahl in die Höhe treiben, ohne dass der Ruf einer Person darunter leidet – gerade weil das so vielen so geht.

Deswegen hat es wenig Sinn, die Attraktivität einer Person an einer einzigen Zahl zu messen. Ein schönes Beispiel, wie Statistik, auf einen Parameter reduziert, wenig aussagekräftig ist.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um das reine Durchzählen der Partner geht, muss ich an dieses Lied denken:

Subway to Sally: Ohne Liebe

Fundstück: Gender Pay Gap – der Fall Birkenstock

Zum Mythos Gender Pay Gap wurde bei Alles Evolution ganz nebenbei folgender Fall erwähnt: Bei einer Tochterfirma von Birkenstock bekamen weibliche Mitarbeiter jahrzehntelang (bis 2012) etwa einen Euro weniger je Stunde. Christian Schmidt beurteilte das so:

Darüber zu reden ist natürlich wirklich dumm und gehört dann auch, wenn tatsächlich das Geschlecht ein Kriterium für einen geringeren Lohn war, ohne das auf den jeweiligen Mitarbeiter geschaut wurde, entsprechend gestraft. Allerdings hatte es sich wohl um Altlasten aus der Vergangenheit des Unternehmes gehandelt, als die männlichen Mitarbeiter auch noch die körperlich anspruchsvolleren Aufgaben erfüllt haben.

Männliche Mitarbeiter bekamen früher eine andere, körperlich schwerere Arbeit, und wurden deswegen besser entlohnt. Inzwischen ist der Grund für die ungleiche Bezahlung weggefallen, es wurde also tatsächlich Frauen für gleiche Arbeit weniger bezahlt.

Das ist – wie man es auch dreht und wendet – genau der Fall, der für den Gender Pay Gap immer behauptet wird. Hier stimmt die Behauptung tatsächlich und auch wenn ich sie im allgemeinen für falsch halte, werde ich mich davor hüten, solche Fälle kleinzureden. Im Gegenteil, die Redlichkeit gebietet es, auch Sachen zu veröffentlichen, die dem eigenen Weltbild widersprechen.

Dass es einen historischen Grund für die echt ungleiche Bezahlung gibt, macht diese zumindest erklärbar – aber kein Stück akzeptabel. Im Gegenteil, da fällt einem doch die Kinnlade runter, wenn ein Unternehmen so schludert! Und ja, schludrig muss man es nennen dürfen, denn das war die Verteidigungslinie des Unternehmens, ansonsten wäre es ja Absicht und das wäre noch schlimmer.

Ich empfehle, den Artikel „Frauen verdienten bei Birkenstock weniger“ ganz zu lesen. Es ist schon sehr peinlich.

Allerdings eignet sich der Fall Birkenstock als Anschauungsmaterial dafür, wie es aussieht, wenn ein wirklicher Gender Pay Gap auftritt: Als die Ungleichheit aufflog, ergab das rund 100 Fälle vor dem Arbeitsgericht.

eckitake5 dazu in den Kommentaren bei Alles Evolution:

Der Fall Birkenstock, der nun auch schon einige Jahre zurückliegt, ist das einzige authentische Beispiel für Lohndiskriminierung, das mir überhaupt bekannt ist. Da haben im Westerwald die Geschäftsführung und der Betriebsrat jahrelang geschlafen und veraltete Tarifverträge durchgeschleppt. Die machen vielleicht gute Schuhe, sind aber sonst wohl nicht so auf Zack.

Dieses Beispiel wird von den Verfechtern des Gender-Pay-Gap nun immer wieder benutzt, um die These von der geschlechtsspezifischen Lohndiskriminierung zu illustrieren. Ansonsten: Nichts. Kein Urteil. Auch keine Reportage oder journalistisches Produkt, das am lebenden Beispiel aufzeigt, wie ungerecht Frauen bezahlt werden.
(…)
Meine Vermutung: Es gibt diese Fälle einfach nicht. Oder nur in winzigen Klitschen, die in irgendeiner Nische werkeln. Oder kennt jemand Beispiele?

Das möchte ich hier gerne wiederholen: Wann immer jemand einen Fall von tatsächlich ungleicher Bezahlung bei gleicher Arbeit findet, bitte hier in die Kommentare packen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es um Schuhe ging…

Depeche Mode: Walking In My Shoes

Fundstücke: Artikelsammlung zur Silvesternacht 2015

Heute jährt sich die Silvernacht 2015 und mit ihr die Übergriffe in Köln. Aus diesem Anlass möchte ich – sozusagen als Leseliste – eine Sammlung von Artikeln bringen, die ich in den Monaten danach zu dem Thema gelesen und für lesenswert befunden habe. Es ist natürlich eine rein subjektive Auswahl mit besonderem Augenmerk auf diese Blogblase. Es bedeutet auch nicht, dass ich mit dem im jeweiligen Standpunkt, der im Artikel ausgedrückt wird, übereinstimme.

Einige Links, die ich gesammelt hatte, funktionieren inzwischen nicht mehr (die SZ Dank Adblocker-Blocker, Aranitas Gedanken hat eine neue URL, aber nicht alle alten Artikel). Einige Themen werden noch extra behandelt („Flüchtlinge“ waren schon vorher ein Thema, wurden aber mit der Debatte verbunden; „der postheroische Mann“ sprengt dann endgültig den Rahmen).

Als erstes möchte ich gesondert auf eine Buchrezension hinweisen, die erst vor wenigen Tagen erschienen ist und einige Fakten kurz und bündig nennt: Falsche Lehren aus der Silvesternacht von Monika Frommel (via Genderama).

Es folgen in chronologischer Reihenfolge die Artikel. In einigen Fällen habe ich noch Notizen zu den Artikeln. Nach der Liste kommen noch einige Zitate aus den Artikeln oder deren Kommentaren.

Popkultur gibt’s diesmal nicht, dafür eine technische Frage in die Runde: Schon seit einiger Zeit scheint dieses Blog keine Pingbacks mehr an andere Blogs zu versenden. Habt Ihr das Problem auch? Ist das also ein allgemeines WordPress-Problem? Oder liegt es an den Einstellungen? Hat sich im Hintergrund etwas geändert, was man jetzt neu einstellen muss? Oder werden die Pingbacks doch alle verschickt, aber fälschlicherweise als Spam identifiziert? Würde mich sehr darüber freuen, dieses Rätsel endlich zu lösen!

Artikel zum Thema „Silvesternacht von Köln 2015“

Gerhard beim Geschlechterallerlei: Nicht nur Männer sind Opfer von Gewalt

Mein Senf: Köln und Macht

Genderama: Vermischtes vom 05. Januar 2016

Erzählmirnix: Darum geht’s jetzt

Der Sexismusbeauftragte: Ein Hoch auf die Sippenhaft

Emannzer: Nur Erniedrigung von Frauen?

Der Blog des linken Maskulismus: Köln und die Gewalt am Bahnhof – entgültige und letztendliche Erklärung, die alle Zweifel beseitigt

sjw-watch: Die verstörende Reaktion der SJWs auf die Ereignisse in #Köln

Mein Senf: Menschen – Gruppen – Eigenschaften

Alles Evolution: Zu den sexuellen Belästigungen am Kölner Bahnhof

uepsilonniks: Feministische Deutung der Kölner Übergriffe: Sexismus sticht Rassismus

Genderama: Vermischtes vom 06. Januar 2016 – insbesondere über den Mythos „die Presse hat geschwiegen“ und den Kontext von OB Rekers Tipp („eine Armlänge Abstand halten“)

Lotoskraft: Zwei Seiten einer hässlichen Medaille

Don Alphonso bei Deus ex Machina: Sexuelle Gewalt in Köln mit dem Oktoberfest kleinreden

Legal Tribune Online: Kriminologe zur Silvesternacht in Köln „Keine ’neue Dimension der organisierten Kriminalität'“

Erzählmirnix: Handlungsanweisungen

Lucas Schoppe bei man-tau: Köln: Vom Alptraum in die Schützengräben

Gerhard Kaspar: Geschlechterrassismus ist In. Feminismus und Islamismus einig. Männer sind Schweine!

Genderama: Vermischtes vom 07. Januar 2016

Der Blog des linken Maskulismus: Solidarität mit dem nichtweissen Mann! (toller Aufruf!)

Genderama: Vermischtes vom 08. Januar 2016 – insbesondere über den Mythos „die Presse hat geschwiegen“

Genderama: Vermischtes vom 08. Januar 2016

Elitemedium: Doppelmoral

Gerhard Kaspar: Lügenpresse? Nein, aber Grünenpresse entspricht der Realität

Genderama: Lesermail (Versagen der Massenmedien)

Lucas Schoppe bei man-tau: Wie Anne Wizorek sexuelle Gewalt verharmlost

uepsilonniks: Die besten feministischen Reaktionen zu Köln-Sylvester

Emannzer: Männer – potenzielle Vergewaltiger?

Genderama: Vermischtes vom 11. Januar 2016

Mein Senf: #ausnahmslos (beinahe)

asemann.de: #ausnahmslos Mainstream

Erzählmirnix: Entwürdigt</a<

asemann.de: Rant: Wie die Nicht-Berichterstattung über Übergriffe Frauen zum Schweigen bringt

Dr. Alexander Stevens auf cuncti.net: Sexmobs und Sexismus – Deutschland dreht durch!

Genderama: Presseschau vom 11. Januar 2016

Genderama: Vermischtes vom 12. Januar 2016

Der Sexismusbeauftragte: Potentielle Vergewaltiger

asemann.de: Warum wird #ausnahmslos so hart getrollt?

Alles Evolution: #ausnahmslos

asemann.de: #ausnahmslos – schon gescheitert?

Genderama: Vermischtes vom 13. Januar 2016

Genderama: Vermischtes vom 13. Januar 2016 zum Zweiten

Der Sexismusbeauftragte: Potentielle Entschuldigung

Genderama: Vermischtes vom 15. Januar 2016:

Drachenrose: Der cis-heteronormative weiße Mann, der grundsätzlich immer schuld ist, und die Realität

aranxo beim Geschlechterallerlei: Kurznachrichten vom 16. Januar 2016

Corinna Bernauer bei der Piratenpartei: Warum Strafrechts- und Sexismusdebatten die falsche Reaktion auf Köln sind

asemann.de: Deutsche mit Migrationshintergrund vs. #ausnahmslos-Netzfeministinnen

Stadtmensch-Chronicles: Ausnahmslos vermurkst

Die Kraft von Kultur und Sozialisiation im intersektionalen Feminismus – der ganze ideologische Widerspruch treffend zusammengefasst

aranxo beim Geschlechterallerlei: Kurznachrichten vom 18. Januar 2016

Lucas Schoppe bei man-tau: Ein Kämpfer für den rechten Glauben besucht ein Amt

Genderama: Vermischtes vom 19. Januar 2016

Dog’n’Cat: Listen And Believe, If…

asemann.de: Verharmlosung a la Anke Domscheit-Berg

Erzählmirnix: Männer sind…

Genderama: Vermischtes vom 23. Januar 2016

asemann.de: Anne Will: Pauschalisieren mit Domscheit-Berg und Daimagüler

maennerrechte.org: Impressionen vom 06.02.2016 – missbrauchen von Missbrauchsopfern, Sexismus in Piratentrümmern – dieser Kommentar fasst es gut zusammen

asemann.de: Anti-Rassismus und Feminismus: Die Quadratur des Kreises – und noch einmal: der Widerspruch auf den Punkt gebracht

Genderama: Köln: Auflistung der Übergriffe zu Silvester liegt vor – Bilanz der Anzeigen

Leserpost (die ignorierten Opfer von Köln) – eine ganze Familie Opfer

Genderama: Vermischtes vom 13. Februar 2016 – 1/6 männliche Opfer, ignoriert

aranxo beim Geschlechterallerlei: Kurznachrichten vom 15. Februar 2016 – gute Kritik von links (Jungle World)

Lucas Schoppe bei man-tau: Kernschmelze. Rückblick auf einen überfordernden Monat

Der Schwulemiker: Von der Wölfin im Schafspelz

Genderama: Vermischtes vom 07. April 2016

Monika Frommel bei novo-argumente: Falsche Lehren aus der Silvesternacht (via Genderama: Vermischtes vom 23. Dezember 2016)

Monika Frommel bei Cuncti: Falsche Lehren aus der Silvesternacht (alternative Quelle)

Auswahl von Zitaten aus den Artikeln und deren Kommentaren

Tom174 bei Mein Senf:

wie kann es sein, dass Brüderles Dirndl Spruch zu einem Aufschrei führt, der Hinweis auf #köln aber in die rassistische Ecke geschoben wird?
(…)
Die Weissen haben die Macht. Ob das die Betroffenen Weissen auch so sahen?
(…)
wären es weisse Männer und eine schwarze Frau gewesen, was glaubt ihr was los gewesen wäre
(…)
Aber es passt eben, in direkten Beziehungen nicht, willkürlich definierten Gruppen (Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung was auch immer) mit Defaulteigenschaften zu belegen. Weder im Schlechtem noch im Guten.
(…)
Brüderle hatte an dem Abend auch nicht die Macht, seine Karriere hat die ach so wehrlose Journalistin zu einem ihr und ihrem Verlag genehmen Zeitpunkt beendet.

Christian bei Alles Evolution:
Hier hat Christian hervorragend vorhergesehen, wie man das Geschehene mit seinem Weltbild vereinbaren kann:

>>Man wertet dies nicht als etwas besonderes, sondern verweist darauf, dass es vielleicht etwas radikaler als sonst war, für die meisten Frauen das tägliche Leben eh ein Spiesrutenlauf tagtäglicher Belästigung ist, bei dem Frauen so etwas ständig erleben, und zwar von allen Hautfarben. Jetzt passt es auch wieder in das System, denn das Hervorheben der Übergriffe durch Schwarzafrikaner (darf man hier von PoCs schreiben?) ist dann:

* Leugnung der Rape Culture vor Ort („gute Deutsche machen das nicht“)
* Rassismus („wenn PoCs etwas machen, dann wird es erwähnt, im täglichen Leben ignoriert“)“<<

Ein Gedanke, der bei Forderungen an Männer nur selten vorkommt:
„Nur das mich eben mit afrikanischen oder deutschen Banden nichts verbindet, ich werde sie schon zum Schutz meiner Selbst sicherlich nicht in ihre Grenzen weisen, weil ich das gar nicht kann. Es dürfte dieser Subgruppe auch im übrigen relativ egal sein, wie sich anderweitig Männer benehmen, es sind schlicht sehr getrennte Verhältnisse.“

david in den Kommentaren:

Zu Ägypten: es gab mal eine Reihe von Meldungen über Frauen, die auf dem Tahir-Platz und drumherum begrapscht wurden. Das wurde bei uns über alle Maßen aufgebauscht (zur selben Zeit starben dort Männer!). Man berichtete damals viel über False Flag – Störer und Prügler, da das Regime offenbar versuchte die Demonstrationen als gewaltsame Aufstände zu diskreditieren.
Komischerweise kam den westlichen Journalisten nie in den Sinn, dass dies auch gerade für die wirkungsvollsten Ereignisse gelten könnte, die bei uns (und auch dort) den größten Aufschrei auslösten.
Komischerweise hat man von diesen Belästigern vorher und nachher praktisch nie wieder gehört. Nur zum Zeitpunkt, als die Leute mit der Revolution beschäftigt waren, ist das passiert. Genau am selben Ort.
Darauf hat mich schon damals mein Kairoer Freund aufmerksam gemacht, den ich just damals, Ende 2011, dort besucht habe.

Und später:

Hab mich gestern noch mit einer Freundin unterhalten, die mit einer Gruppe Frauen im Iran war. Als sie über einen Marktplatz in Ishafan gegangen seien, sei JEDE von ihnen MEHRMALS im Getümmel begrapscht worden.
Da scheint also durchaus ein Problem vorzuherrschen, was in unserem Kulturkreis in der Form keinesfalls besteht.

Der große Unterschied zu der Situation, die sich den Frauen in Köln geboten hat: es existiert dennoch eine generelle Ablehnung solchen Verhaltens, ein soziales Korrektiv ist jederzeit vorhanden und greift, wenn man sich dagegen wehrt, Umstehende darauf aufmerksam macht. Dann ist für den Grapscher schnell der Teufel los.

schöner Kommentar von yannababei erzählmirnix:

Also, wenn ich ein Mann wäre, würde ich mich davon diskriminiert fühlen, immer als sabberndes Monster, dass beim Anblick einer nicht total verhüllten Frau sofort jegliche Selbstkontrolle verliert, dargestellt zu werden.

Arne Hoffmann bei Genderama, Vermischtes vom 09. Januar 2016:

Als einheimischer Mann hat man in dieser Irrsinns-Logik keine Chance. Schweigt man zu den Übergriffen, beteiligt man sich dran, sexuelle Gewalt unsichtbar zu machen. Empört man sich darüber, zeigt man, dass man nur sein Revier für eigene Übergriffigkeiten schützen möchte. Der nicht-zugewanderte Mann wird als im Kern bösartig schlicht vorausgesetzt.

Nicks Sternstunde bei erzählmirnix:

Es ist nur ein ganz kleiner und nur allzu logischer Schritt von „Männer haben einen kulturell determinierten Hang zu sexueller Gewalt“ hin zu „Muslimische Männer haben aber einen stärkeren kulturell determinierten Hang zu sexueller Gewalt“.

Die Geschichte des biologistischen Rassismus ist sehr ähnlich verlaufen: Erst wurde behauptet, dass der männliche Geschlechtstrieb an sich sexuelle Gewalt determiniere, um dann in einem zweiten Schritt zu behaupten, dass der „Wilde“ einen stärkeren und weniger kontrollierbaren Geschlechtstrieb habe. Das Ergebnis war die Rechtfertigung von sehr grausamen Lynchmorden, nur in einem Klima der Todesangst könne der schwarze Mann seinen Geschlechtstrieb im Zaume halten. Beim weißen Mann genüge eine strenge Erziehung (und Beschneidung)

Der zweite Schritt folgt eben fast unausweichlich aus dem ersten, weil es eine Binse ist dass nicht alle Menschen gleich sind. Der Kernfehler liegt in einem deterministischem Verständnis von Biologie/Kultur.

Es nützt also nichts, wenn unsere lieben Feministinnen sich darüber beschweren, dass Feminismus für rassistische Zwecke „instrumentalisiert“ werde. Die Frage, die sich Feminismus stellen müsste wäre: „Warum können Rassisten derart spielend leicht Feminismus instrumentalisieren. Wieso kann man eine soziale Bewegung, deren Ziel die Gleichheit aller Menschen ist, für eine Bewegung mißbrauchen, deren Ziel die Ungleichheit der Menschen ist. Stimmt etwa etwas mit unseren Paradigmen nicht? Haben wir etwa etwas mit den Rassisten gemein?“

Und LoMi ergänzend:

Normalerweise haben Rassisten in der gesellschaftlichen Mitte wenig Erfolg. Rassismus wird überwiegend abgelehnt. Sie haben deshalb ja auch die Idee von „Rasse“ aufgegeben.

Die Vorstellung von einer starken kulturellen Prägung können sie aber aufgreifen. Denn diese Vorstellung ist ja akzeptiert in der gesellschaftlichen Mitte. Wenn der Feminismus sagt, dass Gewalt gegen Frauen ein Kulturprodukt ist, dann können sie den Rechten kaum widersprechen, wenn diese das auch sagen. Und wenn der Feminismus einen kollektiven „Feind“ benennt, können Rassisten das ebenfalls in gewissem Rahmen tun, weil das Bild des kollektiven „Feindes“ oder „Täters“ ebenfalls akzeptiert ist. Es hat im Feminismus eben nur etwas andere Vorzeichen.

asemann:

Die Angriffe von Köln haben die Glaubwürdigkeit eines Kernbestandteils des intersektionalen Feminismus, die Privilegientheorie (die besagt, dass weniger privilegierte Menschen privilegierte Menschen per definitionem nicht diskriminieren können) vollkommen zerstört. Es ist offensichtlich geworden, und wird jetzt auch in linken Kreisen diskutiert (…), dass schwarze Asylanten eben auch übergriffig sein können, obwohl sie doch „unterprivilegiert“ gesehen werden. Und nun wird auch den linken, intersektionalen Feministinnen bewusst, dass ihre Weise, die Privilegientheorie in Aktionen umzusetzen, ideologisch verblendeter Unsinn war.

Bisher habe größere Teile der Damen, die sich jetzt mit „#ausnahmslos“ an die Spitze der Bekämpfung von sexueller Gewalt und Rassismus setzen wollen, daran mitgearbeitet, Frauen, die sexuelle Gewalt durch „Unterprivilegierte“ erfahren haben, mundtot zu machen und in die rechte Ecke zu stellen.
Sogar linke Aktivistinnen, die es wagten, Belästigung in einem „Refugee-Soli-Camp“ öffentlich zu machen, wurden mundtot gemacht, sogar die TAZ wurde anscheinend eingespannt, um die Behauptungen dieser Aktivistin zu dementieren.
Das heißt: Es gab in der feministischen Szene bisher ganz absurde Zustände, wo einerseits verlangt wurde, Frauen in Bezug auf sexuelle Belästigung immer zu glauben, andererseits Frauen aber nie geglaubt wurde, wenn diese „unterprivilegierte“ Tätergruppen beschuldigten.

Arne Hoffmann bei Genderama, Vermischtes vom 15. Januar 2016:

Zeigt sich auch hier eine Besorgnis erregende Erodierung der Männlichkeit? Das Unvermögen in Kategorien von „Das wird hart, aber da müssen wir jetzt durch!“ zu denken? Ein beliebter Vorwurf meiner Vorgängergeneration an meine lautete „Mit euch kann man auch keinen Krieg gewinnen“. Derartige Formulierungen sind heute natürlich politisch höchst unkorrekt. „Mit euch kann man keine nationale Herausforderung meistern“ trifft es aber gut.

Fundstück: Gewalttätiges Game, gewalttätiger Graswurzelfeminismus

Spoiler: Artikel befasst sich mit „Rom“ und Game of Thrones, 6. Staffel

Christian fragt auf Alles Evolution, ob Markus Antonius in einer bestimmten Szene der Serie „Rom“ ein Alpha-Mann ist. Ehrlich gesagt kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Die Szene ist eben so geschrieben, dass niemand Markus Antonius etwas entgegnen kann. Dass der besonnene Einzelgänger im Vergleich zu einer Gruppe unsicherer Leute cool wirkt, erfordert keine besondere Strahlkraft des Charakters.

Am Ende ermordet er noch irgendeinen Typen im Hintergrund. (Das mag in einer blutrünstigen Serie seinen Grund haben; allein aus dem Kontext des Videos wird nicht klar, warum.) Also, wenn das „Game haben“ sein soll, ist das die schlechteste Werbung für Pickup, die ich mir vorstellen kann. 🙂

Es tut Popkultur nicht gut, wenn man darin auf Biegen und Brechen irgendwelche gesellschaftspolitischen Standpunkte unterbringen möchte oder ihre Bewertung im wesentlichen auf Übereinstimmung mit diesen beschränkt. Ein solches Aufladen hat schon im Fall von Star Wars: The Force Awakens und zuvor bei Mad Max weder dem jeweiligen Film noch der Debatte geholfen.

Ich musste bei dem Rom-Beispiel im Gegenzug an einen Spruch über die „Game of Thrones“-Folge „Book of the Stranger“ denken, der es bei Dorkly kurz nach Erstausstrahlung in die Sammlung der lustigsten Tweets über die Episode geschafft hat:

„Daenerys out here getting some kind of grassroots Dothraki feminist education“

Was geschieht in der Folge? Daenerys ermordet eine ganze Gruppe von Männern. Das wird als Graswurzelfeminismus gefeiert? (Da die Figur der Daenerys allgemein positiv dargestellt wird in einer Serie mit wenigen eindeutig guten Charakteren, gehe ich davon aus, dass auch diese Tat positiv beurteilt wird.) Das finde ich doch sehr verstörend.

Zum einen ist die Handlung sowohl in der Perspektive der Welt, die erzählt wird als auch aus der Erzählung heraus nicht zu verurteilen. Zum anderen wird Gewalt gegen Männer bewusst als Feminismus, und zwar jener „von unten“, bejubelt. Diese Vermischung der Ebenen, die letzten Endes zu einer Akzeptanz der Tat auf beiden führt, beunruhigt mich. Interessant auch, dass ein untheoretischer Mein-Feminismus-Feminismus, der ansonsten gegenüber dem „ideologischen“, „radikalen“ oder „Staatsfeminismus“ als „unschuldig“ abgegrenzt wird, hier wie selbstverständlich in die Gewalt abgleiten kann.

Nun kann man sagen: Komm, eine Person macht einen dummen Spruch auf Twitter, Sack Reis in China und so. Andererseits: Diese Dummheit wird als besonders lustig weiterverbreitet. Dafür braucht es mindestens zwei – sowie die Erwartung, dass es ein dankbares Publikum für solche Äußerungen gibt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Derselbe Text wie in der Serie, aber eine andere Melodie, weil das Lied vorher entstand…

Karliene: The Rains of Castamere

Warum positive Einstellungen zu Feminismus für mich kein Fehler in der Matrix sind

Lucas Schoppe schreibt in einem Kommentar bei Alles Evolution:

Ich hab eine ganze Reihe von Frauen kennen gelernt, die gute Gründe hatten, feministisch zu sein. Das ist unter anderem eine Generationenfrage. Frauen, die ich im Germanistik-Studium als Dozentinnen an der Uni erlebt habe und die heute vielleicht sechzig, siebzig oder auch achtzig Jahre alt sind, haben durchaus Zustände erlebt, die feministische Positionen sehr nahelegen.

Auch in der Germanistik, die heute eher ein Frauenfach ist, war es für viele Männer selbstverständlich, dass Texte von AutorINNEN nicht unbedingt von Belang waren. Dies selbst bei Autorinnen wie Marie von Ebner-Eschenbach oder Ingeborg Bachmann, die jemand, der Germanistik studiert, schon gelesen haben sollte. Ich hab selbst noch Germanisten kennen gelernt, für die selbst entlegene Texte von Brecht unbedingt zum Kanon gehörten, die sich aber nichtmal fünf Minuten Zeit für ein Gedicht von Bachmann genommen hätten.

Auch Professorinnen hatten als Wissenschaftlerinnen solche Herablassung erlebt. Dabei ging es eben NICHT um Gender Studies, die ja oft tatsächlich fragwürdige Wissenschaftskonzepte haben, sondern um ganz etablierte Formen des Fachs – die von Kollegen nur eben weniger wichtig genommen wurden, weil sie von Frauen ausgeübt wurden oder Autorinnen zum Thema hatten. (Übrigens rede ich nicht von den Fünfziger Jahren, sondern von den Neunzigern…)

In solch einem Kontext ist Feminismus viel nachvollziehbarer als im heutigen, in dem Feministinnen es schon als dringend nötigen Aktivismus begreifen, Fotos von Männern ins Netz zu stellen, die mit etwas geöffneten Beinen in der U-Bahn sitzen.

Noch ein zweiter Punkt, eher als Ergänzung zum Kommentar von Leszek denn als Widerspruch: Feminismus hat eben oft auch eine sehr große PERSÖNLICHE Bedeutung. Viele Feministinnen, die ich kennen gelernt habe, sehen den Feminismus als einen Rahmen an, der es ihnen ermöglicht hat, ein halbwegs selbstbestimmtes, selbstbewusstes Leben zu führen. Das zu dieser Einschätzung viel Legendenbildung gehört – geschenkt.

Wichtig ist: Feminismus wird hier eigentlich gar nicht als politische Bewegung oder als Set politischer Positionen wahrgenommen, die offen kritisiert werden können – sondern als dringend notwendiger Teil der eigenen Biographie. Wer den Feminismus angreift, greift damit in ihrer Wahrnehmung die Biografie und das Leben dieser Frauen an – und welche Motivation sollte er dafür haben, wenn nicht eine reaktionäre Böswilligkeit, mit der er Frauen wieder zurück an den Herd haben will?

Das ist ein Grund, warum Feminismuskritiker bei Feministinnen fast nie Gehör finden. Diese Kritik nämlich begreift Feminismus als Set politischer Positionen, die selbstverständlich kritisiert werden können und MÜSSEN – und für die Kritiker ist es einfach eine undemokratische Verweigerung von wichtigen Debatten, ihre Punkte nicht ernst zu nehmen.

Regelrecht putzig wird das in extremen Fällen, wie z.B. der Kritik an der feministischen Faschistin Solanas. Ich hab gewiss schon hundertmal Äußerungen von Feministinnen gehört oder gelesen, die sich darüber empörten, dass sie schon wieder zu Solanas Stellung beziehen sollen – als ob sie das schon hundertfach getan hätten. Tatsächlich hab ich allerdings noch niemals eine einzige Feministin erlebt, die es wichtig gefunden hätte zu erklären, wie solch ein faschistischer Müll im Feminismus Kult-Status bekommen konnte. Es ist eben nicht IHR Problem – im Rahmen ihrer Biografie spielt Solanas keine Rolle, und dann ist nicht verständlich, wieso sie sich dazu äußern sollten. Dass eine POLITISCHE Position durch Distanzlosigkeit zum Faschismus diskreditiert wird – das ist gewissermaßen einfach nicht ihre Diskussion.

Das ist weder radikal noch uninformiert – Feminismus wird hier nur ganz einfach nicht als eine politische Position wahrgenommen, sondern als eine sehr persönliche. Dann ist eben auch gar nicht klar, warum jemand über alle seine Aspekte informiert sein sollte, anstatt sich gerade das herauszusuchen, was er – bzw. eben: sie – braucht.

Damit berührt er ein Thema, das ich schon lange auf meiner Liste hatte (nur dass er es natürlich mal wieder viel eleganter formuliert). Ich habe in den letzten Jahren von einigen Frauen gehört, dass Feminismus nichts für sie sei, weil er einengend und nicht für Gleichberechtigung sei. Interessanterweise waren das waren charakterstarke Frauen, die ihr Leben selbstbestimmt und in eigener Verantwortung leben wollten. Auf der anderen Seite habe ich andere Frauen getroffen, die mir erzählten, welches Geschlechterverhältnis sie von dort, wo sie herkamen, gewohnt waren:

  1. slut shaming: „Eine Frau, die einen Mann anspricht, ist eine Schlampe.“ Frauen müssen sich entsprechend aufbrezeln, lächeln und darauf hoffen, dass er den ersten Schritt macht.
  2. Sprüche wie „Studienfach X ist doch nichts für Frauen“ bzw. „Warum studierst Du denn? Du suchst Dir doch eh später einen Mann!“
  3. Im Beruf: „Frauen bekommen eh Kinder.“ / „Ein Mann braucht eine Frau, die ihm den Rücken freihält.“
  4. „Es ist Sache der Frau, dafür sorgen, dass zu Hause stets Essen auf dem Tisch steht.“

Dieses Weltbild hörte ich vor allem von Frauen aus Süd- und Osteuropa. In der Generation meiner Eltern haben die meisten Frauen etwas zu erzählen, gerade was das „nicht für voll genommen werden“ oder „weniger als ein Junge/Mann wert sein“ in früheren Jahren angeht. In Einzelfällen kenne ich – gerade aus dem Berufsleben – auch Geschichten von Gleichaltrigen.

Das zu schreiben kostet mich keine Mühe. Es ist aber Welten davon entfernt, dass es „allen Frauen überall“ so gehe. Man sieht das am besten an den Reaktionen der früher betroffenen Frauen selbst.

Gerade die Süd- und Osteuropäerinnen loben Nord- und Westeuropa dafür, insgesamt einen fortschrittlicheren Umgang mit Frauen zu haben. (Was Galanterie und Flirten angeht: Das ist ein anderes Thema!)

Das bedeutet nicht, dass hier und jetzt alles perfekt wäre. Ein eingängiges Bild von Christian Schmidt:

Natürlich: Auch verbesserte Zustände können schlecht sein. Einem Sklaven, der nur noch 10 Peitschenhiebe pro Tag erhält, kann man nicht entgegenhalten, dass er sich doch nicht aufregen soll, es wäre doch alles besser.

Die positiven Urteile etwa über Deutschland von Frauen aus Süd/Osteuropa passen aber überhaupt nicht ins Weltbild von Anne Wizorek: „Für ganz viele Frauen ist es extrem schlimm, einfach schon auf die Straße zu gehen.“

Übrigens heißt dass auch nicht, dass es süd- und osteuropäischen Männern in ihrem Land jeweils prima ginge. Um das zu sehen, reicht ein Blick auf Suizidziffern Osteuropa, die für Männer stark schwankend nach Wirtschaftslage ausfallen, für Frauen hingegen relativ gleichbleibend niedrig sind.

Die Welt als „überall ist es gleich schrecklich“ oder „es ist so schlimm wie immer“ zu beschreiben, verdeckt den Blick auf die Unterschiede und das Erreichte. Vor allem ist es deswegen demotivierend, weil man offensichtlich durch eigenes Verhalten nichts erreichen kann. Bestimmte Leute kann man nicht zufriedenstellen. Dann konzentriere ich mich lieber auf die anderen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Einen Unterschied machen“ – das ist doch eine wichtige Motivation. Wenn alles gleich ist, kommt’s auch auf nichts mehr an.

Esther Phillips: What A Difference A Day Makes

Warum ich Widersprüchlichkeit in Ordnung finde

Bei Alles Evolution kamen zwei interessante Fragen in die Runde:

Sind eurer Meinung nach Frauen widersprüchlicher als Männer oder sind Männer in anderen Bereichen widersprüchlicher und es fällt Männer bei sich selbst vielleicht weniger auf? Oder ist es eben einfach nur ein Vorurteil, welches gar nicht zutrifft?

Drei wesentliche Punkte dazu kamen von MGTOW Deutsch in einem Kommentar unter dem Artikel:

Menschen sind im Allgemeinen widersprüchlich. (…) Unterschiede gibt es individuell, nicht auf das Geschlecht bezogen.
Allerdings wird bei Frauen Widersprüchlichkeit von der Gesellschaft eher akzeptiert als bei Männern.

Zur ersten Aussage: Genau so ist es. Menschen allgemein sind widersprüchlich. Die Welt ist voller Widersprüche. Die Realität ist unrealistisch.

Und das hat einen Sinn. Stellen wir uns das krasse Gegenteil vor: Menschen, die immer konsistent, also konsequent handeln. Klingt nach fürchterlichen Pedanten und Prinzipienreiterei. Ein Mensch, der zum Beispiel im Alltag auf seine Ausgaben achtet und das dann auch im Urlaub durchzieht, nie „einfach mal so“ ins Café geht, nie „mal Fünfe gerade sein lassen“ kann, kommt mir nicht besonders nachahmenswert vor, sondern wie ein armseliger Geizhals.

Allzu viel Konsequenz wirkt unmenschlich und abstoßend! „Es ist ja wirklich erschreckend, wie zielgerichtet manche Leute ihr Ziele verfolgen.“

Punkt Nummer zwei: Selbst für den Fall, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt – na und? Am Ende sind die individuellen Unterschiede größer.

Dass Frauen sich in bestimmten Situationen Widersprüchlichkeit eher erlauben können als Männer, ist auch meine Vermutung. Gut wurde das in den Kommentaren bei Christian schon eingegrenzt: Im Berufsleben geht das zum Beispiel nicht, egal, welches Geschlecht man hat. Männer haben genauso widersprüchliche Gefühle, sind inkonsequent usw., aber es schadet ihrer Attraktivität und ihrem Ansehen, wenn das zu offensichtlich wird.

Für Beziehungen werte ich eine gewisse Unterschiedlichkeit sogar sehr positiv: Wenn einer Klarheit und Entschlossenheit ausstrahlt, gibt das Halt und Orientierung (und „eine erste Lösung“), wenn der andere viele verschiedene widerstrebende Gefühle ausdrückt, zeigt das auch Offenheit und gesunden Restzweifel (und „verschiedene Alternativen“).

Aber es geht auch humorvoll. Wie Christian schrieb:

Allerdings habe ich den Satz „ich bin eine Frau, ich darf das“ in Bezug auf gewisse „Widersprüchlichkeiten“ auch schon gehört. Nicht absolut als Recht, eher dann als scherzhafte Bemerkung.

Meine erste Assoziation war: Das ist jemand so mit sich selbst im reinen, dass er über sich Scherze machen kann. Sympathisch!

Um mit Stereotypen spielen zu können, braucht man eine gewisse Lockerheit. Das ist eine hervorragende Basis für ein entspanntes Verhältnis.

Ich benutze immer wieder folgenden Spruch: „Bitte geben Sie mir einfache Anweisungen – ich bin ein Mann!“

Das spiegelt natürlich die Auffassung wieder, dass Männer allgemein etwas simpler gestrickt sind. Aber man kann das eben positiv ummünzen, um klare Anweisungen einzufordern.

Mit Stereotypen über die eigene Gruppe zu spielen kann ein absoluter Eisbrecher sein. Den Satz „Wir sind Italiener, da ist es nun mal etwas chaotisch!“ habe ich schon so oft von italienischen Freunden gehört. Selbst kontere ich natürlich gerne im Sinne von „Entschuldigung, aber wir sind Deutsche, das wird jetzt genauso gemacht, wie es die Regeln sagen, ob sie einen Sinn ergeben oder nicht!“

Lockerheit und Selbstironie sind wunderbare Gewürze für die Suppe des Lebens. Lieber widersprüchlich als langweilig!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Konsequenterweise bringe ich ein Lied, das den Widerspruch im Titel trägt.

Green Day: Walking Contradiction