Fundstück: Private Zensurmaßnahmen treffen internationale BDSM-Community

Fefe veröffentlichte heute einen Hilferuf:

die internationale Dating- und BDSM-Community fetlife.com wird gerade existentiell bedroht. Die 2 Geschäftskonten des Betreibers bei 2 verschiedenen Banken sind gesperrt, auf Betreiben eines Kreditkartenunternehmens, das sich über „blood, needles, and vampirism“ und etwas schwammiger über „Illegal or Immoral“ Inhalte beschwerte. Als erste Maßnahme hat der Betreiber gezwungenermaßen Hunderte Gruppen und Accounts gelöscht, die einschlägige Themen behandeln oder auch nur im Namen trugen. Wohlgemerkt, es geht um sexuelle Fantasien und ausschließlich einvernehmliche Praktiken.

Eigendarstellung des Absenders:

Ich bin im Vorstand von BDSM-Berlin e.V. (bdsm-berlin.de), wir sind ein gemeinnütziger Verein und seit fast 20 Jahren aktiv in Sexualaufklärung, Beratung und Hilfe.

Fefes Kommentar dazu:

Das ist in der Tat eine Sache, über die viel zu wenig gesprochen wird, dass privatisierte Zensurinfrastruktur keinen Rechtsweg offen lässt. Ich habe das ja bei Facebook und Hatespeech schon ein paar Mal angesprochen, aber dass damit jetzt irgendwelche Puritaner anderen Leuten das Ausleben ihrer Sexualität untersagen wollen, das ist ja leider kein großer Schritt mehr von da aus

Es ist ein Beispiel für das, wovor Fefe schon lange gewarnt hat: Was „aus den alleredelsten Motiven“ eingeführt wird, wird dann gegen Randgruppen mit zwielichtigem Image eingesetzt. Arne Hoffmann hatte schon im Jahr 2000 darauf hingewiesen, dass Sadomasochisten allzu lange als „Perverse“ gebrandmarkt worden seien. Jetzt ist es mal wieder soweit, der Grad der Liberalität wird zurückgedreht…

Als eine Macht hinter dem Vorgehen wird ausdrücklich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) genannt. Es urteile also niemand voreilig über etwaige „spießige Amerikaner“!

Zum Hintergrund gehört außerdem ein mutmaßlicher Vergewaltigungsfall in Australien: Ein Mitglied der Community mit eigener Fanbasis wird beschuldigt.

Haarsträubend für mich ist, was zum Teil zu den neuen Richtlinien gehört:

Nothing that impairs consent (drugs, alcohol, etc.)

Mit anderen Worten: Gebe ich mir im echten Leben so richtig die Kante und lande mit irgendwem im Bett, geht das. Schreibe ich darüber, selbst wenn ich nur Fantasien darüber habe, geht das nicht. Verkehrte Welt!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Eine Nutzerin wies darauf hin, das ihr Name nichts mit Selbstmord(fantasien) zu tun hätte, sondern ein Liedtitel sei…

INXS: Suicide Blonde

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Fundstück: The Real 50 Shades of Grey

Es klingt zunächst unwahrscheinlich, aber durch „50 Shades of Grey“ habe ich einen positives Bild von der BSDM-Szene bekommen. Wenn man sich durchliest, was DMJ (Comic bei Buddelfisch), Gregor Schenker (Artikel bei Buddelfisch) oder Miria über Buch bzw. Film schreiben, dann scheint es weder große Literatur noch große Kinokunst noch richtiges BDSM zu sein. Ich kenne beide Werke nicht und habe auch nicht vor, daran etwas zu ändern.

Vor ein paar Monaten machte man mich jedoch auf einen Dokumentarfilm namens „The Real 50 Shades of Grey“ aufmerksam. Sicher, er hat ein paar reißerische, schnelle Schnitte zwischendurch. Es scheint ein Film zu sein, der für den Teil des US-Fernsehens gedreht wurde, wo ständig Werbeunterbrechungen kommen. Und natürlich bewegt sich der Film im Fahrwasser des Erfolgs des Buches.

Aber davon abgesehen werden einige Paare präsentiert, die BDSM praktizieren. Ihnen wird genug Zeit gegeben, ihre Geschichte zu erzählen. Man erfährt: Es sind ganz normale Leute, die eine heile Kindheit hatten. Sich innerhalb der üblichen gesellschaftlichen Bahnen zu bewegen, finden sie jedoch nicht erfüllend. BDSM scheint für sie ein Weg zu sein, Sachen auszuleben, die ansonsten zu kurz kommen.

Gut, das ist meine Lesart, und die mag erschreckend naiv sein. Ich finde einen Großteil der porträtierten Leute spontan sympathisch.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal liegt es auf der Hand, ein Lied von Depeche Mode zu nehmen… Master and Servant.