Warum ich „Sei Du selbst“ für einen recht nutzlosen Ratschlag halte

Im Blog „Der lange Weg zum ersten Mal“ ging es um Normalo-Sprüche wie Du sollst nicht suchen!. In der Diskussion kam ein Kandidat für den nächsten Beitrag auf, der inzwischen tatsächlich erschienen ist: Sei einfach Du selbst!

Mir hatte die Idee, das als Thema zu nehmen, damals bereits sehr zugesagt. So schrieb ich:

„Sei Du selbst“ ist direkt der beste Kandidat für die nächste Folge.

Der Tipp wird wohl in die Richtung gemeint, dass man sich nicht bist zur Selbstverleugnung verbiegen soll (das stimmt sogar – wirkt unauthentisch und macht nicht glücklich), aber so verstanden, dass man an sich gar nichts ändern soll (was nicht stimmt – mit der bisherigen Lebensweise ist man ja nicht zufrieden).

Die Crux ist nur: Die meisten Menschen wissen gar nicht, was sie alles sein können. Und bei den bisher zu netten, vorsichtigen Leuten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie viele Dinge nicht ausprobiert haben, weil sie dachten, sie könnten das nicht machen, andere würden sich lustig machen, das müsste man in jungen Jahren lernen oder ganz sein lassen usw. Nur sind unperfekte, auch mal scheiternde, aber risikofreudigere Menschen irgendwie interessanter als diejenigen, die stets auf Nummer Sicher gehen und alles seinen gewohnten Gang gehen lassen…

Später fiel mir noch ein:

Wenn ich zum Thema „Sei Du selbst“ noch ein Fundstück einreichen darf:

Ursprung: Samstagssammlung von „Fettlogik überwinden“.

47-jähriger Kriegsveteran muss an Krücken gehen; Ärzte geben ihm keine Chance, je wieder normal zu laufen. Dann fängt er mit Yoga an…

Ich halte i.a. nichts von solchen Rührgeschichten, die unter dem Motto „Du musst nur an Dich glauben!“ laufen. Hier ist jedoch interessant, dass es nicht nur um den Glauben an sich, sondern Fleiß und Durchhaltevermögen ging.

Am Anfang ist der Kerl schwer übergewichtig, etwa so, wie man sich Klischee-IT-ler vorstellt. Entsprecht legt er sich auch ständig hin bei seinen Versuchen, man sieht einen Patzer nach dem nächsten…

…aber siehe da, mit der Zeit wird er besser, und die Pfunde schwinden. Am Ende kann er nicht nur alleine gehen, er rennt sogar, und dabei sieht er gut durchtrainiert aus. Natürlich kein Adonis, aber für einen Mann, der auf die 50 zugeht, doch recht charismatisch.

Der Mann hat offensichtlich nicht nur gesehen, was er war, sondern wollte mehr aus sich machen. Und vor allem hat er sich nicht von den Misserfolgen abschrecken lassen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mir kommt beim Rat „just be yourself“ als erstes Lied immer Queens „Innuendo“ in den Sinn, auch wenn es diese Textzeile gar nicht enthält.

Queen: Innuendo

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