Warum ich die Anzahl der Sexualpartner nicht aussagekräftig für Attraktivität finde

Bei Alles Evolution wurde eine Studie besprochen, die die Auswirkung der Anzahl der Geschlechtspartner auf die Attraktivität misst. Natürlich stellt sich zuerst die Frage, ob die Studie überhaupt verallgemeinerbare Ergebnisse produziert. Befragt wurden, wie so oft, vor allem junge Studenten. Aber selbst wenn man die Aussagen dann nur auf diese Gruppe bezieht, gibt es eine interessante Erkenntnis, die Christian Schmidt so zusammenfasst (Rechtschreibung korrigiert):

Wie man sieht, sind die Betrachtungen für eine Langzeitbeziehung relativ gleich. Männer sind eher noch toleranter als Frauen, was die Anzahl der Sexualpartner angeht. Bei etwas kürzerem gestehen Männer Frauen mehr Sexualpartner zu.

Also das Gegenteil der üblichen „slut shaming„-Folklore, nach der Männer Frauen das Leben schwer machen, indem sie diese als Schlampen titulieren oder nicht mehr wollen, wenn diese mit vielen Männern etwas hatten. Wenn überhaupt, gibt es ein „absolute beginner shaming“ von den Frauen: Bei ihnen gibt es einen deutlichen Knick nach unten in der Bereitschaft, mit einem Mann ohne vorherige Sexualpartner eine Langzeitbeziehung einzugehen.

Mit dem richtigen Kontext – junge Studenten – ist das sogar einigermaßen nachvollziehbar: Gehen wir davon aus, dass sich die meisten vor allem gleichaltrige Partner vorstellen. Die meisten Leute in dem Alter werden erste entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Männer sind zudem weniger wählerisch, um „zum Zuge zu kommen“. „Wer als Mann dann noch keine Sexualpartner hatte, mit dem stimmt etwas nicht oder er ist extrem unattraktiv“ ist zwar keine richtige Folgerung, aber ich kann nachvollziehen, dass viele so denken oder intuitiv so reagieren.
Und damit sind wir auch beim Knackpunkt der Studie: Die reine Anzahl ist wenig aussagekräftig. Es ist der Kontext, von dem viel mehr abhängt. Wie es Christian Schmidt schon richtig anschneidet:

Allerdings scheint es mir eine sehr abstrakte Bewertung zu sein, die nicht einbezieht, dass mit den Sexualpartnern üblicherweise auch bestimmte Verhaltensweisen oder ein bestimmtes Aussehen korrespondieren kann.
(…)
[E]ine Frau mit 20 Männern, die aber ansonsten klasse aussieht und nicht billig wirkt, sondern sich lediglich in einer bestimmten Phase etwas „ausgelebt“ hat, ansonsten aber gegenwärtig in ihrem Bekanntenkreis nicht als „Schlampe“ gibt, wird auch keinen Mangel an Interessenten haben. Ebenso der attraktive Alpha, der gut aussieht und „Charme“ oder „Game“ hat.
(…)
Ich vermute mal, dass ein „wahrnehmbares billiges Verhalten“ Frauen in ihrer Attraktivität sehr schadet und bei Männern vielleicht eher, dass sie ein „falsches Spiel betreiben“ oder Frauen nur als weitere Nummer sehen.

Das wäre das richtige Thema. Welchen Ruf hat die Person in ihrem sozialen Umfeld? Wie redet sie über bisherige Beziehungen / Ex-Partner? Was wären die Gründe, warum Beziehungen auseinander gingen? Wie diskret sind „kurze Abenteuer“ abgelaufen? Wie waren die Sexualpartner verteilt auf das Lebensalter? Wie attraktiv waren die bisherigen Partner?

Unter den Beispielen für Frauen, die nichts mit „Schlampen“ zu tun haben, listete ich selbst etwa folgenden Typ auf:

die “in der Findungsphase”: vielleicht noch minderjährig, oft gerade volljährig, noch wenige Erfahrungen und dadurch einen gewissen Erfahrungshunger. Alles ist neu und aufregend – und wer möchte schon bei den Erlebnissen, die laut Popkultur in dem Alter alle vorzukommen haben, zurückstecken? Es mag einige unangenehme, lange nachwirkende oder peinliche Erfahrungen geben. Typischerweise hört diese Findungsphase nach einigen Jahren auf – und dann weiß diese Frau sehr gut, wer sie ist und was sie will.

Genau das ist der Punkt: Es gibt eine Ausprobierphase, in der es eine ganze Reihe Partner geben kann. Das kann die absolute Zahl in die Höhe treiben, ohne dass der Ruf einer Person darunter leidet – gerade weil das so vielen so geht.

Deswegen hat es wenig Sinn, die Attraktivität einer Person an einer einzigen Zahl zu messen. Ein schönes Beispiel, wie Statistik, auf einen Parameter reduziert, wenig aussagekräftig ist.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um das reine Durchzählen der Partner geht, muss ich an dieses Lied denken:

Subway to Sally: Ohne Liebe

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Warum ich „netten Kerlen“ Kaffee mit Sahne als Vorbild empfehle

Bei „Alles Evolution“ ging es vor einigen Wochen darum, was „nette Jungs“ (Nice Guys) unattraktiv macht. Das „netter Kerl“-Syndrom hatte ich schon zu Anfangszeiten dieses Blogs auf meiner Liste. Anstatt weiter darauf zu warten, dass mir der perfekte Artikel einfällt, zitiere ich lieber als ersten Schritt meinen Kommentar:

Ich glaube, dass die „netten Kerle“ vor allem die gute Grundidee „Ich muss sie gut behandeln“ falsch verstehen und übertrieben umsetzen. Nur wirkt das dann nicht „nett“, sondern aufgesetzt, unterwürfig, unentschlossen – und das ist nie attraktiv. Wenn der Mann offenbar nicht so recht weiß, was er will, wie soll dann die Frau den Eindruck gewinnen, dass er sie will? Wie soll sich eine Frau in einen Mann verlieben, von dem sie nicht einmal die Illusion haben kann, zu wissen, wer er wirklich ist?

Doch woher kommt diese Fehlvorstellung, man dürfte Frauen nie etwas abverlangen oder mal Kontra geben? Mir scheint es so, als ergebe sich das aus der Kombination „besonders gutmütiger Mann“ und „besonders häufige Predigt, wie unsensibel Männer im allgemeinen seien und wie schlecht es den Frauen gehe“. Das schlägt dann um in „die armen Frauen, ich muss sie besonders gut behandeln als Ausgleich dafür, was man ihnen schon alles angetan hat“.

Ich vergleiche das inzwischen gerne mit Kaffee und Sahne. „Kaffee“ steht für die klassischen dominanten Eigenschaften, „Sahne“ für Gefühle und Romantik. Die Frau trinkt gerne Kaffee, nur ist der manchmal etwas bitter. Wenn es dazu doch noch etwas Sahne gäbe! Der „nette Kerl“-Mann hört überall die Sehnsucht nach der Sahne, versteht aber nicht, dass die zusätzlich zum Kaffee gewünscht wird. Vor die Wahl gestellt zwischen einer Tasse untrinkbarer Sahne und dem üblichen Kaffee, nehmen die Frauen natürlich letzteres. Und der Mann ist völlig verwirrt, warum anscheinend keine das will, was sie doch alle vorher so gerne gehabt hätten. „Frauen erzählen alle, sie wollen Sahne, und dann trinken sie doch wieder diesen bitteren Kaffee!“ ist dann ein häufig gehörtes Fazit des Missverständnisses.

Dabei sind „Kaffee“ und „Sahne“ keine sich ausschließenden Gegensätze. Das eine läßt sich auch nicht mit dem anderen ersetzen. Es ist also eine falsche Dichotomie.

Sobald tatsächlich jemand um die Ecke kommt, der einen Kaffee mit einem Schuss Sahne hat, wird sein Angebot in vielen Fällen attraktiver eingestuft als das des „reinen Kaffee“-Mannes. Über die richtige Mischung können natürlich die Meinungen auseinander gehen. Und das wäre auch eine positive Botschaft: Die Welt ist nicht schwarz wie Kaffee oder weiß wie Sahne, es gibt jede Menge Abstufungen dazwischen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Erst beim Suchen ist mir aufgefallen, wieviele Lieder mit „schwarzem Kaffee“ im Titel es gibt…

All Saints: Black Coffee

Warum ich diese Liste von männlichen Attraktivitätsmerkmalen gut finde

Mir ist neben den Flirttipps von Erzählmirnix noch ein anderer Text zum Thema „Was sind gute Bedingungen, um auf Frauen anziehend zu wirken?“ im Gedächtnis geblieben. Da er ebenfalls von einer Frau stammt, hat das gleich zwei Vorteile: Zunächst kann ich als Mann überprüfen, inwieweit sich das mit meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen deckt. Was Menschen mit verschiedenen Geschlechtes (und auch sicherlich in vielen Punkten unterschiedlicher Weltanschauung) geteilt wird, das ist zumindest durch ein sehr feines Sieb gegangen. Außerdem ist das eine gute Gelegenheit, den Spruch „Frauen sagen A und machen B“ auf seinen Wahrheitsgehalt zu testen.

Der Artikel heißt „Männlichkeit, die attraktiv macht“ und stammt von Onyx. Sie schreibt am Anfang ihrer Aufzählung, Maren habe es bereits ähnlich angedeutet, verweist aber leider auf keine Quelle.

Wenn ich mal die Einleitung (den ersten Abschnitt) überspringe und den Nachtrag (ersten Kommentar) dazunehme, dann lese ich folgende Punkte:

  • körperliche Attraktivität – wird zwar als letzter Punkt genannt, aber nicht unter den Teppich gekehrt oder marginalisiert. Finde ich so wie es dargestellt wird sehr treffend: Natürlich spielt das eine Rolle, aber das alleine reißt nichts raus (d.h. wenn das ganze Verhalten schrecklich ist).
  • Empathie, sich für andere interessieren – ja. Der Mensch lebt davon, zu anderen Menschen positive Beziehungen aufbauen zu können.
  • lachen können und freundlich sein – ja! Ich bin inzwischen überzeugt, dass wir in Deutschland eine absolute Lächelwüste haben. Meine eigenen Experimente mit „grundlos lächeln und über die Maßen freundlich sein“ waren so verblüffend erfolgreich, dass ich nicht beabsichtige, dieses ungewöhnliche Verhalten abzustellen. Viele Leute scheinen nur darauf zu warten, dass jemand anderes das Eis aufbricht, und tauen dann selbst total auf.
  • sich nicht todernst ernst nehmen und seine Grenzen kennen – das trifft es schon sehr gut. Das sind zwei Eigenschaften, die Leute viel erträglicher machen und damit geeignet dafür, mit ihnen mehr Zeit zu verbringen.
  • Lebensinhalte haben – das kann in zweierlei Hinsicht gelten. Zum einen bezogen auf Intelligenz und Intellekt. Zum anderen aber auch auf eigene Aktivität. Tatkräftigkeit wird bei Männern belohnt und ermutigt. Selbst wenn man sich mal irrt und in etwas verrennt, wird das besser aufgenommen als allzu vorsichtiges, zögerliches Handeln.
  • Verantwortung für sich selbst (und das eigene Handeln) übernehmen – oh ja. Das ist ein Punkt, der immer wieder aufkommt und der für Menschen allgemein gilt.
  • mit Klischees brechen, über ihnen stehen – nun, man wird nicht alle Klischees auf einen Schlag brechen können und man wird auch nicht ständig über den Dingen stehen. So funktionieren Menschen nicht, die in eine Gesellschaft eingebettet leben. Aber eben nicht einfach alles zu 100% an- und übernehmen, was einem vorgesetzt wird, sondern sich in gewisser Weise daraus zu erheben, und das noch humorvoll – das ist großes Kino, weil es in positivem Sinne so unheimlich menschlich ist. Denn der Wunsch, etwas zu ändern, ist idealistisch, und ein lockerer, spielerischer Umgang verhindert, dass man sich allzu wichtig nimmt. Ich glaube, dass das tiefe Bedürfnisse in uns Menschen anspricht und dass jemand, der das macht, auch nach außen strahlt.

Insgesamt eine Liste, der ich sehr viel Wahres und Positives abgewinnen kann. Das passt in weiten Teilen zu meiner Wahrnehmung und meinen Erfahrungen. Zudem wird zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass dies ausreicht, um als Partner interessant zu sein.

Mal von der körperlichen Attraktivität abgesehen (an der man viel mehr machen kann, als man gemeinhin glaubt – siehe Fettlogik überwinden), lassen sich all diese Punkte zu einem Stichwort subsummieren: Souveränität.

Das ist die eine große wichtige Sache, die ein Mann anstreben muss. Darum hat MANNdat mit dem Text „Lebenssituation junger Männer“ so recht, wenn da steht:

Das Schlüsselanliegen besteht darin, Männer zu den Autoren ihres eigenen Lebensentwurfs werden zu lassen.

Genau. Das dient nämlich nicht nur den Männern, sondern macht sie attraktiv und bringt damit die Gesellschaft insgesamt weiter. Nun läßt sich Souveränität nicht wie ein Geschenkkarton übergeben – das muss man jeweils selbst leisten (allein schon aufgrund des Punktes mit der Verantwortung für das eigene Handeln). Allenfalls kann ich anerkennen, wenn sich jemand souverän verhält.

Vielmehr ist die umgekehrte Frage interessant, was denn verhindert, dass Männer souverän werden. Dass dem vielfach so ist, darüber trifft oben erwähnter MANNdat-Texte eine klare Aussage:

Das Lebensgefühl vieler junger Männer ist geprägt von einer tiefen Verunsicherung.

Also, was sind die Hindernisse, die es aus dem Weg zu räumen gilt? Das ist einen eigenen Artikel wert.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal eine Coverversion eines Klassikers. Irgendwie kommt mir das Lied immer in den Kopf, wenn ich über das Thema schreibe.

Salt ‚N‘ Pepa (featuring En Vogue): Whatta Man

Das Blick-Embargo

Werden Frauen über 50 diskriminiert, weil sie nicht mehr so viele bewundernde Blicke von Männern erhaschen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die „Kolume Später: Der Nichtblick des Mannes“ in der taz. Eigentlich war dieser Beitrag als Kommentar auf der taz-Website geplant, aber da er immer länger wurde, veröffentliche ich ihn hier. Hier nun also meine Erwiderung:

Ihr Frauen habt echt Probleme. Erst ist es Euch zuviel, dann ist es Euch zuwenig. Und natürlich sind immer wir Männer Schuld. Nur weil wir eben die Frauen anschauen, die uns gefallen, und die ignorieren, die uns nicht gefallen. Wie sexistisch! Wie Schönheitsnormen-zementierend!

Nur: Die Schönheitsnormen haben nicht wir gemacht, das ist schlicht Biologie und Evolution. Ja, mal sind die Molligeren mehr angesagt, mal die Schlanken, das ist wohl kulturell bedingt. Aber was sich nie geändert hat und auch nicht ändern wird, weil es m.E. biologisch bedingt ist, ist, dass jüngere nun mal im Schnitt attraktiver sind als ältere.

Ja, es gibt attraktive Frauen über 50. Aber es sind eben weit weniger als bei den Frauen in den 20ern. Nichts und niemand wird uns Männer dazu kriegen, unsere Attraktivitätskriterien zu ändern, nur weil Frauen wie z.B. Bascha Mika das gerne so hätten. Oder verlangen wir von Euch, dass Ihr doch bitteschön auch mal arme Schlucker am unteren Rande der Gesellschaft attraktiv finden solltet?

Willkommen in der Welt des Mannes

Meint ihr, uns geht es anders? Wann zeigen denn Frauen uns Männern mal deutlich, dass sie uns begehrenswert finden? Normale Männer, also die 98%, die nicht zu den besonders begehrenswerten zählen, leiden unter dem Blick-Embargo, das Ihr als 50plus-Frauen beklagt, ihr ganzes Leben lang. Oder was heißt „leiden“, wir kennen es ja gar nicht anders. Kaum eine Frau dreht sich mal nach uns um oder pfeift uns gar hinterher. Es gibt keinen Anspruch darauf, vom anderen Geschlecht bewundert zu werden. Das muss man sich unter Umständen erst mühsam erwerben. Das haben wir Männer schon in der Pubertät begriffen, manche Frauen scheinen das aber erst in den 50ern zu begreifen und manche nie. Willkommen in der Welt derer, die das sexuelle Interesse des anderen Geschlechts nicht einfach so hinterher geworfen bekommen! Willkommen in der Welt der Männer!