Warum ich die „arme Merkel“ für Angela, die Alternativlose halte

Die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz darf über eine Sache nicht hinwegtäuschen: Angela Merkel wird die Wahl so oder so gewinnen.

Außerhalb der SPD sehe ich niemanden, der überhaupt die Möglichkeit für realistisch hält, die SPD könne stärker werden als die Union. Selbst innerhalb der SPD scheint man sich ja mit der Rolle des Juniorpartners abgefunden zu haben, der hoffentlich nicht noch weiter ausblutet und immerhin die Hälfte seiner Vorhaben schafft: An der Macht bleiben – dafür gehen dann die eigenen großen Vorhaben flöten zugunsten von konservativer Politik und symbolpolitischen Placebos.

Es spielt daher erstaunlicherweise keine Rolle, dass man die CDU 2017 nicht wählen kann: Die anderen schrecken noch mehr Wähler ab oder gelten als unwählbar. Dass Angela Merkel erneut zur Wahl antritt, kann eigentlich niemanden vom Hocker hauen. Aber so ein einschlummernder Wahlkampf ohne irgendeine Aussage ist genau das Rezept, mit dem sie an der Macht geblieben ist: Asymmetrische Demobilisierung, also alle so einschläfern, dass von der Gegenseite noch mehr zu Hause bleiben.

Die AfD ist auch deswegen so stark, weil sie mit ihrer Methode der maximalen Provokation diese Einlullmethode durchbricht. Interessanterweise wird Angela Merkel bedauert, als Opfer gesehen, sie habe es so schwer – das sagt man allen Ernstes einer der mächtigsten Frauen der Welt nach (jaja, Friede Springer und Liz Mohn werden als mächtiger angesehen, ohne dass sie irgendein offizielles politisches Amt bekleiden müssen).

Dabei war Angela Merkel bisher erstaunlich erfolgreich, wenn man sie am Kriterium des Machterhaltes bemisst: Sie hat alle ihrer möglichen Konkurrenten in der eigenen Partei weggebissen, weggelobt oder ausgesessen. Programmatisch blieb nichts an ihr haften, das Prinzip Teflon hat sie sehr gut von Helmut Kohl gelernt. Wie es Volker Pispers schön dargestellt hat: Obwohl die Leute über die CDU oder Regierung schimpften, erfreute sich Angela Merkel anhaltender Beliebtheit, so als habe sie mit dem, was geschehe, nichts zu tun. Als ob die Leute tatsächlich raunen würden „wenn das die Merkel wüsste…“!

Dass sich erst nach über zehn Jahren, am Ende der dritten Legislaturperiode, überhaupt zum ersten Mal Risse im Bild zeigen, ist eine erstaunliche Leistung. Das erste Mal so richtig aufgeschmissen habe ich sie erst im Juli 2015 in Erinnerung – der Fernsehauftritt mit dem hübschen Flüchtlingsmädchen, das bald abgeschoben werden würde und in Tränen ausbrach.

Obwohl in vielen Ländern ein Erstarken des Rechtspopulismus gesehen wird, hat er in Deutschland derzeit keine Chance auf eine Regierungsbeteiligung: An Angela Merkel wird auch 2017 kein Weg vorbeiführen. Sie ist tatsächlich alternativlos.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Gut, das Lied liegt auf der Hand…

J.B.O.: Angie

Werbeanzeigen

Kurznachrichten vom 01.08.2016

1: Die Steinzeit wird jetzt auch gendergerecht. Der Prähistoriker Thomas Terberger will herausgefunden haben, dass es in der Steinzeit nicht die bisher angenommene klare Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen gegeben hat, sondern dass Frauen sehr wohl sich genauso an der Jagd beteiligten und nicht nur die Kinder gehütet haben. Passt auch gerade wunderbar ins politisch korrekte Bild. Am Freitag gab es dazu eine Sendung auf NDRinfo.

Wenn man sich den Bericht aber genauer anhört, dann besteht er im wesentlichen nur aus Spekulationen. Der einzige Beleg, der für die These spricht, ist der Fund von verschieden langen Speeren in Gräbern am selben Grabungsort. So hat man Speere von 2,50 Meter Länge, aber auch nur von 1,80 Meter Länge gefunden. Also geht Terberger davon aus, dass die kürzeren Speere von Frauen verwendet wurden. Das wars.

Wirklich? Das ist der einzige Hinweis? Ich kann mir auf Anhieb mindestens fünf Gründe vorstellen, warum man Speere in verschiedenen Größen verwendet hat. Männer variieren schießlich auch in ihren Körpergrößen. Oder vielleicht mussten ja Jugendliche ab dem Alter von 12, 13 oder 14 schon mit auf die Jagd gehen. Oder dass ein 1,80 Meter-Speer viel leichter zu werfen ist als ein 2,50 Meter-Speer, der wahrscheinlich gar nicht zum Werfen, sondern zum Abstandhalten und Piken benutzt wurde. Und wie Terberger selbst zugibt, könnte es auch daran liegen, dass diese für verschiedene Tierarten verwendet wurden.

Und just gestern lief mir wieder der Text „Fempokalypse“ von Karen Straughan über den Weg, in dem sie behauptet:

Anthropologen haben darauf hingewiesen, dass die Neandertaler ausgestorben sind, weil sie eine egalitäre Aufteilung der Arbeit vorgenommen hatten, die nicht geeignet war, die Bevölkerung stabil zu halten und womöglich zu vergrößern: Sie haben alle Arbeiten, auch die, die mit Gefahren für Leib und Leben verbunden waren, gleichermaßen verteilt. Als die glücklosen Neandertaler auf moderne Menschen trafen (gemeint ist der homo sapiens), die wiederum eine Arbeitsteilung hatten, die sich an den tatsächlichen Möglichkeiten der Geschlechter orientierte, und der Sicherheit der Frauen Vorrang einräumte, war es mit den Neandertalern vorbei.

Terberger hat in dem Radiobericht allerdings nicht mitgeteilt, ob er da vielleicht ein Neandertalergrab ausgehoben hat.

2: asemann.de stellt die These auf, dass Angela Merkel im Gegensatz zu ihren Vorgängern Helmut Kohl und Gerhard Schröder von der Mainstreampresse nur deswegen so wenig kritisiert wird, weil dies aufgrund des feministischen Zeitgeistes einfach nicht opportun ist. Als Frau darf man derzeit einfach keine Niete sein, und wenn man es doch ist, wird es einfach nicht so laut ausgesprochen.

3: In einem neuen Beitrag auf idealismprevails.at analysiert Kaspar Gerhard noch einmal, wie viel Männerverachtung im islamischen Menschenbild steckt:

Männer sind diesem Gedankengut gemäß nicht als gleichwertige Menschen bezeichnet, sondern verkörpern bloß triebhafte Wesen, deren Reizbarkeit durch entsprechendes Verhalten und Kleidung durch Frauen eingedämmt werden könne. Es ist das islamische Konzept, Männer und Frauen so oft und so weit wie möglich geschlechtlich von einander zu trennen, damit der triebhafte Mann die Frau nicht begehrt und ihr auch nicht zu nahe kommt.

Insofern ist das Tragen eines Kopftuches die implizite Unterstellung an den Mann, dass er seine Triebe und Hormone nicht im Griff habe.

4: Die Clinton Foundation zahlt ihren männlichen Führungsangestellten im Schnitt 38% mehr Gehalt als ihren weiblichen Pendants. Der Republikaner und ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten Newt Gingrich verweist in einem Interview bei Fox News auf einen Artikel von „The Daily Caller“. Das Video habe ich auf Twitter gefunden und ist ohne Ton, leider habe ich keine bessere Version im Netz gefunden.

Jetzt bin ich mal gespannt, wie Hillary Clinton weiter die These aufrechterhalten will, dass es auf Diskriminierung beruht, wenn Frauen weniger verdienen.

5:  Zum Abschluss mal wieder ein neue Comic von Jesus and Mo:

jesus_and_mo_2016-07-20

Update: Die Verlinkung auf den Cartoon hat den falschen herein gezogen. Eigentlich sollte ein anderer angezeigt werden. Habe das berichtigt.

Kurznachrichten vom 24.02.2016

1: Heute geht es fast nur um die merkwürdigen Dinge, die Feministen so fabrizieren. Los geht’s mit Julia Schramm, die in der Jungle World in einem eher wirren Pamphlet anhand der Bundeskanzlerin beweisen will, dass Frauen in Machtpositionen ihre Weiblichkeit unterdrücken müssen. Schon im dritten Satz liegt Schramm ganz kräftig daneben:

Auch menschliche Gefühle werden ihr nicht zugetraut, ­geschweige denn Irrationalität, Schwärmerei und Verliebtheit.

Da muss Schramm wohl die letzten Monate Flüchtlingsdebatte komplett verschlafen haben. Da hat man Merkel genau das vorgeworfen, was Schramm ihr nicht zugetraut sieht. Und weiter das übliche:

Sexuell aktive Frauen werden bis heute als Schlampen beschimpft. Eine Schlampe als Kanzlerin? Wenn schon eine Frau als Kanzlerin, dann bitte eine anständige!

Hier wird (wie üblich) mit einem Passiv verschleiert, wer eigentlich Frauen als Schlampen beschimpft. Ein „von Männern“ einzufügen, hat Schramm wohlweislich vermieden, denn dann wäre die Wahrheitsverdrehung zu offensichtlich. Denn die Bezeichnung „Schlampe“ kommt m.E.n. weitaus häufiger von anderen Frauen.

Sie trug damals zur Eröffnung der Oper in Oslo ein tief ausgeschnittenes Kleid und gab der ganzen Welt einen Ausblick auf ihren Busen. Tagelang köchelte der Skandal vor sich hin

Welcher Skandal? Da wurde vielleicht ein wenig diskutiert, und auch mehr so in der Yellow Press, ansonsten hat das kaum wen gejuckt. Aber Schramm ist wohl die einzige, die das als Skandal betrachtet.

Dann würde mich doch interessieren, was Schramm über Politikerinnen sagt, die ihre Weiblichkeit nicht verstecken, sondern gezielt einsetzen, wie z.B. Manuela Schwesig oder Katja Suding. Aber die sind deswegen ja auch grandios gescheitert, wie wir alle wissen. So kann das ja nichts werden mit der Karriere.

2: Wie Genderama gestern berichtete, scheint bei Fefe die rote Pille langsam zu wirken. Fefe ist normalerweise mehr linksliberal, (ehemals?) Piraten-freundlich, und als solcher findet man ja normalerweise Feminismus eher leicht unkritisch einfach super. Das scheint vorbei zu sein:

Manchmal frage ich mich ja, ob es eigentlich auch positive Aspekte am Feminismus gibt.

3: Stephanie Wurster von der ZEIT hat einem Workshop zu Sprachveränderung bei Profx Lann Hornscheidt teilgenommen. Und wiederholt dann so Schmonzenz wie:

Die Macht der Sprache ist groß. Selbst Menschen, die wenig bis keine Literatur lesen und im Internet auch nur das Kurze, wissen das, und sie haben offenbar Angst davor, dass die Sprache, so wie sie sie kennen, verändert wird. Sprache wird als quasi gottgegeben wahrgenommen. Dabei wurde sie durch viele Tausend Jahre des Patriarchats geformt.

Ja, Sprache ändert sich immer wieder evolutionär. Das ist aber was anderes, als wenn sie von oben aufgedrückt wird. Das ist dann Herrschaftssprache und immer ein Zeichen von Totalitarismus. Aber wenn man natürlich glaubt, die bisherige Sprache sei auch von oben aufgedrückt worden, ist Gendern eben Widerstand. Und wer sieht sich nicht gern als Rebell?

4: Die FAZ interviewt die Komikerin Carolin Kebekus. Die

liebt derbe Sprüche und bezahlt Männer dafür, dass sie die Drecksarbeit erledigen: So geht Feminismus!

Wenn das ein Kriterium für Feminismus ist, dann gibt’s den schon seit Jahrtausenden. Außerdem meint sie:

Kebekus

…und dass Männer gefälligst zu unterlassen haben, was Frauen nicht passt. Hat sie vergessen zu erwähnen. So viel zum Thema, dass Feminismus ja nur „Gleichberechtigung“ bedeutet. Die Passage nochmal ausführlicher:

Würden Sie sich selbst als Feministin bezeichnen?

Ja. Aber Feminismus hat so einen schlechten Ruf. Das klingt so unrasiert und ungebumst. Dabei bedeutet es doch nur, dass eine Frau machen kann, was sie will. Ich frage mich: Wie kann man kein Feminist sein? Aber es macht viele Leute aggressiv. Wir haben mal eine Sendung gemacht in „Die Anstalt“ zum Thema Feminismus. Da gab es einen Shitstorm. […]

Wie erklären Sie sich die Aufregung bei dem Thema?

Das ist mir ein Rätsel. Nach der Sendung saß ich mit dem Gastgeber Claus von Wagner zusammen, und wir waren fassungslos.

Vielleicht haben manche Männer das Gefühl, dass sie ins Hintertreffen geraten?

Nee, das glaube ich nicht, das stimmt doch auch nicht.

Ja, so ist das, wenn man glaubt, alles zu verstehen, aber in Wirklichkeit nichts versteht, weil man alles durch die Ideologiebrille sieht.

5: Zu Abwechslung was wirklich lustiges:

Fragt sich, wer da konfus ist…

Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Klingt wie: „If you claim to be an atheist and you’re not feminist, you’re absolutely confused on what atheism is.“ Eines von den Dingen, die ich noch nie verstanden habe, ist diese merkwürdige Einstellung von Leuten, dass wenn man in Thema A einer bestimmten Ansicht ist, müsste man in Thema B auch einer bestimmten Ansicht sein, obwohl beide Themen so gut wie nichts miteinander zu tun haben.

6: Dass ca. 80% der Obdachlosen von Männern gestellt werden, wissen wir hier ja. In den USA hat man sich eine besondere Methode einfallen lassen, um Obdachlosigkeit zu „verhindern“, wie Janet Bloomfield zeigt:

https://twitter.com/AndreaHardie/status/701945785273950208

7: Prostitution ist ja immer wieder ein Thema für innerfeministische Konflikte, so auch angesichts eines in der kommenden Woche in Hamburg stattfindenden Kongresses zur Sexarbeit, der vom Pro-Sexarbeit-Flügel veranstaltet wird und von der Feministischen Partei scharf angefeindet wird. Man wehrt sich gegen die Einmischung wie folgt:

Besonders besorgniserregend finde ich, dass hier unter dem Label „Feminismus“ nicht nur das Grundrecht der Forschungsfreiheit eingeschränkt werden soll sondern auch Räume abgeschafft werden, in denen sich Forscher*innen, Sozialarbeiter*innen und Sexarbeiter*innen in einem geschützten Raum austauschen können. Das halte ich persönlich aus feministischer und demokratischer Sicht höchstproblematisch. Wenn wir solche Forderungen bei Sexarbeit akzeptieren, sehe ich nicht, was in Zukunft davon abhalten soll, auch Veranstaltungen zu anderen Bereichen von Sexualität zensieren zu lassen.

Ich bin mal gespannt, wie hoch man die Forschungsfreiheit noch hält, wenn man Prof. Ulrich Kutscheras neues Buch aus feministischer Warte rezensiert. Und bei Zensur von anderen Bereichen von Sexualität denke ich als erstes an die Werbeplakat-Verordnung im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, aber das ist hier sicher nicht gemeint.

8: Der Kampf gegen die Prostitution treibt manchmal auch seltsame Blüten. In den USA gibt es eine merkwürdige Koalition aus der Homeland Security Behörde, radikalen Feministen und evangelikalen Christen, die versuchen, jede Form von Prostitution als erzwungen zu labeln. So bittet z.B. die Homeland Security Hotels, ungewöhnlichen Verbrauch von Kondomen in ihren Zimmern an die Behörde zu melden. Websites, die Anzeigen von Prostituierten schalten, werden massiv gestört, auch wenn das Werben für Sexarbeit völlig legal ist. Es werden zahlreiche Razzien veranstaltet, wobei aber Zwangsprostitution selten nachgewiesen wird und eher Mädchen unter 18 gefunden werden, die es zwar freiwillig tun, was aber in dem Alter natürlich nicht legal ist. Stattdessen werden dann die Kolleginnen im selben Etablissement mal eben wegen Menschenhandels angeklagt. So kann man die Statistiken in Sachen „sex trafficking“ natürlich auch hoch treiben. Das Video dazu:

9: Prostitution und ganz normales Dating-Verhalten haben ja so manche kleine Schnittmengen. Markus und Rachel diskutieren das Ende ihrer Beziehung und sie findet, dass Geld doch wirklich nicht so wichtig ist – solange es seines ist, das ausgegeben wird. Die Facebook-Gruppe „Das ist schmutzig, falsch und moralisch höchst verwerflich. Bin dabei.“ hat das festgehalten, aber lest selbst, was er ihr antwortet.