Vermischtes: „Unteilbar“-Demo, Frauenvolksbegehren, Gender-Pay-Gap, Blödsinn, Abtreibung

1. Großdemo „Unteilbar“ in Berlin

In Berlin haben eine viertel Million Menschen für… also bzw. gegen.. also… – ja was eigentlich genau? – demonstriert. Natürlich geht es vielen Demonstranten einfach darum, gegen die Fremdenfeindlichkeit zu protestieren, die in den letzten Jahren durch AfD und Pegida wieder in der Öffentlichkeit angekommen ist. Das ist ein aufrechtes legitimes Ziel, doch das gemäßigte Fußvolk steht in Berlin neben linken Aktivisten und Ideologen, die politische liberale, humanistische Werte für sich vereinnahmen, denen sie heute keineswegs mehr gerecht werden können. Die Mainstreammedien unterstützen die Linken dabei, indem sie deren politisches Vokabular unkritisch übernehmen. Ein paar Beispiele aus diversen FAZ und ZEIT-Artikeln, die erklären, wofür die Demo angeblich steht:

für die Offene Gesellschaft

Der linke politisch korrekte „Antirassismus“ ist heute gegen die Offene Gesellschaft – ein wichtiger liberaler Begriff, der vom Philosophen Karl Popper geprägt wurde und heute offensichtlich nicht mehr verstanden wird.

gegen Hass

  1. Hass kann auch berechtigt sein, weshalb es unsinnig ist, ganz allgemein „gegen Hass“ oder „für Liebe“ zu demonstrieren. Das ist inhaltsleerer Kindergarten.
  2. Die heutige Linke ist alles, nur nicht frei von Hass.

gegen die Spaltung der Gesellschaft und gegen Rassismus

Wer die Welt in die bösen „Rassisten“ und die guten „Antirassisten“ einteilt und der anderen politischen Seite nur mit Ignoranz und Vorverurteilung begegnet und wer darüber hinaus z.B. Weiße gegen „People of Colour“ (oder Frauen gegen Männer) ausspielt, der ist es, der die Gesellschaft spaltet.

für bunt statt braun

  1. Ihr seid nicht „bunt“, ihr seid rot. Meinungspluralismus (bunt) ist etwas wofür die heutige Linke so gar nicht steht – schon gar nicht in der Flüchtlingsfrage.
  2. Eure Gegner sind längst nicht alle Nazis (braun). Das ist wieder die alte Vorverurteilung. Wann versteht die Neue Linke endlich, dass sie ihre Gegner nicht einfach mit den Braunhemden der SA gleichsetzen kann!

gegen rechts

Das alte Feindbild, das der Tabuisierung aller Meinungen, die gegen links sind, dienen soll – sich also grundsätzlich auch gegen Feminismuskritiker richtet. Hierzu ein Auszug aus einem vorangegangenen Artikel von mir:

Der identitätspolitische Kampf „gegen rechts“ – Der undemokratische Kult um ein Tabuwort

Natürlich kann man gerne gegen eine beliebige rechte Position sein, aber dann nenne man diese doch bitte beim Namen und erkläre warum man sie ablehnt; anstatt dass man einfach in einem Akt kollektiver Selbstvergewisserung klar stellt, dass man irgendwie gegen rechts ist. Dieses Bekenntnis ist keine Argumentation sondern reine identitäre Abgrenzung im Sinne eines Lagerdenkens.

 

Das Problem ist nun – ich möchte es nochmal wiederholen – nicht, dass sich Bürger gegen Islamhass und Fremdenfeindlichkeit einsetzen, sondern das Problem ist, dass sie sich dabei von linker Ideologie vereinnahmen lassen und sich mit Politikern und Aktivisten gemein machen, deren Verhältnis zur freiheitlichen Demokratie höchst zweifelhaft ist. Damit machen sie ihren Protest unglaubwürdig und tragen zur Abschottung der Lager bei. Und das zweite Problem ist, dass die unkritische Berichterstattung dies unterstützt. Für die Geschlechterfrage ist dies von Belang, weil die Front gegen rechts selbstverständlich auch gegen Feminismuskritiker instrumentalisiert werden wird, auch wenn dies von den meisten Teilnehmern solcher Demos nicht intendiert sein dürfte.

 

2. „Frauenvolksbegehren“ in Österreich

Die FAZ interviewt Lena Jäger, Projektleiterin des „Frauenvolksbegehrens“ in Österreich. Diese glänzt in ihren Antworten mit Widersprüchen und unsinnigen Erklärungen, die äußerst bescheidene Kenntnisse von Politik, Gesellschaft und dem eigenen Tun offenbaren. Wer sich den Quark durchlesen möchte, kann das hier tun. Viel wichtiger ist jedoch, in die Forderungen des Volksbegehrens einzusteigen, die in dem Interview viel zu kurz kommen. Der Forderungskatalog ist lang; ich versuche es mal runterzubrechen:

  • 50%-Zwangsquoten für die gesamte Gesellschaft, einschließlich des politischen Betriebs (Einschränkung der Demokratie)
  • umfassende Zensur- und Umerziehungsmaßnahmen (Werbung, Bildungseinrichtungen) gegen alles was nicht genderkorrekt ist
  • staatliche Förderung feministischer Medienberichterstattung (institutionalisierte politische Beeinflussung der Medien)
  • „Volle Lohntranzparenz“ und tiefe Eingriffe in marktwirtschaftliche Lohnentwicklung
  • Verpflichtung von privaten Unternehmen zu Gleichstellungsmaßnahmen
  • 30h-Woche für alle (damit soll die geschlechtliche Aufgabenverteilung irgendwie abgeschafft werden)
  • mehr Unterhaltskram für Alleinerziehende (davon hab ich Gott sei Dank keine Ahnung)
  • Rechtsanspruch auf kostenlose öffentliche Vollzeit-Kinderbetreuung bis 14 Jahre (!)
  • komplett steuerfinanzierte Verhütungsmittel und Abtreibungen (in allen Krankenanstalten)
  • mehr Frauenhäuser
  • geschlechtergetrennte Unterbringung von Flüchtlingen (auch Ehepartner scheinen mitgemeint zu sein)

 

Knapp eine halbe Million Österreicher hat sich für diesen antidemokratischen und freiheitsfeindlichen, prüden und männerverachtenden Scheiß begeistern können und hat das Volksbegehren unterschrieben. Viele haben wahrscheinlich nur „Frauen“ gelesen und ihren Stempel drunter gesetzt.

 

3. Pay Gap in MINT-Branche

Die FAZ berichtet über den GPG in MINT-Berufen fast ohne femi-Moralisierung. Die gemessenen Werte sind relativ hoch. Die Überschrift „Was Frauen verdienen und Männer bekommen“ ist wohl als Unterstellung zu verstehen, dass Männer das bekommen würden, was eigentlich Frauen erarbeitet haben. Weiter heißt es dann im Artikel, Frauen verdienten „zu wenig“. Diese Wertung, die eine Ungerechtigkeit suggeriert, ist eigentlich hinfällig, wo am Ende des Artikels doch zugegeben wird, dass

allerdings der unbereinigte Wert wenig aus[sage], da die Analysten unterschiedliche Stellenprofile miteinander verglichen. Um eine exakte Aussage bezüglich der Entgeltlücke treffen zu können, müsse der Wert nach vielen Parametern bereinigt werden. In ihrer Auswertung seien lediglich der Beruf, die Personalverantwortung sowie das Studienfach berücksichtigt worden.

 

4. ZEIT: Frauenbewegung von Problemen entfremdet, zerstritten und unverständlich – aber trotzdem voll wichtig

Bei Zeit Online gibt es die feministische Rubrik „10 nach 8“, deren Artikel auf der Blödsinn-Skala von 1 bis 10 meistens im Mittelfeld liegen. So auch der neue „10 nach 8“-Artikel von Caroline Rosales, die sich als „ganz gewöhnliche Frau“ vorstellt. Wie das ganz gewöhnliche Frauen so machen, besucht sie feministische Lesezirkel und versucht, sich so weit wie möglich feministisch korrekt zu verhalten. Doch die intellektuellen Diskurse sind ihr zu hoch und die unterschiedlichen Ansichten darüber, wie sich die moderne Frau zu verhalten hat, setzen ihr zu. Anscheinend schafft sie es nicht, nach ihren eigenen Überzeugungen zu denken und zu handeln und macht sich lieber von anderen abhängig. Folgerichtig beklagt sie daher die akademische Abgehobenheit und die Grabenkämpfe innerhalb der Bewegung. Nun versucht sie aber diese Meinungsverschiedenheiten und ihren theoretischen Unterbau zu ignorieren und Einigkeit zu beschwören, damit den „ganz gewöhnlichen Frauen“ endlich geholfen werden kann. Was diese vereinten feministischen Kräfte inhaltlich leisten sollen, weiß die Autorin aber auch nicht so genau. Das einzige handfeste, was ihr hier einfällt ist die Abschaffung von §219a (Verbot der Werbung für Abtreibung). Ansonsten noch irgendwas gegen „Mutterbild“ und Kleinfamilie und dann soll noch irgendeine neue Partei gegründet werden. Na, da werden sich die gewöhnlichen Frauen aber freuen. ;D

In Wirklichkeit geht es mal wieder nur um das gar furchtbarste Übel für die Sache der Frau: Dass die bösen Rechten in der Frauenfrage mitreden und den Feminismus kapern. Also heißt es mal wieder: gegen rechts – egal warum.

Denn während wir Frauen uns selbst kannibalisieren, haben ausgerechnet populistische rechte Parteien das Thema Feminismus für sich entdeckt. Die AfD in Deutschland, der Rassemblement National (RN) in Frankreich, die Trumps (insbesondere Ivanka) schmücken sich mit dem Wort, instrumentalisieren es […]

Merkt die Autorin nicht, dass sie damit die beklagten Grabenkämpfe einfach nur nach rechts verlagert und geht es ihr wirklich nur um die Belange der „ganz gewöhnlichen Frauen“ oder doch nicht vielmehr um die eigene linke Diskurshoheit, von der andere Frauen überhaupt nichts haben?

 

5. ZEIT: Abtreibungsfrage

Feministen tun zur Zeit so, als würden die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden, weil es in Deutschland ein Werbeverbot für Abtreibung gibt. Die Zeit berichtet jedoch ausgewogen und unaufgeregt (Daumen hoch!).

§219a hat den Zweck zu verhindern, dass Abtreibung als etwas normales unbedenkliches gehandhabt wird. Man muss nicht so weit gehen, Abtreibung als „Mord“ zu bezeichnen, aber es handelt sich nun mal um etwas, was in diese Richtung geht, unter Umständen eine Straftat darstellt und daher nicht öffentlich normalisiert werden sollte. Daher finde ich den Gedanken von §219a grundsätzlich richtig. Ein Verbot, über Schwangerschaftsabbruch nur zu informieren, halte ich jedoch für falsch. Hier gibt es auch verfassungsrechtliche Bedenken. Die ZEIT berichtet von einem problematischen Gerichtsurteil diesbezüglich. Ein zweiter Artikel zu dem Thema lässt die AfD-Politikerin Beatrix von Storch zu Wort kommen, die §219a verteidigt:

„Was rechtswidrig ist, darf nicht beworben werden“, sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Abtreibung ist kein Menschenrecht.“ Sie wünsche sich stattdessen eine „Willkommenskultur für Kinder“.

 

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Kurznachrichten vom 03.11.2017

1: Die Saarbrücker Zeitung berichtet über zwei Männer aus unterschiedlichen Herkünften, die unter ihrer Beschneidung leiden und diese deshalb bei ihren Söhnen unterlassen, aber sich auch darüberhinaus für ein Verbot von Jungenbeschneidung  beim Verein Mogis einsetzen.

2: Die Mädchenmannschaft feierte ihr 10jähriges Jubiläum. Anlässlich dessen hat Magda Albrecht einen persönlichen Rückblick geschrieben.

Was hat das Schreiben, Shitstormen und Diskutieren eigentlich gebracht? In letzter Zeit bin ich oftmals zynisch und denke: Alles schon gesagt, analysiert, kritisiert. Und trotzdem verändert sich die – pardon – Gesamtscheiße nicht wirklich. Oder besser gesagt: zu langsam. Gesellschaftliche Veränderung kann mit Breitbandgeschwindigkeit nicht mithalten. […]

Ich war sehr stark vom bildungsbürgerlichen Glauben motiviert, dass Diskussion und die „richtigen“ Argumente schon ausreichen, um Menschen von der Wichtigkeit feministischer Perspektiven zu überzeugen.

Also, ich vermute, bei einigen Autoren und Lesern dieses Blogs hier wird das auch nichts mehr. Selbst von etwas überzeugt sein, reicht eben nicht, um andere zu überzeugen, und vielleicht hat man auch einfach nicht die richtigen Argumente.

3: Mit diesen oder zumindest ähnlichen Argumenten haben Studenten der Gender Studies in Bochum das Plakat der Fachschaft Chemie für deren Party als sexistisch inkriminiert. Darauf trinken Frauen aus Reagenzgläsern, die eindeutig als Phallussymbole identifiziert wurden.

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Danisch hat’s gefunden, hier gibt’s den Anreißer und auch der volle Artikel ist lesenswert. Anlässlich dieses Vorfalls wurde ein Arbeitskreis der FachschaftsvertreterInnenkonferenz (FSVK) gegründet, der sich der Erarbeitung von möglichen Leitlinien für die Werbung an der Ruhr-Uni Bochum (RUB) widmet.

Der Arbeitskreis traf sich das erste Mal im August und wurde vor allem von VertreterInnen des FSR Chemie und Biochemie sowie des FSR Gender Studies besucht. Der Fokus der Gruppendiskussion lag bei mehreren Treffen auf besagtem Plakat mit den Reagenzgläsern, das von KritikerInnen als pornographische Cumshot-Anspielung interpretiert worden war, während die ChemikerInnen von dieser geschilderten, von ihnen unbeabsichtigten Assoziation überrascht waren. Sie hätten dieses Element des Plakatdesigns lediglich wegen dem bei der Party praktizierten Alkoholtrinken aus Reagenzgläsern gewählt sowie im Zuge ihres Gesamtkonzepts des optischen Anspielens an chemische Gefahrensymbole. […]

Doch auch nach der Klärung der Missverständnisse ging die Diskussion zum Plakat weiter, vor allem wegen der Frauensilhouette an sich, welche Jan Nastke vom FSR Gender Studies als charakteristische Darstellung einer Stripperin analysierte – und dementsprechend als für eine Party unpassendes Suggerieren sexueller weiblicher Verfügbarkeit.

Wisst Ihr, was sich mir da für ein Eindruck aufdrängt? Die blühendsten sexuellen Phantasien scheinen hier offensichtlich die Leutchen aus den Gender Studies zu haben, während die Chemiker eher arglos waren. Sagt mal, wie sieht so ein Studium in Gender eigentlich aus? Gucken die Pornos in den Seminaren und zur Exkursion geht’s dann in Table-Dance-Bars oder gleich ins Bordell? Ich meine, woher haben die dieses Fachwissen? Warum werben die damit nicht offensiver? Das würde doch sicher noch mehr Interesse für diesen Studiengang wecken, vor allem endlich auch mal bei Männern!

Irgendwie erinnert mich das an einen alten Witz: Die Polizei wird zu einer alten Dame gerufen. Sie sagt zum Polizisten: „Herr Wachtmeister, kommen sie schnell! Drüben im Haus gegenüber treiben zwei in aller Öffentlichkeit Unzucht!“ Der Polizist lässt sich zum Fenster führen, schaut hinaus und meint: „Hmm, ich sehe aber gar nichts.“ Meint die alte Dame: „Ja, sie müssen schon auf den Stuhl steigen und durchs Oberlicht sehen!“

Die Gender Studies-Leutchen, die sind wie diese Omi.

4: Achtung, harter Umschwung: Eine Frau will ihren Ehemann vergiften, vergiftet dabei aber versehentlich 27 Menschen, 17 davon tödlich. Klingt nach diesem Satz nach klassischer toxischer Weiblichkeit, aber so einfach ist es nicht. Die Frau wurde nämlich erst wenige Wochen vorher zwangsverheiratet und hatte bereits einen Geliebten, was ihre Eltern aber nicht interessiert hat. Das ist eine ganz bittere, traurige Geschichte und ich tue mir schwer, mir ein Urteil zu erlauben. Vielleicht hat sie wenigstens etwas Gutes und sie hilft mit, andere von Zwangsheiraten abzuschrecken. Aber viel Hoffnung habe ich nicht.

5: Die nächste Geschichte ist auch traurig, aber gleichzeitig so absurd, dass man sie Buzzfeed-mäßig ankündigen kann: Eine Frau treibt ihr Kind ab – und den Grund dafür werdet ihr kaum glauben!

Update: Das ist Satire, der ich wohl aufgesessen bin, wie unten in den Kommentaren berichtigt wird. Heutzutage passieren so viele bescheuerte Dinge, dass ich das für plausibel gehalten habe.

6: Und nochmal wird es ganz übel. Ein ägyptischer Anwalt sagt in einer TV-Diskussion,

dass es eine „nationale Pflicht“ sei, Frauen zu vergewaltigen, die zerrissene Jeans tragen. Er verteidigte seine Aussage damit, dass Frauen mit solch freizügiger Kleidung Männer buchstäblich dazu einladen würden, sie zu belästigen.

Die Aussage des Anwalts sorgte in Ägypten für einen Aufschrei.

Hierzulande natürlich nicht. Ich habe von unseren Feministinnen noch keinen Ton zu der Angelegenheit gehört, dabei ist die Geschichte auch schon ein paar Tage alt. Kein Wunder, das ist ja auch lange nicht so schlimm, als wenn ein weißer Mann ein Kompliment macht.

Fundstück: Feministische Regierung beugt sich Kleiderordnung im Iran

Da war ja neulich etwas los in den sozialen Medien! Ein Foto machte die Runde, auf dem Donald Trump nur mit anderen Männern zu sehen war. Angeblich entschieden „ausschließlich Männer darüber, was Frauen mit ihrem Körper machen dürften“. Klartext: Der US-Präsident strich Organisationen die Unterstützung, wenn diese Abtreibungen durchführten oder nur darüber informierten. Dass immer 42% aller weiblichen Wähler, die ihre Stimme abgegeben haben, für ihn gestimmt haben, dass Frauen kritischer gegenüber Abtreibungen sind als Männer – was machen sollte Fakten schon aus, wenn es um das Narrativ des Geschlechterkrieges geht. (Wenn es darum geht, dass ein Geschlecht willkürlich über das körperliche Wohlergehen des anderen verfügen kann: Dürften dann Frauen nicht über Krieg und Frieden entscheiden, zumal die überwiegende Mehrheit der Soldaten männlich ist?)

Die schiefen Vergleiche ließen nicht lange auf sich warten („Frauen beschließen, dass Männer nicht mehr masturbieren dürfen“), die schwedische Regierung zog jedoch alle Register, posierte ähnlich wie Trump und seine Untergebenen und gab bekannt, feministisch zu sein. Und jetzt kommt’s: Was machten Mitglieder derselben Regierung, die vorher noch lauthals den Einsatz für Gleichberechtigung verkündet hatte, als sie in den Iran reisten? Genau, sich den dortigen Kleidervorschriften fügen!
Anspruch und Wirklichkeit klaffen gerade bei der Begegnung von Außenpolitik und Beharren auf Menschenrechten immer auseinander. Da sind Frauen eben nicht anders als Männer und errichten keineswegs „die menschliche Gesellschaft„.

Aber die Schere im Kopf, zu Hause ordentlich Gratismut zu haben und sich dann, wenn mal Gelegenheit wäre, Haltung zu zeigen, so unterzuordnen, ist schon beachtlich. Leider ist das mit den schlimmsten Vorurteilen über Feministinnen vereinbar: Dass diese nämlich nur unter Menschen aus liberal-westlicher Sozialisation stark sind, gegenüber prämodernen Gruppen jedoch einknicken. Die schwedische Regierung hat echter Gleichberechtigung hier einen Bärendienst erwiesen.

Doch es geht erfreulicherweise auch ganz anders: Via Alex in einem Kommentar bei Alles Evolution wurde ich auf Nazi Paikidze (schöner Scherz über den eigenen Namen!) aufmerksam gemacht, die „die Schachweltmeisterschaft im Iran wegen Kopftuchzwang boykottiert hat.“ Und da ist sie nicht die einzige! Respekt vor diesen jungen Damen, die persönliche Nachteile dafür in Kauf nehmen, Einschränkungen individueller Rechte nicht hinzunehmen.

Zur Tradition, im Umgang mit autoritären Staaten gerne mal etwas nachsichtig zu sein, was Menschenrechte angeht, finde ich folgende beiden Artikel aus dem vergangenen Jahr sehr treffend:
Saudi-Arabien-Besuch: Außenminister Steinmeier wohnt landestypischer Enthauptung bei
Respekt vor westlichen Gepflogenheiten: Iran begrüßte Steinmeier mit Porno-Werbung und nackten Brüsten

Aktualisierung: Alles Evolution zum selben Thema

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Das war kein Meisterstück, Schweden…

Uschi Ischmeier: Jenseits von Schweden

Fundstück: „Die Prä-Personen“ von Philip K. Dick

Dirk M. Jürgens (DMJ) erwähnte bei Alles Evolution Philip K. Dicks Geschichte „Die Prä-Personen“ (The Pre-persons). Der äußerst erfolgreiche Science-Fiction-Autor, dessen Werke als Vorlagen für zahlreiche Filme verwendet wurden, lieferte damit Anfang der 1970er Jahre einen Beitrag zur Abtreibungsdebatte.

In der Geschichte sind postnatale Abtreibungen erlaubt, Begründung: Kinder seien ja noch keine ganzen Menschen. Eine Seele bekommen sie erst ab dem Alter von 12, weil sie dann in der Lage sind, Mathematikaufgaben von einer gewissen Komplexität zu lösen, was als Beweis für ihren Geist gilt.

Dick zog sich damit den „absoluten Hass“ von Joanna Russ zu. Dabei drehen sich viele seiner Geschichten um die Frage, was wirklich ist, und von der Frage „Ab wann ist es ein Mensch?“ zu „Was ist menschlich?“ (siehe etwa „Blade Runner„) ist es nicht weit.

Zu den Reaktionen auf die Geschichte siehe auch die Kommentare des Autors in diversen Ausgaben. Ein längerer Blogeintrag enthält eine Zusammenfassung und Analyse.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei Blade Runner muss ich natürlich sofort an die Musik von Vangelis denken.

Vangelis: Blade Runner Blues

Kurznachrichten vom 01.03.2016

 

1: Unter der Rubrik „Kurz gelacht“ berichtet der STERN, der SPIEGEL ebenfalls:

Frau würgt Mann nach schlechtem One-Night-Stand

Es hätte eine aufregende Nacht werden können, endete aber in einer handfesten Prügelei: Weil sich eine 18-Jährige von ihrer neuen Bekanntschaft sexuell enttäuscht fühlte, wurde sie gewalttätig.

Mit einem handfesten Streit und zwei Anzeigen ist ein Flirt in München zu Ende gegangen. Nach Angaben der Polizei vom Montag waren sich am Wochenende in einer Bar eine junge Frau und ein junger Mann nähergekommen. Zu später Stunde suchten die beiden die Wohnung des 17-Jährigen auf, doch das Schäferstündchen endete wenig erfüllend. Als sich die 18-Jährige sexuell enttäuscht fühlte, bewarf sie den 17-Jährigen den Angaben zufolge mit Gegenständen, dann kratzte, biss und würgte sie ihn. Der junge Mann wehrte sich, wodurch die 18-Jährige ebenfalls verletzt wurde. Auf die Frau warten nun Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, gegen den 17-Jährigen lautet der Vorwurf auf einfache Körperverletzung.

Soweit kommts noch, dass ein Mann sich gegen eine gewalttätige Frau wehren darf, ohne der Körperverletzung bezichtigt zu werden.

Und gleich noch eine andere Geschichte im selben Artikel:

Frau will Friseur wegen Frisur erschießen

Weil sie mit ihrer neuen Haarpracht mehr als unzufrieden war, hat eine Frau in San Diego versucht, ihren Friseur zu erschießen. Die 29-jährige Kundin habe nach dem Haarschnitt empört den Salon im kalifornischen San Diego verlassen und sei mit einer Waffe wieder zurückgekehrt, teilte die Polizei mit. Drei Mal habe sie mit der geladenen Pistole auf den Friseur gezielt und abgedrückt, die Waffe habe aber jedes Mal blockiert. Der Friseur und ein anderer Anwesender im Salon hätten die Frau schließlich überwältigt und festgehalten, bis die Polizei eingetroffen sei. Ihr droht nun ein Verfahren wegen versuchten Mordes.

So richtig zum Schießen, diese lustigen Frauen…

Wäre es andersrum, d.h. in den Geschichten die Männer die Täter und die Frauen die Opfer, wäre beim STERN schnell schluss mit lustig.

2: Wo wir gerade beim sanften Geschlecht sind, hat der SPIEGEL noch eine weitere Geschichte auf Lager:

Die Polizei hat in Moskau eine Frau festgenommen, die mit dem abgetrennten Kopf eines Kindes unterwegs gewesen war. […] Die Verhaftete soll Medienberichten zufolge die Kinderfrau des Opfers sein. Ihr wird vorgeworfen, das Kind getötet und anschließend das Appartement der Eltern in Brand gesteckt zu haben.

BILD will da noch mehr herausgefunden haben, und zwar einen islamistischen Hintergrund. Wenn ich mir das so durchlese, scheint da wohl mehr eine massive psychische Störung vorzuliegen. Wobei die Übergänge vom Islamismus dahin ja eher fließend sind.

3: heute.de erinnert an einen merkwürdigen Brauch aus Großbritannien, wo Königin Margaret von Schottland 1288 ein Gesetz erließ, wonach es Frauen am 29. Februar gestattet war, Heiratsanträge zu stellen und Männer sogar eine Strafe zahlen mussten, wenn sie diese ablehnten. Da bin ich ja mal froh, dass ich heute für vier Jahre wieder Ruhe habe… 😉

4: Ein Gericht in Madrid hat die Verleumdungsklage einer feministischen Gruppe gegen Bischof Juan Antonio Reig Pla abgewiesen. Der Bischof hatte die Abtreibung mit dem Holocaust verglichen. Das Gericht hielt diese Ansicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. M.E. ist die Ansicht des Bischofs zwar abgrundtief dämlich, die Entscheidung des Gerichts aber dennoch richtig.

5: Palina Rojinski und Olli Schulz feiern den Mann mit Bauch:

 

Ich wurde abgetrieben!

Es folgt ein Gastartikel von Emannzer. Vielen Dank!

Ein ziemlich persönlicher Beitrag, der viel in der ich-Form geschrieben sein wird. Einer, der mancher egozentrisch anmuten könnte und dennoch mal das beschreibt, was jeden Tag in diesem Land passiert.

Genetik bedeuted, dass zwei Menschen sich sexuell vereinigen und etwas Neues daraus entsteht. Diese Vererbungslehre bedeutet aber aber ebenfalls, dass aus dem natürlichen Prozess von „Mutation und Selektion“ etwas evolutionionäres entsteht. Quasi eine Art ‚Unsterblichkeit‘ auf begrenzte Zeit, denn mit jeder Generation halbiert sich potenziernd die Wahrscheinlichkeit, in seinen Enkelskindern weiter zu leben.

Aber das soll hier nicht das Thema sein und es geht auch nicht um irgendwelche Diskussionen oder abgehobenen Beiträge zum Thema „Sozialisation“ oder ähnlichem.

Es geht schlicht und einfach um einfach um das hier:

Abtreibung

Die etwas dramatisch wirkende Überschrift oben, mag polarisierend klingen – so man denn den einleitenden Text nicht verstanden hat. Aber er ist es nicht im Kontext der Fortpflanzung – und ich stellte im Laufe meines Lebens fest, dass es ausgeblendete Grauzonen in der Gesellschaft gibt, die bis heute kaum einer Betrachtung wert waren, denn „ihr Bauch gehört ihr“. Ist dem wirklich so, oder reden wir von einer Gruppe Narzisstinnen, die sich nabelzentriert nur um sich selbst dreht und dabei vergisst, dass es immer zwei Seiten gibt.

Der Auslöser zu diesem Thema war ein Beitrag von Graublau hier und es ging um das Thema „Sexuelle Selbstverantortung und Fortpflanzung“, sinngemäß. Daraus entspann sich eine Diskussion, welche u.a. im Thema Abtreibung mündete. Und diese hatte, bei bestimmten Menschen, immer den gleichen Grundtenor: Die Mutter trägt das Risiko, der Vater hatte seinen Spaß und sollte diesbezüglich auch nichts zu melden haben.

Dies ist nun stark ‚abstrahiert‘, stellt aber dar, wo ein Vater-in-spe steht – und wo sich eine Mutter-in-spe zu wähnen scheint: „Eine links, eine rechts und einen fallen lassen“ (es geht ums Stricken)

Irgendwann platzte mir der Kragen und ich brachte mich um eine Nacht, in einer hitzigen Diskussion, welche u.a. so (und nicht direkt) kommentiert wurde:

Beim Thema Abtreibung gibt es überhaupt keinen maskulistischen Konsens und keine Forderungen, sondern lediglich Vorschläge wie dass Väter ihren Widerspruch zumindest offiziell festhalten können und im Fall einer Traumatisierung aufgrund ihrer Machtlosigkeit, bei der Tötung ihres Nachwuchses kein Einspruchsrecht zu haben, bessere therapeutische Hilfe erhalten sollten.

Was passiert in diesen und zahllosen anderen Fällen? Feministinnen führen sich in einer unfassbaren Weise auf und steigern sich in die schrillste Empörung hinein, weil Männer ihren diversen Behauptungen und Wünschen überhaupt noch zu widersprechen wagen, statt bei all diesen Fragen ausschließlich radikalfeministische Maßstäbe gelten zu lassen. Diese „Empörung“ erinnert regelmäßig an die Tobsuchtsanfälle von Vierjährigen“

Bevor ich dieses Zitat auf Genderama las, hat mich diese unglaublich ‚emanzipierte‘ Diskussion; nebst einer Argumentation auf selbstfixierter Ebene derartig ‚getriggert‘ und ‚gespoilert‘, dass ich in nachtschlafender Zeit das Folgende schrieb:

Die Frau, die ich mal liebte wurde schwanger – und hat abgetrieben. Es war sicherlich nicht einfach für sie – aber ebenso sicher fehlte jede persönliche und gesellschaftliche Empathie dafür, wie sich der Partner dabei fühlt und was er gerne gewünscht hätte.

Und dieses auch auf eigenes finanzielles Risiko, ohne Regressansprüche, durchzuziehen bereit wäre. Der Name des Kindes hätte (so ein Junge) Julian gelautet – auch wenn er jurististisch nur ein Es bis dato war. Nun liegt der fiktive “er” auf dem Komposthaufen ungelebter Geschichte.

Tja, das ist lange her, seit es mir passiert ist (bzw. ich erleben musste). Hier also nun die Geschichte hinter der Geschichte und ich hoffe, die lange Einleitung hat, bis jetzt, noch niemanden zum Einschlafen gebracht.

Es ist eine kleine Geschichte der Zeit, unter der Männer heutzutage sozialisiert werden, aufwachsen müssem und mit deren Nebenwirkungen sie halt zu leben haben – bzw. zu leben lernen müssen, in diesem Zeitalter einer ‚Selbstbestimmung‘. Es ist die Geschichte eines Vaters in spe, welcher mitabgetrieben wurde und das Selbstbestimmungsrecht über sein Erbgut verlor:

Mein Name war Julian

Niemand kennt mich, niemand nimmt Notiz von mir und niemand nimmt mich wahr – denn ich existiere nicht und werde es auch niemals tun.

Denn ich war ein „Zellklumpen“, juristisch ein Ding und neuronal noch nicht ausgebildet. Und ich war zur falschen Zeit wohl falschen Ort.

Es war ein schöner Vorsommertag, als ich mit meiner Freundin Konstanze in einem Park spazieren ging. Händchenhaltend und verliebt gingen wir also spazieren und anschließend ins näheste Café. Ein traumhafter Tag also.

Während wir Kaffeer tranken, uns übereinander freuten, den späten Frühling genossen, da kam es dann plötzlich:

„Ich bin schwanger“

Und mein Herz machte (tatsächlich) einen Aussetzer vor Freude, und froher Erwartung, sodass ich anfangs gar nicht den ernsthaften Ausdruck in ihrem Gesicht bemerkte. Erst viele Sekunden später bemerkte ich diesen auch.

Und mir wurde kalt und klamm ums Herz, denn ich ahnte, was wohl anschließend folgen wird. Meine diesbezügliche Intutition wurde auch nicht ‚enttäuscht‘:

„Ich werde abtreiben“

In ihem Gesicht las ich die gleiche Verzweiflung, welche mich im selben Moment überkam und ich fragte nach dem Grund. Die Antwort hatte nichts uns zu tun, sondern mit ihrem (fehlgeschlagenem) Unternehmertum dahinter (was aber auch nicht weiter zum Thema beiträgt i.Ü.)

Mich übermannten Gefühle einer völligen Verzweifelung, der bizarren Vorstellung es ihr auszureden und der stillen Hoffnung, das es dennoch nicht soweit kommen wird, wie prophezeit.

Und da diese Frau mich liebte, wie ich sie eben auch, war es eben auch für sie wohl nicht einfach, da eher der introvertierte Typ auf exaltierte Art. Um ehrlich zu bleiben, sie hat wohl auch mit sich gerungen.

Und was waren meine Optionen?

Nun, sie waren klitzeklein. Sozialisiert, wie man als Mann heutzutage zu sein hat, ergab ich mich meinem Schicksal, das eines ungeborenen Kindes zu ebengleichen werden sollt. Ich sagte:

„Ja – ich freue mich auf unser Kind“ und gleichzeitig „Ja, ich respektiere deine Entscheidung“ (was ich auch tat – und ‚was anderes hätte ich auch tun können, in diesem Land).

Um nicht missverstanden zu werden: Sie kämpfte mit sich selbst und wusste sogar das Sternzeichen , welches sie recherchiet hat. Sie machte es sich also auch nicht einfach. So rungen wir mitenander und wurden uns nicht einig.

Die Realität ist grausam

Das sind nicht meine Worte, sondern die von der Frau, welche ich mal liebte. Sie nannte diese im Zusammenhang mit der vorgeschriebenen Ultraschall-Untersuchung und meinte, dass es weh tut, einen Herzschlag sehen zu können; den man noch niemals gesehen hat.

Ich biss damals die Zähne aufeinander und fragte dennoch, warum wir diesen Puls nicht am Leben halten können. Es gab niemals eine Antwort darauf.

Und weil ein ‚Unglück‘ wohl selten allein kommt, kam am Tag vor dem Abort eine Dokumentation über das werdende Leben.

Niemals werde ich vergessen, wie ich in diesem Moment Rotz und Wasser heulte und die Ex mit starren Augen (ohne erkennbare Gefühlsregung auf den Monitor starrte). Vielleicht begriff ich in diesem Moment:

Realität ist kein Ponyhof.

Wie auch immer, am nächsten Tag stand die Abtreibung an. Und Ex kämpfte damit, auch wenn ich solche Fragen wie „sollen wir das wirklich tun“ schon etwas schräg empfinde, im Kontext der Optionen.

Es hat sehr weh getan!

Einige Stunden später war es vorbei. Schluss, Aus, Feierabend! ES war weg und ich fix und fertig. Das war schlimm, noch schlimmer empfand ich allerdings dieses hier:

  • „Es war mein Problem – nicht deins!“

Soweit also das persönlichste, was ich bereit bin im WWW von mir preis zu geben und ich denke, jeder Blog, Kommentar oder Thread hat so seine eigene Geschichte. Mutatiom und Selektion halt. Auch zu Zeiten einer Christi Geburt aka Weihnacht.