Geschlechterstereotype in Abgrenzung zu Vermutungen aufgrund von Wahrscheinlichkeiten

Es folgt ein Gastartikel, der unter dem Pseudonym Rotterdam eingereicht worden ist. Ursprünglich war es ein Kommentar zum Artikel „It’s just marketing, stupid!„.

Unter Feministen neuerer Schule – auch unter denen moderater Ausprägung – scheint es Konsens zu sein, dass die vornehmste Aufgabe der Bewegung derzeit darin besteht, Geschlechterklischees und Rollenstereotype aufzubrechen und somit allen Menschen zu einem freieren, weniger beengten, selbstbestimmteren Leben zu verhelfen.

Das ist ein hehres Ziel. Zumindest wäre es das, beschränkten sich die Bemühungen darauf, das Angebot an validen Rollenbildern zu erweitern und dem Individuum so mehr Auswahlmöglichkeiten bereit zu stellen.

Nun scheint sich innerhalb feministischer Zirkel aber darüber hinaus eine Ansicht durchgesetzt zu haben, die tradierte Rollenbilder als defizitär betrachtet und die damit einhergehenden Perspektiven auf Mann und Frau als schädlich betrachtet – und zwar sowohl für die Entwicklung der Gesellschaft insgesamt, als auch für die persönliche Entwicklung ihrer Mitglieder. Folgerichtig müssten diese Stereotype nun also geächtet und soweit wie möglich aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden, auf dass der neue Mensche von ihnen befreit werden möge.

Eine freie Entscheidung wird den Menschen dabei nicht mehr zugebilligt. Wer klassische Rollenmodelle für seinen Lebensentwurf präferiert, der ist dieser Ansicht nach entweder gehirngewaschen (das Stockholm-Syndrom des Hausmütterchens) oder Teil der Unterdrückungsstruktur (der ewiggestrige Macho, der seine Privilegien nicht aufgeben will). Eine freie Entscheidung ist nur dann eine solche, wenn für diejenige Entscheidungsmöglichkeit optiert wird, die der Feminist präferiert.

Damit werden alte Zwänge aber schlicht durch neue ersetzt. Den alten Geschlechterstereotypen werden neue Rollenzwänge entgegengesetzt, die mitunter aber gar nicht mit den Präferenzen vieler Menschen vereinbar sind. Denn wie es der Autor dieses Artikels so schön ausgedrückt hat, existieren viele (nicht alle!) Geschlechterstereotype, weil sie der “gegenwärtigen überwiegenden Realität [entsprechen]“.

Damit aber ist klar, dass das moralisch fragwürdige Projekt der Umerziehung der Menschen hin zu einem genehmeren Rollenverständnis von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Da geschlechterstereotypes Verhalten zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil seinen Ursprung in biologischen Dispositionen hat, wird sich dieses innerhalb unserer Lebenszeit schlicht nicht ausmerzen lassen, selbst wenn man es wollte.

Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Gendertheoretiker insofern recht haben, als dass der Unterschied zwischen Mann und Frau nicht essentialistisch gelesen werden darf und die Unterschiede in vielerlei Hinsicht fließend sind. Die Verschiedenheit von Mann und Frau äußert sich oft lediglich in statistischen Häufungen, die Rückschlüsse auf das jeweilige Individuum in vielen Fällen unzulässig machen. Dass es mehr Mädchen gibt als Jungen, die gern mit Puppen spielen, bedeutet nicht, dass es keine Mädchen gäbe, die ungern mit Puppen spielen oder dass es keine Jungen mit Vorliebe für Puppen gäbe. Menschen, deren Verhalten derart vom Gängigen und Üblichen abweicht, sind deswegen keineswegs defizitär, unnatürlich oder weniger werthaft als Menschen, deren Verhalten eher der Norm entspricht. Das klar zu machen ist durchaus wichtig.

In einer freien Gesellschaft sollte ein Rollenmodell stets nur ein Angebot sein und Konformitätszwang weitgehend ausbleiben. Umso schlimmer ist es, wenn nun vorgeblich tolerante Menschen ein Verhalten gegenüber Menschen mit klassischen Rollenpräferenzen an den Tag legen, wie sie es gegenüber Menschen mit unüblichen Präferenzen kritisieren.

Bleiben die Geschlechterstereotype. Wenn sich also das Wesen des Menschen nicht ohne weiteres ändern lässt, und sich eine Mehrheit der Menschen stets eher “rollentypisch” verhalten wird, sollten wir dann nicht wenigstens versuchen, den Leidensdruck der Menschen zu mindern, die dieser Norm nicht entsprechen?

Meiner Meinung nach lautet die Antwort: Ja, aber. Denn Menschen, die in irgendeiner Hinsicht aus der Norm fallen, werden sich auch in der tolerantesten aller Gesellschaften immer zu Anpassungsleistungen gezwungen sehen. Und zwar deshalb, weil Menschen mit vergleichsweise seltenen Eigenschaften stets aus dem Erwartungsrahmen fallen werden, den ein jeder Mensch benutzt um seine Umwelt möglichst effizient zu ordnen.

Reiche ich einem Menschen ein Messer, werde ich ihm den Griff auf eine solche Art hinhalten, dass er mit der Rechten leicht zugreifen kann – und dass, obwohl er unter Umständen Linkshänder ist.

Berichtet mir ein Mann von seiner Beziehung, werde ich zunächst einmal davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Frau handelt.

Bekomme ich Besuch, werde ich diesem Alkohol anbieten – obwohl ich es mit einem Abstinenzler zu tun haben könnte.

Das tue ich nicht, weil ich Linkshändern, Homosexuellen oder Abstinenzlern Böses will. Und es bedeutet nicht, dass ich diese Eigenschaften abwerte oder Normalität (im Sinne von Häufigkeit) mit Werthaftigkeit verwechsle. Ich tue es, weil ich in der Mehrzahl der Fälle damit richtig liege.

Gehe ich mit einer solchen Annahme einmal fehl, entschuldige ich mich natürlich und korrigiere meinen Fehler. Von dieser Erwartung aber ganz abzulassen, würde mir ein sehr wirkungsvolles Instrument der Alltagsbewältigung rauben, von dem ich ungern ablassen würde.

Menschen, so denke ich, werden sich nur unter extremen Bedingungen dazu bringen lassen, von der Benutzung dieser höchst sinnvollen Heuristiken abzusehen.

Warum also versuchen, sie dazu zu bringen? Hier könnte man sich nun der alten Binsenweisheit bedienen, dass obsolet gewordene soziale Bewegungen stets nach neuen Betätigungsfeldern suchen, um sich ihrer Existenzberechtigung zu versichern. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Bewegungen bereits soweit geronnen sind, dass sie sich in der bürokratischen Infrastruktur eines Gemeinwesens festgesetzt haben.

Ein Problem, das sich schlicht nich lösen lässt, ist dabei der Hauptgewinn eines jeden Kämpfers für die vermeintliche Gerechtigkeit, dessen Ansehen oder dessen Existenz auf dem fortwährenden Kampf gegen das Böse beruht.

Denn wenn der Patient partout nicht genesen will, dann braucht es eben immer mehr von der immer gleichen Medizin. Und das bedeutet vor allem eines: Mehr Geld, mehr Posten, mehr Aufmerksamkeit, mehr Prestige.

Es gibt in dieser ganzen Geschichte also durchaus jemanden, der nicht von seinen Privilegien lassen will. Es sind nicht die Anhänger des klassischen Rollenbildes

Auf die Plätze, fertig….

In nur noch einer Woche geht die „feste Zeiten für Artikel-Phase“ los.

Wer also gerade am Anfang des Monats dran ist, der sollte sich langsam Gedanken machen, sich vielleicht auch schon einmal anschauen, wie man alles macht. Wer fragen hat, der kann die natürlich gerne in den Kommentaren stellen.

Wer vor Ideen übersprudelt: Es können an den noch unbesetzten Tagen noch weitere Artikel von festen Autoren eingestellt werden. Aber dabei bitte daran denken, dass das System nur klappt, wenn ihr zumindest an „euren Tagen“ etwas veröffentlicht, damit wir auch regelmäßige Artikel haben. Ich empfehle für ein pünktliches Erscheinen morgens an dem Tag das „Zeitversetzte Einstellen“, dass hier oder hier jeweils noch einmal erklärt werden.

Wer einen Artikel als Gastautor beisteuern möchte, der kann sich an Graublau wenden, wer noch als Autor einsteigen möchte, der kann dies gerne in den Kommentaren mitteilen.

Ich freue mich schon auf viele interessante Artikel!

It’s just marketing, stupid!

Spätestens durch die hinlänglich bekannte #aufschrei Debatte kommt dem Begriff – oder besser gesagt dem Vorwurf – des „Sexismus“ wieder verstärkt Aufmerksamkeit zu. Das führt nunmehr schon so weit, dass der Berliner Bezirk Kreuzberg keine „sexistische Werbung“ mehr auf Plakaten erlauben möchte.

Wenn man schon bei gesetzlichen Verboten angekommen ist, sollte sich die Frage stellen, wann eine Werbung eigentlich „sexistisch“ ist. Liegt das im Auge des Betrachters? Dann wäre der Verbotswillkür durch staatliche stellen Tür und Tor geöffnet.

Berit Völzmann hat sich hierzu in einem Interview auf dem Blog der Mädchenmannschaft eingelassen. Sie ist nach Eigendarstellung angehende Volljuristin und wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Rundfunkrecht an der Universität zu Köln und Mitarbeiterin beim juristischen Frauentag. Sie definiert sexistische Werbung so:

„Sexistische Werbung ist für mich jede Werbung, die Geschlechtsrollenstereotype transportiert“

Der aufmerksame Leser wird merken, dass es nach dieser sehr weitgehenden Definition von Sexismus weder nackte Haut noch irgendeine Form von Beleidigung oder Herabsetzung eines Geschlechtes braucht um ein Verbot wegen „Sexismus“ zu begründen. Tatbestandsmerkmale nach Frau Völzmann sind einzig: ein „Geschlechterstereotyp“ und dessen „Transport“.

Als „Transport“ kann dabei vermutlich als  direkte oder indirekte Darstellung verstanden werden, so dass entscheidendes Merkmal für die Unterscheidung von sexistischer und nichtsexistischer Werbung das „Geschlechterstereotyp“ wäre.

Was ist aber nun ein Geschlechterstereotyp? Ein Werbespot mit einem Mann der auf dem Bau arbeitet und in seiner Frühstückspause einen Schokoriegel verzehrt? Eine Frau, die den Boden wischt und dabei den neuen Reiniger anpreist? Vermutlich schon: Beide entsprechen ja einem gewissen Stereotyp von männlicher und weiblicher Tätigkeit.

Nun existiert ein Stereotyp in der Werbung aber in vielen Fällen auch deswegen, weil es der gegenwärtigen überwiegenden Realität entspricht. Auch eine Feministin wird wahrscheinlich nicht leugnen, dass z.B. die Mehrzahl der Hausarbeit oft von Frauen erledigt wird. Ziel der Feministin ist es oft diese gegenwärtige Realität zu verändern und es besteht die Befürchtung, dass eine solche Veränderung durch Verfestigung (durch Werbung) verhindert wird.

Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass Werbung auch dazu beitragen kann bestehende Stereotype aufrecht zu erhalten. Ich bleibe der Einfachheit halber mal beim Putzen. Wenn in der Werbung ständig putzende Frauen zu sehen sind, dann wird auf diese Weise beiden Geschlechtern vermittelt, dass diese Tätigkeit typisch weiblich sei. Wenn man diesen Gedanken fortsetzt, dann müsste Werbung im Sinne einer feministischen Umerziehung der Gesellschaft künftig putzende Männer zeigen. Für Frau Völzmann wäre das vermutlich auch in Ordnung.

Unabhängig von der Frage, ob eine feministisch gewünschte gesellschaftliche Umerziehung überhaupt möglich oder wünschenswert ist, kann und muss Produktwerbung einen solchen gesellschaftlichen „Umerziehungsbeitrag“ jedenfalls nicht leisten. Oder wie Martenstein es pointiert:

„Dass Werbung auf politische Ideen verpflichtet wird – so was gibt es bisher höchstens in Nordkorea.“

Der Verkäufer von Waschmittel oder Bodenreiniger wird sich nur deshalb vorrangig an Frauen wenden, weil er mit seiner Werbung an Markt erfolgreich sein möchte – ja erfolgreich sein muss. Werbung die von der Zielgruppe abgelehnt oder ignoriert wird, ist wirtschaftlich erfolglose Werbung und wird im Regelfall verschwinden. Denn Werbung kostet Geld. Eine Frau, die sich selbst nicht in dem von der Werbung vermittelten Frauenbild wiederfindet, wird das beworbene Produkt wahrscheinlich gar nicht kaufen. Deshalb wäre eine Umstellung der Werbung für Putzmittel auf Männer auch in jeder Hinsicht ein Flop.

Noch schwieriger wird es, wenn nicht nur die Werbung das Geschlechterstereotyp verkörpert, sondern das beworbene Produkt selbst. Denken wir z.B. an die Barbiepuppe, die ja selbst schon ein bestimmtes Geschlechterbild vermittelt. Wer hier die Produktwerbung wegen „Sexismus“ verbieten möchte, muss letztendlich auch das dahinter stehende Produkt selbst verbieten wollen. Und hier schließt sich der Kreis. Denn Berit Völzmann ist Mitglied bei Pink Stinks. Einer interessengruppe, die realativ aggressiv gegen jede Form von geschlechtertypischer Form der Darstellung von Frauen vorgeht.

Die Linie in der Geschlechterdiskussion verläuft nicht zwischen gut und böse

Ich bin der Antifeminist.  Ich gehe konform mit Artikeln wie diesem. Derselbe Autor legt ein Diskussiongebaren vor, das mich einfach nur abstößt. Wortschrank, 22.3., erster Kommentar von ihm. Ich zitiere es extra nicht, es gab in letzter Zeit schon zuviele Namensnennungen und es ist auch nur ein Beispiel von denen es doch so viele gibt.

Schoppe hat es in hier ziemlich gut auf den Punkt gebracht.

Ich würde Dir weder Persönliches […] abfordern, noch Dir für sämtliche geschlechterpolitische Grausamkeiten diffus die Verantwortung zuteilen. Das ist so selbstverständlich, dass es fast unangenehm ist, es überhaupt aufzuschreiben.

Aber genau das passiert ständig. Das ist es, was eine Diskussion verhindert. Eine Diskussion, in der man Leute erreicht und überzeugt. Feminismus ist eine Hassreligion. Aber wenn derselbe Hass in mir ist, so werde ich mein Gegenüber nicht davon überzeugen können, daß ich selbst für positive Ideale stehe. Für Gleichberechtigung und eine differenzierte Sicht auf Geschlechterprobleme und deren Lösungen.

Es fängt damit an, Menschen die einen Austausch suchen mit Respekt zu behandeln. Ihre geäußerten Meinungen zu diskutieren und eben nicht mit platten Verallgemeinerungen und Beleidigungen zu antworten.

Nurture vs. Nature bzw. Anlage-Umwelt-Debatte

Ich stelle mal ganz allgemein zur Diskussion, welchen Anteil an den Geschlechterrollen ihr eher im biologischen Teil und welchen Anteil ihr im sozialen Teil seht bzw. welchen Anteil haben gesellschaftlich errichtete Geschlechterrollen und welchen Anteil hat die Biologie?

Fundstück: The Amazing Atheist

„The Amazing Atheist“ ist ein durchaus umstrittener und streitbarer Mann. Das erste Mal lief ich ihm über den Weg, als er ein Video über Mobbing veröffentlichte, mit dem ich wenig anfangen konnte. Wieder auf meinem Radar tauchte er auf, als Christian ein Video von ihm veröffentlichte, in dem er einen Blogartikel genüsslich auseinandernahm.

Nun gibt es viele Punkte, in denen ich mit ihm nicht übereinstimme, ganz vorneweg bin ich kein Atheist. Ich mag auch seine übliche Vorgehensweise nicht, das Recht auf freie Meinung dadurch zu praktizieren, indem er flucht, beleidigend wird und herumbrüllt. Es gibt aber ein Video von ihm über Geschlechterthemen, das ein wenig aus diesem Rahmen fällt und das ich deswegen als Fundstück präsentieren möchte insbesondere für all die Leute, die ebenfalls mit seiner normalerweise ordinären, polarisierenden Art nicht zurechtkommen und deswegen auch nicht lange bei ihm suchen werden, um so etwas zu finden.

The Amazing Atheist kritisierte wiederholt seltsame Auswüchse des Feminismus, aber auch das mit zweierlei Maß messen bei den Geschlechtern (etwa Verharmlosung von Gewalt gegen Männer, in den Kommentaren in diesem Blog schon einmal angesprochen). Ein Video von ihm heißt „There’s No Rape Culture!„. Dieses Schlagwort, von mir als „Vergewaltigungskultur“ übersetzt, lese ich immer wieder mal Zusammenhang mit Feminismus einerseits und der Männerbewegung andererseits. Bei Genderama und Alles Evolution taucht es entsprechend auf, bei Christian etwa gab es unter anderem schon Definition und erste Fragen sowie eine Kritik.

Das alles wäre eine Artikelserie wert; es geht mir aber immer noch um das eigentliche Fundstück. In dem ersten Video verwahrte sich „The Amazing Atheist“ ausdrücklich gegen die gelegentlich im Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen geforderte Abschaffung des Rechtstaats (welcher in Deutschland inzwischen auch bekannt ist als „der Rotz, der unser Leben lebenswert macht„). Er erwähnte auch, dass er selbst am Arbeitsplatz durch eine Frau sexuell belästigt wurde und darüber gelacht wurde und er für homosexuell gehalten wurde, weil er es nicht mochte. Ebenfalls ging er darauf ein, dass bereits die Anschuldigung einer Vergewaltigung das Leben des Beschuldigten zerstört. Schließlich forderte er dazu auf, ihm Argumente zu liefern, warum er mit seinem Standpunkt, es gebe keine „rape culture“, falsch läge (mit dem Hinweis, dass Argumente bei ihm tatsächlich schon zu einer fundamentalen Meinungsänderung geführt hätten). Er erhielt darauf anscheinend eine Menge Reaktionen, die ihn offenbar recht beeindruckten.

Das nachfolgende Video, das er produzierte, ist das eigentliche Fundstück. Hier spricht er mit ruhiger Stimme und läßt die üblichen Ausfälle größtenteils sein (am Ende flucht er leider doch ein wenig herum). Wer keinen langhaarigen, bärtigen, übergewichtigen Mann sehen will (Stilkritik dieser Art gab’s tatsächlich schon bei Christian in den Kommentaren), kann das Video im Hintergrund laufen lassen – es werden keine illustrierenden Bilder gezeigt, die man verpassen würde.

The Amazing Atheist: The End Of Rape

Zum Inhalt, wie er schon im vorangegangenen Video versprochen wurde: Vier Arten von Leuten, die mit einer Vergewaltigung davonkommen können. Klingt.nach starkem Tobak und das Video hat tatsächlich den Schönheitsfehler, dass nur drei Gruppen vorkommen:

  1. Sportler
  2. Gefängnisinsassen
  3. Militär

Dass es bei diesen drei Gruppen der Fall sein kann, leuchtet mir ein. The Amazing Atheist hat erst kürzlich ein neues Video veröffentlicht, indem er die Untätigkeit des Militärs, diese Fälle zu verfolgen und den Unwillen des Gesetzgebers, andere Regeln aufzustellen, kritisierte. (Dazu sei ein Gegenbeispiel bei Genderama erwähnt von einem Prozess, der mit allen Mitteln durchgezogen worden soll, aber schiefzugehen scheint, weil an den Vorwürfen nichts dran ist.)

In dem Video kommt auch eine überzeugende Analyse, was diese Szenarien alle gemeinsam haben:

  • strenge Hierarchien und Befehlsstrukturen
  • starke Betonung von Stärke und Härte mit dem Ziel, „Dinge auszuhalten“
  • Unterdrückung von Empathie für Menschen außerhalb der eigenen Gruppe
  • hohes Stressniveau, wenig Empathie = die Basis vieler Verbrechen

Ich habe aber noch eine ganz hässliche Erklärung dafür, warum es einerseits keine Vergewaltigungskultur gibt und es andererseits ganz schwer für die Opfer sein kann, in ihrem Umfeld Gehör zu finden. Erinnert sich noch jemand an den Ort Insel? Dort sollten zwei Sexualstraftäter nach Verbüßung ihrer Haftstrafe wohnen, wogegen sich die Anwohner verbissen wehrten. Eine Frau jedoch blieb unbeteiligt. Ihre Tochter war vor Jahren sexuell missbraucht worden. Von einem Einwohner Insels. Ich meine, es sei der Artikel Gefangen in der Freiheit: Zwei Ex-Häftinge in einem Dorf, in dem ich das ursprünglich gelesen habe; außerdem habe ich einen MDR-Bericht als PDF gefunden. Kommt der Täter aus den eigenen Reihen / der eigenen Dorfgemeinschaft, scheint man ihn eher in Schutz zu nehmen. Allgemeine Ansprüche an Gerechtigkeit werden dann ausgeschaltet. Was im Extremfall bedeutet, dass selbst wenn Polizei und Justiz vorbildlich arbeiten, jedes einzelne Opfer gegen seine Umgebung kämpfen muss. Traurig, aber wahr.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wer hätte das gedacht – zum eigentlichen Thema des Fundstücks will mir nichts einfallen. Dafür gibt’s ein Lied, das oft für ein Liebeslied gehalten wurde, aber eigentlich von einem Menschen handelt, der seiner ehemaligen Liebe nachstellt.

The Police: Every Breath You Take

Die Geschlechter im Wandel der Zeit

„Nichts in der menschlichen Geschichte bereitete die Menschheit oder die Erde wirklich auf das vor, was nach 1800 geschah.“, schreibt der bekannte US-amerikanische Entwicklungsökonom Jeffrey D. Sachs im Rückblick auf die Industrialisierung. Mit dem Einsetzen der industriellen Revolution wurde der Mensch jäh aus seiner bis dahin vergleichsweise langsam verlaufenen Entwicklung gerissen und beschritt kurz nach der Erfindung der Dampfmaschine den steinigen Weg in die Moderne. Der ungarische Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftstheoretiker Karl Polany (1886- 1964) spricht in diesem Zusammenhang vom grössten Transformationsprozess, dem die Menschheit je ausgesetzt war. Doch mit den gewaltigen Fortschritten auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung sowie den Kommunikations- und Fertigungstechnologien hat mittlerweile ein ganz anderes und neues Zeitalter begonnen, dass unser Leben voraussichtlich ähnlich stark verändern wird, wie seinerzeit die industrielle Revolution. Genauso wie sich die Maschine wandelt, wird sich auch unsere Gesellschaft verändern.

 „In der Wirtschaft ersetzen Dienstleistungen immer mehr die Güterproduktion als Quelle des Wohlstandes. Der typische Arbeitnehmer in der Informationsgesellschaft arbeitet nicht in einer Stahlfabrik oder einem Automobilwerk, sondern in einer Bank, einer Softwareschmiede, einem Restaurant, in einer Universität oder bei einer Sozialbehörde.“, schreibt der amerikanische Politologe Francis Fukuyama in seinem 2000 erstmals auf Deutsch erschienen Buch „Der grosse Aufbruch“. „Im Laufe der letzten fünfzig Jahre haben die Vereinigten Staaten und andere ökonomisch hochentwickelte Länder schrittweise den Übergang in die sogenannte Informationsgesellschaft oder ins postindustrielle Zeitalter vollzogen.“ Dieser tiefgreifenden Strukturwandel hat den Westen im Verlaufe der letzten Jahrzehnte Millionen von Arbeitsplätzen gekostet. Alleine in der Schweiz sind in den vergangenen dreissig Jahren über 60 Prozent aller Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Dem gegenüber verzeichnet der Dienstleistungssektor enorme Zuwachsraten.

Ein kennzeichnendes Merkmal des Dienstleistungszeitalters ist der Wandel in der Arbeitswelt: Der Working Class Hero wird zunehmend weiblich. Das bedeutet nicht, dass der männliche dabei verschwindet, wie häufig postuliert- und mitunter auch fieberhaft herbei phantasiert wird. Doch seine Rolle wird sich auch deshalb verändern, weil die postindustrielle Gesellschaft den Frauen insgesamt mehr Möglichkeiten eröffnet, als das gesamte, männlich geprägte Industriezeitalter. Damit gestalten sich zwangsläufig auch die vielschichtigen Beziehungen zwischen Männern und Frauen neu- mit weitreichenden Konsequenzen.

Häufig wird versucht, diesen tiefgreifenden Veränderungsprozess alleine an den Geschlechtern festzumachen. Der übegeordnete Trend verläuft jedoch nicht zwischen den Geschlechtern. Es ist vielmehr der Übergang vom industriellen zum technologischen Zeitalter, der die sozialen Entwicklungen vorantriebt, wie wir gesehen haben. Trotzdem scheinen die Medien, einzelne wissenschaftliche Disziplinen sowie die Politik geradezu besessen davon zu sein, diese Entwicklungen zu einem Geschlechterkampf hochzustillisieren. So verkündete die amerikanische Publizistin und Buchautorin Hanna Rosin etwa bereits vollmundig das Ende der Männer. Auch wenn die Geschlechterkomponente nicht ganz von der Hand zu weisen ist, blockieren so radikale Positionen jeden vernünftigen Dialog zwischen den Geschlechtern.

Unsere Zeit stellt letztendlich alle Menschen vor grosse Herausforderungen, Männer wie auch Frauen. Die modernen Gesellschaften des Westens sind nicht einfach nur auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten, sondern auf eine Generation mit einem längst überholten Gesellschaftsideal. Probleme haben heute beide Geschlechter- sowohl im Privatleben als auch in der Arbeitswelt. Mit dem Unterschied, dass Frauen sie als strukturelle, gesellschaftliche Probleme behandeln und ganze Bücher darüber schreiben können und Männer nicht. Warum eigentlich nicht?