Was kommt nach der Gleichberechtigung?

Wenn Ihr älter seid, werden Frauen und Männer gleichberechtigt sein. Und die Hausarbeit werden Roboter machen. So oder so ähnlich habe ich das in meiner Jugend gehört. Was nicht sehr viel über mein Alter aussagt. Diese Vision der unmittelbar bevorstehenden Zukunft wird schon einigen Generationen präsentiert. Das Zieldatum wird einfach immer wieder nach hinten verschoben. Die Roboter leben schon eine Weile bevorzugt in Science Fiction Filmen. Und die umfassende Gleichberechtigung ist nach wie vor eine Utopie. Obwohl sich natürlich tatsächlich viel verändert hat.

Viel wurde erreicht

Wir können jetzt den automatischen Staubsauger-Roboter im Geschäft kaufen. Das ist zwar nicht ganz der versprochene elektronische Butler, der in der Früh den Kaffee zum Bett bringt. Aber immerhin. Bei der Gleichberechtigung sieht es ähnlich aus. Früher konnten Frauen ja nicht einmal an der Universität studieren. Oder wählen. Oder allein am Abend Essen gehen. Obwohl das mit dem Essen vielleicht doch nicht wirklich unser Kulturkreis war. Und das Wahlrecht ist auch schon älter als 99% der lebenden Mitmenschen. Wenn man die Frauen fragt, hat sich in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise eher wenig verbessert.

Viel wird nie erreicht werden

Wenn man immer nur die Frauen fragt, wird sich das wohl auch nicht mehr ändern. Wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe, schlägt der Trend zur Gleichberechtigung immer mehr in sein Gegenteil um. Weil Frauen nicht gleichberechtigt sein wollen. Zumindest mehrheitlich. Wenn es um greifbare Konsequenzen im täglichen Leben geht. Kaum eine Frau will gleich sein. Eine Frau will etwas Besonderes sein. Lobbies und Regierungen betreiben heute die Gleichstellung (der Frauen) und schaffen damit auf Wunsch der Frauen die gerade erst geschaffene Gleichberechtigung an vielen Stellen wieder ab. Bevor der vollständigen Gleichberechtigung überhaupt eine Chance gegeben wurde. Die Lohnungleichheit wäre schnell aufgelöst, wenn Väter tatsächlich gleichberechtigt wären. Aber das werden wir kaum mehr selbst erleben, weil der moralische Grundsatz der Gleichberechtigung mit der Jahrtausendwende entsorgt wurde. Was jetzt?

Wohin geht der Weg?

Dass die halb verwirklichte Gleichberechtigungs-Utopie zur allgemeinen Zufriedenheit beider Geschlechter geführt hätte, könnte man auch nicht wirklich behaupten. Also wird es weiter Veränderungen geben. In welche Richtung?

  1. Post-Gender
    Diese Option zähle ich nur der Vollständigkeit halber auf. Wer es noch nicht kennt: Post-Gender beruht auf der Annahme, dass die Unterscheidung Mann-Frau gesellschaftlich und/oder politisch nicht mehr relevant wäre. Typischerweise wird (oder wurde) diese doch sehr mutige These von Menschen vertreten, die entweder zu jung sind, um ihre Fantasiewelten im echten Leben zu überprüfen, oder zu schräg, um sich überhaupt um die Realität zu kümmern. Das Auftreten des Postgenderismus ist meistens nur von kurzer Dauer. Als drastisches Beispiel kann der innere Niedergang der deutschen Piratenpartei dienen. Post-Gender hat sich bereits selbst widerlegt, bevor es umgesetzt wurde. Niemand setzt sich ernsthaft dafür ein, dass das Geschlecht als Kategorie im öffentlichen und politischen Leben bedeutungslos werden soll. Damit kann Post-Gender nie eine ernsthafte Rolle spielen.
  2. Zurück ins bürgerliche Biedermeier
    Ob wir es gerne sehen oder nicht, unsere Gesellschaft baut nach wie vor grundsätzlich auf bürgerlichen Idealen auf. Wenn die Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, könnten wir auch wieder zurück zu unseren kleinbürgerlichen Wurzeln gehen und die Kleinfamilie wiederbeleben. Irgendwie passiert das ja bereits. Junge Menschen sehen bürgerliche Werte mittlerweise positiver als die gealterte Hippie-Generation. Die Hausfrauenehe steht vor einem Comeback. Allerdings mit zwei Haken. Die positiven retro-Gefühle sind nicht gleichmäßig über die Geschlechter verteilt. Junge Frauen finden die Hausfrauen-Ehe eher attraktiv als junge Männer. Die Retro-Ehefrauen in spe werden also nicht genug Versorger-Ehemänner finden. Und das mit gutem Grund. Die bürgerliche Ehe kann dem bürgerlichen Mann kaum noch Anreize bieten. Die alten Väterrechte sind weg, aber die Versorgerpflichten bleiben sogar nach der Scheidung bestehen. Und weder Frauen noch Männer wollen die alte Sexualmoral zurück. Schon gar nicht als gesetzlich verbindliche Vorschrift für Alle. Die bürgerliche Kleinfamilie wird daher auch in näherer Zukunft immer nur eine individuelle und zerbrechliche Scheinidylle auf Zeit sein. Abgesehen davon schrumpft die bürgerliche Mittelschicht ohnehin zunehmend.
  3. Zurück in den Feudalismus
    Die Gesellschaft feudalisiert sich rasant. Die Superreichen werden mehr und reicher. Es gibt wieder eine verarmte Unterschicht. Und die Mittelschicht kommt immer mehr unter Druck. Am Ende so einer Entwicklung würde eine ständische Gesellschaft stehen, wie wir sie zum Beispiel im Barock hatten. Interessanterweise gehen die feministischen Initiativen der letzten Jahre auch in diese Richtung. Anstatt wie noch vor 30 Jahren gleiches Recht für Alle zu fordern (bürgerlicher Liberalismus), werden heute dem Geschlecht (Stand) zustehende Privilegien (Quoten, gegenderte Sprache) eingefordert. Der Feminismus ist längst im ständischen Feudalismus des Barock angekommen. Wenn die Männer mit entsprechenden Gegenforderungen antworten, bekommen beide Geschlechter irgendwann ihre Sonderrechte und die Geschlechter werden zu nebeneinander bestehenden Ständen. Dann gibt es Frauenquoten für Aufsichtsräte und Männerquoten für alleinerziehende Väter, getrennte Frauen- und Männerparlamente, möglicherweise auch getrennte staatliche Männer- und Frauenbudgets, frauenspezifische Sprache und männerspezifische Sprache, Frauengesetze und Männergesetze, Frauenrechte und Männerrechte. Und keine Menschenrechte. So unwahrscheinlich ist diese Entwicklung nicht. Die offene Frage ist nur, ob sich Männer genauso kollektiv für ihre Privilegien einsetzen werden wie das Frauen schon heute tun. Bislang warten sie noch ab. Wenn sie weiter passiv sind, gibt es irgendwann nur mehr Frauenprivilegien.
  4. Das Matriarchat
    Die umfassende Dominanz der Frauen in allen Bereichen des Lebens ist ebenso möglich. Geplant wird es ja schon. Der Kern des radikalen Feminismus wird heute insbesondere in den USA von Lesben kontrolliert und die wollen weder Gleichberechtigung noch Gleichstellung, die wollen die lästige Konkurrenz der heterosexuellen Männer kaltstellen. In einem zukünftigen Europäischen Matriarchat wären wohl immer noch viele Bereiche des Lebens männlich „dominiert“, aber das hätte nichts mit Machtausübung zu tun. Männer wären vor allem für die körperlich anstrengenden und gefährlichen Arbeiten zuständig, Frauen hätten überall freie Wahl und vollständige Kontrolle. In der Praxis wäre die Landesverteidigung also weiter Männersache, aber Frauen würden über Krieg und Frieden entscheiden. Die Spitzen von Politik und Wirtschaft würden von Frauen kontrolliert, aber Schwerarbeit und gefährliche Tätigkeiten wären Männersache. Frauen hätten alleinige Kontrolle über Partnerwahl, Geburtenkontrolle und Kindererziehung, Männer hätten keine dauerhafte Rolle in der Familie. Also insgesamt auch eine Art von Feudalismus, aber mit den Frauen als neuer Oberschicht. Für dieses Szenario spricht die anhaltende Passivität der Männer. Dagegen spricht die zahlenmäßige Unterlegenheit der Lesben und historische Beispiele: Gesellschaften, in denen Väter entrechtet sind, fallen zivilisatorisch recht schnell zurück und zerfallen dann in Kleingruppen. Das Europäische Matriarchat wäre wohl nur ein kurzfristiger Übergang zu etwas ganz Anderem.
  5. Seitwärts in den Islamismus
    Wenn die Europäische Kultur an der eigenen Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, bekommt vielleicht der Islam letztlich die Oberhand bei uns. Der Weg von der Ablehnung des Feminismus zur Annahme des Islamismus ist ein erstaunlich kurzer. Sowohl Männer als auch Frauen schätzen am Islam das gesicherte Rollenbild. Der Schritt von einem geschwächten Christentum zur eng verwandten monotheistischen Religion des Islam wäre auch ein nicht zu weiter. Aber dieses Szenario teilt eine grundlegende Schwäche mit dem möglichen Matriarchat: Islamische Gesellschaften sind chronisch unproduktiv. Irgendjemand müsste die bedürftigen moslemischen Massen ja ernähren. Europa ist nicht Kuweit. Der Islamismus würde in sich zusammenfallen, bevor er überhaupt richtig installiert wäre. Am Ende des Mittelalters waren die islamischen Gesellschaften noch vergleichsweise fortschrittlich. Wenn sie damals Europa nicht übernehmen konnten, wird das jetzt wohl auch nicht so leicht funktionieren können.
  6. Beiderseitige Radikalisierung des Geschlechterkampfs
    Wenn es keine Flucht in externe Modelle gibt, bleibt die Option der inneren Radikalisierung. Islamismus und radikaler Feminismus könnten sich zum Beispiel gegenseitig radikalisieren wie Faschismus und Kommunismus in der letzten Zwischenkriegszeit. Oder es entwickelt sich ein radikaler Maskulismus. Nachdem sich die Männer generationenlang die angeblichen Sünden des angeblichen Patriarchats vorhalten lassen mussten, könnten sie ja auf die Idee kommen, so etwas wie das Patriarchat einmal in echt auszuprobieren. Das wäre dann nicht mehr die light-Variante des 19. Jahrhunderts, sondern die tatsächliche Allmacht der Männer. Auf „mein Bauch gehört mir“ würde dann zwei Generationen später „dein Bauch gehört mir“ folgen. Nur zur Klarstellung: In dieser Form gab es das noch nie. Abtreibung war vor 100 Jahren verboten, aber das war eben kein Männerprivileg, sondern ein Verbot, das sich gegen Frauen und Männer gleichermassen gerichtet hat. Wer das echte Patriarchat will, könnte die feministische Übertreibung in ihr Gegenteil verkehren und zum Beispiel das Austragen eines Kindes von der Zustimmung des Vaters abhängig machen. Damit würden nicht nur Frauen, sondern auch Männer die eigene Entscheidungsfreiheit über den Schutz des ungeborenen Lebens stellen. Wenn dann „ungewollte Vaterschaft ist Vergewaltigung“ auf „Mein Bauch gehört mir“ prallt, geht der Geschlechterkampf in die nächste Eskalationsstufe über. Für alle Szenarien eines radikalisierten Geschlechterkampfes spricht die wachsende Wut der jungen Männer. Aber bisher wurde das männliche Unbehagen typischerweise nicht offen als maskulistische Aktion formuliert, sondern in umfassendere Gesellschaftsmodelle verpackt.
  7. permanenter Kulturkampf
    Wenn Männer einerseits vom radikalen Feminismus abgestoßen bleiben, aber andererseits selbst keinen radikalen Maskulismus vertreten wollen, kann es zum permanenten Kulturkampf wie derzeit in den USA kommen. Die dortigen Linken („Liberalen“) haben den Feminismus adoptiert, die dortigen Rechten („Konservativen“) bieten ein Auffanglager für Antifeminismus. Allerdings sind die US-Konservativen eben keine Maskulisten, sondern Traditionalisten. Seit einigen Jahrzehnten versuchen sich die beiden Lager gegenseitig aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, indem sie öffentliche Aussagen skandalisieren, Medien und Schulen kontrollieren, Geld von und für Projekte abzweigen und so weiter. Derzeit haben die US-Liberalen die Oberhand, aber dieser Kulturkampf hat schon einige Phasen vorübergehender Vorherrschaft des einen oder anderen Lagers gesehen. Kennzeichnend für so ein Szenario wäre es, dass die tatsächlichen Rechte und Pflichten der Geschlechter irgendwann in der öffentlichen Diskussion weniger wichtig sind als die damit (angeblich) verbundenen gesellschaftlichen Idealvorstellungen. In vielen praktischen Aspekten sind sich radikale Feministen und Traditionalisten nämlich mittlerweile recht einig. Dass kleine Kinder vor allem bei ihrer Mutter leben sollen, wollen sie zum Beispiel beide. In Deutschland konnte man Ähnliches beobachten, als Steinzeitfeministen wie Alice Schwarzer mit ihrer Sexualmoral immer näher an moralinsaure Reaktionäre herangerückt sind. Den Schaukampf der Lebensmodelle haben wir in der Politik längst. Das könnte sich auch zu einem Kulturkampf wie in den USA auswachsen. Wenn sich Europäer irgendwann im gleichen Ausmaß dafür einspannen lassen.
  8. gemässigter Feminismus/Maskulismus
    Damit zu meinem Lieblingsmodell: Wer das Scheitern der vollständigen Gleichberechtigung nüchtern zur Kenntnis nimmt und trotzdem aus der Geschichte lernen will, sollte sich um einen gemäßigten Ausgleich bemühen. Das wäre jedenfalls meine Reaktion. Aber vielleicht bin ich da zu viel Österreicher. Wenn es genügend aufgeklärte Mitbürger gibt, hat ein liberal abgefederter Maskulismus im Ausgleich zu einem dann gemäßigteren Feminismus eine Chance. Dann gibt es eben moderate Geschlechterquoten in allen Bereichen des Lebens, aber für beide Geschlechter. Oder sorgfältig ausgewählte Frauenprivilegien im Familienrecht, die durch ebenso sorgfältig ausgewählte Männerprivilegien ausgeglichen werden. Für so eine Lösung spricht die gute Ausbildung der Europäischen Mittelschicht. Dagegen spricht, dass die Menschheit erfahrungsgemäß immer zuerst Extremvarianten ausprobiert, bevor sie das vernünftige Mittelmaß umsetzt.
  9. Implosion des Geschlechterthemas
    Wer so lange mitgelesen hat, ist wirklich am Geschlechterthema interessiert. Möglicherweise sind das aber gar nicht mehr so viele. Möglicherweise dient der Geschlechterkampf längst nur mehr der Unterhaltung der Massen. Möglicherweise interessiert die Jungen das Geschlechterthema überhaupt nicht mehr. Dann werden in ein paar Jahren die gealterten, verbeamteten Gender-Beauftragten genauso peinlich in den Augen der Jugend wirken, wie früher die prüde Biologielehrerin beim Sexualkundeunterricht. Vielleicht lebt die übernächste Generation einfach eine Vielfalt an Lebensmodellen nebeneinander und ignoriert die Geschlechter-Prinzipienreiterei ihrer Eltern und Großeltern. Vielleicht machen die Jungen das heute schon. Aber vielleicht überlegen sie es sich auch immer wieder anders, wenn das erste Kind da ist oder der Ehepartner eine Affäre hat.
  10. Implosion der Gesellschaft
    Wenn wir keine Lösung für diese grundlegende gesellschaftliche Frage finden, könnte aber auch etwas ganz anderes passieren: Die Gesellschaft könnte sich auflösen. Es wäre ja nicht das erste Mal. Ob die Familie die Keimzelle der Gesellschaft ist, kann man vielleicht noch kontrovers diskutieren. Aber dass die moralischen und rechtlichen Regeln für das Verhältnis von Mann, Frau und Kind die Grundlage jeder zivilisierten Ordnung sind, kann man kaum ernsthaft bestreiten. Derzeit leben wir mit einem inneren Widerspruch. Offiziell wird die Befreiung von traditionellen Zwängen propagiert. Tatsächlich werden die Zwänge aber in manchen Teilbereichen aufrechterhalten, in anderen Teilbereichen sogar verstärkt. Dieser Widerspruch kann eine Zeit lang als Preis des Übergangs akzeptiert werden. Aber irgendwann werden sich die Menschen fragen, wie lange sie noch auf die Erfüllung der abgegebenen Versprechen warten sollen. Auch dafür gibt es ein Beispiel aus den USA. „Men Going Their Own Way“ (MGTOW) ist eine radikale maskulistische Reaktion auf die Geschlechter-Doppelmoral. „Für einen Mann ist die Partnerschaft mit einer Frau immer ein Verlustgeschäft“ ist die Kernaussage von MGTOW und die radikale Schlussfolgerung lautet: Keine feste Beziehung mit Frauen, keine Kinder, keine Verpflichtungen eingehen, Zeugungsstreik und Ehestreik. Der Generationenvertrag kann bekanntlich sehr schwer gekündigt werden, aber der Geschlechtervertrag steht möglicherweise irgendwann von beiden Seiten zur Disposition. Eine Gesellschaft kann sich auch selbst aufgeben.
  11. Synthese eines neuen Modells
    Oder es entsteht etwas ganz Neues. Auf den „neuen Menschen“ im marxistischen Sinn will ich nicht mehr warten, der wurde bereits vergeblich ausprobiert. Aber die Geschichte des Westens ist voll von kreativen Neuschöpfungen. Jetzt wäre der Zeitpunkt für ein neues Modell des Geschlechterverhältnisses. Bisher lief alles unter dem Titel Freiheit. Das war wohl etwas einseitig. Und im Zweifel kehren die Frauen mehrheitlich ohnehin eher zur Sicherheit zurück. Vielleicht gibt es einen dritten Weg neben Freiheit und Bindung? Vielleicht können wir ja die bisherigen Gegensätze transzendieren und mit neuen Konzepten eine neue Entwicklung ermöglichen. Vielleicht diesmal eine, die sogar mit den Menschen funktioniert, die es tatsächlich bei uns gibt.

Was meint Ihr? Habe ich einen Fehler gemacht? Wird die echte Gleichberechtigung (gleiches Recht für Alle) doch noch ein Comeback schaffen? Können wir einfach mit den inneren Widersprüchen leben, ohne sie aufzulösen? Kommt überhaupt irgendetwas nach der Gleichberechtigung? Zum aktuellen Anlass eine Grafik zur EU-Wahl vor einer Woche aus Österreich. Man beachte die Auseinanderentwicklung bei den jungen Wählern. Kündigt sich bei den Jüngeren schon der Kulturkampf an? Sind Grüne und FPÖ die Österreichische Version einer feudalen Lobby für weibliche Bobos und männliche Arbeiter? Oder leben wir bereits in der Post-Gleichberechtigung und wissen es nur noch nicht?

Image

Advertisements

Geschlechterallerlei bei Twitter

Ich habe mal einen Twitteraccount für Geschlechterallerlei angelegt. Er ist hier zu finden:

Eigentlich sollte er mit dem Blog synchronisiert sein und die Beiträge dort automatisch erscheinen, beim letzten Beitrag hat es aber nicht geklappt. Wer da Abhilfe schaffen kann, der kann es gerne versuchen. Vielleicht liegt es an den verschiedenen Autoren.

Mal sehen ob er diesen Beitrag aufführt.

Ich erstelle zudem im Entwurfsordner einen Artikel mit dem Passwort im Titel, wenn jemand anders den Account nutzen will, aber bitte bedenken, dass es ein gemeinsamer Account ist.

Warum ich den Beitrag homosexueller Männer in der Geschlechterdebatte nicht missen möchte

Man kann es aus Fairness machen: „Jeder darf seine Meinung und damit Sichtweise äußern, also auch homosexuelle Männer“. Man kann es aus Idealismus machen: „Uns anderen bringt es selbst nichts (außer dem Gefühl, fair zu handeln), aber für die homosexuellen Männer ist es wichtig, ihre Perspektive zu schildern.“ Ich hingegen habe ein ganz eigennütziges Motiv dafür, warum ich die Blogeinträge und Kommentare von Adrian so schätze. Kurz gesagt: Ich lerne daraus eine Menge über mich selbst als heterosexueller Mann und das ist mir sehr wichtig.

Ich hatte ihm bereits mehrmals versprochen (zuletzt vor über einem Monat, die anderen diesbezüglichen Kommentare finde ich nicht mehr wieder), darüber zu bloggen, was das konkret bedeutet. Es sind vor allem drei Punkte:

1. männliche Sexualität

Männer reagieren auf optische Reize.
Männer haben Spaß an Körperlichkeit.
Männer haben einen höheren Sexualtrieb.
Das ist alles ganz natürlich und ok!

Das klingt trivial und selbstverständlich? Herzlichen Glückwunsch, ich musste diese Einsicht nämlich wieder erlernen.

Ich habe viel zu lange kritiklos die Ansicht übernommen, die ich oft gehört und gelesen habe und die anscheinend gut zu Frauen passt: „Dieses Körperfixiertheit, diese ständige Lust auf Sex, dieses Reagieren auf Äußerlichkeiten… wie oberflächlich, schmutzig und falsch!“

Nachdem man noch in der Generation meiner Eltern die weibliche Perspektive ignoriert oder verteufelt hatte, habe ich erlebt, wie sich die Verhältnisse umdrehten: Plötzlich war die weibliche Sicht auf Sexualität normgebend. Abweichungen davon waren grundsätzlich negativ: Der Mann ist dem Tiere nah, er ist ja völlig triebgesteuert, ein Wunder, dass er sich überhaupt beherrschen kann, eigentlich sind alle Männer potentielle Vergewaltiger, nur dass sie noch nichts gemacht haben… die Dämonisierung männlicher Sexualität als etwas Gefährliches oder ihre Abwertung als eine minderwertige Haltung kann natürlich nicht gesund sein, geschweige denn zu einem positiven Selbstbild von Männern beitragen.

Zuletzt wurde es bei Alles Evolution angesprochen (man beachte auch die Verweise auf frühere Beiträge im dortigen Artikel): Man wird Männern nicht aberziehen können, was sie nun einmal ausmacht und was zu ihrer Natur gehört. Hier gibt es eine Gemeinsamkeit von Homosexualität und männlicher Sexualität: Sie werden dämonisiert, aber man kann sie nicht ändern, selbst wenn man wollte, darum sollte man sie einfach akzeptieren, wie sie sind.

Wie können Eigenschaften der Sexualität eines homosexuellen Mannes richtig und akzeptabel sein, dieselben Eigenschaften bei einem heterosexuellen Mann jedoch verwerflich? Das ist nicht einzusehen und das war ein wichtiger Punkt zur Normalität.

2. Kultur und Zivilisation

Heterosexuelle Männer konkurrieren um Frauen. Sie versuchen in irgendeiner Form Status zu erlangen, um attraktiv zu sein.

Männer können herrlich simpel gestrickt sein und an einfachen Dingen (wie Sex) immer wieder Spaß haben. Woher kommt dann dieser „Drang nach oben“? Halb schwang bei mir noch der oft gehörte Vorwurf mit, Männer würden sich von sich aus nicht für Kultur interessieren.

Ich war mir inzwischen nicht mehr sicher: Waren Initiative und Erfindungsreichtum nur Nebenprodukte männlicher Triebe? Waren Kultur und Geistesleistungen von Männern nur erbracht worden, um Frauen abzubekommen? Würden Männer ansonsten zufrieden mit sich und der Welt den lieben langen Tag unter Bäumen liegen?

Wenn es so wäre, müssten homosexuelle Männer durch die Bank schlichte Gemüter sein, die sich für Geistiges nur insoweit interessieren, als es ihrem Broterwerb dient. Adrian erwähnt aber, dass er gerne Gespräche über Politik, Wirtschaft und Wissenschaft führt. Das hätte bei ihm aber keine Funktion als Instrument auf dem Partnermarkt. Die männliche Kulturleistung wurde also nicht nur „wegen Status oder Frauen“ erbracht.

Auch der Spaß am Wettbewerb ist keineswegs allein auf intrasexuelle Konkurrenz von Männern zurückzuführen. Tom174 erwähnt ein Beispiel, wie er sich einen Wettstreit mit Adrian ums letzte Wort liefert (auf den Original-Artikel, in dem das stattfindet, verweise ich mal lieber nicht).

Also ist Sex für uns heterosexuelle Männer wichtig, aber nicht das einzige, was uns antreibt. Gut zu wissen!

3. Anforderungen an Männer

„Niemand fragt mich nach beruflichem Erfolg, denn ich muss ja nur mich selbst versorgen. Niemand erwartet von mir ,”meinen Mann zu stehen”, denn für wen, außer mir selbst, sollte ich das denn tun?“ – Adrian

Die Rolle des Versorgers und Beschützers – sie ist fest mit dem heterosexuellen Mann verbunden. Interessant ist, dass diese Forderungen, die viele heterosexuelle Männer gerne erfüllen oder erfüllen würden, tatsächlich von der Gesellschaft bewusst abgestellt werden können, wenn sie keinen Sinn ergeben. Wie Adrian zurecht bemerkt, handelt es sich um Zwänge, denn lange Arbeitszeiten und Aufopferungswillen machen für sich genommen keinen Spaß und müssen durch andere Dinge ihren Sinn bekommen.

Das zeigt zweierlei: Zum einen, dass Männer keineswegs „frei“ oder per se „freier“ sind als Frauen. Patriarchat? Pustekuchen! Welche Herrschergruppe wäre denn so dumm, sich selbst mit so schweren Anforderungen zu versehen? Tatsächlich bedeutet die Bereitschaft, eine Frau und Kinder zu ernähren (oder ernähren zu können) eine erhebliche Einschränkung in der Freiheit der Lebensführung. Wenn Männer nicht dagegen aufmucken, dann deswegen, weil viele darin ihre Erfüllung sehen (selbst wenn mehr Zeit für die Kinder und Hobbys schön wäre).

Zum anderen ergibt sich darauf aber auch, dass Männer ohne große Aussicht auf Partnerschaft und Familie diese Leistung nicht erbringen müssen. Es ist eine Art gesellschaftlicher Deal, der bei fehlenden Rahmenbedingungen nicht zustande kommt.

Seinen eigenen Weg gehen – oder auch nur aus dem Hamsterrad aussteigen. Das kann für Männer eine interessante Perspektive sein, um sich aus unvorteilhaften oder für sie nicht funktionierenden Rollenbildern zu befreien.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das in meinem Bekanntenkreis recht beliebt ist und gerne mitgegrölt wird.

Electric Six: Gay Bar

Was ist Gynozentrismus?

Gynozentrismus ist, die Interessen, Bedürfnisse, Gefühle und Sichtweisen von Frauen in den Mittelpunkt zu setzen. In der gynozentrischen Sichtweise ist Gewalt besonders schlimm wenn sie Frauen trifft; Katastrophen sind besonders schlimm wenn Frauen ihnen zum Opfer fallen; wenn (männliche) Soldaten im Krieg fallen ist es besonders deswegen schlimm, weil dadurch Frauen ihre Ehemänner, Väter und Söhne verlieren. Gynozentrismus heißt gleichzeitig, dass die Interessen, Bedürfnisse, Gefühle und Sichtweisen von Männern hinten angestellt werden.

Gynozentrismus ist in unserer Kultur so weit verbreitet, dass er den meisten von uns gar nicht mehr auffällt. Er ist längst zum Normalzustand geworden. Es ist Gynozentrismus, wenn bei einem Bericht über eine Naturkatastrophe, einen Unfall oder einen Terroranschlag neben der Gesamtzahl der Opfer, zusätzlich die Zahl der getöteten „Frauen und Kinder“ genannt wird. Männer werden dadurch zu Opfern zweiter Klasse erklärt. Und wenn—was nicht selten vorkommt—bei einem solchen Ereignis ausschließlich Männer ums Lebens kommen, dann wird dieser Umstand meistens entweder völlig verschwiegen, oder nur am Rande erwähnt. Oft werden diese ausschließlich männlichen Opfer auch unter geschlechtsneutralen Bezeichnungen versteckt. Viele gute Beispiele dazu liefert das Video „Misandry – Men Don’t Exist“ von manwomanmyth:

Wenn allerdings nur Frauen betroffen sind, wird diese Tatsache ganz besonders in den Mittelpunkt gerückt und das Ereignis hat viel größere mediale Wirkung als eine vergleichbare Tragödie mit männlichen Opfern. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Reaktion der Medien auf die islamistische Terrorgruppe Boko Haram. Als diese Gruppe in den vergangenen Jahren mehrere Angriffe durchführte in denen sie tausende Menschen ermordete, wurde darüber nur spärlich berichtet, denn die überwältigende Mehrheit der Opfer waren männlich. Seit Boko Haram jedoch eine Gruppe von Mädchen entführt hat, hat das Interesse der Medien schlagartig zugenommen. Das Hashtag #bringbackourgirls machte die Runden auf Twitter, selbst First Lady Michelle Obama zeigte ihre Solidarität mit den entführten Mädchen und forderte ihre Rückkehr.

Ein weiteres, noch aktuelleres Beispiel ist der Amoklauf von Eliot Rodger, bei dem ein hasserfüllter und geistig gestörter junger Mann sechs Menschen ermordete, dreizehn weitere verletzte und sich dann selbst das Leben nahm. Vier der sechs Mordopfer waren männlich, und trotzdem wurde diese Tat in vielen Medienberichten als Akt des Frauenhasses verkauft. Natürlich stimmt es, dass Eliot Rodger Frauen hasste. Aber er hasste Männer ebenso. Daraus nun ein Verbrechen speziell gegen Frauen zu machen ist ein perfektes Beispiel für unsere gynozentrische Kultur. In Reaktion auf diese Tat etablierte sich das Hashtag #yesallwomen unter dem—ähnlich wie in Deutschland mit #aufschrei—Frauen über Erfahrungen mit Sexismus berichten.

Ein Amokläufer der vier Männer und zwei Frauen tötet, und damit eine Diskussion über Frauenfeindlichkeit und Gewalt gegen Frauen auslöst. Es kann kaum ein klareres Zeichen für Gynozentrismus geben. Doch dies spiegelt nur einen kleinen Teil einer größeren Debatte über Gewalt gegen Frauen wider. Natürlich ist Gewalt gegen Frauen ein ernstes Problem, aber Frauen sind die von Gewalt am wenigsten betroffene demographische Gruppe. So sind etwa ungefähr 80% aller Opfer von Mord und Totschlag männlich, diese Tatsache wird aber nur selten erwähnt. Und wenn dann mal die Medien darüber berichten, wie das unlängst der Spiegel getan hat, dann werden trotzdem vor allem weibliche Opfer betont. Für Frauen ist ihr Zuhause ein gefährlicher Ort,“ schreibt der Spiegel. „Fast die Hälfte der Fälle, die von ihrem Lebenspartner oder einem Familienmitglied umgebracht wurden, waren Frauen.“ Hier wurde also eine spezielle Unterkategorie der Tötungsdelikte gefunden bei denen Männer nur noch eine knappe Mehrheit bilden, und schon wird das als Rechtfertigung benutzt, sich auf die besonders wichtigen Opfer zu konzentrieren, nämlich Frauen.

Bei all dem will ich jedoch nicht behaupten, dass Gynozentrismus grundsätzlich schlecht sei. Es ist durchaus legitim sich speziell auf die Belange einer bestimmten Gruppe zu konzentrieren. Immerhin kann sich niemand gleichzeitig um alle Probleme der Menschheit kümmern. Insofern ist es hier also sinnvoll Arbeitsteilung zu betreiben. Auch wäre es von meiner Seite ein Anzeichen von Doppelmoral, Gynozentrismus grundsätzlich zu verurteilen, denn ich bin als Männerrechtler Teil einer androzentrischen Bewegung. Aber nur weil ich mich hauptsächlich auf die Anliegen von Männern konzentriere, heißt das nicht, dass ich deswegen Frauen für unwichtig oder unwürdig erachte. Gerade diese Einstellung, auf Männer bezogen, herrscht allerdings in den Köpfen von vielen gynozentrisch geprägten Menschen vor. Und auch von Arbeitsteilung kann in der heutigen Gesellschaft kaum die Rede sein. Die gynozentrische Sichtweise ist so dominant, dass man von der andozentrischen fast nichts hört. Von Ausgeglichenheit kann da nicht die Rede sein.

Dieses einseitige Denken muss ein Ende finden. Die Bedürfnisse von Männern müssen genauso ernst genommen werden wie die Bedürfnisse von Frauen. Das Leben von Männern, genauso wie das Leben von Frauen, ist ein Zweck in sich selbst, und nicht ein Mittel zur Erfüllung der Zwecke von Frauen, von Kindern oder der Gesellschaft. Daher ist es wichtig, dass Männer sich nicht mehr definieren lassen durch die Dienste die sie anderen (insbesondere Frauen) leisten. Und genauso wichtig ist es, dass Männer ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht mehr darüber definieren, was Frauen über sie denken. Nur so kann der gynozentrische Konsens überwunden werden.

Etwas Alltagskultur – kaum Text. Nur eine Frage

Ich hatte für meinen heutigen Beitrag eigentlich etwas anderes vorbereitet … aber: Aus einem aktuellen persönlichen Bedürfnis heraus nun doch etwas ganz anderes für heute.

Es ist ist eine Art Test. Man könnte auch sagen: Eine Umfrage.

Wer die – leider obligatorische – Werbung im Vorspann erträgt und dann noch aus reiner Neugier, worum es hier gehen könnte, 9 Minuten Lebenszeit investieren mag, möge sich dieses Video ansehen.

Nun meine Frage: Ist da etwas auffällig,  was mit dem Themenspektrum dieses Blogs zu tun hat? Wenn ja: Was ist es? Wenn nein: Bitte auch schreiben.

PS: Ich schreibe in den Kommentaren später etwas dazu, warum ich die Frage stelle. Aber erst einmal ohne Vorinformation – weil mich interessiert, wie es auf euch wirkt.

Edit:Entgegen der Ankündigung oben jetzt die „Auflösung“, warum ich die Frage stellte, vielleicht doch besser hier im Text selber.

Wir – meine Liebste, ihre beste Freundin und ich – schauten am letzten Freitag „Let’s Dance“. Und ich war am Ende des Tanzes einigermaßen perplex. Ich saß da mit einem „WTF-Gesicht“. Nicht so sehr wegen der Ohrfeige selber. Sondern wegen ihrer Platzierung. Der Tanz ist schon vorbei. Die Ohrfeige wirkte auf mich „künstlich“ hinten dran geklatscht – ein kalkulierte Inszenierung, die sich eben NICHT aus der Choreografie und deren emotionalem Verlauf motiviert war.

Und das brachte mich etwas zum Nachdenken, über das „Warum“ dieser – imho sehr kalkuliert inszenierten – Ohrfeige. Wozu war die jetzt gut? Warum musste die am Ende noch hinten dran geklatscht werden?

Und nun ja: Diese Frage habe ich dann laut gestellt. „War die Ohrfeige jetzt nötig? Und wenn ja wozu?“.

Ihr ahnt, wozu das wiederum führte …. 😉

Jedenfalls waren die Damen sich einig, dass ich ein verbiester Stiesel sei, der nicht einmal eine harmlose Unterhaltungssendung genießen könne, ohne es zu politisieren und zu ideologisieren. (Und ich hätte jetzt allen die Stimmung versaut).

Von daher hat mich wirklich interessiert, ob nur mir etwas komisch auffällt an der Szene – oder ob es auch anderen so geht. Weil: Oft ist es ja wirklich so – wer einen Hammer hat, für den besteht die Welt aus Nägeln.