Ich und die Orbiter

Bei Christian las ich letztens diese Aussage und das hat mich zum nachdenken gebracht:

„Ein anderer Typ Frau wäre die Frau, die sich gerne Orbiter hält, also Männer, die sie umschwirren (wie Motten das Licht) und die sie quasi in einer Form der Friendzone hält, gerne immer etwas Hoffnung auf mehr machend, was dazu führt, dass sie die mehr oder weniger heimliche Herrscherin der Gruppe ist.“

Im Verlauf der Kommentare wurde dann teilweise ausführlich dargestellt, dass sie dabei die Männer bewusst ausnutzt, indem sie ihnen eben Hoffnung macht, die sich dann aber doch nicht erfüllt. Ich glaube allerdings, dass dies nicht unbedingt bewusst so sein muss, also bewusst geplant von besagter Frau. Denn in der Beschreibung fand ich mich selbst durchaus wieder. Auch ich habe viele männliche Kontakte, von denen ich auch profitiere. Der eine ist ausgebildeter Bergführer und macht Touren mit mir, für die andere zahlen, der andere hat mir das Skilaufen beigebracht und am Wochenende komme ich beim Ausgehen fast immer mit kaum mehr als fünf Euro aus. 

Bevor ich jetzt die obige Aussage gelesen habe, war mir das so nicht bewusst. Und ich versuche nie absichtlich bewusst jemanden auszunutzen, indem ich ihm Hoffnungen auf mehr mache. Allerdings kann gewisses freundschaftliches Verhalten meinerseits, zum Beispiel Umarmungen oder Küsse auf die Wange natürlich dahingehend interpretiert werden. 

Bin ich jetzt diejenige, die sich Orbiter hält und diese ausnutzt? Ich bin immer davon ausgegangen, dass auch männliche Wesen in der Lage sind, selbst zu denken und genau wissen, was sie tun. Also liegt es doch nicht in meiner Verantwortung, sie davon abzuhalten, für mich zu bezahlen?! 

Ich habe das sogar mal versucht und wollte die Rechnung für mich und einen Freund übernehmen. Seine Reaktion war, dass er trotzdem für uns beide bezahlt hat und zu mir meinte: „Wie sieht das denn aus, wenn ich mich von einer Frau einladen lasse!“

Also bitte! Wieso bin ich dann „die Böse“?

Allerdings finde ich die Theorie von den Orbitern ziemlich interessant, da sie ein für mich bisher unerklärliches Verhalten eines Bekannten erklärt. Er war in der Vergangenheit immer sehr nett und aufmerksam und ist in letzter Zeit komisch abweisend mir gegenüber, was ich nie verstanden habe. Nun glaube ich, vielleicht hat er sich mehr erhofft, das nicht bekommen und fühlt sich ausgenutzt. Danke, Christian, ich habe das bisher nie aus dieser Perspektive gesehen! 

Ich selbst betrachte einige der Männer durchaus als Freunde, von denen ich nie etwas verlangen würde, was ich nicht selbst auch andersrum für denjenigen tun würde. Aber vielleicht ist die andere Perspektive doch eine komplett andere Sichtweise. 

Und was das „Mehr“ angeht: Bei einigen gibt’s das schon, wenn ich mal Lust habe, andere wiederum sprechen mich auf der Ebene gar nicht an. Komisch werden diejenigen, mit denen ich was hatte, auch manchmal, wenn sie merken, dass sie nicht der Einzige sind. Aber da hat sich bisher glücklicherweise jeder wieder beruhigt.

Eigentlich war ich immer nur zu jedem Menschen nett und freundlich, aber diese Theorie beschäftigt mich jetzt doch ein wenig. Verletze ich vielleicht unbewusst Menschen, die ich eigentlich mag?

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Misandrismus und wovon das ganz sicher KEIN Teil ist!

(Füllartikel. Der 15. ist auch noch frei. Meldet euch!)
(Ich verwende hier das sprachlich generische Maskulinum.Warum erkläre ich hier. Der Grund ist ganz einfach. Gleichgewicht)
Vor kurzen hatte ich eine Unterhaltung mit einer sehr lieben Freundin aus dem Netz.  Zusammengefasst war es ihre Kritik an mich und auch an Männerrechtler, dass der Feminismus pauschal herabgewürdigt wird.  Dies  ist der Eindruck den sie aus meinen Retweets gewonnen hatte, daher müsse sie diese abstellen.
Ich war etwas baff, wieso können Retweets so einen Eindruck auslösen? Ich schreib doch ständig, „Teil des Feminismus“ oder „RadFems“ und versuch klar zu machen, dass ganz sicher nicht DER Feminismus gemeint ist.  Aber als ich meine Time Line so anschaute wurde mir schnell klar, dass es völlig egal ist wie man schreibt, wenn Fem im Wort steckt, wird jeder Feminist mit der Zeit allergisch.  Denn ob Teil oder Ganzes, es ist mit dem Begriff verbunden und drückt diesen egal was man tut, ins Negative. Und machen damit die Arbeit die mit diesem Begriff verbunden ist ebenfalls schwer, da sie in der Öffentlichkeit den Eindruck des „Feminismus ist böse“ transportieren.
Und wenn ich sehe, in welch demagogischen Weise von sich als „Feministen“ bezeichnenden Personen die Grenze zu Volkverhetzung, gerne und oft übertreten wird, aber weder Feministen oder Medien sich davon distanzieren, es aufgreifen und verurteilen oder sogar anprangern,  oft sogar arglos einen Fake weiterverbreiten,  dann ist es schwer produktiv arbeitende Feministen von den menschenverachtenden Fanatikern so zu unterscheiden wie es richtig wäre, weil damit sofort die Abwertung des Feminismus gesamt verbunden wird, was jeder, auch ich, scheut, weil es der wirklich guten Sache des Kampfes für Menschenrechte schadet.

Daher habe ich mich entschieden, zukünftig diesen Teil der sich in der Frauenbewegung versteckt, aber mit Feminismus NICHTS zu tun hat, auch anders zu benennen. Und da dieser Teil ganz offenbar von der  Schrift von Valerie Solanas ihrem „Manifest“ inspiriert wird, nenne ich diesen Teil zukünftig aufgrund der darin enthaltenen systematischen Männerfeindlichkeit Misandrismus und die Anhänger dieser menschenverachtenden Ideologie Sympathisanten des Misandrismus oder echte Misandristen.
Es gibt auch sehr viele Menschen die sich absolut NICHT mit den Ideen dieser faschistoiden Ideologie übereinstimmen, aber bereits von den manipulativen Aussagen beeinflusst werden. Diese nützlichen Idioten, verrichten die alltägliche Arbeit um dem Misandrismus zum Durchbruch zu verhelfen. Sie verbreiten den Geschlechterrassismus ungehindert und sorgen für Abwehr, wenn dieser angeprangert wird.  Die nächste Stufe sind dann die echten Sympathisanten. Diese sind bereits nicht nur unwissend tätig, sondern fühlen sich diesem Gedankengut verbunden. Die Quelle kann ihnen durchaus nicht geläufig sein, oder sie verknüpfen diese Ideen nicht unmittelbar mit  dem „Manifest“.  Jedoch sind sie bereits selbst der Meinung, dass Männer minderwertiger sind, dass Männer das Problem darstellen und man das Problem nur lösen kann, wenn man die Männer aus den Machtpositionen vertreibt und vom Nachwuchs fernhält. Die letzte Stufe sind dann echte Aktivisten des Misandrismus die keinen Hehl aus ihrer pauschalen Männerverachtung machen. Diese halten sich derzeit natürlich bedeckt, da die Akzeptanz eines offenen gewalttätigen Sexismus gegen Männer gesellschaftlich nicht gegeben ist.

Aber wie definiert sich diese Ideologie jetzt?  Was sind die Kriterien, die sie beschreiben und damit auch abgrenzbar gegenüber dem Feminismus machen?
Diese ergeben sich nahtlos auf der Grundlage der Schrift von Solanas:

  1. Das männliche Geschlecht, also jeder der zufällig mit einem Penis geboren wurde, wird im Misandrismus pauschal als minderwertig angesehen. Die Eingrenzung auf diese Gruppe von heterosexuellen weissen Männern dient offenbar nur der Herstellung von Akzeptanz für generelle Herabwürdigung von Menschen aufgrund ihrer Geburtsmerkmale.   #killmostmen und die Anfeindungen die schwarze heterosexuelle Männer in den USA ausgesetzt sind, zeigen das es hier erstmal um heterosexuelle Männer gesamt geht bei der Verfolgung.
  2. Die Schlechtigkeit des Mannes wird im Misandrismus entweder mit Biologie begründet, dazu werden Studien herangezogen, die beweisen sollen, das jeder Mann ein potentieller Gewalt- und Sexualtäter ist, sich bereichern möchte und zur Unterdrückung körperlich Schwächerer (womit Frauen gemeint sind) neigt.  Eine andere Taktik ist es die Soziologie zu bemühen und die Erziehung der männlichen Kinder verantwortlich zu machen, womit eine frühe Umerziehung nur der Jungen notwendig ist.  Diese Argumentation wird gern angenommen auch von Teilen des Feminismus, jedoch lässt der Misandrismus unerwähnt, dass eine gleiche Erziehung, eine gleiche Sozialisation aus deren Sicht gar nicht möglich ist, weil nur die Frauen schwanger werden können und nur die Erfahrung der Menstruation und die Schwangerschaft prägen dann die Frau so, dass sie zum besser befähigten Geschlecht wird.
  3. Jungen werden als generell befähigt zu Unterdrückung, Sexual- und Gewalttaten gesehen, als Nachkommen des minderwertigen Geschlechts und daher werden sie auch nicht genauso geschützt, wie es bei weiblichen Kinder der Fall ist.  Mißbrauch an männlichen Kinder wird selten thematisiert, wenn dann immer nur in Zusammenhang mit dem „viel höheren“ Missbrauchsfällen bei Mädchen. Die Unversehrtheit des Körpers des männlichen Kindes ist irrelevant. Ob ein junger Mann im Krieg stirbt oder nicht, ist ebenfalls nicht wichtig und daher wird drauf geachtet, dass dies in Medien auch nicht erwähnt wird.
  4. Schwangerschaft wird vom Misandrismus als etwas Einzigartiges gesehen. Die Frau ist allein dazu befähigt und der Mann ist bei Schwierigkeiten zu entsorgen, da die Kinder der Mutter gehören und  ein Mann nur als Samenspender gebraucht wird.  Zeugung wird als etwas völlig Nebensächliches angesehen.
  5. Frauen als Gesamtgruppe, als Masse, wird durch Manipulation von Statistiken, durch Medienartikel und weitere Möglichkeiten die Öffentlichkeit zu beeinflussen, suggeriert, dass ihr größter Feind nicht nur der Mann auf der Strasse, sondern besonders der Mann zuhause sei, so sie heterosexuell sind. Es wird ein Massengefühl erzeugt, dass jeden Angriff eines Mannes auf eine Frau, zum Angriff auf alle Frauen werden lässt. Daher wird auch jeder Eifersuchtsmord der eine Frau zum Opfer hat, einem „Femizid“ zugeordnet. Der Eindruck der erweckt werden soll, ist das DIE Männer DIE Frauen dezimieren wollen. um weiter zu herrschen.
  6. Die Heterosexualität wird bei Männern in Zusammenhang mit ständiger Bereitschaft Gewalt und  Vergewaltigung auszuüben gebracht.  Der Misandrismus erklärt, dass die Gefahr vom Mann und allein vom Mann ausgeht. Jede Frau ist in Gefahr, jede Frau verdient den Schutz der gesamten Gesellschaft, wenn sie einen Mann beschuldigt, ihr Gewalt angetan zu haben, sie vergewaltigt zu haben. „Frauen lügen nicht in so einer Situation, oder nur minimal“.
  7. Der Rechtsstaat wird in Frage gestellt, es wird verlangt dass pauschal „die spezielle Situation“ von Frauen bei der Strafzumessung bei Taten berücksichtigt werden müsse. Die Schuldigkeit eines Mannes ist bereits dadurch erwiesen, dass ihn eine Frau anzeigt. Die Unschuldsvermutung wird als Schutz des Patriarchats von Tätern innerhalb der RapeCulture gedeutet und daher abgelehnt. „Nur ganz wenige Frauen lügen in so einer Situation. Das ist vernachlässigbar“. Auch über die Einrichtung getrennter Männer- und Frauengerichtsbarkeit wird theoretisiert.
  8. Es wird eine Männerherrschaft erklärt, auf die aber nicht näher eingegangen wird, die weltweit alle Frauen unterdrückt. Damit ist beim Misandrismus nicht gemeint, dass dies unpersonal erfolgt, sondern hier sind es pauschal DIE Männer, die dafür verantwortlich sind.  Jeder einzelne ist (mit)verantwortlich. Wo der Feminismus strukturelle Probleme sieht, bei der Männer zwar mitwirken aber nicht nur, da sieht der Misandrismus eine einzige Kollektivschuld aufgrund des Geschlechts. Und die einzige Lösung darin, die Männer aus der Gesellschaft weitestgehend zu entfernen.
  9. Das Einsetzen der Sexualität zu politischen Zwecken, wird ständig propagiert und auch durchgeführt.  Die sekundären Geschlechtsmerkmale, die Brüste werden als Botschaft eingesetzt, weil dadurch die Medienaufmerksamkeit erreicht wird, aber auch eine Kritik an der transportieren Botschaft, sofort mit Sexismusvorwurf erstickt werden kann.  Dieses exzessive Nutzen sexueller Symbolik ist auch schon in den Feminismus eingedrungen.
  10. In Werbung, Plakaten oder auch sonst in der Öffentlichkeit wird die „Würde“ der Frau besonders betont.  Im Gegensatz zum Feminismus wird aber nicht die Objektifizierung angeklagt, sondern dass die „Frau nicht gewürdigt wird“, es ist eine Beleidigung aller Frauen, da sie gegenüber dem Mann etwas Höherwertiges darstellt  Dies drückt sich dann darin aus, das ähnliche oder gleiche „Herabwürdigungen“ von männlichen Werbeträgern, nicht als Sexismus gesehen werden könne, da es keinen Sexismus gegen Männer gibt.
  11. Gewalt als Mittel gegen „die Unterdrückung durch DIE Männer“ wird im Gegensatz zum Feminismus nicht abgelehnt, sondern offensiv verbreitet. Die Misandristen nennen sich „radikale Feministen“ (sind aber keine) oder „Terrorfeministen“ und ummanteln sich so mit der gesellschaftlichen Ausprägung die zum Feminismus gehört und die in vielen progressiven Teilen der Bevölkerung als wichtig und hilfreich wahrgenommen wird. Die Misandristen schwimmen auf der Welle mit und können sich perfekt in der gesellschaftlichen Bewegung verbergen.

Somit ist im Feminismus dann auch oft eine sehr zwiespältige Haltung zu finden. Einige  sympathisieren mit dem Gewaltaufruf oder der Demagogie, weil ja sowieso „nicht ernst gemeint“ oder eigentlich nur ein Notwehrakt gegen über dem Patriarchat. Weil gegen dieses System um es zu vernichten, jedes Mittel recht ist. Andere grenzen sich ab, aber finden es schnell lästig sich damit zu beschäftigen und ignorieren die faschistoiden Tendenzen einfach. Der Misandrismus kann sich daher ungehindert weiter ausbreiten.

Was ich also bekämpfe ist NICHT Teil des Feminismus. Sondern ein faschistoides Gebilde das sich darin versteckt. Der Misandrismus. Und diesen bekämpfe ich vehement und ohne Abstriche.  Und damit ist auch der Feminismus nicht betroffen, sondern sollte im Gegenteil mithelfen diesen Anfängen zu wehren. Ich bin ein AntiMisandrist und ich hoffe, dass sich noch viele andere auch offen und klar gegen diese Personen äußern und auftreten. Gegen alle Personen, die bei anderen Menschen aufgrund Geschlecht oder Abstammung deren Gleichrangigkeit  (und im Extremfall die  Existenzberechtigung) in Frage stellen.

KeinFußbreit für Nazis, aber auch keiner für Misandristen.

 

 

 

Sie wurden gegendert!

Ich studiere an einer kleinen Uni, die sehr groß bei Genderfragen ist, wirklich alles scheint gegendert zu werden, denn sobald ich mich als Geisteswissenschaftler bezeichne, wird mir aus allen möglichen Ecken ein <in> an das Wort hingebastelt. Gender ist das große Thema der Wissenschaft und ich habe in jeder meiner Abschlussprüfungen ein Genderthema gehabt. In diesem Zuge lernt man viel über völlig groteske Auswüchse unsere gendergerechtigkeitsfanatischen Gesellschaft und gerade dann, wenn sich Dozentinnen mittleren Alters die Befreiung der Frau auf die Fahne geschrieben haben.

Mein Freund besucht gerade eine Vorlesung, in der das Thema auch sehr wichtig ist. Denn man soll schließlich auch Jungen dazu bringen, zu lesen und Bücher nicht als Stützen für wackelnde Möbelstücke zu sehen. Das Seminar wird von einer sehr frauenbewegten Dame gehalten und dementsprechend ist der Tenor. Schlimm genug, dass man nicht die eigene Meinung vertreten kann, weil es einem negativ ausgelegt werden könnte, kam sie auf das Thema Gendergerechtigkeit zu sprechen und lamentierte sich zu Tode. Hinter mir regte sich Widerstand. Klein, süß, drittes Semester. Sie meldete sich und beschwerte sich dann über das Gendern der Sprache in jedem verfluchten Kontext – hatte zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber es ließ mich grinsen. An jedes Nomen, das Berufsgruppen beschreibt, muss man jetzt ein <in> hängen und das dann noch dementsprechend umbauen. Lehrerinnen und Lehrer finde ich ja noch nett, Studentinnen und Studenten ist auch ok. Aber Studierende (was ja sowieso mein Hasswort ist) zu genderderivieren finde ich dämlich. Denn es ist nicht nur mehr Schreib- und Formulierungsaufwand, sondern es stellt einen vor ein neues Problem: Manche Berufe haben seltsame weibliche oder männliche Versionen.

So gibt es Polizistinnen, Gärtnerinnen oder Mechanikerinnen, beim Kindergärtner wird es dann schon schwierig. Auch Maschinenschweißerin, Maurerin oder Galvanisateuse finde ich seltsam. Ich fragte mich auch lange Zeit, ob es einen Krankenbruder oder einen Kosmetiker gäbe oder wie ich Kardinälin, Bischöffin oder Päpstin werden könne.

All das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass die Debatte um Frauen- und Männerberufe eine große ist. Trotzdem bin ich momentan froh, dass sich mein Job zwar gendern lässt, es aber recht egal ist, dass ich eine Frau bin.

Wenn die Frau das Geld verdient…

«Wie viele Frauen in Deutschland leben vom Geld ihrer Männer? Die haben das immer gemacht. Und wenn man das umdreht, gibt es einen großen Aufschrei. Das ist doch eigenartig», meint Susanne. Sie ist eine von drei «Haupternährerinnen», wie sie vor Jahren einmal in einer Reportage des ZDF porträtiert worden sind. «Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden und eine sinnvolle Arbeit zu tun», sagt Lutz in der Sendung, ein Hausmann, dessen Frau Alexandra mit ihrer Zahnarztpraxis für das Familieneinkommen zuständig ist.

In immer mehr Partnerschaften verdient sie mehr als er: Sie putzt, er kocht und näht, beide betreuen ihren dreijährigen Sohn. Das alles klingt auf den ersten Blick ganz harmonisch. Doch wie sieht es in Familien aus, in denen die Frauen die Haupternährerrolle innehaben und der Mann für den Haushalt zuständig ist? Warum haben sich die Rollen in diesen Familien umgekehrt?

Haupternährerinnen haben sich ihre Rolle nur selten freiwillig ausgesucht, wie aus einem Papier der deutschen Hans Böckler Stiftung (online nicht mehr verfügbar) hervorgeht. Dabei werden drei Arten von Haupternährerinnen aufgeführt: die Freiwilligen, die Zufälligen und die Widerstrebenden. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland «überwiegt die Zahl der Frauen, die unbeabsichtigt Familienernährerin werden – wegen der Trennung vom Partner beziehungsweise der Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit der Väter (…) Frauen werden überwiegend unfreiwillig Familienernährerinnen, entweder als Partnerinnen von arbeitslosen oder prekär beschäftigten Männern – oder als allein Erziehende

Dass auch alleinerziehende Frauen unter die Kategorie Haupternährerin fallen, ist angesichts der Tatsache, dass zwischen 60 und 80 Prozent aller Scheidungen von Frauen eingereicht werden, etwas fragwürdig, zumindest dann, wenn diese Frauen gleichzeitig unter die Kategorie der Unfreiwilligen gezählt werden. Item: Familien, in denen die Rollen sozusagen vertauscht gelebt werden, weisen zwei Merkmale auf:

  • Zum einen herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass man einem Partner die Ernährerrolle nicht ein Leben lang aufbürden kann – eine Einsicht, die in «traditionell» organisierten Familienformen gar nicht erst anzutreffen ist: «Nach Ansicht der Befragten sollten weder Mann noch Frau den Druck dauerhaft allein tragen, für das Familieneinkommen sorgen zu müssen (…).»
  • Zum anderen sind Frauen häufig Geringverdienerinnen und müssen die finanzielle Verantwortung für eine Familie unter ungleich härteren Bedingungen tragen, als die meisten Männer in derselben Rolle. Kommt hinzu, dass sie als «Haupteinkommensbezieherinnen deutlich mehr Zeit für die Kinder aufwenden als ihre Partner. Ein Rollentausch – die Mutter verdient das Geld, der Vater hütet die Kinder – findet in der Regel nicht statt.»

Das klingt zweifellos ernüchternd. Wer sich aller dings einmal mit Studien und Untersuchungen zur psychischen Verfassung von Arbeits- und Erwerbslosen auseinandergesetzt hat, weiss, dass der Verlust des Arbeitsplatzes – auch unter dem Aspekt, dass damit die Rollenvorstellungen vieler Männer plötzlich und abrupt in Frage gestellt werden – gesundheitlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Vor allem bei Langzeitarbeitslosen. Damit soll selbstverständlich nicht bestritten werden, dass es Männer gibt, die sich ganz bewusst vor der Haus- und Familienarbeit drücken.

Fest zu halten bleibt lediglich, dass der vielbeschworene Rollenwandel bislang kaum freiwillig stattfindet. Doch vielleicht liegt gerade darin eine Chance: Eine US-amerikanische Studie geht bereits schon davon aus, dass der Anteil der Familienhaushalte, in denen die Frauen den Grossteil an das Haushaltseinkommen beisteuern, in naher Zukunft auf über 30 Prozent steigen könnte.

Warum ich sie für Männer halte

Vor fast zwei Monaten gab es einige interessante Beiträge zu Männlichkeit. Es wurde zwar keine Blogparade daraus, ich möchte aber gerne über ein Erlebnis berichten, das thematisch daran anschließt.

Einige Tage zuvor war bei Christian in den Kommentaren der Hinweis aufgekommen, dass gerade junge Männer den schlechtesten Leumund hätten und ihnen Chancen fehlen würden, sich ihrer neuen oder bevorstehenden Rolle als würdig zu erweisen.

Es war in einer Kneipe in einer Großstadt. Ich war erst zum zweiten Mal da, wusste aber bereits, dass hier viel Livemusik gespielt wurde. Die Dekoration (Bandposter aus vergangenen Jahrzehnten und alte E-Gitarren und -Bässe an den Wänden) machte ebenfalls einen schönen rockigen Eindruck. Es war ein Abend mit offener Bühne, bei dem zunächst eine Band spielte und dann jeder, der Lust hatte, selbst Musik machen konnte.

Das Angebot war noch recht neu und entsprechend tummelten sich die spielwütigen Musiker. Da war alles dabei von vielleicht Ende 20 bis zu in Ehren ergraut. Zur allgemeinen Skepsis des Publikums um mich herum ging eine als Schülerband angekündigte Formation auf die Bühne. Wir guckten uns alle etwas zweifelnd an, ein Eindruck, der sich noch verstärkte, als die jungen Damen zum Teil ihre Texte vom Smartphone ablasen. Was war nur aus der guten alten Rockmusik geworden?

Nach vielleicht drei Liedern wurden die Stücke jedoch besser und es kristallisierte sich heraus, dass die wechselnden Sängerinnen alle mindestens ein Lied in petto hatten, das zu ihrer Stimme passte und sie auch drauf hatten. Nun nickten sich die Zuhörer anerkennend zu. Doch, die konnten etwas!

Auch die jungen Herren, die jetzt als Sänger und Rapper auf die Bühne kamen, stießen auf allgemeine Zustimmung. Und als ich schließlich selbst die Bühne bestieg um ein wenig zu spielen und zu singen, da hatte ich eine Begleitband, die zu großen Teilen aus etwa 18-jährigen bestand und ihre Sache wunderbar machte.

„Warum sind das Männer?“, ging es mir durch den Kopf. „Warum werden diese Typen offensichtlich als Männer wahrgenommen und akzeptiert, obwohl sie noch so jung sind? Wieso klappt hier, was ansonsten doch so schwer sein soll?“

Eine perfekte Erklärung habe ich nicht. Es gibt jedoch einige Hinweise darauf, was richtig gelaufen ist:

Die Jungs fielen nicht durch allzu deutliche Zugehörigkeit zu einer Jugendsubkultur auf. Selbst die Hiphopper erfüllten größtenteils hinsichtlich ihrer Kleidung nicht die Klischees. Stattdessen kam mir die Gruppe wie die typische Mittelschichtjugend vor, aus bürgerlichem Elternhaus, ordentlich angezogen, ohne besonders auffällig zu sein und damit rein äußerlich nicht besonders aneckend, sondern für einen Erwachsenen erträglich.

Das, was sie machten, konnten sie. Die männlichen Musiker und Sänger hatten durch die Bank ihre Sache drauf. Sie wirkten souverän in dem, was sie taten. Weder strahlten sie Aufregung aus, noch machten die große Augen ob des Publikums, das sie zum ersten Mal erlebte und sie beklatschte.

Das wurde noch dadurch verstärkt, dass sie sich selbst nicht allzu sehr feierten, obwohl in ihrer Gruppe ja durchaus Damen anwesend waren, die entzückt waren und die man vielleicht hätte beeindrucken wollen. Die Frauen waren zudem in der Minderheit, aber es fand kein Hauen und Stechen um sie statt.

Die Begleitmusiker erledigten ihren Job, ohne allzu viele Worte verlieren zu müssen. Sie brauchten nicht lange zu reden, sondern konnten auf einen gezielten Hinweis hin losspielen.

Bei den Wechseln am Mikrophon wirkte die ganze Gruppe unglaublich locker. Die Typen konnten lächeln, jeder bekam sein Maß an Aufmerksamkeit, man spornte sich gegenseitig an und komplimentierte den anderen auf die Bühne.

Später mischten sich weitere ältere Musiker mit den jungen Leuten. Es wirkte wie ein gleichberechtigtes Spiel und nicht wie ein Wettkampf, bei dem die altgedienten Veteranen den jungen Hüpfern einmal zeigen wollten, wo der Hammer hängt, oder bei dem sich die jüngeren künstlich von den älteren abgrenzen mussten.

Es war eine Freude zu sehen, wie diese geschätzt 18-jährigen eine Menge Spaß hatten und dabei auch die anderen unterhielten. So ganz nebenbei durchlebten sie eine positive Rolle, die sie einnehmen konnten. Aber daran dachte in diesem Moment wohl nur ich, durch die Diskussion bei Alles Evolution in meiner Aufmerksamkeit geschärft.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Textzeile „Don’t Wanna Be A Boy, You Wanna Be A Man“ passt doch wunderbar.

Michael Jackson: Beat It

Warum Conchita Wurst ein Signal an alle Jungs, an alle Männer ist! An alle Menschen!

(Füllartikel. Der 11. ist noch frei. Meldet euch!)
(Ich verwende hier das sprachlich generische Maskulinum.Warum erkläre ich hier. Der Grund ist ganz einfach. Gleichgewicht)
Der Mensch Tom Neuwirth, der zufällig männlich geboren worden ist, hat schon früh lernen müssen, was es bedeutet anders zu sein. Nicht der erwarteten Rolle aufgrund  des Geschlechts der Umgebung, der Frauen und Männer ringsum entsprechen zu können.
In Gmunden am Land geboren werden und aufzuwachsen im ländlichen Bad Mitterndorf  ist  für Leute die ihr Geschlecht hinterfragen kein Honiglecken. Das weiß jedes das auch am Land großgeworden ist. Irgendwann wurde er sich bewusst, dass der Weg der klassischen Liebe zwischen Mann und Frau nicht seiner ist und er begann sich seiner natürlichen Neigung zu Männer zu öffnen. Aber Menschen sind nicht nur oft sehr konservativ, was noch kein Fehler ist, es müssen nicht alle immer nur ohne Vorsicht, nach vorne stürmen, nein viele sind auch noch grausam.  Genauso grausam wie die „Fortschrittlichen“ sein können, wenn jemand nicht sofort mit will.
Hier waren es aber die (sogenannten) Kulturbewahrer, die Frauen und Männer die sich nur das binäre Sexual- und Geschlechtsmodell vorstellen können, die Tom wegen seiner Homosexualität und seinem Faible für Frauenkleidung diskriminierten und ihm das Leben sehr schwer machten.
Er wollte als kleines Kind, als Bub  einen Rock anziehen, was die Eltern tief verstört hat. Die Großmutter  hat ihm dann einen besorgt. Diese Schmähungen haben sich offenbar tief in seine Seele gegraben, denn obwohl er sein Dasein als schwuler Mensch leben konnte, wollte er auch die andere Seite von sich, dass was jene provoziert, die sich Männer in Frauenkleidern nicht vorstellen können zum Ausdruck bringen. Das und die Freude das weibliche Rollenbild als Mann ausleben zu können, scheint ihn veranlasst zu haben, Travestiekünstler zu werden.
Aber er wollte nicht komplett in die andere Geschlechterrolle schlüpfen. Er wollte ein Statement abgegeben. Er hat seinen natürlichen Bartwuchs als Mann behalten und sehr gepflegt samt der Frauenrolle präsentiert. Das heißt nicht anderes, als „Seht her! Mann, Frau, Sonstwas. Ist das nicht egal? Sind wir nicht alle nur Menschen!“.  Im Österreich ist auch das Wort „Wurst“ in Verwendung. „Ist mir wurst“ bedeutet „Ist mir herzlich egal was du denkst“.
Und das ist die Botschaft an alle Menschen, vordringlich an die zufällig männlich Geborenen.  Seid mutig, lasst euch nicht in einen Geschlechterkäfig stecken. Lass euch nicht per Penis in Geisselhaft nehmen und pauschal herabwürdigen.  Zieht Frauenkleider an, wenn euch danach zumute ist. Schneidert euch selbst eine passende Mode.  Verwischt die Grenzen zwischen den Geschlechtern. Mütter, Väter gebt euren Söhnen endlich die Freiheit. Sie sollen nicht länger zuschauen müssen wie nur zufällig weiblich geborene Kinder sich aus allen Zwängen befreien dürfen. Gebt allen diese Möglichkeit.

Es ist Zeit für den Aufbruch der Rollenzwänge. Es ist Zeit für eine Männeremanzipation. Aber eine Echte! Nicht das Klagen als Väter und Männer nicht mehr ernst genommen zu werden.  Nicht der Versuch der Mamas und Papas den Jungs noch mehr die Rolle als Mann aufzuzwingen.  Liebe Kämpferinnen für die Rechte der Frauen! Vergesst eure Söhne nicht auf dem Weg zur Befreiung der Geschlechter. Was ist Mann, was ist Frau?  Wenn Alf Poier meint: „Wenn jemand nicht weiß, ob er ein Manderl oder ein Weiberl ist, dann gehört er eher zum Psychotherapeuten als zum Song Contest.““ dann ist es an ihm, sein Verständnis von Mannsein und Menschsein gründlich zu überdenken. Nicht an Conchita „Tom“ Wurst.
Und es liegt an allen Männern die jetzt dieses Signal erhalten haben, ob dieser Mensch als Frau mit Bart  oder als Mann im Kleid gesehen wird.  Ersters wäre traurig und nur ein Freiheitsgrad noch mehr für Frauen.  Letzters wäre der Beginn einer neuen Welt.