Wer hat in den Beziehungen die Hosen an?

Einer der Punkte, der aus meiner Sicht innerhalb der Theorien zu den Geschlechtern oft zu kurz kommt, ist, dass ich Frauen in Beziehungen keineswegs als machtlos erlebe, sondern diese oft sehr viel zu sagen haben. Es gibt eben auch genug Männer, die „unter dem Pantoffel“ stehen und insoweit wenig zu sagen haben.

Die Position der Frau in vielen Beziehungen scheint mir nicht zu einer klassischen Theorie der Unterordnung zu passen; wenn ich schätzen müsste, dann würde ich sogar eher vermuten, dass die „Macht“ etwas mehr auf der Frauenseite liegt, auch wenn alle Varianten vertreten sind.

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Wozu man Männer noch gebrauchen kann

Neulich hat mich eine Bekannte gefragt, wofür man Männer denn heutzutage überhaupt noch gebrauchen könne.

Meine Fresse, schoss es mir durch den Kopf: Keine Ahnung! Zum Grillieren vielleicht? Oder für die Müllabfuhr..? Männer tragen ja  den Müllsack nicht nur bis vor die Haustüre, sondern fahren ihn von dort aus auch noch gleich bis zur nächsten Kehrichtdeponie! Oder haben sie schon einmal eine Müllfrau gesehen? Für die Kanalreinigung dürfte man sie wahrscheinlich ebenfalls noch ganz gut gebrauchen können, denke ich. Oder für das Verlegen von Strom-, Gas-, Telefon- und Wasserleitungen: Schliesslich brauchen wir ja Licht in der Küche, wenn wir spätabends noch schnell den Abwasch erledigen wollen, nicht? Oder mit einem Latte Macchiato in der Hand in einem Versandhauskatalog blättern. 80 Prozent aller Kaufentscheide werden übrigens von Frauen gefällt, wussten Sie das?

Item, zurück zum Thema: Männer planen ganze Städte, ziehen sie hoch, bauen Strassen, Wege, Autobahnen und Schienennetze, unterhalten Kraftwerke, bauen Staudämme, karren Rohstoffe, Nahrungsmittel und sonstige Güter 24 Stunden lang zu Wasser, zur See, zu Land oder auf dem Luftweg um die Welt, entwickeln und programmieren hochkomplexe Computernetzwerke, Schreibprogramme, Webbrowser und Apps für die ebenfalls von ihnen ersonnenen Smartphones, Laptops, Desktops und Tablets, gründen Firmen, schaffen weltweit Millionen von Arbeitsplätzen und gehen für sie mitunter halsbrecherische, unternehmerische Risiken ein. Sie retten Leben als Feuerwehrmänner, Polizisten oder Sicherheitsangestellte, ziehen Dämme um Städte bei Hochwasserkatastrophen, füllen zehntausende von Sandsäcken von Hand ab, evakuieren Menschen mit Helikoptern aus gefährdeten Gebieten, löschen Waldbrände, schneiden Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen mit Blechschneidern aus ihren Autos, suchen nach Verschütteten in Erdbebengebieten, stecken auf Ölbohrplattformen knietief im giftigem Bohrschlamm, entwickeln alternative Energiegewinnungsformen sowie Medikamente gegen alle möglichen Gebrechen und Krankheiten, erfinden ununterbrochen neue Dinge, die unser Leben angenehmer gestalten sollen, bauen Raketen, planen Missionen zum Mars, sind auf den Mond geflogen, springen mit dem Fallschirm aus genau 38’969,4 Metern Höhe auf die Erde, haben die Quantenmechanik ergründet, den tiefsten Punkt im Meer erkundet und den Mount Everest bestiegen, LSD entdeckt, den Reissverschluss erfunden sowie die Evolutionstheorie verfasst, zünden das Feuerwerk an Grossanlässen mit Netzwerkcomputern, organisieren Open-Air-Konzerte, Loverides, Filmfestivals und Freilichtspiele, veranstalten Sportanlässe, sind als Mäzene tätig, eröffnen gemeinnützige Stiftungen, gründen Hilfswerke wie die Médicines Sans Frontières- und sind im Notfall erst noch zuverlässig und pünktlich zur Stelle, wenn der Abfluss verstopft ist, das Türschloss kaputt- oder das Auto plötzlich nicht mehr anspringt!

Männer sind sozusagen die Heinzelmännchen unserer Zivilisation: Sie erledigen all diese Jobs ohne Murren, Jahr für Jahr, bei gutem und bei schlechtem Wetter, ob es regnet oder schneit, kalt ist oder warm, Tag und Nacht. Das ist für sie ganz selbstverständlich, dafür sind sie da, das ist ihre Aufgabe, das ist ihre Bestimmung! Und glauben Sie mir: Viele von ihnen würden noch so gerne einen Teil davon abgeben, denn das alles ist manchmal verdammt anstrengend..!

Fundstück: Männertränen

Evilmichi fragte gestern, ob Jungs weinen dürfen. Ich finde einige Kommentare unter dem Artikel sehr wichtig. „Männer und ihre Gefühle“ ist sowieso ein wunderbares Thema für dieses Blog.

Aber bevor ich näher darauf eingehe (ich habe schon etwas in Planung, das sich – auch – damit beschäftigt), erst einmal ein wenig Material. Das Wiki „TV Tropes“, welches zum Beispiel auf Doppelmoral eingeht und dabei wie selbstverständlich Sexismus gegen Männer behandelt (neben Sexismus gegen Frauen und Sexismus gegen beide Geschlechter), hat einen Artikel namens Manly Tears.

Dabei geht es darum, wann Tränen von Männern akzeptabel sind. Es folgen zahlreiche Beispiel aus der Popkultur, aber auch aus dem wahren Leben (Real Life). Dabei wird unter anderem verwiesen auf den Artikel „When Is It Okay for a Man to Cry?“ aus dem Blog „The Art of Manliness“ (Untertitel: „reviving the lost art of manliness“).

Beide Quellen, also sowohl der TV-Tropes-Artikel als auch der Blogeintrag, sind eine Diskussion wert. Ich finde sie deswegen ansprechend, weil sie nicht normativ vorgehen („Wie sollte es sein?“), sondern positiv („Wie ist es?“) und sich daher nicht mit irgendwelchen Wunschvorstellungen befasse, sondern mit der Welt, wie sie im Moment ist. Außerdem nennen sie sowohl Positiv- als auch Negativbeispiele, was viel besser zur Unterscheidung geeignet ist.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal liegt das Lied auf der Hand.

The Cure: Boys Don’t Cry

Dürfen Jungs weinen?

Dieses Video bringt die Problematik ganz gut rüber, wie ich finde.

Hierzu möchte ich euch etwas erzählen, was sich vor etwa zweieinhalb Jahren in unserem Kindergarten zugetragen hat.

Mein Sohn, damals noch nicht ganz oder gerade eben fünf Jahre alt, bekam einen neuen Platz in der Garderobe zugewiesen und war momentan mit der Situation überfordert. Er steigerte sich in einen waschechten Heulkrampf hinein.

Eine andere Mutter, deren Sohn etwa im selben Alter ist wie meiner, begann damit, dass sie uns schräg anschaute. Als nächstes begann sie, auf meinen Sohn einzureden, so à la „Was regst du dich denn auf, schau mal, die anderen Kinder weinen doch auch nicht!“ und schloss mit der Feststellung „Du bist ein Junge und Jungs weinen nicht!“ Dass ich gerade dabei war, beruhigend auf ihn einzureden, ignorierte sie dabei geflissentlich. Ich informierte sie darüber, dass ich das mit meinem Sohn ganz gut allein klären kann und damit war die Sache für mich erledigt.

Einige Tage später holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab, und der Sohn von der oben erwähnten Mama wurde ebenfalls von ihr abgeholt. Er kam weinend aus dem Kindergarten gelaufen, doch anstatt ihn zu trösten rügte sie ihn und befahlt ihm, er solle aufhören zu heulen, denn Jungs weinten schließlich nicht.

Es ist natürlich ihre Sache, ob sie ihren Sohn tröstet oder zusammenscheißt, wenn er weint. Doch innerlich wühlte mich dieser Vorfall ziemlich auf, denn ich selbst bezeichne meinen Sohn nicht als Heulsuse, wenn er weint. Ich tröste ihn. Dies hat mit meiner gesamten Erziehungs-Philosophie zu tun, welche ich nach Marshall B. Rosenbergs „gewaltfreier Kommunikation“ gestalte. Zumindest versuche ich es nach Kräften, und natürlich gilt auch hier: mal gelingt es mir besser, und mal nicht so gut.

Mich interessieren an dieser Stelle vor allem folgende Fragen:
1) An diejenigen von euch, die selbst Kinder haben: Wie handhabt ihr das, speziell bei euren Jungs? Tröstet ihr sie, wenn sie weinen? Wertet ihr das Weinen als „weibisch“ ab? Oder wie reagiert ihr?
2) An die Männer: Weint ihr auch mal, wenn euch etwas emotional berührt?
3) An die Frauen [und natürlich auch die Männer]: Wie findet ihr das, wenn ein Mann weint? Ist es für euch okay oder eher no-go?

Ich selbst halte nichts davon, Gefühlsäußerungen zu unterdrücken. Klar, im Berufsleben braucht es Professionalität und keine Gefühlsduselei. Wobei man hier, je nach Beruf, auch mal eine Ausnahme machen kann. Und wer bietet schon gern in der Öffentlichkeit eine Angriffsfläche, indem er oder sie vor aller Augen weint. Ich jedenfalls nicht. Aber innerhalb der Familie? Kann mann es wagen? Oder widerspricht es dem, was gemeinhin unter „Männlichkeit“ verstanden wird? Kann man – soll man – daran etwas ändern oder ist es zu  fest in unseren Köpfen verankert?

Welche Probleme machen für euch die Geschlechterthemen aus?

Als Einstimmung auf die Artikel würde mich interessieren, welche Probleme oder Themen mit Geschlechterbezug für euch jeweils die wichtigsten sind und warum.

Fundstück: Erzählmirnix zu Diagnosen

Da für heute niemand einen Artikel eingestellt hat, liefere ich ein kleines Fundstück aus dem Netz. Was man so alles findet beim Recherchieren…

Erzählmirnix ist Psychotherapeutin. Sie hat sich längere Zeit mit Feministinnen und Maskulisten befasst.

Sie sagte unter anderem Ich vermute, die meisten Radikalfeministinnen haben das ein oder andere Trauma im Hintergrund sowie So wie der Maskulismus Anlaufstelle für Männer mit posttraumatischer Verbitterungsstörung zu sein scheint.

Nun kenne und schätze ich ihren Humor und habe über den Begriff „posttraumatische Verbitterungsstörung“ ordentlich schmunzeln müssen. Was für einen grandiosen Wortwitz diese Frau hat!

Bis ich dann herausfand, dass es diesen Begriff tatsächlich gibt. Manchmal schreibt das Leben die besten Pointen… Erzählmirnix hat übrigens angekündigt/versprochen/angedroht (Nichtzutreffendes bitte streichen), einen Gastartikel zu schreiben!

Bitte achtet auf Eure Diskussionskultur, man kann ganz normal mit ihr reden! Das merkt man schon daran, wie sie auf Kommentare reagiert. 😉

Ach so, mit diesem Eintrag sollte ja wohl bewiesen sein, wer Erzählmirnix‘ größter Blog-Groupie ist. Dabei war das doch schon vorher klar… ach, immer diese albernen Wettbewerbe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? In diesem Klassiker geht es um einen Mann, der eingewiesen wird.

Joachim Witt: Goldener Reiter