Dürfen Jungs weinen?

Dieses Video bringt die Problematik ganz gut rüber, wie ich finde.

Hierzu möchte ich euch etwas erzählen, was sich vor etwa zweieinhalb Jahren in unserem Kindergarten zugetragen hat.

Mein Sohn, damals noch nicht ganz oder gerade eben fünf Jahre alt, bekam einen neuen Platz in der Garderobe zugewiesen und war momentan mit der Situation überfordert. Er steigerte sich in einen waschechten Heulkrampf hinein.

Eine andere Mutter, deren Sohn etwa im selben Alter ist wie meiner, begann damit, dass sie uns schräg anschaute. Als nächstes begann sie, auf meinen Sohn einzureden, so à la „Was regst du dich denn auf, schau mal, die anderen Kinder weinen doch auch nicht!“ und schloss mit der Feststellung „Du bist ein Junge und Jungs weinen nicht!“ Dass ich gerade dabei war, beruhigend auf ihn einzureden, ignorierte sie dabei geflissentlich. Ich informierte sie darüber, dass ich das mit meinem Sohn ganz gut allein klären kann und damit war die Sache für mich erledigt.

Einige Tage später holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab, und der Sohn von der oben erwähnten Mama wurde ebenfalls von ihr abgeholt. Er kam weinend aus dem Kindergarten gelaufen, doch anstatt ihn zu trösten rügte sie ihn und befahlt ihm, er solle aufhören zu heulen, denn Jungs weinten schließlich nicht.

Es ist natürlich ihre Sache, ob sie ihren Sohn tröstet oder zusammenscheißt, wenn er weint. Doch innerlich wühlte mich dieser Vorfall ziemlich auf, denn ich selbst bezeichne meinen Sohn nicht als Heulsuse, wenn er weint. Ich tröste ihn. Dies hat mit meiner gesamten Erziehungs-Philosophie zu tun, welche ich nach Marshall B. Rosenbergs „gewaltfreier Kommunikation“ gestalte. Zumindest versuche ich es nach Kräften, und natürlich gilt auch hier: mal gelingt es mir besser, und mal nicht so gut.

Mich interessieren an dieser Stelle vor allem folgende Fragen:
1) An diejenigen von euch, die selbst Kinder haben: Wie handhabt ihr das, speziell bei euren Jungs? Tröstet ihr sie, wenn sie weinen? Wertet ihr das Weinen als „weibisch“ ab? Oder wie reagiert ihr?
2) An die Männer: Weint ihr auch mal, wenn euch etwas emotional berührt?
3) An die Frauen [und natürlich auch die Männer]: Wie findet ihr das, wenn ein Mann weint? Ist es für euch okay oder eher no-go?

Ich selbst halte nichts davon, Gefühlsäußerungen zu unterdrücken. Klar, im Berufsleben braucht es Professionalität und keine Gefühlsduselei. Wobei man hier, je nach Beruf, auch mal eine Ausnahme machen kann. Und wer bietet schon gern in der Öffentlichkeit eine Angriffsfläche, indem er oder sie vor aller Augen weint. Ich jedenfalls nicht. Aber innerhalb der Familie? Kann mann es wagen? Oder widerspricht es dem, was gemeinhin unter „Männlichkeit“ verstanden wird? Kann man – soll man – daran etwas ändern oder ist es zu  fest in unseren Köpfen verankert?

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Welche Probleme machen für euch die Geschlechterthemen aus?

Als Einstimmung auf die Artikel würde mich interessieren, welche Probleme oder Themen mit Geschlechterbezug für euch jeweils die wichtigsten sind und warum.

Fundstück: Erzählmirnix zu Diagnosen

Da für heute niemand einen Artikel eingestellt hat, liefere ich ein kleines Fundstück aus dem Netz. Was man so alles findet beim Recherchieren…

Erzählmirnix ist Psychotherapeutin. Sie hat sich längere Zeit mit Feministinnen und Maskulisten befasst.

Sie sagte unter anderem Ich vermute, die meisten Radikalfeministinnen haben das ein oder andere Trauma im Hintergrund sowie So wie der Maskulismus Anlaufstelle für Männer mit posttraumatischer Verbitterungsstörung zu sein scheint.

Nun kenne und schätze ich ihren Humor und habe über den Begriff „posttraumatische Verbitterungsstörung“ ordentlich schmunzeln müssen. Was für einen grandiosen Wortwitz diese Frau hat!

Bis ich dann herausfand, dass es diesen Begriff tatsächlich gibt. Manchmal schreibt das Leben die besten Pointen… Erzählmirnix hat übrigens angekündigt/versprochen/angedroht (Nichtzutreffendes bitte streichen), einen Gastartikel zu schreiben!

Bitte achtet auf Eure Diskussionskultur, man kann ganz normal mit ihr reden! Das merkt man schon daran, wie sie auf Kommentare reagiert. 😉

Ach so, mit diesem Eintrag sollte ja wohl bewiesen sein, wer Erzählmirnix‘ größter Blog-Groupie ist. Dabei war das doch schon vorher klar… ach, immer diese albernen Wettbewerbe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? In diesem Klassiker geht es um einen Mann, der eingewiesen wird.

Joachim Witt: Goldener Reiter

Weiteres zur Organisation

Ein paar Punkte wollte ich noch ansprechen:

1. Einladungen von Autoren:

Bisheriger Stand ist:

Letzter Stand:
01. Jon Gunnarsson
03. Honeyinheaven
05. Evilmichi
08. Marcel Zufferey
10. Alter Knabe
12. Graublau
16. Miria
19. Aranxo
22. Gerhard
24. Elitemedium
26. Franz
28. Virtual-CD
29. Martin

Alle sollten bereits Einladungen zum Blog bekommen haben, einige haben sie aber noch nicht bestätigt. Wer noch nicht bestätigt hat, der möge das bitte machen, wer eigentlich eine Einladung bekommen haben sollte, aber noch keine hat, der möge bitte in den Kommentaren eine kurze Mitteilung schreiben, dann versuche ich das zu lösen.

Wer noch als Autor mitmachen möchte, der schreibt bitte einen Kommentar in der ungefähren Form von:

„Ich würde gerne als Autor mitmachen, bitte merke mich für den ?. (Einen freien Tag einsetzen) vor.“

2. Gastartikel

Wer nicht als Autor mitmachen möchte, der kann einen Artikel auch als Gastartikel an Graublau unter der Emailadresse geschlechterallerlei [ät] gmail [punkt] com schicken. Vielleicht mag ja Graublau noch was zu bevorzugter Form etc schreiben.

3. Blogroll

Ich habe schon mal ein paar Autorenblogs eingetragen. Welche Blogs sollen wir noch aufnehmen? Vorschläge gerne in den Kommentaren?

Da Blogs natürlich davon leben, dass auf sie verlinkt wird, wäre es auch gut, wenn ihr den Blog auch in eure Blogroll aufnehmt oder anderweitig verlinkt

4. Gestaltung

Wer ein etwas individuelleres als das bisher oben verlinkte Bild kennt, der kann das auch gerne vorschlagen.

5. Weiteres

Sonst noch etwas was unklar ist oder besprochen werden sollte?

Der Sündenfall

Wenn man mich fragen würde, wann ich angefangen habe mich für geschlechterpolitische Themen zu interessieren, kann ich das ziemlich genau beantworten. Ich hatte zwar immer schon den Eindruck, dass irgendwas nicht in den richtigen Bahnen verläuft, nichts hat mir das aber so deutlich vor Augen geführt, wie die Beschneidungsdebatte und dessen durch parlamentarische Entscheidung erzwungenes Ende.  Selten wurde eine Debatte so bigott geführt. Von den Geistlichen, von Feministen und letztlich von unseren Volksvertretern, deren Aufgabe es eigentlich ist, die durch das Grundgesetz garantierte körperliche Unversehrtheit zu schützen.

Weiterlesen „Der Sündenfall“

Warum ich keinen Männerstreik brauche – aber mehr als nur ein Jahr des Mannes

Ich gestehe: Wahrscheinlich betreibe ich hier nur Wortklauberei. Dieser Text zeigt die Sicht eines männlichen Single-Junggesellen ohne Kinder unter 40.

Streik – was ist das?

Einen Streik kenne ich aus der Arbeitswelt: Die Arbeiter, jeder für sich zu unbedeutend, um etwas auszurichten, schließen sich zusammen und legen die Arbeit nieder. Typische Ziele sind höhere Löhne (als sie in Tarifverhandlungen angeboten wurden) oder Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Entscheidend ist, wie groß der Schaden für das Unternehmen ist, denn davon hängt ab, ob es sich lohnt, einzulenken. Wird nur in einem Werk gestreikt und kann der Ausfall woanders aufgefangen werden, ist ein Streik witzlos. Gleiches gilt, falls ein großes Heer an Arbeitswilligen zur Verfügung steht, das statt der Streikenden die Arbeit übernehmen will. Daraus ergibt sich, dass in einigen Branchen leichter gestreikt werden kann als in anderen.

Die Streikenden haben daher ein hohes Interesse daran, dass alle (oder so viele wie möglich) mitmachen, denn damit steht und fällt der Streik. Gewerkschaften versuchen möglichst viele Arbeiter unter sich zu vereinen, damit nicht einzelne ihrem persönlichen (eventuell nur kurzfristigen) Nutzen folgen und als Streikbrecher fungieren. Die Unternehmensführung könnte ja lukrativere Bedingungen für diejenigen in Aussicht stellen, die nicht streiken.

Männerstreik? Welcher Männerstreik?

Was habe ich alles unter dem Etikett Männerstreik gefunden! Etwa junge Männer, die nicht den höchsten und besten Bildungsabschluss anstreben, den sie erreichen könnten; Männer um die 30, die in absehbarer Zeit keine Partnerschaft und Heirat anstreben; Berufstätige, die nicht alle Mühe darauf verwenden, die Karriereleiter nach oben zu klettern, sondern lieber eine solide Stelle anzielen, bei der ihnen noch Zeit für Hobbys bleibt, oder irgendwann aus dem Arbeitstrott, den sie als Hamsterrad empfinden, ganz aussteigen.

Aber was ist denn daran ein Streik? Üblicherweise gehören dazu Demonstrationen und Protestaktionen mit Symbolwert und Medienaufmerksamkeit, die Sympathie bei anderen Bevölkerungsgruppen erzeugen und Druck auf die andere Seite ausüben soll. Wenn gestreikt wird und die Leute machen erst einmal eine schöne Reise, gehen zum Basteln in den Hobbykeller oder bringen einige lange vor sich hergeschobene Arzttermine hinter sich, wird das dem Ziel und den Mitteln des Streiks nicht gerecht.

Weder haben sich die angeblich streikenden Männer abgesprochen, noch haben sie Forderungen aufgestellt – und schon gar nicht gibt es einen Druck auf die Männer, dass alle so handeln sollen. In meinem Bekanntenkreis etwa heiraten die Leute und gründen Familien – vielleicht später als ihre Eltern, wahrscheinlich mit größerer finanzieller Unsicherheit, und sicherlich mit all den Schwierigkeiten, die ein Familienleben mit sich bringt. Aber sie tun es. Wer es kann und will, ohne sich völlig zu verrenken, der macht es.

Und diejenigen Männer, die das Wagnis Ehe eingehen, sind doch keine „Verräter an der Sache aller Männer“. Im Gegenteil, darüber freue ich mich! Homosexuelle Männer, die sowieso nicht im klassischen gesellschaftlichen Anforderungskatalog vorkommen, haben offensichtlich Spaß am Körperlichen, an der männlichen Sexualität. Sollen sie haben! Ist doch super!

Wenn ich dann noch lese, wie negativ die unter Männerstreik beschriebenen Phänomene interpretiert und lauthals beklagt werden, kann ich nur zu dem Schluss kommen: Entweder es gibt keinen Streik (ich habe noch keine Aufforderung erhalten), oder er schlägt kolossal fehl.

Warum ein Männerstreik nicht funktionieren könnte

Doch stellen wir uns einen Moment vor, ein Allgemeiner Männerbund würde sich gründen und alle Männer unter seinen Fittichen zum Streik aufrufen. Zwar hätte jeder das Recht, nach wie vor seinen Interessen wie oben beschrieben nachzugehen, aber einmal die Woche (oder im Monat) gäbe es Demonstrationen in großen deutschen Städten, man organisierte Leserbriefwellen, es gäbe Bücher der Vordenker (der Streik wäre zur Not auf viele Jahre ausgelegt) und Veranstaltungen noch und nöcher. Nur eines dürften die Männer nicht: Sich so verhalten, wie es bisher von ihnen eingefordert wurde.

Gehen wir davon aus, dass die Mitgliedschaft in diesem Allgemeinen Männerbund freiwillig wäre oder dass es zumindest die Möglichkeit gäbe, ihm nicht anzugehören, selbst wenn man dafür Nachteile in Kauf nehmen müsste (als unsolidarisch gelten, von anderen geschnitten werden, eventuell sogar einige Stellen nicht bekommen). Dann hätte ich persönlich einen hohen Anreiz, nicht mitzumachen. Ich könnte auch ohne diese Organisation tun, was ich will. Sollte durch den Streik jedoch tatsächlich ein eklatanter Mangel an Männern entstehen, könnte ich davon hervorragend profitieren: Ich könnte, wenn ich wollte, eine bessere Position im Berufsleben bekommen, ohne mich entspechend abzurackern (wenn es wenige Kandidaten gibt, die Stelle aber besetzt werden muss, muss man nehmen, wen man kriegen kann). Bei der Damenwelt würden meine Chancen beträchtlich steigen, ohne dass ich einen Fingerschnipp dafür tun müsste. Für jeden, der bei knapperer Verfügbarkeit von Männern gewinnen würde, würde es sich lohnen, auszuscheren. Damit würde der Streik sabotiert.

In der Spieltheorie nennt man so etwas ein Gefangenendilemma: Könnten sich die Spieler wirksam absprechen, würden alle Beteiligten mehr erreichen; weil sie es aber nicht können, handelt jeder nach seinem unmittelbaren Vorteil. Schließlich kann ein „unkooperatives Verhalten“ nicht geahndet werden. Die fehlende Sanktionsmöglichkeit für „nicht kooperiende“ Männer würde einen Streik aussichtslos machen.

Ich glaube auch, dass ein Appell an „männliche Solidarität“ wirkungslos verpuffen würde. Wie Christian bei Alles Evolution bereits treffend bemerkte, mögen Männer Männer weniger als Frauen Frauen. Männer mögen sich zwar in allen möglichen Organisationen zusammenschließen, insgesamt jedoch konkurrieren sie untereinander und haben wenig Interesse, alle Männer mitzuziehen.

Das ist alles normal – denn wir wollen es insgesamt nicht anders

Doch schauen wir noch einmal auf die erwähnten Phänomene. Probleme sind sie ja nur, wenn bei der gegebenen Lage mehr drin wäre. Aber was ist die Ausgangslage?

Die Reallöhne in Deutschland – einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt – sind gesunken. 2005 gab ein Artikel mit dem Titel „Generation Praktikum“ einem neuen Zustand einen Namen: Gut ausgebildete Leute, die dennoch (zumindest in den ersten Jahren) kein Bein auf den Boden bekommen.

Selbst bei der Sendung „hart aber fair“ gab es einen bemerkenswert ehrlichen Film: Moderator Frank Plasberg hatte auch ohne abgeschlossenes Studium kein Problem, eine sichere Stelle zu finden; die jungen Leute, die heute mit Abschluss in seine Fußstapfen treten wollen, erhalten befristete Verträge.

Das Gros der jungen Leute ist besser ausgebildet als ihre Elterngeneration, arbeitet härter, bekommt aber dafür weniger: Arbeitsleistung lohnt sich im direkten Vergleich weniger. Ob das gerecht ist, ob das die Zeiten so erfordern, ob schlaue Leute nicht einfach auswandern sollten – all das steht auf einem anderen Blatt Papier und soll hier nicht weiter interessieren.

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Wer im Beruf die primäre Erfüllung sieht, verzichtet weitgehend auf andere Interessen. Was ansonsten so an Leben stattfindet, muss nebenher laufen. Das Risiko besteht darin, dass man eines Tages den Job verliert und dann nichts anderes mehr hat, auf das die eigene Identität fundiert.

Viele Menschen sind jedoch risikoscheu. Für sie bietet sich ein anderer Weg an: Pfeif auf den Aufstieg, es ist ja bereits Karriere genug, nicht gefeuert zu werden und regelmäßig eine Gehaltserhöhung zu bekommen, die nicht durch die Inflation aufgefressen wird. Zum Ausgleich dafür, dass mehr Unsicherheit im Leben herrscht, muss auch mehr Freiraum für andere Interessen da sein.

Damit eng verknüpft ist jedoch die männliche Attraktivität. Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Insgesamt sind die Männer also automatisch unattraktiver geworden. (Es kommt wohl auch nicht von ungefähr, dass in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten nach dem Zerfall der Sowjetunion die Selbstmordrate unter Männern stark anstieg, unter Frauen jedoch nicht, siehe folgendes PDF, Seiten 30-31)

Auch in dieser Hinsicht bieten sich wenigstens zwei Optionen: Entweder Partnerschaft, Ehe und Familie sind so wichtig, dass man doch in den sauren Apfel beißt und sich abrackert, um Karriere zu machen oder zumindest soviel Geld zu verdienen, um zum Ehemann und Vater zu taugen. Interessanterweise tauscht man hier bewusst eine Freiheit gegen die andere ein. Die Forderung, dass man „Frau und keine Karriere“ endlich unter einen Hut bringen können muss, klingt völlig abstrus. („Karriere“ ist denn auch weniger wie im klassischen Sinne ein steter Aufstieg, sondern eher ein solides Einkommen.)

Oder dem Fuchs sind die Trauben, die er nicht erreichen kann, zu sauer. Dann kann man sich jedoch wenigstens die Anstrengung sparen, das ganze Leben darauf auszurichten, ein attraktiver Heiratskandidat zu sein, und sich um seinen eigenen Kram kümmern. Für einige bedeutet das, an sich selbst zu arbeiten oder sich durch Frauen aufreißen die Hörner abzustoßen. Da die Wette darauf, dass man die Stelle behält und die Frau einen nicht verläßt, insgesamt unsicherer geworden ist, erreicht man wenigstens das Minimalziel, seinen eigenen Interessen nachgegangen zu sein.

Irgendwann ist vielleicht der Punkt erreicht, an dem man das lange genug gemacht hat. Dann kann man sich immer noch binden und wenn man inzwischen Geld angesammelt hat, umso besser. In den frühen Jahren nach Studium oder Ausbildung ist jedoch Illusion – das geht nicht mehr so wie vor noch ein oder zwei Generationen.

Und sollten Frauen und Männer in Deutschland aus welchen Gründen auch immer zu oft keine Lust mehr aufeinander haben – Globalisierung hilft! Dafür gibt’s doch den Latin Lover und die heiße Russin (eigentlich natürlich „den Südländer“ und „die Mittel- und Osteuropäerin“).

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es jedoch Abstufungen. Die Leute heiraten ein paar Jahre später, gehen ein größeres Risiko ein, zu scheitern, setzen vielleicht weniger Kinder in die Welt als sie es ein oder zwei Generationen vorher gemacht hätten. Sie werden insgesamt betrachtet mit mehr Anstrengung weniger erreichen als ihre Eltern.

Das soll der Untergang des Abendlandes sein? Wie konnte sich das Abendland dann nur so lange halten?

Nach diesen Kriterien verhält sich ein Großteil der Männer äußerst vernünftig – ebenso wie ein Großteil der Frauen. Denn was hat man ihnen, sowohl Männern als auch Frauen, eingetrichtert?

Bindet Euch nicht zu früh! Stellt hohe Anforderungen an Euch selbst! Geht nicht zu schnell Kompromisse ein! Lebt lieber alleine als in einer unglücklichen Beziehung!

Es läuft darauf hinaus, dass man Entscheidungen trifft und mit ihnen lebt. Das ist das Verhalten eines modernen Menschen, der weniger durch vorgefertigte Bilder festgelegt wird als seine Vorfahren. Was ist daran schlecht?

Wenn wir gesamtgesellschaftlich – falls dieses „gesamt“ überhaupt möglich ist – etwas anderes wollten, müssten wir auch anders handeln, also anderes fordern. Doch wer möchte ernsthaft das Rad der Geschichte um einige Jahrzehnte zurückdrehen, um zurück zu den alten Verhältnissen zu kommen? Ich nicht und ich meine auch nicht, dass das geht. Von irgendeiner Gruppe zu verlangen, sie möge doch klein beigeben und sich mit weniger zufrieden geben, wird nicht funktionieren.

Und gesamtwirtschaftlich etwas ändern – dieses Fass möchte ich gar nicht aufmachen. Wenn wir das wollten und könnten, würden wir es tun. Da es nicht geschieht, kann der Leidensdruck insgesamt nicht so groß sein. Also wo ist das Problem?

Ein Jahr des Mannes? Dutzende!

2014 wurde als Jahr des Mannes angekündigt. Wenn ich mir durchlese, was unter diesem Stichwort erschienen ist, finde ich bisher „die üblichen Verdächtigen“ unter den Forderungen und Bewegungen.

Zwei grundlegende Erkenntnisse vermisse ich jedoch:
1. Das beste Rezept für ein Jahr des Mannes ist aus meiner Sicht ein Jahr, in dem ich als Mann mein eigenes Leben lebe. Politik, Gesellschaft, Welt… wenn ich das alles ändern muss, um glücklich zu werden, bin ich zum traurig sein verurteilt. Stattdessen sollte ich mich fragen, was mir gefällt und wie ich selbst aktiv und kreativ sein kann. Wenn ich das dann umsetze, muss das reichen. Das wird ja wohl mehr als nur mir selbst eine Freude bereiten, womit ich mir auch keine Sorgen um mich als soziales Wesen machen muss.
2. Wieso soll sich das nur auf ein Jahr beschränken? Der richtige Weg ist doch, in jedem Jahr Zeit für mich und meine Interessen zu haben.

Es gibt keinen ungeschriebenen Vertrag, nach dem ein Mann ohne jeden Grund Opfer bringen muss, und falls es das als gesellschaftlichen Konsens je gegeben hat, wurde dieser Vertrag gekündigt. Aber ohne Vertrag gibt es auch keine Pflicht zur Arbeit und damit keinen Grund zum Streiken.

Was vom „Streike“ übrig blieb

Vielleicht muss man manche Dinge unter dem Stichwort „Männerstreik“ bringen, damit sie Gehör finden. Ich mag solche (für mich falschen) Etikettierungen aber nicht. Und was wird unter anderem als Rezept angegeben?

„Hören Sie damit auf, Frauen die Tagesordnung bestimmen zu lassen, was die Themen Geschlechterpolitik, Beziehungen und Reproduktion angeht.“

Ein Mann, der das zuläßt, ist ein Waschlappen! Wie könnte der jemals streiken?

„Setzen Sie durch, dass Sie in Ihrer Partnerschaft besser behandelt werden. Sie müssen nicht grob werden, aber lernen Sie, Grenzen zu setzen. Wenn Sie Ihre Partnerin nicht respektiert, weisen Sie sie zurecht, auch vor Freunden. Frauen hassen es, öffentlich zur Rede gestellt zu werden.“

Ein Mann, der das… oh, ich wiederhole mich. Aber auch das hat nichts mit Streik zu tun, sondern mit modernem Leben.

„Und falls Sie von Ihrer Frau verlassen werden: Lassen Sie sich nicht von Ihrer Ritterlichkeit oder kulturell erzeugten Minderwertigkeitsgefühlen leiten, so dass Sie sich die Schuld am Scheitern Ihrer Beziehung geben. Es war die Entscheidung Ihrer Frau zu gehen.“

Entscheidungen und die damit verbundene Verantwortung… das hatte ich doch weiter oben schon. Also Frauen wie ganz normale Menschen behandeln. Klingt immer noch nicht nach Streik.

„Schützen Sie sich dagegen, unfreiwillig zum Vater gemacht zu werden.“

Mal abgesehen davon, dass jeder Verantwortung für Verhütung hat: Man denke, wie ich erst gestern schrieb, an die Kinder und was es wohl für ein „tolles“ Leben sein muss, wenn sie ohne vernünftiges Verhältnis zu ihrem Vater aufwachsen. Die Folgen der Vaterlosigkeit werden unterschätzt.

Also, so wie ich das sehe: Alles keine Streikmittel, sondern ganz normale Maßnahmen für ein verantwortungsvolles Leben!

Zusammengefasst: Männer steigen nicht aus der Gesellschaft aus, sondern machen richtig mit, indem sie unterschiedliche Wege gehen. Das Verhalten der jungen Generation ist den geänderten Lebensbedingungen geschuldet, auf die angemessen reagiert wird. Insgesamt wollen wir alle das auch so.

Ich glaube, dass es genug Frauen gibt, die mit solchen verantwortungsbewussten Männern zusammenleben wollen. Dafür braucht es keinen Kampf, nur eine vernünftige Suche, Offenheit und Neugier! 🙂

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Der Titel entspricht dem, was ich meine: Dass wir bekommen, was wir insgesamt auch gar nicht anders wollen (auch wenn es runtergebrochen auf eine einzelne Person immer fürchterlich ungerecht sein kann – aber es geht hier ja um das Gesamtbild). Gerade die erste Strophe, in der Michi Beck fragt, warum alles so doof ist, passt hervorragend – und nebenbei kann ich Bewegtbilder von einem Mann in Frauenkleidern mit pinkem Federschmuck in dieses Blog schmuggeln. 😉

Die Fantastischen Vier: Ernten was wir säen