Fundstück: Andere Meinungen

Witzig. Fefe schreibt einen Text, der sich wahrscheinlich auf die Refefe-Geschichte bezieht. Bei  „krank“, „Pille“ und „Ritzen“ ist mir direkt diese Tofutastisch-Geschichte eingefallen. Ist aber auch nicht die erste Feministin, die mit ihren Störungen hausieren geht. Versteht mich nicht falsch, ich will niemand wegen einer Erkrankung runtermachen, aber es sei doch erlaubt, zwischen Hasspredigten und Krankheiten eine Verbindung zu sehen.

http://blog.fefe.de/?ts=adc06a6b

Es paßt doch ziemlich gut. Nicht nur auf Fefes ursprüngliches Ziel, nicht nur auf die erwähnten Homophobenphoben, sondern auch auf Antifa, Feministinnen und natürlich im Kontext dieses Blogs.

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Die Frauenquote, Teil 2: Nur etwas für Nesthäkchen?

Alle Welt spricht von der Frauenquote. Dabei geht gerne vergessen, dass bis heute über 90 Prozent aller Unternehmen nach wie vor von Männern gegründet werden! In der Schweiz werden, je nach Studie (und Methodik), nur gerade zwischen 8 und 20 Prozent aller (neuen) Unternehmen von Frauen gegründet. Das Bundesamt für Statistik weist für das Jahr 2008 einen Frauenanteil von 17,1 Prozent aus, während der Global Entrepreneurship Monitor (GEM), dem die nachfolgenden Gründungszahlen entnommen sind, von lediglich 8 Prozent ausgeht.

Weltweit variiert der Anteil der von Frauen neu gegründeten Unternehmen zwischen 1 Prozent (Pakistan) und 40 Prozent (Sambia). In Schweden werden lediglich fünf und in Norwegen und Deutschland sogar unter fünf Prozent aller neuen Unternehmen von Frauen ins Leben gerufen. Selbst in den Vereinigten Staaten, wo das Ende der Männer angeblich kurz bevor stehen soll, werden bis dato gut 90 Prozent aller Unternehmen von Männern gegründet: Das ist für tot Geglaubte immerhin eine beachtliche Leistung!

Sind Innovationsfreude, unternehmerischer Mut und Pioniergeist also typisch männliche Eigenschaften? Eine breit angelegte Studie (Seite 49), in der untersucht worden ist, welche Persönlichkeitsmerkmale einen Selbständigen von einem Nicht-Selbständigen unterscheiden, legt genau diesen Schluss nahe: Beim Kriterium weiblich (female) reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, selbstständig zu sein oder sich selbstständig zu machen um ganze 77, bzw. 80 Prozent!

In der Europäischen Union entfallen im Durchschnitt lediglich 8 Prozent aller Patente oder Erfindungen auf Frauen. Ganz speziell bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass Litauen, Bulgarien und Polen die Liste mit über 20 Prozent Frauenanteil anführen, während das in Gleichstellungsfragen als fortschrittlich geltende Schweden mit nur 8 Prozent erst am hinteren Ende zu finden ist. Zum Vergleich: In Deutschland werden lediglich 6 Prozent aller Erfindungen von Frauen initiiert.

Das weibliche Geschlecht scheint also insgesamt eine erheblich grössere Risikoaversion zu haben, als das Männliche. Das bestätigt auch ein Blick auf die Unternehmensgrösse: Frauen gründen, zumindest in der Schweiz, andere und in der Regel weit kleinere Unternehmen, als Männer: „(…) Der Erfolg der jungen Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden, hinkt oft hinter jenem der Männer her. Zumindest wenn der Erfolg mit Wachstum im Umsatz und Anzahl Mitarbeitenden gemessen wird.“ Nach welchen Kriterien sich der Erfolg eines Unternehmens sonst bemessen lassen soll, lassen die Autoren freilich offen.

Selbstverständlich gibt es auch erfolgreiche und innovative Unternehmerinnen, wie zum Beispiel die Gründerin der US-amerikanischen Onlinezeitung Huffington Post, Ariana Huffington, eindrücklich beweist! Obwohl die Huffington Post erst am 9. Mai 2005 als Nachrichten- und Nachrichtenkommentar-Plattform online ging, wurde sie im Februar 2011 für 315 Mia. Dollar von AOL aufgekauft! 2012 erhielt sie als erste kommerzielle Online-Zeitung einen Pulitzer-Preis.

Doch viele Frauen, die eine Topkarriere anstreben, ziehen der Gründung eines eigenen Unternehmens offenbar lieber eine staatlich fest verordnete Quote vor: Das schützt sie vor unternehmerischen Risiken und garantiert ihnen trotzdem einen kometenhaften Aufstieg: Frauen brauchen schliesslich Sicherheit! Da ist die Frage nach einer Gründerinnenquote mehr als nur berechtigt- auch wenn sie rein rethorischer Natur ist.

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Teil 1 dieses Dreiteilers über die Frauenquote findet Ihr hier. Ach ja: Wieviele Unternehmen werden Eurer Meinung nach von einer Frauenquote betroffen sein, wie sie die grosse Koalisation für Deutschland beschlossen hat? Eure Einschätzung:

 

Matschos Albtraum

Es folgt ein Gastbeitrag von honeyinheaven. Sie war ursprünglich ebenfalls als fester Autor vorgesehen, hat sich dann aber kurz vor dem Start des Blogs zurückgezogen. Den folgenden Text hatte sie bereits fertig.

Als Matthias Schojewski, den alle zu seiner Freude nur Matscho nannten, erwachte, fühlte er sich, als hätte er zehn Runden mit einem der Klitschkos hinter sich – den KO-Schlag mit eingeschlossen. Mitunter allerdings täuschte der erste Eindruck, und als er sich Minuten später aus der Decke gewühlt hatte, stellte er fest, dass er zumindest keine Kopfschmerzen hatte. Dennoch beschloss er, sowohl das Frühstück – zu wenig Zeit – als auch die Rasur – Rasierer in seinem Zustand eindeutig zu laut – zu canceln, um noch rechtzeitig zu seiner Arbeit in der Werbeagentur zu kommen. Das Saufen unter der Woche war eindeutig nichts für ihn. Als er wenig später auf die Straße trat, ging es ihm dank der frischen Luft etwas besser. Und doch war da dieses merkwürdige Gefühl, das etwas nicht stimmte.
Auf dem Weg zur S-Bahn kam ihn eine junge Frau seines Alters entgegen, die etwas größer war als er mit seiner eher bescheidenen Größe von wenig mehr als 1,75. Na da würde er doch gleich richtig fit werden! Matscho setzte den Blick auf, von dem er überzeugt war, dass ihm keine Frau widerstehen konnte und blickte der Dame auf die Oberweite. Merkwürdigerweise sah diese nun aber nicht peinlich berührt zur Seite, sondern fixierte ihn ihrerseits. Für eine Sekunde war er irritiert, aber als sie vorbei war, wollte er sich unbedingt noch einen Blick auf ihren Hintern gönnen. Als er sich umdrehte, erschrak er so sehr, dass er seine Tasche fallen ließ – die Dame hatte sich ebenfalls umgedreht und betrachtete offenbar im Weitergehen reichlich ungeniert sein Gesäß. Was war denn heute los?
Am Kiosk kaufte er sich schnell die BILD. Nicht, dass ihm etwas an den Schlagzeilen in dieser „Zeitung“ gelegen war, obwohl das Blatt und vor allem sein Chef-Kolumnist sich als eine der wenigen gegen diesen unseligen feministischen Zeitgeist stemmten. Aber geschenkt – ihm ging es weit mehr um das Mädchen von Seite Eins, die ihm die Fahrt zur Arbeit versüßen würde.
Apropos süß – als er an einem Gerüst vorbei ging, hörte er plötzlich Stimmen und dann ein lautes weibliches Gekicher. Dann Pfiffe.
„Hey, Schatzi…hallo Süßer…bist du auch so heiß wie du aus schaust?“ Erneut Gelächter.
Als er sich einigermaßen entrüstet umdrehte und nach oben blickte, traf ihn fast der Schlag. Dort auf dem Gerüst stand eine Horde Bauarbeiterinnen, die noch immer pfiffen und grölten und sich offenbar einen Spaß mit ihm machten. Es waren tatsächlich Frauen – manche muskulös, manche tätowiert, und die Vorarbeiterin – oder hieß das dann Polierin – hatte eine Zigarette im Mundwinkel und einen gewaltigen Bierbauch. Frauen. Als Bauarbeiterinnen. Er sollte definitiv weniger trinken. Am Ende war Matscho froh, als er die S-Bahn-Haltestelle erreicht hatte.
Sollte dort endlich wieder alles normal sein? Nicht wirklich. Dass ihm eine Frau schon wieder auf den Po glotzte, ignorierte er tapfer. Die Werbeplakate aber konnte er nicht übersehen, auch wenn er sich das gewünscht hätte. Auf dem einen war ein männliches Glied abgebildet, das nur sehr knapp von einem knallengen Leoparden-String bedeckt war. „Ich kann 24 Stunden abspritzen!“ stand in großen Lettern darunter. Auf dem zweiten war ein Mann zu sehen, dessen Gesichtsausdruck selbst mit Wohlwollen nur als grenzdebil durchging. Er stand neben einer größeren Frau, die gerade etwas grillte und reichlich besitzergreifend schaute: „Ich mag Frauen mit Kohle!“ war hier die Unterschrift. Und Matscho wurde klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Und dass dieses „etwas“ über einen normalen Kater weit hinaus ging. Wie konnte es eine Agentur denn wagen, Männer SO darzustellen? Das musste er nachher gleich seinen Kollegen erzählen.
In der S-Bahn setzte er sich an den Gang und holte sogleich die BILD aus der Tasche. Endlich wieder Normalität. Mal sehen, welches Mädchen sich heute zeigte. Die Vorfreude verwandelte sich innerhalb einer Sekunde in Entsetzen, und es kostete ihn einige Überwindung, nicht mitten in der Bahn laut aufzuschreien. Dort, wo sonst das heiße Girl von Seite Eins war, prangerte jetzt ein fast nackter Kerl. „Hans im Glück wartet auf den nächsten F…“ hatte ein sogenannter Journalist reichlich ungelenk darunter gedichtet. Matscho presste die Hände auf die Schläfen und begann, dieselben zu massieren. Waren denn jetzt alles verrückt geworden? Oder war er etwa krank?
Achtlos warf er die Zeitung auf den leeren Platz neben sich. Da bemerkte er, dass eine Oma, die ihm schräg gegenüber saß, direkt auf seine Hose starrte und dabei einen lüsternen Blick aufgesetzt hatte, den er von Frauen dieses Alters weder kannte noch erwartete. Hektisch blickte er selbst nach unten – hatte er in der Eile vergessen, den Reissverschluss zu schließen? Nein. Alles okay. Als er erneut zu der Alten schaute, grinste sie breit. Und zum ersten, aber nicht zum letzten Mal an diesem Tag wünschte sich Matscho, aus diesen Albtraum zu erwachen.
Bei der Arbeit ging die Verwirrung weiter. Eine Arbeitskollegin, die sonst schon rot wurde, wenn er sie mit einem „Hallo Mausi“ begrüßte, nannte ihn nun die ganze Zeit Schatzi, und niemand schien dies als komisch zu empfinden. Schlimmer waren allerdings die Sekunden, die er mit drei Frauen aus der Chefetage im Aufzug verbringen musste. Alle drei grinsten ihn fröhlich an, machten dann einen Männerwitz („Was ist ein Typ im Regenmantel? Ein Ganzkörperkondom!“ Hahaha…) und brachen in schallendes Gelächter aus, als wäre er überhaupt nicht anwesend.
Etwas später erhielt ein Kollege offenbar einen Anruf von zu Hause, stürmte sogleich zur Chefin, um dann mit hochrotem Kopf nach draußen zu gehen. Kaum hatte den Raum verlassen, legten die Frauen los.
„Na, typisch Alleinerzieher! Und wir müssen dann seine Arbeit mit machen! Soll er sich doch ne Frau suchen, die für ihn und den Balg zahlt! Was haben denn wir damit zu tun?“ Und als dann in Erwartung vollster Zustimmung in seine Richtung geschaut wurde, war die Stimme plötzlich gönnerhaft. „Na, Kleiner, du machst das intelligenter, gell?“ In jener Sekunde hatte Matscho das Gefühl, dass sein Kopf einer roten Verkehrsampel gleichen musste.
Trotz allem beschloss er nach der Arbeit noch in seinen Klub zu gehen. Natürlich gehörte der Laden nicht wirklich ihm, aber er war Stammgast. Und heute war doch Donnerstag – da bekamen die Weiber immer ein Glas Sekt gratis, was somit Frauenüberschuss und freie Auswahl für ihn bedeuten würde. Dort war bestimmt noch alles beim Alten!
Als er eine Stunde später mit einem Glas Sekt an der Bar stand – heute ein Glas Frei-Sekt für alle Männer – und alle Hände damit zu tun hatte, eine sehr hartnäckige Schwarzhaarige, die überhaupt nicht sein Typ war, abzuwehren, wusste er, dass offenbar gar nichts mehr in Ordnung war. Auch auf sein drittes höfliches „Nein“ gab die Schwarzhaarige nicht auf, und Matscho konnte den Geruch von Bier und Nikotin riechen, als sie sich zu ihm herüber beugte. Auf der Tanzfläche vorhin war es noch immer schlimmer gewesen. Dort hatten ihn zwei Frauen beim Tanzen in die Zange genommen, und ganz egal, wie oft er sich weg gedreht hatte – sie schienen diese Zeichen, dass er kein Interesse hatte, einfach nicht zu verstehen. Als die Schwarzhaarige nun wie selbstverständlich ihre Hand auf sein Knie legte und dieselbe dann langsam aber stetig nach oben schob, war es um seine Selbstbeherrschung endgültig geschehen.
„Lass mich jetzt in Ruhe! Ich will nichts von dir!“
Das Gesicht der Frau wechselte innerhalb eines Moments von lüstern auf eisige Ablehnung. Ihre Augen waren jetzt eine einzige Drohung, und ihre Fäuste waren geballt, als wollte sie gleich auf ihn los gehen.
„Dann verpiss dich doch! Bist wohl ne Schwuchtel, oder was?“
Schwuchtel! Er! Eine Schwuchtel! Er! Er war Matscho, und er war ganz bestimmt nicht schwul. Und überhaupt…und plötzlich bemerkte er, dass er schrie und schrie und offenbar nicht mehr aufhören konnte. Er schrie noch, als er längst erwacht war und Schweiß überströmt in seinen Kissen lag.
Ein Traum. Alles war nur ein Traum gewesen. Real war allerdings der Kater, der ihn jetzt plagte. Er hatte Angst vor dem, was er da draußen gleich erleben würde, aber es half nichts – er musste zur Arbeit. Ganz vorsichtig verließ er dieses Mal das Haus und schaute sich mehrmals um. Eine besondere Anspannung überfiel ihn, als er an besagtem Gerüst vorbei kam. Innerlich wappnete er sich gegen alles, aber es passierte nichts. Über ihm arbeiteten die Bauarbeiter und schenkten ihm, dem Geschlechtsgenossen logischerweise keinerlei Beachtung. Etwas später hastete eine junge Frau an ihm vorbei. Dieses Mal drehte sich Matscho nicht nach ihrem Hintern um. Und als er am Kiosk angelangt war, beschleunigte er plötzlich den Schritt. Er hatte auf die „Zeitung“ zum ersten Mal seit Jahren keine Lust mehr.

Ein Rollentausch – oder wie es nicht funktioniert[e].

Um das Thema „Der Mann als Haupternährer“ wird vielerorts hitzig diskutiert; es steht die Frage im Raum, warum trotz emanzipierter Frauen immer noch so viele Männer Haupt- wenn nicht gar Alleinverdiener innerhalb der Familie sind.

Zu diesem Thema möchte ich euch etwas erzählen. Und zwar von meinem eigenen Versuch, den Part des Hauptverdieners zu übernehmen. Allerdings erzähle ich es nicht alleine; ich bat den Vater meiner Kinder, die Erzählung zu lesen und ggf. zu ergänzen. Der kursive Teil ist daher von ihm.

Es ergab sich durch eine Verkettung nicht-ganz-so-ideal geplanter Ereignisse, welchen natürlich meine eigenen Entscheidungen zugrunde lagen, dass ich im Alter von 26 Jahren aus Österreich zurück nach Deutschland kam. Ich war schwanger und arbeitslos, der Vater des ungeborenen Kindes steckte noch mitten im Studium.

Nur wenige Monate zuvor hatte ich den theoretischen, praktischen und mündlichen Teil der Meisterprüfung im Konditorenhandwerk abgelegt, nun trennten mich von meinem Meisterbrief noch der Unternehmer- sowie der Ausbilderkurs. Doch dies lag vorerst auf Eis, meine finanziellen Reserven waren mittlerweile nahezu gänzlich aufgebraucht, und ich überlegte, womit wir wohl weiterhin unseren Lebensunterhalt bestreiten würden.

Für eine schwangere Frau ist es aus Kostengründen für den Unternehmer quasi unmöglich, eine Vollzeitstelle zu finden. Dennoch hatte ich fürchterliche Angst davor, ins Hartz IV abzurutschen. ALG I bekam ich keins, obwohl ich in Salzburg während der letzten fünfeinhalb Jahre nahezu ununterbrochen in Vollzeit beschäftigt gewesen war. Doch, so teilte man mir auf der ARGE mit, ich sei ein „Präzedenzfall“ und man könne leider außer ALG II nichts für mich tun. Na toll. Zurück nach Salzburg zu gehen kam für mich nicht in Frage. Also sah ich mich um und fand einen 400 € Job, als Servicefahrerin für ein Schnellrestaurant mit Lieferservice. Das Restaurant gehörte zu einer Kette, die einst deutschlandweit vertreten war, welche jedoch ihre Glanzzeit bereits hinter sich hatte.

Ich übernahm den Job, schließlich hatte ich das während meiner Lehrzeit nebenberuflich schon einmal getan, um eine teure Autoreparatur zu finanzieren. Der Vater des Kindes fand zu der Zeit einen Minijob in einer Tankstelle, und so jobbten wir eine zeitlang vor uns hin. Mit Hilfe unserer Familien schlugen wir uns mehr schlecht als recht „halt irgendwie so durch“.

Es war auch eine Zeit, in der ich das Studieren nicht aufgeben wollte – ja, beurlauben vom Studium, das war möglich, habe ich dann auch für 4 Semester getan. Das war auch einer der Gründe, warum ich nicht Vollzeit arbeiten gehen konnte. Ich hätte meinen Status als Vollzeitstudent verloren, wäre vielleicht sogar exmatrikuliert worden. Zusätzlich bekam ich noch Halbwaisenrente, die hätte ich auch verloren. Das Geld, dass wir so zusammen kratzten, reichte gerade mal für die Miete und etwas zu Essen, aber wenn jetzt noch ein Kind unterwegs ist…

Eines Tages hing ein Zettel an der Tür des Schnellrestaurants. Man suchte einen neuen Pächter, und ich überlegte für einige Sekunden, ob das für uns nicht eine Chance sein könnte. Doch genau so schnell verwarf ich die Idee wieder; wer würde mir schon Geld geben, so ganz ohne Rücklagen oder Sicherheiten.

An diesem Tag besprach ich die Neuigkeiten mit meinem damaligen Partner, und gemeinsam beschlossen wir, es dennoch zu wagen. Mehr als nein sagen konnten die Franchisegeber schließlich nicht.

Wir waren jung, von unserer Unfehlbarkeit überzeugt. Wir glaubten, zu zweit schaffen wir alles. Das Geschäft wird ein Selbstläufer, schließlich kennen wir uns ja aus… wie naiv wir da waren…

Wider Erwarten wurden wir zu einem „Vorstellungsgespräch“ eingeladen. Nach dem Gespräch verließ ich das Gebäude mit dem Gefühl, hätte ich den Lizenzgebern das Geld bar auf den Tisch legen können, ich hätte auf der Stelle eine Zusage plus Vertrag erhalten.

Doch ganz so einfach war es nicht. Irgendwie schafften wir es, einige Tausend Euro Startkapital aufzutreiben, was für die Gründung eines Unternehmens lächerlich wenig ist. Doch mehr war nicht drin, und so versuchten wir unser Glück mit dem Wenigen, was wir hatten.

Uns wurden wundervolle Zahlen vorgelegt, vom Vorpächter und von den Franchisegebern. Wir haben damit gerechnet, und gerechnet, und gerechnet… und kamen zu dem Schluss, wir persönlich müssten maximal ein Jahr drinstehen, zumindest beide. Sie, als Chefin hatte mehr von der Last zu tragen. Sie hat auch so ziemlich alles unterschrieben, für mich war eher angedacht, ich mach ein Jahr Studienpause. An der Uni gibt es ja Kinderkrippen, und jede Vorlesung muss ich auch nicht besuchen. Ein Jahr, und ich bin wieder im Studium…

Sieben Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin fiel also der Startschuss meines Unternehmens. Wir hatten beschlossen, dass unser Sohn zum Teil vom Vater und zum Teil von den beiden Omas betreut werden würde. Ich selbst würde mich hauptsächlich um das Restaurant kümmern, schließlich hatte ich die Verträge unterschrieben und trug somit sämtliche Verantwortung für den Restaurantbetrieb.

Da es einen „fliegenden [Pächter-]Wechsel“ gegeben hatte, lief unser Einstieg in die Branche recht unspektakulär und sechs Wochen später an einem Sonntag machte sich unser Sohnemann auf den Weg. Fünf Tage nach der Entbindung ging ich schon wieder arbeiten.

Ich schildere das ganze recht nüchtern, denn ich könnte das emotionale Chaos, welches zu der Zeit in mir herrschte, nicht einmal ansatzweise beschreiben. Ich wäre ZU gern bei meinem Sohn zuhause geblieben – den Hormonen sei es gedankt. Doch alles war doch ganz anders geplant, wer hätte meinen Posten im Betrieb übernehmen sollen? Daher ging ich – schweren Herzens – tatsächlich kurze Zeit nach der Geburt meines Sohnes wieder Vollzeit arbeiten, und hoffte einfach, dass er das einigermaßen würde wegstecken können. Schließlich hatte er ja Papa, Oma oder die andere Oma, und wurde von denen liebgehabt und war bestens versorgt.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Als Sohnemann fünf Monate alt war, wurde ich erneut schwanger, das Resultat ist meine entzückende Tochter. Nach einem dreieinhalb Jahre andauernden Ausflug in die Selbständigkeit fuhr ich das Unternehmen, mittlerweile hochverschuldet und seelisch sowie körperlich komplett ausgebrannt, gegen die Wand, suchte [mit Einverständnis des Vaters, der nach unserer Trennung ebenfalls am Ende seiner Kräfte angelangt war] für die beiden Kinder eine Vollpflegestelle und versuchte, irgendwie wieder zu Kräften zu kommen und schnellstmöglich in einen normalen Lebensrhythmus zu finden.

Am Anfang funktionierte auch alles wunderbar. Wir waren motiviert, die Aufteilung funktionierte, auch was das Nachts aufstehen anging oder das Babysitten. Als die Tochter dann da war und es im Geschäft nicht so funktionierte wie geplannt, hatten wir erst Au Pair Mädchen (die erste verliess uns nach 3 Monaten wieder wegen einer Herz OP, die zweite hat sich illegal nach Frankreich abgesetzt…) und dann eine Tagesmutter. Zusätzliches Personal konnten wir uns in dem Maße wie am Anfang gar nicht mehr leisten, also stand ich auch länger im Geschäft…je nachdem 8-13 Stunden am Tag, Ruhetage gab es keine. Freizeit wurde zum absoluten Luxus. Gute Stimmung gab es privat auch nicht mehr…

Der Burnout war vor programmiert. Sie hat ja schon nach einem Jahr gefragt, ob die Entscheidung richtig war, den Laden zu übernehmen. Und ich habe sie davon versucht zu überzeugen, dass es das war. Aber ehrlich gesagt, überzeugt war ich davon auch nicht. Nur kam die Einsicht, wie bei vielem damals, einfach zu spät.

Was ich damit sagen möchte: Ein Kind frühzeitig in die Fremdbetreuung zu geben, ist für die Mutter nicht nur mit massivem emotionalen Stress und ständigen Gewissensbissen verbunden. Hinzu kommt, dass sie im besten Fall von anderen Leuten „nur“ schräg angeschaut wird; im schlimmsten Fall, so selbst erlebt, klingelt eines Tages jemand vom Jugendamt, da irgendeine Person den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ausgesprochen hat. Eine Mutter, die ihr Kind früh fremd betreuen lässt, kann ja nicht ganz richtig im Kopf sein. Oder so.

Dabei ist es, wie bei vielem, für Außenstehende nicht nachvollziehbar, wie es ist, in so einer Extremsituation zu leben. Es tut weh und man verzweifelt an sich selbst. Der Vorschlag für eine Pflegefamilie war zu dem Zeitpunkt wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Aber, sie hatte Recht. Wir waren beide am Ende, körperlich und emotional und dazu noch traumatisiert vom eigenen Versagen.

Unser Rollentausch lief unter verschärften Bedingungen ab, dessen bin ich mir bewusst. Doch ich war, und das ist keine Übertreibung, nicht zuletzt wegen der ständigen Trennung von meinem Sohn und später beiden Kindern irgendwann einfach nur noch ein Nervenbündel und nicht mehr ich selbst.

Es endete wirklich hässlich, und ich kann von Glück sagen dass wir alle so glimpflich davon gekommen sind. Wobei, ob Sohn und Tochter irgendwelche Schäden von der ich nenne es mal „unkonventionellen Betreuungssituation“ davongetragen haben, werden wir wohl erst erfahren, wenn beide Kinder erwachsen sind.

Es endete wie es Enden musste. Wir beide haben unsere Lehren daraus gezogen und haben in der Retrospektive am Ende die einzig richtige Entscheidung getroffen, nämlich uns selbst einzugestehen, dass es so nicht funktioniert und die Konsequenzen gezogen.

Quizfrage: Ist es sexistisch, dass nahezu alle Kunden, Vertreter und sonstige Mitmenschen entweder meinen damaligen Partner oder meinen Bruder, der ebenfalls im Restaurant mithalf, für den Chef hielten, niemals jedoch mich? 😉

[EDIT] Es geht nicht klar hervor: Ich bin der Ansicht, dass ein Rollentausch durchaus funktionieren kann; Genauso wie dieser vielleicht unter anderen Umständen hätte funktionieren können. Doch es IST problematisch, da eine Mutter, die ihre Kinder fremdbetreuen lässt, immer von mehr oder weniger heftigen Schuldgefühlen und Verlustschmerz geplagt wird. Und: Es mag sein, dass wir theoretisch an dem Punkt angelangt sind, dass Frauen selbst wählen dürfen, ob sie lieber die Kinder betreuen oder lieber arbeiten gehen, doch praktisch wird man als arbeitende Mutter immer noch schief angeschaut.[/EDIT]

Mythos Lohnschere

Beinahe alles, was Frauenorganisationen heutzutage so fordern, wird mit der angeblichen Lohnschere begründet. Über die angebliche Lohnschere wird auch von den Medien gerne immer wieder berichtet. Das Ganze hat nur einen Haken: Es gibt keine Lohnschere. Aber bevor ich mich im Einzelnen mit etwas beschäftige, was es nicht gibt, beschreibe ich einmal, was es gibt.

Eine triviale Feststellung: Der Tag hat 24 Stunden. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Ähnliches gilt für menschliche Energie. Unsere Aufmerksamkeit und unser Einsatz sind genauso begrenzt wie unsere Zeit auf dieser Welt. Wenn wir mehr feiern, arbeiten wir weniger. Wenn wir mehr arbeiten, haben wir weniger Zeit für Freunde und Familie. Wenn wir uns mit voller Kraft unseren Kinder widmen, geht sich keine Karriere aus. Zumindest keine Top-Karriere. Zumindest nicht zeitgleich. Unsere Zeit und Energie sind wie eine Flüssigkeit, von der wir nur eine begrenzte Menge haben. Wenn unser Leben ausgeglichen ist und wir keinen äußeren Druck haben, verteilt sich unsere Zeit und Energie annähernd gleichmäßig zwischen Arbeitsleben und Privatleben.

ausgleich

Das nennt man neudeutsch work-life-balance. Und bei einem modernen, jungen, kinderlosen, einigermaßen gut ausgebildeten Menschen funktioniert das oft ganz gut. So lange Männer und Frauen keine Kinder haben, entwickeln sich ihre Karrieren, ihr Einkommen und ihre Kochkünste heutzutage ungefähr gleich. Aber wenn das erste Kind kommt, muss sich etwas ändern. Ein Kind erzeugt Zwang. Jemand muss in der Nacht aufstehen und jemand muss aufpassen. Den ganzen Tag. Plötzlich ist nicht mehr alles freiwillig. Auch die Arbeit nicht. Das Kind braucht schließlich Essen und ein sicheres Zuhause. Der Druck kommt aber nicht nur von den objektiven Bedürfnissen eines Kindes, sondern auch vom Staat. Wobei der Staat immer nur Druck auf Männer ausübt und das in entgegengesetzter Weise. Im Berufsleben werden durch Frauenquoten Männer verdrängt, im Familienleben durch das einseitige Familienrecht ebenfalls. Der Effekt dieser Maßnahmen ist gegenläufig. Wenn der junge Mann aufgrund von Frauenbevorzugung in Verwaltung und Wissenschaft keine Karriere mehr machen kann, wird er mehr Zeit für das Kind haben. Wenn der junge Mann nach einer Trennung als Vater entsorgt wird, hat er mehr Zeit für die Karriere. Irgendwo taucht die männliche Energie wieder auf. Welcher Druck ist stärker?

druck

Unser aller Erfahrung zeigt, dass die gesetzliche Verdrängung der Väter ungleich größere Auswirkungen hat als alle Förderungsmaßnahmen im Berufsleben zusammen. Das ist nichts Neues. Diese Zusammenhänge sind seit Jahrzehnten bekannt. Auch etwas anderes hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert: Weder konservative „Rechte“ noch feministische „Linke“ wollen an der Vorherrschaft der Frauen in der Familie etwas ändern. Mit den bekannten Ergebnissen. Den 90% alleinerziehenden Müttern stehen 90% Männer in Spitzenpositionen gegenüber.

prozente

Alleinerzieher und Spitzenjobs sind zwei Seiten der gleichen Medaille und gleichzeitig nur die Spitze des Eisbergs. Der staatliche Druck wirkt auch bei der Durchschnittsfamilie. Und er wirkt auch bei Vätern, die (noch) nicht getrennt von der Kindesmutter leben. Schließlich weiß ja jeder Mann, was ihm nach einer Trennung blüht. Also geht der typische Vater mehr oder weniger freiwillig vor allem Geld verdienen und die typische Mutter arbeitet halbtags oder gar nicht, womit der Vater natürlich mehr Geld verdient. Verdienen muss. Das ist kein männliches Privileg, sondern eine männliche Pflicht. Der Mann verdient mehr, aber das Geld wandert ohnehin zu Frau und Kind. Das ist offenbar politisch gewollt. Daher ändert sich auch an den Einkommensunterschieden nichts. Ist die Lohnschere also ein Produkt des Familienrechts? Nein. Weil es keine Lohnschere gibt. Für eine „Schere“ müssten sich die Einkommen von Männern und Frauen mit der Zeit entgegengesetzt auseinanderentwickeln.

schere

Wenn wir eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen hätten, würden Männerlöhne steigen und Frauenlöhne fallen. Oder zumindest Männerlöhne steigen und Frauenlöhne gleichbleiben. Das würde dann ungefähr so aussehen.

arm-reich

Das ist eine Lohnschere. Aber nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen Arm und Reich. Die Grafik zeigt die Entwicklung der Jahreseinkommen in Österreich in absoluten Zahlen. Ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung verdient weniger als die untere Kurve, ein Viertel verdient mehr als die obere Kurve, der Rest ist dazwischen. Die Einkommen des unteren Viertels stagnieren. Inflationsbereinigt verlieren die unteren 25% laufend an Einkommen, während die oberen 25% laufend gewinnen. Das ist eine Schere. Mit Frauen und Männern hat das aber nichts zu tun.

geschlechter

So sieht das Verhältnis Männer zu Frauen in Österreich aus. Beide Einkommen steigen im Durchschnitt. Weder steigt das Männereinkommen stärker, noch stagniert das Fraueneinkommen. Das Verhältnis von Frauenlöhnen und Männerlöhnen ist konstant.

geschlechter-prozent

 

Fraueneinkommen sind im Durchschnitt 60% der Männereinkommen. Die einzigen wahrnehmbaren Veränderungen sind die grössere Konjunkturabhängigkeit der Männereinkommen und ein 2%-Anstieg bei den Frauen durch die staatliche Frauenförderung der letzten Jahre.

Als Ersatzbehauptung für die leicht widerlegbare Lohnschere hört man dann oft, dass Frauen angeblich für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekämen. Auch das ist falsch. Natürlich bekommt nicht jede Frau so viel bezahlt wie jeder Mann. Es bekommt ja auch nicht jeder Mann das Gleiche wie jeder andere Mann. Die angebliche Diskriminierung der Frauen wird immer wieder mit einem „unerklärten Rest“ bei den statistischen Einkommensunterschieden begründet. Wieviel „unerklärter Rest“ bleibt, hängt aber davon ab, wie genau man hinsieht. Wenn man Teilzeitarbeit, Karriereunterbrechung, Überstunden und so weiter statistisch herausrechnet, bleibt irgendwann überhaupt kein „unerklärter Rest“ bei den Einkommensunterschieden übrig. Das wurde vor einem Jahr recht deutlich mit Zahlen veranschaulicht.

Damit sind wir wieder bei der begrenzten Zeit und Energie. Der Staat übt auf Männer in allen Lebensbereichen Druck aus. Bei getrennten Eltern werden Väter aus der Familie verdrängt, während Frauenförderprogramme Männer aus Spitzenpositionen in Wirtschaft und Politik verdrängen sollen. Aber man kann die Männer nicht überall gleichzeitig verdrängen. Und die Erfahrung zeigt, dass der Druck durch das Familienrecht ungleich wirksamer ist. Am langfristigen 40%-Einkommensunterschied konnten all die Förderungsmaßnahmen der letzten Jahre nichts wesentliches ändern, weil das Familienrecht nicht entsprechend reformiert wurde. Die staatliche Diskriminierung von Vätern im Verbund mit den natürlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen erzeugt eine über Jahre stabile statistische Ungleichheit in Familie und Beruf.

Eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen gibt es nicht. Es gibt stabile Unterschiede und es gibt Diskriminierung. Bei den Unterschieden ist der Familienbereich die Ursache und die ungleiche Arbeitsverteilung die Folge. Und die Diskriminierung richtet sich gegen Männer. Wer die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen beseitigen will, muss Mütter zur Lohnarbeit verpflichten und Väterquoten bei alleinerziehenden Eltern umsetzen.

Und übrigens: Jeder Journalist, der das Wort „Lohnschere“ verwendet, zeigt vor allem, dass er nicht über die Begriffe nachdenkt, die er verwendet.

Was ist eigentlich Unterdrückung?

Wurden Frauen in früheren Zeiten unterdrückt? Das ist eine sehr interessante Frage, die hier im Artikel  „Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten“  aufgeworfen wurde. Ich möchte als Mitautor dieses Gemeischaftsblogs meinen Senf dazu abgeben, auch weil ich teilweise eine etwas andere Sichtweise habe.

 Wenn man diese Frage ernsthaft betrachten will, dann muss man sich fragen: Wie definiere ich eigentlich Unterdrückung? Wann ist jemand unterdrückt und wann ist er es nicht? Ohne eine solche Definition ist es schwierig verschiedene Einelfälle einordnen zu können.

 Für mich bedeutet Unterdrückung:

  1. eine rechtliche Schlechterstellung
  2. ohne einen rechtfertigenden Grund

 NICHT zwingend erforderlich ist dagegen:

  1. dass der Unterdrückte persönlich unter der Unterdrückung leidet
  2. dass die Unterdrückung nicht durch andere Vorteile wieder ausgeglichen wird

Wenn man sich mit dieser Definition im Hinterkopf das Wahlrecht oder auch dessen Verweigerung betrachtet, dann stellt die Verweigerung des Frauenwahlrechtes eine Unterdrückung dar, während z.B. die Verweigerung eines Wahlrechts für kleine Kinder keine Unterdrückung ist (weil hier ein sachlicher Grund besteht).

Es spielt für die Feststellung der Unterdrückung auch keine Rolle, ob Frauen zu Zeiten ohne Wahlrecht vielleicht andere Vorteile hatten, z.B. nicht wie Männer als Soldat in den Krieg ziehen zu müssen. Der Kriegsdienst war und ist möglicherweise eine Unterdrückung der Männer. Aber auch das würde nur bedeuten, dass Männer und Frauen verschiedenen Unterdrückungen ausgesetzt waren oder sind. Nur kann man diese Unterdrückungen nicht einfach gegeneinander aufrechnen: „Du Frau darfst nicht wählen, aber ich Mann muss in den Krieg, da hast Du es besser – ergo keine Unterdrückung der Frau“. So funktioniert das nicht.

Im alten Rom hatte ein Haussklave, in der Villa eines reichen Patriziers vermutlich oft ein besseres, angenehmeres und sicheres Leben als ein freier römischer Bauer oder gar ein Legionär. Daraus kann ich aber nicht ableiten, dass dieser Sklave nicht unterdrückt gewesen sei. Es ist für die Feststellung einer Unterdrückung nicht notwendig, dass der einzelne zwingend darunter leiden muss. Auch wenn ein solcher Haussklave ein langes gesundes und vielleicht auch glückliches Leben geführt hat, kann ich mich heute hinstellen und im Konstrukt von Sklaverei ein Unrecht sehen.

Ich habe mal von einer Plantage gelesen, auf der nach Abschaffung der Sklaverei sämtliche Sklaven von heute auf morgen freigelassen wurden. Die standen nun plötzlich ohne Heim und Beschäftigung aber dafür frei da. Nach ein paar Tagen marschierten Sie zum Herrenhaus und verlangten gefälligst wieder Sklaven sein zu dürfen. Als ihnen das verweigert wurde km es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Diese Leute wollten also offensichtlich am liebsten Sklaven sein, weil es Ihnen aus ihrer damaligen Sicht die beste Lebensart zu sein schien. Aber kann daraus schlussfolgern, dass Sklaverei daher keine Unterdrückung war?

Genauso verhält es sich mit Frauen, auch wenn die Situation hier natürlich nicht so drastisch war, wie bei Sklaven. Stellen wir uns vor, man hätte jungen Mädchen aus der besseren Bürgerschicht zu früheren Zeiten gesagt: „Freut Euch! Eure Unterdrückung ist zu Ende. Ihr müsst nicht mehr Ausschau nach einem Arzt oder Anwalt halten, der Euch standesgemäß ehelicht, und dann ernährt. Ihr dürft nun selber studieren, arbeiten und für Euren Lebensunterhalt sorgen!“ Vermutlich wäre die Begeisterung der Damen nicht sehr groß gewesen. Muss man aber daraus schlussfolgern, dass ein damaliges Studien- und Berufsverbot für Frauen gerecht und keine Form der Unterdrückung war? Ich denke nicht.

Im bürgerlichen Gesetzbuch fand sich früher die folgende Aussage:

„Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung.
Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt.“

Hier wurde dem Ehemann also rechtlich ganz klar eine rechtliche Vormachtstellung gegenüber seiner Frau eingeräumt. Jetzt könnte man dagegen einwenden, dass diese Vormachtstellung ja auch für den Mann eine Bürde gewesen sei. Denn schließlich musste er im Außenverhältnis für die gesamte Familie einstehen und diese im Innenverhältnis ernähren. Aber auch diese Einwendung verfängt nicht, denn der Ehemann ist in dieser Situation ja nicht zwingend der Schuldige an der Situation. Er hat diese Gesetze ja auch nicht gemacht. Trotzdem war es keine nach meinem Verständnis keine gerechte Situation.

Was heißt das aber nun? War früher alles schlimm und alle Frauen Opfer und alle Männer Unterdrücker? Nein, denn wie immer im Leben kommt es auf die persönliche Situation an. Es ist aus meiner Sicht aber nicht zu leugnen, dass es objektiv eine Unterdrückung der Gesamtgruppe „Frauen“ durch die damalige Gesellschaft (ich sage wohlweislich nicht: die Männer) gab.

Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten

Selbst viele Kritiker des Feminismus sind der Meinung, dass der Feminismus grundsätzlich viel Gutes erreicht habe, aber jetzt ein wenig zu weit gegangen sei. In der Vergangenheit seien Frauen unterdrückt worden und in den meisten nicht-westlichen Ländern sei das immer noch der Fall, nur hier im Westen in den letzten paar Jahrzehnten hätten Frauen nun mehr Rechte und weniger Pflichten als Männer.

So verbreitet sie auch seien mag, diese Ansicht ist nicht nur falsch, sie zeugt auch davon, wie tief verwurzelt der Gynozentrismus in uns ist. Selbst diejenigen die viele der Unwahrheiten und einseitigen Darstellungen des Feminismus durchschaut haben und festgestellt haben, dass Frauen in unserer Gesellschaft keine hilflosen Opfer sind, sind trotzdem sofort bereit dies über Frauen in anderen Ländern und zu anderen Zeiten zu glauben. Dabei ist das Vorgehen gleich wie bei allen anderen feministischen Lügen: man sucht sich bestimmte Fakten heraus die darauf hindeuten könnten, dass Frauen schlechter behandelt werden als Männer, ignoriert dabei alle nicht-sexistischen Erklärungen und ignoriert alle Fakten die darauf hindeuten könnten, dass Männer schlechter behandelt werden. Schon sieht es aus, als würden Frauen unterdrückt.

So weisen Feministen heutzutage darauf hin, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, dass Frauen „unterrepräsentiert“ sind in Führungspositionen, im Militär und in Naturwissenschaft und Technik. Angesichts der Tatsache, dass keiner Frauen von diesen Beschäftigungen ausschließt, ist die naheliegendste Erklärung, dass Männer und Frauen fundamental verschieden sind und unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben haben und daher unterschiedliche Entscheidungen treffen. Diese Erklärung wird jedoch ignoriert um stattdessen krude Thesen über Lohndiskriminierung, gläserne Decken und Männerseilschaften zu avancieren, die einfach so in den Raum geworfen werden und anscheinend keinerlei Belegs bedürfen. Fakten die auf eine Diskriminierung von Männern hindeuten könnten werden geflissentlich ignoriert. Beispielsweise, dass Männer früher sterben, öfter Selbstmord begehen, öfter obdachlos sind und öfter Opfer von Gewalt werden.

Mit historischer Unterdrückung läuft die Sache ähnlich. Frauen durften nicht wählen, konnten bestimmte Berufe nicht ergreifen, verheiratete Frauen konnten teilweise kein eigenes Eigentum besitzen und waren so von ihrem Mann abhängig (das war vor allem im angloamerikanischen Rechtssystem der Fall). Dabei ist patriarchalische Unterdrückung bei weitem nicht die einzige oder die beste Erklärung für diese Phänomene. Es stimmt natürlich, dass Frauen später als Männer das Wahlrecht bekommen haben, allerdings waren es in den meisten Staaten nur wenige Jahrzehnte zwischen allgemeinem Männerwahlrecht und allgemeinem Wahlrecht auch für Frauen. Auch kann es keineswegs als Unterdrückung gelten, nicht wählen zu dürfen. Wäre das der Fall, dann müssten heute Kinder, Jugendliche und Ausländer gleichermaßen als unterdrückt gelten. Wählen zu dürfen bringt sehr wenige persönliche Vorteile. Immerhin ist eine einzelne Stimme quasi bedeutungslos, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausgang der Wahl von einer Stimme abhängt ist verschwindend gering. Der einzige vernünftige Grund warum ein fehlendes Wahlrecht problematisch sein könnte, ist dass Männer ihr Wahlrecht dazu nutzen könnten um Politiker zu wählen, die im Interesse von Männern herrschen und dabei die Interessen von Frauen vernachlässigen.

Es gibt jedoch wenige Hinweise darauf, dass dies tatsächlich der Fall war. Auch aus theoretischer Sicht gibt es viel was gegen diese These spricht. Erstens ist es allgemein wenig sinnvoll, eigennützig zu wählen. Eine einzelne Stimme hat kaum eine Chance den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Wählen bietet daher die perfekte Gelegenheit, altruistisch zu handeln, da die persönlichen Kosten davon verschwindend gering sind. Es ist also sinnvoll diejenigen Parteien und Kandidaten zu wählen, von denen man glaubt sie repräsentieren am besten das Gemeinwohl. Das steigert das Selbstwertgefühl und tut gut fürs Gewissen, und das alles bei vernachlässigbar geringen Kosten.

Und selbst wenn man von egoistischen Wählern ausgeht, macht es wenig Sinn für Männer, für frauenfeindliche Politiker zu stimmen. Immerhin würde ein Mann der das tut damit auch all seinen weiblichen Verwandten, Freunden und Bekannten schaden. Es mag durchaus sinnvoll erscheinen im Interesse seiner eigenen Volksgruppe, Religion oder Rasse zu wählen, denn die meisten Verwandten und Freunde die ein Mann hat werden in der Regel diese Eigenschaften teilen, doch mit dem Attribut Geschlecht ist dies nicht der Fall. Und so gibt es auch viele historische Beispiele für Katholiken die im katholischen Interesse wählen, Protestanten die im protestantischen Interesse wählen, Weiße die im Interesse von Weißen wählen, etc.

Beim Verhältnis zwischen Männern und Frauen sieht das anders aus. Zwar gab es einige Gesetze und gesellschaftliche Normen die Frauen gegenüber Männern benachteiligten, umgekehrt gab es aber auch viele Gesetze und Normen die Frauen bevorzugten. Frauen wurden nicht zum Kriegsdienst gezwungen, wurden für Verbrechen in der Regel milder bestraft und verrichteten meistens weniger anstrengende und weniger gefährliche Arbeit als Männer. Interessanterweise bestehen die meisten dieser weiblichen Privilegien heute immer noch, während so ziemlich alle männlichen Privilegien beseitigt wurden. Die orthodoxe Sicht, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten hundert Jahren hin zu mehr Gleichberechtigung bewegt hat ist also völlig falsch.

Das Verhältnis der Geschlechter zueinander ist stattdessen immer ungleicher geworden. Vor hundert Jahren durften Frauen nicht wählen, aber dafür ließen Millionen von Männern in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs ihr Leben. Wäre ich vor die Entscheidung gestellt, entweder mein Wahlrecht zu verlieren oder aufs Schlachtfeld geschickt zu werden, ich würde keine Sekunde zögern meine Stimme aufzugeben. Ich glaube daher nicht, dass Frauen es damals tatsächlich schlechter hatten als Männer. Heute haben Frauen fast überall das gleiche Wahlrecht wie Männer, doch in den Staaten in denen es noch militärischen Zwangsdienst gibt, sind meistens trotzdem nur Männer betroffen. Männer erhalten immer noch härtere Strafen für das gleiche Verbrechen und es sind immer noch fast ausschließlich Männer die die besonders gefährlichen, anstrengenden und schmutzigen Arbeiten verrichten.

Ähnlich wie das historische Geschlechterverhältnis ist auch die heutige Lage in vielen nicht-westlichen Ländern, insbesondere im Nahen Osten. Sowohl von Seiten des Feminismus, als auch in den Medien hört man immerzu wie sehr Frauen in diesen Gesellschaften unterdrückt werden. Und in der Tat gibt es dort einige Belange in denen Frauen benachteiligt werden. Vom Kopftuchzwang in der Öffentlichkeit, über teilweise eingeschränkte Berufswahl, bis hin zu Diskriminierung im Erbrecht.

Was aber wie so oft ignoriert wird, ist dass es auch weibliche Sonderrechte gibt und Bereiche in denen Männer schlechter behandelt werden. Ein gutes Gegengewicht zur vorherrschenden feministischen Meinung ist Ali Mehraspands Artikel „The myth of patriarchal oppression in Iran„, in dem am Beispiel des Irans viele dieser weiblichen Privilegien und männlichen Sonderpflichten aufgezeigt werden. So müssen zum Beispiel alle Männer zwei Jahre lang Militärdienst unter teils sehr widrigen Bedingungen leisten. Auch bietet das dortige Sozialsystem viel umfangreichere Hilfe für bedürftige Frauen als für bedürftige Männer an, obwohl der weit überwiegende Teil der dafür verwendeten Steuern von Männern gezahlt wird.

Allgemein gilt, dass in eher „traditionellen“ Kulturen tendenziell Männer mehr Rechte und Freiheiten haben, aber Frauen dafür weniger Pflichten und mehr Sicherheit. Welches Geschlecht dabei besser wegkommt ist eine Frage der persönlichen Bewertung und der persönlichen Vorlieben des jeweiligen Individuums. Doch pauschal zu behaupten, dass Frauen unterdrückt und Männer die Unterdrücker sind ist eine völlige Verzerrung der reellen Bedingungen. Wer sich, wie das im Feminismus überwiegend geschieht, einzig auf die Nachteile von Frauen konzentriert und alle Vorteile schlicht ausblendet, wird sich nie ein ausgewogenes Bild von der Lage verschaffen können.

All dies sollte nicht dahingehend missverstanden werden, dass ich die bestehenden Nachteile die Frauen in vielen nicht-westlichen Ländern haben gutheiße. Im Gegenteil denke ich, dass alle rechtlichen Ungleichheiten beseitigt werden sollten und Gesetze die die Freiheit von Frauen einschränken abgeschafft werden sollten. Gleichzeitig sollte aber auch das gleiche für Männer gelten. Doch solange der Glaube an die Unterdrückung der Frau so weitverbreitet ist, wird es keine ausgewogenen Änderungen an Gesetzen oder gesellschaftlichen Normen geben.