Fundstück: Jörg, der Obdachlose vom Leopoldplatz in Berlin

Da wir hier im Blog darüber diskutiert haben, ob Jungs weinen dürfen und wann das für Männer gilt, hier ein kleines Video, in der der Obdachlose Jörg eine bewegende Geschichte erzählt.

Ich weiß nicht, ob es mehrere Anläufe gebraucht hat, um dieses Video zu produzieren und wieviel Material gedreht wurde, um am Ende etwa dreieinhalb Minuten zu bekommen. Es beeindruckt mich, mit welch klarer Stimme und wie direkt dieser Mann aus seinem Leben berichtet.

Jörg hat einen Sohn, der jetzt etwa 21 Jahre alt ist. Das letzte Mal gesehen hat er ihn, als er 6 war. An dieser Stelle ihm Video muss er weinen – ein starker Kontrast zum Rest, den er recht nüchtern erzählt.

Es ist ein konkretes Beispiel für einen Vater, der sein Kind nicht mehr sehen durfte. Umgekehrt gibt es viele verantwortungslose Väter, die sich nicht für ihre Kinder interessieren. Beides schreckliche Dinge.

Jörg erwähnt, dass er vor Karstadt sitzt, der Titel des Videos erwähnt den Leopoldplatz, und wenn man die Bilder des Videos mit den Aufnahmen von Google Streetview vergleicht, kann man sehr leicht herausfinden, wo Jörg sitzt. Es ist direkt an der U-Bahnhaltestelle Leopoldplatz. Als ich letzte Woche in Berlin war, habe ich ihn besucht und ihm ein wenig Kleingeld gegeben.

(gefunden via Genderama)

Aktualisierung 20.03.2014: Die Reaktionen sowohl von Stephan Fleischhauer als auch von Wolle Pelz zeigen mir, dass mein Verweis auf einen Beitrag von Robin missverständlich ist. Es geht mir nicht um den werdenden Vater aus ihrer Geschichte (der ist ja noch keiner!), sondern um Robins Vater. Für dieses Missverständnis bin ich verantwortlich, weil ich den kleinen, aber feinen Verweis ohne weiteren Kommentar gesetzt habe.

Aber noch ein anderer Punkt ist mir wichtig, weil es bei mir so ankam, als würde ich mir durch einen Verweis auf Robin ihre Positionen zu eigen machen: Wer Robin als Person ist, muss dabei überhaupt nicht diskutiert oder beleuchtet werden, denn das spielt für meine Beurteilung keine Rolle. Selbst die bösesten Menschen überhaupt (Nazikommunisten?) haben bestimmte Rechte verdient, in diesem Fall den Kontakt zum Vater. Dass bei diesen Rechten gerade nicht darauf geguckt wird, wen sie betreffen: Das ist doch der Rotz, den wir so lieben!

Ein zweiter Kritikpunkt kam von Wolle Pelz (Artikel siehe oben):
„Ich kann auch nicht feststellen, wer den Artikel verfasst hat.“

Ich habe das eine Weile gar nicht verstanden. Schließlich ist mein Pseudonym klar und deutlich zu lesen, wenn man den Artikel auf der Hauptseite des Blogs liest. Aber dann ging mir ein Licht auf: Ich hatte für den Eintrag die Vorlage „Video“ gewählt. Dabei scheint der Autorenname nicht oben im Artikel selbst angezeigt zu werden! Das ist eine Eigenart des WordPress-Themas „Twenty Ten“, die ich noch nicht kannte und die ohne Zweifel kontraproduktiv ist. Ich habe den Eintrag daher so geändert, dass wieder die Standardvorlage verwendet wird.

Immerhin habe ich bei allen Beiträgen von mir eine Sache konsequent eingehalten: Ich habe sie immer in die Kategorie „Graublau“ eingeordnet und beim bisher einzigen Gastbeitrag, den ich eingestellt habe, den Autor ausdrücklich erwähnt. Über die Kategorie war der Autor also die ganze Zeit ermittelbar – wenn das auch, zugegeben, ein ziemlicher Umweg ist.

Oh, und falls jemand die Popkultur vermisst hat: Die taucht am Ende des Videos auf! 🙂

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„Männer stehen auf Schlampen.“ Echtjetz?

Im Zuge einer Diskussion bei Christian – Alles Evolution wurde in einem Kommentar behauptet, Männer stünden auf Schlampen und dahingehend seien promiske Frauen nicht benachteiligt.

Mich interessiert: Stimmt das wirklich?

Ich für meinen Teil habe es in meiner Hörner-abstoß-Phase, welche sich zwischen meinem siebzehnten und zwanzigsten Lebensjahr abspielte, folgendermaßen erlebt:

Ich hatte, wann immer ich Single war, mehr oder weniger regelmäßig wechselnde Sexualpartner. Ab einer gewissen Anzahl an One Night Stands, aus denen ich keinen Hehl machte und irgendwie auch gar nicht machen konnte, da sich vieles im selben Bekanntenkreis abspielte, hatte ich den Ruf weg, ich sei leicht zu haben. Das stimmte auch, irgendwie. Wenn ich Lust darauf hatte, ließ ich mich auf die Avancen ein, welche ein potentieller Sexualpartner machte, und hin und wieder übernahm ich selbst die Initiative. Doch ich merkte, dass sich mein Ruf bald verselbständigte bzw. mir vorauszueilen begann, und das war der Moment wo es anfing, hässlich zu werden.

Es war nie ein Problem, einen Sexualpartner zu finden. Doch wer will eine Schlampe als Freundin? Eine, über die schon mindestens einer oder gar mehrere aus der Clique oder dem Bekanntenkreis „drüber gerutscht“ ist? Davon, dass einer [jungen] Frau beim Knüpfen neuer Bekanntschaften möglicherweise der Ruf, eine Schlampe zu sein, massiv im Weg stehen könnte, hat wohl noch keiner von den Verfechtern der „Männer-stehen-auf-Schlampen“-Theorie etwas gehört.

Meine Erfahrungen zusammengefasst: Männer stehen auf Schlampen? Was reinen Sex angeht meist ja, für eine Beziehung lieber nicht.

Was sagt ihr dazu?

Zu meiner Moderation möchte ich Folgendes loswerden:
Ich habe schnell festgestellt, dass hier beim Geschlechterallerlei öfters mal scharf geschossen wird. Der eine ist empfindlicher was sexistische Aussagen angeht, ein Anderer wiederum nimmt an der selben Aussage keinerlei Anstoß.

Es liegt nicht in meiner Absicht, jemandem durch sexistische Aussagen zu nah zu treten.

Falls jemand von den Lesern sich dennoch durch eventuell vorhandenen Sexismus gestört oder gar angegriffen fühlt, darf er oder sie das gerne äußern. Es kommt jedoch auf die Art und Weise an, ob ich überhaupt darauf antworte.

Ich bitte darum, sachlich zu bleiben.

 

Warum ich pseudonym blogge

Es ging ja schon heiß her beim Geschlechterallerlei. Obwohl das Blog offiziell erst im April so richtig losgeht, gab es bereits die erste Kritik am modus operandi: So wurde mir in der Diskussion zu meinem Artikel über den Männerstreik vorgeworfen, anonym aufzutreten und damit nicht glaubwürdig zu sein. Nun habe ich meinen Standpunkt in der Diskussion dargelegt, aber nachdem Martin Domig alias Flussfänger es noch in einem eigenen Beitrag aufgriff, möchte ich noch einmal „Butter bei die Fische“ geben und Inhalte nennen, die ich mit meinem Klarnamen zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht veröffentlichen möchte, die ich aber doch für wichtig halte.

Die ersten Kommentare, mit denen ich mich in dieser Filterblase bemerkbar machte und den Status des stummen Mitlesers verließ, betrafen den Artikel Männergesundheitsbericht 2013 und psychische Gesundheit.

Die Kernpunkte zusammengefasst:

  • Depressionen sind die wichtigste psychische Erkrankung bei Männern.
  • Depressionen werden bei Männern häufig nicht erkannt und führen zu Selbstmord.
  • Depressionen kollidieren mit den sozialen Anforderungen an einen Mann, so dass mit Ausgrenzung rechnen muss, wer sich zu seiner Krankheit bekennt.
  • Depressionen äußern sich bei Männern anders als man es erwartet, etwa durch Aggression statt durch Traurigkeit.

Ich habe damals als Betroffener bei Alles Evolution einige Punkte genannt, die nach meiner Erfahrung viele Außenstehende nicht erwarten:

„1. Aggression oder Wut sind tatsächlich “das letzte Aufgebot”, was man noch hat. Voran ging bei mir eine Phase, in der ich tief traurig war, was aber nicht akzeptiert wurde (“reiß Dich zusammen”, “wird schon wieder”, “jetzt ist auch mal gut”, “Du darfst Dich nicht beklagen”). Aggressivität äußert sich meist (auch) durch Aktivität und kann leicht als “überengagiertes Durchsetzungsvermögen” missverstanden werden (in Wahrheit ist man nie so wenig bei der Sache wie in dieser Zeit). Hinzu kommt, dass man sich mit aggressivem Auftreten tatsächlich an einigen Stellen im Leben durchsetzt. Das mag einen Sympathien kosten, aber man kann nicht alles haben und wenn man vorher der “gute” Kerl war, der sich selbst immer als “Verlierer” bei gemäßigtem Auftreten wahrgenommen hat, dann ist das pädagogisch eine fatale Lektion. (Das war jetzt alles bezogen aufs Berufsleben.)

Leider wird man gerade im Berufsleben schnell als “schwach” verhöhnt, wenn man zu erkennen gibt, dass es einfach zuviel ist. Da Männer tendenziell eher Vollzeit arbeiten und Berufsleben für sie eine größere Rolle spiel (Versorgerfunktion, egal ob sie akut gefragt ist oder nicht), trifft sie das besonders hart.

2. Es ist einer der Hauptirrtümer der jetzigen Zeit, dass man Depression mit “kraftlos in der Ecke sitzen und weinen” gleichsetzt. Es ist schon viel erreicht, dass man über Depressionen spricht und dass es Männer-Beispiele gibt, die Erfolg hatten (Sebastian Deisler, Robbie Williams).

Nach meiner Erfahrung können Leute mit Depression durchaus lachen, aktiv sein, kreativ sein usw. Es ist eher das Gefühl der Sinnlosigkeit (was die langfristige Zukunft / das eigene Leben angeht) und die Kraftlosigkeit (die meist eher psychische Erschöpfung ist), die eine Depression ausmachen. Depressive scheinen von negativen Ereignissen stärker getroffen zu werden (und eine Äußerung dessen wird bei Männern gerne als “weinerlich”, “sensibel” usw. gebrandmarkt, so dass sie diese Gefühle und Gedanken in Zukunft für sich behalten). Dieser stärkere emotionale Einschlag kann natürlich umgekehrt gerade Kreativität beflügeln (weil man sich einer Sache “ganz hingeben” kann), was dann wiederum zu Ergebnissen führt, mit denen man Leute beeindruckt.

Diese Aktivität und Kreativität macht es insbesondere bei Männern schwer, Depressionen zu erkennen und zu verstehen. Sie kann aber auch gleichzeitig ein wichtiger Weg aus der Depression heraus sein.

3. Es hat wenig Sinn, Leidensvergleiche zwischen Frauern und Männern anzustellen. Das lenkt zu sehr von der eigentlichen Aufgabe ab: Aus der Depression wieder herauszukommen. Letzten Endes können Medikamente und Therapie einen unterstützen, aber den Großteil der Arbeit muss man ohnehin selbst haben. Außerdem kann nichts “positive Erfahrungen im echten Leben” ersetzen.

Bei allem, was geschafft habe, kann ich mir immer sagen, dass ich das eben “wie ein Mann” angepackt habe, weil ich agiert und nicht reagiert habe. Es ist kein Zufall, dass die Popkultur voll von Beispielen ist, in denen ein “sympathischer Außenseiter” irgendwie den Durchbruch schafft – auch gegen Widerstände aus seinem Umfeld.

4. Ich rate jedem Mann mit Depressionen, sich gut zu überlegen, wem er sich anvertraut. Selbst bei guten Freunden oder Familienangehörigen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sie das verstehen, weil (wie oben aufgeführt) die bei Männern auftretenden Signale nicht als zu einer Depression gehöhrend wahrgenommen und damit als Krankheitsbild verstanden werden. Andererseits kann ich auch berichten, dass ich in meinem Umfeld genügend Leute habe, die mich verstanden haben oder es im Laufe der Behandlung gelernt haben.

Es gibt eine spezielle männliche Perspektive auf Depressionen und dabei sowohl besondere Hindernisse als auch besondere gute Verhaltensweisen. Da die Anzahl der Selbstmorde bei Männern um ein Vielfaches höher ist als bei Frauen, lohnt es sich, auch ein wenig Zeit auf diese Perspektive zu verwenden.

Was das Weinen angeht: Männer werden darauf trainiert, nicht in der Öffentlichkeit zu weinen. Bei Depressionen denkt man, die Leute würden ständig weinen. Das schlimmste Sympton auf der Skala ist jedoch, wenn man überhaupt nicht mehr weinen kann. Das fällt bei Männern natürlich nicht so schnell auf.

Hier gibt es eine schöne Parallele zum Märchen, in dem die Königstochter ihren Vater “wie das Salz” liebt und er sie daraufhin verstößt. Anschließend wird alles Gold im Königreich zu Salz und die Leute merken, wie wichtig so etwas Bitteres, nur in geringen Maßen Genießbares wie das Salz ist. Ohne es ist alles andere irgendwie fad. Genauso verhält es sich mit dem Weinen.

Noch eine Märchenparallele gefällig? Heinrich, der Diener des Froschkönigs, war so betrübt über die Verwandlung seines Herrn, dass er sich eiserne Bande um sein Herz legen ließ. Als der Eiserne Heinreich dann auf dem Kutschbock sitzt und den erlösten Herrn und seine Frau kutschiert, da kracht es einige Male ganz laut. Erschrocken über das Geräusch, fragt der König, ob die Kutsche zerbrechen würde. Da sagt der treue Diener: Keine Angst, das sind nur die eisernen Bande, die von meinem Herzen fallen. So fühlt es sich an, wenn man aus der Depression wieder herauskommt.“

Es gab auf diese ersten zwei Kommentare direkt eine Reaktion von Robin. Sie erwähnte ihre eigenen Erfahrungen, die sie in dem sehr lesenswerten Artikel „Man ist nur ein Opfer, wenn man in der Ecke sitzt und weint.“ zusammengefasst hat.

Ich antwortete damals: „Mein Eindruck ist scheinbar komplementär: Bei mir als Mann lobt man eigene Aktivität, aber jedes Anzeigen von “das ist mir jetzt zuviel” oder “da fehlt mir die Kraft für” sorgt für Irritationen.“

Unter dem Artikel “Der männliche und der weibliche Defekt” sprach ich es noch einmal an:

„Interessante Sache, die hier in den Kommentaren vor kurzer Zeit schon aufkam. Da schilderten Mann und Frau, wie gegensätzlich mit ihnen umgegangen wird bei Krankheit.

Von einer Frau wird erwartet, dass sie doch bitte das arme Opfer ist. Offensives Umgehen hingegen stößt auf Widerspruch.

Bei einem Mann wird begrüßt, wenn er aktiv ist und Dinge tut. Wenn er jedoch anzeigt, dass eine Situation/Aufgabe für ihn zuviel ist und er sie nicht tun will/kann, wird ihm das übel genommen.

Ich sehe hier deutliche Parallelen. Und gesund(heitsfördernd) ist diese Einstellung offensichtlich nicht.“

Ich habe damals kommentiert, weil ich einfach nicht schweigen wollte und meinte, mit meinen Erfahrungen etwas zu dem Diskurs beitragen zu können, aber pseudonym, weil ich mir andererseits auch bewusst war, wie gefährlich offene Bekenntnisse eines Tages werden können. Diese Lösung ist alles andere als perfekt, ich bin mir ihrer Nachteile bewusst, aber ich kann mir derzeit nichts Besseres vorstellen.

Wenn ich dann noch Fragen lese, wie sie letztens noch durch die Blogblase gingen, sinngemäß warum Männer nicht zu ihren Gefühlen stehen, dann muss eine gute Antwort aus meiner Sicht so lang und ausführlich werden, dass selbst Kommentare an ihre Grenzen stoßen. Darum möchte ich hier bloggen.

Eigentlich sollte das Thema „Eine männliche Sicht auf Depressionen“ mein erster Beitrag fürs Geschlechterallerlei werden. Es ist dann aber so viel geworden, dass ich den Artikel nicht fertig bekam. Da der mir besonders am Herzen lag, habe ich ihn nicht mit Biegen und Brechen heruntergeschrieben, sondern lieber andere Themen zuerst abgehandelt.

Letzten Endes wurde es aber auch zuviel Material für einen Eintrag. Zudem ist es wichtig, ein bestimmtes Maß an Allgemeinwissen voraussetzen zu können. Deswegen kommt also zuerst dieser Text hier zur Einstimmung.

Natürlich kann das wie eine reine Show aus Zitaten und Resteverwertung wirken. Ich denke aber, das alles mal zusammengestellt in einem Artikel ist schon viel wert und kann zum Weiterlesen animieren.

Erzählmirnix ist, man höre und staune, in erster Linie keine humorvolle Comicautorin, sondern Psychologin und Psychotherapeutin. Sie hat eine Reihe von Artikeln zu dem Thema veröffentlicht, zum humorvolle, an denen man dennoch den Ernst des Themas erkennt:

Dann gab es aber noch eine Interviewserie. Daran erkennt man, wie schade es ist, dass in letzter Zeit nur noch Comics erschienen sind (bei den Artikeln kann man sich ja nie sicher sein, ob sie nicht irgendwann gelöscht werden, weil sie nicht mehr gefallen… Erzählmirnix zeigt hier die Mentalität eines Wikipedia-Admins).

Insbesondere das letzte Interview sollte Hoffnung machen und zeigen, dass Depressionen kein ewiges Schicksal sind. Das ist natürlich noch einen eigenen Blogartikel wert… doch schauen wir einmal in die Runde. Da gibt es ja noch mehr Leute mit Depressionen:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Doch selbst da ist die Welt ausnahmsweise mal nicht in Ordnung:

Es gibt viele Lieder, die mir zu dem Thema einfallen, aber am ehesten denke ich Moment an dieses hier. Die Single und das dazugehärige Album waren auch so passend mit Schwarzweißfotos illustriert…

U2: Beautiful Day

Die Frauenquote, Teil 1: Wieviel darf’s denn sein?

Die Quotendiskussion leidet einer ganz entscheidenden Schwäche: Wieviele Frauen dürfen, bzw. müssen auf den Führungsetagen vertreten sein? Wann sind Frauen angemessen in den Führungsetagen vertreten? Nach welchen empirischen Erkenntnissen (oder aufgrund welcher Daten) wird der richtige Frauenanteil errechnet? Braucht es 20, 30 oder gar 50 Prozent Frauen in den Führungsetagen? Darüber  breiten die Quotenbefürworter allgemein das Tuch des Schweigens. Es ist also zu vermuten, dass die „richtige“ Höhe des Frauenanteils reine Gefühlssache- und damit vor allem eine Frage der politischen Opportunitäten ist.

Ein Blick auf die Quotenwirklichkeiten in ganz Europa fördert mitunter ganz Erstaunliches zutage: So hat Norwegen 2003 beschlossen, dass der „richtige“ Frauenanteil bei 40 Prozent liegt- und diesen Anteil 2006 gleich in ein Gesetz gegossen, dass für die Verwaltungsräte aller börsenkotierten Gesellschaften gilt. Ganz anders sieht das die deutsche Bundeswehr: Ihr Ziel ist eine Gesamtquote von 15 Prozent Frauen im gesamten militärischen Bereich. Der deutsche Verein ProQuote wiederum fordert bis 2017 einen gesetzlich verbindlichen Frauenanteil von 30 Prozent auf allen Führungsebenen in sämtlichen Print- und Onlinemedien, TV und Radio. Dasselbe Ziel verfolgt auch die sog. „Stauffacher Deklaration“, die vorsieht, dass der Frauenanteil in der Redaktion des schweizer Tages Anzeigers bis 2016 auf 30 Prozent ansteigt.

„Nur schon das Arbeitsklima ist anders. In einer männerlastigen Umgebung ist alles automatisch sportlicher, militärischer, aggressiver.“, antwortet die Frauenbeauftragte und langjährige Kulturjournalistin Simone Weber auf die Frage, warum es in den „Tagi-Testosteron-Territorien“ überhaupt einen höheren Frauenanteil brauche. Die Stadt Bern setzt die Frauenquote in der Verwaltung auf Kaderebene etwas höher, genauer: bei 35 Prozent an. Als die Stadt Zürich es ihr gleich tun wollte, stellte sie mit Erstaunen fest, dass bereits 43,5 Prozent aller Kaderstellen im Verwaltungsbereich von Frauen besetzt sind! Erwin Rasinger, Abgeordneter der ÖVP im österreichischen Nationalrat, forderte vor Jahren einmal eine gesetzliche 50-Prozent-Frauenquote an allen medizinischen Fakultäten. Ein prozentual weit tieferes Ziel hat sich unlängst Advance gesetzt und will den Frauenanteil in Exekutivpositionen in der schweizer Wirtschaft bis 2020 auf freiwilliger Basis von derzeit 4 auf 20 Prozent erhöhen.

Als die deutsche SPD-Politikerin Gesche Joost 2013 sogar eine Frauenquote für Talkshows forderte, liess sie zum Glück offen, wie hoch eine solche ausfallen soll. Mit gutem Grund: „Vor allem die elektronischen Medien haben ein gewaltiges Problem mit einer vertretbaren Frauenquote (…) Oft ist es kaum möglich, zumindest eine Alibifrau für eine TV-Diskussionsrunde zu finden, bei der es nicht um eines der häufig gewählten Softthemen geht.“, wie der schweizer Journalist und Unternehmer Roger Schawinski ausführt, der von 2003 bis 2006 den deutschen Privatsenders Sat 1 geführt hat. Das bestätigt auch Peter Wälty, stellvertretender Chefredaktor bei 20Minuten, der mit über einer Million Lesern pro Ausgabe meistgelesenen Tageszeitung der Schweiz: „Bei Newsnet haben wir in den letzten fünf Jahren weit über hundert Mitarbeiter eingestellt. Die Frauenquote bei den Bewerbungen lag bei höchstens fünfundzwanzig Prozent. Wen wundert es also, wenn Frauen in Führungspositionen untervertreten sind, wenn die sich gar nicht erst bewerben? Dabei bietet Newsnet- mit Ausnahme des Newsdesks- gerade auch für Mütter und solche, die es werden wollen, ideale Arbeitsbedingungen. “

Im nächsten Teil dieser Serie über die Frauenquote beschäftige ich mich mit der Frage, ob Innovationsfreude, unternehmerischer Mut und Pioniergeist typisch männliche Eigenschaften sind: Don’t miss it!

Ich war dabei

Ersteinmal zu meiner Person, ich bin 62. Als Dreijähriger bin ich mit meinen Eltern nach Süd Afrika ausgewandert, vor 15 Jahren kam ich mit meiner deutschen Frau und zwei Töchter nach Deutschland zurück. Die Kolonien hinken oft den Geschehenessen in der Welt hinterher, somit erinnere ich mich an einer Welt in der es verschiedene Regeln für Männchen und Weibchen gab und Jeder das als selbstverständlich akzeptierte.

Oft höre ich das Frauen früher unterdrückt wurden, aber Heute ist das nicht mehr so und die Frauen und Mädchenförderung ist demnach überzogen.

Diese Aussage ärgert mich, vor allen wenn sie von Maskulisten kommt, beide Geschlechter wurden in mancher Hinsicht benachteiligt und in anderer wieder bevorzugt, die Behauptung das Frauen und Mädchen nur benachteiligt wurden, sogar unterdrückt ist schlicht gelogen. Wenn ich an der Zeit zurück denke als ich die Schule verließ, würde ich nicht sagen das ich Schuldgefühle entwickeln müsste weil es uns Jungs doch so viel besser ginge wie den Mädchen, nein Neid beschreibt meine Gefühle genauer.

In meiner Zeit wurden Kinder in der Schule noch geschlagen, oder genauer gesagt Jungs wurden geschlagen. Hätte mir damals Jemand erzählt der Schmerz und die Demütigung vor der ganzen Klasse den Arsch versohlt zu bekommen ist eines der Privilegen für die ich mich später jeden Tag meines Lebens bei jedem weiblichen Wesen entschuldigen müsste, ich hätte den glatt nicht geglaubt.

Die Berufswahl für Jungs war eigentlich ziemlich eindeutig, es ging hauptsächlich darum möglichs viel Geld zu verdienen, vielleicht auch noch etwas um Prestige.

Die Mädchen in unsere Matrikgruppe hatten drei Möglichkeiten: Sie konnten selbst Karriere machen, sie konnten etwas studieren, was nicht unbedingt für einen Beruf nützlich ist, Philosophy, Geschichte, oder Kunstgeschichte waren sehr angesagt, oder sie konnten einfach jobben, meistens als Büro Assistentin, wenn sie in der Schule Tippen gelernt hatte, konnte sie ab sofort bis zu 250 Rand verdienen, damals war der Rand 5 Mark wert.
Grob geschätzt teilten sie sich in drei gleichgroßen Gruppen die die verschiedenen Optionen wahr nahmen, nur Margareth entschloß sich erst einmal ein Urlaubsjahr ein zu legen, während sie zu sich fand und entschloß was sie mit ihr Leben anfangen wollte. Für einen Jungen der nicht wie ich das Glück hatte Ausländer zu sein, wäre das unmöglich gewesen, das Militär ließ sich nur hinausschieben wenn man ein anerkanntes Lehrinstitut besuchte.

Als Jobberin zwischen Schulabschluß und Ehe, brauchte man keine Altersversogung, sie würde doch später in ihrer Ehemanns Altersversorgung aufgenommen werden, selbst Krankenkasse, konnte sie bei ihren Eltern weiter Mitglied bleiben. Die größten regelmäßigen Ausgaben waren waren neue Ballkleider die mehrmals jählich fällig wurden. Es wäre doch eine Zumutung ein Ball zu besuchen in ein Kleid das die Freundinnen schon gesehen haben.

Ich hatte einen Ausbildungsvertrag mit der Post abgeschlossen, die Post hatte damals noch das Monopol auf Fernmeldedienste, ich wurde sogar für die Zeit die ich auf der Fachhochschule verbrachte bezahlt, nach Abzügen, die vom ersten Tag an Altersvorsorge und Krankenkasse beinhalteten bekam ich knapp 100 Rand ausgezahlt. Am Wochenende durfte ich dann Mädchen ausführen und frei halten die mehr als das Doppelte von dem was ich verdiente hatten. Niemand fand das komisch, der Mann hatte zu zahlen und das wars.

Wenn Frau als Jobberinn bei den Eltern wohnt, dann eignet sich die Situation zum sparen , viele junge Mädchen gönnten sich einmal im Jahr eine exotische Reise, meistens eine geführte Reise durch Europa, durch sogenannte Student Tours angeboten, die Teilnehmer waren mehrheitlich keine Studenten und zu 80% junge Frauen zwischen Schulabschluss und Ehe.

Auch ich verlor meine erste feste Freundin als sie sich auf einer Studententour in ihren Schihlehrer verliebte, aber die Geschichte erzähl ich ein anderes mal.

Wer hat in den Beziehungen die Hosen an?

Einer der Punkte, der aus meiner Sicht innerhalb der Theorien zu den Geschlechtern oft zu kurz kommt, ist, dass ich Frauen in Beziehungen keineswegs als machtlos erlebe, sondern diese oft sehr viel zu sagen haben. Es gibt eben auch genug Männer, die „unter dem Pantoffel“ stehen und insoweit wenig zu sagen haben.

Die Position der Frau in vielen Beziehungen scheint mir nicht zu einer klassischen Theorie der Unterordnung zu passen; wenn ich schätzen müsste, dann würde ich sogar eher vermuten, dass die „Macht“ etwas mehr auf der Frauenseite liegt, auch wenn alle Varianten vertreten sind.

Wozu man Männer noch gebrauchen kann

Neulich hat mich eine Bekannte gefragt, wofür man Männer denn heutzutage überhaupt noch gebrauchen könne.

Meine Fresse, schoss es mir durch den Kopf: Keine Ahnung! Zum Grillieren vielleicht? Oder für die Müllabfuhr..? Männer tragen ja  den Müllsack nicht nur bis vor die Haustüre, sondern fahren ihn von dort aus auch noch gleich bis zur nächsten Kehrichtdeponie! Oder haben sie schon einmal eine Müllfrau gesehen? Für die Kanalreinigung dürfte man sie wahrscheinlich ebenfalls noch ganz gut gebrauchen können, denke ich. Oder für das Verlegen von Strom-, Gas-, Telefon- und Wasserleitungen: Schliesslich brauchen wir ja Licht in der Küche, wenn wir spätabends noch schnell den Abwasch erledigen wollen, nicht? Oder mit einem Latte Macchiato in der Hand in einem Versandhauskatalog blättern. 80 Prozent aller Kaufentscheide werden übrigens von Frauen gefällt, wussten Sie das?

Item, zurück zum Thema: Männer planen ganze Städte, ziehen sie hoch, bauen Strassen, Wege, Autobahnen und Schienennetze, unterhalten Kraftwerke, bauen Staudämme, karren Rohstoffe, Nahrungsmittel und sonstige Güter 24 Stunden lang zu Wasser, zur See, zu Land oder auf dem Luftweg um die Welt, entwickeln und programmieren hochkomplexe Computernetzwerke, Schreibprogramme, Webbrowser und Apps für die ebenfalls von ihnen ersonnenen Smartphones, Laptops, Desktops und Tablets, gründen Firmen, schaffen weltweit Millionen von Arbeitsplätzen und gehen für sie mitunter halsbrecherische, unternehmerische Risiken ein. Sie retten Leben als Feuerwehrmänner, Polizisten oder Sicherheitsangestellte, ziehen Dämme um Städte bei Hochwasserkatastrophen, füllen zehntausende von Sandsäcken von Hand ab, evakuieren Menschen mit Helikoptern aus gefährdeten Gebieten, löschen Waldbrände, schneiden Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen mit Blechschneidern aus ihren Autos, suchen nach Verschütteten in Erdbebengebieten, stecken auf Ölbohrplattformen knietief im giftigem Bohrschlamm, entwickeln alternative Energiegewinnungsformen sowie Medikamente gegen alle möglichen Gebrechen und Krankheiten, erfinden ununterbrochen neue Dinge, die unser Leben angenehmer gestalten sollen, bauen Raketen, planen Missionen zum Mars, sind auf den Mond geflogen, springen mit dem Fallschirm aus genau 38’969,4 Metern Höhe auf die Erde, haben die Quantenmechanik ergründet, den tiefsten Punkt im Meer erkundet und den Mount Everest bestiegen, LSD entdeckt, den Reissverschluss erfunden sowie die Evolutionstheorie verfasst, zünden das Feuerwerk an Grossanlässen mit Netzwerkcomputern, organisieren Open-Air-Konzerte, Loverides, Filmfestivals und Freilichtspiele, veranstalten Sportanlässe, sind als Mäzene tätig, eröffnen gemeinnützige Stiftungen, gründen Hilfswerke wie die Médicines Sans Frontières- und sind im Notfall erst noch zuverlässig und pünktlich zur Stelle, wenn der Abfluss verstopft ist, das Türschloss kaputt- oder das Auto plötzlich nicht mehr anspringt!

Männer sind sozusagen die Heinzelmännchen unserer Zivilisation: Sie erledigen all diese Jobs ohne Murren, Jahr für Jahr, bei gutem und bei schlechtem Wetter, ob es regnet oder schneit, kalt ist oder warm, Tag und Nacht. Das ist für sie ganz selbstverständlich, dafür sind sie da, das ist ihre Aufgabe, das ist ihre Bestimmung! Und glauben Sie mir: Viele von ihnen würden noch so gerne einen Teil davon abgeben, denn das alles ist manchmal verdammt anstrengend..!