Mythos Lohnschere

Beinahe alles, was Frauenorganisationen heutzutage so fordern, wird mit der angeblichen Lohnschere begründet. Über die angebliche Lohnschere wird auch von den Medien gerne immer wieder berichtet. Das Ganze hat nur einen Haken: Es gibt keine Lohnschere. Aber bevor ich mich im Einzelnen mit etwas beschäftige, was es nicht gibt, beschreibe ich einmal, was es gibt.

Eine triviale Feststellung: Der Tag hat 24 Stunden. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Ähnliches gilt für menschliche Energie. Unsere Aufmerksamkeit und unser Einsatz sind genauso begrenzt wie unsere Zeit auf dieser Welt. Wenn wir mehr feiern, arbeiten wir weniger. Wenn wir mehr arbeiten, haben wir weniger Zeit für Freunde und Familie. Wenn wir uns mit voller Kraft unseren Kinder widmen, geht sich keine Karriere aus. Zumindest keine Top-Karriere. Zumindest nicht zeitgleich. Unsere Zeit und Energie sind wie eine Flüssigkeit, von der wir nur eine begrenzte Menge haben. Wenn unser Leben ausgeglichen ist und wir keinen äußeren Druck haben, verteilt sich unsere Zeit und Energie annähernd gleichmäßig zwischen Arbeitsleben und Privatleben.

ausgleich

Das nennt man neudeutsch work-life-balance. Und bei einem modernen, jungen, kinderlosen, einigermaßen gut ausgebildeten Menschen funktioniert das oft ganz gut. So lange Männer und Frauen keine Kinder haben, entwickeln sich ihre Karrieren, ihr Einkommen und ihre Kochkünste heutzutage ungefähr gleich. Aber wenn das erste Kind kommt, muss sich etwas ändern. Ein Kind erzeugt Zwang. Jemand muss in der Nacht aufstehen und jemand muss aufpassen. Den ganzen Tag. Plötzlich ist nicht mehr alles freiwillig. Auch die Arbeit nicht. Das Kind braucht schließlich Essen und ein sicheres Zuhause. Der Druck kommt aber nicht nur von den objektiven Bedürfnissen eines Kindes, sondern auch vom Staat. Wobei der Staat immer nur Druck auf Männer ausübt und das in entgegengesetzter Weise. Im Berufsleben werden durch Frauenquoten Männer verdrängt, im Familienleben durch das einseitige Familienrecht ebenfalls. Der Effekt dieser Maßnahmen ist gegenläufig. Wenn der junge Mann aufgrund von Frauenbevorzugung in Verwaltung und Wissenschaft keine Karriere mehr machen kann, wird er mehr Zeit für das Kind haben. Wenn der junge Mann nach einer Trennung als Vater entsorgt wird, hat er mehr Zeit für die Karriere. Irgendwo taucht die männliche Energie wieder auf. Welcher Druck ist stärker?

druck

Unser aller Erfahrung zeigt, dass die gesetzliche Verdrängung der Väter ungleich größere Auswirkungen hat als alle Förderungsmaßnahmen im Berufsleben zusammen. Das ist nichts Neues. Diese Zusammenhänge sind seit Jahrzehnten bekannt. Auch etwas anderes hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert: Weder konservative „Rechte“ noch feministische „Linke“ wollen an der Vorherrschaft der Frauen in der Familie etwas ändern. Mit den bekannten Ergebnissen. Den 90% alleinerziehenden Müttern stehen 90% Männer in Spitzenpositionen gegenüber.

prozente

Alleinerzieher und Spitzenjobs sind zwei Seiten der gleichen Medaille und gleichzeitig nur die Spitze des Eisbergs. Der staatliche Druck wirkt auch bei der Durchschnittsfamilie. Und er wirkt auch bei Vätern, die (noch) nicht getrennt von der Kindesmutter leben. Schließlich weiß ja jeder Mann, was ihm nach einer Trennung blüht. Also geht der typische Vater mehr oder weniger freiwillig vor allem Geld verdienen und die typische Mutter arbeitet halbtags oder gar nicht, womit der Vater natürlich mehr Geld verdient. Verdienen muss. Das ist kein männliches Privileg, sondern eine männliche Pflicht. Der Mann verdient mehr, aber das Geld wandert ohnehin zu Frau und Kind. Das ist offenbar politisch gewollt. Daher ändert sich auch an den Einkommensunterschieden nichts. Ist die Lohnschere also ein Produkt des Familienrechts? Nein. Weil es keine Lohnschere gibt. Für eine „Schere“ müssten sich die Einkommen von Männern und Frauen mit der Zeit entgegengesetzt auseinanderentwickeln.

schere

Wenn wir eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen hätten, würden Männerlöhne steigen und Frauenlöhne fallen. Oder zumindest Männerlöhne steigen und Frauenlöhne gleichbleiben. Das würde dann ungefähr so aussehen.

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Das ist eine Lohnschere. Aber nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen Arm und Reich. Die Grafik zeigt die Entwicklung der Jahreseinkommen in Österreich in absoluten Zahlen. Ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung verdient weniger als die untere Kurve, ein Viertel verdient mehr als die obere Kurve, der Rest ist dazwischen. Die Einkommen des unteren Viertels stagnieren. Inflationsbereinigt verlieren die unteren 25% laufend an Einkommen, während die oberen 25% laufend gewinnen. Das ist eine Schere. Mit Frauen und Männern hat das aber nichts zu tun.

geschlechter

So sieht das Verhältnis Männer zu Frauen in Österreich aus. Beide Einkommen steigen im Durchschnitt. Weder steigt das Männereinkommen stärker, noch stagniert das Fraueneinkommen. Das Verhältnis von Frauenlöhnen und Männerlöhnen ist konstant.

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Fraueneinkommen sind im Durchschnitt 60% der Männereinkommen. Die einzigen wahrnehmbaren Veränderungen sind die grössere Konjunkturabhängigkeit der Männereinkommen und ein 2%-Anstieg bei den Frauen durch die staatliche Frauenförderung der letzten Jahre.

Als Ersatzbehauptung für die leicht widerlegbare Lohnschere hört man dann oft, dass Frauen angeblich für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekämen. Auch das ist falsch. Natürlich bekommt nicht jede Frau so viel bezahlt wie jeder Mann. Es bekommt ja auch nicht jeder Mann das Gleiche wie jeder andere Mann. Die angebliche Diskriminierung der Frauen wird immer wieder mit einem „unerklärten Rest“ bei den statistischen Einkommensunterschieden begründet. Wieviel „unerklärter Rest“ bleibt, hängt aber davon ab, wie genau man hinsieht. Wenn man Teilzeitarbeit, Karriereunterbrechung, Überstunden und so weiter statistisch herausrechnet, bleibt irgendwann überhaupt kein „unerklärter Rest“ bei den Einkommensunterschieden übrig. Das wurde vor einem Jahr recht deutlich mit Zahlen veranschaulicht.

Damit sind wir wieder bei der begrenzten Zeit und Energie. Der Staat übt auf Männer in allen Lebensbereichen Druck aus. Bei getrennten Eltern werden Väter aus der Familie verdrängt, während Frauenförderprogramme Männer aus Spitzenpositionen in Wirtschaft und Politik verdrängen sollen. Aber man kann die Männer nicht überall gleichzeitig verdrängen. Und die Erfahrung zeigt, dass der Druck durch das Familienrecht ungleich wirksamer ist. Am langfristigen 40%-Einkommensunterschied konnten all die Förderungsmaßnahmen der letzten Jahre nichts wesentliches ändern, weil das Familienrecht nicht entsprechend reformiert wurde. Die staatliche Diskriminierung von Vätern im Verbund mit den natürlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen erzeugt eine über Jahre stabile statistische Ungleichheit in Familie und Beruf.

Eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen gibt es nicht. Es gibt stabile Unterschiede und es gibt Diskriminierung. Bei den Unterschieden ist der Familienbereich die Ursache und die ungleiche Arbeitsverteilung die Folge. Und die Diskriminierung richtet sich gegen Männer. Wer die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen beseitigen will, muss Mütter zur Lohnarbeit verpflichten und Väterquoten bei alleinerziehenden Eltern umsetzen.

Und übrigens: Jeder Journalist, der das Wort „Lohnschere“ verwendet, zeigt vor allem, dass er nicht über die Begriffe nachdenkt, die er verwendet.

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Was ist eigentlich Unterdrückung?

Wurden Frauen in früheren Zeiten unterdrückt? Das ist eine sehr interessante Frage, die hier im Artikel  „Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten“  aufgeworfen wurde. Ich möchte als Mitautor dieses Gemeischaftsblogs meinen Senf dazu abgeben, auch weil ich teilweise eine etwas andere Sichtweise habe.

 Wenn man diese Frage ernsthaft betrachten will, dann muss man sich fragen: Wie definiere ich eigentlich Unterdrückung? Wann ist jemand unterdrückt und wann ist er es nicht? Ohne eine solche Definition ist es schwierig verschiedene Einelfälle einordnen zu können.

 Für mich bedeutet Unterdrückung:

  1. eine rechtliche Schlechterstellung
  2. ohne einen rechtfertigenden Grund

 NICHT zwingend erforderlich ist dagegen:

  1. dass der Unterdrückte persönlich unter der Unterdrückung leidet
  2. dass die Unterdrückung nicht durch andere Vorteile wieder ausgeglichen wird

Wenn man sich mit dieser Definition im Hinterkopf das Wahlrecht oder auch dessen Verweigerung betrachtet, dann stellt die Verweigerung des Frauenwahlrechtes eine Unterdrückung dar, während z.B. die Verweigerung eines Wahlrechts für kleine Kinder keine Unterdrückung ist (weil hier ein sachlicher Grund besteht).

Es spielt für die Feststellung der Unterdrückung auch keine Rolle, ob Frauen zu Zeiten ohne Wahlrecht vielleicht andere Vorteile hatten, z.B. nicht wie Männer als Soldat in den Krieg ziehen zu müssen. Der Kriegsdienst war und ist möglicherweise eine Unterdrückung der Männer. Aber auch das würde nur bedeuten, dass Männer und Frauen verschiedenen Unterdrückungen ausgesetzt waren oder sind. Nur kann man diese Unterdrückungen nicht einfach gegeneinander aufrechnen: „Du Frau darfst nicht wählen, aber ich Mann muss in den Krieg, da hast Du es besser – ergo keine Unterdrückung der Frau“. So funktioniert das nicht.

Im alten Rom hatte ein Haussklave, in der Villa eines reichen Patriziers vermutlich oft ein besseres, angenehmeres und sicheres Leben als ein freier römischer Bauer oder gar ein Legionär. Daraus kann ich aber nicht ableiten, dass dieser Sklave nicht unterdrückt gewesen sei. Es ist für die Feststellung einer Unterdrückung nicht notwendig, dass der einzelne zwingend darunter leiden muss. Auch wenn ein solcher Haussklave ein langes gesundes und vielleicht auch glückliches Leben geführt hat, kann ich mich heute hinstellen und im Konstrukt von Sklaverei ein Unrecht sehen.

Ich habe mal von einer Plantage gelesen, auf der nach Abschaffung der Sklaverei sämtliche Sklaven von heute auf morgen freigelassen wurden. Die standen nun plötzlich ohne Heim und Beschäftigung aber dafür frei da. Nach ein paar Tagen marschierten Sie zum Herrenhaus und verlangten gefälligst wieder Sklaven sein zu dürfen. Als ihnen das verweigert wurde km es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Diese Leute wollten also offensichtlich am liebsten Sklaven sein, weil es Ihnen aus ihrer damaligen Sicht die beste Lebensart zu sein schien. Aber kann daraus schlussfolgern, dass Sklaverei daher keine Unterdrückung war?

Genauso verhält es sich mit Frauen, auch wenn die Situation hier natürlich nicht so drastisch war, wie bei Sklaven. Stellen wir uns vor, man hätte jungen Mädchen aus der besseren Bürgerschicht zu früheren Zeiten gesagt: „Freut Euch! Eure Unterdrückung ist zu Ende. Ihr müsst nicht mehr Ausschau nach einem Arzt oder Anwalt halten, der Euch standesgemäß ehelicht, und dann ernährt. Ihr dürft nun selber studieren, arbeiten und für Euren Lebensunterhalt sorgen!“ Vermutlich wäre die Begeisterung der Damen nicht sehr groß gewesen. Muss man aber daraus schlussfolgern, dass ein damaliges Studien- und Berufsverbot für Frauen gerecht und keine Form der Unterdrückung war? Ich denke nicht.

Im bürgerlichen Gesetzbuch fand sich früher die folgende Aussage:

„Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung.
Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt.“

Hier wurde dem Ehemann also rechtlich ganz klar eine rechtliche Vormachtstellung gegenüber seiner Frau eingeräumt. Jetzt könnte man dagegen einwenden, dass diese Vormachtstellung ja auch für den Mann eine Bürde gewesen sei. Denn schließlich musste er im Außenverhältnis für die gesamte Familie einstehen und diese im Innenverhältnis ernähren. Aber auch diese Einwendung verfängt nicht, denn der Ehemann ist in dieser Situation ja nicht zwingend der Schuldige an der Situation. Er hat diese Gesetze ja auch nicht gemacht. Trotzdem war es keine nach meinem Verständnis keine gerechte Situation.

Was heißt das aber nun? War früher alles schlimm und alle Frauen Opfer und alle Männer Unterdrücker? Nein, denn wie immer im Leben kommt es auf die persönliche Situation an. Es ist aus meiner Sicht aber nicht zu leugnen, dass es objektiv eine Unterdrückung der Gesamtgruppe „Frauen“ durch die damalige Gesellschaft (ich sage wohlweislich nicht: die Männer) gab.

Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten

Selbst viele Kritiker des Feminismus sind der Meinung, dass der Feminismus grundsätzlich viel Gutes erreicht habe, aber jetzt ein wenig zu weit gegangen sei. In der Vergangenheit seien Frauen unterdrückt worden und in den meisten nicht-westlichen Ländern sei das immer noch der Fall, nur hier im Westen in den letzten paar Jahrzehnten hätten Frauen nun mehr Rechte und weniger Pflichten als Männer.

So verbreitet sie auch seien mag, diese Ansicht ist nicht nur falsch, sie zeugt auch davon, wie tief verwurzelt der Gynozentrismus in uns ist. Selbst diejenigen die viele der Unwahrheiten und einseitigen Darstellungen des Feminismus durchschaut haben und festgestellt haben, dass Frauen in unserer Gesellschaft keine hilflosen Opfer sind, sind trotzdem sofort bereit dies über Frauen in anderen Ländern und zu anderen Zeiten zu glauben. Dabei ist das Vorgehen gleich wie bei allen anderen feministischen Lügen: man sucht sich bestimmte Fakten heraus die darauf hindeuten könnten, dass Frauen schlechter behandelt werden als Männer, ignoriert dabei alle nicht-sexistischen Erklärungen und ignoriert alle Fakten die darauf hindeuten könnten, dass Männer schlechter behandelt werden. Schon sieht es aus, als würden Frauen unterdrückt.

So weisen Feministen heutzutage darauf hin, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, dass Frauen „unterrepräsentiert“ sind in Führungspositionen, im Militär und in Naturwissenschaft und Technik. Angesichts der Tatsache, dass keiner Frauen von diesen Beschäftigungen ausschließt, ist die naheliegendste Erklärung, dass Männer und Frauen fundamental verschieden sind und unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben haben und daher unterschiedliche Entscheidungen treffen. Diese Erklärung wird jedoch ignoriert um stattdessen krude Thesen über Lohndiskriminierung, gläserne Decken und Männerseilschaften zu avancieren, die einfach so in den Raum geworfen werden und anscheinend keinerlei Belegs bedürfen. Fakten die auf eine Diskriminierung von Männern hindeuten könnten werden geflissentlich ignoriert. Beispielsweise, dass Männer früher sterben, öfter Selbstmord begehen, öfter obdachlos sind und öfter Opfer von Gewalt werden.

Mit historischer Unterdrückung läuft die Sache ähnlich. Frauen durften nicht wählen, konnten bestimmte Berufe nicht ergreifen, verheiratete Frauen konnten teilweise kein eigenes Eigentum besitzen und waren so von ihrem Mann abhängig (das war vor allem im angloamerikanischen Rechtssystem der Fall). Dabei ist patriarchalische Unterdrückung bei weitem nicht die einzige oder die beste Erklärung für diese Phänomene. Es stimmt natürlich, dass Frauen später als Männer das Wahlrecht bekommen haben, allerdings waren es in den meisten Staaten nur wenige Jahrzehnte zwischen allgemeinem Männerwahlrecht und allgemeinem Wahlrecht auch für Frauen. Auch kann es keineswegs als Unterdrückung gelten, nicht wählen zu dürfen. Wäre das der Fall, dann müssten heute Kinder, Jugendliche und Ausländer gleichermaßen als unterdrückt gelten. Wählen zu dürfen bringt sehr wenige persönliche Vorteile. Immerhin ist eine einzelne Stimme quasi bedeutungslos, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausgang der Wahl von einer Stimme abhängt ist verschwindend gering. Der einzige vernünftige Grund warum ein fehlendes Wahlrecht problematisch sein könnte, ist dass Männer ihr Wahlrecht dazu nutzen könnten um Politiker zu wählen, die im Interesse von Männern herrschen und dabei die Interessen von Frauen vernachlässigen.

Es gibt jedoch wenige Hinweise darauf, dass dies tatsächlich der Fall war. Auch aus theoretischer Sicht gibt es viel was gegen diese These spricht. Erstens ist es allgemein wenig sinnvoll, eigennützig zu wählen. Eine einzelne Stimme hat kaum eine Chance den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Wählen bietet daher die perfekte Gelegenheit, altruistisch zu handeln, da die persönlichen Kosten davon verschwindend gering sind. Es ist also sinnvoll diejenigen Parteien und Kandidaten zu wählen, von denen man glaubt sie repräsentieren am besten das Gemeinwohl. Das steigert das Selbstwertgefühl und tut gut fürs Gewissen, und das alles bei vernachlässigbar geringen Kosten.

Und selbst wenn man von egoistischen Wählern ausgeht, macht es wenig Sinn für Männer, für frauenfeindliche Politiker zu stimmen. Immerhin würde ein Mann der das tut damit auch all seinen weiblichen Verwandten, Freunden und Bekannten schaden. Es mag durchaus sinnvoll erscheinen im Interesse seiner eigenen Volksgruppe, Religion oder Rasse zu wählen, denn die meisten Verwandten und Freunde die ein Mann hat werden in der Regel diese Eigenschaften teilen, doch mit dem Attribut Geschlecht ist dies nicht der Fall. Und so gibt es auch viele historische Beispiele für Katholiken die im katholischen Interesse wählen, Protestanten die im protestantischen Interesse wählen, Weiße die im Interesse von Weißen wählen, etc.

Beim Verhältnis zwischen Männern und Frauen sieht das anders aus. Zwar gab es einige Gesetze und gesellschaftliche Normen die Frauen gegenüber Männern benachteiligten, umgekehrt gab es aber auch viele Gesetze und Normen die Frauen bevorzugten. Frauen wurden nicht zum Kriegsdienst gezwungen, wurden für Verbrechen in der Regel milder bestraft und verrichteten meistens weniger anstrengende und weniger gefährliche Arbeit als Männer. Interessanterweise bestehen die meisten dieser weiblichen Privilegien heute immer noch, während so ziemlich alle männlichen Privilegien beseitigt wurden. Die orthodoxe Sicht, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten hundert Jahren hin zu mehr Gleichberechtigung bewegt hat ist also völlig falsch.

Das Verhältnis der Geschlechter zueinander ist stattdessen immer ungleicher geworden. Vor hundert Jahren durften Frauen nicht wählen, aber dafür ließen Millionen von Männern in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs ihr Leben. Wäre ich vor die Entscheidung gestellt, entweder mein Wahlrecht zu verlieren oder aufs Schlachtfeld geschickt zu werden, ich würde keine Sekunde zögern meine Stimme aufzugeben. Ich glaube daher nicht, dass Frauen es damals tatsächlich schlechter hatten als Männer. Heute haben Frauen fast überall das gleiche Wahlrecht wie Männer, doch in den Staaten in denen es noch militärischen Zwangsdienst gibt, sind meistens trotzdem nur Männer betroffen. Männer erhalten immer noch härtere Strafen für das gleiche Verbrechen und es sind immer noch fast ausschließlich Männer die die besonders gefährlichen, anstrengenden und schmutzigen Arbeiten verrichten.

Ähnlich wie das historische Geschlechterverhältnis ist auch die heutige Lage in vielen nicht-westlichen Ländern, insbesondere im Nahen Osten. Sowohl von Seiten des Feminismus, als auch in den Medien hört man immerzu wie sehr Frauen in diesen Gesellschaften unterdrückt werden. Und in der Tat gibt es dort einige Belange in denen Frauen benachteiligt werden. Vom Kopftuchzwang in der Öffentlichkeit, über teilweise eingeschränkte Berufswahl, bis hin zu Diskriminierung im Erbrecht.

Was aber wie so oft ignoriert wird, ist dass es auch weibliche Sonderrechte gibt und Bereiche in denen Männer schlechter behandelt werden. Ein gutes Gegengewicht zur vorherrschenden feministischen Meinung ist Ali Mehraspands Artikel „The myth of patriarchal oppression in Iran„, in dem am Beispiel des Irans viele dieser weiblichen Privilegien und männlichen Sonderpflichten aufgezeigt werden. So müssen zum Beispiel alle Männer zwei Jahre lang Militärdienst unter teils sehr widrigen Bedingungen leisten. Auch bietet das dortige Sozialsystem viel umfangreichere Hilfe für bedürftige Frauen als für bedürftige Männer an, obwohl der weit überwiegende Teil der dafür verwendeten Steuern von Männern gezahlt wird.

Allgemein gilt, dass in eher „traditionellen“ Kulturen tendenziell Männer mehr Rechte und Freiheiten haben, aber Frauen dafür weniger Pflichten und mehr Sicherheit. Welches Geschlecht dabei besser wegkommt ist eine Frage der persönlichen Bewertung und der persönlichen Vorlieben des jeweiligen Individuums. Doch pauschal zu behaupten, dass Frauen unterdrückt und Männer die Unterdrücker sind ist eine völlige Verzerrung der reellen Bedingungen. Wer sich, wie das im Feminismus überwiegend geschieht, einzig auf die Nachteile von Frauen konzentriert und alle Vorteile schlicht ausblendet, wird sich nie ein ausgewogenes Bild von der Lage verschaffen können.

All dies sollte nicht dahingehend missverstanden werden, dass ich die bestehenden Nachteile die Frauen in vielen nicht-westlichen Ländern haben gutheiße. Im Gegenteil denke ich, dass alle rechtlichen Ungleichheiten beseitigt werden sollten und Gesetze die die Freiheit von Frauen einschränken abgeschafft werden sollten. Gleichzeitig sollte aber auch das gleiche für Männer gelten. Doch solange der Glaube an die Unterdrückung der Frau so weitverbreitet ist, wird es keine ausgewogenen Änderungen an Gesetzen oder gesellschaftlichen Normen geben.

Ein erstes [persönliches] Geschlechterallerlei-Fazit.

Hier beim Geschlechterallerlei gibt es nicht so viele Frauen. Wenn ich richtig gezählt hab sind es gerade mal zwei. Woran das liegt? Ich weiß nicht. Ist das hier ein maskulistischer oder ein geschlechterübergreifender Gemeinschaftsblog?

Geschlechterthemen sind oft emotional belegt, daher wird immer mal wieder – zumindest nehme ich persönlich es so wahr – mit „harten Bandagen gekämpft.“ Beiderseits. Männlein und Weiblein schenken sich nichts. Natürlich ergeben sich oft genug auch sachliche Diskussionen, die spielen sich jedoch sehr oft zwischen zwei oder mehreren Diskussionspartnern des gleichen Geschlechts ab oder man beschränkt sich auf gegenseitiges „auf-die-Schulter-Klopfen“. Dazwischen Vorwürfe, Verallgemeinerungen, Herabwerten der jeweils anderen Seite und immer wieder bitterböser Zynismus. Doch das ist etwas, was ich generell an dieser ganzen „Geschlechterkampf„-Sache nicht nachvollziehen kann.

In der letzten Zeit habe ich mich, wie es meine Kapazitäten zuließen, etwas intensiver mit den Maskulisten beschäftigt, den einen oder anderen Blogeintrag plus einiger Kommentare gelesen, fand einiges davon gut, anderes wiederum nicht so, in jedem Fall war mein Ausflug in die Maskulistische Blogsphere sehr aufschlussreich für mich. Auch wen es bisher größtenteils noch recht oberflächlich ablief, doch für mehr reichte es einfach nicht. Feminismus gab ich mir nur sporadisch, wenn ich zufällig drübergestolpert bin. Vielleicht hole ich es bei Gelegenheit nach.

Ferner habe ich festgestellt, dass ich relativ merkbefreit bin, was Sexismus angeht. Hauptsächlich gegen Männer gerichteten Sexismus. Etwas empfindlicher bin ich – wer hätts gedacht – betreffend gegen Frauen gerichteten Sexismus. Was wohl ein Stück weit normal ist, ich denke ein Mensch fühlt sich wohl eher  dann angegriffen, wenn er oder sie sich mit der „Zielgruppe“ identifiziert.

Und: Ich kann bei vielen Themen, die hier aufgegriffen werden, einfach nicht mitreden, weil mich das Thema entweder nicht persönlich betrifft oder ich mich einfach noch nicht ausreichend damit auseinander gesetzt habe, um bei so viel Fachwissen [?] und Genderspeech etwas der Sache Dienliches beitragen zu können. So.
Seit einigen Tagen läuft auf KiKa wieder „die wilden Kerle“. Eine Serie für Kinder, bei der ich nicht so recht weiß, was ich davon halten soll. Ich nehme an, die Wilden Kerle sind jedem bekannt. In einer der ersten Folgen beschließt ein fußballbegeistertes Mädchen, sie heißt Vanessa – dass sie mit den „normalen“ Mädels nichts anfangen kann, und daher bei den Wilden Kerlen mitspielen möchte. Doch die Jungs wollen nichts davon wissen und versuchen, sie schnellstmöglich wieder von der Backe zu bekommen. Über Realismus in Kinderserien kann man natürlich diskutieren, ich für meinen Teil denke dass ein Körnchen Wahrheit in vielen Sendungen drinsteckt, wenngleich vieles maßlos übertrieben oder – siehe Disney – einfach nur falsch dargestellt wird und den Kindern ein ziemlich verqueres Weltbild  vermittelt. Doch zurück zu den Wilden Kerlen. Nachdem die Jungs Vanessa einige Male ziemlich übel mitgespielt haben schafft sie es, sich im Elfmeterschießen tatsächlich gegen alle Kerle zu behaupten, und verschafft sich auf diese Weise deren Respekt und das Recht, fortan ebenfalls ein „Wilder Kerl“ zu sein.

Also muss man sich, wenn man irgendwo mitspielen oder dazu gehören möchte, erst einmal „als würdig“ erweisen. Das klingt für mich legitim, zumindest wenn jemand nach Gleichberechtigung schreit. Daher glaube ich, kann ich ein Stück weit nachvollziehen, dass es Männern sauer aufstößt, wenn Frauen Feministinnen einerseits Gleichberechtigung! brüllen und im selben Atemzug nach Sonderbehandlung verlangen.

Ich muss sagen, ich kenne es eigentlich nur so, dass ich mein Zeug selbst mache. Nach der Realschule begann ich eine Ausbildung als Maler und Lackierer, und dort wurde jeder Azubi gleich behandelt. Mit den ganzen Anzüglichkeiten der Kollegen konnte ich damals überhaupt nichts anfangen, und ich stand mehr als einmal mit hochroten Ohren auf dem Gerüst, weil mir die Sprüche hochgradig unangenehm waren. Doch es half nichts, ich war das einzige Mädel auf der Baustelle und hatte daher genau zwei Optionen: Ohren auf Durchzug schalten und mich irgendwie durchbeißen, oder aber das Handtuch zu werfen. Vielleicht war es für mich nicht das Verkehrteste, ausgerechnet auf dem Bau ins Berufsleben zu starten, so bekam ich eine halbwegs realistische Vorstellung davon, was mich in meinem zukünftigen Leben unter Umständen so erwarten würde. Ich wählte die zweite Option und  kapitulierte nach einem halben Jahr. Zwar aus gesundheitlichen Gründen, doch wenn ich unbedingt gewollt hätte, hätte ich sicher irgend einen Weg gefunden, die verlorene Zeit nachzuholen. Was ich aber nicht tat.

Statt dessen begann ich eine zweite Ausbildung, diesmal als Konditorin. Irgendwann, es war noch ziemlich am Anfang meiner Lehrzeit, war der Zucker alle. Im Lager befanden sich Säcke mit Zucker. 50 kg schwere Säcke. Ich dachte mir nichts dabei und schleppte – unter Aufbietung sämtlicher Kräfte, aber immerhin: ich schaffte es – den Sack aus dem Lager im Keller nach oben in die Backstube. Und fing mir direkt einen Anpfiff von meiner Lehrmeisterin ein: ich sei ja wohl nicht ganz bei Trost, den schweren Sack selbst zu schleppen, wofür seien schließlich die Männer da. Ich habe sie angeschaut wie ein Auto, mir kam keine Sekunde lang in den Sinn, einen meiner männlichen Kollegen um Hilfe zu bitten. Ich schleppte die Säcke auch künftig selbst nach oben.

Ich habe es eigentlich immer möglichst so gehalten, dass ich ohne die Hilfe eines „starken Mannes“ zurecht kam. Welche Sonderbehandlung mir zuteil wird, ohne dass ich es bewusst wahrnehme, bzw. wie es ohne sie wäre, das kann ich natürlich nicht beurteilen.

Auch wenn mich zwischendurch kurz die Zweifel packten, ob ich hier an der richtigen Stelle bin: Ich finde nach wie vor interessant, hier so viele teils unterschiedliche Sichtweisen und auch Denkansätze auf einem Haufen zu erleben, und freue mich auf den ersten „regulären“ Blogmonat.

Warum ich mit Stöcken werfen besser finde als mit Steinen werfen

Wer hat denn da mit Blogstöckchen geworfen? Ach so, der Kai V (Frontberichterstatter) hat angefangen… und Arne Hoffmann (Genderama), Christian (Alles Evolution) und Tom174 (Mein Senf) haben munter mitgemacht! Ich mache das so wie Arne und schreibe das lieber frei von der Leber, als da noch stundenlang drüber nachzugrübeln (sonst wird das eh nichts mehr in diesem Leben).

Welche große Errungenschaft der letzten Welle des Feminismus empfindest Du als wichtig? Welche als überzogen?

Tja, da sind wir schon mitten in den ganzen Begriffen von Wellen und Richtungen des Feminismus… ich gehe mal von „ab etwa 1990er bis kurz vor heute“ aus und antworte entsprechend. Dass in meinem Bekanntenkreis Väter ihren Vaterschaftsurlaub nehmen und das die Leute drumherum begrüßen, scheint mir ein Erfolg zu sein, der sich erst so richtig in der Generation eingestellt hat, die jetzt Kinder in die Welt setzt. Für junge Frauen scheint es leichter geworden zu sein, selbstbewusst und selbstbestimmt zu leben, was letzten Endes auch den Männern zugute kommt, die sich solche Frauen wünschen – und das sind eine Menge in meiner Umgebung.

Überzogen finde ich viele Sachen des radikalen Feminismus, der in den letzten Jahren quasi als neueste Welle auftritt und der merkwürdigerweise vieles wieder zurückzunehmen versucht, was vorher mühsam erreicht wurde, gerade in Hinsicht auf die freie Lebensweise von Frauen. Am schlimmsten erscheint mir hierbei jedoch die Forderung, dass doch bestimmte Gruppen bei bestimmten Themen automatisch die Klappe halten sollen. Das ist die Basis, auf der jede Menge andere Auswüchse erst gedeihen können. Wann ist eine einseitige Einschränkung der Kommunikation jemals gut gewesen?

Welche feministische Forderung (z. B. einer politischen Partei) der letzten 10 Jahre hättest Du auch noch aus heutiger Sicht voll und ganz unterstützen können?

Mir will nichts mehr einfallen, was an Positivem von den Parteien gekommen wäre. Vielleicht sind Forderungen wie „Gewalt gegen Frauen und Mädchen bekämpfen“, „Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern ausbilden“ und „tradierte Rollenbilder aufbrechen“ nicht neu, sie sind und bleiben aber absolut unterstützenswert. Der Witz ist, dass es keine Rolle spielt, ob Jungs und Männer entsprechend stärker betroffen sind oder nicht. Diese Ziele sind per se richtig. Genau deswegen ist ein „Opferwettbewerb“ sinnlos.

Welche aktuellen feministischen Forderungen findest Du richtig?
Gibt es etwas das der Feminismus Deiner Meinung nach noch für Frauen fordern sollte/könnte und was natürlich für Dich gerechtfertigt ist?

„Frauen für voll nehmen.“ – Daraus leitet sich vieles andere ab. Es ist die alte Spiderman-Logik, nach der Macht und Verantwortung immer zusammen auftreten sollen.

Dort, wo die allgemeine gesetzliche und gesellschaftliche Lage durch ein rückständiges Umfeld konterkariert wird, etwa indem Mädchen / junge Frauen demotiviert werden, ihren eigenen verantwortungsbewussten Weg zu gehen, gibt es noch etwas zu tun. Letzten Endes erzeugt „seine Talente nicht nutzen“ nur unglückliche Menschen.

Mit welcher bekannten Feministin glaubst Du, könntest Du ein Bier trinken gehen und Dich mit ihr zivilisiert über Männerpolitik zu unterhalten?
Mit welcher Feministin könntest Du das garantiert nicht? Ein Beispiel reicht, gerne aber auch mehr.

Haha, Fangfrage! Bekannte Feministin… Bier trinken… zivilisiert unterhalten… über Männerpolitik! Es fehlt eigentlich nur noch „nachts an der Bar“.

Aber mal ernsthaft: Welche bekannte Feministin gibt es denn? Nach Alice Schwarzer kommt lange Zeit nichts. Das ist doch die eigentliche Misere, die natürlich durch unheilige Allianzen etwa mit einer reich bebilderten deutschen Tageszeitung zementiert wurde.

Lassen wir mal das „bekannt“ weg. Dann schließen sich immer noch „mal ein Bier trinken gehen“, das ich als „einfach mal ungezwungen miteinander quatschen“ kenne, und die strikte Themenvorgabe „Männerpolitik“ aus. Also entweder ich laber mit der Frau frank und frei über Gott und die Welt, oder es ist eben kein ungezwungenes Reden. Genau das wäre aber mal interessant, da würde man mal sehen, wie die Leute sonst so ticken – und die anderen würden das ja umgekehrt über mich mitbekommen. Weil ich an mich glaube, denke ich, dass sie nachher einen besseren Eindruck von mir haben als vorher, und ich stelle mir das auch so vor, dass ich die anderen dann ein Stück mehr mag (eigene Erfahrung mit Leuten, die politisch oder weltanschaulich anderer Meinung sind als ich und für Geplauder zu haben sind).

Das kann ich mir mit sehr vielen vorstellen. Ausnahmen sind die einzelnen Leute, die den Rechtsstaat bei Vergewaltigungsprozessen abschaffen wollen, sich an Männertränen laben, Beschädigung von Apotheken begrüßen, dankbar für die Bombardierung von Städten sind, sich als Gott betrachten oder „alle Männer töten“ als Motto ok finden. Das in Kombination mit Alkohol ist dann doch eher eine schlechte Idee.

Gibt es feministische Gruppe die Du, evtl. auch nur in Teilen, unterstützen könntest?

Ganz stumpf gesagt: Die Frauen in meiner Umgebung, die gleichberechtigt leben. Das erscheint mir als das natürlichste und gesündeste.

Was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler des Feminismus gewesen?

Die Verweigerung von Kritik (siehe auch die Einschränkung von Kommunikation, erste Frage oben) – das hat bisher noch jede Bewegung mit hehren Zielen kaputtgemacht.

Welche Änderungen im Feminismus würdest Du vornehmen, damit er für Dich „akzeptabler“ erscheint?

Ganz platt gesagt gar nichts. Was soll ich als Mann am Feminismus ändern, solange ich nicht einmal mitdiskutieren darf? Da hilft nur kompletter Neustart.

Was die gemäßigten Strömungen angeht: Ich glaube, es wird nur über Absetzbewegungen funktionieren. Das passiert ja bereits an allen Ecken und Enden durch Einzelpersonen. Es sind genau die Artikel, die bei mir in Erinnerung bleiben, wenn Bloggerinnen sinngemäß schreiben „ich bin eine moderne Frau und dankbar für die Segnungen des Feminismus, aber dies oder jenes ist zu radikal, nicht zeitgemäß und macht den Feminismus kaputt.“

Es ist paradox, dass in Deutschland der radikale Feminismus alle anderen Varianten an die Wand drückt und nicht umgekehrt. Erklären kann ich mir das nur über die Dominanz einer Person wie Alice Schwarzer. Erinnert an manche Phase einer politischen Partei, wo viele unzufrieden sind, aber durch einen geistigen Übervater (oder eine Übermutter) so beherrscht und vereinnahmt werden, dass sich weder personell noch programmatisch eine Alternative herausbilden kann. Eine weitere Parallele besteht darin, dass irgendwann selbst die intelligenteste und wendigste Person ihr Pulver verschossen hat und dann nur noch zur Belastung wird. Erst nach ihrem Abgang kann es weitergehen, doch der intellektuelle Kahlschlag sitzt tief und es wird lange dauern, da wieder herauszukommen.

Das ist aber nur bezogen auf „den Feminismus“. Dass einzelne Leute mit klugen Beiträgen im Internet auffallen, dass man im persönlichen Umfeld viel beeinflussen und erreichen kann, damit wir modern leben können, das macht mir Mut. Ich meine immer noch, dass man mit einem Diskurs mehr bewegen kann als mit sinnloser Gewalt (daher der Artikeltitel).

Normalerweise darf man Blogstöckchen ja immer weiterwerfen. Mich würden ja die Ansichten von Neuer Peter (etwa als Gastartikel) und LoMi interessieren.

Aktualisierung 30.03.2014: Alle bisherigen Beiträge außer diesem:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Go-Go’s waren eine reine Frauenband, die Anfang der 1980er einige coole Lieder hatte.

The Go-Go’s: We Got The Beat

Geschlechterstereotype in Abgrenzung zu Vermutungen aufgrund von Wahrscheinlichkeiten

Es folgt ein Gastartikel, der unter dem Pseudonym Rotterdam eingereicht worden ist. Ursprünglich war es ein Kommentar zum Artikel „It’s just marketing, stupid!„.

Unter Feministen neuerer Schule – auch unter denen moderater Ausprägung – scheint es Konsens zu sein, dass die vornehmste Aufgabe der Bewegung derzeit darin besteht, Geschlechterklischees und Rollenstereotype aufzubrechen und somit allen Menschen zu einem freieren, weniger beengten, selbstbestimmteren Leben zu verhelfen.

Das ist ein hehres Ziel. Zumindest wäre es das, beschränkten sich die Bemühungen darauf, das Angebot an validen Rollenbildern zu erweitern und dem Individuum so mehr Auswahlmöglichkeiten bereit zu stellen.

Nun scheint sich innerhalb feministischer Zirkel aber darüber hinaus eine Ansicht durchgesetzt zu haben, die tradierte Rollenbilder als defizitär betrachtet und die damit einhergehenden Perspektiven auf Mann und Frau als schädlich betrachtet – und zwar sowohl für die Entwicklung der Gesellschaft insgesamt, als auch für die persönliche Entwicklung ihrer Mitglieder. Folgerichtig müssten diese Stereotype nun also geächtet und soweit wie möglich aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden, auf dass der neue Mensche von ihnen befreit werden möge.

Eine freie Entscheidung wird den Menschen dabei nicht mehr zugebilligt. Wer klassische Rollenmodelle für seinen Lebensentwurf präferiert, der ist dieser Ansicht nach entweder gehirngewaschen (das Stockholm-Syndrom des Hausmütterchens) oder Teil der Unterdrückungsstruktur (der ewiggestrige Macho, der seine Privilegien nicht aufgeben will). Eine freie Entscheidung ist nur dann eine solche, wenn für diejenige Entscheidungsmöglichkeit optiert wird, die der Feminist präferiert.

Damit werden alte Zwänge aber schlicht durch neue ersetzt. Den alten Geschlechterstereotypen werden neue Rollenzwänge entgegengesetzt, die mitunter aber gar nicht mit den Präferenzen vieler Menschen vereinbar sind. Denn wie es der Autor dieses Artikels so schön ausgedrückt hat, existieren viele (nicht alle!) Geschlechterstereotype, weil sie der “gegenwärtigen überwiegenden Realität [entsprechen]“.

Damit aber ist klar, dass das moralisch fragwürdige Projekt der Umerziehung der Menschen hin zu einem genehmeren Rollenverständnis von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Da geschlechterstereotypes Verhalten zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil seinen Ursprung in biologischen Dispositionen hat, wird sich dieses innerhalb unserer Lebenszeit schlicht nicht ausmerzen lassen, selbst wenn man es wollte.

Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Gendertheoretiker insofern recht haben, als dass der Unterschied zwischen Mann und Frau nicht essentialistisch gelesen werden darf und die Unterschiede in vielerlei Hinsicht fließend sind. Die Verschiedenheit von Mann und Frau äußert sich oft lediglich in statistischen Häufungen, die Rückschlüsse auf das jeweilige Individuum in vielen Fällen unzulässig machen. Dass es mehr Mädchen gibt als Jungen, die gern mit Puppen spielen, bedeutet nicht, dass es keine Mädchen gäbe, die ungern mit Puppen spielen oder dass es keine Jungen mit Vorliebe für Puppen gäbe. Menschen, deren Verhalten derart vom Gängigen und Üblichen abweicht, sind deswegen keineswegs defizitär, unnatürlich oder weniger werthaft als Menschen, deren Verhalten eher der Norm entspricht. Das klar zu machen ist durchaus wichtig.

In einer freien Gesellschaft sollte ein Rollenmodell stets nur ein Angebot sein und Konformitätszwang weitgehend ausbleiben. Umso schlimmer ist es, wenn nun vorgeblich tolerante Menschen ein Verhalten gegenüber Menschen mit klassischen Rollenpräferenzen an den Tag legen, wie sie es gegenüber Menschen mit unüblichen Präferenzen kritisieren.

Bleiben die Geschlechterstereotype. Wenn sich also das Wesen des Menschen nicht ohne weiteres ändern lässt, und sich eine Mehrheit der Menschen stets eher “rollentypisch” verhalten wird, sollten wir dann nicht wenigstens versuchen, den Leidensdruck der Menschen zu mindern, die dieser Norm nicht entsprechen?

Meiner Meinung nach lautet die Antwort: Ja, aber. Denn Menschen, die in irgendeiner Hinsicht aus der Norm fallen, werden sich auch in der tolerantesten aller Gesellschaften immer zu Anpassungsleistungen gezwungen sehen. Und zwar deshalb, weil Menschen mit vergleichsweise seltenen Eigenschaften stets aus dem Erwartungsrahmen fallen werden, den ein jeder Mensch benutzt um seine Umwelt möglichst effizient zu ordnen.

Reiche ich einem Menschen ein Messer, werde ich ihm den Griff auf eine solche Art hinhalten, dass er mit der Rechten leicht zugreifen kann – und dass, obwohl er unter Umständen Linkshänder ist.

Berichtet mir ein Mann von seiner Beziehung, werde ich zunächst einmal davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Frau handelt.

Bekomme ich Besuch, werde ich diesem Alkohol anbieten – obwohl ich es mit einem Abstinenzler zu tun haben könnte.

Das tue ich nicht, weil ich Linkshändern, Homosexuellen oder Abstinenzlern Böses will. Und es bedeutet nicht, dass ich diese Eigenschaften abwerte oder Normalität (im Sinne von Häufigkeit) mit Werthaftigkeit verwechsle. Ich tue es, weil ich in der Mehrzahl der Fälle damit richtig liege.

Gehe ich mit einer solchen Annahme einmal fehl, entschuldige ich mich natürlich und korrigiere meinen Fehler. Von dieser Erwartung aber ganz abzulassen, würde mir ein sehr wirkungsvolles Instrument der Alltagsbewältigung rauben, von dem ich ungern ablassen würde.

Menschen, so denke ich, werden sich nur unter extremen Bedingungen dazu bringen lassen, von der Benutzung dieser höchst sinnvollen Heuristiken abzusehen.

Warum also versuchen, sie dazu zu bringen? Hier könnte man sich nun der alten Binsenweisheit bedienen, dass obsolet gewordene soziale Bewegungen stets nach neuen Betätigungsfeldern suchen, um sich ihrer Existenzberechtigung zu versichern. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Bewegungen bereits soweit geronnen sind, dass sie sich in der bürokratischen Infrastruktur eines Gemeinwesens festgesetzt haben.

Ein Problem, das sich schlicht nich lösen lässt, ist dabei der Hauptgewinn eines jeden Kämpfers für die vermeintliche Gerechtigkeit, dessen Ansehen oder dessen Existenz auf dem fortwährenden Kampf gegen das Böse beruht.

Denn wenn der Patient partout nicht genesen will, dann braucht es eben immer mehr von der immer gleichen Medizin. Und das bedeutet vor allem eines: Mehr Geld, mehr Posten, mehr Aufmerksamkeit, mehr Prestige.

Es gibt in dieser ganzen Geschichte also durchaus jemanden, der nicht von seinen Privilegien lassen will. Es sind nicht die Anhänger des klassischen Rollenbildes

Auf die Plätze, fertig….

In nur noch einer Woche geht die „feste Zeiten für Artikel-Phase“ los.

Wer also gerade am Anfang des Monats dran ist, der sollte sich langsam Gedanken machen, sich vielleicht auch schon einmal anschauen, wie man alles macht. Wer fragen hat, der kann die natürlich gerne in den Kommentaren stellen.

Wer vor Ideen übersprudelt: Es können an den noch unbesetzten Tagen noch weitere Artikel von festen Autoren eingestellt werden. Aber dabei bitte daran denken, dass das System nur klappt, wenn ihr zumindest an „euren Tagen“ etwas veröffentlicht, damit wir auch regelmäßige Artikel haben. Ich empfehle für ein pünktliches Erscheinen morgens an dem Tag das „Zeitversetzte Einstellen“, dass hier oder hier jeweils noch einmal erklärt werden.

Wer einen Artikel als Gastautor beisteuern möchte, der kann sich an Graublau wenden, wer noch als Autor einsteigen möchte, der kann dies gerne in den Kommentaren mitteilen.

Ich freue mich schon auf viele interessante Artikel!