Fundstück: Männertränen

Evilmichi fragte gestern, ob Jungs weinen dürfen. Ich finde einige Kommentare unter dem Artikel sehr wichtig. „Männer und ihre Gefühle“ ist sowieso ein wunderbares Thema für dieses Blog.

Aber bevor ich näher darauf eingehe (ich habe schon etwas in Planung, das sich – auch – damit beschäftigt), erst einmal ein wenig Material. Das Wiki „TV Tropes“, welches zum Beispiel auf Doppelmoral eingeht und dabei wie selbstverständlich Sexismus gegen Männer behandelt (neben Sexismus gegen Frauen und Sexismus gegen beide Geschlechter), hat einen Artikel namens Manly Tears.

Dabei geht es darum, wann Tränen von Männern akzeptabel sind. Es folgen zahlreiche Beispiel aus der Popkultur, aber auch aus dem wahren Leben (Real Life). Dabei wird unter anderem verwiesen auf den Artikel „When Is It Okay for a Man to Cry?“ aus dem Blog „The Art of Manliness“ (Untertitel: „reviving the lost art of manliness“).

Beide Quellen, also sowohl der TV-Tropes-Artikel als auch der Blogeintrag, sind eine Diskussion wert. Ich finde sie deswegen ansprechend, weil sie nicht normativ vorgehen („Wie sollte es sein?“), sondern positiv („Wie ist es?“) und sich daher nicht mit irgendwelchen Wunschvorstellungen befasse, sondern mit der Welt, wie sie im Moment ist. Außerdem nennen sie sowohl Positiv- als auch Negativbeispiele, was viel besser zur Unterscheidung geeignet ist.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal liegt das Lied auf der Hand.

The Cure: Boys Don’t Cry

Dürfen Jungs weinen?

Dieses Video bringt die Problematik ganz gut rüber, wie ich finde.

Hierzu möchte ich euch etwas erzählen, was sich vor etwa zweieinhalb Jahren in unserem Kindergarten zugetragen hat.

Mein Sohn, damals noch nicht ganz oder gerade eben fünf Jahre alt, bekam einen neuen Platz in der Garderobe zugewiesen und war momentan mit der Situation überfordert. Er steigerte sich in einen waschechten Heulkrampf hinein.

Eine andere Mutter, deren Sohn etwa im selben Alter ist wie meiner, begann damit, dass sie uns schräg anschaute. Als nächstes begann sie, auf meinen Sohn einzureden, so à la „Was regst du dich denn auf, schau mal, die anderen Kinder weinen doch auch nicht!“ und schloss mit der Feststellung „Du bist ein Junge und Jungs weinen nicht!“ Dass ich gerade dabei war, beruhigend auf ihn einzureden, ignorierte sie dabei geflissentlich. Ich informierte sie darüber, dass ich das mit meinem Sohn ganz gut allein klären kann und damit war die Sache für mich erledigt.

Einige Tage später holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab, und der Sohn von der oben erwähnten Mama wurde ebenfalls von ihr abgeholt. Er kam weinend aus dem Kindergarten gelaufen, doch anstatt ihn zu trösten rügte sie ihn und befahlt ihm, er solle aufhören zu heulen, denn Jungs weinten schließlich nicht.

Es ist natürlich ihre Sache, ob sie ihren Sohn tröstet oder zusammenscheißt, wenn er weint. Doch innerlich wühlte mich dieser Vorfall ziemlich auf, denn ich selbst bezeichne meinen Sohn nicht als Heulsuse, wenn er weint. Ich tröste ihn. Dies hat mit meiner gesamten Erziehungs-Philosophie zu tun, welche ich nach Marshall B. Rosenbergs „gewaltfreier Kommunikation“ gestalte. Zumindest versuche ich es nach Kräften, und natürlich gilt auch hier: mal gelingt es mir besser, und mal nicht so gut.

Mich interessieren an dieser Stelle vor allem folgende Fragen:
1) An diejenigen von euch, die selbst Kinder haben: Wie handhabt ihr das, speziell bei euren Jungs? Tröstet ihr sie, wenn sie weinen? Wertet ihr das Weinen als „weibisch“ ab? Oder wie reagiert ihr?
2) An die Männer: Weint ihr auch mal, wenn euch etwas emotional berührt?
3) An die Frauen [und natürlich auch die Männer]: Wie findet ihr das, wenn ein Mann weint? Ist es für euch okay oder eher no-go?

Ich selbst halte nichts davon, Gefühlsäußerungen zu unterdrücken. Klar, im Berufsleben braucht es Professionalität und keine Gefühlsduselei. Wobei man hier, je nach Beruf, auch mal eine Ausnahme machen kann. Und wer bietet schon gern in der Öffentlichkeit eine Angriffsfläche, indem er oder sie vor aller Augen weint. Ich jedenfalls nicht. Aber innerhalb der Familie? Kann mann es wagen? Oder widerspricht es dem, was gemeinhin unter „Männlichkeit“ verstanden wird? Kann man – soll man – daran etwas ändern oder ist es zu  fest in unseren Köpfen verankert?

Welche Probleme machen für euch die Geschlechterthemen aus?

Als Einstimmung auf die Artikel würde mich interessieren, welche Probleme oder Themen mit Geschlechterbezug für euch jeweils die wichtigsten sind und warum.

Fundstück: Erzählmirnix zu Diagnosen

Da für heute niemand einen Artikel eingestellt hat, liefere ich ein kleines Fundstück aus dem Netz. Was man so alles findet beim Recherchieren…

Erzählmirnix ist Psychotherapeutin. Sie hat sich längere Zeit mit Feministinnen und Maskulisten befasst.

Sie sagte unter anderem Ich vermute, die meisten Radikalfeministinnen haben das ein oder andere Trauma im Hintergrund sowie So wie der Maskulismus Anlaufstelle für Männer mit posttraumatischer Verbitterungsstörung zu sein scheint.

Nun kenne und schätze ich ihren Humor und habe über den Begriff „posttraumatische Verbitterungsstörung“ ordentlich schmunzeln müssen. Was für einen grandiosen Wortwitz diese Frau hat!

Bis ich dann herausfand, dass es diesen Begriff tatsächlich gibt. Manchmal schreibt das Leben die besten Pointen… Erzählmirnix hat übrigens angekündigt/versprochen/angedroht (Nichtzutreffendes bitte streichen), einen Gastartikel zu schreiben!

Bitte achtet auf Eure Diskussionskultur, man kann ganz normal mit ihr reden! Das merkt man schon daran, wie sie auf Kommentare reagiert. 😉

Ach so, mit diesem Eintrag sollte ja wohl bewiesen sein, wer Erzählmirnix‘ größter Blog-Groupie ist. Dabei war das doch schon vorher klar… ach, immer diese albernen Wettbewerbe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? In diesem Klassiker geht es um einen Mann, der eingewiesen wird.

Joachim Witt: Goldener Reiter

Weiteres zur Organisation

Ein paar Punkte wollte ich noch ansprechen:

1. Einladungen von Autoren:

Bisheriger Stand ist:

Letzter Stand:
01. Jon Gunnarsson
03. Honeyinheaven
05. Evilmichi
08. Marcel Zufferey
10. Alter Knabe
12. Graublau
16. Miria
19. Aranxo
22. Gerhard
24. Elitemedium
26. Franz
28. Virtual-CD
29. Martin

Alle sollten bereits Einladungen zum Blog bekommen haben, einige haben sie aber noch nicht bestätigt. Wer noch nicht bestätigt hat, der möge das bitte machen, wer eigentlich eine Einladung bekommen haben sollte, aber noch keine hat, der möge bitte in den Kommentaren eine kurze Mitteilung schreiben, dann versuche ich das zu lösen.

Wer noch als Autor mitmachen möchte, der schreibt bitte einen Kommentar in der ungefähren Form von:

„Ich würde gerne als Autor mitmachen, bitte merke mich für den ?. (Einen freien Tag einsetzen) vor.“

2. Gastartikel

Wer nicht als Autor mitmachen möchte, der kann einen Artikel auch als Gastartikel an Graublau unter der Emailadresse geschlechterallerlei [ät] gmail [punkt] com schicken. Vielleicht mag ja Graublau noch was zu bevorzugter Form etc schreiben.

3. Blogroll

Ich habe schon mal ein paar Autorenblogs eingetragen. Welche Blogs sollen wir noch aufnehmen? Vorschläge gerne in den Kommentaren?

Da Blogs natürlich davon leben, dass auf sie verlinkt wird, wäre es auch gut, wenn ihr den Blog auch in eure Blogroll aufnehmt oder anderweitig verlinkt

4. Gestaltung

Wer ein etwas individuelleres als das bisher oben verlinkte Bild kennt, der kann das auch gerne vorschlagen.

5. Weiteres

Sonst noch etwas was unklar ist oder besprochen werden sollte?

Der Sündenfall

Wenn man mich fragen würde, wann ich angefangen habe mich für geschlechterpolitische Themen zu interessieren, kann ich das ziemlich genau beantworten. Ich hatte zwar immer schon den Eindruck, dass irgendwas nicht in den richtigen Bahnen verläuft, nichts hat mir das aber so deutlich vor Augen geführt, wie die Beschneidungsdebatte und dessen durch parlamentarische Entscheidung erzwungenes Ende.  Selten wurde eine Debatte so bigott geführt. Von den Geistlichen, von Feministen und letztlich von unseren Volksvertretern, deren Aufgabe es eigentlich ist, die durch das Grundgesetz garantierte körperliche Unversehrtheit zu schützen.

Weiterlesen „Der Sündenfall“