Kurznachrichten vom 07.11.2017

1: Peter Pilz hat Vorwürfe der sexuellen Belästigung am Hals. Pilz ist der ehemalige österreichische Grüne, der von den Grünen aus der Partei gemobbt wurde, eine eigene Liste gründete und mit ihr auf Anhieb bei der Nationalratswahl ins österreichische Parlament einzog, während die Grünen an der 4-Prozent-Hürde scheiterten, indem sie mehr als 2/3 ihrer Wählerstimmen verloren haben.

Pilz will wegen der Vorwürfe sein Mandat im Parlament (möglicherweise nur vorläufig) nicht antreten. Die Vorwürfe kommen von einer ehemaligen Assistentin, die sich aus seiner in einer Pressekonferenz dargelegten Sicht offensichtlich eine schnellere Karriere in seinem Umfeld erwartet hat.

Anfang Dezember meldet sich die Assistentin von Pilz krank. Eine Woche später passt ihn am Ausgang des Weißen Salons im Grünen Klub [die Grünen-Chefin] Eva Glawischnig ab. […] Glawischnig konfrontiert ihn mit der Beschwerde wegen sexueller Belästigung. Pilz fragt nach, will die konkreten Vorwürfe erfahren, aber das wird ihm verweigert.

Was dann folgt, ist für die Grünen fast ein absurdes Vorgehen. Die grüne Parteichefin will ein Urteil ohne Öffentlichkeit, schildert Pilz in seinem Tagebuch. Es soll vermieden werden, dass sich die Assistentin an die Gleichbehandlungsstelle wendet.

Der Vorschlag von der Parteispitze lautet so: Die Grünen wollen mehrere Juristen bestellen. Diese sollen die Vorwürfe von der Betroffenen prüfen, mit Pilz und der Assistentin Gespräche führen und dann ein Urteil fällen. „Das hätte ich akzeptieren sollen“, so Pilz. Also quasi eine Art Schiedsgericht. Etwas, was gerade die Grünen bei TTIP vehement bekämpfen. […]

Alle Vorwürfe kennt er bis heute nicht. „Zuerst meinte Glawischnig, es seien nur verbale Vorwürfe. Dann kamen plötzlich Berührungen dazu. Und aus zehn wurden vierzig.“ Geklärt wurde die Causa nie, weil die Betroffene jedes Verfahren ablehnte.

Für mich ist die Sache oberfaul. Erst Vorwürfe erheben, dann aber weder genau sagen, was eigentlich passiert sein soll, noch sich einem vernünftigen Verfahren zur Klärung stellen, das ist nur allzu verdächtig. Entweder ist das eine Racheaktion, um sich für die subjektiv mangelnde Unterstützung bei der Karriere zu rächen, oder ein Vorwand, den die Grünen benutzen, um Pilz aus welchen Gründen auch immer loszuwerden.

In einem anderen Artikel vom Standard (schon vom Samstag) wird gemutmaßt, dass diese Geschichte überhaupt erst der Anlass gewesen sei für die schlechte Behandlung von Pilz bei den Grünen und damit sein Entschluss, eine eigene Liste zu gründen.

2: In Pfaffenhofen hat ein Mann eine Sachbearbeiterin des Jugendamtes als Geisel genommen, weil seine Tochter gegen seinen Willen in eine Pflegefamilie überstellt wurde. Den Eltern wurde offensichtlich das Sorgerecht aberkannt.

Update: Ich wollte ja eigentlich (Frau Schwarzer zu Ehren) schreiben: „Einer hat es getan. Jetzt könnte es jeder tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für entsorgte Väter kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden.“ Aber nein – <auf-die-finger-klopf-aua> – wir wollen hier ja ein seriöser Blog sein.

3: In der Schweiz wird jetzt ebenfalls eine 30%-Frauenquote in den Führungsetagen von Unternehmen eingeführt.

4: Ebenfalls in der Schweiz gibts laut watson.ch Ärger wegen Werbespots der Uhren-Firma Breitling, die „Experten“ als sexistisch ansehen. Die einzige Expertin, die der Artikel allerdings auffährt, ist Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich. Ansonsten strotzt der Artikel wieder mal nur so vor den üblichen Buzzwords „stereotype Rollenbilder“, „Geschlechterklischees“, der „männliche heteronormative Blick“, usw.

Ihr könnt es Euch ja selbst anschauen. Beim ersten Spot könnte ich es ja noch halbwegs verstehen.

Aber beim zweiten wirklich nicht mehr.

5: Auch wenn Genderama schon berichtet hat: Wer Michelle Obama für eine tolle zukünftige US-Präsidentin hält, der sollte sich anhören, was sie über Jungs zu sagen hat. Die werden nämlich ihrer Ansicht nach gehätschelt und besser behandelt als Mädchen, so dass sie zu einer Anspruchshaltung erzogen werden. Wie sich das verträgt mit der fast flächendeckend schlechteren Schulbildung der Jungs in der westlichen Welt, seitdem die Erziehung auch an den Schulen weitgehend in weiblicher Hand ist, bleibt ihr Geheimnis.

Or are we protecting our men too much so that they feel a little entitled and a little, you know, self-righteous sometimes?

Oh ja, wir beschützen Männer viel zu sehr. Deswegen müssen ja auch vorwiegend Frauen den Arsch hinhalten bei der Polizei und der Feuerwehr. Und in den Krieg ziehen müssen sie ja auch noch, wenns mal wieder soweit ist. Was haben wir Männer doch für ein tolles Leben auf Kosten der Frauen.

Kurznachrichten vom 03.11.2017

1: Die Saarbrücker Zeitung berichtet über zwei Männer aus unterschiedlichen Herkünften, die unter ihrer Beschneidung leiden und diese deshalb bei ihren Söhnen unterlassen, aber sich auch darüberhinaus für ein Verbot von Jungenbeschneidung  beim Verein Mogis einsetzen.

2: Die Mädchenmannschaft feierte ihr 10jähriges Jubiläum. Anlässlich dessen hat Magda Albrecht einen persönlichen Rückblick geschrieben.

Was hat das Schreiben, Shitstormen und Diskutieren eigentlich gebracht? In letzter Zeit bin ich oftmals zynisch und denke: Alles schon gesagt, analysiert, kritisiert. Und trotzdem verändert sich die – pardon – Gesamtscheiße nicht wirklich. Oder besser gesagt: zu langsam. Gesellschaftliche Veränderung kann mit Breitbandgeschwindigkeit nicht mithalten. […]

Ich war sehr stark vom bildungsbürgerlichen Glauben motiviert, dass Diskussion und die „richtigen“ Argumente schon ausreichen, um Menschen von der Wichtigkeit feministischer Perspektiven zu überzeugen.

Also, ich vermute, bei einigen Autoren und Lesern dieses Blogs hier wird das auch nichts mehr. Selbst von etwas überzeugt sein, reicht eben nicht, um andere zu überzeugen, und vielleicht hat man auch einfach nicht die richtigen Argumente.

3: Mit diesen oder zumindest ähnlichen Argumenten haben Studenten der Gender Studies in Bochum das Plakat der Fachschaft Chemie für deren Party als sexistisch inkriminiert. Darauf trinken Frauen aus Reagenzgläsern, die eindeutig als Phallussymbole identifiziert wurden.

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Danisch hat’s gefunden, hier gibt’s den Anreißer und auch der volle Artikel ist lesenswert. Anlässlich dieses Vorfalls wurde ein Arbeitskreis der FachschaftsvertreterInnenkonferenz (FSVK) gegründet, der sich der Erarbeitung von möglichen Leitlinien für die Werbung an der Ruhr-Uni Bochum (RUB) widmet.

Der Arbeitskreis traf sich das erste Mal im August und wurde vor allem von VertreterInnen des FSR Chemie und Biochemie sowie des FSR Gender Studies besucht. Der Fokus der Gruppendiskussion lag bei mehreren Treffen auf besagtem Plakat mit den Reagenzgläsern, das von KritikerInnen als pornographische Cumshot-Anspielung interpretiert worden war, während die ChemikerInnen von dieser geschilderten, von ihnen unbeabsichtigten Assoziation überrascht waren. Sie hätten dieses Element des Plakatdesigns lediglich wegen dem bei der Party praktizierten Alkoholtrinken aus Reagenzgläsern gewählt sowie im Zuge ihres Gesamtkonzepts des optischen Anspielens an chemische Gefahrensymbole. […]

Doch auch nach der Klärung der Missverständnisse ging die Diskussion zum Plakat weiter, vor allem wegen der Frauensilhouette an sich, welche Jan Nastke vom FSR Gender Studies als charakteristische Darstellung einer Stripperin analysierte – und dementsprechend als für eine Party unpassendes Suggerieren sexueller weiblicher Verfügbarkeit.

Wisst Ihr, was sich mir da für ein Eindruck aufdrängt? Die blühendsten sexuellen Phantasien scheinen hier offensichtlich die Leutchen aus den Gender Studies zu haben, während die Chemiker eher arglos waren. Sagt mal, wie sieht so ein Studium in Gender eigentlich aus? Gucken die Pornos in den Seminaren und zur Exkursion geht’s dann in Table-Dance-Bars oder gleich ins Bordell? Ich meine, woher haben die dieses Fachwissen? Warum werben die damit nicht offensiver? Das würde doch sicher noch mehr Interesse für diesen Studiengang wecken, vor allem endlich auch mal bei Männern!

Irgendwie erinnert mich das an einen alten Witz: Die Polizei wird zu einer alten Dame gerufen. Sie sagt zum Polizisten: „Herr Wachtmeister, kommen sie schnell! Drüben im Haus gegenüber treiben zwei in aller Öffentlichkeit Unzucht!“ Der Polizist lässt sich zum Fenster führen, schaut hinaus und meint: „Hmm, ich sehe aber gar nichts.“ Meint die alte Dame: „Ja, sie müssen schon auf den Stuhl steigen und durchs Oberlicht sehen!“

Die Gender Studies-Leutchen, die sind wie diese Omi.

4: Achtung, harter Umschwung: Eine Frau will ihren Ehemann vergiften, vergiftet dabei aber versehentlich 27 Menschen, 17 davon tödlich. Klingt nach diesem Satz nach klassischer toxischer Weiblichkeit, aber so einfach ist es nicht. Die Frau wurde nämlich erst wenige Wochen vorher zwangsverheiratet und hatte bereits einen Geliebten, was ihre Eltern aber nicht interessiert hat. Das ist eine ganz bittere, traurige Geschichte und ich tue mir schwer, mir ein Urteil zu erlauben. Vielleicht hat sie wenigstens etwas Gutes und sie hilft mit, andere von Zwangsheiraten abzuschrecken. Aber viel Hoffnung habe ich nicht.

5: Die nächste Geschichte ist auch traurig, aber gleichzeitig so absurd, dass man sie Buzzfeed-mäßig ankündigen kann: Eine Frau treibt ihr Kind ab – und den Grund dafür werdet ihr kaum glauben!

Update: Das ist Satire, der ich wohl aufgesessen bin, wie unten in den Kommentaren berichtigt wird. Heutzutage passieren so viele bescheuerte Dinge, dass ich das für plausibel gehalten habe.

6: Und nochmal wird es ganz übel. Ein ägyptischer Anwalt sagt in einer TV-Diskussion,

dass es eine „nationale Pflicht“ sei, Frauen zu vergewaltigen, die zerrissene Jeans tragen. Er verteidigte seine Aussage damit, dass Frauen mit solch freizügiger Kleidung Männer buchstäblich dazu einladen würden, sie zu belästigen.

Die Aussage des Anwalts sorgte in Ägypten für einen Aufschrei.

Hierzulande natürlich nicht. Ich habe von unseren Feministinnen noch keinen Ton zu der Angelegenheit gehört, dabei ist die Geschichte auch schon ein paar Tage alt. Kein Wunder, das ist ja auch lange nicht so schlimm, als wenn ein weißer Mann ein Kompliment macht.

Kurznachrichten vom 31.10.2017

1: Eine neue Wendung in der aktuellen Weinstein-Sexismus-Debatte: Es gibt jetzt ein erstes männliches Opfer in der Hollywood-Filmindustrie, den Schauspieler Anthony Rapp. Und der Beschuldigte ist niemand geringeres als Kevin Spacey, einer der bekanntesten Schauspieler Hollywoods (American Beauty, Sieben, L.A. Confidential, Die üblichen Verdächtigen). Spacey hat sich daraufhin umgehend als schwul geoutet. Er ist derzeit vor allem als Hauptdarsteller der Serie „House of Cards“ bekannt, die nach der sechsten Staffel jetzt eingestellt werden soll. Ob die Belästigungsvorwürfe Grund dafür sind, ist unklar, es sieht aber danach aus.

2: Thomas Gesterkamp betreibt mal wieder Männerrechtler-Bashing bei der taz. Linke Männerrechtler gibt es seiner Ansicht nach nicht, das ist alles nur Mimikri und Kreidefressen.

Die Namen der Zusammenschlüsse sollen harmlos klingen, am besten progressiv und aufklärerisch. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um Frauenhasser und Anti-Gender-Aktivisten.

Frauenhasser ist man für Leute wie Gesterkamp, wenn man Frauen nicht gleich jeden Wunsch den Augen ablesen und erfüllen will. Oder ihnen sogar Selbstverantwortung zutraut. Oder für gleiche Beteiligung bzw. Bezahlung auch gleiche Leistung verlangt. Wie schrecklich!

Ich habe unter dem Artikel der taz einen Kommentar geschrieben, aber da ich bezweifle, dass er veröffentlicht wird, kann ich ihn ja schon mal hier veröffentlichen:

Das klingt nach einer ausgewachsenen Verschwörungstheorie, die Gesterkamp hier ausbreitet.

Wie das mit dem „keine Bühne bieten“ für unliebsame Meinungen in der Praxis aussieht, und dessen Erfolg, konnte man gerade wunderbar auf der Frankfurter Buchmesse beobachten.

Langfristig wird es keine Geschlechterpolitik mehr geben, bei der nur die Interessen der Frauen zählen, und Alibi-Vereine von feministischen Gnaden wie das Bundesforum Männer, die zwar mit üppigem Etat ausgestattet sind, aber wichtige Interessen von Männern lieber nicht ansprechen (Es nicht zu tun, dafür wurden sie ja auch gegründet), am Rande Fähnchen winken dürfen.

Gesterkamp fürchtet um die feministische Hegemonie in der Geschlechterdebatte, und das zurecht. Aber lasst es Euch nochmal ins Stammbuch schreiben: Wenn Linke noch länger meinen, sie könnten Interessen von Männern ignorieren, werden diese Männer eben rechts wählen. Ihr habt den Schuss anscheinend immer noch nicht gehört. Die Parteien, die Feminismus fest im Programm haben (SPD, Grüne, Linke), wurden mit zusammen unter 40% eben krachend abgewählt.

Das liegt vor allem daran, dass das linke Lager sein wichtigstes Ideal, den Universalismus verraten hat. Man kümmert sich nicht mehr um alle, sondern nur noch um Minderheiten, denen Sonderprivilegien eingeräumt werden. Anrecht auf Mitleid und Hilfe haben nur noch diese, wer nicht zu den anerkannten Opfergruppen gehört, leider nicht. Das, mit Verlaub, ist das Gegenteil von links und „progressiv“.

Da bin ich doch froh, dass es da noch ein paar Männerrechtler gibt, die die Ehre der Linken unter den Männern zu retten versuchen.

3: Harald Martenstein kommentiert das Bestreben des Asta der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, der ein Gedicht Eugen Gomringers von der Fassade entfernen lassen will, weil es angeblich Frauen herabsetze.

4: Einen ausgewogenen Kommentar zum Kopftuchstreit von Hamed Abdel-Samad kann man beim hpd lesen.

5: In der Schweiz suchen die Kernzellen des althergebrachten Patriarchats, das Handwerkergewerbe, händeringend nach jungen Frauen, die die Vorherrschaft der Männer endlich brechen wollen – nur leider zieren die sich und bleiben lieber bei den üblichen Berufswünschen.

Es gibt zwar offene Stellen, die Berufe interessieren die Jungen [schweizerisch: junge Menschen, d.A.] aber nicht. Statt etwa als Gipserin zu arbeiten, warten viele Schulabgänger lieber im Zwischenjahr auf ihre Traumstelle, etwa als medizinische Praxisassistentin.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund will ihnen nun einen Job in den beliebten Berufen verschaffen, indem er eine Aufstockung der Lehrstellen «vor allem für mehrheitlich weiblich geprägte Berufsfelder wie Gesundheit und Soziales» fordert, wo die Betriebe heute zu wenig Lehrstellen anbieten würden.

Was natürlich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Arbeit in diesem Sektor weiter für die Arbeitnehmer verschlechtert. Hinterher beschwert man sich dann wieder über schlechte Bezahlung. Währenddessen tun die Verantwortlichen doch wirklich alles, um das Handwerk für Frauen schmackhaft zu machen:

Um den Beruf für junge Frauen attraktiver zu gestalten, wurde bei der Lehre als Fleischfachfrau die Fachrichtung «Feinkost und Veredelung» geschaffen. Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen ist nicht Teil der Ausbildung, dafür etwa die kreative Herstellung von kalten Platten. «Diese Arbeiten entsprechen Frauen eher», sagt Bildungsleiter Philipp Sax.

Na wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht. Wobei: Ist das nicht sexistisch, Frauen die Lust am Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen abzusprechen? Frau Stokowski, übernehmen Sie!

6: Und nun ein paar ältere Links, die sich bei mir angesammelt haben, die aber, soweit ich das überblicke, bisher weder von Arne auf Genderama noch sonstwo in der Blogosphäre erwähnt wurden.

Passend zur letzten Nachricht: Im Juli starb mit nur vierzig Jahren eines der größten Genies unserer Tage, die Mathematikerin Maryam Mirzakhani. Bezeichnenderweise gab es auf feministischen Seiten dazu nur Schweigen im Walde. Die Gelegenheit, eine Heldin aus dem MINT-Bereich zu würdigen, ließ man einfach verstreichen. Ich vermute, deshalb, weil Feministinnen sich zwar immer lauthals beschweren über die geringen Frauenquoten in dem Bereich, sich selbst aber auch nicht wirklich dafür interessieren.

7: Passend zur aktuellen Moralpanik mit allerlei gouvernantenhaften Versuchen zur Setzung von neuen Verhaltensregeln für Männer, aber schon vom August: Katja Lewina erklärt bei jetzt.de: „Warum Feministen die besseren Liebhaber sind“ Die Kommentatoren darunter stoßen ihr entsprechend Bescheid.

8: Meredith Haaf fragte im Rahmen der Kopftuchdebatte bei der SZ: „Wie islamfeindlich ist der Feminismus?“ und zeichnet da wieder einmal die Konfliktlinien zwischen zweiter und dritter Welle, oder auch der Schwarzer-Emma-Fraktion und der eher intersektionalen Fraktion nach. Haaf ordnet sich der dritten Welle zu. Die Konfliktlinien sind vor allem drei Themengebiete. Die Emma-Fraktion ist gegen Islam, gegen Porno und gegen Prostitution, die dritte Welle ist jeweils dafür. Als rechtspopulistisches, patriarchales Arschloch (wie man heute wirkliche Linksliberale halt so nennt) bin ich natürlich beim Islam auf Seiten der Emmas, bei den beiden anderen auf Seiten der dritten Welle.

Selbstverständlich spricht Haaf sich gegen ein Kopftuchverbot aus, allerdings m.E. aus den falschen Gründen. Sie kritisiert z.B. die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes, weil diese ein Kopftuchverbot für Minderjährige forderte, mit den Worten:

Soll der westliche Säkularismus in all seiner bleichen Glorie als Leitideal wirklich an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft – Kindern – exerziert werden?

Ja, ich frag mich ja auch, ob man durch Altersgrenzen bei Porno- und Horrorfilmen, beim Führen von Fahrzeugen, beim Schusswaffengebrauch, beim Konsum von Alkohol und Tabak nicht auch bleiche Leitideale an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft exerziert. Und wieso sollte man die Freiheit von Kindern beschränken, sich mit fünf Jahren völlig frei für eine Beschneidung zu entscheiden, mit der Aussicht, der Mittelpunkt einer großen Feier zu sein und viele Geschenke zu bekommen? Warum sollte man achtjährige Mädchen davon abhalten, den 40-jährigen Mann ihrer Träume zu heiraten? Also was sollte denn dagegen sprechen, dass Kinder schon von kleinauf lernen, dass sie mit einem Kopftuch zu den ehrbaren Frauen gehören, während diejenigen, die es nicht tun, Schlampen sind? Und die Jungs lernen das gleich mit? Ich komm einfach nicht drauf.

9: Ab und zu ist man auch positiv von Plattformen überrascht, die man eigentlich für ziemlichen Schrott hält. Vice.com (ja, genau die) brachte einen Beitrag, der sich kritisch mit der allgemein üblichen Berichterstattung auseinandersetzt, wenn männliche Minderjährige von erwachsenen Frauen „verführt werden“. Chapeau!

10: Zum Abschluss würde ich Euch gerne noch eine Reportage von Birgit Schrowange vorstellen, die schon länger im Netz kursiert. Es geht dabei um neue Wohnprojekte für Flüchtlinge in Ludwigshafen, für das einheimische sozial Schwache aus ihren Wohnungen geworfen wurden, in denen sie zum Teil schon Jahrzehnte gewohnt haben. Es ist quasi ein Lehrstück dafür, wie man mit falschen kommunalen Entscheidungen die AfD stark macht.

Aber darum geht es mir eigentlich gar nicht, sondern um eine kleine Sequenz, bei der es darum geht, wer von den nun Heimatlosen den rar gewordenen Sozialwohnungsraum bekommen sollte. Zieht Euch das mal ab Minute 14:27 rein und achtet auf das, was Birgit Schrowange dem Flüchtlingshelfer Hans-Werner antwortet:

Um Schrowange im Wortlaut zu zitieren:

Jetzt sind mal die anderen dran, meint Hans-Werner. Ich denke, dass zumindest alle Frauen und Kinder hier unterkommen sollten.

Genau, während die Männer ruhig mal unter Brücken schlafen können.

Und das sagt sie mit einer Selbstverständlichkeit ohne jeden Selbstzweifel, wie sie typisch ist, weil so etwas gar nicht mehr wahrgenommen wird. Frauen und Kinder haben selbstverständlich mehr Anrecht darauf als Männer, dass ihnen geholfen wird. So ist das eben in einem frauenunterdrückenden Patriarchat.

„Rechtspopulismus hat eine weibliche Seele“ – über das Geschlecht von Politik und andere aktuelle Hirngespinste aus der ZEIT

Im 21. Jahrhundert ist es irgendwie Mode geworden, alles mögliche zu sexualisieren bzw. zu gendern. Sprich: geschlechtslosen Dingen ein Geschlecht anzudichten. In der Regel sah das im feministisch geprägten Diskurs so aus, dass coole, fortschrittliche Sachen „weiblich“ wurden und irgendwie blöde Sachen „männlich“. Gewalt ist männlich, die Zukunft ist weiblich, die Gesellschaft ist männlich, social skills sind weiblich. Eine Redakteurin der Zeit, Jana Hensel, ist auf diesen neumodischen Schnullifax reingefallen, hat ihn aber umgekehrt: Ihre steile These: „Der Rechtspopulismus“ ist weiblich.

Zunächst finde ich das bemerkenswert, weil dies eines der seltenen Beispiele aus der eher feministischen ZEIT ist, in denen Frauen negative Eigenschaften zugesprochen werden. Normalerweise ist es Usus, den „Rechtspopulismus“ als Bewegung abgehängter (oder privilegierter) Männer zu deuten, die gegen die „weibliche Zukunft“ ankämpfen. Die auffällige Häufigkeit von führenden medienwirksamen Frauen in der Neuen Rechten (bei gleichzeitig sehr geringem Frauenanteil in der Basis) wurde bisher kaum beachtet. Insofern ist Hensels Artikel schon mal tendenziell feminismuskritisch. Sie macht sogar klar, dass Frauen für Ausländerfeindlichkeit und radikale Ideologien ähnlich anfällig sind wie Männer. Außerdem thematisiert sie explizit, dass Politikerinnen menschenfeindliche Politik besser verkaufen können, weil ihnen durch ihr Geschlecht weniger Boshaftigkeit zugetraut wird, als Männern:

„Je gewaltloser [die Rechten] trotz ihrer aggressiven Politik erscheinen, desto erfolgreicher agieren sie. Frauen helfen ihnen dabei, denn es gehört nun einmal zu den ältesten Geschlechterklischees, dass Frauen gegenüber Gewalt abgeneigter sind als Männer.“

und weiter

„Der Rechtspopulismus brauchte dringend weibliche Protagonisten. Frauen konnten gerade im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise glaubhafter Ängste schüren als Männer.“

Alles sehr gute Punkte. Und schön, dass das in der ZEIT thematisiert wird, anstatt immer wieder die alte spießige Leier vom weiblichen Unschuldsengel abzuspielen.

Doch jetzt wird’s leider etwas krude. Hensel zitiert eine Studie der Psychologin Birgit Rommelspacher, die zu Frauen im Rechtsextremismus geforscht hat:

„Männer tun dies [gegen Ausländer sein] stärker über Gewalt und Konkurrenzverhalten – Frauen hingegen mehr über autoritäre Anpassungsforderungen“

Also sprich (wenn ich es richtig verstanden habe): fremdenfeindliche Männer wollen den Fremden als Person besiegen und fremdenfeindliche Frauen wollen seine Fremdheit, nicht aber die Person, besiegen. Leider wird diese interessante These nur so in den Raum gestellt ohne sie genauer zu erläutern oder auch nur ansatzweise zu belegen. Genau auf dieser äußerst dürftigen Grundlage baut nun aber die finale Aussage des Artikels auf:

„Der moderne Rechtspopulismus hat ein weibliches Gesicht und er hat auch eine weibliche Seele. Er ist ein Produkt des Feminismus, der Feminisierung unserer Gegenwart, ohne gleichzeitig feministisch zu sein.“

1. Frau Hensel erkläre mal bitte, was genau eine „Feminisierung der Gegenwart“ sein soll. Ich bin mir nicht sicher, ob es so was gibt. Vielmehr findet eine Genderung bzw. Sexualisierung von Politik statt, welche wiederum Produkt des unnötigen feministischen Geschlechterkriegs ist.

2. Der moderne „Rechtspopulismus“ hat vielleicht ein weibliches Gesicht, aber gleichzeitig auch genauso ein männliches. In erster Linie hat er aber ein geschlechtsloses Gesicht.

3. Mit „weiblicher Seele“ sind anscheinend diese Anpassungsforderungen („die Muslime sollen sich integrieren“) gemeint. Ich kann nicht erkennen, warum das grundsätzlich „weiblich“ sein soll. Konformität wurde schon immer mal mehr und mal weniger von Frauen und Männern gefordert. Wie genau die Studie von Rommelspacher aussieht würde mich da mal sehr interessieren.

Zwischendurch wird im Artikel übrigens ständig behauptet, die AfD wolle Frauen zurück in diese oder jene Rolle stecken. Belege für solche billigen Vorwürfe braucht es natürlich nicht. Davon und von anderen Schwächen des Artikels mal abgesehen – Hut ab für die kritische und unfeministische Betrachtung von Frauen in der Neuen Rechten.

Was gab es sonst so bei ZON zu lesen?

 

SEX-ALARM!! Tour de France ist sexistisch

Der feministische Kampf gegen die Frau als „Lustobjekt“ geht weiter. „Auch im Jahr 2017 sind Frauen bei der Tour de France noch immer nur schmückendes Beiwerk für heroenhafte Männer.“ Und das ist einem Christian Spiller von Zeit Online „peinlich“. Ich finde den Artikel besorgniserregend aber auch amüsant, weil hier ein unglaublich prüder Eiferer, im festen Glauben der Richtigkeit seiner Mission ganz unverblümt seinem Werk nachgeht. Man glaubt sich in Saudi Arabien. Inhaltlich lohnt der Artikel der tieferen Auseinandersetzung nicht, es ist die alte Leier: Frauen dürfen in Sportsendungen wie der Tour de France nicht mehr einfach nur schön aussehen (z.B. bei der Siegerehrung), sondern sollen entweder nicht dem etablierten Schönheitsideal entsprechen oder gefälligst den Mund aufmachen oder irgendwie aktiv sein. Aber einfach hübsch aussehen und nix sagen geht gar nicht! Denn dann sind sie ein schlechtes Vorbild. Dass sie dies jedoch sind, ist aber natürlich nicht ihre eigene Schuld, sondern die von irgendsonem Patriarchatsding. So lautet der Artikel inhaltlich zusammengefasst. Interessant am Artikel ist daher vielmehr, die explizit autoritär-prüde Rhetorik, die ich z.B. bei „Edition F“ oder „Pink Stinks“ – nicht aber unbedingt bei der ZEIT – erwartet hätte.

„Die Frau als Dekorationsobjekt neben keuchenden Männern, als Schmuckstück neben den Helden der Neuzeit. Menschen als Zierde wie ein Blumenstrauß oder eine Gürtelschnalle – das gibt es auch noch im Jahr 2017.“

Nein, Herr Spiller, nicht die Frau ist hier „Dekorationsobjekt“, sondern eine Frau. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Und dass Frauen auf körperlich starke und heldenhafte Männer stehen und dies dadurch zeigen, dass sie lächeln, schön für ihn aussehen und ihm Blumen und Küsschen schenken ist nichts verwerfliches. Und genau darum geht’s bei den Podiumsgirls. Sie zeigen uns, dass Männer, die sich außerordentlich anstrengen, nicht nur mit Geld belohnt werden, sondern auch mit der Gunst von Frauen. Und genauso ist es in der Welt auch (in der Regel). Und das empfinde ich als schön und als gerecht. Materialisten und feministisch-prüde Eiferer wie Spiller finden es „sexistisch“ oder „unmodern“.

„In der Formel 1 stehen die Grid Girls minimal bekleidet auf dem heißen Asphalt“

Au Backe, so viel nackte Haut auf einem Haufen; wenn das der Jesus wüsste! Müssen diese Weibsbilder auch immer so verdammt begehrenswert sein und das auch noch im Fernsehen zur Schau stellen?! Was sollen denn die Kinder denken!! Und die Männer erst – diese elenden Schweine glauben noch, dass es okay ist, schöne Frauen sexy zu finden, nur weil es ihnen im Fernsehen vorgelebt wird.

„Bevor nun wieder die Martensteins dieser Welt zu jammern beginnen, dass ihnen durchgegenderte, feminisierte Cis-Sitzpinkler den letzten Spaß im Leben rauben wollen, der für sie wohl darin besteht, deutlich jüngeren Frauen auf den Arsch zu schauen“

Nun Herr Spiller, was ist daran verwerflich, dass Männer sich gerne Pos von deutlich jüngeren Frauen anschauen? Was denn bloß? Genau: überhaupt nichts. Es sei denn natürlich, man verwechselt seine autoritäre Sex- und Männerfeindlichkeit mit Antisexismus. Vielleicht kann man daher einfach mal darüber nachdenken ob dieser Vorwurf der „Martensteins dieser Welt“ (also nicht-Feministen) ganz einfach gerechtfertigt ist.

„Poledance. Oder Lingerie-Football, in dem Frauen in Unterwäsche gegeneinander antreten. Sportarten also, die nur erfunden wurden, um Frauen in einem sexualisierten Kontext darzustellen.“

So was rückständiges aber auch. Frauen als sexy darstellen und dann auch noch nur in Unterwäsche. Widerwärtiges Drecks-Patriarchat!

„Der belgische Radprofi Jan Bakelants wurde vor dieser Tour de France von einer Zeitung gefragt, wie er drei Wochen ohne Sex auskomme. ‚Es gibt ja noch die Podiumsgirls‘, sagte er. Und dass er auf jeden Fall eine Packung Kondome mitnehmen werde, weil man ja nie wisse, wo die Podiumsgirls sich gerade herumtreiben.’“

Iiiih, oh mein Gott, sexuelle Abenteuer. Wie kann der nur glauben, dass er mit fremden Frauen Sex haben könnte? So ein Perversling! Ab in die Bibelschule mit dem und die 10 Gebote gepaukt, aber dalli!

„Die Zeiten ändern sich, ein wenig zumindest. Während der Olympischen Spiele in London 2012 wurden die Medaillen und Blumensträuße ausschließlich von Männern hereingebracht, ohne dass dabei das Abendland untergangen wäre. Die australische Radrundfahrt Tour Down Under schaffte die Dekofrauen unlängst ab. […weitere ähnliche Fälle…] Und vor ein paar Jahren wurden beim Formel-1-Rennen in Monaco einmal Grid Boys eingesetzt.“

Gott sei Dank müssen also die Christian Spillers dieser Welt, also die „durchgegenderten, feminisierten Cis-Sitzpinkler“, wie sie sich selbst betitelt haben möchten, bald keine heißen Mädels mehr bei Sportsendungen anschauen. Bald müssen sie sich nicht mehr für den 3-Meter-Turm und die zwei prall gefüllten Basketbälle in ihrer Hose während der Siegerehrungen schämen und dafür, dass sie diese armen Podiumsgirls mit ihren Blicken ausbeuten. Endlich müssen sie während der Werbepause nicht mehr schnell mal auf Klo gehen um dieses hochpeinliche Schandmal ihrer toxischen Männlichkeit in ein paar schnellen Handstreichen zu Fall zu bringen.

Diese Grid Boys sind dabei übrigens okay. Anscheinend sogar fortschrittlich. Wirklich ganz erstaunlich diese Logik.

Und sonst so?

 

Teresa Bücker (Edition F) in der ZEIT

Die Zeit übernimmt mal wieder einen Text von Edition F, dem radikalfeministischen Online-Schundmagazin für kapitalistische, männerfeindliche Karrierefrauen, die von sich selbst glauben, dass sie total sympathisch, feminin, cool und links sind. In dem Artikel von Edition F-Chefredakteurin Teresa Bücker geht es um die böse geschlechtliche Arbeitsteilung. Eine neue Studie hat mal wieder rausgefunden, dass Männer einfach so für das Wohl ihrer Familie arbeiten und Geld verdienen, während sie ihre Frauen die Drecksarbeit machen lassen (das mit diesen ekeligen Kinder-Dingern und so…). Ferner geht es um die Doppelbelastung von Müttern in höheren Positionen. Total fies findet Bücker, dass..

„46 Prozent der Vorgesetzten glauben, Mütter wollten im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder weniger gern beruflich vorankommen.“

Vielleicht liegt das ja daran, dass diese 46% der Vorgesetzten eine Erziehung genossen haben, und daher davon ausgehen, dass sich Mütter um ihre Kinder und nicht nur um die Karriere kümmern wollen. Um es noch mal zu betonen: es geht um „weniger gern beruflich voran kommen“ und nicht um gar nicht. Die Einschätzung dieser 46% Vorgesetzten findet Bücker jedenfalls „mütterdiskriminierend“. Von einer Mutter zu glauben, dass sie Mutter sein will, ist nämlich Unterdrückung. Bücker geht auf ihrem Profil bei Edition F übrigens damit hausieren, dass sie eine „good-enough-mom“ (gut-genug-Mutter) ist. Vor dem Hintergrung ihres Artikels kann ich mir in etwa vorstellen, was das heißt.

Kurznachrichten vom 18.07.2017

1: Das Gunda-Werner-Institut der grünen Heinrich-Böll-Stiftung hat ein neues WIKI über die bösen „Antifeministen“ gestartet. Für uns ebenso eine wertvolle Hilfe für Links und Vernetzungsmöglichkeiten. 😉

Ich habe ein wenig darauf herum gesurft. Da gibt es inhaltlich sicher viel zu kritisieren, aber das ist mir jetzt zu müßig, um jetzt in Einzelfälle einzusteigen. Das kann gerne wer anders übernehmen. Es wird auch viel über Gestalten referiert, mit denen ich nicht viel gemeinsam habe. Allerdings liegt es natürlich im Interesse der Grünen, den Eindruck zu erwecken, das sei alles rechts bzw. extrem rechts, was diese „Antifeministen“ so treiben.

2: Auf die taz ist wirklich Verlass. Nach der Kölner Silvesternacht, wer waren da die Schuldigen? Natürlich nicht Zuwanderer aus muslimischen Staaten, sondern – Männer. Und nach den Krawallen vom G20 waren es natürlich auch nicht Linksextreme, sondern – Männer. Ja, warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Unter dem Titel „Problematische Kerle: Debatte um toxische Männlichkeit“ walzt Redakteurin Nina Apin eine der feministischen Lieblingserfindungen, nämlich besagte „Toxische Männlichkeit“ aus. Der Artikel beginnt so:

Junge Männer mit entblößten Oberkörpern stürmen wie von Sinnen einer Wand von Polizisten entgegen. Junge Männer mit wutverzerrten Gesichtern schmeißen mit Flaschen, Steinen, Gehwegplatten. Junge Männer treten, völlig enthemmt und aus vollem Halse Beschimpfungen brüllend, gegen Schaufensterscheiben, fackeln Autos ab, plündern Läden.

So geht das ganze 14 Absätze in ähnlichem Stil weiter. In den letzten zwei Absätzen versucht sie dann alibimäßig die Kurve zu kriegen, was aber nicht mehr als ein Feigenblatt ist, um den triefenden Männerhass ein wenig zu kaschieren:

Dringend reden muss man jetzt erst mal über das Verhältnis der radikalen Linken zur Gewaltfrage. […] Vieles an Hamburg war toxisch. Und nur manches davon hatte direkt mit problematischen Kerlen zu tun.

Ja, müsste man. Dumm nur, dass dafür jetzt in diesem Artikel kein Platz mehr ist. Einer der Kommentatoren lässt sich tatsächlich aufs Glatteis führen:

Danke für die die Ehrenrettung für uns Männer, sofern dies gewollt war.

Da weiß man nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll, denn das war genau das Gegenteil einer „Ehrenrettung“.

Ich wette darauf, dass bei der nächsten Nazi-Gewalttat ausnahmsweise mal wieder die Ideologie bzw. Sozialisation Schuld sein darf und nicht nur das Geschlecht. Wer hält mit?

3: Ich habe neulich über die Vorgänge im Freiburger Frauenbad berichtet, wo nach einigen Streitereien wieder männliche Bademeister eingesetzt werden. Jetzt gibt es eine Petition dagegen mit dem Ziel, wieder nur weibliche Bademeister zuzulassen:

Der Einsatz von männlichem Personal schließe nicht nur gezielt viele muslimische Frauen aus, sondern treffe auch Frauen, die aufgrund von Gewalterfahrungen oder sich schlicht abseits von alltäglichen Blicken und Übergriffen eine Auszeit wünschten, heißt es weiter in der Petition. „Zu glauben und zu verdeutlichen, Ruhe und Sicherheit im Damenbad nur durch die Präsenz und Aufsicht von männlichem Personal zu leisten, ist zutiefst reaktionär und sexistisch.“

4: Breit in der Presse wurde vergangene Woche über die „Vertrauliche Geburt“ berichtet, die es jetzt seit drei Jahren gibt und die bisher über 300 Frauen genutzt haben, z.B. beim DLF Kultur, der RP und bei der ZEIT. Bei dieser Art der Geburt bleibt die Mutter anonym, allerdings kann das Kind ab dem 16. Geburtstag ihren Namen erfahren. Den Namen des Vaters leider nicht, und dieser kann auch nichts dagegen tun. Die Beiträge thematisieren das unisono noch nicht einmal.

5: Genderama hat am Sonntag über einen von Edition F in der ZEIT übernommenen feministischen Artikel berichtet, der die Frauenquote unterstützt. Eine Studie aus Schweden soll gezeigt haben, dass die Quote auch das Kompetenzlevel der Männer erhöhe in den Posten, die ihnen nicht durch die Frauenquote weggenommen werden. Und woran misst diese Studie die Kompetenz? Ganz einfach: am Einkommen. Eine Kernthese der Studie, die die feministische Autorin bejubelt, mit der die Studie auch steht und fällt, ist also die Korrelation zwischen Einkommen und Kompetenz. Ich finde diese These zwar diskutabel, aber doch leicht abenteuerlich.So einfach ist das sicher nicht.

Aber nochmal zum Mitdenken: Was genau bedeutet das für die Analyse des Gender Pay Gaps, wenn man vom Einkommen auf die Kompetenz schließen kann? Mehrere Kommentatoren bei ZEIT Online weisen dezent darauf hin, dass das doch ein grandioses feministisches Eigentor ist.

6: Nun wirds zweimal Off-Topic, die beiden Themen passen aber hervorragend zusammen: Im Münchener Stadtteil Sendling musste ein alteingesessenes italienisches Restaurant schließen, weil ihm offenbar auf Betreiben zweier SPD-Funktionäre aus dem Sendlinger Bezirksausschuss der Pachtvertrag von der Brauerei gekündigt wurde. Das Vergehen des Wirts: Er hat sich geweigert, ein paar Pegida-Leuten Hausverbot zu erteilen, die sich regelmäßig bei ihm trafen. Wobei diese weder randalierten noch agitierten. Der Wirt meinte dazu:

„Die Leute kamen einzeln. Sie reden unter sich. Soll ich jeden nach seiner Gesinnung fragen? Ich bin Wirt und kein Spion!“

Womit er vollkommen recht hat. Wenn das ein Ausrutscher wäre, wäre das schon schlimm genug, aber diese Art von Gesinnungsterror scheint mir derzeit leider typisch für die SPD zu sein. Ist es jetzt so weit, dass Wirte als Spitzel eingespannt werden, und wenn sie sich weigern, verlieren sie ihre Existenz? Ist es jetzt schon so weit, dass „Rechtspopulisten“ das Recht verwirkt haben, zusammen ein Bier in einer Wirtschaft trinken gehen zu dürfen? Und wer genau waren in dieser Angelegenheit die Fremdenfeinde? Die, die dem italienischen Wirt Umsatz beschert haben, oder die, die ihm die Existenz kaputt gemacht haben? Danisch hat auch was dazu.

7: Am Samstag trafen sich 6000 Anhänger der rechten Szene und feierten im thüringischen Themar ein Rechtsrockfestival. Um so etwas künftig zu vermeiden, will Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE) das Versammlungsrecht einschränken. Noch gerade eben haben ebenfalls Linke als Reaktion auf die G20-Krawalle als Lösungsmöglichkeit eine Lockerung des Vermummungsverbots eingefordert.

Für mich klingt das wie: Wenn wir für den Weltfrieden plündern und brandschatzen, dann soll uns bitte möglichst nichts daran hindern, zumindest keine Identifikation durch die Polizei, aber Nazis sollten sich noch nicht mal zum Musikhören und Biertrinken treffen dürfen. Den dezenten Unterschied zwischen den beiden Veranstaltungen, nämlich dass das Nazi-Treffen völlig friedlich und ohne Probleme abgelaufen ist im Gegensatz zu den G20-Randalen, würde man am liebsten unter den Teppich kehren.

Also wenn man schon das Vermummungsverbot abschaffen will mit der Begründung, dass es deeskalierend wirke, weil dann die Polizei diese Straftat nicht mehr verfolgen müsse, wäre es nach dieser Logik nicht auch deeskalierend, wenn man den Hitlergruß wieder legalisieren würde?

Wie da auf der linken Seite der moralische Kompass so dermaßen ins Schleudern geraten ist und man sich mehr und mehr in Freund-Feind- und schwarz-weiß-Kategorien zurückzieht und nur noch die Wagenburg verteidigt, ist schon frappierend. Ihr Linken, egal ob Sozis, Grüne oder „Linke“ oder sonstwie parteilich ungebunden, ehrlich, Ihr habt in diesem Zustand einfach fertig, und das ist elendiglich traurig für mich, weil ich mich eigentlich noch ein wenig zugehörig fühle. Aber in diesem Zustand darf man Euch einfach keine Verantwortung mehr überlassen, so leid es mir tut.

Kurznachrichten vom 07.07.2017

Die letzten zwei Tage waren wieder sehr ergiebig, da ich aber gestern nicht mehr zum Schreiben gekommen bin, wirds heute wieder mehr.

1: In Schweden gab es auf dem größten Popkonzert des Landes in Bråvalla nun im zweiten Jahr in Folge mehrere Vergewaltigungen (4) und sexuelle Belästigungen (23). Das geplante Festival im nächsten Jahr wurde daraufhin schon jetzt abgesagt. Stattdessen plant die schwedische Komikerin und Radiomoderatorin Emma Knyckare jetzt als Reaktion ein Event nur für Frauen. Sie will dieses männerlose Festival so lange fortführen, »bis Männer gelernt haben, sich zu benehmen«.

Etliche Zeitungen berichten, allerdings lohnt sich der Vergleich kaum, denn anscheinend haben fast alle dieselbe Agenturmeldung kaum verändert veröffentlicht. Beim britischen Guardian wird ein Organisator wie folgt zitiert:

“Certain men … apparently cannot behave. It’s a shame. We have therefore decided to cancel Bråvalla 2018,” the festival’s organisers said.

Wer diese „certain men“ sind, bleibt in fast allen Berichten im Dunkeln. Meistens heißt es wie z.B. beim STERN:

Nach Erkenntnissen der Polizei handelte es sich um Einzeltäter und nicht um organisierte Übergriffe.

Nur zwei eher dem (in aller Vorsicht) rechten Spektrum zuzuordnenden Plattformen tanzen aus der Reihe und stellen die Verbindung zu muslimischen Einwanderern her: Jouwatch und David Bergers Philosophia Perennis. Jouwatch behauptet:

Frei nach dem Motto “mitgefangen, mitgehangen” will sie nun auch schwedischen Männern den Zugang zu Musikkonzerten verwehren, obwohl die Grapscher und Vergewaltiger meist als „Männer mit ausländischen Wurzeln“ beschrieben werden.

Inwiefern das tatsächlich stimmt, kann ich leider nicht beurteilen. Wenn man allerdings ein wenig weiter gräbt, findet man sogar beim normalerweise politisch sehr korrekten SPON einen älteren Bericht, der entsprechende Verbindungen zieht. Die Koinzidenz mit dem Beginn der großen Zuwanderungswelle vor allem in Schweden und Deutschland ist natürlich schon auffällig. Für mich riecht das allzusehr nach einem Fall wie die #ausnahmslos-Kampagne nach der Kölner Silvesternacht: Um jeden Anschein von Rassismus zu vermeiden, ist man lieber sexistisch – gegen alle Männer.

2: Nachdem vor zwei Tagen bei Edition F ja ein männerfreundlicher Text einer Frau erschien, ist es jetzt einem Mann vorbehalten, wieder auf die platteste Art auf Männer einzudreschen. „Was wir Männer tun können, um endlich zu verstehen, was Frauen im Alltag erleben“ heißt das Stück und beginnt mit dem Anreißer:

Die Lebensrealitäten von Frauen und Männern sind grundlegend verschieden. Während die von Frauen oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt ist, genießen Männer im Vergleich viele Vorteile.

Danach könnte man ja schon wieder aufhören zu lesen, weil einem klar ist, dass da wieder platteste feministische Klischees wiedergekäut werden. Dann verpasst man allerdings noch weitere Perlen wie diese:

Frauen leben in einer substantiell anderen Lebenswirklichkeit als Männer. Fast nie werden sie so respektvoll behandelt wie wir es gewohnt sind.

Und noch besser:

Es ist jedoch wichtig, Strukturen und Tendenzen zu benennen; denn wie Rebecca Solnit in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ schreibt: „Gewalt hat keine Rasse und keine Klasse, keine Religion und keine Nationalität. Aber Gewalt hat ein Geschlecht.“

Oder auch diese:

Weiterhin gilt: Obwohl Gewalt von Männern gegen Frauen alltäglich ist, wird dieses Muster kaum herausgestellt. Es existiert die Tendenz, Erklärungen auf einer Fall-zu-Fall Basis à la „Beziehungstat“ zu bemühen, ohne das große Ganze in Betracht zu ziehen. Oft sogar wird dem Opfer (Mit-)Schuld zugeschrieben – sie hätte sich ja nun wirklich nicht so aufreizend kleiden oder diese dunkle Straße entlang gehen müssen. Mit den Worten Solnits: „Die Pandemie der Gewalt gegen Frauen wird mit allem Möglichen erklärt außer dem Geschlecht.“

Kein Wort davon, dass die Gewalt in Partnerschaften fast 50:50 gleichverteilt ist, kein Wort davon, dass Männer bei allen Gewaltdelikten außerhalb von sexueller Gewalt den weitaus größeren Anteil an den Opfern haben. Es lohnt eigentlich nicht, darauf weiter einzugehen. Nur der Hinweis noch, dass Bloggerin „breakpoint AKA Anne Nühm“ schon eine kleine Erwiderung geschrieben hat.

3: Wenn allerdings z.B. die Polizei von New South Wales (Australien) sich erlaubt, mit einer Kampagne darauf hinzuweisen, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt werden, führt das zu Protesten, die Kampagne passe gerade nicht in die Zeit, weil es eben einen Mord gab, bei dem eine Lelia Alavi in Sydney von ihrem Mann Mokthar Hosseiniamrae getötet wurde. Außerdem habe es unter dem Facebook-Beitrag der Polizei einige beleidigende und unangemessene Kommentare gegen Frauen gegeben, die nicht gelöscht wurden, wie z.B.

If a girl can throw a punch, she can take one

Oh mein Gott, ein Mann, der tatsächlich glaubt, er dürfe zurück schlagen, wenn eine Frau ihn schlägt. Was für ein Monster!

4: Wo wir gerade bei Doppelmoral sind: Von Jouwatch gibt es ein schönes Beispiel zum Unterschied zwischen gutem und schlechtem Sexismus.

5: Mal etwas spaßiges zwischendurch: Wieder bröselt ein feministisches Vorurteil, nämlich die Behauptung, diese widerlichen Männer würden so massiv auf Gewalt-Pornos stehen. Tatsächlich stellen Frauen die weit größere Gruppe derer, die im Netz nach Pornos mit Gewaltdarstellungen (gegen Frauen!) oder zumindest hartem, ruppigen Sex suchen. Und das wohlgemerkt in allen Ländern der Welt gleichermaßen, ganz egal, wie dort der Status der Frauen und ihre Rechte sind. Und die Quelle? Man glaubt es kaum: Google und deren Auswertung nach Suchbegriffen. Der Daily Caller berichtet.

Der Artikel enthält noch ein paar andere Erkenntnisse über merkwürdige Sex-Vorlieben. In Indien stehen viele Männer darauf, mit Muttermilch gesäugt zu werden. Und in Japan gehört für viele Kitzeln zum Liebesspiel dazu. Allerdings sagt der Autor, der das herausgefunden hat:

The author says calling these preferences “weird” isn’t the correct response. “The data from porn tells us that everybody is weird,” he said. “Thus, nobody is weird.”

6: Und hier eine der Blüten, die Gendern inzwischen treibt:

Inzwischen werden Männer anscheinend eher so „mitgemeint“.

7: Ein Hinweis auf zwei Artikel, die leider hinter einer Zahlgrenze versteckt sind: In der Welt gibt es ein Interview mit Walter Hollstein mit dem Titel „Das vernachlässigte Geschlecht ist – der Mann“ und in der Weltwoche schreibt Harald Martenstein über Sexismus mit dem Titel „Der Mann, das Triebwesen“. Martensteins Beitrag habe ich in der Printausgabe gelesen. Lesenswert. Letztlich geht es darum, dass unter den notorischen Sexismus-Anklagen heutiger Tage die alte Prüderie wiederkehrt und damit die sexuelle Befreiung rückabgewickelt wird. Was auch zu den alten Doppelmoralitäten führt, denn unter der offiziellen Oberfläche der Wohlanständigkeit wird es getrieben wie eh und je. Und Martenstein plädiert für die Rehabilitierung des Begehrens als eine legitime Motivation, auch in seiner unerwiderten Variante.

Update: Genderama meldet, dass der WELT-Artikel mit dem Hollstein-Interview unter anderem Titel inzwischen frei verfügbar ist.

8: Zwei Beiträge, die sich kritisch mit der „Ehe für alle“ auseinandersetzen. Bei Novo Argumente sieht Thilo Spahl die Entscheidung des Bundestags nicht als Antidiskriminierungserfolg, sondern als Sieg des Konsumismus. Sein Kernpunkt:

Die traditionelle Ehe ist in einer Zeit, in der die freie Wahl von Lebensformen und -stilen und Identitäten dominierendes Ideologem geworden ist, ein Fremdkörper. Sie ist eine Lebensform, die nicht allen offensteht, die nicht käuflich ist. Mit dieser prinzipiellen Exklusivität verweigert sich die traditionelle Ehe dem Warencharakter. In der Konsumgesellschaft ist jedoch etwas, das man haben will, aber nicht haben kann, ein Sakrileg, das nicht geduldet werden kann.

Und sein Fazit:

Der Hype um die Ehe für Alle zeigt vor allem eins: dass die Institution der Ehe an Bedeutung verloren hat. Die Ehe hat an Kraft verloren. Sie ist weniger eine Lebensform als ein beim Staat zu beantragender Status. Das mag man beklagen oder gutheißen. Es heißt aber, dass das, was viele als Kampf um Gleichberechtigung interpretieren, nur ein Statusgerangel ist.

Der zweite ist ein Interview mit Prof. Ulrich Kutschera, der sich aus evolutionsbiologischer Sicht über die „Ehe für alle“ auslässt, und das auch noch bei kath.net. Und er lässt auch wieder ein paar garantiert politisch unkorrekte Hämmer vom Stapel. Zu sagen, dass Schwule und Lesben mehr zu Pädophilie neigen als Heteros, und dass deswegen eine Volladoption eine Horrorvorstellung ist, dürfte eines der größten Tabus derzeit sein. Da geht sogar jede, selbst abseitige Islamkritik noch eher. Nur: Kutschera ist habilitierter Biologe und hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt. Soweit ich ihn bisher erlebt habe, stellt er solche Behauptungen nicht auf, ohne entsprechende Studien und Zahlen dafür vorweisen zu können.

Bevor jetzt wieder wer was unterstellt: Ich bin eher Befürworter der Homo-Ehe. Bis auf die Möglichkeit der Fremdadoption, die ich eher kritisch sehe, spricht für mich eigentlich nichts dagegen. So ganz habe ich mir noch keine Meinung gebildet, bis auf die, dass die Diskussion darüber unsäglich flach ist.

9: Auf der Seite Gender-Diskurs rezensiert Dr. Alexander Ulfig Axel Meyers Buch „Adams Apfel und Evas Erbe“, der genauso wie Ulrich Kutschera die Gender Studies aus biologischer Sicht kritisiert.

10: Zum Schluss ein Ausflug ins Boulevard. Für Boris Becker kommt es derzeit ja richtig knüppeldick. Erst erklärte ihn ein Gericht in London für zahlungsunfähig, dann forderte ein ehemaliger Geschäftspartner aus der Schweiz 40 Millionen Franken von ihm zurück. Und jetzt deutet auch noch seine Frau eine Ehekrise an. Und was hat das ausgelöst?

In der Folge vom Donnerstag, die um 20.15 Uhr auf ProSieben ausgestrahlt wird, spricht sie sogar von Scheidung. Denn Boris Becker hatte sich geweigert, seiner Frau einen Videogruß in die Show zu schicken.

„Alle haben eine Nachricht bekommen, nur ich nicht. Und alles war im Fernsehen. Alle haben gesehen, wie enttäuscht ich war“, klagt Lilly Becker ihrer Kollegin Nadine Angerer das Leid. Und als diese sie fragt, ob sie sich jemals von ihm scheiden lassen würde, antwortet Lilly: „Ich weiß nicht. Sag niemals nie.“

Eine verpasste Videobotschaft! Na wenn das mal kein veritabler Scheidungsgrund ist. Immerhin war sie jetzt lange genug mit ihm verheiratet, um entsprechenden Unterhalt einzufordern. Doch halt, Lilly, ist er nicht eh gerade pleite und da ist gar nichts zu holen? Oder ist das vielleicht der eigentliche Scheidungsgrund? Wir wissen es nicht. Mal abwarten…

Kurznachrichten vom 05.07.2017

1: Nach der Einführung der Homo-Ehe (vulgo „Ehe für alle“) plant Justizminister Heiko Maas auch gleich noch eine Änderung des Abstammungsrechts. Die SZ, die ZEIT und die FAZ berichten darüber.

Die wesentlichen Änderungen aus meiner Sicht:

  • Die Samenspende darf nicht mehr anonym sein, damit Kinder ihre leiblichen Väter finden können
  • Im Gegenzug sollen Samenspender fortan vor möglichen Vaterschaftsklagen sicher sein und demzufolge keine Unterhaltsforderungen befürchten müssen
  • Der Begriff „Abstammung“ wird beseitigt zu Gunsten des Begriffs „rechtliche Eltern-Kind-Zuordnung“
  • Bei lesbischen Paaren wird bei Verpartnerung oder Heirat die nicht gebärende zweite Frau automatisch „Mit-Mutter“
  • Vater kann auch der werden, der in die Fortpflanzung per Samenspende seiner Partnerin zugestimmt hat.
  • Vater kann auch der werden, der mit einer anderweitig verheirateten Frau ein Kind bekommt, allerdings nur mit Einvernehmen aller drei Beteiligten

Väter bekommen weiterhin keine erweiterten Rechte, um herauszufinden, ob Kinder tatsächlich ihre leiblichen sind. Daran ändert sich leider gar nichts.

Es gibt auch bereits einen Kommentar auf dem maskulistischen Blog emmanzer. Er argumentiert, dass schwule Männer gegenüber lesbischen Frauen benachteiligt werden, weil Samenspende weiterhin erlaubt ist, Leihmutterschaft dagegen nicht.

2: Thematisch passend: Britische Ärzte wollen Männern Gebärmuttern einpflanzen, damit auch Transfrauen eine Geburt erleben können.

3: Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Bei der Edition F, ansonsten einem stramm feministischen Blog, ist ein männerfreundlicher Artikel von Mira Eggerstedt mit dem Titel „Nicht ohne meine Kumpels: Warum Männer manchmal die besseren Freunde sind“ erschienen. Die Blogs uepsilonniks und asemann haben sich des Themas schon angenommen.

Stutzig macht, dass der Artikel bislang noch keinen einzigen Kommentar darunter verzeichnen kann. Entweder ist die Kommentierung ausgeschaltet und der Button dafür dennoch sichtbar (für den Blog muss man sich anmelden, das war mir jetzt zuviel des Aufwands) oder die sonst dort kommentierenden Feministinnen sind noch dabei, ihre Schocks und seelischen Verletzungen zu überwinden.

4: Über das tragische Ende einer Liebe wird hier in drei aussagekräftigen Bildern berichtet. Fefe würde dazu sagen: Das hat doch nun wirklich niemand vorausahnen können!

5: Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis reiner Frauen-Paradiese kann man an der Entwicklung des Freiburger Frauenbads anschaulich verfolgen. Nachdem es dort zu ständigen Streitereien kam und die Bademeisterinnen dieser (im wahrsten Sinne des Wortes) nicht mehr Herr wurden, gibt es dort zum Unwillen muslimischer Gäste jetzt wieder männliche Bademeister.

6: Ein 18-jähriger zeigt eine Prostituierte an, weil er sich um die versprochene Leistung geprellt fühlt. Die Kommentare unter dem Artikel und auch bei Facebook sind voll der Häme über den jungen Mann. Ich dagegen finde den Schritt des jungen Mannes bewundernswert. Sich aus der Anonymität heraustrauen, sich der Häme des Publikums angreifbar zu machen, um sich gegen Abzocke und Ausbeutung durch eine Prostituierte zu wehren, dazu gehört schon einiges. Das Prostituiertengesetz gesteht den Frauen ein Recht auf den versprochenen Lohn zu, im Gegenzug ist es nur recht und billig, dass den Freiern ein Recht auf die versprochene Leistung zusteht.

7: Zum Ende der Sektion über die toxische Weiblichkeit ein von Milo Yiannopoulos veröffentlichtes Video, die bei der Polizei anruft, um sich über ihren angeblich in diesem Moment sie prügelnden Mann zu beschweren. Dummerweise wurde sie selbst dabei gefilmt:

8: Eine muslimische Justizanwärterin, die durchsetzen wollte, auch vor Gericht ein Kopftuch tragen zu können, scheiterte mit ihrem Eilantrag vor dem Bundesverfassungsgericht.

9: Auf schlaglichter.at beschäftigt sich ein Artikel mit muslimischen „Muttersöhnchen“. Zur Gänze lesenswert und auch an einigen Stellen sehr erhellend.

Nancy Kobrin, eine Psychoanalytikerin, die Polizeieinheiten in den USA trainiert, beschrieb schon 2010 in ihrem Buch The Banality of Suicide Bombers, dass theologische und ökonomische Erklärungsversuche über Gründe und Ursachen des Verhaltens von islamischen Terroristen und Selbstmordattentätern keine Erklärungen bieten. [..]

Sie sieht das Problem in der ‚muslemischen Mutter’, die ihre Söhne nie erwachsen werden lässt. Der islamische Selbstmord-Terrorismus sei die Fortsetzung der häuslichen Gewalt, die allerdings von den Frauen ausginge und eine Verlängerung der gestörten Mutter-Sohn-Beziehung sei. […]

Scheitern in der Leistungsgesellschaft

Ein späteres Scheitern in der modernen, westlichen Konkurrenzgesellschaft sei damit vorprogrammiert, da keinerlei Leistung in der Familie gefordert werde. Selbst wenn sie in der Schule versagen, sind meist die weiblichen ‚westlichen’ Lehrkräfte Schuld, diese ‚ungläubigen Schlampen’, die kein Recht hätten, ihre Söhne zu kritisieren. Oder überhaupt der Westen, der von Rassisten regiert werde. Den Buben werden nie Vorwürfe gemacht, Schuld haben immer die anderen. Eine aktive Rolle der Eltern, ihre Söhne zu Eigenverantwortung und Pflichtbewusstsein zu erziehen, existiere nicht.

Muslimische Frauen, die meist früh heiraten und sehr jung Mütter werden, würden den Druck auf ihre Töchter weitergeben, während der männliche Nachwuchs unter paradiesischen Zuständen aufwächst. Söhne können Drogen verkaufen, (nicht-muslimische) Frauen vergewaltigen, sich betrinken und gewalttätig sein, das sei kein Problem für die Eltern.

Dies alles schade nicht der Familienehre, solange die Jungfräulichkeit der Töchter erhalten bleibe. Nur das ‚falsche’ Verhalten der Töchter bedeute eine Gefahr für die Ehre der Familie. Darauf reagieren Mütter, Väter und auch Brüder gemeinsam mit Aggression und Gewalt gegen die Töchter. Ehrenmorde gibt es in Familien, wenn Töchter sich weigern, die Bekleidungsregeln zu respektieren, einen Ungläubigen als Freund wählen, sich außerhalb der Religion vermählen wollen oder auch nur der Verdacht aufkommt, dass sie vor der Hochzeit sexuellen Verkehr hätten. Kriminelle Söhne wie Vergewaltiger, Mörder und Diebe stellen keine Gefahr für die Ehre einer moslemischen Familie dar. Sie bleiben ewig die Helden ihrer Mütter, auch dann, wenn sie als Attentäter für den Tod Dutzender Unschuldiger verantwortlich sind. […]

Das traditionelle Männerbild widerspricht der Realität in den muslimischen Familien. Der ‚männliche’ Mann wird sowohl von seiner Mutter als auch später von seiner Partnerin in einer Kind-Position gehalten, die später zum Rückzug ins ‚arabische Männercafe’ führt oder zu aggressiven Phantasien. Doch auch als angeblich mutige Terroristen suchen sie ängstlich den ‚einfachsten’ Weg, stellen sich nicht einer Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Männern, sondern töten bewusst wehrlose Menschen, die völlig unvorbereitet auf ihre Attacken sind.

Aus dieser Sicht betrachtet, sind auch junge muslimische Männer auf ihre Weise Opfer.

Noch mehr Kurznachrichten

In Ergänzung zu Aranxos heutigen Kurznachrichten

  1. Anne Wizorek zieht in der ZEIT über Kohl und seine Familie her

Die Femi-Bloggerin und Aktivistin Anne Wizorek (#aufschrei) mault in einem Helmut-Kohl-Gedenkbeitrag bei ZOn über den „Patriarchen“ Kohl und seine arme unterdrückte Ehefrau. Wizorek:

Mittlerweile verbinde ich den Namen Helmut Kohl auch mit dem veralteten Geschlechterbild eines Patriarchen, der nur für die Arbeit lebt, und dessen Frau alles Familiäre mit einem Lächeln auffängt – während sie hinter verschlossener Tür darunter leidet.

Als Beleg für Kohls „veraltetes Geschlechterbild“, unter dem seine Frau angeblich zu leiden gehabt hätte, führt sie an, dass sie mal eine Satiresendung gesehen hatte, in der Kohl Kreuzworträtsel löst (ich hab’s auch nicht verstanden). Mehr Begründung für diese Respektlosigkeit Kohl und seiner Frau gegenüber gibt’s von Wizorek nicht.

Kleines Bonbon dabei: ZOn kontrolliert alle Kommentare zu ebendiesem Artikel besonders streng mit der Begründung:

Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden.

Ah ja, aber feministische Pietätlosigkeit ist natürlich kein Ding, denn sowas ist ja fortschrittlich.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-06/erinnerungen-helmut-kohl-ddr-wiedervereinigung/komplettansicht#kondolenzbuch-kommentare-info-1-tab

Die Politisierung von Kohls Familie hat übrigens Tradition. Wikipedia listet einige Beispiele für Schmutzkampagnen und Sippenhaft gegen Hannelore Kohl auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hannelore_Kohl#Ehe_mit_Helmut_Kohl

 

2. Grüne werden Koalition 2017 von Homo-Ehe abhängig machen

Eine Nebensächlichkeit spaltet die Menschheit: Das Thema Homoehe ist für manche Leute so wahnsinnig wichtig, dass die Grünen angekündigt haben, nach der kommenden BT-Wahl mit keiner Partei zu koalieren, die die Homoehe nicht akzepiert. Das betrifft insbesondere die CDU, die gegen die „Ehe für alle“ ist.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-06/buendnis-90-gruenen-bundestagswahl-ehe-fuer-alle-wahlprogramm

Man mag für die Öffnung der Ehe sein, ich persönlich habe damit auch kein Problem, aber die Regierungsfähigkeit des Landes von so einem Pipifax abhängig zu machen ist nicht nur affig, sondern kann auch unangenehm werden. Man stelle sich mal vor, alle Parteien würden sich so verhalten. Könnte es dann zu Koalitionen kommen?

Oder ist die Homoehe gar kein Pipifax sondern wirklich eine der wichtigsten politischen Fragen der Gegenwart? Jein. Nüchtern betrachtet ist die Frage relativ unwichtig, denn die bestehende „eingetragene Lebenspartnerschaft“ hat einen ähnlichen Status wie die Ehe und die Aufwertung zur echten Ehe verändert nicht so viel. Allerdings ist die Homoehe für die neue queer-feministische Linke eines der wichtigsten Identitätsmerkmale. Wer sie verweigert, der muss zur falschen Seite gehören und ist unwählbar – so denken einige Grün-Wähler anscheinend. Da nun aber die Grünen nicht mehr die einzige Partei sind, die sich für die Homoehe einsetzen, müssen sie noch einen nachsetzen um sich besonders entschlossen und queer und fortschrittlich zu geben. Die Entscheidung der Grünen (bei der Volker Beck treibende Kraft war) ist daher vor allem Symbolpolitik für Watte-gepackte queer-vernarrte Politikverweigerer.

 

3. Lesbische Grüße an die EU?

Ein ganz ähnliches Thema wie grad eben: Serbien hat einen neuen Premier: weiblich, lesbisch, irgendwie liberal und proeuropäisch und unsere Leitmedien sind begeistert. Sie ist zwar leider nicht auch noch schwarz und behindert aber immerhin: Ana Brnabić – eine Lesbe als Regierungschefin des orthodoxen Serbien! Das ist in der Tat etwas verwunderlich, da die serbisch-orthodoxe Kirche sich gegen Brnabić ausgesprochen hat, aber trotzdem ist mir etwas aufgestoßen, wie ihre Sexualität bei z.B. SpOn und ZOn in den Vordergrund gezerrt wird. Doch ein Grund mehr, um den Vorgang kritisch zu betrachten. Spiegel schreibt den vielsagenden Satz:

[…] schließlich steckt hinter Brnabics Nominierung  als Regierungschefin [durch Präsident Vucic, nicht durch das serbische Volk] auch das Signal an die Europäische Union, dass Serbien einen pro-westlichen, pro-europäischen Weg verfolgt – und keinen eher pro-russischen […]

Das bezog sich darauf, dass Brnabić wirtschaftsliberal und proeuropäisch ist, doch der Schluss liegt nahe, dass dasselbe Prizip auch für die Frage nach der Sexualität gilt. Serbien unter Präsident Vucic möchte der EU beitreten. Brnabic ist dem Präsidenten anscheinend sehr hörig und politisch sehr unerfahren – sprich: die perfekte Marionette, was auch bei SpOn und ZOn angesprochen wird. Dass sie durch ihre Sexualität bei der Diversity-begeisterten europäischen Öffentlichkeit gut ankommt, war möglicherweise ein von Präsident Vucic einkalkulierter Schachzug: „Schaut mal wie modern wir sind! Scheißt doch drauf, dass wir hier ein Demokratiedefizit und eine schwache Wirtschaft haben – wir haben eine Lesbe! Das habt noch nicht mal ihr.“ Mag sein, dass es nur ein Zufall ist, dass die Dame lesbisch ist. Ich halte es aber für gut möglich, dass hier die Sexualität politisch instrumentalisiert wurde.

 

4. Maas steht zu Netz-DG, stellt aber Änderungen in Aussicht

Kleines Update bei der ZEIT zum geplanten Meinungsmanagement unseres „Justiz“-Ministers. Wer es nicht kennt: Heiko Maas (SPD) will soziale Netzwerke (FB, Twitter, Youtube..) dazu verpflichten, „Hatespeech“ und „Fakenews“, die von Nutzern gepostet werden, sofort zu löschen. Und zwar ohne Gericht, Staatsanwalt und diesem ganzen anderen neumodischen Rechtsstaatsgedöns. Wenn die Seitenbetreiber nicht spuren, können sie satte Strafen zahlen. Welche Aussagen strafwürdig sind und welche nicht, dürfen sie dabei selbst entscheiden. Autoritäre Feministen und sonstige Sprachpolizisten jubeln und liberale Bürgerrechtler sind entsetzt, denn die Folge könnten historische Eingriffe in die freie Debattenkultur im Netz sein, da die Sozialen Netzwerke vorsichtshalber lieber 10 000 Kommentare zu viel als 10 zu wenig löschen werden. Zum Update und zur neuen Rechtfertigung von Maas habe ich allerdings nicht mehr zu zu sagen, als schon bei der ZEIT geschrieben wurde:

http://www.zeit.de/digital/internet/2017-06/hasskommentare-netzwerkdurchsetzungsgesetz-netzdg-aenderungen/komplettansicht

Ein interessantes aber schon älteres Interview zu dem Thema mit Renate Künast (Grüne) gibt’s hier. Dort sieht man, wie Leute die eine solche Form der Zensur durch die Hintertür wollen, denken. Künast geht Maas Vorhaben nämlich noch nicht weit genug, da es „nur“ strafbare Inhalte unter Strafe stellen will aber legale „Hatespeech“ einfach so unangetastet bleiben soll. Im Ernst.

 

5. Weitere interessante Kurznachrichten bei Genderama. Denn, heute ist der 17. Juni, der Kurznachrichtentag! der Tag an dem sich mutige DDR-Bürger mit Kurznachrichten gegen sowjetische Panzer gestellt haben, die ihnen Stalins Gendermainstreaming aufzwingen wollten 😉

In Gedenken der Helden des 17. Juni 1953. Menschen wie euch braucht die Welt!

Kurznachrichten vom 17.06.2017

1: Bei der WELT gibt es eine Besprechung der Netflix-Serie „Flaked“  mit dem Titel „Das halten Frauen von diesem neuen Typ Mann“. Der „neue Typ Mann“, der in der Serie gezeigt wird, ist der „Narcissist Loser“, also der Typ, der sich auch, obwohl längst der Jugend entwachsen, auf nichts festlegen will, und und stattdessen ohne Job in den Tag hinein lebt. Die Autorin Anne Philippi beschreibt ihn so:

Er hat keine Verwendung für seine Krise, er hat einfach nur eine Krise und wühlt in seinem „deep shit“, eine flapsige Formulierung für psychische Störungen à la L.A. Der „Narcissist Loser“ kann zum Beispiel ganz gut Möbel bauen, aber er macht es nicht. (Weil er ja eine Krise hat.) Er fährt mit seinem Beach Bike zu AA Meetings und wieder zurück. Dazwischen: Drama mit Freundin/Ex-Frau und Kampf mit gentrifiziertem Barista-Mann. Das ist sein Leben.

Philippi schließt dann mit dem Fazit:

Ich habe von „Flaked“ alle Folgen geschaut und empfand ein amüsantes Mitleid für Chip. Ein Gefühl, welches der „Narcissist Loser“ in Frauen auslöst. Achtung Männer, es ist kein gutes Gefühl.

Also Jungs, ihr habts gehört: Hört endlich auf mit dem rumhängen! Sucht Euch endlich eine Frau, für die Ihr Euch nützlich machen könnt! Rein in die Tretmühle, Karriere machen, Häuschen bauen, damit sie sich ohne finanzielle Sorgen in Ruhe selbstverwirklichen und sich bei den Latte-Macciato-Freundinnen – während die Kinder in der Ganztags-Kita outgesourced sind – darüber beschweren kann, dass er so wenig da ist und dann nicht mal 50% vom Haushalt macht. Und wenn er langweilig geworden ist, wird er gegen den nächsten kunstsinnigen Beau ausgetauscht. Kinder und Haus bleiben bei ihr, er darf das weiter finanzieren, ohne nochmal was davon zu haben. Die nächste Frau, die er abkriegt, rätselt dann über seine „Bindungsunfähigkeit“. Sind das etwa keine traumhaften Aussichten, das Loser-Dasein endlich abzustreifen?

2: Comedian Oliver Pocher lästert in seiner Show „Global Gladiators“ allgemein über seine Ex-Frauen und beschwert sich darüber, dass Alessandra Meyer-Wölden, Ex-Frau und Mutter der drei gemeinsamen Kinder, mal eben in die USA gezogen ist, er seine Kinder kaum noch sieht, aber dennoch 660 Euro Unterhalt pro Kind zahlen muss. Die Kommentatorin der WELT, Claudia Becker, findet das gar nicht gut. Zumindest das öffentliche Lästern von Pocher. Und Sharlely „Lilly“ Becker, Ehefrau von Boris Becker, die in der Show ebenfalls mitwirkt, meint zu den 660 Euro:

„Das ist ein Dinner“, sagte Lilly, und meinte vermutlich, dass das doch nicht so viel Geld sei.

Außerdem meint Lilly noch:

Ohne Kindermädchen […] ginge bei ihr gar nichts. Sie bräuchte eine Fulltime-Nanny, weil, alleine mit Amadeus sei ja „absolut keine Zeit für mich selbst“ da.

Ja, wenn man Ehefrau von Boris Becker ist, sieht die Welt eben ganz anders aus.

Einerseits hält sich mein Mitleid mit dem Holzkopf Pocher eher in Grenzen. Andererseits, warum sollte man nicht auch mal in einer solchen Show das Thema getrennte Väter und die Anspruchshaltung von Frauen, die Kinder hätten wie selbstverständlich bei ihnen zu sein, ansprechen? Man muss es ja nicht unbedingt im Stil von Pocher tun. Und: wieviele Promi-Frauen habe ich in Fernsehen schon über ihre Ex-Männer lästern hören, ohne dass sich eine Redakteurin bemüßigt gefühlt hat, dieses zu tadeln?

Kurznachrichten vom 09.06.2017

1: Tamara Wernli beschäftigt sich zum zweiten Mal in der Basler Zeitung mit „Toxischer Männlichkeit„, nachdem eine Studie herausgefunden hat, dass Frauen mit männlicheren Partnern zufriedener sind.

Das von Studienleiterin Andrea L. Meltzer auf zwölf Seiten dargelegte Resultat offenbart, dass Frauen mit Ehemännern, die sich selbst anhand ihres Verhaltens als männlich einstufen, um den Eisprung herum zufriedener mit ihren Partnern sind als Frauen mit weniger maskulinen Ehemännern.

Wernli meint dazu:

Die Tatsache, dass wir Frauen ausgerechnet während unserer biologisch wertvollsten Zeit – dann, wenn wir nichts weniger tun, als den Fortbestand der Menschheit zu sichern – mit maskulinen Partnern zufriedener sind als mit verweichlichten, lammfrommen Stubentigern, dürfte sich für «Gender Studies»-Professoren anfühlen wie eine zu eng gebundene Fliege.

Ihr erster Beitrag zum Thema von voriger Woche ist ebenfalls lesenswert.

2: Ebenfalls ein Beitrag zur Verteidigung von wohlverstandener Männlichkeit kommt von Ben Shapiro:

But boys want to become men; men want to be men. As Christina Hoff Sommers points out: “Most boys evince healthy masculinity. . . . telling a boy to ‘man up’ can be harsh and degrading. But teaching him to ‘be a gentleman’ is another matter.”

If men are not told to be “gentlemen,” some will be emasculated, but more will become destructive men. If men are not trained by good men, they will be trained by bad men; if they have no good males to follow, they follow bad ones.

3: Noch eine Studie. Sie will herausgefunden haben, dass Männer – aufgepasst – auf untreue Frauen stehen. Hat das das Potential, das Weltbild von Feministinnen zu erschüttern, nach deren Lesart Männer nichts lieber tun, als Frauen im Ehejoch zu unterdrücken und eifersüchtig auf ihr sexuelles Monopol auf eine Frau pochen? Nun ja, gemach, gemach. Die Studie beruht auf einer Umfrage des Dating-Portals „Victoria Milan“, das man auch eher in die Casual Sex und Seitensprung-Schiene einsortieren dürfte. Insofern betreibt „Victoria Milan“ eventuell schlicht Werbung in eigener Sache.

Vielleicht haben da ein paar Beteiligte nicht ganz verstanden, dass es natürlich auf die Situation ankommt, in welcher Männer Untreue von Frauen gut finden und in welcher nicht. Wenn es um unverbindlichen Sex geht, ist Untreue kein Problem. Warum auch, erhöht sie doch die Chance darauf, dass es überhaupt zum Sex kommt. Geht es allerdings um eine langfristige Partnerschaft, sieht es ganz anders aus. Also einfach das gute alte Hure-Heilige-Prinzip, sprich der Versuch der Optimierung des Verhältnisses von Fortpflanzungschance im Verhältnis zum notwendigen Ressourcenaufwand. Ich weiß nicht, was daran so schwer zu verstehen ist.

4: Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) hat bei der Kundgebung zum Christopher-Street-Day in Hannover für Konservative, die Bedenken gegen die sog. „Ehe für alle“ haben, folgenden Satz übrig:

„Diese Leute sind nicht homophob, das sind einfach Arschlöcher“

Roger Letsch kommentiert das auf seinem Blog Unbesorgt.

Mit Verlaub, das ist schon nicht mehr öko- oder in dem Fall genderpopulistisch, das ist schlicht ordinär. Das sind dieselben Leute, die anschließend wieder von Verrohung der Sitten im politischen Geschäft schwafeln. Dieses Umsichwerfen mit Verbalinjurien ist aber auch bezeichnend für die Situation der Linken und Grünen. Man wähnt sich so dermaßen auf der moralisch richtigen Seite, dass man Argumentieren gar nicht mehr für nötig hält und meint, es reiche stattdessen, Andersmeinende herabzusetzen oder in die rechte Ecke zu stellen. Die letzten Wahlergebnisse zeigen allerdings, dass dieses Konzept an seine Grenzen gestoßen ist. Wenn Linke auf dieser Schiene weitermachen wollen, werden sie auf Dauer nur noch mehr Rückhalt in der Bevölkerung verlieren.

Update: Was ich eigentlich auch fragen wollte: Gilt das auch für Muslime, die die „Ehe für alle“ ablehnen, Frau Göring-Eckhardt? Ist das nicht ein wenig islamophob?

5: Hagen Grell unterhält sich in einem neuen Video mit dem Verführungscoach Maximilian Pütz, unter anderem über die Hetzjagd auf Xavier Naidoo und den Film „The Red Pill“.

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