Wie Simone Schmollack „Genderbashing“ basht

Simone Schmollack versucht heute in der taz Kritik an Gender-Mainstreaming und Gender Studies wieder einmal in die rechte Ecke zu stellen. Dabei behauptet sie unter dem Titel „Die Stunde der Phobiker“:

Kritik an der Genderforschung ist unter Konservativen in Mode. Sie wird auch benutzt, um Errungenschaften der Moderne in Frage zu stellen. […]

Seit der Rechtspopulismus zum Mainstream avanciert ist, ist Gender-Bashing groß in Mode. GleichstellungsphobikerInnen fühlen sich im Aufwind: Jetzt wird mal so richtig aufgeräumt mit dem ganzen Genderquatsch. Beatrix von Storch zum Beispiel. Die Vizechefin der AfD lässt nahezu keine Gelegenheit aus, gegen Gender-Mainstreaming zu Felde zu ziehen. Das sei eine „politische Geschlechtsumwandlung“, ziele auf die „Dekonstruktion der Geschlechter“ und diskriminiere Jungs und Männer. […]

Alles, was auch nur den Anstrich von „Gender“ hat, wird abgelehnt und verächtlich gemacht, den universitären Gender-Studies wird der wissenschaftliche Charakter abgesprochen und ideologische Voreingenommenheit unterstellt: Das Forschungsfeld sei überflüssige Frauenförderung, weil Frauen längst gleichgestellt seien.

Man muss schon taub und blind sein, um zu leugnen, dass Frauen vielfach schlechter bezahlt werden als Männer und vielfach eine miserable Rente kriegen. Dass es weniger Chefinnen als Chefs gibt, dass Teilzeitjobs vorrangig von Frauen ausgefüllt werden. Dass alltäglicher Sexismus insbesondere Frauen trifft. Macht nichts – die Gender-KritikerInnen fordern trotzdem, dass jetzt endlich mal die Männer in den politischen und wissenschaftlichen Fokus gehörten. […]

Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs. Familienförderung konzentriert sich seit Jahren gleichermaßen auf Frauen und Männer. Stichworte dafür sind: Vätermonate und Teilzeit auch für Chefs. Debatten kreisen um unterschiedliche männliche Lebensentwürfe jenseits traditioneller Heldenrollen. Das ignorieren Gender-KritikerInnen allerdings nicht nur, es ist ihnen vielmehr ein Dorn im Auge. Sie wollen vielmehr zurück zu einem konservativen Familienbegriff, der den Geschlechtern klare Rollen zuweist: Frau an den Herd, Mann raus in die Welt.

Nicht zufällig kommen viele Gender-KritikerInnen aus einem christlich-fundamentalen Lager, das Familie als die „Keimzelle“ der Gesellschaft als Gemeinschaft aus Vater, Mutter, Kind(ern) sieht. Homosexualität, Eingetragene Partnerschaft und Adoptionsrecht für Homosexuelle werden ebenso abgelehnt wie Abtreibung und Sexualerziehung in der Schule. […]

Und in jüngster Zeit veröffentlichen konservative Medien Texte, die ausführlich Gewalt gegen Männer thematisieren. Ja, es gibt Frauen, die ihre Partner schlagen. Und ja, es gibt Männer, die sich nicht wehren können. Das ist ein Problem. Das löst man aber nicht, indem man Gewalt gegen Gewalt aufrechnet und Männer zu Opfern macht. Man löst es auch nicht, indem man all die Gewalt dem Gender-Mainstreaming zuschreibt.

Das Problem löst man, in dem man Gender-Forscherinnen in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt.

Das einzig positive im Artikel ist der Satz:

In der FAZ ist ein Text über die erstarkende Männerrechtsbewegung überschrieben mit „Das vernachlässigte Geschlecht“.

Aber holla: Das ist doch mal eine gute Nachricht, wenn selbst Simone Schmollack konstatieren muss, dass unsere Bewegung am Erstarken ist!

Ich habe dazu einen längeren Kommentar geschrieben, der noch nicht freigeschaltet ist, aber vorsorglich werde diesen auch gleich hier veröffentlichen:

Der übliche Artikel nach dem Motto: Männer, haltet einfach die Schnauze und überlasst die Geschlechterpolitik weiter nur den Frauen, speziell natürlich den Feministinnen!

Auch ansonsten dient der Artikel mehr der Vernebelung als der Aufklärung. Bei Gender-Mainstreaming geht es mitnichten nur um ein wenig Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit, sondern um die Desavouierung von männlichem Verhalten als solches. Nicht umsonst geistern da Konzepte von „Toxic Masculinity“ und „Rape Culture“ umher, und die Existenz eines Patriarchats wird nicht hinterfragt, sondern schicht vorausgesetzt.

Grundlage der Gender Studies ist das Dogma des weißen Blattes, die Behauptung, jegliches unterschiedliches Verhalten zwischen Männern und Frauen sei durch Erziehung und Sozialisation erlernt und gesellschaftlich konstruiert, während der mögliche Einfluss von Genen und Hormonen auf das Verhalten komplett geleugnet wird. Diese Annahme ist absolut konstitutiv für den Genderfeminismus, denn andernfalls müsste man zugeben, dass Männer eben nicht so einfach umzuerziehen sind, so dass sie frauenkompatibler werden, was ja letzten Endes das Ziel, zumindest eines der Ziele von Gender-Mainstreaming und Gender Studies ist. Allerdings verweigern sich die Gender Studies seit Jahren beharrlich einer neutralen Evaluation. Kein Wunder, denn dann müsste der nackte Kaiser ja seine Kleider vorzeigen.

Und natürlich müssen Kritiker wieder ins rechte Lager gesteckt werden. Nur: Der derzeit wichtigste Kritiker, Prof. Ulrich Kutschera, ist Atheist und im Beirat der säkularen Giordano-Bruno-Stiftung, also so ziemlich das genaue Gegenteil von klerikal-konservativ.

Auch andere Männerverbände ordnen sich ganz sicher nicht rechts ein, aber die Autorin muss natürlich das Menetekel Polen an die Wand malen, das ganz sicher kommen würde, wenn man tatsächlich mal Männer zu Wort kommen ließe in der Geschlechterpolitik.

Im Gegenteil, bis auf ganz wenige krude Gestalten ganz rechts hat heute kein Mann mehr etwas gegen Gleichberechtigung und flexible Rollenmodelle. Wenn sie denn flexibel bleiben und nicht das alte bisher vorherrschende Modell durch einen neuen Zwang ersetzt wird. Nur, da sollten auch die Frauen mal ihrer Privilegien bewusst werden. Wenn diese im Arbeitsleben noch teilweise bei den Männern liegen, liegen sie im Privaten, im Bereich von Familie und Kindern eindeutig auf Seiten der Frauen. Männer haben nicht dasselbe Reproduktionsrecht, Männer dürfen immer noch nicht wissen, ob die Kinder wirklich ihre eigenen sind. 90% aller Kinder werden nach der Scheidung der Frau zugesprochen, und wenn Mann Pech hat und Frau es will, sieht er sie nie wieder, muss aber trotzdem weiter Unterhalt für sie zahlen. Es geht nicht nur um ein wenig Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie die Autorin suggeriert. Es geht ganz massiv um Rechte, die Männern von Frauen vorenthalten werden.

Es soll also wieder das Eintreten für Männerrechte als „rechts“ diffamiert werden. Aber wenn sich das linke Lager nach Jahrzehnten des einseitigen Blicks auf die Bedürfnisse von Frauen nicht langsam auch mal wieder denen der Männer zuwendet, werden diese vermehrt rechts wählen. Und das will ich nicht!

Nachtrag

Noch ein Nachtrag zum meinem Kommentar: Die Autorin stellt es so dar, als ob der Vorwurf von Beatrix von Storch, bei Gender werde „Dekonstruktion der Geschlechter“ betrieben, absurd sei. Und ich dachte immer, genau das sei ein wesentlicher Inhalt von Gender Studies. Was sagen denn die Genderforscherinnen dazu?

Außerdem: Wenn die Autorin behauptet „Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs.“, dann vergisst sie zu erwähnen, das diese Projekte auf Männerseite so gut wie immer ehrenamtlich von quasi Hobbyisten auf die Beine gestellt werden, während die entsprechenden Projekte auf Frauenseite sich üppiger staatlicher Alimentierung erfreuen dürfen.

Update von 21:00 Uhr:

Nachdem von meinem dreiteiligen Kommentar nur der dritte Teil („Nachtrag“) akzeptiert wurde, und dies auch schon zehn Stunden her ist, gehe ich davon aus, dass die ersten beiden Teile nicht mehr freigeschaltet werden.

Antworten, die Anne Wizorek nicht findet

Die allseits bekannte und beliebte Feministin Anne Wizorek hat auf Broadly einen Kommentar zum Prozessausgang beim Falschbeschuldigungsverfahren gegen Gina-Lisa Lohfink verfasst. Im wesentlichen beharkt sie natürlich auch das feministische Hauptnarrativ, Lohfink sei nur aufgrund ihres Vorlebens als unglaubwürdig gebrandmarkt worden. Dabei stellt sie einige Fragen, die ihrer Ansicht nach noch offen wären. Meiner Ansicht nach sind diese längst geklärt, deswegen kann ich ihr hier auch antworten:

Warum ist es nicht relevant, dass einer der Männer in der Vergangenheit durch ähnliche Taten aufgefallen sein soll?

Wenn man zwei Absätze vorher postuliert, dass die Vergangenheit der Angeklagten Lohfink nicht relevant sein sollte, ist das eine äußerst merkwürdige Frage. Aber was bei Frauen auf gar keinen Fall sein darf, nämlich das Herumrühren im Vorleben, denn das ist ja „slut-shaming“, das geht bei Männern natürlich problemlos.

Warum wollte die Staatsanwältin diese Zeuginnen (heutige Ex-Freundinnen) erst nicht mal zu Wort kommen lassen?

Weil das, wie gesagt, nicht relevant ist. Es ging in der Verhandlung nicht darum, ob die beiden Männer Vergewaltiger sind, das wurde bereits geklärt. Es ging darum, ob Lohfink nachzuweisen ist, dass sie die Männer falschbeschuldigt hat. In dem Zusammenhang ist das Vorleben der beiden völlig uninteressant.

Warum wird insgesamt drei Frauen schlicht nicht geglaubt?

Es geht nicht darum, ob den Zeuginnen geglaubt wird oder nicht. Wenn deren mögliche Aussage irrelevant ist, ist auch die Frage nach deren Glaubwürdigkeit irrelevant. Was Lohfink selbst angeht: Weil die Fakten dagegen sprechen. Die Ungereimtheiten, die Wizorek in dem Fall beklagt, hat vor allem die Angeklagte selbst verursacht.

Wieso muss Lohfink stolze 20.000 Euro zahlen, während das unerlaubte Verbreiten des Videomaterials mit lediglich 1.350 Euro veranschlagt wurde und wie wird diese Unverhältnismäßigkeit von Strafbeträgen gerechtfertigt?

Weil sie einen ganz anderen Tagessatz zu bezahlen hat, weil sie eben deutlich mehr verdient als Pardis F., den sie durch ihre Anschuldigung arbeitslos gemacht hat. 80 Tagessätze á 250 Euro ergibt nunmal mehr als 90 Tagessätze á 15 Euro. Insofern hat der Angeklagte Pardis F. de jure sogar eine höhere Strafe hinnehmen müssen. Aber wenn man halt keine Ahnung von Strafrecht hat, vergleicht man eben nur die Endsummen. Oder man hat Ahnung, schiebt sie aber beiseite, weil sie der beabsichtigten Polemik im Weg steht.

Wieso wurde bislang nur einer der Männer für die unerlaubte Verbreitung des Videos belangt?

Weil der andere bisher ohne festen Wohnsitz war und deswegen der Strafbefehl nicht zugestellt werden konnte. Dies soll aber jetzt nachgeholt werden. Sebastian C. will sich aber im Gegensatz zu Pardis F. gegen den Strafbefehl wehren. Wenn man die Sache ein wenig verfolgt hat, hätte man das längst mitkriegen können, weil das in quasi jedem zweiten Artikel zum Fall stand.

Warum wurde nur der Einfluss durch K.O.-Tropfen in Betracht gezogen, wenn unterschiedliche Date-Rape-Substanzen auch zu unterschiedlichen Symptomen führen?

Es könnte vielleicht daran liegen, dass Lohfink exakt das behauptet hat, nämlich unter dem Einfluss von KO-Tropfen gewesen, vollkommen weggetreten und zunächst erinnerungslos gewesen zu sein. Warum sollte man etwas untersuchen, was sie den Männern gar nicht vorgeworfen hat?

Weshalb ist nicht bereits als problematisch thematisiert worden, dass hier jemand sehr offensichtlich stark betrunken war und trotzdem in eine sexuelle Situation gebracht wurde?

Wie die meisten meiner Antworten: Es ist nicht relevant, denn bei uns darf man zum Glück noch immer auch in betrunkenem Zustand seine Zustimmung zu Sex geben.

Wieso wird das Motiv, Lohfink wollte einfach nur mal wieder in die Medien, nicht hinterfragt, wenn sie noch nicht mal wollte, dass das Video der vermeintlichen Tatnacht verbreitet wird—etwas, dem immerhin schon durchs Gericht stattgegeben wurde?

Ach Anne, Logik ist nicht so Deine Stärke, oder? Dass man nicht will, mit einem negativen Image (als „Schlampe“ in einem halbseidenen Porno-Dreh) in die Öffentlichkeit zu kommen, schließt natürlich vollkommen mit aus, dass man mit einem positiven Image in die Öffentlichkeit will, z.B. Mitleid erheischendes Opfer einer Vergewaltigung, und wenn das halt nicht klappt, dann eben immer noch als Opfer der Justiz. Gut, dass sie das wirklich mit Absicht inszeniert hat, glaube ich jetzt auch nicht unbedingt. Aber unplausibel ist es deswegen noch lange nicht.

[Der Richterin] Fazit lautete daher: Gina-Lisa Lohfink habe lediglich PR in eigener Sache betreiben wollen. Aber was für eine PR soll das bitte sein?

Wie gesagt, als armes Opfer hat man derzeit extrem viel Anspruch auf Mitleid und Empathie, um den ausgelutschen Begriff mal zu verwenden. Darum kämpft Ihr doch unermüdlich. Auch wenn man es anfangs vielleicht nicht darauf abgesehen hat, warum sollte man es denn verpassen, wenn man sich unter die Reihen der Opfer mischen kann, wenn sich die Gelegenheit bietet, und es einem eine Menge Leute anbieten?

Wie grotesk ist es außerdem, dass nun gerade Medienmenschen Gina-Lisa Lohfink auch noch einen daraus Vorwurf machen, weil diese mit Medien geredet hat?

Grotesk ist an der Sache nur, dass Lohfink sich zwar mit allen Medien offenherzig über ihren Fall und dessen angebliche Geschehnisse austauscht, aber ausgerechnet im Gerichtssaal, da wo es darauf an käme, sich extrem zugeknöpft gibt. Nur das werfen ihr Medienvertreter vor. Wer sonst bitte sollte das tun, wenn nicht Journalisten?

Weiter wird behauptet, die Debatte wäre durchaus richtig, nur der Fall von Gina-Lisa Lohfink als Aufhänger nicht. Dabei wollen diejenigen, die solche Thesen aufstellen, die Debatte rund um Sexismus und sexualisierte Gewalt sonst oft gar nicht erst führen. Geschweige denn, dass sie diejenigen wären, die unermüdlich sexualisierte Gewalt als gesellschaftliches Problem auf die Agenda setzten.

Nun, doch, wir wollen diese Debatte durchaus führen. Allerdings nicht nach den Regeln, wie sie uns Feministinnen vorschreiben wollen, also unter Ausblendung von männlichen Opfern und weiblichen Täterinnen, mit von Vorurteilen behafteten Studien, die noch dazu grotesk missinterpretiert werden, mit aus der Luft gegriffenen Dunkelziffern und mit Denkverboten. Wenn man der Ansicht ist, dass die sogenannte Debatte eh schon mit extremer Hysterie und Alarmismus geführt wird, und dass es nötig ist, diese abzukühlen, dann kann es schon mal so aussehen, als ob man sie nicht führen wollte. Das stimmt nicht, wir wollen sie nur anders führen. Sachlicher.

Der Rest von Wizoreks Traktat ist, nun ja, allenfalls querlesenswert.

Fazit:

  1. Wizorek hat anscheinend keine Ahnung von Strafrecht
  2. Mit Logik hat sie es auch nicht so
  3. Sie tut so, als ob die Frage, ob da eine Vergewaltigung stattgefunden habe, weiter offen sei
  4. Mit dem Gedanken, dass es tatsächlich eine Falschbeschuldigung gegeben haben könnte und ob diese nun strafwürdig ist, will sie sich erst gar nicht befassen

 

Das neue Sexualstrafrecht hat auch gute Seiten für Männer

Eigentlich war dieser Text als Kommentar unter diesem m.E. hervorragenden Artikel von RA Alexander Stevens gedacht. Aber da er immer länger wurde, habe ich mich entschlossen, ihn hier zu veröffentlichen:

Gesellschaftspolitisch wird sich das neue Strafrecht so auswirken, dass es genau die falschen trifft. Die Idioten, Machos, die sich für die Supermänner halten, sprich, die, die sich schon bisher eher wenig für den Willen der Frau interessiert haben, werden sich nicht abhalten lassen. Die netten Männer dagegen wird das noch mehr verunsichern, sie werden noch mehr darauf warten, bis die Frau endlich mit dem Zaunpfahl winkt. Und dann werden sich die Frauen noch mehr beschweren, dass sie immer nur an die Arschlöcher geraten, denn die sind die einzigen, von denen sie noch offensiv angebaggert werden.

Außerdem wird es wahrscheinlich eine deutliche Zunahme an Anzeigen geben. Weil Frauenberatungsstellen den Frauen jetzt mehr zuraten, das zu tun, weil es ja inzwischen leichter ist. Was für die Feministinnen dann wiederum der Beweis für ihre These der Rape Culture sein wird. Und der Ruf nach noch schärferen Regeln auf dem Fuße folgt, bis Sex endgültig wie Körperverletzung gehandhabt wird, sprich strafbar ohne vorherige schriftliche Zustimmung.

Die Frage ist allerdings, ob es bei dem Anstieg von Anzeigen auch zum Anstieg von Verurteilungen kommt. Schließlich gibt es in den meisten Fällen immer noch keine Zeugen und es steht Aussage gegen Aussage. Wenn die Richter kühlen Kopf bewahren, bedeutet das ein Stagnieren der Verurteilungen bzw. weiteres Sinken der Verurteilungsquote, was natürlich ein weiterer „Beweis“ für die „Rape Culture“ sein wird. Wenn die Richter mehr verurteilen, wird auch die Anzahl der Kollateralschäden steigen, sprich der Falschbeschuldigungen, die zu einer Verurteilung geführt haben. In beiden Fällen depremierende Aussichten. Vermutlich wird sogar beides passieren, ein Anstieg von Justizirrtümern und der weiter anschwellende Bockgesang in Sachen Rape Culture.

Ein besseres Konjunkturprogramm für das horizontale Gewerbe hätte man sich kaum einfallen lassen können. Da ist Mann wenigstens einigermaßen sicher, dass ihn die Frau hinterher nicht vor den Kadi zerrt.

Für die normalen Frauen wird es aber dünn. In ein, zwei Jahren werden wir dann von noch mehr Artikeln der Sorte „Wo sind die echten Männer geblieben? Die trauen sich ja gar nichts mehr!“ überschwemmt. Aber man kann ja mit den Freundinnen nach Italien fahren, wo es noch echte Papagallos gibt.

Ab jetzt ist Tacheles angesagt!

Tja Mädels, das habt ihr Euch selber eingebrockt. Spielchen mit Rumzieren und so tun, als sei man das anständige Mädel, ist nicht mehr. Jetzt könnt ihr Euch nicht mehr selbst belügen und so tun, als wärt Ihr ja nur verführt worden. Jetzt müsst Ihr selbst klar und deutlich sagen, was ihr wollt, und zwar von Euch aus. Damit ist dann zwar die Romantik hinüber, wenn man alles vorher verbal aushandeln muss, aber was solls, ihr wolltet es ja so.

Ach, und hat man eigentlich geklärt, wie lange ein Nein gilt, bis man es wieder versuchen darf? Eine Stunde? Für den Rest des Tages? Für den Rest des Lebens, bis die Frau von sich aus widerruft? Ich für meinen Teil würde beim ersten Nein sowieso die Finger von ihr lassen, selbst wenn ich vermute, es ist gespielt. Nur so ist man auf der sicheren Seite. Und dann konsequent warten, bis sie von sich aus kund tut, es jetzt doch zu wollen. Daran müssen sich Frauen erst noch gewöhnen, aber es bleibt Euch nichts anderes übrig, sonst wird bei dem netten Typen, den Ihr ja eigentlich wollt, eben nichts laufen, wenn Ihr ihn einmal abgewehrt habt. Von sich aus wird er es jedenfalls nicht mehr probieren.

Das heißt, vor allem eines wird eine Folge des Gesetzes sein, die Frauen gar nicht schmecken wird:  Ab jetzt sind klare Ansagen vonnöten! Männer werden von Frauen deutliche Willensbekundungen verlangen (müssen). Keine Zweideutigkeiten mehr, kein Durch-die-Blume-Gesäusel mehr, kein Lesen zwischen den Zeilen. Die weibliche Art der Kommunikation ist out, jetzt ist direkte männliche Kommunikation angesagt. Wenn sie zukünftig sagt: „Schahaatz, wir haben schon lange nicht mehr miteinander gekuschelt…“ wird er schon alleine aus rechtlichen Gründen fragen müssen: „Meinst Du jetzt Kuscheln oder Ficken?“

36 Fragen an Männer – Teil 4

Wird Zeit, dass das Drama ein Ende hat. Die letzten Fragen sind teilweise nochmal so dämlich, dass ich kaum noch Lust verspüre zu antworten. Gerade aus diesen spricht, dass es weniger darum ging, eine Diskussion anzustoßen, sondern vielmehr darum, Männer zu beschuldigen und zu beschämen. Das haben schon Adrian und auch Peter Panini festgestellt. Dennoch kann man sich damit beschäftigen, alleine schon um seinen eigenen Standpunkt zu schärfen.

Gleichberechtigung

27) Warum habt Ihr solche Angst vor der Gleichberechtigung der Geschlechter?

Angesichts der derzeitigen Rechtslage haben wir eher Angst davor, dass daraus nie was wird und stattdessen von Euch die Schere zugunsten der Frauen und zu ungunsten von uns Männern noch weiter auseinander getrieben wird (Frauenquote etc.).

28) Womit habe ich es verdient, ein geringeres Gehalt als Du zu bekommen?

Du arbeitest weniger als ich, Du suchst Dir Jobs aus, die schlechter bezahlt werden und weniger Qualifikation benötigen, Du studierst am Arbeitsmarkt vorbei, Du nimmst Dir jahrelange Kinderpausen und hast dann weniger Berufserfahrung. Damit hast Du es verdient.

29) In welcher Welt sind 77 Cent das gleiche wie ein Dollar? In welcher Welt sind 68 Cent das gleiche wie ein Dollar?

In der Welt von Leuten, die nicht rechnen können. Und Äpfel mit Birnen vergleichen.

29a) Inwiefern ist das fair?

Schon beantwortet in Frage 28

30) Warum schüchtern Dich Frauen ein, die mehr verdienen als Du? Das ist doch großartig! Mehr Geld!

Tun sie gar nicht. Ich hätte gar nichts dagegen, eine reiche Frau zu heiraten. Nur wird die sich schwerlich für mich interessieren. Dafür müsstet Ihr erstmal Eure eigenen Ansprüche auf dem Partnermarkt überdenken.

Mich nerven mehr Frauen, die irgendwelche Orchideenfächer studieren, mit grade mal 30 Jahren glauben, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und die Welt begriffen, und dann denken, sie könnten mit ihrem unnützen Abschluss in Gender Studies, Literaturwissenschaft oder Soziologie ein ähnliches Gehalt fordern wie Männer, die Informatik oder Ingenieurwissenschaften studiert haben.

31a) Warum werden Frauen mit einem Standpunkt als Zicken betrachtet…

Weil Sturheit und Kompromisslosigkeit nichts mit Standpunkt haben zu tun hat.

31b) … wenn Männer mit einem Standpunkt als “Chefs” betrachtet werden.

Wenns so einfach wäre…

32) Warum gehst Du nicht dazwischen, wenn Deine Kumpels hinter verschlossenen Türen ausfällige Witze über Frauen machen?

Fragt die, die jetzt gerade zusammen mit ihren Freundinnen in einem Video mehr als zehn Minuten über Männer hergezogen hat. Ich habe in den zehn Minuten nicht ein einziges „Hey, so schlimm ist es auch wieder nicht“ gehört.

Probier doch im nächsten Kaffeekränzchen mit Deinen Freundinnen mal folgendes: Wenn ihr mal wieder beim Lästern über Männer seid, wirf mal ein lockeres „Halt doch mal Dein Schandmaul, Du Männerfeindin!“ ein. Und erzähl uns dann, was passiert ist. Ihr wollt doch immer die besseren Menschen sein, also fangt auch mal damit an!

33) Warum hast Du solche Angst davor, Deine eigenen Privilegien anzuerkennen?

Ich weiß nicht, wovon Du redest. Du meinst die paar Privilegien, die wir als mickrigen Ausgleich haben zu den vielen Privilegien, die Frauen in unserer Gesellschaft haben? Meinetwegen, anerkannt.

33a) Es bedeutet ja nicht, dass Du ein schlechter Mensch bist. Du solltest die Privilegien lediglich anerkennen, und etwas dagegen tun.

Ja tatsächlich, ich erkenne die Privilegien von Frauen an und bemühe mich, dagegen etwas zu tun. Helft Ihr mit?

Nachdem die Fragen im Video nicht eindeutig numeriert waren, wars das jetzt schon. Ich habe mich da an Adrians Auflistung gehalten.

36 Fragen an Männer – Teil 3

Hier jetzt Teil drei. Hoffe, ich komme diesmal schneller voran. Bei dieser Gelegenheit mal Dank an Adrian für das Übersetzen der Fragen! Und der Hinweis, dass sich inzwischen auch breakpoint AKA Anne Nühm aus Sicht einer nicht-feministischen Frau an das Beantworten der Fragen gemacht hat.

Hier nochmal zur Erinnerung die Standard-Antwort:

  1. Nein, so verhalte ich mich nicht, und ich wüsste auch nicht, mich jemals so verhalten zu haben.
  2. Ich kenne auch kaum Typen, die sich so verhalten.
  3. Wo treibt Ihr die eigentlich immer auf? Trefft Ihr die nur in der Phantasie, weil ja Männer irgendwie scheiße sein müssen? Oder trefft Ihr solche Typen auch real?
  4. Kann das vielleicht an Euch liegen, dass Ihr solche Kerle geradezu anzieht?
  5. Und vor allen Dingen: Würdest Du die Frage: „Warum benimmst Du Dich entweder wie eine Schlampe oder wie ein Kleinkind?“ für beantwortenswert halten?

Öffentlicher Raum

13) Warum glaubst Du, dass es okay ist, Frauen zu belästigen oder anstößige Kommentare über sie zu machen, wenn Du das nicht gut findest, wenn es Deiner Schwester passiert?

Erstens gilt die Standard-Antwort.

Zweitens: Meine Schwester ist erwachsen, emanzipiert und fraus genug, sich um ihren eigenen Mist zu kümmern.

Drittens: Belästigung ist ein extrem schwammiger Begriff, und es ist offensichtlich auch Absicht, dass Ihr ihn so schwammig verwendet, damit Ihr alles, was Euch nicht passt, in einen Topf werfen und kriminalisieren könnt. Das geht von Grabschen an Geschlechtsteilen bis hin zu einen etwas zu langen Blick ins Dekolleté.

Die Grenze zwischen dem, was ich okay finde und was nicht, liegt ziemlich genau da, wo derzeit auch die strafrechtliche Grenze ist. D.h. Anfassen von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen geht gar nicht, und im verbalen Bereich gilt das für Beleidigung. Anfassen an anderen Stellen ist grenzwertig, das kann manchmal ok sein, auch wenn frau nicht schon explizit ihre Zustimmung signalisiert hat, aber es kann auch leicht über die Grenze gehen. Alles was ohne Berührung abläuft, also nur mit Worten, Blicken, Gesten, Tönen passiert und keine Beleidigung ist, dafür gilt: Wenn Ihr das nicht abhaben könnt, dann macht doch die Bluse zu!

Wohlgemerkt, das ist meine politische Grenze. Meine persönliche Grenze ist anders und ein ganzes Stück enger. D.h. ich enthalte mich fast immer anzüglicher Kommentare, ich bemühe mich, nicht allzu lange auf eine weibliche Brust zu glotzen, und ich bin sehr vorsichtig beim Berühren von fremden Frauen (meistens gar nicht, außer Händeschütteln).

Was aber nicht heißt, dass sich andere nicht anders verhalten dürfen und sich mehr erlauben, ohne dass das gleich strafwürdig sein sollte. Leider versteht das heute nicht mehr jeder. Es ist depremierend, dass viele Vulgärdemokraten heute denken, genau ihre Vorstellung von richtig oder falsch müsste auch so im Gesetz stehen. Wenn jeder durchsetzen könnte, dass verboten wird, was ihm nicht passt, wäre bald gar nichts mehr erlaubt.

Und viertens: Anzügliche Kommentare sind die männliche Variante des Shit-Tests. Wenn sie entspannt regiert oder sogar schlagfertig zurückfrotzelt, ist sie cool. Kriegt sie Schnappatmung und fängt an sich aufzuplustern, ist sie uncool. Ihr in dem Video – Ihr seid uncool.

14) Wie fühlt es sich an, wenn Du mich in einem Meeting unterbrichst, während ich ein Argument vorbringe?

Super. Weil die anderen im Meeting mir dann dankbar sind. (Kann es sein, dass ich grade ein wenig aggressiv werde? Ist das ein Wunder bei diesen Fragen?)

15) Warum müsst Ihr immer so breitbeinig dasitzen? Ich verstehe, Ihr habt Eier, aber ich breite meine Arme auch nicht aus, damit meine Möpse Platz haben.

Ganz einfach: Weil es bequemer ist. Ok, bei manchen Typen ist es wirklich Dominanzgetue, aber das ist nicht der Normalfall. Meistens hat es mit Dominanz oder „Raum einnehmen“, was Ihr uns gerne unterstellt, gar nichts zu tun.

Woher das kommt? Anatomie eben, Evolution. Bei uns ist das Becken schmaler als bei Euch. Das ergibt bei uns Vorteile beim Rennen, Jagen, Kämpfen, bei Euch Vorteile beim Gebären. Außerdem: Unsere Hoden sitzen außen, weil es da ein wenig kühler ist und dadurch die Spermien länger überleben. Deswegen geben wir ihnen auch mehr Freiheit. Wenn wir die Beine parallel stellen müssen, müssen wir uns dazu nicht nur anstrengen, sondern quetschen auch die Hoden ein. Das ist unangenehm bis hin zu schmerzlich.

Das passiert fast immer komplett unbewusst. So wie Ihr wahrscheinlich auch völlig unbewusst die Beine zusammen haltet oder gar übereinander schlagt. Warum? Keine Ahnung. Ich schätze, damit Eure Muschi keine Zugluft kriegt (Blasenentzündung!). Oder vielleicht weil das eine ungewollte sexuelle Aufforderung an Männer wäre.

Wenn ich es mir recht überlege, ist die letzte Erklärung auch der Grund, warum Euch das breitbeinige Sitzen bei Männern so fuchsig macht. Ihr schließt von Euch auf uns und seht überall Männer, die sich Euch penetrant sexuell anbieten, und das nervt Euch. Dabei ist es in Normalfall nicht im mindesten so gemeint. Denkt einfach das nächste Mal: Der will sich nur die Eier kühlen.

Neugier

16) Warum haben Frauen den Ruf des schwächeren Geschlechts. Wir bringen Euch auf die Welt – Wassermelonen, [gequetscht durch eine Zitrone].

Ich weiß es auch nicht, wo doch alle 4 Jahre bei Oympia diese sexy Gewichtheberinnen das Gegenteil beweisen. Ich weiß auch nicht, warum wir beim Sport immer noch nach Männlein und Weiblein trennen, gibt ja schließlich keinen Grund dafür. Und auch keinen, warum wir Euch noch die Wasserkisten in den dritten Stock schleppen sollten.

17) Warum empfindest Du es als so albern, Deine Emotionen zu zeigen? – Emotionen zu zeigen heißt, ein Mensch zu sein.

Wieder so eine Unterstellung. Nein, ich finde es nicht albern. Aber ich verwechlse das auch nicht mit Argumenten.

18) Warum willst Du mir gegenüber ständig Deine Männlichkeit unter Beweis stellen?

Gegenfrage: Warum verleugnest Du Deine Weiblichkeit?

19) Warum zur Hölle ist es nicht “ladylike” zu fluchen? Seit wann gelten Wörter als gegendert?

Fluch, soviel Du willst! Aber beschwer Dich nicht, wenn Du dann eben für ’ne Schlampe oder ein Flintenweib gehalten wirst. Erwarte nicht, für eine Lady gehalten zu werden, denn die drücken sich gepflegt aus und vermeiden Ausdrücke wie „Kackscheiße“. Auch wenn Du das ungerecht und gemein findest: Für das eigene Image ist man in der Regel selbst verantwortlich.

Aber besser ist, Du hebst Dir das Ordinär-Sein fürs Bett auf. Da mögen wir es.

20) Warum ist es Dein erster Eindruck, den Geschichten von Frauen, denen sexuelle Gewalt angetan, oder die vergewaltigt wurden, zu bezweifeln.

Wenn eine Frau wirklich vergewaltigt wurde, gilt Ihr mein volles Mitgefühl, und der Täter sollte bestraft werden. Da gibts überhaupt kein Vertun.

Aber: Es kommt ganz auf die Geschichte an. Wir haben gelernt, dass Ihr gerne mal überdramatisiert. Dieses Video ist der beste Beweis dafür. Und sagen wir es mal so: Ich kann es mir für mich selbst einfach nicht vorstellen, einer Frau solche Gewalt gegen ihren Willen anzutun. Und bei den meisten Männern, die ich kenne, auch nicht. Ich kann mir dagegen gut vorstellen, dass eine Frau lügt oder zumindest sich selbst die Wahrheit zurechtbiegt, zumal ich das schon des öfteren erlebt habe.

Aber das tut alles nichts zur Sache. Wenn so ein Vorwurf aufkommt, muss er gerichtlich geklärt werden, sonst zählt er nicht. Und zwar nach rechtsstaatlichen Regeln, nach denen gilt, dass ein Angeklagter bis zum Beweis des Gegenteils unschuldig ist. Und wenn er freigesprochen wird, ist er das endgültig.

21) Warum glaubst Du, dass eine Frau zornig ist, wenn sie ihre Periode hat?

Umgekehrt: Wir glauben, dass sie ihre Periode hat, wenn sie zornig ist. 😀

22) Warum denkst Du, dass Frauen, die Make up tragen, Etikettenschwindel betreiben?

Hmm, ist es Etikettenschwindel, wenn ein Typ Dich zum Essen einlädt, mit nem Jaguar oder Ferrari vorfährt, um Dich abzuholen, und hinterher findest Du raus, dass er die Kiste nur geliehen hat? Ist ungefähr dieselbe Liga.

22a) Wir könnten dasselbe über Deine Penisgröße sagen.

Nein. Ich hab noch nie was von Push-Up-Penishaltern gehört. Klärt mich auf, wenns das doch gibt! Aber wenn, scheinen die im Vergleich zu Wonderbras nicht so der Verkaufsrenner zu sein.

23) Warum erscheint es Euch nicht merkwürdig, dass legislative Entscheidungen darüber, was ich mit meinem Körper tun darf, von einer Gruppe alter weißer Männer entschieden wird?

Das ist nicht merkwürdig, das nennt man Demokratie. Vielleicht solltet Ihr Euch mal ein wenig mit diesem Konzept vertraut machen.

Weibliche Abgeordnete haben auch mitentschieden, als es 2012 um das Beschneidungsgesetz ging. Hat man da irgendwas von Feministinnen gehört, Frauen sollten sich da raushalten und die Entscheidung alleine den Männern überlassen? Da war gar nichts dergleichen.

Aber wenn Ihr mit der Frage auf Abtreibung anspielt: Wenn Du schwanger bist, ist Dein Körper nicht nur Dein Körper, sondern auch der Deines Kindes. Und das Kind hat auch einen Vater, der auch so seine Vorstellungen hat, was mit dem Kind geschehen soll.

23a) Habt Ihr etwa ’ne Möse?

Nein, aber nochmal: Was tut das zur Sache?

24) Warum sind Heteros so verrückt nach Lesben?

Sind wir? Wenn überhaupt, dann weil ein Dreier mit zwei Frauen zu den Standard-Phantasien von Hetero-Männern gehört. Wobei wir selbstverständlich wissen, dass die „Lesben“ in Pornos keine echten Lesben sind. Deswegen macht mich diese dämliche Getue auch nicht an.

25) Wie fühlt es sich an, eine Tritt in die Eier zu bekommen?

Wahrscheinlich so, wie wenn ein Kerl sich mit dem Ellenbogen auf Deiner Brust abstützt. Also Scheiße. Was hast Du denn gedacht?

26) Wirst es Dir jemals zu viel, ständig männlich erscheinen zu müssen?

Siehe Antwort zu Frage 1: Ich muss gar nichts. Männlichkeit bedeutet vor allen Dingen, sein eigenes Ding zu machen und sich nichts aufschwatzen zu lassen, wie man denn sein müsste. Daher kann es absolut männlich sein, sich weich zu zeigen.

Trotzdem kann es anstrengend sein. Aber grade deshalb, weil es viel anstrengender ist, gegen den Strom zu schwimmen, als irgendwelchen gesellschaftlich vorgegebenen Pseudo-Vorbildern nachzueifern.

36 Fragen an Männer – Teil 2

So, weiter gehts. Außer Adrian haben inzwischen auch Elmar und Lollipops for equality geantwortet. Und Christian hat auch schon einen Haufen Antwort-Videos gesammelt. Also stehe ich in Gefahr, hier zu wiederholen, was andere auch schon so ähnlich gesagt haben. Egal, jetzt zieh ich es durch… Ist diesmal noch länger geworden, also gibt es wohl noch mindestens zwei Teile.

Etwas grundsätzliches vorausgeschickt: Auf viele der kommenden Fragen gibt es eine Standard-Antwort:

  1. Nein, so verhalte ich mich nicht, und ich wüsste auch nicht, mich jemals so verhalten zu haben.
  2. Ich kenne auch kaum Typen, die sich so verhalten.
  3. Wo treibt Ihr die eigentlich immer auf? Trefft Ihr die nur in der Phantasie, weil ja Männer irgendwie scheiße sein müssen? Oder trefft Ihr solche Typen auch real?
  4. Kann das vielleicht an Euch liegen, dass Ihr solche Kerle geradezu anzieht?

Flirten und Daten

6) Warum glaubt Ihr, wir seien Euch verfallen, wenn wir Euch ranlassen?

Wie Adrian schon sagte: Weils oft ewig dauert, bis es soweit ist. D.h. wir gehen davon aus, dass wir bis dahin schon eine ganze Reihe von Euren Checks bestanden haben. „Verfallen“ ist eh ein viel zu großes Wort. Ich würde mal sagen, wir wissen dann, dass Ihr auf uns steht. Umgekehrt ist das ja eher weniger der Fall: Wir haben oft auch Sex mit Euch, obwohl wir gar nicht so auf Euch stehen. Das ist das, was Euch so kirre und unsicher macht. Ein Nachteil für uns (weniger Sex) wandelt sich da zum Vorteil (wenn, dann wissen wir, dass Ihr uns mögt oder zumindest halbwegs attraktiv findet).

Aber: Wir sind nicht blöd. Wir wissen auch, dass Ihr manchmal nur Sex zum Spaß haben wollt, oder weil ihr eben gerade geil seid. Und von dem Typen sonst nichts groß wollt. Aber uns stört das einfach weniger als Euch. Außer, wir sind richtig verknallt, dann tut es uns genauso weh wie Euch und wir fühlen uns genauso benutzt.

Und noch was: Wir haben mit manchen Frauen nur deswegen Sex, weil wir erst dann wirklich wissen, dass uns die Frau zu einem gewissen Grad attraktiv findet. Dann erst ziehen wir die Selbstbestätigung daraus. Ihr könnt die Selbstbestätigung schon weit vorher aus unserem Werben ziehen, deswegen habt ihr es auch weniger nötig, mit uns tatsächlich ins Bett zu gehen. Genauso wie Brad Pitt oder George Clooney, die genug von Frauen umschwärmt werden, so dass sie es sich leisten können, nur mit den tollsten was zu haben. Würden Frauen auch mehr um Männer buhlen, würden wir vielleicht weniger „wahllos“ in der Gegend rumvögeln.

6 a) In 9 von 10 Fällen möchte auch ich, dass Du (nach dem Sex) endlich gehst. Ich bin beschäftigt, ich hab Zeug zu erledigen.

Dann habt eben auch den Arsch in der Hose und sagt uns das! Glaubt mir, wir nehmen Euch das viel weniger krumm, als Ihr denkt. Meistens geht es ja ums Schlafen und Übernachten danach. Ihr habt morgen einen anstrengenden Tag und wollt Euch nicht noch darum kümmern müssen, den Kerl aus dem Bett zu werfen und ihm ein Frühstück zu kredenzen. Volles Verständnis, aber wo ist das Problem? Ein Frühstück krieg ich auch an der nächsten Tanke auf dem Weg nach Hause.

Aber warum nun sagt ihr das denn nicht? Ganz einfach: Weil Ihr trotz allem gerne ein „Ach Schatz, lass mich noch ein wenig bleiben!“ hören wollt, der Typ aber sagt: „Jupp. Kein Problem. Wir schreiben uns.“, aufsteht, sich anzieht und geht. Und das wurmt Euch dann doch.

Und wehe, ein Kerl äußert so ein Ansinnen an seine Gespielin gleich nach dem Sex. Was für ein übler Macker!

7) Warum kann ich nicht mit so vielen Leuten Sex haben, wie ich will, ohne dass dies von anderen gewertet wird?

Ähm, gleichzeitig oder nacheinander?

Und von welchen „anderen“ redest Du überhaupt? Es ist ja eins der bestgepflegtesten feministischen Mythen, Männer würden Frauen, die gerne und oft Sex haben und das auch noch mit häufig wechselnden Partnern, gerne abschätzig als Schlampen bezeichnen.

Die Wahrheit ist: Frauen werden weit mehr von anderen Frauen als Schlampe bezeichnet als von Männern. Und warum tun dies Frauen? Weil die „leichten“ Mädchen die Preise für Sex verderben. Je mehr Frauen es gibt, die Sex einfach nur gern haben, desto schwerer wird es für Frauen, die Sex als Tauschmittel einsetzen, um von Männern dafür etwas anderes zu bekommen.

Männer, zumindest in gebildeten Kreisen, trauen es sich schon lange nicht mehr, das Wort Schlampe in den Mund zu nehmen. Und wenn sie es doch tun, dann werden sie von ihren „ehrbaren“ Frauen dazu gezwungen, obwohl sie es vielleicht gar nicht so schlimm finden.

Denn es ist doch so: Männer mögen Frauen, die gerne und oft Sex haben wollen. Erstens müssen wir dann nicht so einen riesen Aufwand betreiben, um Euch rumzukriegen (zumindest glauben wir das, muss aber nicht unbedingt so sein), und zweitens stehen die Chancen gut, in der Beziehung nicht unter Sexmangel zu leiden. Den Sexmangel zu beheben ist ziemlich sicher einer der wichtigsten Gründe, überhaupt eine Beziehung einzugehen, jedenfalls für uns. Aber natürlich auch, weil wir eine von Euch so richtig, richtig, richtig mögen.

Also zusammenfassend: Wir haben damit wirklich viel weniger ein Problem als ihr glaubt. Wir begrüßen das sogar.

Ich darf mal daran erinnern: Die, die weitaus häufiger sexuelle Exklusivität einfordern, seid Ihr, nicht wir. Wenn wir aber selbst keine sexuelle Exklusivität gewähren wollen, können wir das fairerweise auch nicht von Euch einfordern. Also warum sollten wir dann ein Problem damit haben?

Allerdings gibt es natürlich eine Ausnahme: Dann, wenn wir uns wirklich verlieben, wenn es ernst wird und wir evtl. Kinder von Euch wollen. Dann wollen wir natürlich eine gewisse Sicherheit, dass die Kinder, die wir durchfüttern, auch tatsächlich von uns sind. Das wird gerne als Heilige-Hure-Komplex bezeichnet, aber im Grunde steckt da nur der durchaus rationale (nicht gleichbedeutend mit „bewusste“) Versuch der Optimierung des Verhältnisses von Fortpflanzungserfolg und dazu nötigem Ressourcenaufwand dahinter.

Und noch ein ganz wichtiger Punkt. Wir sind immer verantwortlich, Ihr nicht. Auch in Beziehungen. Das heißt, wenn die Umgebung Deiner festen Beziehung mitkriegt, dass er fremdgeht, bist Du das arme Opfer, das jedes Mitgefühl verdient hat, und er das miese Schwein. Wenn Du fremdgehst, heißt es, dass er Dich wohl vernachlässigt haben muss, sonst würdest Du es ja nicht machen. Und dass er wohl ein Weichei ist, wenn er sich die Hörner aufsetzen lässt, anstatt Dich hochkant rauszuschmeißen. Und dann wundert Ihr Euch, dass wir da ein bisschen ein Auge drauf haben?

7a) Wenn Männer das tun, werden sie beglückwünscht.

Warum sollte ich einen Mann dafür verdammen, Selbstbestätigung und Spaß zu suchen? Warum sollte ich einen Mann für etwas verdammen, was ich selbst gerne tue (oder zumindest gerne tun würde)? Es ist nun mal unser evolutionärer Auftrag, unseren Samen möglichst weit zu streuen.

Aber ich kann schon verstehen, dass Frauen keine Männer mögen, die mit zuvielen Frauen was hatten. Aber aus anderen Gründen wie wir vice versa. Ihr müsst ja auch nicht sicherstellen, dass Euer Kind auch wirklich Eures ist. Zu promiske Männer sind aus anderem Grund für Euch unattraktiv. Denn dann sieht es danach aus, dass er nicht besonders wählerisch ist. Frauen mögen Männer, die wählerisch sind, und zwar deshalb, weil nur dann es etwas besonderes ist, wenn er sie auswählt und um sie wirbt. Nur das erhöht dann auch ihren Wert. Allerdings interessieren sich Frauen auch nicht für Männer, für die sich keine andere interessiert. Dann gehen sie davon aus, dass mit dem irgendwas nicht stimmt. Denn sonst hätte er ja eine.

8) Warum hälst Du Frauen, die mit dir nach drei Tagen immer noch nicht im Bett waren, für eine Trockenpflaume, aber für eine Schlampe, wenn sie mit Dir sofort am ersten Tag ins Bett geht?

Eigentlich gilt hier die Standard-Antwort. Die Frage ist auch mehr auf die USA gemünzt, wo die Dating-Regeln wesentlich strenger sind. Nach dem dritten Date muss das noch nicht unbedingt sein, aber allzulange solltet Ihr uns auch nicht warten lassen. Denn je länger Ihr uns warten lasst, desto mehr gehen wir davon aus, dass:

  • Es längst passiert wäre, wenn Ihr Feuer und Flamme wärt. Macht ja auch keinen Sinn, dann länger zu warten. D.h. wir sind für Euch also eher Reservematerial, das sich eben mehr bemühen muss, Euch zu erobern. Keine schöne Vorstellung.
  • Ihr eh nicht auf uns steht, aber es trotzdem genießt, beflirtet oder gar ausgehalten zu werden. Also schätzen wir, dass der Aufwand vergebliche Liebesmüh ist.
  • Euch Sex nicht so wichtig ist. Oder noch schlimmer…
  • Ihr Sex kalkulierend und rationierend einsetzt

Auf all das haben wir verständlicherweise keinen Bock, weshalb wir das irgendwann abbrechen. D.h. wir melden uns einfach nicht mehr. Die einzige Alternative wäre, Euch vorzuwarnen, d.h. zu betteln oder Euch die Pistole auf die Brust setzen und zu sagen: „Wenns beim nächsten Date keinen Sex gibt, wars das wohl mit uns.“ Das wäre uncoolstes Wicht-Verhalten und eines Gentlemans nicht würdig. Deswegen sagen wir einfach gar nichts. Und verschwinden.

Und außerdem, was Ihr meistens überhaupt nicht einkalkuliert: Solange wir keinen Sex mit Euch haben, geben wir Euch auch kein Recht, von uns zu verlangen, dass wir keinen Sex mit einer anderen haben dürfen. Wer sagt denn, dass wir, solange wir um Euch werben, nicht fröhlich weiter Sex mit unserer eher unbedeutenden Dauer-Affäre haben, die wir erst dann beenden, wenn wir endlich Sex mit Euch haben? Wir werden Euch das natürlich nicht auf die Nase binden, denn wir sind der Meinung, dass Euch das auch gar nichts angeht, solange wir keinen Sex mit Euch haben. Wenn ihr also verhindern wollt, dass wir Sex mit einer anderen haben, habt Sex mit uns!

Und was ihr auch nicht einkalkuliert: Ungefähr dieselbe Zeit, die wir vor dem ersten Sex um Euch werben müssen, damit es überhaupt zum Sex kommt, die müsst Ihr nach dem ersten Sex um uns werben, damit das auch eine richtige Beziehung wird und nicht nur ein kleines Affärchen. Ihr müsst dann nämlich beweisen, dass Ihr in der Lage seid, uns zu verwöhnen. Mit dem üblichen: Sex und Kochen. Sollte aber auch kein Problem sein, wenn man wirklich verknallt ist, macht man das eh freiwillig und gerne.

Zum Thema: Am ersten Abend Sex = Schlampe. Ich sehe das nicht so. Ich finde das klasse. Zum einen komme ich schneller an das ran, was ich will, zum anderen zeigt mir die Frau, dass ihr Sex wichtig ist. Was will ich denn mehr? Das kann doch der Auftakt für eine tolle Beziehung oder wenigstens eine Liebschaft sein.

Typen, die Frauen für eine Schlampe halten, wenn sie am ersten Tag Sex haben, halte ich für Minderwertigkeitskomplex-beladene, frauenfeindliche Würstchen. Denn sie gehen ja davon aus, dass sie das mit jedem Mann so macht. Und damit gehen sie wiederum davon aus, dass sie selbst nur einer unter vielen und nichts besonderes sind. Ich dagegen glaube, dass es eine Frau nur ausnahmsweise deswegen so schnell mit mir macht, weil sie mich eben so scharf findet und mein Charisma sie quasi umgehauen hat. Und dass andere Kerle deswegen noch lange nicht die Chance auf dasselbe bei ihr haben.

In Wirklichkeit gibt es für Frauen keinen logischen Grund, auf Sex am ersten Abend zu verzichten, wenn sie denn Lust darauf haben. Wenn er wirklich nur auf einen ONS aus ist, wird er sich sowieso nach dem ersten Sex verpissen, ganz egal, ob das nach dem ersten oder nach dem fünften Date passiert. Du hast es dann nur einfach schneller raus. Wenn Du Angst hast, er hält Dich für eine Schlampe, und Du glaubst, wenn Du ihn länger warten lässt, würde er Dich mehr hochachten, dann muss ich Dich fragen: Willst Du wirklich so einen? Einen, der Dich nur achten kann, wenn Du Deine sexuellen Bedürfnisse unterdrückst? Wenn er Dich wirklich nach dem ersten Date (mit Sex) deswegen fallen lässt, dann sei doch froh, dass Du ihn los bist! Dann merkst Du früher, was das für ein Vogel ist, und hattest vielleicht wenigstens noch brauchbaren Sex.

9) In welcher Welt bedeutet ein “Nein” ein “Ja”?

In Eurer. Ihr sagt einfach viel zu selten Ja, wenn Ihr Ja meint. Aus Angst, Euch irgendwas zu vergeben und als leicht zu haben zu erscheinen. Das wollt Ihr auf gar keinen Fall. Deswegen wird ewig rumkokettiert, anstatt klar zu sagen, was Sache ist. Na gut, manchmal wisst Ihr nicht mal selber, was Ihr wollt.

Wir Männer meinen meistens, was wir sagen. Um mit Euch klar zu kommen, haben wir mühsam lernen müssen, dass das bei Euch noch lange nicht der Fall ist. Und jetzt wollt Ihr uns vorwerfen, dass wir uns daran angepasst haben, nur weil Ihr ab und zu auch mal wirklich das meint, was ihr sagt?

9 a) “Nein” heißt “nein”!

Meine Rede. Dann sagt es aber auch nur dann, wenn Ihr es wirklich so meint! Und beschwert Euch zukünftig nicht mehr, wenn wir dann sofort die Finger von Euch lassen, nur weil ihr mal kokett aus Spiel „Nein“ gesagt habt, obwohl Ihr es nicht wirklich so gemeint habt. Und wir erst dann wieder zärtlich zu Euch sind, wenn Ihr uns eindeutig dazu aufgefordert habt. Oder am besten noch Eure Zustimmung schriftlich dokumentiert habt. Darauf wird es nämlich hinauslaufen, sollten sich die Gesetze so ändern, wie sich Feministinnen das vorstellen.

Aber lassen wir das Reizspiel mal außen vor. Selbstverständlich bin ich der Ansicht, dass ein „Nein“ auch als „Nein“ zu gelten hat. Und es ist wirklich nicht so schwer, herauszufinden, ob die Frau nur kokettiert oder wirklich nicht will. Wenn das der Fall ist, gibt es überhaupt keine Frage, was zu tun bzw. vielmehr zu lassen ist. Die Frage ist nur, ob man das auch in Gesetzesform gießen sollte. Und da bin ich dagegen, denn dann gibt es keine klaren Straftatbestände mehr. Ein Täter muss schon irgendwie erkennen können, dass er sich gerade schuldig macht. Sie sagt vor Gericht, sie hätte nein gesagt, er sagt, das sei so nicht gewesen bzw. das habe er nicht gehört und ansonsten hat sie sich nicht gewehrt und stattdessen mitgemacht. Und nun? Verurteilung nur aufgrund der Aussage der einzigen Zeugin und Anklägerin? Ohne jegliche objektive Indizien? Das ist mir zu dünn und letztlich ein Aushebeln der Unschuldvermutung.

10) Warum behauptet Ihr, dass Frauen zu emotional sind, um Führungsverantwortung zu übernehmen, um dann “Catcalling” mit der Begründung zu rechtfertigen, dass Männer sich nun mal nicht beherrschen könnten?

Siehe Standard-Antwort.

11) Warum glaubst Du, dass nur weil Du nett zu mir bist, ich Dir meinen Körper schulde?

Siehe Standard-Antwort.

12) Wie kommst Du auf die Idee, ein ungefordertes Penis-Bild zuzusenden?

Siehe Standard-Antwort. Ansonsten: Stimmt, das haben wir noch nicht gelernt. Nur weil Ihr uns mit Fotos ganz schlecht verhüllter Titten und sonstiger nackter Haut ködert, glauben wir ernsthaft, das würde bei Euch ähnlich funktionieren. Dabei findet Ihr doch eine Ablichtung unseres aktuellen Kontoauszugs viel anregender, vorausgesetzt, die Summe darauf ist mindestens sechsstellig.

Bahar Mustafa wirft hin

Bahar Mustafa, student union welfare and diversity officer at Goldsmiths University, London, die Anfang dieses Jahres dadurch auffiel, dass sie #KillAllWhiteMen twittete und dafür immerhin verhaftet wurde, und außerdem weiße Männer von Versammlungen der Goldsmiths student union (GSU) ausschließen wollte, hat ihren Job aufgegeben. Offensichtlich deshalb, weil sie ihre Chefin, die Präsidentin der GSU, Adrihani Rashid, ebenfalls angegangen ist, und dafür auch beschuldigt wurde. Rashid hatte einen Tag vorher hingeworfen. Im Zuge der Affäre nahmen auch zwei weitere Mitglieder der GSU, Redakteure der Studentenzeitschrift The Leopard, Editor-in-Chief Sabrina Sharif and Comment Editor Zak Thomas ihren Hut.

Im Zuge der Bekanngabe ihres Rücktritts auf Facebook verkündet Mustafa selbstverständlich, das Opfer von „bullying“ und „harassment“ zu sein.

Gleichzeitig verteidigt sie weiter den Hashtag:

‚I never actually tweeted it – but I don’t condemn it either. The #KillAllWhiteMen hashtag is something that a lot of people in the feminist community use to express frustration.‘

She added: ‚I am absolutely for free speech and I think that these people who accuse me have a very misguided understanding of free speech.‘

Free Speech, soso. Man muss schon viel Chuzpe aufbringen, um eine so sexistische und rassistische Parole mit dem Argument von Free Speech zu verteidigen.

Würde Mustafa einen Hashtag #RapeAllWomen auch als Free Speech verteidigen? Selbstverständlich nicht. Mustafa gehört genau zu der Sorte Social Justice Warriors (SJW), die auf der anderen Seite nicht nur so einen üblen Hashtag, sondern auch jegliche sachliche Kritik an ihrer Ideologie als „Hate Speech“ brandmarken und am liebsten verbieten lassen würden. Da ernsthaft das Wort Free Speech (Meinungsfreiheit) in den Mund zu nehmen, ist nur mit ideologischen Scheuklappen zu erklären und grenzt schon an Persönlichkeitsspaltung.

Woher diese Doppelmoral kommt, ahnen wir schon. Sie ist natürlich im Intersektionalitätskonzept begründet, das die Gesellschaft in dichotome Gruppen von privilegierten Mächtigen und marginalisierten Unterdrückten aufteilt. Wird man der Gruppe der Mächtigen zugeteilt, muss man sich nach SJW-Ideologie bei jedem Satz vorsehen, um nicht irgendwie unterdrückend, d.h sexistisch, rassistisch etc. zu sein. Am besten, man hält gleich ganz die Klappe, was den SJW ja auch am liebsten wäre. Gehört man zu den Unterdrückten, darf man sich dagegen so ziemlich alles erlauben, jedenfalls gegenüber der Gruppe der „Mächtigen“. Nochmal ein Zitat von Mustafa:

She denied her initial request was racist or sexist and said in a video statement posted at the time of the first incident that she had received death threats after the row.

She said: ‚I, as an ethnic minority woman, cannot be racist or sexist towards white men, because racism and sexism describe structures of privilege based on race and gender.‘

Was offensichtlich zu jeder unterirdischen Aussage ohne Anstand, zu jeder Beleidigung und Bedrohung legitimiert.

Oh, Du glückliches Süditalien

Gestern wurde vom Bayerischen Rundfunk folgender merkwürdige Tweet verbreitet:

Demnach müssten also nicht nur in Süditalien Gleichstellung und „Geschlechtergerechtigkeit“ am weitesten fortgeschritten sein, sondern, wenn man sich die Karte genauer anschaut, gilt das auch für alle anderen Regionen, die bis dato immer als die ärmeren in Europa galten. Und es mit ziemlicher Sicherheit immer noch sind. Dass diese nun in Sachen Gleichstellung ausgerechnet die Vorreiter sein sollen, ist nun wirklich schwer zu glauben.

Leider wird hier die Quelle, sprich zugrundeliegende Studie, nicht genannt. Ein kurzer Rechercheversuch meinerseits, an diese Studie heran zu kommen, brachte vorerst kein Ergebnis. Also bleibt mir vorerst nur die Möglichkeit, ein wenig zu spekulieren, wie so ein Ergebnis zustande kommt. Die Lösung scheint mir allerdings klar auf der Hand zu liegen.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, welche Einkommen hier miteinander verglichen werden. Hat man hier den absoluten Gender Pay Gap, der in Deutschland bei ca. 22 % liegt, genommen, also einfach alle Einkommen von Männern und Frauen aufaddiert und dann die prozentuale Differenz errechnet? Oder hat man sich hier auf vergleichbare Jobs konzentriert, d.h. den bereinigten Pay Gap verwendet, der laut Statistischem Bundesamt 8% beträgt? Wohlgemerkt höchstens 8%, da auch hier schwer zu kalkulierende Faktoren noch nicht berücksichtigt werden.

Ich kann mir schwer vorstellen, dass wirklich für alle Regionen Europas, also auch für die hintersten Provinzen Rumäniens oder Sizilien, ein bereinigter Pay Gap existiert. Wenn dieser aber nicht für alle Regionen verfügbar ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als den natürlich viel einfacher zu berechnenden absoluten Unterschied zu verwenden, um überhaupt eine Vergleichbarkeit europaweit zustande zu bringen. Ich kann das nur vermuten, aber ich gehe jede Wette ein, dass tatsächlich der absolute Pay Gap verwendet wurde.

Damit aber hat sich die Frage nach der Fairness schon erledigt. Denn nur wenn man die Unterschiede in vergleichbaren Jobs ansieht, kann man beurteilen, ob wirklich Unfairness vorliegt. Einfach nur alle Einkommen aufaddieren und dann behaupten, es sei unfair, wenn die Friseuse, Zahnarzthelferin oder Altenpflegerin weniger in der Tasche hat als der Elektroingenieur oder der Softwareentwickler, hat mit Seriosität nichts zu tun.

Hochtechnologiejobs machen den Unterschied

Denn wie kommen denn nun diese stärkeren Einkommensunterschiede in den wirtschaftlich starken Regionen zustande? Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Da wo es keine meist von Männern besetzte Hochtechnologiejobs gibt, kann sich auch nicht so ein großer Einkommensvorsprung herausentwickeln. Und: Diese Jobs steigern nicht nur den allgemeinen Wohlstand, sondern kommen damit auch den Frauen zugute, sei es direkt als Partnerinnen dieser High Potentials, sei es indirekt, weil damit mehr Geld zum Ausgeben für Dienstleistungsberufe vorhanden ist, die meist von Frauen ergriffen werden.

Wenn sich BR24 nun nicht zu der Formulierung „werden am unfairsten bezahlt“ verstiegen hätte, sondern einfach „werden geringer bezahlt“ geschrieben hätte, könnte man kaum einen Vorwurf machen. Denn das wäre eine neutrale Beschreibung. „Unfair“ ist dagegen eine klare Wertung. Offensichtlich findet es der BR-Redakteur unfair, wenn Frauen aus eigenen Stücken schlechter bezahlte Jobs auswählen, weil diese ihnen von der Aufgabe her mehr zusagen oder die Ansprüche geringer sind, und diese Frauen dann in diesen Jobs tatsächlich schlechter bezahlt werden als z.B. in den MINT-Berufen. Oder anders gesagt: Wenn Frauen als Kollektiv nicht (mindestens) 50% des allgemeinen Einkommens verdienen, ganz egal, welche geringer oder höher qualifizierten Jobs sie aus individuellen Entscheidungen heraus ergreifen, dann ist das „unfair“.

Ganz im Gegenteil wäre es in meinen Augen unfair, einen Beruf mit höchsten Ansprüchen, für den man lange studiert haben muss, den man sich nach Marktgesichtspunkten, sprich Bedarf ausgesucht hat und nicht nur nach persönlicher Neigung, genauso (schlecht) zu bezahlen wie einen Beruf mit einer kürzeren Ausbildung, geringeren Ansprüchen und am Marktbedürfnis vorbei gewählt.

Insofern werte ich diesen Tweet des BR als ein hübsches Stück Propaganda oder auch ein Beispiel für „Lügen mit Statistik“.

Pilz des Jahres

Da dachte die Deutschen Gesellschaft für Mykologie doch tatsächlich, sie könnte mal ein Zeichen setzen und männliche Feministen ehren, indem sie den – aufgepasst

Lilastieligen Rötelritterling

zum Pilz des Jahres 2016 wählte.

Doch da hatte sie noch nicht mit der Titanic gerechnet, die ihrerseits einen Pilz zum Pilz des Jahres ausgerufen hat und damit eine derzeit noch viel wichtigere Gruppe ehrte:

Wer die Oberhand behalten wird, ist noch nicht ausgemacht.

Antifeministische Gewalt und feministische Double Standards

Ein Veranstaltungsbericht

Jasna Strick hielt am Samstag auf dem laDIYfest in Kiel einen Vortrag über „Netzfeminismus und antifeministische Gewalt“ und da dies in meiner Nähe lag, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Referentin einmal live zu erleben. Und wenn ich schon mal da bin, dachte ich mir, ich mache mal den Danisch und protokolliere das ganze mit.

Den Veranstaltungsort, das Hansa48 in Kiel besuchte ich in dem Moment das erste Mal. Es ist auf den ersten Eindruck hin ein ziemlich typisches links-alternatives Kulturzentrum. Früher war ich in solchen Läden ja auch ständig und deshalb fühlte ich mich auch gar nicht unwohl, bis auf das merkwürdige Gefühl, da doch nicht mehr so richtig hin zu gehören und auch, aus dem Alter raus zu sein.

Ich kam ein wenig zu spät, und so war die Kneipe, durch die man zur Veranstaltung musste, ziemlich leer. Zwei Frauen, die dort bedienten, haben mich lächelnd begrüßt, was ich gar nicht so erwartet hatte. Ich hatte eher erwartet, misstrauisch beäugt zu werden. Schließlich bin ich ein WHM (= weißer heterosexueller Mann), also das personifizierte Böse, aber immerhin waren ja laut Einladung cis-Männer zugelassen. Außerdem war das eine queer-feministische Veranstaltung, und die wussten ja nicht, ob ich nicht vielleicht doch schwul oder Feminist bin. Vielleicht waren sie aber auch einfach nur freundlich oder erfreut, dass sich auch Männer für ihre Themen interessieren. Jedenfalls hat mich das positiv überrascht.

Das Publikum da: Vor allem jung, ca. 3/4 Frauen. Vielen konnte man die Gesinnung durchaus ansehen. Die Frauen größtenteils knallbunt gekleidet, mit assymetrischen Kurzhaarfrisuren, oft rot gefärbt, mit Piercings. Die wenigen Kerle oft mit Kapuzen-Sweatshirt und Hipster-Bärtchen. Aber es gab auch viele normal gekleidete. Bevor wir uns hier falsch verstehen: Von mir aus kann jeder rumlaufen, wie er will. Ich finde ein wenig Buntheit im Alltag durchaus begrüßenswert. Nur finde ich immer ziemlich lustig, wie Leute, die sich für nonkonform halten, sich doch ziemlich konform verhalten, zumindest innerhalb ihrer Peergroup.

Da der Vortrag in zwei Teile geteilt war und mich der erste Teil (Netzfeminismus) nicht so sehr interessierte, habe ich auch nicht wirklich was verpasst. Im ersten Teil referierte Strick im wesentlichen über die Möglichkeiten von FeministInnen, sich im Netz zu engagieren (Twitter, verschiedene Blog-Plattformen), stellte die #Aufschrei-Kampagne und einige aus ihrer Sicht erwähnens- und empfehlenswerte feministische Websites vor. Bemerkenswert war nur, dass ich kaum zwei Minuten da war, schon hatte ich zweimal das Kürzel WHM gehört. Damit war das Feindbild schon klar beschrieben. Na gut, vielleicht hat sie das Kürzel erklärt, bevor ich da war. Ich vermute aber, dem Publikum war es eh geläufig.

Antifeministische Gewalt

Im zweiten Teil (Antifeministische Gewalt) wurde es dann interessanter. Jasna Strick hat denselben Vortrag in ähnlicher Form schon einmal gehalten, und ein Mitschnitt davon ist auch auf YouTube nachzuhören. Wer sich also selbst ein Bild machen will, kann das hier machen:

Allerdings mag ich meine Leser nicht enttäuschen und erzähle den Vortrag in Kiel dann doch selbst nach. Der zweite Teil des Vortrags war im Gegensatz zum YouTube-Mitschnitt um die Hälfte kürzer, also nur eine halbe Stunde. Dummerweise ließ Strick das im Grunde wichtigste daran weg. Aber dazu später mehr…

Strick beginnt damit, die Männerrechtlerszene vorzustellen, wobei sie das Wort Männerrechtler gerne vermeidet und wenn sie es überhaupt verwendet, immer das Adjektiv „antifeministisch“ davor stellt. Lieber verwendet sie „Maskulisten“, „Maskulinisten“ (soweit ich weiß, bezeichnet sich niemand aus der Szene selbst so, insofern ist „Maskulinist“ ein feministisches Kampfwort) oder eben gleich „Antifeministen“. Es gebe dazu inzwischen auch einige hervorragende wissenschaftliche Studien, zum Beispiel von der Heinrich-Böll-Stiftung. Damit kann sie eigentlich nur das, nun ja, Werk von Hinrich Rosenbrock gemeint haben.

Dass sie mehr oder weniger aus der Rosenbrockschen „Studie“ zitiert, wird im Anschluss klar. Es gebe da zwei Strömungen: Da seien zum einen die, die rechtspopulistisch seien, nationalistisch, rassistisch, homophob und natürlich offen frauenfeindlich, nicht nur feminismusfeindlich. Und schwupps, kaum dass der zweite Teil drei Minuten angefangen hat, fällt schon der Name Anders Breivik, für den es in dieser Szene doch einige Fans gebe. Eigentlich war ich jetzt schon versucht, „Bingo“ zu rufen. Anders Breivik ist schließlich der absolute Joker im Anti-Männerrechtler-Bullshit-Bingo. Ich habe in den knapp zwei Jahren, in denen ich die Szene kenne, nicht ein einziges gutes Wort über Brevik gehört, von keinem Männerrechtler. Aber Strick und Rosenbrock haben da sicher geheime Informationen, an die man als normaler Männerrechtler nicht so ran kommt.

Die zweite Gruppe sei eher die aus der konservativ-liberalen Ecke, die den Staat verteufeln, die gegen Frauenquote hetzen, gegen Gender Mainstreaming und Gender Studies als Wissenschaft. Die Grenzen zu den Radikalen der ersten Gruppe seien fließend, es gebe einige, die tatsächlich für die Abschaffung des Frauenwahlrechts (von mir noch nie gehört) und für die Wiedereinführung des Mannes als Familienoberhaupts (von mir noch nie gehört) plädieren würden. Gemeinsam sei allen Strömungen, dass diese etwas gegen die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Männern und Frauen haben. Woher sie diese Phantasie hat, würde ich gerne wissen. Wahrscheinlich setzt sie, wie Feministinnen das gerne tun, Gleichberechtigung mit Gleichstellung gleich. Und in der Tat, Männerrechtler haben etwas gegen Gleichstellung, weil sie eben das genaue Gegenteil von Gleichberechtigung ist. Dass es auch einen links-gemäßigten Flügel in der Männerrechtsbewegung gibt, der meinem Eindruck nach inzwischen sogar der aktivste der drei Flügel (neben dem rechtspopulistisch-radikalen und liberal-fundamentalistischen) ist, davon ist bei Strick kein Wort zu hören. Doch davon später mehr…

Wer sind nun diese Leute, die sich in der Szene tummeln? Das seien Männer, die Enttäuschungen durch Frauen erlebt hätten, oft Trennungsväter, die kein Sorgerecht bekommen hätten, Männer, die stark verunsichert seien, was ihre Gefühle angehe, die in ihrem Männlichkeitsempfinden gestört seien, die Angst hätten, dass ihnen von Frauen ihre Privilegien streitig gemacht würden. Aber insgesamt sei es schon schwierig, die Motivation für das Engagement in dieser Szene herauszufinden. Frauen gebe es in der Szene fast gar nicht, und wenn, dann seien sie meistens Fakes. Es habe aber im Laufe der Zeit eine Umkehr der Haltung gegeben. Während früher antifeministische Männer sich als den Frauen generell überlegen gefühlt hätten, habe sich dies gewandelt, und nun sei mehr das Empfinden vorhanden, dass der Feminismus und die Frauen die Macht hätten, und die Männer die eigentlich Unterdrückten seien. Männer fühlten sich jetzt mehr als die Opfer der feministischen Weltherrschaft. „Wär schön, wenns so wäre“ meint Strick dazu.

Wo treten nun diese Antifeministen auf? Zum einen gebe es da Vereine wie MANNdat und Agens, sie hätten natürlich ihre eigenen Blogs und seien auf Twitter unterwegs. Ausführlich erwähnt sie dann das Forum „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land“ und das Wiki WikiMANNia (die m.E. eher dem rechten Spektrum zuzurechnen sind). Aber auch in den Printmedien halte sich jede große Zeitung ihren Antifeministen, die sich dort unter dem Denkmantel der Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt austoben dürften. Bei der FAZ sei dies Don Alphonso, eine Kunstfigur, bei der unklar ist, wer sich dahinter verbirgt, bei der Zeit Harald Martenstein, beim Spiegel Jan Fleischhauer und Matthias Matussek (ehemals Spiegel, jetzt bei der WELT). Alles alte weiße Männer, laut Strick. Was sie nicht sagt, ist, dass es sie offensichtlich in ihren Augen von vorneherein disqualifiziert, eine akzeptable Meinung in Geschlechterfragen abzugeben. Genau das ist aber deutlich zu spüren.

Kommen wir nun endlich zu der Gewalt, die von diesen Antifeministen ausgeht. Da ist zunächst die Rede von „Hate Speech“, andere Worte dafür sind „Cyber-Mobbing“ oder „Online Harassment“. Antifeministen beleidigen im Netz gerne Feministinnen, es gehe bis hin zu Vergewaltigungs- und auch Morddrohungen. An dieser Stelle hätte ich jetzt erwartet, dass sie einige Beispiele aus Twitter oder anderen Foren per Beamer auf die Leinwand hinter ihr wirft, aber da kam nichts.

Antifeministen hätten meistens keine Ahnung von Feminismus, es ginge ihnen aber auch gar nicht darum, Menschen zu überzeugen, sondern darum, eine Bedrohungslage zu erzeugen und Feministinnen zum Schweigen zu bringen. Es würden hämische Bemerkungen über das Aussehen der Opfer gemacht, anderen spekulierten über Geisteszustand und psychische Verfassung der Aktivistinnen. Auch hier wieder keine Beispiele.

Eine andere Taktik sei, zu versuchen, Feministinnen durch ständiges Fragen in nutzlose Diskussionen zu ziehen, um ihnen damit die Zeit zu stehlen. Manche gingen auch soweit, in Veranstaltungen wie diese zu kommen, sich in die Ecke zu setzen und mitzuschreiben. Ich fühlte mich ertappt, weil ich dem Moment ja genau das tat. Hinterher habe ich mich gefragt, ob ich in dem Moment nicht vielleicht mal freundlich winken sollte. Allerdings wollte ich die Veranstaltung noch zuende anhören und deshalb möglichst wenig auffallen, um dem „Awareness Team“ keine Gelegenheit zu geben, mich rauszuwerfen. Abgesehen davon war dies ja eine öffentliche Veranstaltung, cis-Männer waren erlaubt, also warum sollte ich da nicht auch journalistisch tätig werden. Im YouTube-Mitschnitt hat sie diesen Satz ja auch schon gebracht, als ob es etwas verwerfliches sei. Offensichtlich macht sie das also öfter in ihren Vorträgen, um das Publikum auf jeweils mitschreibende Männer aufmerksam zu machen. Ich habe mich gefragt, wer da eigentlich ein Bedrohungsszenario aufbaut. Ich habe mich in dem Moment unwohl gefühlt, schließlich war ich alleine in der Höhle des Löwen. Und das war wohl auch die Absicht von Strick.

Sie macht dann auch weiter mit dem, was Antifeministen alles schlimmes anstellen. Es gebe Anrufe und Emails bei Arbeitgebern, die Feministinnen als solche outen. Kein Beleg, der Schirm bleibt leer. Es habe sogar Bombendrohungen gegen Anita Sarkeesian gegeben, die (neutral ausgedrückt) im Rahmen der #gamergate bzw. Anti-#gamergate-Kampagne gegen stereotype Frauenbilder in Videospielen kritisiert hat. Kein Beleg, der Schirm bleibt leer. Antifeministen tobten sich natürlich auch mit maskulistischen Positionen auf Blogs von Feministinnen aus, so dass diese gezwungen seien, ständig Kommentare zu löschen bzw. die Kommentare zu filtern, wenn sie derartige Kommentare nicht auf ihren Blogs haben wollen. Tja, so ist eben das Internet. Wenn man missliebige Meinungen nicht auf dem eigenen Blog haben will, muss man eben filtern und löschen.

Ebenfalls ein Beispiel für eine antifeministische Aktion sei ein gezielter Aufruf gewesen, das aktuelle Buch von Anne Wiezorek auf Amazon schlecht zu bewerten. Mehrere Maskulisten hätten sich da „zusammengerottet“ und abgesprochen, die Bewertung des Buches zu beeinflussen. Merke: Feministen vernetzen sich, Maskulisten rotten sich zusammen. Speziell die Rezension von Arne Hoffmann sei ein Rundumschlag maskulistischer Propaganda. Über die Qualität der jeweiligen Rezensionen, positiv wie negativ, mag sich jeder selbst ein Urteil bilden. Jedenfalls gebe es ständige Bedrohungen im Internet über emails und in den sozialen Netzwerken, sie selbst bekomme täglich mehrere. Kein Beleg, der Schirm bleibt leer.

Diskussion

Die anschließende Diskussion war dann noch ein wenig spannender. Gleich eine der ersten Teilnehmerinnen fragte nach, warum Strick denn keine Beispiele für Hate Speech gezeigt habe. Strick meinte, zum einen mache sie sich dadurch eventuell rechtlich angreifbar, zum anderen würden eventuell TeilnehmerInnen durch solche Präsentationen getriggert. Aaaaah ja. Zum einen wüsste ich nicht, wie man sich rechtlich angreifbar macht, indem man öffentliche Tweets öffentlich macht. Allenfalls, indem man etwas als Vergewaltigungsdrohung hinstellt, was in Wirklichkeit gar keine ist. Und zum anderen könnte man Triggerwarnungen auch direkt kurz vor der entsprechenden Präsentation geben, damit die Zuhörer Gelegenheit bekommen, den Raum zu verlassen.

Strick meint dann noch, wenn man sich wirklich Hate Speech anschauen wolle, könne man ja mal die Seite hatr.org besuchen, wo solche Sachen gesammelt werden. Wenn man sich die Seite allerdings anschaut, ist dort seit über drei Monaten nichts mehr los. Also haben die „Maskus“ im Netz entweder das „Haten“ in der Zwischenzeit eingestellt, oder die Feministen sind etwas lasch geworden, was das Sammeln von Hate Speech angeht. Das meiste, was da zu finden ist, ist sowieso eher harmlos. Aber gerade deshalb lohnt es sich, die Seite zu besuchen, denn dadurch wird klar, was Feministinnen alles als Hate Speech betrachten. Es reicht da schon ein Hinweis darauf, dass Männer durch die Wehrpflicht benachteiligt werden oder eine geringere Lebenserwartung haben.

Alles in allem ist die Beleglage für sogenannten Hate Speech als mehr als mager. Behaupten kann man ja viel, wenn der Tag lang ist. Aber wer etwas behauptet, muss es auch belegen. Bei Strick ist es aber so, dass man das einfach glauben muss. Die anwesende feministische Gemeinde scheint allerdings sehr bereitwillig zu sein zu glauben.

Eine weitere Frau fragt, ob sie Erfahrungen damit gemacht habe, dass Hater-Drohungen wahrgemacht werden. Strick larviert herum, verweist auf „die Bedrohung ist auf jeden Fall da“, macht Überlegungspausen, kann aber nichts benennen – außer dass sie wieder auf Breivik rekurriert, der ja zunächst Manifeste veröffentlichte und dann Taten folgen ließ.

Bei dieser Gelegenheit sollte ich doch mal kurz klarstellen, dass ich es durchaus für möglich und wahrscheinlich halte, dass es entsprechende Drohungen gibt. Und dass Drohungen auch und gerade im politischen Diskurs absolut inakzeptabel sind und auch verfolgt werden sollten. Alleine diese Selbstverständlichkeit erwähnen zu müssen, ist eigentlich ein Unding. Ebenso halte ich abschätzige Kommentare über das Aussehen von Feministinnen für inakzeptabel, mindestens jedoch ganz miesen Stil. Und das gilt auch für sogenannte „psychologische Ferngutachen“ über den geistigen Gesundheitszustand von politischen Gegnern. Wenn man sich allerdings wie Strick zurecht darüber beschwert, dann sollte man nicht in dieselbe Kiste greifen und erst kurz vorher darüber schwadronieren, Männerrechtler seien abgehängte Loser, die stark verunsichert und in ihrem Männlichkeitsempfinden gestört seien.

Auftritt: Der böse Masku

Als nächstes ist ein Mann dran, der mir schon vorher aufgefallen war, weil er optisch nicht so ganz in die Szene gepasst hat. Seine Frage hätte ich auch gerne gestellt und sie lautete in etwa: „Wie beurteilst du gemäßigte Männerrechtler wie Arne Hoffmann, der das Buch geschrieben hat ‚Plädoyer für eine linke Männerpolitik‘, oder Blogs wie Alles Evolution mit feministischen Stammkommentatoren, wo auch gefragt wird: Was ist gut am Feminismus? Wo Equity-Feminismus anerkannt wird, z.B. auch Christina Hoff Sommers.
Du hast gesagt, es gibt nur zwei Hauptströmungen und hast beide in eine rechte Ecke geschoben. Das ist nicht mein Eindruck, wenn ich mir diese Blogs anschaue. Ich seh auch nirgendwo, dass Amokläufer wie Breivik verherrlicht werden.“

Darauf hätte ich auch gerne eine Antwort gehabt, allerdings schiebt er gleich eine zweite Frage nach: „Es gibt auch auf feministischer Seite Hate Speech bzw. deftige Kommentare, wie siehst du das? Als Beispiel: Michael Seemann (Journalist und Blogger, d.A.) hat in einem Tweet Männerrechtler als „Menschlicher Abschaum“ bezeichnet. Oder auch deine Twitter-Bio, auf der du mal geschrieben hast: „Not ALL men MUST DIE“ Muss man nicht auch das kritisieren?“

Obwohl er diese Fragen absolut ruhig und freundlich vorbrachte, ging da bei Strick der Vorhang runter. Ziemlich schmallippig entgegnete sie nur, sie wüsste schon, aus welcher Ecke das kommt, und darüber wolle sie nicht diskutieren. Dagegen sprang ihr daraufhin ein männlicher „Ally“ bei, der beteuerte, im Feminismus gehe es ja nicht nur um Frauen bzw. deren Benachteiligung und Opferstatus, sondern nur um Gleichberechtigung. Und im Feminismus ginge es gar nicht um Männerhass, sondern im Gegenteil setze dieser sich auch für Männer ein. Wer sich Maskulinist nennt (wie gesagt, tut auch keiner), wenn er Gleichberechtigung will, habe da was nicht verstanden. Ich weiß nicht genau, worauf er hinaus wollte, aber er meinte wohl, Maskulismus zum Erreichen von Gleichberechtigung sei ja wohl überflüssig, weil das der Feminismus gleich mit erledige. Ich wusste nicht so ganz, ob ich lachen oder weinen sollte. Am liebsten hätte ich ihn gefragt, ob er denn ein Beispiel dafür nennen könnte, wo sich Feminismus mal für die Interessen von Männern eingesetzt habe, und nicht die Interessen von Frauen als oberstes Primat vorne an gestellt habe. Und was denn bitte falsch daran sei, wenn Männer ihre eigenen Interessen selbst definieren, ohne erst die feministischen Hohepriesterinnen fragen zu müssen, ob sie diese auch genehmigen.

Am Ende fragt dann noch eine Frau: „Ich kenn auch Feministinnen, die heftige Kommentare äußern, die sagen z.B. ’schwanzgesteuert‘ (entschuldigt sich beim Publikum für das Wort). Man sollte sich in den eigenen Reihen damit auseinandersetzen: Bin ich selber nicht auch sexistisch?“ Und dann an Strick gerichtet: „Wie gehst du mit deiner inneren Wut um?“ Diese antwortet: „Ich glaube, dass derbe oder ruppige Sprache erlaubt sein sollte.“ Aus der Wut heraus passiere sowas schon mal und so würde sie auch die erwähnte Aussage von Michael Seemann einordnen. Damit war dann auch die zweite Frage des vorhin abgebügelten Maskus beantwortet. Danke fürs Gespräch, Euer Ehren!

Es hängt also von der richtigen Gesinnung ab, ob eine etwas derbere Sprache als Hate Speech verdammt wird oder doch irgendwie ok geht. Mehr wollte ich eigentlich gar nicht wissen. Ein klassischer Fall von feministischem Double Standard. Strick bestätigte mir nur eine These, die schon länger in mir gärt, nämlich dass diese ganze Privilegien- und Intersektionalitätstheorie, nach der die Gesellschaft in per se privilegierte und marginalisierte Gruppen aufgeteilt sei, zu nichts anderem dient, als die grundlegenste ethische Regel überhaupt auszuhebeln. Ich meine die Goldene Regel, oder auch „Was du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu“, auch verfeinert als Kantscher kategorischer Imperativ. Es geht darum, sich selbst Verhaltensweisen zuzugestehen, die man bei anderen nicht durchgehen lässt, einfach aus dem Grunde, weil man sich als unterdrückt und marginalisiert fühlt, sich damit im „Widerstand“ befindet, was einen zu fragwürdigem Verhalten legitimiert. Damit versucht man eine Art „Gegen-Privileg“ aufzubauen, das nur den „marginalisierten“ zusteht. Nominell Privilegierte dürfen sich dann natürlich nicht diskriminiert fühlen, wenn man sie auf gewisse Eigenschaften wie „alt“, „weiß“, „heterosexuell“ und „Mann“ reduziert, und ihnen aufgrunddessen Rechte entzieht, wie z.B. gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilzunehmen. M.E. führt das letzten Endes in die Legitimation von Selbstjustiz.

Eigentlich wollte ich noch die Frage stellen, wo Strick denn die Grenze ziehe zwischen Hate Speech und einer vernünftigen Diskussionskultur, oder anders gefragt, ob es für sie überhaupt maskulistische Positionen gebe, die diskussionswürdig seien, oder ob das Vertreten solcher Positionen für sie per se schon Hate Speech sei. Aber dann hatte ich doch keine Lust mehr dazu. Ich konnte mir die Antwort eh schon denken.

Epilog

Die Veranstaltung war zuende und im Auflösen begriffen. Ich verließ den Raum und wollte mich eigentlich noch ein wenig umschauen, mal den Büchertisch begutachten oder noch einen Kaffee trinken, vielleicht auch, mich mit dem einen oder der anderen unterhalten. Da wurde ich Zeuge davon, wie das „Awareness Team“, bestehend aus fünf Frauen, den freundlichen „Hater“ von vorhin mit den Worten „Hau ab!“ hinaus komplimentierte. Da ich nicht wusste, ob sie mich auch schon auf dem Kieker hatten, habe ich mich lieber auch gleich verdünnisiert. Und außerdem wollte ich den Mann zwecks „Zusammenrottung“ noch einholen. Er erzählte mir, dass man ihm bescheinigte, er sei da unerwünscht, und man wolle ihn da „nie mehr“ sehen. Auf die Frage, mit welcher Begründung man ihn denn rauswerfe, hätten sie geantwortet, das müssten sie nicht begründen. Auf die Entgegnung, er wolle ja sowieso grade gehen, aber da sei doch nichts dabei, wenigstens eine Begründung zu nennen, wäre keine Antwort mehr außer dem ruppigen „Hau ab!“ gekommen. So kann es einem gehen, wenn man auf einer queer-feministischen Veranstaltung für Toleranz die falsche Frage stellt.