Die Frauenquote, Teil 3: Viel Rauch um nichts!

Kleine und mittlere Unternehmen sind das Herzstück unserer Volkswirtschaften. Den Löwenanteil an der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung generieren kleine und mittlere Unternehmen (KMU), und nicht Big Corporates wie VW, Nestlé, Novartis oder Bayer. Über 99% aller Unternehmen sind KMU, schreibt die Deutsche Bank über den internationalen Mittelstand in der Unternehmenswelt. Von den insgesamt 3’649’397 Millionen Unternehmen in Deutschland zählen 99,3 Prozent zu den kleinen und mittleren Unternehmen. Doch im Visier der Quotenbefürworter stehen lediglich grosskapitalisierte Werte, die an der Börse gehandelt werden. Damit schrumpft die Zahl der betroffenen Firmen auf etwas weniger als ein einziges Promille aller (Kapital)gesellschaften! Die Quotenfrage bewegt sich damit also in einem Mikrokosmos, der nicht einmal mehr die unternehmerische Wirklichkeit in unseren Volkswirtschaften angemessen repräsentiert!

Heute wird allgemein wie selbstverständlich ein Bogen zwischen den hohen Bildungsabschlüssen der Frauen und deren Untervertretung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft gespannt. Die Quotenfrage speist sich hauptsächlich aus der Tasache, dass Frauen heutzutage besser ausgebildet sind, als Männer. Also haben sie auch einen Anspruch auf eine höhere Vertretung in den Führungspositionen der Wirtschaft, so der allgemeine Tenor! Doch was genau lässt sich eigentlich daraus ableiten, dass Frauen mittlerweile höhere Bildungsabschlüsse als Männer haben? Richtig: Nur dass Frauen mittlerweile höhere Bildungsabschlüsse als Männer haben, mehr nicht! Über mögliche Karriereambitionen sagt dieser Umstand überhaupt nichts aus. Und über ausgebliebene- oder gar verpasste Karrierechancen schon gar nicht. Selbst die markante Untervertretung der Frauen bei Innovationen oder Neugründungen (siehe Teil 2) lassen sich damit nicht erklären! Es gibt keine geschlechterspezifische Korrelation zwischen Bildungsab-schlüssen, Führungspositionen und Unternehmensgründungen!

Trotzdem hat die grosse Koalisation in Deutschland beschlossen, dass die grössten deutschen Kapitalgesellschaften mit mehr als 2’000 Mitarbeitern ab 2016 mindestens 30 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten haben müssen. Alles in allem handelt es sich hier um lediglich 3’500 Unternehmen- was angesichts der mehr als 3,6 Millionen Firmen aller Rechtsformen in Deutschland nicht einmal einem Promille aller Betriebe entspricht! In sämtlichen Unternehmen aus dem DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gibt es schäz-zungsweise 2’000 Aufsichtsrats- und 800 Vorstandsposten. Im Durchschnitt kommen auf eine Firma 12 Aufsichtsräte. Die kleinsten Aufsichtsratsgremien haben 3 Mitglieder (United Internet AG, Rational AG, Wirecard AG u. a.) und die grössten jeweils 20 (z. B. Volkswagen AG, Commerzbank AG, ThyssenKrupp AG). Das bedeutet im Klartext, dass sich börsengelistete Konzerne in Deutschland bis 2016 auf die Suche nach gerade mal 174 zusätzlichen, weiblichen Aufsehern machen müssen, wie die deutsche Frauenministerin Manuela Schwesig ausgerechnet hat.

Die viel diskutierte und lautstark kritisierte Untervertretung des weiblichen Geschlechts in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft umfasst also im Endeffekt lediglich eine winzig kleine Gruppe von Frauen! Sobald diese 174 Frauen politisch korrekt installiert worden sind, geht es also im deutschen Wirtschaftsleben endlich absolut geschlechter-gerecht zu und her! Mit Verlaub: Aber das ist doch einfach lächerlich! Vereine wie ProQuote, die SPD, die Grünen oder Politikerinnen wie „Zensursula“ haben die ganze Öffentlichkeit, die Politik, die Wirtschaftsverbände, die Gewerkschaften und die Medien; Befürworter wie auch Gegner, jahrelang auf Trab gehalten und vor sich her getrieben, wie eine Schafherde- und jetzt ist sie endlich da, die Frauenquote: Sie umfasst ganze 174 Frauen! Hurra, möchte man da am liebsten rufen: Der Berg hat eine Maus geboren..!

Die Quotendiskussion wiederspiegelt auf geradezu exemplarische Art und Weise den heutigen Zustand der Geschlechterfrage: Sie bildet nur noch die Lebenswirklichkeit von gut bis sehr gut gebildeten- und verdienenden Frauen aus der oberen Mittelschicht ab! Hier geht es schon lange nicht mehr um Gleichberechtigung, sondern um knallharte Interessens- und Machtpolitik! Zudem suggeriert die Quote, dass Frauen in der Wirtschaft generell kaum Führungspositionen innehaben- was nachweislich falsch ist: Über alle Hierarchiestufen gerechnet, „(…) lag der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft 2010 bei 30 Prozent.“, wie dem Bundesministerium für alle ausser Männer zu entnehmen ist. Die ganze Diskussion um die Frauenquote ist in Wirklichkeit eine Scheindebatte und ihre Einführung reine Symbolpolitik! Wie es soweit kommen konnte, dass sie trotzdem auf so breiter gesellschaftlicher, politischer und medialer Ebene diskutiert wird, darüber kann nur spekuliert werden. Einen möglichen Erklärungsansatz dafür liefert Rainer Brüderle- wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang: „Mit der Wahrheit kommen sie nicht weiter, wenn Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer im Kampfmodus sind.“

 

Die beiden anderen Teile findet Ihr hier:

Die Frauenquote, Teil 1: Wieviel darf’s denn sein?

Die Frauenquote, Teil 2: Nur etwas für Nesthäkchen?

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Warum ich als Mensch Feminismus kritisch sehe & Manöverkritik am Maskulismus.

Oder: Doppelmoral, wohin ich blicke.

In den vergangenen Wochen habe ich mich vermehrt mit Maskulismus und teilweise, wenn auch nicht ganz so intensiv, mit Feminismus beschäftigt. Ich las hauptsächlich verschiedenste Blogs, die Kommentare darunter und teilweise auch bei twitter.

Was ich vom Maskulismus las, erweckte auf mich größtenteils den Anschein, als seien Maskulisten tatsächlich an etwas wie Gleichberechtigung interessiert. Wiederholt las ich den Satz „gleiche Rechte – gleiche Pflichten“, was ich vollkommen legitim finde. Teilweise jedoch fand ich Maskulismus-intern heftige Kritik, welche die selbst ernannten „straighten“ Maskus an den ebenfalls selbst ernannten gemäßigten Maskulisten übten. Und umgekehrt. Hat für mich einen schalen Beigeschmack, wenn mann vorgibt, für die Rechte von mann zu kämpfen, allerdings nur so lange wie mann den selben straighten bzw. gemäßigten Weg geht wie man selbst. Ich stellte fest, bin wohl nicht die einzige, die sich darüber wundert.

Der Feminismus hat sich auf den ersten Blick ebenfalls die Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben. Bei genauerem Hinsehen allerdings entpuppt sich das scheinbare Streben nach Gleichberechtigung – zumindest in meiner Wahrnehmung – als Wunsch nach einer frauendominierten Gesellschaft, in welcher die Bedürfnisse des Mannes ganz klar hinter denen der Frau anzusiedeln sind.

Wie ich darauf komme?

Wenn ein nicht-feministisch eingestellter Mensch in einer Diskussion die [übrigens sehr reellen] männlichen Probleme anspricht, wird ihm „derailing“ vorgeworfen. Welche männlichen Probleme ich meine? Man denke an gesetzlich abgesegnete Beschneidung von männlichen Kindern unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit [haben die denn kein Recht auf körperliche Unversehrtheit frage ich mich?], an die hierzulande praktizierte Familienpolitik, nach der es für eine Mutter ohne weiteres möglich ist, dem Vater die Kinder vorzuenthalten bzw. den Kindern den Vater; Männer sind viel häufiger als Frauen Opfer von Gewalt, Männer sterben früher, es gibt mehr männliche als weibliche Obdachlose, „Mann=Täter“, und noch einige mehr die mir gerade auf Anhieb nicht einfallen. Ist denn all das unwichtig? Sind Jungs und Männer etwa keine Menschen?

Mein Sohn hat das Glück, dass seine Mutter keiner religiösen Überzeugung folgt, und schon gar nicht einer die besagt, dass ein Junge nur dann ein „richtiger“ Mann sein kann, wenn man ihm vorher die Vorhaut abschneidet.

Und last but not least die aktuellste und wohl mitunter lächerlichste Blüte, welche der Feminismus bzw die Arbeitsgruppe für „Feministisch Sprachhandeln“ der Humboldt-Universität in Berlin getrieben hat: die Silbe „er“ sollte im deutschen Sprachgebrauch durch a bzw x ersetzt werden. Und auch das Wort „Mann“ müsste eigentlich richtigerweise „M@nn“ heißen. Entmännlichung der Sprache. Soll das wirklich, ernsthaft nach Gleichberechtigung klingen?

Dagegen gibt es in Deutschland nicht mehr sooo viele Dinge, in denen Frauen benachteiligt werden. Mal überlegen, vielleicht fallen mir ja ein paar Beispiele ein. Oder vielleicht kann mir ja jemand von euch auf die Sprünge helfen? Bis auf das vielfach bemühte Patriarchat [dem ich selbst übrigens noch nicht begegnet bin, aber vielleicht bin ich einfach nur zu privilegiert?] mit seinen frauenunterdrückenden Herrschaftsstrukturen, welches laut Feminismus die Gleichberechtigung der Frau systematisch zu verhindern versucht, will mir einfach nichts einfallen. Aber wo sind Frauen [in Deutschland] denn wirklich benachteiligt? Im Beruf? Eher nicht. Frau kann lernen, studieren und arbeiten, wonach ihr gerade der Sinn steht. Gender pay gap? Bereinigt ergibt sich laut Wikipedia  ein Wert von 8%, und dieser Wert ergibt sich aus den unterschiedlichen Vorlieben bei der Berufswahl. Mädchen in Kindergarten und Schule? Auch nicht. „Mädchen sind sozialer, anpassungsfähiger und oftmals den gleichaltrigen männlichen Mitschülern voraus“, lautet nach wie vor die einhellige Meinung.
Stichwort „Teilzeitfalle“: 69% der berufstätigen Mütter arbeiten in Teilzeit. Ich bin eine von ihnen. Ich gehe derzeit einer Beschäftigung nach, die ich als „okay, aber leider  unterhalb meiner Qualifikation und daher unterbezahlt“ bezeichnen würde. Ich mache es nicht weil mich jemand dazu zwingt, sondern weil meine Verfügbarkeit, meine aufgrund Kindern mangelnde Flexibilität und der Arbeitsmarkt in unserer Gegend gerade nichts anderes zulassen. Natürlich kann ich mich jetzt über die Ungerechtigkeit beklagen, ich kann ich darüber aufregen dass in meiner Branche eben lieber Vollzeitkräfte eingestellt werden, die keine Kinder haben. Und ich könnte natürlich das Patriarchat dafür verantwortlich machen, schließlich ist mein Chef ja männlich. Aber ich tue es nicht.
Warum? Keine Ahnung, vielleicht weil ich mich nicht benachteiligt oder diskriminiert fühle. Weil ich durchaus etwas ändern könnte, wenn ich nur wollte. Hierzu fand ich den Beitrag Mythos Lohnschere von @wiemanindenwald sehr aufschlussreich.
Ich habe vor achteinhalb Jahren, als ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, eine Entscheidung getroffen. Die Entscheidung, das Kind auszutragen. Ich hatte mein Leben eigentlich ohne Kinder geplant, wollte Karriere machen, mir öfters mal etwas gönnen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Doch es kam anders, und es war für mich okay. Auch wenn es bedeutete, dass ich beruflich würde kürzer treten müssen. Dass sich meine Prioritäten bezüglich meiner weiteren Lebensgestaltung drastisch verschieben würden. Kurz: Wenn ich mich in großem Maße um Kinder und Haushalt würde kümmern wollen, müsste ich eben beruflich zurückstecken, weil nun deutlich weniger Kapazitäten hierfür zur Verfügung stünden.
Ich könnte natürlich, wenn ich denn wollen würde, mich jetzt deutschlandweit oder auch im nah gelegenen europäischen Ausland nach einer passenden Stelle umsehen und meine Familie „einfach“ mitnehmen. Ich bin mir sicher, etwas würde sich finden, doch meine Kinder würde ich aus ihrem sozialen Umfeld herausreißen und noch dazu würde ich ihnen durch einen Umzug in weite Ferne die Möglichkeit nehmen, ihren leiblichen Vater regelmäßig zu sehen. Es würden sich Veränderungen in meiner Partnerschaft ergeben, die nicht in meinem und vermutlich nicht im Sinne meines Partners sein dürften. Das alles möchte ich nicht, deshalb mache ich dieses berufliche Zugeständnis.

Stichwort Rente: Frauen sind heute häufiger von Altersarmut betroffen als Männer, doch tendenziell holen die männlichen Rentner auf. Und was Zeitarbeit, Niedriglöhne, alternde Gesellschaft plus niedrige Geburtenrate aus dem machen, was später unsere Rente sein soll, das mag ich mir ehrlich gesagt gar nicht ausmalen. Mit großer Wahrscheinlichkeit bin auch ich in 30 – 35 Jahren von Altersarmut betroffen, vielleicht schon früher. Aber: Mein Partner wird aufgrund seiner körperlichen Verfassung ziemlich sicher schon vor seinem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters erwerbsunfähig sein. Warum also sollen nur Frauen von staatlicher Unterstützung profitieren? Altersarmut ist kein „Frauenproblem“. Es ist ein Problem, das beide Geschlechter betrifft.

Reden wir mal über sexuelle Belästigung. Es IST scheisse, wenn mann ein „Nein“ nicht akzeptieren kann, oder auf eine Abfuhr herablassend oder beleidigend reagiert. Andererseits, wo genau verläuft denn die Grenze zwischen harmlosem Flirten und sexueller Belästigung? Ich für meinen Teil würde sagen, verbal anbaggern ja, anfassen nein. Wobei wohl hier jede Frau ihre eigene, höchst persönliche Grenze zieht. Frauen können übrigens auch ziemlich aufdringlich werden, aber das nur so am Rande. Interessanterweise hatte ich meinen einzigen unfreiwilligen sexuellen Kontakt nicht mit einem Mann sondern mit einer anderen Frau. Vermutlich kann ich mich glücklich schätzen, dass ich bis zum heutigen Tage noch nie von einem Mann angefasst wurde, ohne es tatsächlich gewollt zu haben.

Mann buhlt um die Gunst von Frau. So weit normal, zumindest in der Heterosexualität. Sollen Männer jetzt gänzlich damit aufhören, nur damit sie auch ja nicht Gefahr laufen, eine Grenze zu überschreiten?

Und wo wir gerade bei Grenzen sind, was ist mit den Frauen, die übergriffig werden? Was ist mit den Kindern, die von Frauen [Mutter, Tante, Erzieherin etc pp] missbraucht und/oder geschlagen werden? Die Fälle, die niemals zur Anzeige kommen, weil Frauen in unseren Köpfen eher Opfer als Täter sind? Was ist mit den männlichen Vergewaltigungsopfern, deren Fälle niemals zur Anzeige kommen geschweige denn publik werden, weil mann sich zu sehr schämt und aus [berechtigter] Angst vor Häme keine Anzeige erstattet? Tut hier nichts zur Sache weil anderes Thema? Ich finde, es tut sehr wohl etwas zur Sache, es ist schließlich das selbe Thema, nämlich „sexueller Missbrauch“. Ich für meinen Teil bin der Ansicht, Menschenrechte müssen für beide Geschlechter gleichermaßen gelten.

Wie war das nochmal, von allen angezeigten Vergewaltigern[!] werden nur 8,4% verurteilt? Ein #aufschrei ging durch twitter, doch ich will mir gar nicht anmaßen darüber zu urteilen, wieviele von diesen angezeigten Vergewaltigungen tatsächlich den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllen. Ja, es gibt tatsächlich Fälle, in denen eine Frau [aus welchen Gründen auch immer] eine Anzeige wegen Vergewaltigung stellt, ohne tatsächlich auch nur in irgendeiner Form zu etwas gezwungen oder genötigt worden zu sein. Und selbst wenn sie die Anzeige später zurück zieht, das Leben des fälschlicherweise Beschuldigten ist irreparabel geschädigt.

Was ist mit den Frauen, die ihre Kinder benutzen, um dem Exmann oder Expartner eins auszuwischen? Sind das Opfer? Muss man sie schützen? Ich selbst durfte bzw. musste erleben, welche Macht eine Mutter über das Kind und somit auch über den Vater hat. Meine eigene Mutter hat mich [ich muss schon sagen, unter anderem] auf eine solche Weise indoktriniert, so dass ich viele Jahre der festen Überzeugung war, mein Vater sei ein schlechter Mensch. Und alle anderen Männer übrigens auch.

Reden wir über Entscheidungsfreiheit. Stichwort Sexarbeit. Alice Schwarzer hat sich gegen Sexarbeit ausgesprochen, denn Prostitution kann niemals freiwillig geschehen. Damit entmündigt sie ausdrücklich jene Frauen, die diesem Gewerbe tatsächlich freiwillig nachgehen.

Stichwort Entmündigung: In einem feministischen Blog wird frau dazu aufgefordert, sich nicht als „Instrument partiarchalischer Machtstrukturen“ benutzen zu lassen. Ich finde diese Aufforderung ziemlich anmaßend, denn ausgerechnet der Feminismus hat sich doch der Entscheidungsfreiheit der Frau verschrieben. Oder etwa doch nicht…? Ich soll mich nicht vom Patriarchat instrumentalisieren lassen, wohl aber von einer Netzfeministin? Nur, weil sie zufällig selben Geschlechts ist wie ich, vertritt sie automatisch „meine“ Interessen? Darf ich nun selbst entscheiden, wie ich agieren möchte, was ich gut und was ich scheisse finden möchte, oder diktiert der Feminismus? Bin ich nicht mündig genug, um mir selbst ein Bild zu machen und selbst Schlüsse zu ziehen aus dem, was ich um mich herum erlebe? Brauche ich einen Feminismus, der sich durch Widersprüche, Rosinenpicken und hashtags wie #mackergohome und #killallmen selbst demontiert? Ganz klares Nein.

Ich lese häufig in feministischen Blogs, sie, also Feministinnen, würden Männer eigentlich gar nicht hassen. Das mag sein, doch auf jeden Fall scheinen sich viele [nicht alle!] Feministinnen darüber einig zu sein, dass das Patriarchat sehr wohl existiert, und sehr wohl für unzählige [wenn nicht gar alle] Frauenprobleme verantwortlich ist. Und Frauen Feministinnen haben sehr wohl das Recht, #killallmen zu schreien, weil schließlich ist das ja gar nicht so gemeint und eigentlich nur eine logische Konsequenz dessen, was sie durch das Patriarchat schon alles erdulden mussten. Nochmal zum Patriarchat: Ich kenne einige Männer, darunter meinen Partner, diverse Expartner, den Vater meiner Kinder, meinen eigenen Vater, meine Brüder und etliche andere. Aber das Patriarchat kenne ich nicht. Ich kenne allerdings Menschen, die ihre Machtposition ausnutzen, welche sie anderen Menschen gegenüber inne haben. Und diese Personen sind mal weiblichen und mal männlichen Geschlechts.

Worauf ich hinaus will: Feminismus ist dort wichtig, wo Frauen tatsächlich unterdrückt werden. Dies geschieht vielerorts, ohne Frage, und es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen zwangsverheiratet, vergewaltigt, oder anderweitig unterdrückt werden. Wo Menschenrecht mit Füßen getreten wird, muss gegengesteuert werden. Aber ich wage zu behaupten, dass es in Deutschland [und nicht nur dort, man denke an die Anti-Homosexuellenpolitik in Russland sowie einigen Ländern Afrikas und der arabischen Welt]  eher solche Probleme gibt, die beide Geschlechter betreffen, und dass einer Frau hierzulande entgegen anders lautenden Behauptungen die selben Rechte eingeräumt werden wie einem Mann. Plus dem einen oder anderen Privileg.

Bei meinem letzten Blogeintrag wurde ich in den Kommentaren von @neuer Peter gefragt, ob es ein Schlüsselerlebnis gegeben hätte oder warum ich mir um die Zukunft meines Sohnes mehr Sorgen mache als um die meiner Tochter.
Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht. Es gab nicht das eine Schlüsselerlebnis. Es war das Gesamtbild, welches im Laufe der letzten Monate entstand, während ich alles mögliche an Feminismus-, Maskulismus- und Gender-Input in mich aufnahm. Und was @Zuerst Mensch neulich schrieb, bestätigte mein mieses Gefühl auf erschreckende Art und Weise.

Abschließend möchte ich noch los werden, dass es auf diese Weise in meinen Augen nicht funktionieren wird. Wenn jeder, der „vom Weg abweicht“, zur Zielscheibe wird für ausufernde Hasstiraden, dann hat wohl keiner wirklich begriffen, dass an irgend einer Stelle mal jemand mit dem „Miteinander“ anfangen muss. Weil der Graben sonst einfach immer nur noch größer wird. Wenn jeder nur „seine oder ihre eigenen“ Belange sieht, ist in den eigenen Augen immer nur man selbst das Opfer. Und „die Anderen“ sind schuld. Sie „schaden der Sache“. „Die haben aber angefangen!“ bzw. „Die machen das aber auch!!!!111elf“ Oder oder oder [hier beliebige Beschuldigung einfügen].

Regelmäßig, wenn ich meinen Kindern [sechs und sieben Jahre alt] beim Streiten zuhöre, werde ich unangenehm an so manches Verhaltensmuster erinnert, was ich Feminismus-/Maskulismus-intern bzw. zwischen den Fronten erleben durfte. Dort wurde vollkommen unreflektiert verbal aufeinander eingedroschen, ohne dass eine der beiden Parteien jemals gemerkt hätte, dass sie nichts anderes tut als der Gegenseite das eigene Verhalten zum Vorwurf zu machen, und jeder muss das letzte Wort haben bzw. noch eins draufsetzen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass auf diese Weise irgendwelche männerrechtlich relevanten Ziele erreicht werden.

Warum ich kein „Maskulist“ bin

Im deutschsprachigen Raum hat es sich eingebürgert, Menschen die sich für die Rechte von Männern einsetzen und den Feminismus kritisieren als „Maskulisten“ zu bezeichnen. Auch unter den anderen Autoren auf diesem Blog gibt es einige die sich selber so bezeichnen. Ich möchte hier darlegen, warum ich diese Bezeichnung für schrecklich halte und ich mich stattdessen als „Männerrechtler“ verstehe.

Was zunächst bei dem Begriff „Maskulismus“ auffällt ist die Ähnlichkeit zu „Feminismus“. Dadurch wird suggeriert, dass es sich hier um so etwas wie einen „Feminismus für Männer“ oder einen „Feminismus mit umgedrehten Vorzeichen“ handelt. Also quasi ein Gegengewicht zum Feminismus. Dadurch wird jedoch implizit dem Feminismus eine Existenzberechtigung eingeräumt. Das Problem mit dem Feminismus ist aber nicht, dass er für Frauen eintritt, sondern dass er dies auf rücksichtslose und kontra-produktive Weise tut.

Er ist rücksichtslos, weil die Rechte von Männern missachtet werden. Es wird versucht, auf viele verschiedene Weisen, Geld, Positionen und andere Ressourcen von Männern wegzunehmen und sie Frauen zu geben. Beispiele dafür sind Alimente und Kindesunterhalt (welche theoretisch geschlechtsneutral sind, in der Praxis aber überwiegend von Männern an Frauen gezahlt werden), Frauenquoten und die bevorzugte Einstellung von Frauen, diverse staatliche und staatlich geförderte Programme die speziell Frauen und Mädchen helfen sollen, vom Girls’Day bis hin zu Frauenhäusern, welche aus Steuergeldern bezahlt werden, die überwiegend von Männern erhoben werden.

Der Feminismus ist kontra-produktiv, da er selbst für Frauen schädlich ist. Dies sieht man zum Beispiel daran, dass laut zahlreichen Studien das subjektive Wohlbefinden von Frauen sich seit den 1970er Jahren verringert hat—sowohl absolut als auch relativ zu Männern. Es ist schwierig genau zu bestimmen, warum Frauen in den letzten 40 Jahren unglücklicher geworden sind, aber es gibt einige plausible Gründe, von denen viele vom Feminismus zu verantworten sind.

Zunächst wäre da das allgemeine Unrechtsempfinden, das der Feminismus in Frauen ausgelöst hat. Wenn viele Frauen seit dem Siegeszug des Feminismus sich nun als Teil einer unterdrückten Gruppe sehen, die an allen Ecken und Enden von chauvinistischen Patriarchen zurückgehalten wird und massenweise Opfer von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung und „Femizid“ wird, dann kann man davon ausgehen, dass dadurch das Wohlbefinden dieser Frauen beeinträchtigt wird. Dass derartige Bedrohungsszenarien maßlos übertrieben oder gar völlig erfunden sind, tut der subjektiv empfundenen Empörung keinen Abbruch.

Die derartig vom Feminismus beeinflusste Wahrnehmung erschwert sicher auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Allzu häufig werden seit den 1960er Jahren Männer und Frauen nicht mehr als Partner verstanden die unterschiedliche Stärken und Schwächen haben und sich gegenseitig ergänzen, sondern als Konkurrenten oder gar Feinde in einem „Geschlechterkrieg“. Eine derartig antagonistische Sichtweise erschwert natürlich romantische Beziehungen zwischen Männern und Frauen und destabilisiert die Familie. In den letzten 40 Jahren ist auch die Zahl der unehelichen Kinder und die Zahl der alleinerziehenden Mütter enorm gestiegen. (Wobei dafür natürlich nicht allein der Feminismus verantwortlich ist.) Den meisten Frauen sind Familie und Partnerschaft aber weiterhin wichtig und sie bevorzugen eine „intakte“ Familie zu haben. Dies ist also ein weiterer Quell weiblicher Unzufriedenheit.

Jenseits der geänderten Wahrnehmungen und gesellschaftlichen Normen, gibt es aber auch einige rechtliche Änderungen die vermeintlich die Lage von Frauen verbessern, tatsächlich aber ein zweischneidiges Schwert sind. Da wären zum Beispiel arbeitsrechtliche Gesetze wie das gesetzlich verankerte Recht auf Mutterschaftsurlaub, Antidiskriminierungsgesetze, spezielle Gesetze gegen sexuelle Belästigung und natürlich Frauenquoten.

Die ersten drei Beispiele haben alle gemeinsam, dass dadurch einer bestimmten Gruppe von Frauen geholfen wird, aber dadurch dem Arbeitgeber Kosten entstehen. Nun ist ein Arbeitgeber in der Regel keine mildtätige Organisation und stellt eine Frau nur dann ein, wenn er glaubt, dass sie ihm mehr einbringt als sie ihn kostet. Entscheidend ist für den Arbeitgeber aber nicht der Lohn den er bezahlt, sondern die Gesamtkosten, die eben auch solche Dinge enthalten wie die Kosten die entstehen wenn eine Mitarbeiterin auf Mutterschaftsurlaub geht oder die Gerichtskosten, wenn eine Mitarbeiterin das Unternehmen wegen angeblicher Diskriminierung verklagt. Wenn solche erwarteten Nebenkosten höher sind, ist folglich der Lohn den der Arbeitgeber bereit zu zahlen ist niedriger. Auf was sich diese Gesamtkosten aufteilen ist für den Arbeitgeber nicht allzu wichtig, wohl aber für die Mitarbeiter die sehr wohl individuelle Präferenzen bezüglich Höhe des Lohns versus Umfang der sekundären Vorteile haben. Am besten wäre es daher, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Vertragsbedingungen individuell aushandeln könnten. Dies wird aber empfindlich eingeschränkt durch Gesetze die vermeintlich Frauen schützen. Wenn zum Beispiel eine Frau gerne einen Arbeitsvertrag hätte in dem sie kein Recht auf Mutterschaftsurlaub hat, dafür aber ein höheres Gehalt bekommt, so darf sie das nicht aushandeln, selbst wenn der Arbeitgeber einverstanden wäre. Diese Gesetze machen Frauen für Arbeitgeber weniger attraktiv und tragen so zur berüchtigten Lohnlücke und zu der geringen Zahl der weiblichen Führungskräfte bei.

Frauenquoten helfen jenen Frauen die dadurch Stellen bekommen die ansonsten an einen (in den Augen des Arbeitgebers) besser qualifizierten Mann gegangen wären. Allerdings unterminieren sie die Legitimität weiblicher Führungskräfte, die durch die Existenz der Quote alle zu potentiellen „Quotenfrauen“ werden. Die dadurch ausgelöste Missgunst macht es sicher nicht leichter, sich in der neuen Stelle zu behaupten. Wenn (wie durch grundlegende ökonomische Theorie zu erwarten ist*) Unternehmen mit einer Frauenquote weniger effizient arbeiten als Unternehmen die einstellen können wen sie wollen, dann schaden Frauenquoten sehr vielen Menschen, insbesondere den Eigentümern, Angestellten und Kunden der betroffenen Unternehmen. Und in einer komplexen modernen Marktwirtschaft dürfte das fast jeder sein, also insbesondere auch fast alle Frauen.

Ich habe keinerlei Bedürfnis, Teil einer Bewegung oder Ideologie zu sein, die das Gleiche mit umgedrehten Geschlechtern macht. Ich möchte keine besonderen Gesetze zum Schutz von Männern. Ich möchte keine männlichen Gleichstellungsbeauftragten die rücksichtslos die vermeintlichen Interessen von Männern vorantreiben. Ich möchte nicht Frauen dämonisieren oder die negativen Aspekte von Männern herunterspielen.

Wohlgemerkt: Ich behaupte nicht, dass alle oder gar die meisten „Maskulisten“ diese Dinge befürworten, aber all dies schwingt für mich im Begriff Maskulismus mit. Und es gibt auch genug Maskulisten die durchaus bereit sind, auf das Niveau des Feminismus herabzusinken und ihn mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen. Das sieht man beispielsweise an den vielen Maskulisten die Antidiskriminierungsklagen von Männern gegen ihre Arbeitgeber oder andere Privatunternehmen unterstützen. Das Problem hier ist meines Erachtens die Existenz dieser Gesetze gegen Disrkiminierung, nicht dass sie hauptsächlich zugunsten von weiblichen „Opfern“ eingesetzt werden.

So etwas möchte ich nicht mitmachen. Mein Ziel ist es, die Rechte von Männern zu stärken. Es geht mir dabei nur nachrangig um gesellschaftliche Normen oder Diskriminierung von Männern durch Privatpersonen. Dagegen haben Männer probate Mittel sich zu wehren. Nicht jedoch gegen staatliche und gesetzliche Diskriminierung. Wenn Männer zum Militärdienst gezwungen werden, können sie sich nicht dagegen wehren. Wenn Männer von Gerichten härter bestraft werden, können sie sich nicht dagegen wehren (im Gegensatz zur Ungleichbehandlung durch ein Privatunternehmen kann man hier nicht zu einem Konkurrenten wechseln). Wenn Männer über Steuern gezwungen werden, feministische Projekte zu finanzieren, können sie sich nicht dagegen wehren.

Gegen diese und ähnliche Missstände möchte ich mich einsetzen. Und dabei ist es wichtig, diese Ungleichheiten in die richtige Richtung zu beseitigen, und das ist mehr Freiheit und mehr Rechte für Männer, nicht weniger Freiheit und weniger Rechte für Frauen. Daher bin ich zum Beispiel strikt gegen die Wehrpflicht, nicht für eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht. Genauso ist die richtige Vorgehensweise, niemanden zur Finanzierung feministischer Projekte zu zwingen; wenn stattdessen Frauen gleichermaßen zur Finanzierung maskulistischer Projekte gezwungen würden, wäre damit niemandem geholfen. Ein Unrecht wird nicht gerecht dadurch dass man alle gleichermaßen ungerecht behandelt.

Deswegen bin ich kein Maskulist, sondern ein Männerrechtler.

 

 

*Manche Unterstützer von Quoten rechtfertigen diese mit der Behauptung, Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in der Führungsriege seien erfolgreicher. Es gibt Studien die diese These unterstützen und andere Studien die das Gegenteil vermuten lassen. Es gibt auf jeden Fall keinen eindeutigen und beweisbaren Zusammenhang zwischen Frauenanteil und Geschäftserfolg. Aber selbst wenn solch ein positiver Zusammenhang bestünde, wäre das kein Grund für eine gesetzliche Frauenquote. In diesem Fall wäre es im ureigenen Interesse der Unternehmen, mehr Frauen einzustellen, so dass ein gesetzlicher Zwang überflüssig wäre.

Geschlechterdiskurs, Massenmedien – und die Verdrängung der männlichen Perspektive

Dies ist mein erster Beitrag in diesem Gemeinschaftsblog. Tatsächlich ist es auch mein erster Blogbeitrag als Autor überhaupt. Es bringt mich dazu, als Einstieg ein wenig darüber zu reflektieren, was das für ein „Resonanzraum“ ist, in dem wir uns hier bewegen.

Offensichtlich geht es im weitesten Sinne um Geschlechterthemen. Und in der öffentlichen Diskussion über diese Themen finde ich es auffallend, dass die männliche Perspektive auf Geschlechterthemen, Geschlechterpolitik oder das Geschlechterverhältnis kaum im „offiziellen“ Teil der Massenmedien stattfindet. Dort herrscht die weibliche (oft feministisch geprägte) Sicht vor. Wie auch in der Politik, wo Geschlechterpolitik sehr weitgehend „Frauenpolitik“ ist. Die männliche Seite, die Artikulation von männlichen Interessen oder Perspektiven findet in diesen Diskursen, so weit sie in den gesellschaftlichen Institutionen stattfinden, kaum statt. face-205563_150 Um es mit einem ganz groben Pinsel zu zeichnen, könnte man sagen, Politik, Medien und in weitestem Sinne die (Unterhaltungs)Kultur oder auch das Bildungswesen sind stark femizentrisch geprägt. Ebenso gibt es eine ganze Reihe von femininen bis feministischen Lobby-Organisationen, teils eigenständig, teil in anderen gesellschaftlichen Organisationen wie z.B. Gewerkschaften oder Universitäten verankert – aber keine institutionell verankerte Interessenvertretung für Jungen und Männer. Anders gesagt: Die Hälfte der Bevölkerung hat in der gesellschaftlichen Landschaft keine Stimme, keine organisierte Interessenvertretung.

Diese Stimme gibt es dagegen in der gesellschaftlichen „Schmuddelecke“, vor allem im Internet, in Blogs wie diesem, in Intnetforen, in den Kommentarspalten von Massenmedien. Im Verhältnis zum „offiziellen“ gesellschaftlichen Diskurs verhalten sich diese Meinungen und Ansichten oft wie eine Unterströmung, die weniger sichtbar doch recht anders verlaufen in der Fließrichtung, als es an der Wasseroberfläche den Anschein hat. (Für leichtsinnig Badende vermag eine Unterströmung auch ein überraschendes Gefahrenpotential bereit zu halten.)

Ich will hier einmal eine Parallele ziehen zu einem anderen aktuellen Thema: der Situation in der Ukraine. Bernd Ulrich hat am 10. April 2014 in der FAZ ziemlich erschreckt festgestellt:

„Wenn die Umfragen nicht täuschen, dann stehen zurzeit zwei Drittel der Bürger, Wähler, Leser gegen vier Fünftel der politischen Klasse, also gegen die Regierung, gegen die überwältigende Mehrheit des Parlaments und gegen die meisten Zeitungen und Sender.“

Im Online-Magazin Telepolis schreibt Malte Daniljuk unter dem Titel „Meinungskluft um die Ukraine“ gar von einer „Götterdämmerung des deutschen Auslands-Journalismus“.
men-191933_150 Ich will nun hier gar nicht das Ukraine-Thema diskutieren (und würde auch darum bitten, in den Kommentaren dies nicht zu tun). Mir geht es um das Phänomen der Kluft zwischen „offiziellem“ gesellschaftlichem Diskurs und einem zumindest nicht unbeachtlichen Teil der Rezipienten. Zwischen den Lautsprechern und ihrem Resonanzraum scheint es Dissonanzen zu geben.

Und hier sehe ich eine Parallele zur Thematisierung von Geschlechterthemen in Politik, Medien und kulturellem Überbau – und der Resonanz beim geneigten Publikum. In beiden Fällen scheint nicht unerheblich für die Kluft zwischen Kommunikatoren und Adressaten, dass seitens der „offiziellen“ Agenten im Diskurs in vielen Fällen mit entweder sehr einseitigen oder teilweise klar falschen Informationen hantiert wird. In geschlechterthematischen Rahmen ist dies z.B. bei den Diskussionen um den sog. „Pay Gap“ zwischen den Geschlechtern oder beim Thema „häusliche Gewalt“ recht deutlich. (Ich will an dieser Stelle diese Themen selber gar nicht ausführlich ansprechen, ich habe es für einen meiner späteren Beiträge vor.) Mir geht es mehr um das Phänomen der Kluft oder des Kontinentaldrifts zwischen „Sendern“ und „Empfängern“.

Während in der Geschlechterdebatte die Diskurshoheit einer femizentrischen (und oft feministischen) Sicht weithin unangefochten ist, die Ideologie also praktisch ohne Debattengegner agieren kann, grummelt es in den Kelleretagen vernehmbar.

Aber noch eine andere Analogie liegt nahe. Seit Entstehung der Psychoanalyse ist der Begriff der „Verdrängung“ in der Welt. Er beschreibt ein innerpsychisches Geschehen, bei dem psychische Inhalte sozusagen vor dem Bewusstsein versteckt werden, in dem sie in das Schattenreich des Unbewussten befördert werden. Und es gibt Instanzen in der Psyche, die darüber wachen, dass diese Inhalte dort bleiben. Nun ist in der Psychoanalyse die Vorstellung zentral, dass eine solche Verdrängung zu neurotischen Symptomen führen kann. Die in den Untergrund verbannten Inhalte werden dort sozusagen zu „Terroristen“ oder „Saboteuren“, deren Anschläge auf regulierenden Instanzen oft überraschend und unvorhersehbar kommen. (Oft überkommen sie das Individuum auch „maskiert“ – so dass gar nicht so recht erkennbar ist, dass es sich um „schmuddelige“ Kellergestalten handelt oder um welche dieser Gesellen genau.)
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Und in dieser Analogie könnte man vielleicht sagen: Im gesellschaftlichen Diskurs wird die männliche Perspektive in den Untergrund gedrängt. „Offiziell“, an der Oberfläche des gesellschaftlichen Bewusstseins wird nur die feminzentrische Perspektive zugelassen. Die Anstrengungen der „Wächterinstanzen“, zum Beispiel Männerrechtler als Nazis und Freunde von massenmordenden Amokläufern darzustellen, mag hier pars pro toto als Illustration für diese Analogie zum psychoanalytischen Verdrängungsmodell stehen.

Aber was wäre jetzt die Neurose auf der gesellschaftlichen Diskursebene? Nun, ebenfalls pars pro toto, könnte man z. B. auf Bestrebungen verweisen, aus der Sprache jegliche Assoziation zu Männlichem zu tilgen, die so weit geht, dass alleine schon die Buchstabenkombination „er“ in einem beliebigen Wort vermieden und durch etwas anderes ersetzt werden muss.

Man fragt sich ja unwillkürlich als erstes: Das ist eine Satire, oder? Ups – es muss natürlich heißen: „M@n fragt sich ja un_willkürlich als xstes: Das ist eine Satix, odn?“ So wäre es genderkorrekt, nicht diskriminierend und nicht frauenunterdrückend. (Nur leider auch nicht mehr lesbar). Nein, es ist kein Satire – es ist ernst gemeint. Was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn es sich einfach um irgendwelche durchgeknallten Spinner handelte, die so etwas ernsthaft vorschlagen. Es handelt sich aber um gesellschaftliche Institutionen (hier die Humboldt Universität in Berlin), die von Steuergeldern, also der staatlichen Zwangsabgabe für die Gemeinschaft, finanziert werden.

Und ich frage mich schon: Wenn diese Vorschläge für „W_ortungen als Sprachhandeln“ NICHT neurotisch sind (in ihrer Abwehr auch nur leichtester Assoziationen an Männliches) – was wären sie dann?

Und ewig lockt das Weib…

“In den 1970er Jahren, als wir Feministinnen den Männern die Liebeshörigkeit aufkündigten und so die wahre sexuelle Revolution anzettelten, da hatten wir immerhin die Verdopplung der Möglichkeiten durch die Öffnung für homosexuelle Beziehungen zur Verfügung. Du hast keine Lust mehr? Macht nichts, ich habe mich eh gerade in eine Frau verliebt.” Alice Schwarzer

„Was ich brauche, um mit Heterosexismus und Homophobie besser klarzukommen, ist: ein radikaler Abbau von Hetero-Privilegien und Hetero-Normen, die immer zusammenhängen mit der unhinterfragten Fortführung einer Vorstellung, dass es zwei und nur zwei Geschlechter gäbe und dass Geschlecht überhaupt eine notwendige gesellschaftliche Ordnungskategorie sei. Was ich brauche, ist, dass Heten ihre Verantwortung darin erkennen und sich am Abbau dieser Dinge beteiligen.“ Nadine Lantzsch

Die reinste Form des Feminismus scheint den Lesben vorbehalten zu sein. Schaut man sich in der feministischen Szene etwas genauer um, fällt auf, dass viele der tonangebenden Frauen lesbisch sind. Sogar Alice Schwarzer, auch wenn die es nicht offen zugeben mag.

Insoweit verwundert es nicht, dass aus feministischer Sicht der Kampf gegen angebliche „Heteronormativität“ als wiederkehrendes und wichtiges Thema angesehen wird. Da gibt es Veranstaltungen, die sich als offen nur für „FLT“ bezeichen (Frauen, Lesben, Transsexuelle). Sind Lesben nicht ohnehin Frauen? Warum dann hier die besondere Betonung? Man stelle sich mal eine Veranstaltung für „Männer & Schwule“ vor.

Netzfeministinnen in funktionierenden heterosexuellen Beziehungen scheint es dagegen (fast) nicht zu geben. Zumindest spricht niemand darüber. Einzig mir bekannte  Ausnahme ist dieser Beitrag. Das ist umso bemerkenswerter, als doch der Feminismus um das Verhältnis der Geschlechter zueinander kreist. Das Ganze scheint irgendwie nur in der Theorie zu funktionieren.

Aus lesbischer Sicht ist es natürlich nicht verwunderlich, wenn das Verhältnis zu Männern und der harmonische Umgang der Geschlechter miteinander wenig interessant sind und Männer hier bestenfalls als störende „Macker“ vorkommen. Eine schwule Männerechtsbewegung hätte umgekehrt vermutlich auch nur wenig Interesse sich für einen angemessenen Umgang der beiden Geschlechter miteinander einzusetzen. Man wäre sich vermutlich selbst genug. Oder warum sollte eine solche Bewegung, die an Frauen keinerlei sexuelles Interesse hätte irgendein Verständnis für Frauen und deren Probleme haben? Hatte ich erwähnt, dass Alice Schwarzer in ihrem Buch „der kleine Unterschied“ den penetrativen Sex als einen Akt der Unterdrückung der Frau durch den Mann deutete? Sexuelle Praktiken auf die man selbst nicht steht wirken ja immer irgendwie abstoßend.

Nachtrag:

Man hätte  diese Fragen vielleicht auch mit der feministischen Partei DIE FRAUEN diskutieren können. Deren Bundesparteitag fand Anfang April 2014 in den Räumen der Berliner Lesbenberatung e.V. statt.

Die Frauenquote, Teil 1: Wieviel darf’s denn sein?

Die Quotendiskussion leidet einer ganz entscheidenden Schwäche: Wieviele Frauen dürfen, bzw. müssen auf den Führungsetagen vertreten sein? Wann sind Frauen angemessen in den Führungsetagen vertreten? Nach welchen empirischen Erkenntnissen (oder aufgrund welcher Daten) wird der richtige Frauenanteil errechnet? Braucht es 20, 30 oder gar 50 Prozent Frauen in den Führungsetagen? Darüber  breiten die Quotenbefürworter allgemein das Tuch des Schweigens. Es ist also zu vermuten, dass die „richtige“ Höhe des Frauenanteils reine Gefühlssache- und damit vor allem eine Frage der politischen Opportunitäten ist.

Ein Blick auf die Quotenwirklichkeiten in ganz Europa fördert mitunter ganz Erstaunliches zutage: So hat Norwegen 2003 beschlossen, dass der „richtige“ Frauenanteil bei 40 Prozent liegt- und diesen Anteil 2006 gleich in ein Gesetz gegossen, dass für die Verwaltungsräte aller börsenkotierten Gesellschaften gilt. Ganz anders sieht das die deutsche Bundeswehr: Ihr Ziel ist eine Gesamtquote von 15 Prozent Frauen im gesamten militärischen Bereich. Der deutsche Verein ProQuote wiederum fordert bis 2017 einen gesetzlich verbindlichen Frauenanteil von 30 Prozent auf allen Führungsebenen in sämtlichen Print- und Onlinemedien, TV und Radio. Dasselbe Ziel verfolgt auch die sog. „Stauffacher Deklaration“, die vorsieht, dass der Frauenanteil in der Redaktion des schweizer Tages Anzeigers bis 2016 auf 30 Prozent ansteigt.

„Nur schon das Arbeitsklima ist anders. In einer männerlastigen Umgebung ist alles automatisch sportlicher, militärischer, aggressiver.“, antwortet die Frauenbeauftragte und langjährige Kulturjournalistin Simone Weber auf die Frage, warum es in den „Tagi-Testosteron-Territorien“ überhaupt einen höheren Frauenanteil brauche. Die Stadt Bern setzt die Frauenquote in der Verwaltung auf Kaderebene etwas höher, genauer: bei 35 Prozent an. Als die Stadt Zürich es ihr gleich tun wollte, stellte sie mit Erstaunen fest, dass bereits 43,5 Prozent aller Kaderstellen im Verwaltungsbereich von Frauen besetzt sind! Erwin Rasinger, Abgeordneter der ÖVP im österreichischen Nationalrat, forderte vor Jahren einmal eine gesetzliche 50-Prozent-Frauenquote an allen medizinischen Fakultäten. Ein prozentual weit tieferes Ziel hat sich unlängst Advance gesetzt und will den Frauenanteil in Exekutivpositionen in der schweizer Wirtschaft bis 2020 auf freiwilliger Basis von derzeit 4 auf 20 Prozent erhöhen.

Als die deutsche SPD-Politikerin Gesche Joost 2013 sogar eine Frauenquote für Talkshows forderte, liess sie zum Glück offen, wie hoch eine solche ausfallen soll. Mit gutem Grund: „Vor allem die elektronischen Medien haben ein gewaltiges Problem mit einer vertretbaren Frauenquote (…) Oft ist es kaum möglich, zumindest eine Alibifrau für eine TV-Diskussionsrunde zu finden, bei der es nicht um eines der häufig gewählten Softthemen geht.“, wie der schweizer Journalist und Unternehmer Roger Schawinski ausführt, der von 2003 bis 2006 den deutschen Privatsenders Sat 1 geführt hat. Das bestätigt auch Peter Wälty, stellvertretender Chefredaktor bei 20Minuten, der mit über einer Million Lesern pro Ausgabe meistgelesenen Tageszeitung der Schweiz: „Bei Newsnet haben wir in den letzten fünf Jahren weit über hundert Mitarbeiter eingestellt. Die Frauenquote bei den Bewerbungen lag bei höchstens fünfundzwanzig Prozent. Wen wundert es also, wenn Frauen in Führungspositionen untervertreten sind, wenn die sich gar nicht erst bewerben? Dabei bietet Newsnet- mit Ausnahme des Newsdesks- gerade auch für Mütter und solche, die es werden wollen, ideale Arbeitsbedingungen. “

Im nächsten Teil dieser Serie über die Frauenquote beschäftige ich mich mit der Frage, ob Innovationsfreude, unternehmerischer Mut und Pioniergeist typisch männliche Eigenschaften sind: Don’t miss it!