Was kommt nach der Gleichberechtigung?

Wenn Ihr älter seid, werden Frauen und Männer gleichberechtigt sein. Und die Hausarbeit werden Roboter machen. So oder so ähnlich habe ich das in meiner Jugend gehört. Was nicht sehr viel über mein Alter aussagt. Diese Vision der unmittelbar bevorstehenden Zukunft wird schon einigen Generationen präsentiert. Das Zieldatum wird einfach immer wieder nach hinten verschoben. Die Roboter leben schon eine Weile bevorzugt in Science Fiction Filmen. Und die umfassende Gleichberechtigung ist nach wie vor eine Utopie. Obwohl sich natürlich tatsächlich viel verändert hat.

Viel wurde erreicht

Wir können jetzt den automatischen Staubsauger-Roboter im Geschäft kaufen. Das ist zwar nicht ganz der versprochene elektronische Butler, der in der Früh den Kaffee zum Bett bringt. Aber immerhin. Bei der Gleichberechtigung sieht es ähnlich aus. Früher konnten Frauen ja nicht einmal an der Universität studieren. Oder wählen. Oder allein am Abend Essen gehen. Obwohl das mit dem Essen vielleicht doch nicht wirklich unser Kulturkreis war. Und das Wahlrecht ist auch schon älter als 99% der lebenden Mitmenschen. Wenn man die Frauen fragt, hat sich in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise eher wenig verbessert.

Viel wird nie erreicht werden

Wenn man immer nur die Frauen fragt, wird sich das wohl auch nicht mehr ändern. Wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe, schlägt der Trend zur Gleichberechtigung immer mehr in sein Gegenteil um. Weil Frauen nicht gleichberechtigt sein wollen. Zumindest mehrheitlich. Wenn es um greifbare Konsequenzen im täglichen Leben geht. Kaum eine Frau will gleich sein. Eine Frau will etwas Besonderes sein. Lobbies und Regierungen betreiben heute die Gleichstellung (der Frauen) und schaffen damit auf Wunsch der Frauen die gerade erst geschaffene Gleichberechtigung an vielen Stellen wieder ab. Bevor der vollständigen Gleichberechtigung überhaupt eine Chance gegeben wurde. Die Lohnungleichheit wäre schnell aufgelöst, wenn Väter tatsächlich gleichberechtigt wären. Aber das werden wir kaum mehr selbst erleben, weil der moralische Grundsatz der Gleichberechtigung mit der Jahrtausendwende entsorgt wurde. Was jetzt?

Wohin geht der Weg?

Dass die halb verwirklichte Gleichberechtigungs-Utopie zur allgemeinen Zufriedenheit beider Geschlechter geführt hätte, könnte man auch nicht wirklich behaupten. Also wird es weiter Veränderungen geben. In welche Richtung?

  1. Post-Gender
    Diese Option zähle ich nur der Vollständigkeit halber auf. Wer es noch nicht kennt: Post-Gender beruht auf der Annahme, dass die Unterscheidung Mann-Frau gesellschaftlich und/oder politisch nicht mehr relevant wäre. Typischerweise wird (oder wurde) diese doch sehr mutige These von Menschen vertreten, die entweder zu jung sind, um ihre Fantasiewelten im echten Leben zu überprüfen, oder zu schräg, um sich überhaupt um die Realität zu kümmern. Das Auftreten des Postgenderismus ist meistens nur von kurzer Dauer. Als drastisches Beispiel kann der innere Niedergang der deutschen Piratenpartei dienen. Post-Gender hat sich bereits selbst widerlegt, bevor es umgesetzt wurde. Niemand setzt sich ernsthaft dafür ein, dass das Geschlecht als Kategorie im öffentlichen und politischen Leben bedeutungslos werden soll. Damit kann Post-Gender nie eine ernsthafte Rolle spielen.
  2. Zurück ins bürgerliche Biedermeier
    Ob wir es gerne sehen oder nicht, unsere Gesellschaft baut nach wie vor grundsätzlich auf bürgerlichen Idealen auf. Wenn die Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, könnten wir auch wieder zurück zu unseren kleinbürgerlichen Wurzeln gehen und die Kleinfamilie wiederbeleben. Irgendwie passiert das ja bereits. Junge Menschen sehen bürgerliche Werte mittlerweise positiver als die gealterte Hippie-Generation. Die Hausfrauenehe steht vor einem Comeback. Allerdings mit zwei Haken. Die positiven retro-Gefühle sind nicht gleichmäßig über die Geschlechter verteilt. Junge Frauen finden die Hausfrauen-Ehe eher attraktiv als junge Männer. Die Retro-Ehefrauen in spe werden also nicht genug Versorger-Ehemänner finden. Und das mit gutem Grund. Die bürgerliche Ehe kann dem bürgerlichen Mann kaum noch Anreize bieten. Die alten Väterrechte sind weg, aber die Versorgerpflichten bleiben sogar nach der Scheidung bestehen. Und weder Frauen noch Männer wollen die alte Sexualmoral zurück. Schon gar nicht als gesetzlich verbindliche Vorschrift für Alle. Die bürgerliche Kleinfamilie wird daher auch in näherer Zukunft immer nur eine individuelle und zerbrechliche Scheinidylle auf Zeit sein. Abgesehen davon schrumpft die bürgerliche Mittelschicht ohnehin zunehmend.
  3. Zurück in den Feudalismus
    Die Gesellschaft feudalisiert sich rasant. Die Superreichen werden mehr und reicher. Es gibt wieder eine verarmte Unterschicht. Und die Mittelschicht kommt immer mehr unter Druck. Am Ende so einer Entwicklung würde eine ständische Gesellschaft stehen, wie wir sie zum Beispiel im Barock hatten. Interessanterweise gehen die feministischen Initiativen der letzten Jahre auch in diese Richtung. Anstatt wie noch vor 30 Jahren gleiches Recht für Alle zu fordern (bürgerlicher Liberalismus), werden heute dem Geschlecht (Stand) zustehende Privilegien (Quoten, gegenderte Sprache) eingefordert. Der Feminismus ist längst im ständischen Feudalismus des Barock angekommen. Wenn die Männer mit entsprechenden Gegenforderungen antworten, bekommen beide Geschlechter irgendwann ihre Sonderrechte und die Geschlechter werden zu nebeneinander bestehenden Ständen. Dann gibt es Frauenquoten für Aufsichtsräte und Männerquoten für alleinerziehende Väter, getrennte Frauen- und Männerparlamente, möglicherweise auch getrennte staatliche Männer- und Frauenbudgets, frauenspezifische Sprache und männerspezifische Sprache, Frauengesetze und Männergesetze, Frauenrechte und Männerrechte. Und keine Menschenrechte. So unwahrscheinlich ist diese Entwicklung nicht. Die offene Frage ist nur, ob sich Männer genauso kollektiv für ihre Privilegien einsetzen werden wie das Frauen schon heute tun. Bislang warten sie noch ab. Wenn sie weiter passiv sind, gibt es irgendwann nur mehr Frauenprivilegien.
  4. Das Matriarchat
    Die umfassende Dominanz der Frauen in allen Bereichen des Lebens ist ebenso möglich. Geplant wird es ja schon. Der Kern des radikalen Feminismus wird heute insbesondere in den USA von Lesben kontrolliert und die wollen weder Gleichberechtigung noch Gleichstellung, die wollen die lästige Konkurrenz der heterosexuellen Männer kaltstellen. In einem zukünftigen Europäischen Matriarchat wären wohl immer noch viele Bereiche des Lebens männlich „dominiert“, aber das hätte nichts mit Machtausübung zu tun. Männer wären vor allem für die körperlich anstrengenden und gefährlichen Arbeiten zuständig, Frauen hätten überall freie Wahl und vollständige Kontrolle. In der Praxis wäre die Landesverteidigung also weiter Männersache, aber Frauen würden über Krieg und Frieden entscheiden. Die Spitzen von Politik und Wirtschaft würden von Frauen kontrolliert, aber Schwerarbeit und gefährliche Tätigkeiten wären Männersache. Frauen hätten alleinige Kontrolle über Partnerwahl, Geburtenkontrolle und Kindererziehung, Männer hätten keine dauerhafte Rolle in der Familie. Also insgesamt auch eine Art von Feudalismus, aber mit den Frauen als neuer Oberschicht. Für dieses Szenario spricht die anhaltende Passivität der Männer. Dagegen spricht die zahlenmäßige Unterlegenheit der Lesben und historische Beispiele: Gesellschaften, in denen Väter entrechtet sind, fallen zivilisatorisch recht schnell zurück und zerfallen dann in Kleingruppen. Das Europäische Matriarchat wäre wohl nur ein kurzfristiger Übergang zu etwas ganz Anderem.
  5. Seitwärts in den Islamismus
    Wenn die Europäische Kultur an der eigenen Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, bekommt vielleicht der Islam letztlich die Oberhand bei uns. Der Weg von der Ablehnung des Feminismus zur Annahme des Islamismus ist ein erstaunlich kurzer. Sowohl Männer als auch Frauen schätzen am Islam das gesicherte Rollenbild. Der Schritt von einem geschwächten Christentum zur eng verwandten monotheistischen Religion des Islam wäre auch ein nicht zu weiter. Aber dieses Szenario teilt eine grundlegende Schwäche mit dem möglichen Matriarchat: Islamische Gesellschaften sind chronisch unproduktiv. Irgendjemand müsste die bedürftigen moslemischen Massen ja ernähren. Europa ist nicht Kuweit. Der Islamismus würde in sich zusammenfallen, bevor er überhaupt richtig installiert wäre. Am Ende des Mittelalters waren die islamischen Gesellschaften noch vergleichsweise fortschrittlich. Wenn sie damals Europa nicht übernehmen konnten, wird das jetzt wohl auch nicht so leicht funktionieren können.
  6. Beiderseitige Radikalisierung des Geschlechterkampfs
    Wenn es keine Flucht in externe Modelle gibt, bleibt die Option der inneren Radikalisierung. Islamismus und radikaler Feminismus könnten sich zum Beispiel gegenseitig radikalisieren wie Faschismus und Kommunismus in der letzten Zwischenkriegszeit. Oder es entwickelt sich ein radikaler Maskulismus. Nachdem sich die Männer generationenlang die angeblichen Sünden des angeblichen Patriarchats vorhalten lassen mussten, könnten sie ja auf die Idee kommen, so etwas wie das Patriarchat einmal in echt auszuprobieren. Das wäre dann nicht mehr die light-Variante des 19. Jahrhunderts, sondern die tatsächliche Allmacht der Männer. Auf „mein Bauch gehört mir“ würde dann zwei Generationen später „dein Bauch gehört mir“ folgen. Nur zur Klarstellung: In dieser Form gab es das noch nie. Abtreibung war vor 100 Jahren verboten, aber das war eben kein Männerprivileg, sondern ein Verbot, das sich gegen Frauen und Männer gleichermassen gerichtet hat. Wer das echte Patriarchat will, könnte die feministische Übertreibung in ihr Gegenteil verkehren und zum Beispiel das Austragen eines Kindes von der Zustimmung des Vaters abhängig machen. Damit würden nicht nur Frauen, sondern auch Männer die eigene Entscheidungsfreiheit über den Schutz des ungeborenen Lebens stellen. Wenn dann „ungewollte Vaterschaft ist Vergewaltigung“ auf „Mein Bauch gehört mir“ prallt, geht der Geschlechterkampf in die nächste Eskalationsstufe über. Für alle Szenarien eines radikalisierten Geschlechterkampfes spricht die wachsende Wut der jungen Männer. Aber bisher wurde das männliche Unbehagen typischerweise nicht offen als maskulistische Aktion formuliert, sondern in umfassendere Gesellschaftsmodelle verpackt.
  7. permanenter Kulturkampf
    Wenn Männer einerseits vom radikalen Feminismus abgestoßen bleiben, aber andererseits selbst keinen radikalen Maskulismus vertreten wollen, kann es zum permanenten Kulturkampf wie derzeit in den USA kommen. Die dortigen Linken („Liberalen“) haben den Feminismus adoptiert, die dortigen Rechten („Konservativen“) bieten ein Auffanglager für Antifeminismus. Allerdings sind die US-Konservativen eben keine Maskulisten, sondern Traditionalisten. Seit einigen Jahrzehnten versuchen sich die beiden Lager gegenseitig aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, indem sie öffentliche Aussagen skandalisieren, Medien und Schulen kontrollieren, Geld von und für Projekte abzweigen und so weiter. Derzeit haben die US-Liberalen die Oberhand, aber dieser Kulturkampf hat schon einige Phasen vorübergehender Vorherrschaft des einen oder anderen Lagers gesehen. Kennzeichnend für so ein Szenario wäre es, dass die tatsächlichen Rechte und Pflichten der Geschlechter irgendwann in der öffentlichen Diskussion weniger wichtig sind als die damit (angeblich) verbundenen gesellschaftlichen Idealvorstellungen. In vielen praktischen Aspekten sind sich radikale Feministen und Traditionalisten nämlich mittlerweile recht einig. Dass kleine Kinder vor allem bei ihrer Mutter leben sollen, wollen sie zum Beispiel beide. In Deutschland konnte man Ähnliches beobachten, als Steinzeitfeministen wie Alice Schwarzer mit ihrer Sexualmoral immer näher an moralinsaure Reaktionäre herangerückt sind. Den Schaukampf der Lebensmodelle haben wir in der Politik längst. Das könnte sich auch zu einem Kulturkampf wie in den USA auswachsen. Wenn sich Europäer irgendwann im gleichen Ausmaß dafür einspannen lassen.
  8. gemässigter Feminismus/Maskulismus
    Damit zu meinem Lieblingsmodell: Wer das Scheitern der vollständigen Gleichberechtigung nüchtern zur Kenntnis nimmt und trotzdem aus der Geschichte lernen will, sollte sich um einen gemäßigten Ausgleich bemühen. Das wäre jedenfalls meine Reaktion. Aber vielleicht bin ich da zu viel Österreicher. Wenn es genügend aufgeklärte Mitbürger gibt, hat ein liberal abgefederter Maskulismus im Ausgleich zu einem dann gemäßigteren Feminismus eine Chance. Dann gibt es eben moderate Geschlechterquoten in allen Bereichen des Lebens, aber für beide Geschlechter. Oder sorgfältig ausgewählte Frauenprivilegien im Familienrecht, die durch ebenso sorgfältig ausgewählte Männerprivilegien ausgeglichen werden. Für so eine Lösung spricht die gute Ausbildung der Europäischen Mittelschicht. Dagegen spricht, dass die Menschheit erfahrungsgemäß immer zuerst Extremvarianten ausprobiert, bevor sie das vernünftige Mittelmaß umsetzt.
  9. Implosion des Geschlechterthemas
    Wer so lange mitgelesen hat, ist wirklich am Geschlechterthema interessiert. Möglicherweise sind das aber gar nicht mehr so viele. Möglicherweise dient der Geschlechterkampf längst nur mehr der Unterhaltung der Massen. Möglicherweise interessiert die Jungen das Geschlechterthema überhaupt nicht mehr. Dann werden in ein paar Jahren die gealterten, verbeamteten Gender-Beauftragten genauso peinlich in den Augen der Jugend wirken, wie früher die prüde Biologielehrerin beim Sexualkundeunterricht. Vielleicht lebt die übernächste Generation einfach eine Vielfalt an Lebensmodellen nebeneinander und ignoriert die Geschlechter-Prinzipienreiterei ihrer Eltern und Großeltern. Vielleicht machen die Jungen das heute schon. Aber vielleicht überlegen sie es sich auch immer wieder anders, wenn das erste Kind da ist oder der Ehepartner eine Affäre hat.
  10. Implosion der Gesellschaft
    Wenn wir keine Lösung für diese grundlegende gesellschaftliche Frage finden, könnte aber auch etwas ganz anderes passieren: Die Gesellschaft könnte sich auflösen. Es wäre ja nicht das erste Mal. Ob die Familie die Keimzelle der Gesellschaft ist, kann man vielleicht noch kontrovers diskutieren. Aber dass die moralischen und rechtlichen Regeln für das Verhältnis von Mann, Frau und Kind die Grundlage jeder zivilisierten Ordnung sind, kann man kaum ernsthaft bestreiten. Derzeit leben wir mit einem inneren Widerspruch. Offiziell wird die Befreiung von traditionellen Zwängen propagiert. Tatsächlich werden die Zwänge aber in manchen Teilbereichen aufrechterhalten, in anderen Teilbereichen sogar verstärkt. Dieser Widerspruch kann eine Zeit lang als Preis des Übergangs akzeptiert werden. Aber irgendwann werden sich die Menschen fragen, wie lange sie noch auf die Erfüllung der abgegebenen Versprechen warten sollen. Auch dafür gibt es ein Beispiel aus den USA. „Men Going Their Own Way“ (MGTOW) ist eine radikale maskulistische Reaktion auf die Geschlechter-Doppelmoral. „Für einen Mann ist die Partnerschaft mit einer Frau immer ein Verlustgeschäft“ ist die Kernaussage von MGTOW und die radikale Schlussfolgerung lautet: Keine feste Beziehung mit Frauen, keine Kinder, keine Verpflichtungen eingehen, Zeugungsstreik und Ehestreik. Der Generationenvertrag kann bekanntlich sehr schwer gekündigt werden, aber der Geschlechtervertrag steht möglicherweise irgendwann von beiden Seiten zur Disposition. Eine Gesellschaft kann sich auch selbst aufgeben.
  11. Synthese eines neuen Modells
    Oder es entsteht etwas ganz Neues. Auf den „neuen Menschen“ im marxistischen Sinn will ich nicht mehr warten, der wurde bereits vergeblich ausprobiert. Aber die Geschichte des Westens ist voll von kreativen Neuschöpfungen. Jetzt wäre der Zeitpunkt für ein neues Modell des Geschlechterverhältnisses. Bisher lief alles unter dem Titel Freiheit. Das war wohl etwas einseitig. Und im Zweifel kehren die Frauen mehrheitlich ohnehin eher zur Sicherheit zurück. Vielleicht gibt es einen dritten Weg neben Freiheit und Bindung? Vielleicht können wir ja die bisherigen Gegensätze transzendieren und mit neuen Konzepten eine neue Entwicklung ermöglichen. Vielleicht diesmal eine, die sogar mit den Menschen funktioniert, die es tatsächlich bei uns gibt.

Was meint Ihr? Habe ich einen Fehler gemacht? Wird die echte Gleichberechtigung (gleiches Recht für Alle) doch noch ein Comeback schaffen? Können wir einfach mit den inneren Widersprüchen leben, ohne sie aufzulösen? Kommt überhaupt irgendetwas nach der Gleichberechtigung? Zum aktuellen Anlass eine Grafik zur EU-Wahl vor einer Woche aus Österreich. Man beachte die Auseinanderentwicklung bei den jungen Wählern. Kündigt sich bei den Jüngeren schon der Kulturkampf an? Sind Grüne und FPÖ die Österreichische Version einer feudalen Lobby für weibliche Bobos und männliche Arbeiter? Oder leben wir bereits in der Post-Gleichberechtigung und wissen es nur noch nicht?

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Etwas Alltagskultur – kaum Text. Nur eine Frage

Ich hatte für meinen heutigen Beitrag eigentlich etwas anderes vorbereitet … aber: Aus einem aktuellen persönlichen Bedürfnis heraus nun doch etwas ganz anderes für heute.

Es ist ist eine Art Test. Man könnte auch sagen: Eine Umfrage.

Wer die – leider obligatorische – Werbung im Vorspann erträgt und dann noch aus reiner Neugier, worum es hier gehen könnte, 9 Minuten Lebenszeit investieren mag, möge sich dieses Video ansehen.

Nun meine Frage: Ist da etwas auffällig,  was mit dem Themenspektrum dieses Blogs zu tun hat? Wenn ja: Was ist es? Wenn nein: Bitte auch schreiben.

PS: Ich schreibe in den Kommentaren später etwas dazu, warum ich die Frage stelle. Aber erst einmal ohne Vorinformation – weil mich interessiert, wie es auf euch wirkt.

Edit:Entgegen der Ankündigung oben jetzt die „Auflösung“, warum ich die Frage stellte, vielleicht doch besser hier im Text selber.

Wir – meine Liebste, ihre beste Freundin und ich – schauten am letzten Freitag „Let’s Dance“. Und ich war am Ende des Tanzes einigermaßen perplex. Ich saß da mit einem „WTF-Gesicht“. Nicht so sehr wegen der Ohrfeige selber. Sondern wegen ihrer Platzierung. Der Tanz ist schon vorbei. Die Ohrfeige wirkte auf mich „künstlich“ hinten dran geklatscht – ein kalkulierte Inszenierung, die sich eben NICHT aus der Choreografie und deren emotionalem Verlauf motiviert war.

Und das brachte mich etwas zum Nachdenken, über das „Warum“ dieser – imho sehr kalkuliert inszenierten – Ohrfeige. Wozu war die jetzt gut? Warum musste die am Ende noch hinten dran geklatscht werden?

Und nun ja: Diese Frage habe ich dann laut gestellt. „War die Ohrfeige jetzt nötig? Und wenn ja wozu?“.

Ihr ahnt, wozu das wiederum führte …. 😉

Jedenfalls waren die Damen sich einig, dass ich ein verbiester Stiesel sei, der nicht einmal eine harmlose Unterhaltungssendung genießen könne, ohne es zu politisieren und zu ideologisieren. (Und ich hätte jetzt allen die Stimmung versaut).

Von daher hat mich wirklich interessiert, ob nur mir etwas komisch auffällt an der Szene – oder ob es auch anderen so geht. Weil: Oft ist es ja wirklich so – wer einen Hammer hat, für den besteht die Welt aus Nägeln.

 

Elliot Rodger und „Männer die Frauen hassen“!

(Ich verwende hier das sprachlich generische Maskulinum.Warum erkläre ich hier. Der Grund ist ganz einfach. Gleichgewicht)
Dies ist kein Füllartikel. Dies ist mein letzter Beitrag in diesem Blog.
Als ich vor einiger Zeit überlegte, wie es passieren könnte, dass meine Befürchtungen hinsichtlich der weiteren radikal-feministischen Ausbreitung, Wirklichkeit werden könnte, da dachte ich : „Und was wenn irgendein Irrer, der einen gewaltigen Hass auf Feministinnen hat, einige davon umbringt?“. Wenn sich das Massaker von Kanada, von Lepine wiederholt? Jetzt, heute? Was wäre die Folge?

Es würde sehr schnell als Angriff auf alle Feministinnen umgedeutet. Es würde als Ausdruck des Frauenhasses vieler Männer gedeutet. Der Bezug zuerst zu radikalen Maskulismus und später zu MRA als Gesamtes würde hergestellt.
Die Tat würde als Symboltat gewertet. auf der ganzen Welt würden es als Angriff der Männerrechtler auf den Feminismus werten. Gesetze zum Schutz von Feministinnen würden gefordert, der Anti-Feminismus würde dem Rassismus, dem Rechtsradikalismus gleichgestellt. Männer die noch für Rechte von Männern eintreten wollen, wären sofort verdächtig Anti-Feministen zu sein. Dem Großteil der Frauenrechtlerinnen würde durch Blogs, Artikel und Medien klargemacht, dass sich hier nicht nur ein Amoklauf abgespielt hat, sondern dass hier sich die potentielle Gefährlichkeit von frauenfeindlichen Gruppen gezeigt hat. Man würde die Bezüge des Täters zu MRAs aufzeigen und die von Feminismus zu den Opfern.
Anti-Feminismus würde unter Strafe gestellt. Männer dafür verurteilt. Alle repressiven Gesetze gegen Männer zum Schutz von Frauen würden sehr schnell umgesetzt. Maskulistenveranstaltungen würden extremen Protesten ausgesetzt. Bekennende Maskulisten gesellschaftlich ausgegrenzt, Männer die noch von Männerechten sprechen, sofort mit dem „antileninistischen“ Frauenmörder verglichen. Die Männerrechtsbewegung geriete vollkommen in die Defensive. Jede Kritik am Feminismus ist Anti-Feminismus, jede Kritik an einer Feministin macht dieser Angst, weil es ja schon einmal passiert ist. Feministinnen werten jede Art von kritischer Beschäftigung mit ihnen als persönliche Verfolgung, als Stalking. Sie fühlen sich von Maskulinsten belästigt, bedroht. Niemand möchte mehr mit Maskulinsten, Nicht-Feministen noch einen Dialog führen. Die Tat würde zum ultimativen Schutzschild.

Nun ist etwas passiert. Ein junger Mann hat Frauen erschossen. Ist zum Mörder geworden. Zwar nicht an Feministinnen, es waren einfach junge Mädchen. Er hat eine Botschaft hinterlassen.  Ein Manifest eines Frauenhassers. Bald schon wird dargestellt werden, wie sehr dieser Mann von der Maskulistenbewegung beeinflusst war. Es wird aufgezeigt werden, dass es die Konzepte, die Theorien der Männerbewegung waren, die in so beeinflusst haben. Die PUA- Philosophie. Und es wird schnell die Betätigung der ermordeten Frauen in feministischen Kreisen als Grund der Ermordung „nachgewiesen“ werden (was auch sonst, es ist heutzutage für die meisten jungen Mädchen in, alltagsfeministisch zu sein). Die propagandistische Verwertung dieser Tat in radikal-feministischen Gruppen hat bereits begonnen, wie schon mal. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Tat zur Diskussion darüber führt, wie gewaltbereit Männer die sich gegen den Feminismus äußern, eigentlich insgesamt sind.

Es ist schade, dass es so eintrifft, wie ich es vermutet habe. Die radikalen Kräfte überall, haben nur auf so etwas gewartet. Und offenbar ist deren Zeit gekommen. Die geschichtliche Konsequenz war scheinbar bereits zu stark. Durch die ständige Propaganda des „Täter=Mann, Frau=Opfer“ wurde der Boden bereitet. Jetzt verweist man egal was man durchsetzen möchte, einfach auf die Gefährlichkeit von solchen Männern die sich im Umfeld der Männerrechtsbewegung aufhalten oder die sich dem Feminismus widersetzen wollen. Die Reform des §177 wird ohne dass auch nur noch über die Gefährlichkeit von Falschaussagen von Frauen geredet werden wird, umgesetzt. Jeder Politiker wird sich hüten, noch sich gegen Ideen des Feminismus zu stemmen, will er im nicht-rechtsextremistischen Bereich noch was gelten.

Es ist ein trauriger Tag. Ein sehr trauriger Tag nicht nur für die Opfer, sondern für alle die Menschenrechte als unteilbar ansehen. Denn es kommen jetzt keine netten Zeiten. Das klingt drama-queen artig und schwer übertrieben? In ein paar Jahren könnt ihr diesen Artikel dann noch mal lesen und euch fragen, was davon nicht Wirklichkeit geworden ist.
Wenn ich dann Unrecht hatte, dann ist es ok. Dann war ich nur ein Schwarzseher. Aber wer sich die geschichtlichen Entwicklungen vor 90 Jahren aufmerksam ansieht, kann die Parallelen deutlich erkennen. Es wird Zeit die Zelte abzubrechen. Was jetzt sich entwickeln wird, ist aus meiner Sicht, leider so zwangsläufig wie die meteorologisch begründete Ausformung eines schweren Gewittersturm aus einer leichten Verwirbelung.

Heute schon gewählt?

Mich erreicht ein Gastkommentar, den ich Euch angesichts des heutigen Wahltages nicht vorenthalten möchte.

Da bin ich über einen Kommentar gestolpert, der mich aufhorchen ließ:

Darüber hinaus ist uns besonders wichtig, auch den Müttern, wie zum Beispiel beim Rucksackprojekt, das Erlernen und Einüben der deutschen Sprache zu ermöglichen.

und darunter wurde kommentiert, daß da doch was fehle. Nein, da fehlt nichts. Da steht sogar ziemlich viel. Dieses Zitat ist aus dem SPD-Wahlprogramm entnommen. Ein Text der komplett durchgegendert ist („Migrantinnen und Migranten“ zB). Nur an dieser Stelle ist explizit von Müttern die Rede. Stellt Euch vor, da würde allein von Vätern gesprochen. Ein Aufschrei, mindestens. Aber wir sind es gewohnt, Väter sind eben nur Beiwerk. Warum also kann man nicht versuchen, Eltern über die Kinder zu erreichen? Das Weglassen der Väter entlarvt die SPD, die sich ja ach so sehr für Geschlechtergerechtigkeit ins Zeug legt. Aber so ein südländischer Vater schaukelt sich wahrscheinlich eh nur die ganze Zeit seine Eier im Cafe, während die kopftuchunterdrückte Mutter den Haushalt macht, die Kinder versorgt und abends putzen geht. Abends schlägt er dann erst seine Kinder und dann seine Frau weil sie es wagt das Fahrradfahren zu lernen. Patriarchat, wissnschon. Und überhaupt, warum muß Ali mehr können als „Bring mir mal ne Flasche Bier“ wenn er auf dem Bau den blonden Frauen hinterherpfeift?

Drehen wir das mal um. Migranten haben im Schnitt die schlechtere Bildung, sie haben im Schnitt mehr Kinder. Diese Väter arbeiten sich also wahrscheinlich den Arsch ab um ihre Familie zu ernähren. Wahrscheinlich ist es so, daß sie weniger Zeit haben die Kinder zur Schule zu bringen und am Nachmittag an Elternsprechtagen teilzunehmen. Aber warum nur SPD, warum nur könnt Ihr es nicht einfach mal versuchen alle ausländischen Eltern zu erreichen? Ist doch nicht schlimm wenn mehr Mütter davon profitieren.

Warum nur, SPD, warum nur gendert Ihr mit Vorliebe Eure Texte, tut so als ob Ihr für Gleichberechtigung und soziale Teilhabe seid und spuckt ganz nebenbei den Männern, den Arbeitern, denen mit den schlechteren Chancen ins Gesicht?

Genderlehre vs. Biologie

Wenn ich den aktuell vorherrschenden Genderfeminismus richtig verstehe, dann sind wir nach der Geburt, unabhängig von unserem biologischen Geschlecht erst einmal ein weißes Blatt Papier. Alles was später an Geschlechterrollen und geschlechtsspezifischen Vorlieben zu Tage tritt ist angeblich erst gesellschaftlich anerzogen worden und nicht etwa angeboren.

Das ist für den Genderrfeminismus sehr wichtig, weil nur auf diese Weise spätere gesellschaftliche Beobachtungen, wie z.B. die stärkere Vertretung von Männern in Führungspositionen, das schlechtere Abschneiden von Frauen in vielen Naturwissenschaften, die Neigung von Frauen lieber schlechtbezahlten Berufe anzustreben, als Ergebnis von diskriminierenden Strukturen gewertet werden können.

Ab und zu wird zwar – eher als Feigenblatt – auch von feministischer Seite widerwillig eingeräumt, dass auch die Biologie „einen gewissen Einfluss“ haben könnte, im weiteren Aufbau des Theoriengebäudes findet das jedoch kaum Berücksichtigung. Wissenschaftliche Studien, die angeborene Geschlechterunterschiede feststellen, werden gerne mit der Begründung abgetan, die untersuchenden Wissenschaftler selbst, seien nicht frei vom schier übermächtigen Einfluss der gesellschaftlichen Geschlechterkonstrukte – und außerdem verdächtig oft weiße Männer.

Wenn man bedenkt, dass es für den Genderfeminismus eine existentielle Katastrophe darstellen würde, wenn biologisch zweifelsfrei angeborene Geschlechterunterschiede bewiesen werden könnten, mit denen zum Beispiel auch Folgeeffekte, wie unterschiedliche Schwerpunkte bei der Studien- und Berufswahl begründet werden könnten, kann man verstehen, warum von dieser Seite so gegen die etablierte Wissenschaft gewütet wird.

Die gesamte Gendertheorie ist bisher – anders als die Biologie – eben nur ein gedankliches Konstrukt. In sich stimmig, aber dem wissenschaftlichen Beweis (bisher) nicht zugänglich.

Mich erinnert das ein wenig an die amerikanischen Kreationisten, die zwar wissenschaftlich hoffnungslos gegenüber der Evolutionstheorie an Boden verloren haben, gleichwohl darauf beharren die Schöpfungslehre als „alternative Theorie“ anzuerkennen und sogar an Schulen zu lehren. Der Unterschied zu den Kreaotionisten besteht leider nur darin, dass die Genderlehre zunehmend an Einfluss gewinnt.

Wenn man die Theorie der anerzogenen Geschlechterunterschiede wissenschaftlich beweisen wollte, müsste man Jungen versuchsweise in der Mädchenrolle aufziehen und umgekehrt. Derartige Menschenversuche verbieten sich schon aus ethischen Gründen. Entsprechende Versuche in der Vergangenheit sind allerdings spektakulär schief gegangen, mit schlimmen Folgen für alle Beteiligten. Umgekehrte versuche transsexuelle Kinder in der Rolle ihres biologischen Geschlechts zu erziehen verlaufen im Regelfall auch nicht sonderlich erfolgreich.

Ein wirkliches Problem bekommt die Genderlehre ohnehin beim Thema Transsexualität. Ein heterosexueller-cis Mann wird vom Genderfeminismus nur als Ergebnis einer gesellschaftlichen Prägung angesehen. Die Behauptung einer Transfrau „schon immer“ eine Frau gewesen zu sein (leider im falschen biologischen Körper) wird dagegen bereitwillig angenommen. Wenn aber Geschlechterrollen und Gefühle der „richtigen“ Geschlechtszugehörigkeit lediglich anerzogen und nicht etwa bereits biologisch determiniert sind, wäre transsexuellen Menschen ihre Transidentität erst nach der Geburt anerzogen worden. Das würde dann aber leider die Konservativen stärken, die z.B. befürchten, dass Jungen durch falsche Erziehung transsexuell werden könnten. Das würde auch bedeuten, dass man Transsexualität bei Kindern durch „Umerziehung“ wieder therapieren kann. Ich glaube nicht, dass der Genderfeminismus diese Schlussfolgerungen wirklich mal zu Ende gedacht hat.