Muttertag und Vatertag

Muttertag. Tag, um seine Mutter zu ehren und ihr zu danken. Für die Mühe. Für ihr Aufopfern den Kindern gegenüber. Ihr zurückstecken, sich zurücknehmen. Für die Geborgenheit, die sie gab und immer noch gibt. Für das auf-sich-nehmen der Doppel- und Dreifachbelastung Kinder, Haushalt, Teilzeitjob. Für die Hilfe. Für die Liebe. Für ihre Güte, ihr nie endendes Verständnis. Für das in-Schutz-nehmen, verteidigen. Für das und-so-weiter. Blumen. Pralinen. Kaffee. Kuchen. DANKE!

Vatertag. Saufen, grillen, gröhlen, umherziehen. Die Frauen dürfen sich einklinken. Exklusivität? Wozu denn?

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Stalker und Störer auf der republica

…haben’s schwer, wie man am Code of Conduct sehen kann. Störerinnen und Stalkerinnen jedoch sind anscheinend gerne gesehen.

CoC sind diese komplett überflüssigen Benimmregeln, denn eigentlich steht da nur völlig selbstverständliches drin. SJW jedoch brauchen so etwas zum Virtue Signaling, und deshalb ist es doch hin und wieder amüsant, da mal reinzuschauen. Opensource-Projekte beispielsweise werden gerne mal gekapert, und die einzige Leistung von SJW ist (a) der CoC und (b) die totale Zerstörung von gewachsenen und funktionierenden Projekten.

Was ist die republica eigentlich? Wohl nicht mehr als die Versammlung von Berliner Hipstern und Netzaktivisten, die laut genug sind und einflussreiche Freunde haben, um sich für die Mehrheit zu halten. Schön zu sehen am Spiegel Online Artikel, bei dem Menstruation und sich schlecht benehmende Männer auf Tinder nicht fehlen dürfen. Ähnlich auf Heise, da wurde die republica von der Bundeswehr gehackt und die Frauenquote erfüllt. Vergiftende Ideologien müssen aber draußen bleiben, hier lohnt der Blick in den Kommentarbereich.

Womit ich wieder beim Anfang wäre. Die republica ist komplett durchgegendert, was man auf der Website insbesondere auch an der Sprache bewundern kann. Nur eines gibt es nicht: Störerinnen und Stalkerinnen. Oder Störende und Stalkende, wie es gerne auch formuliert wird, ungeachtet der Tatsache, dass damit etwas völlig anderes gemeint ist.

An der Sprache sollt Ihr sie erkennen. Vergiftende Ideologien müssen draußen bleiben?

Patriarchat hält Angriff der Irokesen stand (IV)

Antwort auf Djadmoros.

Die irokesische Familie ist nicht patriarchal, denn die Hausgemeinschaft wird durch die Mutter beherrscht (bzw. „bedamt“ 😉 ); dementsprechend ist auch die Gesellschaft nicht patriarchal, was sich dann darin äußert, dass die Hausfrauen direkte politische Entscheidungsgewalt haben. Das bestätigt doch im Grunde nur meine These, dass sich die gesellschaftliche Ordnung aus der Familienordnung ableitet (zur Bedeutung von „ableiten“ siehe unten; denn hier liegt der Hase im Pfeffer!)

Ohne deswegen in feministische Theorien vom »Matriarchat« zu verfallen, spricht vieles dafür, dass die Familienordnungen der Frühzeit in beiden Regionen (Ägypten und Mesopotamien) noch viel stärker »geschlechtersymmetrisch« gewesen sind.

Meinetwegen war das im antiken Orient so und mit Sicherheit gab es in der Menschheitsgeschichte auch mal Matriarchate, aber was willst du mir damit sagen? Führst du das (zusammen mit den Irokesen) als Beleg dafür an, dass der Patriarchalismus nicht universell ist? OK, das ist er nicht, aber das sagte ich auch nicht. Willst du mein Modell damit in Frage stellen? OK, nimm die altorientalischen Gesellschaften heraus; das ändert am Modell selbst nichts, dass sich ja in erster Linie auf die Entwicklung in Europa bezieht und beschreiben soll, wie die patriarchale Gesellschaftsordnung hier schrittweise verfallen ist, bis in der Moderne nur noch ein Rest, bzw. ein Schatten übrig blieb, der durch die „Emanzipation“ dann beseitigt wurde.

Man kann das bereits in der frühen Neuzeit ansetzen: bei der ideologischen Begründung des Absolutismus

Na klar, deshalb erwähnte ich den Absolutismus ja auch in meinem Modell. Und man kann natürlich noch früher ansetzen: Bei der Kirche, wie ja schon mehrmals gesagt wurde.

Für mich ist das entscheidende Argument jedoch wiederum: auch der Absolutismus mit seiner »patriarchalischen« Legitimation ist »extern induziert«, insofern er eine Reaktionsbildung auf die religiösen Bürgerkriege im Anschluss an die Reformation darstellt:

Natürlich ist er das. Das ändert doch aber nichts daran, dass die Gesellschaft des Absolutismus patriarchal geordnet ist und der absolutistische Herrscher der Hausvater des Staates ist.

Dass der Absolutismus eine patriarchale Symbolik zur Legitimation heranzieht, erlaubt nicht die Schussfolgerung, er sei aus einer patriarchalen (Familien-) Ordnung »hervorgegangen«.

Er ist es aber nun mal. Du verstehst das Wort „hervorgehen“ hier falsch, wie mir an dieser Stelle klar wurde:

Inwiefern ist er »daraus entstanden«? Das klingt wieder nach Deinem oben unterstellten Ableitungsverhältnis. Meinem Eindruck nach legst Du insgesamt ein unzureichend durchdachtes Kausalmodell zugrunde.

Nein. Ich lege überhaupt kein Kausalmodell zugrunde, wie du es hier verstehst. Ich sage eben nicht, (z.B.) der Absolutismus wäre entstanden, weil Männer über Frauen herrschen wollten oder dergleichen, sondern natürlich ist völlig klar, dass der Absolutismus eine Reaktion auf z.B. den 30-Jährigen Krieg etc. war und diese politische Entwicklung mit der famileninternen Ordnung wenig bis gar nichts zu tun hatte. ABER: der absolutistische Staat ist eben trotzdem aus der patriarchalen Familie hervorgegangen oder aus ihr heraus entstanden oder aus ihr abgeleitet. Nicht im Sinne kausal aus etwas entstanden, sondern ganz einfach nur „materiell“ aus etwas entstanden. sprich: der Patriarchalismus der Familie und der Gesellschaft hat sich hier an neue Gegebenheiten angepasst und blieb dadurch erhalten.

Ich würde auch in Frage stellen, dass die nationalsozialistische Kombination von Mutterkult und männlichem Opferideal als »patriarchal« zu betrachten ist, insofern der Staat hier […] den traditionellen Vater eigentlich abschafft und sich selbst an dessen Stelle setzt.“

Das wurde jetzt eigentlich schon zur Genüge geklärt, aber ich wiederhole es nochmal:

[…] deswegen meinte ich ja auch, dass der Führerstaat und der Nationalismus der „traditionellen Vorstellung eines Staates als Haushalt, der einen männlichen Hausvater hat“ folgt, bzw. davon beseelt ist; aber nicht, dass er es selbst ist. Die traditionelle patriarchale Familie hat für die moderne Autokratie eine Vorbildfunktion. Das kann man als propagandistisches „Feigenblatt“ bezeichnen, muss man aber nicht. Deswegen erwähnte ich in diesem Zusammenhang auch die Kirche. Denn sie ist nach einem ähnlichen Muster strukturiert. Das heißt, das Patriarchat der Familie wird hier wie dort auf eine pseudo-familiäre Ordnung projiziert und nimmt im Falle des modernen Nationalstaats sogar manchmal seine Struktur an. (z.B. das moderne Patriarchat der nordkoreanischen Staatsführung)

Im modernen Europa, blieb es meist bei dieser bloßen Projektion (Führer/Präsident/Kaiser als Hausvater der Nation). Doch schon diese weißt ja auf das patriarchale Denken hin. Außerhalb von Europa entstehen aus der modernen Autokratie jedoch patriarchale Familiendynastien.

mit welchem Recht nehmen wir an, es sei ein Effekt einer patriarchalen Ordnung, wenn Frauen in Firmenvorständen unterrepräsentiert sind?

Na ganz einfach, weil es bis in die 70er Jahre hinein keine Gleichberechtigung von Mann und Frau gab und die Familie bis dahin noch halbwegs patriarchal organisiert war und daher Frauen nicht wirtschaftlich aufsteigen konnten, selbst wenn sie es gewollt hätten. Deswegen redete ich ja auch von der „Industriegesellschaft vor der ‚Emanzipation‘“. Ich glaube, du musst ein bisschen aufmerksamer lesen, was ich schreibe.

Ich mache aber einen grundsätzlichen Unterschied zwischen einer primären und einer patriarchal geprägten geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung. In Bezug auf die heutige Geschlechtsrollenverteilung geht es ja gerade darum, inwieweit sie eben nicht mehr aus patriarchalem Zwang, sondern aus differentiellen Präferenzordnungen hervorgeht.

Ja, diesen Unterschied mache ich natürlich auch und wenn ich darüber sinniere, warum in Vorständen heute so wenig Frauen sitzen, ist patriarchaler Zwang das letzte woran ich denke. Ja, es geht hier darum, dass Frauen und Männer unterschiedliche Veranlagungen haben (insbesondere die naturhaft engere Bindung der Mutter an die Kinder ist hier entscheidend) aber eben genau aus dieser Veranlagung – gepaart mit den gesellschaftlichen Umständen der arbeitsteiligen Gesellschaft – heraus entsteht ja spontan (ohne Zwang) das Patriarchat der Familie und daraus folgend der Patriarchalismus der Gesellschaft. Überspitzt formuliert: Gäbe es keine feministische Umerziehung im weitesten Sinne, keine massenhafte Väterentsorgung und Männerabwertung und keine staatliche und kapitalistische Unterwerfung des Mannes, wäre diese Gesellschaft bald wieder de facto patriarchal, wenn auch nicht de jure. Ähnlich wie auch viele außereuropäische Gesellschaften bis heute de facto (und weniger de jure) patriarchal sind. Deswegen haben die Femis auch so ein Problem mit Freiheit und Rollenverteilung. Das ist in etwa das, was ich meine, wenn ich davon rede, dass die heutige Rollenverteilung in der liberalen Gesellschaft mit dem alten Patriarchalismus „etwas zu tun hat“.

Das Patriarchat schlägt zurück! – Antwort auf Djadmoros

Antwort auf diesen Blogpost von djad über die Problematik des Patriarchatsbegriffes

Patrimonal und Patriarchal

Diesen Übergang von der patriarchalen Gesellschaft der Jungsteinzeit zur patrimonalen Gesellschaft der Antike (bis Moderne) ist verständlich; doch schließt das eine das andere nicht aus. Der Kern der patrimonalen Gesellschaft ist nicht das Patriarchat (dt. ‚Väterherrschaft‘), wohl aber ein Patriarchalismus (dt: ‚Väterherrschaftlichkeit‘). Ersteres ist im weiteren Sinne eine konkrete Hausgemeinschaft und zweiteres eine allgemeine Struktur. Sie verhalten sich zueinander wie Königreich und Monarchie oder Monarchismus. D.h.: die Gesellschaft besteht immer noch aus patriarchalen Familien und der Herrscher (König etc.) ist ebenfalls ein Patriarch seines eigenen Hauses, nur dass sein Haus eine übergeordnete Stellung in der Gesellschaft einnimmt, er außerdem die Funktion eines Patrimons einnimmt und die Macht der anderen Hausherren damit beschnitten ist. Die Gesellschaft als Ganzes hat dementsprechend also immer noch den Patriarchalismus als Charaktermerkmal mit der jungsteinzeitlichen Gesellschaft gemein. (siehe Grafik unten)

Das, bei diesen [patriarchalen] Typen, völlige Fehlen eines rein persönlichen
(›patrimonialen‹) Verwaltungsstabs des Herren ist dafür bestimmend. Der Herr ist daher von dem Gehorchenwollen der Genossen noch weitgehend abhängig, da er keinen ›Stab‹ hat. Die Genossen sind daher noch ›Genossen‹, und noch nicht: ›Untertanen‹.« (Weber 2014, S. 165)

Dass Weber hier allerdings zu meinen scheint, dass die patrimonale Herrschaft automatisch die patriarchale beendet, erschließt sich mir nicht. Ich meine, dass die patrimonale Herrschaft nur eine Erweiterung darstellt. Hierfür ein kleiner Ausflug ins Altgriechische: monia (von Patrimon, Hegemon) heißt ‚Oberherrschaft‘ und arche (Patriarch) heißt ‚Herrschaft‘. Oberherrschaft ist eine Form der Herrschaft, dementsprechend ist ein Patrimon eine Form des Patriarchen.

(Danke an meinen „Pleitegriechen“ 😉 )

 

Patriarchalismus und Gesellschaft

»patriarchal« können Gemeinschaften erst in dem Moment werden, in dem sie eine explizite Ordnung für die Familienverhältnisse einer Gesellschaft festlegen müssen, weil aufgrund von Sesshaftigkeit und Bevölkerungszunahme ein genereller Ordnungsbedarf für das Zusammenleben entstanden ist, also seit der neolithischen
Revolution.

Soweit richtig.

Aber diese Gesellschaften haben zugleich einen Ordnungsbedarf, der über die Ordnung von Geschlechterbeziehungen hinausgeht und aus diesen nicht abgeleitet werden kann.

Diese weitergehende Ordnung wurde vielleicht nicht direkt aus der Geschlechterordnung abgeleitet, aber eben aus der Familienordnung. Stellen wir uns eine Stammesgesellschaft vor, die in Clans gegliedert ist und nun einen gemeinsamen Rat abhält: legitime Vertreter eines Clans sind hier nicht die Mütter und nicht die Knechte oder Haussklaven, sondern die Hausherren (und vielleicht die Söhne).
Was, wenn nun doch die Mutter zum Rat kommt und zwar nicht weil ihr Mann gerade Schnupfen hat, sondern weil sie eben „die Hosen an hat“? Nach deiner Theorie müssten nun die anderen Männer sagen: „Alles in Ordnung, kann uns ja egal sein, schließlich wird unsere gemeinsame Ordnung ja nicht aus der Geschlechterbeziehung abgeleitet. Also setz dich, nimm dir’n Keks.“
Und nach meiner Theorie sagen sie: „Nein, geehrte Frau, das geht nicht, nach den Regeln unseres Stammesrates beraten sich hier nur die Clanführer, also die Herren der führenden Häuser“.
Sprich: Es gibt hier eine über die Familie hinausgehende gesellschaftliche Ordnung, die regelt, wer rechtmäßiger Erbe, Vertreter, Vormund etc. ist und damit im direkten Zusammenhang stehend gibt es allgemeine Ehe- und Verhaltensregeln. Und da nun all diese gesellschaftlichen Regeln (typischerweise) patriarchal – im Sinne: durch den Patriarchalismus der Familien bestimmt – sind, ist diese Gesellschaft dementsprechend patriarchal. Wie sollte man diesen eben beschriebenen gesellschaftlichen Charakterzug sonst bezeichnen?

Du sagtest schon auf den sinngemäß gleichen Gedanken:

Nein. Dann ist dies nur eine Gesellschaft mit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung

Nicht ganz. Es ist keine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, sondern eine geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung. Und die Herrschaft (gr. arche) ist eben die Aufgabe des Herren, also des Hausvaters (gr. pater) und die Arbeit in der Hauswirtschaft(!) ist vor allem Aufgabe der Hausangestellten (inklusive Frauen). Und eben eine solche oder ähnliche Aufgabenverteilung heißt ja Patriarchalismus im soziologischen Sinne, nicht mehr und nicht weniger.
Das heißt nun nicht, dass die Hausangestellten keine Macht haben. Macht und Herrschaft sind zu trennen, aber das gehört nicht hierher.
Das ist das antike griechische Modell, das mir bekannt ist. Soweit ich weiß, lässt es sich auf andere vormoderne Gesellschaften/Familienordnungen übertragen. Natürlich mit gewissen Einschränkungen, wie z.B. bei der Grundherrschaft mit den Leibeigenen, die ihre eigenen Hausherren und gleichzeitig Angestellte des (patriarchalen/patrimonalen) Grundherren sind. Außerdem gibt es die Einschränkung, dass die patriarchale Ordnung im christlichen Europa schrittweise zerfällt, bzw. was mir besonders wichtig ist: dass sich in der Neuzeit auf den Staat überträgt (z.B. absolutistischer Staat, in dem alle männlichen Untertanen, als ‚Hausangestellte‘ des Königs zu betrachten sind). Siehe das Modell unten, das skizziert, wie die Gesellschaft ihren patriarchalen Charakter zugunsten anderer Ordnungsmuster verliert, die Menschen also mehr und mehr zu Untertanen oder Bürgern des Staates werden und keine hauseigene Herrschaft mehr ausüben (können) und das gesellschaftliche Privileg, ein Hausherr zu sein an Bedeutung verliert.

patriarchalismus
Ein mögliches Modell über den schrittweisen Rückgang des Patriarchalismus in der europäischen Zivilisation. Die Kurve hat natürlich einen relativ willkürlichen Verlauf. Als wichtigsten Wendepunkt würde ich die Industrialisierung sehen, da sich hier die hauseigene Wirtschaft zugunsten von Kaptialgesellschaften auflöst und die Proletarisierung einsetzt.

Es ist sicher verfehlt, auch bei unserer Gesellschaft noch von einer „patriarchalen“ zu reden (ich würde dies seit spätestens 1918 nicht mehr tun), denn dieses Merkmal ist heute zu schwach. Doch auch wenn die patriarchale Ordnung heute nicht mehr in gesetzlicher Form vorzufinden ist, meine ich, dass sie (wenn man ein Mikroskop nimmt) noch in Europa anzutreffen ist und zwar nicht nur z.B. bei kleinen patriarchal geführten türkischen Familienbetrieben, sondern auch in Traditionen wie der Weitergabe des männlichen Stammnamens (gibt’s das in Deutschland noch?), in diversen Subkulturen oder den Resten der geschlechtlichen bürgerlichen Rollenverteilung; wobei mir unklar ist, inwiefern diese noch durch Erziehung beeinflusst ist oder nur biologisch bedingt ist (durch die naturhaft engere Bindung der Frau an die Kinder und den naturhaft größeren Drang des Mannes „nach draußen“ und den Trieb, Frauen zu protegieren). Letztendlich geht sowieso beides, Natur und Kultur, ineinander über.

Im Nationalsozialismus ist – wie auch im radikalen Islamismus – der Rückgriff auf die Tradition ein ideologisches Feigenblatt, unter dem sich der Übergang zu modernen Sozialformen versteckt. Mit patriarchaler Herrschaft hat das jenseits des Vokabulars nichts mehr zu tun, es geht um das Finden von Legitimationsgründen für die totalitäre Herrschaft über eine moderne, industrielle Massengesellschaft

Ja das stimmt, deswegen meinte ich ja auch, dass der Führerstaat und der Nationalismus der „traditionellen Vorstellung eines Staates als Haushalt, der einen männlichen Hausvater hat“ folgt, bzw. davon beseelt ist; aber nicht, dass er es selbst ist. Die traditionelle patriarchale Familie hat für die moderne Autokratie eine Vorbildfunktion. Das kann man als propagandistisches „Feigenblatt“ bezeichnen, muss man aber nicht. Deswegen erwähnte ich in diesem Zusammenhang auch die Kirche. Denn sie ist nach einem ähnlichen Muster strukturiert. Das heißt, das Patriarchat der Familie wird hier wie dort auf eine pseudo-familiäre Ordnung projiziert und nimmt im Falle des modernen Nationalstaats sogar manchmal seine Struktur an. (z.B. das moderne Patriarchat der nordkoreanischen Staatsführung)

Und Thing und Vorstandssitzung in demselben Satz zu nennen, halte ich für unzulässig, gerade weil es den historischen, institutionellen Entwicklungs-unterschied zwischen Thing und Vorstand plattmacht. Thing und Vorstandssitzung finden nicht in demselben Typ von Gesellschaft statt, und sie über die Charakterisierung als Männergremium gleichzusetzen, ist exakt der feministische Taschenspielertrick, der keine anderen Kriterien als dieses gelten lassen will.

Da sowohl die germanische Stammesgesellschaft (Thing) als auch die Industriegesellschaft vor der „Emanzipation“ (Vorstandssitzung) das gemeinsame Merkmal patriarchaler Ordnung hatten; wenn auch mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt, ist dieser Vergleich zulässig. Natürlich hat ein modernes kapitalistisches Unternehmen nur noch ansatzweise Ähnlichkeit mit einer traditionellen Hausgemeinschaft; aber es ist eben historisch genau daraus entstanden. Und es wäre naiv, anzunehmen, dass die patriarchale Aufgabenverteilung (siehe oben) nichts mit der heutigen Geschlechterrollenverteilung zu tun hat. Das verleitet Feministen dazu, Vorstandssitzungen als „Männerrunden“ abzukanzeln und über strukturelle Frauendiskriminierung zu sinnieren, weil es eben der herkömmlichen patriarchalen Wirtschaftsordnung ähnlich ist.

Die Entstehung der modernen Gesellschaft ist natürlich ein Prozess, in dem sich die Überreste des Ancien Régimes schrittweise und nicht ohne Rückschläge und restaurative Phasen auflösen. Aber nach der Französischen Revolution sind das nur noch zum Untergang verurteilte, ephemere Oberflächenstrukturen.

Dafür waren aber diese „ephemeren Oberflächenstrukturen“ nach 1789 aber noch erstaunliche ca. 150 Jahre haltbar. Und das in einer sich rasant verändernden Gesellschaft. Abgesehen davon ging es ja hier auch um die Zeit weit vor 1789. Außerdem siehe oben (Projektion des Patriarchats auf den modernen Staat). Abgesehen davon glaube ich nicht, dass der Patriarchalismus zum Untergang verurteilt ist.

Die Formulierung von der »dementsprechenden Prägung der Gesellschaft« ist genau die perspektivische Verzerrung, die uns der feministische Patriarchatsbegriff eingehandelt hat und die ich kritisiere. Dieses »gemeinsame Charaktermerkmal« ist eine optische Täuschung, weil es die gesamte sonstige historische Entwicklung, die sich währenddessen vollzieht, aus dem Blickfeld rückt.

Man vergleicht einfach nur unterschiedliche Gesellschaften und gibt ihnen ein gemeinsames Merkmal. Stell dir vor, A behauptet: „Krieg hat es immer und in unterschiedlichsten Gesellschaften gegeben und jede Gesellschaft war davon geprägt“ und B antwortet: „Das ist eine Verzerrung, die uns der Pazifismus (oder Militarismus) eingebrockt hat und durch die historische Entwicklungen aus dem Blickfeld geraten.“
Nichts soll hier aus dem Blickfeld geraten. Natürlich hat patriarchale Herrschaft ganz unterschiedliche Formen. Aber der Kern bleibt eben.

 

Patriarchat und Unterdrückung der Frau durch den Mann in der feministischen Ideologie

Damit befinde ich mich im direkten Gegensatz zu den feministischen Theorien, die an dieser Stelle die neuen Herrschaftsformen aus ihrem »Sündenfallmodell« der Männlichkeit hervorgehen lassen.

Ich auch. Aber ich meine, dass es eine Theorie vom Sündenfall und die beschriebene Psychologisierung des bösen Mannes eigentlich nicht braucht und die feministische Ideologie auch locker ohne auskommt (abgesehen davon würde ich einer Psychologisierung, die auf die Herrschaftlichkeit, der eigentlichen Bedeutung von „Herrlichkeit“, der männlichen Natur abzielt, nicht im Wege stehen). Die, wie ich aber meine, weiter verbreitete feministische Sicht ist diese, dass „das Patriarchat“ (was auch immer es gerade ist) halt irgendwann mal entstanden ist (warum, ist egal), nun noch resteweise besteht und „abgeschafft“ werden muss. Sündenfall und Psychologisierung ist nicht der zentrale feministische Denkfehler, sondern nur eine zweifelhafte historische Herleitung des realen Patriarchalismus. Der zentrale Denkfehler ist für mich stattdessen der feministische Begriff, wie du es schon sagst:

In der […] feministischen Perspektive repräsentiert der Mann das Gesamtsystem.

Und genau das wird dann als „Patriarchat“ bezeichnet und „patriarchal“ bezeichnet dann nur männlich geprägte Strukturen oder was Feministen dafür halten.

Der Begriff schränkt den Blickwinkel monoman auf die Wahrnehmung von »Frauenunterdrückung« ein und verstellt zudem den Blick auf die Zivilisationsgeschichte als einer Sukzession von mal mehr, mal weniger konstruktiven und erfolgreichen Lösungsversuchen für das im Neolithikum entstandene soziale Komplexitätsproblem, die am Ende unter anderem auch die Voraussetzungen für die Frauenemanzipationsbewegung selbst hervorbringen.

Und da eben „der Mann“, (vor allem der ganz besonders gefährliche „weiße heterosexuelle“), immernoch wesentliche ökonomische und politische Schlüsselpositionen der Gesellschaft mehrheitlich besetzt, obwohl Regierung und Medien „Geschlechtergleichheit“ ausrufen, muss er aus feministischer Perspektive immer noch als „Stellvertreter der gesellschaftlichen Verhältnisse“ herhalten.

Wenn ich nun vom Patriarchat oder Patriarchalismus rede, rede ich nicht von einem Patriarchat als Gesamtsystem (im Sinne: „Unsere Gesellschaft ist ein Patriarchat“) und auch nicht von einer Geschlechterordnung, die zwischen dem Mann und der Frau an sich besteht, sondern von einem Merkmal der traditionellen Familienordnung, das sich mal mehr und mal weniger auf die gesamte Gesellschaft auswirkt.
Ich rede ferner nicht allgemein von Frauenunterdrückung, sondern von einem familiären oder pseudofamiliären (Kirche, Staat, Unternehmen) Herrschaftsverhältnis oder in sehr abgeschwächter Form von einer Rollenverteilung. Über die Legitimität oder moralische Bewertung einer patriarchalen Ordnung mache ich übrigens gar keine Aussage.

 

Liebe und Gleichrangigkeit

Solche Konstellationen unter Randbedingungen, die »eigentlich« ein
Inbegriff »patriarchaler Verhältnisse« sind, wären prinzipiell undenkbar, wenn die
Kommunikationsbeziehungen intimer Vertrautheit zwischen den Geschlechtern nicht grundsätzlich auf Gleichrangigkeit ausgelegt wären. […] ‚Immer haben die Geschlechter sich verbunden, immer hat es Liebe zwischen Mann und Frau gegeben‘.

Ich weiß leider nicht, was du damit zum Ausdruck bringen willst. Seit wann sind intime Verhältnisse zwischen den Geschlechtern grundsätzlich auf Gleichrangigkeit ausgelegt? Sind Liebesbeziehungen nicht regelmäßig durch Hierarchie geprägt?
Meinst du, dass, wenn es eine intime Beziehung zwischen Mann und Frau gibt, auch automatisch eine Gleichrangigkeit hergestellt wird und es eine patriarchale Hierarchie in der Familie daher eigentlich nicht geben kann?
Vielleicht ist Rang hier der falsche Begriff und du meinst eher Wert. Wert legt aber nicht notwendigerweise den Rang fest. Und Liebe kennt nur subjektiven Wert aber keinen objektiven.

Frauentag 8.März: Feministsiche Parlamentarierinnen wollen freie Wahl aushebeln

  1. Paritätsgesetz (Frauenquote) für Bundestag geplant:

Anlässlich des Weltfrauentages haben Politikerinnen von CDU und SPD wieder eine Frauenquote für deutsche Parlamente ins Gespräch gebracht. Es sei zu prüfen, „welche Stellschrauben bei einer Wahlrechtsreform gedreht werden können“, damit wieder mehr Frauen in die Parlamenten einziehen, sagte Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). Dafür plädierten auch die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF).

Hier geht’s weiter. Was auffällt: Der Artikel ist völlig unkritisch. Der ZEIT kommt dieser verfassungswidrige Irsinn ganz normal vor; auch bei der FAZ ist keine Kritik zu lesen. Die Kommentare unter dem ZEIT-Artikel sprechen hingegen eine andere Sprache; fast alle sind ablehnend. Manche sprechen von einer Einschränkung der Demokratie und Unvereinbarkeit mit dem GG. Und natürlich wird fleißig zensiert, wie sich das gehört, wenn das dumme Volk sich gegen ein quotiertes Parlament wehrt.

Hier ist zum Thema schon alles gesagt:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/10/01/schnapsidee-bei-der-spd-frauenquote-fuer-den-bundestag/

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2018/03/04/quotierte-wahl-in-italien/

https://scheidendegeister.wordpress.com/2018/01/12/jammerpolitikerin-frauen-sind-die-falschen-fuer-den-job/#comment-1196

 

2. Frauenstreik in Spanien

Ach ja, ein Frauenstreik. Da kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Einige tausend Frauen in ganz Spanien haben gestreikt und sind gegen irgendwas mit Männern und für irgendwas mit Frauen auf die Straße gegangen.

Taz:

Gründe für den Ausstand gibt es viele. Frauen verdienen, je nach Studie, bis zu 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. 75 Prozent der Teilzeitarbeitsplätze sind von Frauen besetzt. Nur 50 Prozent der arbeitslosen Frauen erhalten Stütze. Bei den Männern sind es 60 Prozent. Außerdem haben nur knapp 38 Prozent der Frauen einen Rentenanspruch, bei den Männern sind es 62 Prozent. Die Renten der Frauen liegen 57 Prozent unter denen der Männer. 42 Prozent der Alleinerziehenden leben an oder unter der Armutsgrenze. 81 Prozent davon sind Frauen.

Klingt nach krasser Diskriminierung und hat sicher überhaupt nichts damit zu tun, dass viele spanische Frauen einen männlichen Ernährer haben oder hatten und hat sicher auch nicht im geringsten was mit persönlichen Lebensentscheidungen zu tun.

Bento (Femi-Magazin vom SPIEGEL) jubelt und spricht von einem „Generalstreik“ von 5,3 Millionen Frauen, der „das ganze Land lahmgelegt“ habe. Da wär ich skeptisch. Wie man feststellen will, wie viele Hausfrauen gestreikt haben, ist mir außerdem nicht ganz klar. Wogegen die Frauen da streiken scheint Bento außerdem relativ wurscht zu sein; einzig von „Gewalt gegen Frauen“ ist die Rede, aber was ist dieser Begriff wert, wenn er von heutigen Feministen benutzt wird?

 

3. ZEIT interviewt Grüne Baerbock zum Thema „Gleichberechtigung“

Baerbock: Sexismus habe ich bei [den Grünen] nicht erlebt. In der Partei haben wir dagegen ja auch vielfältige strukturelle Regelungen, die dem vorbeugen, zum Beispiel Quoten für Ämter.

Diese Quoten sind Ungleichberechtigung, also selbst Sexismus in Bilderbuchformat.

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil bei den Grünen liegt bei 41 Prozent, das ist der beste Wert unter allen im Bundestag vertretenen Parteien. Trotzdem ist das weniger als die Hälfte. Woran liegt das?

Baerbock: Strukturelle Diskriminierung betrifft auch Parteien. Das fängt damit an, dass Parteiveranstaltungen oft abends um 19 Uhr beginnen. Wenn man wie ich kleine Kinder hat, kollidiert das voll mit dem Abendbrot und der Gute-Nacht-Geschichte. Das kann ein Grund sein, der Frauen die Beteiligung erschwert. Flexiblere Zeitmodelle können da helfen. Wichtig ist zum Beispiel auch, Sitzungen so zu begrenzen, dass sie zu einer festgelegten Uhrzeit auch wirklich zu Ende sind. Oder Parteiveranstaltungen jenseits von Parteitagen nicht gleich am Samstag und am Sonntag abzuhalten.

Wenn man keine Zeit hat für Politik, kann man ihr ja fernbleiben. Oder sein politisches Engagement halt auf ein Maß begrenzen, das sich mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Aber über „strukturelle Diskriminierung“ zu jammern, gilt hier nicht. Abgesehen davon ist diese Baerbock natürlich weit entfernt davon, zuzugeben, dass sich Frauen einfach weniger für Politik interessieren. Naja, alter Kaffee. Im Westen nichts neues. Jetzt noch ein kleiner Lacher zum Abschluss und dann gehts ins Bettchen:

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil unter den Grünen-Parteimitgliedern liegt bei 41 Prozent. Von den Grünen-Abgeordneten sind aber 58 Prozent Frauen. Ist das nicht aktive Männerdiskriminierung?

Baerbock: Nein, das ist aktive Frauenpolitik. Ich bin stolz drauf, dass das bei uns so ist.

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Nachtrag:

Ich habe ich schon gefragt, warum sich nur SPD- und CDU-Vertreter an der Initiative beteiligen. Warum nicht auch Grüne und Linke; müssten die nicht besonders begeistert sein? Nein. Ironischerweise befürchten genau diese beiden Fraktionen den Vorstoß von Barley und Kramp-Karrenbauer, denn die hier geplante Parlamentsquote wird für die Unions- und SPD-Fraktion maßgeschneidert sein. In der SPD-Fraktion herrscht eine 40%-Quote und in der Union gibt es keine verbindliche Quote sondern ein 33%-Quorum. Bei der grünen Fraktion hingegen herrschen 50%+ und bei der Linksfraktion 50%. D.h.: Wenn sich SPD und Union mit ihrer Quote durchsetzen wird sich diese zwischen 33 und 40% bewegen. Da es auserdem höchstwahrscheinlich keine Geschlechterquote; d.h. es würde (ähnlich wie in Frk. und It.) die Regelung geben, dass die Fraktion aus min. 40% Frauen und min. 40% Männer bestehen müsste, oder so ähnlich. Und genau damit könnten nun insbesondere die Grünen ein Problem bekommen. Denn die Männerquote von 40% halten sie nur knapp ein. (zur Zeit: 41%). Nicht dass die Grün*innen am Ende noch männlicher werden müssten! Ich vermute, dass das der Grund für die Zzurückhaltung der Grünen ist.

Kälte ist sexistisch

Letztens war es kalt. Sehr kalt. Und die Überschrift über diesem Zeit-Artikel lautet „Frieren Frauen etwa stärker als Männer?“ Da könnte man einen x-beliebigen Mann fragen wie das denn so letzte Woche war, als die Holde ins Ehebett gekommen ist und einfach mal mit „Ja“ antworten.

Man könnte auch einen Biologen fragen, der aufgrund seines Wissens um unterschiedliche Hautbeschaffenheit, erhöhten Fett- und niedrigeren Muskelanteil mit „Ja“ antworten würde.

Oder einen Physiker, der mit dem ungünstigeren Verhältnis von Oberfläche zu Volumen bei kleineren Körpern mit „Ja“ antworten würde.

Man könnte die Entscheidung, ob das Spiel stattfindet, auch einfach mal den Verantwortlichen überlassen. Das sind nämlich verschiedene, je nachdem, ob es sich um Männer- oder Frauenfußball handelt.

Man könnte auch zur Kenntnis nehmen, dass es sich bei dem Verantwortlichen für Frauenfußball um eine Frau handelt. Sollten alle Entscheidungen von Frauen über Frauenkörper nicht respektiert werden oder so ähnlich?

Man kann da aber natürlich ganz ironiefrei ein Genderdings draus machen.

Männer und Junioren haben mit der Kälte und dem Zustand des Platzes erst mal keine Probleme? Frauen dagegen frieren so sehr, dass sie erst gar nicht spielen sollen?

Diese Konstellation sorgte am Wochenende für Häme und heftige Diskussionen.

Ich bitte ganz herzlich darum, nur noch gemischte Teams aufzustellen. Wegen 4000 Jahren Patriarchatsfußball könnten sich zwecks Gerechtigkeit auch gerne mal alle Männervereine auflösen und zu den Frauen gehen. Dann gibt es auch kein Geheule mehr. Naja, die Quotendiskussion wird jedenfalls lustig. Und die Gleichstellungsbeauftragte darf dann das Abseits dekonstruieren.

Quotierte Wahl in Italien

Über die ZEIT bin ich darauf aufmerksam geworden, dass in Italien morgen Parlamentswahlen sind. Dabei kommt zum ersten Mal ein neues Wahlrecht zur Anwendung, welches vorschreibt, dass die Wahllisten nach Geschlechtern quotiert werden müssen. Wikipedia:

Höchstens 60 % der Kandidaten einer Partei oder Koalition in Einerwahlkreisen landesweit dürfen demselben Geschlecht angehören. Ebenso dürfen höchstens 60 % aller Listenkandidaten einer Partei landesweit demselben Geschlecht angehören, wobei höchstens 60 % aller Listenanführer demselben Geschlecht angehören dürfen. Ergeben 60 % der Kandidaten keine ganze Zahl, wird zur nächsten ganzen Zahl aufgerundet. Außerdem müssen die Listenplätze immer abwechselnd mit Männern und Frauen besetzt sein.

Eine solche Quotierung von Parlamentswahlen ist ein erheblicher Eingriff in die freie Wahl. In einer echten demokratischen Wahl muss eine Partei oder ein Wahlbündnis unbedingt frei in der Aufstellung der Kandidaten sein. Gerade in Italien, wo noch die klassische Geschlechterordnung stark ist, müssen die Parteien jetzt also einen Haufen Quotenfrauen aus dem Hut zaubern, während viele fähige ambitionierte Männer außen vor bleiben müssen. Das Resultat ist ein schwaches Parlament mit dürftiger Legitimation und eine defekte Demokratie.

Folglich gibt es ein derartiges Wahlrecht auch vor allem in Staaten mit zweifelhaften demokratischen Charakter. Wikipedia:

In 23 Ländern bestehen gesetzliche Kandidatenquoren, 12 davon liegen in Lateinamerika, in Europa haben lediglich Belgien und Frankreich gesetzliche Kandidatenquoren.

[…]

Auch bei der eigentlichen Wahl der Abgeordneten gibt es in einigen Ländern gesetzliche Quotenregelungen, überwiegend in Form von für Frauen reservierten Sitzen. In einigen Staaten sind Sitze im Parlament für spezielle Gruppen vorgesehen. Vielfach dient dies der Repräsentation ethnischer Minderheiten, es gibt aber auch Staaten mit einer Quote von Mandaten, die für Frauen reserviert sind. Es handelt sich in keinem Fall um demokratische, sondern ausschließlich um halb-demokratische oder autoritäre Staaten (beurteilt nach der Bewertung von Freedom House). So sind in Kenia 6 von 224 Sitzen und in Uganda 56 von 295 Sitzen für Frauen reserviert. Solche Frauenquoten finden sich auch in Bangladesch, Niger und Tansania. Der einzige demokratische Staat darunter ist Taiwan; hier handelt es sich jedoch um einen Überrest der bisherigen halbdemokratischen Verfassung. Auch prozentuale Quoten kommen vor. So sind in Dschibuti 10 % der Parlamentsmandate für Frauen reserviert.

[…]

Bei der Wahl zum Europaparlament sind in fünf Staaten gesetzliche Kandidatenquotenregelungen getroffen worden. Neben Frankreich und Belgien sind dies Spanien, Portugal und Slowenien.

Italien, das laut Democracy Index 2017 (The Economist) eh schon als „fehlerhafte Demokratie“ gilt (wie übrigens auch die beiden Quotendemokratien Frk. und Belgien) reiht sich hier ganz gut ein.

In Deutschland gibt es solche männerdiskriminierenden Praktiken nur parteiintern bei den links-feministischen Parteien, die „Gleichstellung“ über Gleichberechtigung und Demokratie stellen und damit strenggenommen gegen das deutsche Parteiengesetz und das GG verstoßen. Es gab hier aber auch schon Wortmeldungen, die eine per Gesetz quotierte Wahl fordern und damit eine brandgefährliche Schwächung des Bundestags und Aushöhlung des Grundgesetz anstreben. Man stelle sich mal vor, ein Politker fordert, dass der BT zu 90% aus ‚Ariern‘ bestehen muss oder dergleichen. Hervorgetan haben sich schon hier z.B. Elke Ferner (SPD), Eva Högl (SPD), Rita Süssmuth(CDU), Annegret Kramp-Karrenbauer(CDU), der „Deutsche Frauenrat“ und Katrin Göring-Eckart (Grüne). Ich würde alle Leser bitten, weitere Politiker und öffentlichen Personen, die dergleichen gefordert haben in die Kommentare zu schreiben; denn die Gefahr, dass so ein Paritätsgesetz auch in Deutschland eingeführt wird ist hoch und man muss dieser drohenden Delegitimation des Bundestages unbedingt entgegentreten!

Wie steht es mit der Verfassungskonformität des neuen Wahlrechts in Italien? Womöglich lässte die italienische Verfassung (PDF; deutsch) sowas tatsächlich zu, denn diese scheint das demokratische Prinzip der freien Wahl nicht explizit festzuschreiben wie in Deutschland. stattdessen gilt dort nur die „allgemeine und direkte Wahl“ (Art. 56). Ohne die freie Wahl jedoch ist gesetzliche Wahlmanipulation (z.B. durch Quoten) grundsätzlich zulässig.

Des Weiteren heißt es in Art. 3:

„Es ist Aufgabe der Republik, die Hindernisse wirtschaftlicher und sozialer Art zu beseitigen, die durch eine tatsächliche Einschränkung der Freiheit und Gleichheit der Staatsbürger der vollen Entfaltung der […] wirksamen Teilhabe aller Arbeiter [gemeint sind alle Bürger] an der politischen […] Gestaltung des Landes im Wege stehen.“

Damit wird das vermutlich legitimiert. Es ist ein Verfassungsartikel, mit dem die bürgerliche Freiheit komplett ausgehebelt werden kann.

Der ZEIT-Artikel, der mich auf das Thema gebracht hat, beklagt auch die niedrige Bereitschaft, wählen zu gehen in Italien. Na, ich bin gespannt, ob die Wahlbeteiligung bei einem solchen Wahlgesetz gesteigert wird 😉 Am Montag werden wir es erfahren.

Und da sich unser europäischer Partner im Süden mit der Demokratie offensichtlich etwas schwer tut, schließen wir mit einem flotten Liedchen aus der Zeit des Mussolini-Faschismus ab. Der Umgang mit diesem historischen Erbe ist in Italien übrigens auch viel unkritischer als in Deutschland. Das Lied glorifiziert den italienischen Massenvernichtungskrieg in Äthiopien.

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