Wenn die Frau das Geld verdient…

«Wie viele Frauen in Deutschland leben vom Geld ihrer Männer? Die haben das immer gemacht. Und wenn man das umdreht, gibt es einen großen Aufschrei. Das ist doch eigenartig», meint Susanne. Sie ist eine von drei «Haupternährerinnen», wie sie vor Jahren einmal in einer Reportage des ZDF porträtiert worden sind. «Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden und eine sinnvolle Arbeit zu tun», sagt Lutz in der Sendung, ein Hausmann, dessen Frau Alexandra mit ihrer Zahnarztpraxis für das Familieneinkommen zuständig ist.

In immer mehr Partnerschaften verdient sie mehr als er: Sie putzt, er kocht und näht, beide betreuen ihren dreijährigen Sohn. Das alles klingt auf den ersten Blick ganz harmonisch. Doch wie sieht es in Familien aus, in denen die Frauen die Haupternährerrolle innehaben und der Mann für den Haushalt zuständig ist? Warum haben sich die Rollen in diesen Familien umgekehrt?

Haupternährerinnen haben sich ihre Rolle nur selten freiwillig ausgesucht, wie aus einem Papier der deutschen Hans Böckler Stiftung (online nicht mehr verfügbar) hervorgeht. Dabei werden drei Arten von Haupternährerinnen aufgeführt: die Freiwilligen, die Zufälligen und die Widerstrebenden. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland «überwiegt die Zahl der Frauen, die unbeabsichtigt Familienernährerin werden – wegen der Trennung vom Partner beziehungsweise der Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit der Väter (…) Frauen werden überwiegend unfreiwillig Familienernährerinnen, entweder als Partnerinnen von arbeitslosen oder prekär beschäftigten Männern – oder als allein Erziehende

Dass auch alleinerziehende Frauen unter die Kategorie Haupternährerin fallen, ist angesichts der Tatsache, dass zwischen 60 und 80 Prozent aller Scheidungen von Frauen eingereicht werden, etwas fragwürdig, zumindest dann, wenn diese Frauen gleichzeitig unter die Kategorie der Unfreiwilligen gezählt werden. Item: Familien, in denen die Rollen sozusagen vertauscht gelebt werden, weisen zwei Merkmale auf:

  • Zum einen herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass man einem Partner die Ernährerrolle nicht ein Leben lang aufbürden kann – eine Einsicht, die in «traditionell» organisierten Familienformen gar nicht erst anzutreffen ist: «Nach Ansicht der Befragten sollten weder Mann noch Frau den Druck dauerhaft allein tragen, für das Familieneinkommen sorgen zu müssen (…).»
  • Zum anderen sind Frauen häufig Geringverdienerinnen und müssen die finanzielle Verantwortung für eine Familie unter ungleich härteren Bedingungen tragen, als die meisten Männer in derselben Rolle. Kommt hinzu, dass sie als «Haupteinkommensbezieherinnen deutlich mehr Zeit für die Kinder aufwenden als ihre Partner. Ein Rollentausch – die Mutter verdient das Geld, der Vater hütet die Kinder – findet in der Regel nicht statt.»

Das klingt zweifellos ernüchternd. Wer sich aller dings einmal mit Studien und Untersuchungen zur psychischen Verfassung von Arbeits- und Erwerbslosen auseinandergesetzt hat, weiss, dass der Verlust des Arbeitsplatzes – auch unter dem Aspekt, dass damit die Rollenvorstellungen vieler Männer plötzlich und abrupt in Frage gestellt werden – gesundheitlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Vor allem bei Langzeitarbeitslosen. Damit soll selbstverständlich nicht bestritten werden, dass es Männer gibt, die sich ganz bewusst vor der Haus- und Familienarbeit drücken.

Fest zu halten bleibt lediglich, dass der vielbeschworene Rollenwandel bislang kaum freiwillig stattfindet. Doch vielleicht liegt gerade darin eine Chance: Eine US-amerikanische Studie geht bereits schon davon aus, dass der Anteil der Familienhaushalte, in denen die Frauen den Grossteil an das Haushaltseinkommen beisteuern, in naher Zukunft auf über 30 Prozent steigen könnte.

Die Frauenquote, Teil 3: Viel Rauch um nichts!

Kleine und mittlere Unternehmen sind das Herzstück unserer Volkswirtschaften. Den Löwenanteil an der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung generieren kleine und mittlere Unternehmen (KMU), und nicht Big Corporates wie VW, Nestlé, Novartis oder Bayer. Über 99% aller Unternehmen sind KMU, schreibt die Deutsche Bank über den internationalen Mittelstand in der Unternehmenswelt. Von den insgesamt 3’649’397 Millionen Unternehmen in Deutschland zählen 99,3 Prozent zu den kleinen und mittleren Unternehmen. Doch im Visier der Quotenbefürworter stehen lediglich grosskapitalisierte Werte, die an der Börse gehandelt werden. Damit schrumpft die Zahl der betroffenen Firmen auf etwas weniger als ein einziges Promille aller (Kapital)gesellschaften! Die Quotenfrage bewegt sich damit also in einem Mikrokosmos, der nicht einmal mehr die unternehmerische Wirklichkeit in unseren Volkswirtschaften angemessen repräsentiert!

Heute wird allgemein wie selbstverständlich ein Bogen zwischen den hohen Bildungsabschlüssen der Frauen und deren Untervertretung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft gespannt. Die Quotenfrage speist sich hauptsächlich aus der Tasache, dass Frauen heutzutage besser ausgebildet sind, als Männer. Also haben sie auch einen Anspruch auf eine höhere Vertretung in den Führungspositionen der Wirtschaft, so der allgemeine Tenor! Doch was genau lässt sich eigentlich daraus ableiten, dass Frauen mittlerweile höhere Bildungsabschlüsse als Männer haben? Richtig: Nur dass Frauen mittlerweile höhere Bildungsabschlüsse als Männer haben, mehr nicht! Über mögliche Karriereambitionen sagt dieser Umstand überhaupt nichts aus. Und über ausgebliebene- oder gar verpasste Karrierechancen schon gar nicht. Selbst die markante Untervertretung der Frauen bei Innovationen oder Neugründungen (siehe Teil 2) lassen sich damit nicht erklären! Es gibt keine geschlechterspezifische Korrelation zwischen Bildungsab-schlüssen, Führungspositionen und Unternehmensgründungen!

Trotzdem hat die grosse Koalisation in Deutschland beschlossen, dass die grössten deutschen Kapitalgesellschaften mit mehr als 2’000 Mitarbeitern ab 2016 mindestens 30 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten haben müssen. Alles in allem handelt es sich hier um lediglich 3’500 Unternehmen- was angesichts der mehr als 3,6 Millionen Firmen aller Rechtsformen in Deutschland nicht einmal einem Promille aller Betriebe entspricht! In sämtlichen Unternehmen aus dem DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gibt es schäz-zungsweise 2’000 Aufsichtsrats- und 800 Vorstandsposten. Im Durchschnitt kommen auf eine Firma 12 Aufsichtsräte. Die kleinsten Aufsichtsratsgremien haben 3 Mitglieder (United Internet AG, Rational AG, Wirecard AG u. a.) und die grössten jeweils 20 (z. B. Volkswagen AG, Commerzbank AG, ThyssenKrupp AG). Das bedeutet im Klartext, dass sich börsengelistete Konzerne in Deutschland bis 2016 auf die Suche nach gerade mal 174 zusätzlichen, weiblichen Aufsehern machen müssen, wie die deutsche Frauenministerin Manuela Schwesig ausgerechnet hat.

Die viel diskutierte und lautstark kritisierte Untervertretung des weiblichen Geschlechts in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft umfasst also im Endeffekt lediglich eine winzig kleine Gruppe von Frauen! Sobald diese 174 Frauen politisch korrekt installiert worden sind, geht es also im deutschen Wirtschaftsleben endlich absolut geschlechter-gerecht zu und her! Mit Verlaub: Aber das ist doch einfach lächerlich! Vereine wie ProQuote, die SPD, die Grünen oder Politikerinnen wie „Zensursula“ haben die ganze Öffentlichkeit, die Politik, die Wirtschaftsverbände, die Gewerkschaften und die Medien; Befürworter wie auch Gegner, jahrelang auf Trab gehalten und vor sich her getrieben, wie eine Schafherde- und jetzt ist sie endlich da, die Frauenquote: Sie umfasst ganze 174 Frauen! Hurra, möchte man da am liebsten rufen: Der Berg hat eine Maus geboren..!

Die Quotendiskussion wiederspiegelt auf geradezu exemplarische Art und Weise den heutigen Zustand der Geschlechterfrage: Sie bildet nur noch die Lebenswirklichkeit von gut bis sehr gut gebildeten- und verdienenden Frauen aus der oberen Mittelschicht ab! Hier geht es schon lange nicht mehr um Gleichberechtigung, sondern um knallharte Interessens- und Machtpolitik! Zudem suggeriert die Quote, dass Frauen in der Wirtschaft generell kaum Führungspositionen innehaben- was nachweislich falsch ist: Über alle Hierarchiestufen gerechnet, „(…) lag der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft 2010 bei 30 Prozent.“, wie dem Bundesministerium für alle ausser Männer zu entnehmen ist. Die ganze Diskussion um die Frauenquote ist in Wirklichkeit eine Scheindebatte und ihre Einführung reine Symbolpolitik! Wie es soweit kommen konnte, dass sie trotzdem auf so breiter gesellschaftlicher, politischer und medialer Ebene diskutiert wird, darüber kann nur spekuliert werden. Einen möglichen Erklärungsansatz dafür liefert Rainer Brüderle- wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang: „Mit der Wahrheit kommen sie nicht weiter, wenn Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer im Kampfmodus sind.“

 

Die beiden anderen Teile findet Ihr hier:

Die Frauenquote, Teil 1: Wieviel darf’s denn sein?

Die Frauenquote, Teil 2: Nur etwas für Nesthäkchen?

Die Frauenquote, Teil 2: Nur etwas für Nesthäkchen?

Alle Welt spricht von der Frauenquote. Dabei geht gerne vergessen, dass bis heute über 90 Prozent aller Unternehmen nach wie vor von Männern gegründet werden! In der Schweiz werden, je nach Studie (und Methodik), nur gerade zwischen 8 und 20 Prozent aller (neuen) Unternehmen von Frauen gegründet. Das Bundesamt für Statistik weist für das Jahr 2008 einen Frauenanteil von 17,1 Prozent aus, während der Global Entrepreneurship Monitor (GEM), dem die nachfolgenden Gründungszahlen entnommen sind, von lediglich 8 Prozent ausgeht.

Weltweit variiert der Anteil der von Frauen neu gegründeten Unternehmen zwischen 1 Prozent (Pakistan) und 40 Prozent (Sambia). In Schweden werden lediglich fünf und in Norwegen und Deutschland sogar unter fünf Prozent aller neuen Unternehmen von Frauen ins Leben gerufen. Selbst in den Vereinigten Staaten, wo das Ende der Männer angeblich kurz bevor stehen soll, werden bis dato gut 90 Prozent aller Unternehmen von Männern gegründet: Das ist für tot Geglaubte immerhin eine beachtliche Leistung!

Sind Innovationsfreude, unternehmerischer Mut und Pioniergeist also typisch männliche Eigenschaften? Eine breit angelegte Studie (Seite 49), in der untersucht worden ist, welche Persönlichkeitsmerkmale einen Selbständigen von einem Nicht-Selbständigen unterscheiden, legt genau diesen Schluss nahe: Beim Kriterium weiblich (female) reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, selbstständig zu sein oder sich selbstständig zu machen um ganze 77, bzw. 80 Prozent!

In der Europäischen Union entfallen im Durchschnitt lediglich 8 Prozent aller Patente oder Erfindungen auf Frauen. Ganz speziell bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass Litauen, Bulgarien und Polen die Liste mit über 20 Prozent Frauenanteil anführen, während das in Gleichstellungsfragen als fortschrittlich geltende Schweden mit nur 8 Prozent erst am hinteren Ende zu finden ist. Zum Vergleich: In Deutschland werden lediglich 6 Prozent aller Erfindungen von Frauen initiiert.

Das weibliche Geschlecht scheint also insgesamt eine erheblich grössere Risikoaversion zu haben, als das Männliche. Das bestätigt auch ein Blick auf die Unternehmensgrösse: Frauen gründen, zumindest in der Schweiz, andere und in der Regel weit kleinere Unternehmen, als Männer: „(…) Der Erfolg der jungen Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden, hinkt oft hinter jenem der Männer her. Zumindest wenn der Erfolg mit Wachstum im Umsatz und Anzahl Mitarbeitenden gemessen wird.“ Nach welchen Kriterien sich der Erfolg eines Unternehmens sonst bemessen lassen soll, lassen die Autoren freilich offen.

Selbstverständlich gibt es auch erfolgreiche und innovative Unternehmerinnen, wie zum Beispiel die Gründerin der US-amerikanischen Onlinezeitung Huffington Post, Ariana Huffington, eindrücklich beweist! Obwohl die Huffington Post erst am 9. Mai 2005 als Nachrichten- und Nachrichtenkommentar-Plattform online ging, wurde sie im Februar 2011 für 315 Mia. Dollar von AOL aufgekauft! 2012 erhielt sie als erste kommerzielle Online-Zeitung einen Pulitzer-Preis.

Doch viele Frauen, die eine Topkarriere anstreben, ziehen der Gründung eines eigenen Unternehmens offenbar lieber eine staatlich fest verordnete Quote vor: Das schützt sie vor unternehmerischen Risiken und garantiert ihnen trotzdem einen kometenhaften Aufstieg: Frauen brauchen schliesslich Sicherheit! Da ist die Frage nach einer Gründerinnenquote mehr als nur berechtigt- auch wenn sie rein rethorischer Natur ist.

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Teil 1 dieses Dreiteilers über die Frauenquote findet Ihr hier. Ach ja: Wieviele Unternehmen werden Eurer Meinung nach von einer Frauenquote betroffen sein, wie sie die grosse Koalisation für Deutschland beschlossen hat? Eure Einschätzung:

 

Die Geschlechter im Wandel der Zeit

„Nichts in der menschlichen Geschichte bereitete die Menschheit oder die Erde wirklich auf das vor, was nach 1800 geschah.“, schreibt der bekannte US-amerikanische Entwicklungsökonom Jeffrey D. Sachs im Rückblick auf die Industrialisierung. Mit dem Einsetzen der industriellen Revolution wurde der Mensch jäh aus seiner bis dahin vergleichsweise langsam verlaufenen Entwicklung gerissen und beschritt kurz nach der Erfindung der Dampfmaschine den steinigen Weg in die Moderne. Der ungarische Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftstheoretiker Karl Polany (1886- 1964) spricht in diesem Zusammenhang vom grössten Transformationsprozess, dem die Menschheit je ausgesetzt war. Doch mit den gewaltigen Fortschritten auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung sowie den Kommunikations- und Fertigungstechnologien hat mittlerweile ein ganz anderes und neues Zeitalter begonnen, dass unser Leben voraussichtlich ähnlich stark verändern wird, wie seinerzeit die industrielle Revolution. Genauso wie sich die Maschine wandelt, wird sich auch unsere Gesellschaft verändern.

 „In der Wirtschaft ersetzen Dienstleistungen immer mehr die Güterproduktion als Quelle des Wohlstandes. Der typische Arbeitnehmer in der Informationsgesellschaft arbeitet nicht in einer Stahlfabrik oder einem Automobilwerk, sondern in einer Bank, einer Softwareschmiede, einem Restaurant, in einer Universität oder bei einer Sozialbehörde.“, schreibt der amerikanische Politologe Francis Fukuyama in seinem 2000 erstmals auf Deutsch erschienen Buch „Der grosse Aufbruch“. „Im Laufe der letzten fünfzig Jahre haben die Vereinigten Staaten und andere ökonomisch hochentwickelte Länder schrittweise den Übergang in die sogenannte Informationsgesellschaft oder ins postindustrielle Zeitalter vollzogen.“ Dieser tiefgreifenden Strukturwandel hat den Westen im Verlaufe der letzten Jahrzehnte Millionen von Arbeitsplätzen gekostet. Alleine in der Schweiz sind in den vergangenen dreissig Jahren über 60 Prozent aller Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Dem gegenüber verzeichnet der Dienstleistungssektor enorme Zuwachsraten.

Ein kennzeichnendes Merkmal des Dienstleistungszeitalters ist der Wandel in der Arbeitswelt: Der Working Class Hero wird zunehmend weiblich. Das bedeutet nicht, dass der männliche dabei verschwindet, wie häufig postuliert- und mitunter auch fieberhaft herbei phantasiert wird. Doch seine Rolle wird sich auch deshalb verändern, weil die postindustrielle Gesellschaft den Frauen insgesamt mehr Möglichkeiten eröffnet, als das gesamte, männlich geprägte Industriezeitalter. Damit gestalten sich zwangsläufig auch die vielschichtigen Beziehungen zwischen Männern und Frauen neu- mit weitreichenden Konsequenzen.

Häufig wird versucht, diesen tiefgreifenden Veränderungsprozess alleine an den Geschlechtern festzumachen. Der übegeordnete Trend verläuft jedoch nicht zwischen den Geschlechtern. Es ist vielmehr der Übergang vom industriellen zum technologischen Zeitalter, der die sozialen Entwicklungen vorantriebt, wie wir gesehen haben. Trotzdem scheinen die Medien, einzelne wissenschaftliche Disziplinen sowie die Politik geradezu besessen davon zu sein, diese Entwicklungen zu einem Geschlechterkampf hochzustillisieren. So verkündete die amerikanische Publizistin und Buchautorin Hanna Rosin etwa bereits vollmundig das Ende der Männer. Auch wenn die Geschlechterkomponente nicht ganz von der Hand zu weisen ist, blockieren so radikale Positionen jeden vernünftigen Dialog zwischen den Geschlechtern.

Unsere Zeit stellt letztendlich alle Menschen vor grosse Herausforderungen, Männer wie auch Frauen. Die modernen Gesellschaften des Westens sind nicht einfach nur auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten, sondern auf eine Generation mit einem längst überholten Gesellschaftsideal. Probleme haben heute beide Geschlechter- sowohl im Privatleben als auch in der Arbeitswelt. Mit dem Unterschied, dass Frauen sie als strukturelle, gesellschaftliche Probleme behandeln und ganze Bücher darüber schreiben können und Männer nicht. Warum eigentlich nicht?

Die Frauenquote, Teil 1: Wieviel darf’s denn sein?

Die Quotendiskussion leidet einer ganz entscheidenden Schwäche: Wieviele Frauen dürfen, bzw. müssen auf den Führungsetagen vertreten sein? Wann sind Frauen angemessen in den Führungsetagen vertreten? Nach welchen empirischen Erkenntnissen (oder aufgrund welcher Daten) wird der richtige Frauenanteil errechnet? Braucht es 20, 30 oder gar 50 Prozent Frauen in den Führungsetagen? Darüber  breiten die Quotenbefürworter allgemein das Tuch des Schweigens. Es ist also zu vermuten, dass die „richtige“ Höhe des Frauenanteils reine Gefühlssache- und damit vor allem eine Frage der politischen Opportunitäten ist.

Ein Blick auf die Quotenwirklichkeiten in ganz Europa fördert mitunter ganz Erstaunliches zutage: So hat Norwegen 2003 beschlossen, dass der „richtige“ Frauenanteil bei 40 Prozent liegt- und diesen Anteil 2006 gleich in ein Gesetz gegossen, dass für die Verwaltungsräte aller börsenkotierten Gesellschaften gilt. Ganz anders sieht das die deutsche Bundeswehr: Ihr Ziel ist eine Gesamtquote von 15 Prozent Frauen im gesamten militärischen Bereich. Der deutsche Verein ProQuote wiederum fordert bis 2017 einen gesetzlich verbindlichen Frauenanteil von 30 Prozent auf allen Führungsebenen in sämtlichen Print- und Onlinemedien, TV und Radio. Dasselbe Ziel verfolgt auch die sog. „Stauffacher Deklaration“, die vorsieht, dass der Frauenanteil in der Redaktion des schweizer Tages Anzeigers bis 2016 auf 30 Prozent ansteigt.

„Nur schon das Arbeitsklima ist anders. In einer männerlastigen Umgebung ist alles automatisch sportlicher, militärischer, aggressiver.“, antwortet die Frauenbeauftragte und langjährige Kulturjournalistin Simone Weber auf die Frage, warum es in den „Tagi-Testosteron-Territorien“ überhaupt einen höheren Frauenanteil brauche. Die Stadt Bern setzt die Frauenquote in der Verwaltung auf Kaderebene etwas höher, genauer: bei 35 Prozent an. Als die Stadt Zürich es ihr gleich tun wollte, stellte sie mit Erstaunen fest, dass bereits 43,5 Prozent aller Kaderstellen im Verwaltungsbereich von Frauen besetzt sind! Erwin Rasinger, Abgeordneter der ÖVP im österreichischen Nationalrat, forderte vor Jahren einmal eine gesetzliche 50-Prozent-Frauenquote an allen medizinischen Fakultäten. Ein prozentual weit tieferes Ziel hat sich unlängst Advance gesetzt und will den Frauenanteil in Exekutivpositionen in der schweizer Wirtschaft bis 2020 auf freiwilliger Basis von derzeit 4 auf 20 Prozent erhöhen.

Als die deutsche SPD-Politikerin Gesche Joost 2013 sogar eine Frauenquote für Talkshows forderte, liess sie zum Glück offen, wie hoch eine solche ausfallen soll. Mit gutem Grund: „Vor allem die elektronischen Medien haben ein gewaltiges Problem mit einer vertretbaren Frauenquote (…) Oft ist es kaum möglich, zumindest eine Alibifrau für eine TV-Diskussionsrunde zu finden, bei der es nicht um eines der häufig gewählten Softthemen geht.“, wie der schweizer Journalist und Unternehmer Roger Schawinski ausführt, der von 2003 bis 2006 den deutschen Privatsenders Sat 1 geführt hat. Das bestätigt auch Peter Wälty, stellvertretender Chefredaktor bei 20Minuten, der mit über einer Million Lesern pro Ausgabe meistgelesenen Tageszeitung der Schweiz: „Bei Newsnet haben wir in den letzten fünf Jahren weit über hundert Mitarbeiter eingestellt. Die Frauenquote bei den Bewerbungen lag bei höchstens fünfundzwanzig Prozent. Wen wundert es also, wenn Frauen in Führungspositionen untervertreten sind, wenn die sich gar nicht erst bewerben? Dabei bietet Newsnet- mit Ausnahme des Newsdesks- gerade auch für Mütter und solche, die es werden wollen, ideale Arbeitsbedingungen. “

Im nächsten Teil dieser Serie über die Frauenquote beschäftige ich mich mit der Frage, ob Innovationsfreude, unternehmerischer Mut und Pioniergeist typisch männliche Eigenschaften sind: Don’t miss it!

Wozu man Männer noch gebrauchen kann

Neulich hat mich eine Bekannte gefragt, wofür man Männer denn heutzutage überhaupt noch gebrauchen könne.

Meine Fresse, schoss es mir durch den Kopf: Keine Ahnung! Zum Grillieren vielleicht? Oder für die Müllabfuhr..? Männer tragen ja  den Müllsack nicht nur bis vor die Haustüre, sondern fahren ihn von dort aus auch noch gleich bis zur nächsten Kehrichtdeponie! Oder haben sie schon einmal eine Müllfrau gesehen? Für die Kanalreinigung dürfte man sie wahrscheinlich ebenfalls noch ganz gut gebrauchen können, denke ich. Oder für das Verlegen von Strom-, Gas-, Telefon- und Wasserleitungen: Schliesslich brauchen wir ja Licht in der Küche, wenn wir spätabends noch schnell den Abwasch erledigen wollen, nicht? Oder mit einem Latte Macchiato in der Hand in einem Versandhauskatalog blättern. 80 Prozent aller Kaufentscheide werden übrigens von Frauen gefällt, wussten Sie das?

Item, zurück zum Thema: Männer planen ganze Städte, ziehen sie hoch, bauen Strassen, Wege, Autobahnen und Schienennetze, unterhalten Kraftwerke, bauen Staudämme, karren Rohstoffe, Nahrungsmittel und sonstige Güter 24 Stunden lang zu Wasser, zur See, zu Land oder auf dem Luftweg um die Welt, entwickeln und programmieren hochkomplexe Computernetzwerke, Schreibprogramme, Webbrowser und Apps für die ebenfalls von ihnen ersonnenen Smartphones, Laptops, Desktops und Tablets, gründen Firmen, schaffen weltweit Millionen von Arbeitsplätzen und gehen für sie mitunter halsbrecherische, unternehmerische Risiken ein. Sie retten Leben als Feuerwehrmänner, Polizisten oder Sicherheitsangestellte, ziehen Dämme um Städte bei Hochwasserkatastrophen, füllen zehntausende von Sandsäcken von Hand ab, evakuieren Menschen mit Helikoptern aus gefährdeten Gebieten, löschen Waldbrände, schneiden Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen mit Blechschneidern aus ihren Autos, suchen nach Verschütteten in Erdbebengebieten, stecken auf Ölbohrplattformen knietief im giftigem Bohrschlamm, entwickeln alternative Energiegewinnungsformen sowie Medikamente gegen alle möglichen Gebrechen und Krankheiten, erfinden ununterbrochen neue Dinge, die unser Leben angenehmer gestalten sollen, bauen Raketen, planen Missionen zum Mars, sind auf den Mond geflogen, springen mit dem Fallschirm aus genau 38’969,4 Metern Höhe auf die Erde, haben die Quantenmechanik ergründet, den tiefsten Punkt im Meer erkundet und den Mount Everest bestiegen, LSD entdeckt, den Reissverschluss erfunden sowie die Evolutionstheorie verfasst, zünden das Feuerwerk an Grossanlässen mit Netzwerkcomputern, organisieren Open-Air-Konzerte, Loverides, Filmfestivals und Freilichtspiele, veranstalten Sportanlässe, sind als Mäzene tätig, eröffnen gemeinnützige Stiftungen, gründen Hilfswerke wie die Médicines Sans Frontières- und sind im Notfall erst noch zuverlässig und pünktlich zur Stelle, wenn der Abfluss verstopft ist, das Türschloss kaputt- oder das Auto plötzlich nicht mehr anspringt!

Männer sind sozusagen die Heinzelmännchen unserer Zivilisation: Sie erledigen all diese Jobs ohne Murren, Jahr für Jahr, bei gutem und bei schlechtem Wetter, ob es regnet oder schneit, kalt ist oder warm, Tag und Nacht. Das ist für sie ganz selbstverständlich, dafür sind sie da, das ist ihre Aufgabe, das ist ihre Bestimmung! Und glauben Sie mir: Viele von ihnen würden noch so gerne einen Teil davon abgeben, denn das alles ist manchmal verdammt anstrengend..!