Der beste Weg zur Frauenquote

Die Welt wird durch immer neue und unkontrollierbarere Kriege erschüttert, Arbeitslosigkeit und finanzielle Katastrophen offenbaren sich immer mehr als Problem des wirtschaftlichen Systems an sich und die SPÖ-Frauen drohen mit politischem Totalstreik. Weil die Frauenquote nicht erreicht wurde. Ich habe das einigermaßen intensiv und bisher durchgehen negativ kommentiert. Aber diesmal versuche ich einmal, die Frage positiv zu beantworten: Wie kommen wir dazu, dass die Frauen in der Bevölkerung durch ein Mindestmaß an Frauen im Parlament vertreten werden?

SPÖ-Frauen wollen klare Verhältnisse und fordern eine garantierte Frauenquote im Parlament

Die SPÖ hat ja eine Frauenquote auf allen ihren Listen. Im Fall Sonja Ablinger hat das bei der Nationalratswahl auch gut funktioniert. Frau Ablinger hat zwar kein Mandat bekommen. Aber das nicht etwa deswegen, weil sie keine Frau ist. Sondern deswegen, weil eine andere Frau vor ihr gereiht war. Auf der Oberösterreichischen Liste gab es nämlich einen sogenannten Reißverschluß: Auf Mann folgt Frau und umgekehrt. Frauen sind auf der Oberösterreichischen Liste sogar bevorzugt, weil auch der erste Platz von einer Frau besetzt war. Und diese Frau wurde dann sogar Präsidentin des Nationalrats.

die ehemalige Nationalratspräsidentin Barbara Prammer

Bei der Wahl hat Quote also für die Frauen sehr gut funktioniert, nur beim Nachrücken gab es einen Konflikt. Und zwar mit der Nationalratswahlordnung. Als die Nationalratspräsidentin an Krebs starb, musste ihr Mandat nachbesetzt werden und nach dem Reißverschlußprinzip folgte ihr natürlich ein Mann. Womit die Frauenquote wieder sinkt. Die SPÖ-Frauen wollten jetzt den Mann zum Verzicht zwingen, aber der hat kühl abgelehnt. Auch der Gang zum Parteivorstand hat wenig genützt, weil die Nationalratswahlordnung (noch) über dem Parteistatut steht. Wenn Gesetz und Parteistatut in Konflikt geraten, ändert man normalerweise das Parteistatut. Die SPÖ-Frauen wollen stattdessen das Gesetz ändern. Es wird nach einer Möglichkeit gesucht, eine Mindesquote von Frauen im Parlament gesetzlich zu erzwingen. So etwas wie eine Männerpartei soll also gesetzlich untersagt werden. Wie gesagt, ich versuche diesen Wunsch einmal positiv zu beantworten. Wie kann man eine gewisse Frauenquote über die Wahlordnung erzwingen?

liste
SPÖ-Liste Oberösterreich für die Nationalratswahl 2013

Wenn man das mit demokratischen Grundsätzen begründen will, müsste man das „Repräsentative“ bei der „repräsentativen Demokratie“ besonders ernst nehmen. Demnach sollen alle Personengruppen gemäß ihrem Anteil in der Bevölkerung im Parlament repräsentiert sein. Bei den Volksvertretern sollte es dann einen gleich großen Anteil von Frauen und Männern geben wie im Wahlvolk. Aber logisch gedacht dann auch einen gleich großen Anteil von Jungen und Alten, Selbständigen, Angestellten und Arbeitslosen. Ein Regelwerk für fixe Quoten gibt es sogar bereits in der Wahlordnung. Aber es bezieht sich nur auf die regionale Bevölkerungsverteilung.

Repräsentative Demokratie

Im Österreichischen Parlament entspricht die Verteilung der Mandatare aus den Bundesländern genau der relativen Anzahl an Wahlberechtigten. Ironischerweise hat genau diese konsequente Bundesländerquote die SPÖ-Frauenquote verhindert: Das Oberösterreichische Mandat konnte eben nur aus Oberösterreich nachbesetzt werden. Der Föderalismus ist ein Prinzip der Österreichischen Bundesrepublik, die Geschlechterquote dagegen nicht. Das müßte man also ändern.

Wahlkreise Nationalratswahl Österreich

Die Republik Österreich hat wie alle entwickelten Demokratien ein Zweikammernsystem und der Bundesrat ist als zweite Kammer ganz explizit als regionales Gegenstück zum überregionalen Nationalrat gedacht. Ein erster Ansatz wäre: Weg mit dem Föderalismus, her mit der Geschlechterdemokratie. Statt Nationalrat und Bundesrat gäbe es dann Männerrat und Frauenrat. Wenn wir ganz konsequent sein wollen, dann können wir auch das aktive Wahlrecht entsprechend einschränken: Frauen können dann nur von Frauen gewählt werden, Männer nur von Männern. Jedenfalls gäbe es im Männerrat nur männliche Abgeordnete, im Frauenrat nur weibliche Abgeordnete.

Bundesrat wird über Landtage bestellt

Ein Gesetz kann dann nur beschlossen werden, wenn sowohl Männerrat als auch Frauenrat zustimmen. Damit beide Geschlechter wirklich gleiche Rechte bekommen, hätte dann jede der beiden Geschlechterkammern sowohl Initiativrecht als auch Vetorecht. Und ein Mißtrauensantrag gegen ein Regierungsmitglied wäre erfolgreich, wenn er nur in einer der beiden Kammern eine Mehrheit findet. Jede Regierung bräuchte also sowohl eine Männermehrheit als auch eine Frauenmehrheit. Das wäre wohl die Geschlechterdemokratie in reiner Form.

Räte
Variante 1: Geschlechterkammern statt Länderkammer und Nationalkammer

Allerdings mit zwei Nachteilen. Erstens wären Männer und Frauen so gründlich voneinander getrennt, dass ein Dialog der Geschlechter weitgehend verunmöglicht wäre. Männer würden eben nur mit Männern debattieren und Frauen nur mit Frauen. Das wird wohl kaum jemand wirklich wollen. Und zweitens wäre der Föderalismus vollständig aus dem Parlament entfernt. Das ist aber eigentlich gar nicht notwendig.

Schließlich ist die gleichmässige Vertretung der Bundesländer derzeit ja sogar doppelt abgesichert. Man könnte zum Beispiel beim Nationalrat die Länderquoten beibehalten und im Bundesrat stattdessen Geschlechterquoten umsetzen. Damit wären die beiden Kammern aber vollkommen irreführend benannt. Der umgekehrte Weg wäre konsistenter und würde sogar die Möglichkeit einer Angleichung von politischer Wahrnehmung und Wahlrecht ermöglichen. Das wäre ein aufgewerteter Bundesrat mit konsequenten Geschlechterquoten und ein im Gegenzug von jeglichen Regionalquoten befreiter Nationalrat.

Der Nationalrat ist in dieser Variante eine reine Themenvertretung, im Ausgleich dazu der Bundesrat ein genaues Abbild der Bevölkerungsgruppen. Damit gibt es im Bundesrat feste Quoten für Männer und Frauen, Vertreter der Bundesländer, Angestellte, Selbständige und Arbeitslose, Junge, Mittelalte und Alte. Bei der Wahl des Bundesrates gibt es dann immer 4 Wahlzettel: Ein 40-jähriger Wiener selbständiger Mann bekommt zum Beispiel einen Stimmzettel für die Liste der Mittelalten, einen für die Wiener Liste, einen für die Selbständigenliste und einen für die Männerliste.

Quoten
Variante 2: Quotenkammer statt Länderkammer

Die politischen Parteien reichen für eine Wahl dann 9 (Bundesländer) x 2 (Geschlechter) x 3 (Altergruppen) x 3 (Berufsgruppen) = 162 Listen ein. Das klingt viel, aber auch jetzt gibt es bei Landtagswahlen insgesamt ähnlich viele Wahlkreise. Jedenfalls würde ein solches Wahlrecht einen Fall Sonja Ablinger ausschließen. Wenn eine Frau ausscheidet, rückt immer eine Frau nach. Sogar mehr als das: Wenn eine Oberösterreichische unselbständige mittelalterliche Frau auf einer SPÖ-Liste ausscheidet, rückt immer eine Oberösterreichische unselbständige mittelalterliche Frau von einer SPÖ-Liste nach. Sonja Ablinger hätte ja dann aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeiten auf mehreren Listen gleichzeitig kandidiert und ein entsprechend ausgestaltetes Wahlrecht würde sicherstellen, dass die Gruppen immer in der gleichen Stärke vertreten sind.

Die Gruppenzugehörigkeit ist in Österreich immer schon sehr wichtig gewesen. Als sich SPÖ und ÖVP nach dem 2. Weltkrieg auf eine neue Verfassung geeinigt haben, konnte die ÖVP eine gesetzlich gesicherte Rolle der Stände (Berufsgruppen)  durchsetzen. Die ständische Abbildung nach Berufsgruppen gibt es in Österreich in den sogenannten Kammern, auch diese Quoten werden durch die beschriebene Wahlrechtsreform übernommen. Der Bundesrat sollte dann natürlich konsequenterweise in Ständerat umbenannt werden. Und Österreich wäre dann auch keine Bundesrepublik mehr, sondern eine viel umfassendere Quotenrepublik, beziehungsweise in Anlehnung an historische Vorbilder eine Ständerepublik.

Die ständische Organisationsform ist immer wieder beliebt

Negativ betrachtet wäre die Stärkung ständestaatlicher Elemente ein Weg in Richtung Faschismus. Schließlich war der Ständestaat ja nichts anderes als die Österreichische Variante der bündischen (faschistischen) Organisation des Staates. Wenn die Menschen nicht mehr selbst entscheiden können, durch wen sie vertreten werden wollen, ist das eben weniger Demokratie und mehr Faschismus. Wenn die Verfassung die Menschen in Gruppen einteilt und Gruppenrechte wichtiger sind als Individualrechte, ist das eben weniger Demokratie und mehr Faschismus. Aber ich wollte diesmal ja eine positive Darstellung gesetzlich verbindlicher Frauenquoten liefern und etwas mehr Faschismus ist offenbar der beste Weg zur verbindlichen Frauenquote.

Männer-Camp

Bei BarCamps geht es um Themen oder Personengruppen mit gemeinsamen Interessen.

Vor Kurzem gab es ein auch über Massenmedien breit beworbenes feministisches BarCamp in Wien. Dabei wurde auch gleich bei der Organisation die übliche feministische Doppelmoral vorgelebt: Angeblich sollte das Camp offen sein, aber Männer waren dann inoffiziell doch wieder unerwünscht. Der Feminismus ist eben doch kein Humanismus, sondern eine Ideologie zum Vorteil einer bestimmten Gruppe. Das können wir Männer doch besser und vor allem ehrlicher machen, oder? Ich schlage ein BarCamp vor, das ideologisch offen ist, an dem aber nur Männer teilnehmen können.

Welche Anliegen haben Männer? Wie gehen die unterschiedlichen Weltanschauungen mit der Männlichkeit um? Bei welchen Themen können Männer ideologieübergreifend zusammenarbeiten? Die männliche Perspektive ist gefragt. Aus der persönlichen Betroffenheit als Mann, in Solidarität mit anderen Männern. Für dieses Männer-Camp schlage ich den internationalen Männertag 19. November vor

und als Tagungsort Wien. Wer will teilnehmen? Wer will mitorganisieren? Wer kennt Sponsoren? Welcher Veranstaltungsort wäre geeignet? Was sagt Ihr dazu? Bei Interesse am Thema:

Was kommt nach der Gleichberechtigung?

Wenn Ihr älter seid, werden Frauen und Männer gleichberechtigt sein. Und die Hausarbeit werden Roboter machen. So oder so ähnlich habe ich das in meiner Jugend gehört. Was nicht sehr viel über mein Alter aussagt. Diese Vision der unmittelbar bevorstehenden Zukunft wird schon einigen Generationen präsentiert. Das Zieldatum wird einfach immer wieder nach hinten verschoben. Die Roboter leben schon eine Weile bevorzugt in Science Fiction Filmen. Und die umfassende Gleichberechtigung ist nach wie vor eine Utopie. Obwohl sich natürlich tatsächlich viel verändert hat.

Viel wurde erreicht

Wir können jetzt den automatischen Staubsauger-Roboter im Geschäft kaufen. Das ist zwar nicht ganz der versprochene elektronische Butler, der in der Früh den Kaffee zum Bett bringt. Aber immerhin. Bei der Gleichberechtigung sieht es ähnlich aus. Früher konnten Frauen ja nicht einmal an der Universität studieren. Oder wählen. Oder allein am Abend Essen gehen. Obwohl das mit dem Essen vielleicht doch nicht wirklich unser Kulturkreis war. Und das Wahlrecht ist auch schon älter als 99% der lebenden Mitmenschen. Wenn man die Frauen fragt, hat sich in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise eher wenig verbessert.

Viel wird nie erreicht werden

Wenn man immer nur die Frauen fragt, wird sich das wohl auch nicht mehr ändern. Wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe, schlägt der Trend zur Gleichberechtigung immer mehr in sein Gegenteil um. Weil Frauen nicht gleichberechtigt sein wollen. Zumindest mehrheitlich. Wenn es um greifbare Konsequenzen im täglichen Leben geht. Kaum eine Frau will gleich sein. Eine Frau will etwas Besonderes sein. Lobbies und Regierungen betreiben heute die Gleichstellung (der Frauen) und schaffen damit auf Wunsch der Frauen die gerade erst geschaffene Gleichberechtigung an vielen Stellen wieder ab. Bevor der vollständigen Gleichberechtigung überhaupt eine Chance gegeben wurde. Die Lohnungleichheit wäre schnell aufgelöst, wenn Väter tatsächlich gleichberechtigt wären. Aber das werden wir kaum mehr selbst erleben, weil der moralische Grundsatz der Gleichberechtigung mit der Jahrtausendwende entsorgt wurde. Was jetzt?

Wohin geht der Weg?

Dass die halb verwirklichte Gleichberechtigungs-Utopie zur allgemeinen Zufriedenheit beider Geschlechter geführt hätte, könnte man auch nicht wirklich behaupten. Also wird es weiter Veränderungen geben. In welche Richtung?

  1. Post-Gender
    Diese Option zähle ich nur der Vollständigkeit halber auf. Wer es noch nicht kennt: Post-Gender beruht auf der Annahme, dass die Unterscheidung Mann-Frau gesellschaftlich und/oder politisch nicht mehr relevant wäre. Typischerweise wird (oder wurde) diese doch sehr mutige These von Menschen vertreten, die entweder zu jung sind, um ihre Fantasiewelten im echten Leben zu überprüfen, oder zu schräg, um sich überhaupt um die Realität zu kümmern. Das Auftreten des Postgenderismus ist meistens nur von kurzer Dauer. Als drastisches Beispiel kann der innere Niedergang der deutschen Piratenpartei dienen. Post-Gender hat sich bereits selbst widerlegt, bevor es umgesetzt wurde. Niemand setzt sich ernsthaft dafür ein, dass das Geschlecht als Kategorie im öffentlichen und politischen Leben bedeutungslos werden soll. Damit kann Post-Gender nie eine ernsthafte Rolle spielen.
  2. Zurück ins bürgerliche Biedermeier
    Ob wir es gerne sehen oder nicht, unsere Gesellschaft baut nach wie vor grundsätzlich auf bürgerlichen Idealen auf. Wenn die Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, könnten wir auch wieder zurück zu unseren kleinbürgerlichen Wurzeln gehen und die Kleinfamilie wiederbeleben. Irgendwie passiert das ja bereits. Junge Menschen sehen bürgerliche Werte mittlerweise positiver als die gealterte Hippie-Generation. Die Hausfrauenehe steht vor einem Comeback. Allerdings mit zwei Haken. Die positiven retro-Gefühle sind nicht gleichmäßig über die Geschlechter verteilt. Junge Frauen finden die Hausfrauen-Ehe eher attraktiv als junge Männer. Die Retro-Ehefrauen in spe werden also nicht genug Versorger-Ehemänner finden. Und das mit gutem Grund. Die bürgerliche Ehe kann dem bürgerlichen Mann kaum noch Anreize bieten. Die alten Väterrechte sind weg, aber die Versorgerpflichten bleiben sogar nach der Scheidung bestehen. Und weder Frauen noch Männer wollen die alte Sexualmoral zurück. Schon gar nicht als gesetzlich verbindliche Vorschrift für Alle. Die bürgerliche Kleinfamilie wird daher auch in näherer Zukunft immer nur eine individuelle und zerbrechliche Scheinidylle auf Zeit sein. Abgesehen davon schrumpft die bürgerliche Mittelschicht ohnehin zunehmend.
  3. Zurück in den Feudalismus
    Die Gesellschaft feudalisiert sich rasant. Die Superreichen werden mehr und reicher. Es gibt wieder eine verarmte Unterschicht. Und die Mittelschicht kommt immer mehr unter Druck. Am Ende so einer Entwicklung würde eine ständische Gesellschaft stehen, wie wir sie zum Beispiel im Barock hatten. Interessanterweise gehen die feministischen Initiativen der letzten Jahre auch in diese Richtung. Anstatt wie noch vor 30 Jahren gleiches Recht für Alle zu fordern (bürgerlicher Liberalismus), werden heute dem Geschlecht (Stand) zustehende Privilegien (Quoten, gegenderte Sprache) eingefordert. Der Feminismus ist längst im ständischen Feudalismus des Barock angekommen. Wenn die Männer mit entsprechenden Gegenforderungen antworten, bekommen beide Geschlechter irgendwann ihre Sonderrechte und die Geschlechter werden zu nebeneinander bestehenden Ständen. Dann gibt es Frauenquoten für Aufsichtsräte und Männerquoten für alleinerziehende Väter, getrennte Frauen- und Männerparlamente, möglicherweise auch getrennte staatliche Männer- und Frauenbudgets, frauenspezifische Sprache und männerspezifische Sprache, Frauengesetze und Männergesetze, Frauenrechte und Männerrechte. Und keine Menschenrechte. So unwahrscheinlich ist diese Entwicklung nicht. Die offene Frage ist nur, ob sich Männer genauso kollektiv für ihre Privilegien einsetzen werden wie das Frauen schon heute tun. Bislang warten sie noch ab. Wenn sie weiter passiv sind, gibt es irgendwann nur mehr Frauenprivilegien.
  4. Das Matriarchat
    Die umfassende Dominanz der Frauen in allen Bereichen des Lebens ist ebenso möglich. Geplant wird es ja schon. Der Kern des radikalen Feminismus wird heute insbesondere in den USA von Lesben kontrolliert und die wollen weder Gleichberechtigung noch Gleichstellung, die wollen die lästige Konkurrenz der heterosexuellen Männer kaltstellen. In einem zukünftigen Europäischen Matriarchat wären wohl immer noch viele Bereiche des Lebens männlich „dominiert“, aber das hätte nichts mit Machtausübung zu tun. Männer wären vor allem für die körperlich anstrengenden und gefährlichen Arbeiten zuständig, Frauen hätten überall freie Wahl und vollständige Kontrolle. In der Praxis wäre die Landesverteidigung also weiter Männersache, aber Frauen würden über Krieg und Frieden entscheiden. Die Spitzen von Politik und Wirtschaft würden von Frauen kontrolliert, aber Schwerarbeit und gefährliche Tätigkeiten wären Männersache. Frauen hätten alleinige Kontrolle über Partnerwahl, Geburtenkontrolle und Kindererziehung, Männer hätten keine dauerhafte Rolle in der Familie. Also insgesamt auch eine Art von Feudalismus, aber mit den Frauen als neuer Oberschicht. Für dieses Szenario spricht die anhaltende Passivität der Männer. Dagegen spricht die zahlenmäßige Unterlegenheit der Lesben und historische Beispiele: Gesellschaften, in denen Väter entrechtet sind, fallen zivilisatorisch recht schnell zurück und zerfallen dann in Kleingruppen. Das Europäische Matriarchat wäre wohl nur ein kurzfristiger Übergang zu etwas ganz Anderem.
  5. Seitwärts in den Islamismus
    Wenn die Europäische Kultur an der eigenen Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, bekommt vielleicht der Islam letztlich die Oberhand bei uns. Der Weg von der Ablehnung des Feminismus zur Annahme des Islamismus ist ein erstaunlich kurzer. Sowohl Männer als auch Frauen schätzen am Islam das gesicherte Rollenbild. Der Schritt von einem geschwächten Christentum zur eng verwandten monotheistischen Religion des Islam wäre auch ein nicht zu weiter. Aber dieses Szenario teilt eine grundlegende Schwäche mit dem möglichen Matriarchat: Islamische Gesellschaften sind chronisch unproduktiv. Irgendjemand müsste die bedürftigen moslemischen Massen ja ernähren. Europa ist nicht Kuweit. Der Islamismus würde in sich zusammenfallen, bevor er überhaupt richtig installiert wäre. Am Ende des Mittelalters waren die islamischen Gesellschaften noch vergleichsweise fortschrittlich. Wenn sie damals Europa nicht übernehmen konnten, wird das jetzt wohl auch nicht so leicht funktionieren können.
  6. Beiderseitige Radikalisierung des Geschlechterkampfs
    Wenn es keine Flucht in externe Modelle gibt, bleibt die Option der inneren Radikalisierung. Islamismus und radikaler Feminismus könnten sich zum Beispiel gegenseitig radikalisieren wie Faschismus und Kommunismus in der letzten Zwischenkriegszeit. Oder es entwickelt sich ein radikaler Maskulismus. Nachdem sich die Männer generationenlang die angeblichen Sünden des angeblichen Patriarchats vorhalten lassen mussten, könnten sie ja auf die Idee kommen, so etwas wie das Patriarchat einmal in echt auszuprobieren. Das wäre dann nicht mehr die light-Variante des 19. Jahrhunderts, sondern die tatsächliche Allmacht der Männer. Auf „mein Bauch gehört mir“ würde dann zwei Generationen später „dein Bauch gehört mir“ folgen. Nur zur Klarstellung: In dieser Form gab es das noch nie. Abtreibung war vor 100 Jahren verboten, aber das war eben kein Männerprivileg, sondern ein Verbot, das sich gegen Frauen und Männer gleichermassen gerichtet hat. Wer das echte Patriarchat will, könnte die feministische Übertreibung in ihr Gegenteil verkehren und zum Beispiel das Austragen eines Kindes von der Zustimmung des Vaters abhängig machen. Damit würden nicht nur Frauen, sondern auch Männer die eigene Entscheidungsfreiheit über den Schutz des ungeborenen Lebens stellen. Wenn dann „ungewollte Vaterschaft ist Vergewaltigung“ auf „Mein Bauch gehört mir“ prallt, geht der Geschlechterkampf in die nächste Eskalationsstufe über. Für alle Szenarien eines radikalisierten Geschlechterkampfes spricht die wachsende Wut der jungen Männer. Aber bisher wurde das männliche Unbehagen typischerweise nicht offen als maskulistische Aktion formuliert, sondern in umfassendere Gesellschaftsmodelle verpackt.
  7. permanenter Kulturkampf
    Wenn Männer einerseits vom radikalen Feminismus abgestoßen bleiben, aber andererseits selbst keinen radikalen Maskulismus vertreten wollen, kann es zum permanenten Kulturkampf wie derzeit in den USA kommen. Die dortigen Linken („Liberalen“) haben den Feminismus adoptiert, die dortigen Rechten („Konservativen“) bieten ein Auffanglager für Antifeminismus. Allerdings sind die US-Konservativen eben keine Maskulisten, sondern Traditionalisten. Seit einigen Jahrzehnten versuchen sich die beiden Lager gegenseitig aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, indem sie öffentliche Aussagen skandalisieren, Medien und Schulen kontrollieren, Geld von und für Projekte abzweigen und so weiter. Derzeit haben die US-Liberalen die Oberhand, aber dieser Kulturkampf hat schon einige Phasen vorübergehender Vorherrschaft des einen oder anderen Lagers gesehen. Kennzeichnend für so ein Szenario wäre es, dass die tatsächlichen Rechte und Pflichten der Geschlechter irgendwann in der öffentlichen Diskussion weniger wichtig sind als die damit (angeblich) verbundenen gesellschaftlichen Idealvorstellungen. In vielen praktischen Aspekten sind sich radikale Feministen und Traditionalisten nämlich mittlerweile recht einig. Dass kleine Kinder vor allem bei ihrer Mutter leben sollen, wollen sie zum Beispiel beide. In Deutschland konnte man Ähnliches beobachten, als Steinzeitfeministen wie Alice Schwarzer mit ihrer Sexualmoral immer näher an moralinsaure Reaktionäre herangerückt sind. Den Schaukampf der Lebensmodelle haben wir in der Politik längst. Das könnte sich auch zu einem Kulturkampf wie in den USA auswachsen. Wenn sich Europäer irgendwann im gleichen Ausmaß dafür einspannen lassen.
  8. gemässigter Feminismus/Maskulismus
    Damit zu meinem Lieblingsmodell: Wer das Scheitern der vollständigen Gleichberechtigung nüchtern zur Kenntnis nimmt und trotzdem aus der Geschichte lernen will, sollte sich um einen gemäßigten Ausgleich bemühen. Das wäre jedenfalls meine Reaktion. Aber vielleicht bin ich da zu viel Österreicher. Wenn es genügend aufgeklärte Mitbürger gibt, hat ein liberal abgefederter Maskulismus im Ausgleich zu einem dann gemäßigteren Feminismus eine Chance. Dann gibt es eben moderate Geschlechterquoten in allen Bereichen des Lebens, aber für beide Geschlechter. Oder sorgfältig ausgewählte Frauenprivilegien im Familienrecht, die durch ebenso sorgfältig ausgewählte Männerprivilegien ausgeglichen werden. Für so eine Lösung spricht die gute Ausbildung der Europäischen Mittelschicht. Dagegen spricht, dass die Menschheit erfahrungsgemäß immer zuerst Extremvarianten ausprobiert, bevor sie das vernünftige Mittelmaß umsetzt.
  9. Implosion des Geschlechterthemas
    Wer so lange mitgelesen hat, ist wirklich am Geschlechterthema interessiert. Möglicherweise sind das aber gar nicht mehr so viele. Möglicherweise dient der Geschlechterkampf längst nur mehr der Unterhaltung der Massen. Möglicherweise interessiert die Jungen das Geschlechterthema überhaupt nicht mehr. Dann werden in ein paar Jahren die gealterten, verbeamteten Gender-Beauftragten genauso peinlich in den Augen der Jugend wirken, wie früher die prüde Biologielehrerin beim Sexualkundeunterricht. Vielleicht lebt die übernächste Generation einfach eine Vielfalt an Lebensmodellen nebeneinander und ignoriert die Geschlechter-Prinzipienreiterei ihrer Eltern und Großeltern. Vielleicht machen die Jungen das heute schon. Aber vielleicht überlegen sie es sich auch immer wieder anders, wenn das erste Kind da ist oder der Ehepartner eine Affäre hat.
  10. Implosion der Gesellschaft
    Wenn wir keine Lösung für diese grundlegende gesellschaftliche Frage finden, könnte aber auch etwas ganz anderes passieren: Die Gesellschaft könnte sich auflösen. Es wäre ja nicht das erste Mal. Ob die Familie die Keimzelle der Gesellschaft ist, kann man vielleicht noch kontrovers diskutieren. Aber dass die moralischen und rechtlichen Regeln für das Verhältnis von Mann, Frau und Kind die Grundlage jeder zivilisierten Ordnung sind, kann man kaum ernsthaft bestreiten. Derzeit leben wir mit einem inneren Widerspruch. Offiziell wird die Befreiung von traditionellen Zwängen propagiert. Tatsächlich werden die Zwänge aber in manchen Teilbereichen aufrechterhalten, in anderen Teilbereichen sogar verstärkt. Dieser Widerspruch kann eine Zeit lang als Preis des Übergangs akzeptiert werden. Aber irgendwann werden sich die Menschen fragen, wie lange sie noch auf die Erfüllung der abgegebenen Versprechen warten sollen. Auch dafür gibt es ein Beispiel aus den USA. „Men Going Their Own Way“ (MGTOW) ist eine radikale maskulistische Reaktion auf die Geschlechter-Doppelmoral. „Für einen Mann ist die Partnerschaft mit einer Frau immer ein Verlustgeschäft“ ist die Kernaussage von MGTOW und die radikale Schlussfolgerung lautet: Keine feste Beziehung mit Frauen, keine Kinder, keine Verpflichtungen eingehen, Zeugungsstreik und Ehestreik. Der Generationenvertrag kann bekanntlich sehr schwer gekündigt werden, aber der Geschlechtervertrag steht möglicherweise irgendwann von beiden Seiten zur Disposition. Eine Gesellschaft kann sich auch selbst aufgeben.
  11. Synthese eines neuen Modells
    Oder es entsteht etwas ganz Neues. Auf den „neuen Menschen“ im marxistischen Sinn will ich nicht mehr warten, der wurde bereits vergeblich ausprobiert. Aber die Geschichte des Westens ist voll von kreativen Neuschöpfungen. Jetzt wäre der Zeitpunkt für ein neues Modell des Geschlechterverhältnisses. Bisher lief alles unter dem Titel Freiheit. Das war wohl etwas einseitig. Und im Zweifel kehren die Frauen mehrheitlich ohnehin eher zur Sicherheit zurück. Vielleicht gibt es einen dritten Weg neben Freiheit und Bindung? Vielleicht können wir ja die bisherigen Gegensätze transzendieren und mit neuen Konzepten eine neue Entwicklung ermöglichen. Vielleicht diesmal eine, die sogar mit den Menschen funktioniert, die es tatsächlich bei uns gibt.

Was meint Ihr? Habe ich einen Fehler gemacht? Wird die echte Gleichberechtigung (gleiches Recht für Alle) doch noch ein Comeback schaffen? Können wir einfach mit den inneren Widersprüchen leben, ohne sie aufzulösen? Kommt überhaupt irgendetwas nach der Gleichberechtigung? Zum aktuellen Anlass eine Grafik zur EU-Wahl vor einer Woche aus Österreich. Man beachte die Auseinanderentwicklung bei den jungen Wählern. Kündigt sich bei den Jüngeren schon der Kulturkampf an? Sind Grüne und FPÖ die Österreichische Version einer feudalen Lobby für weibliche Bobos und männliche Arbeiter? Oder leben wir bereits in der Post-Gleichberechtigung und wissen es nur noch nicht?

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Mythos Lohnschere

Beinahe alles, was Frauenorganisationen heutzutage so fordern, wird mit der angeblichen Lohnschere begründet. Über die angebliche Lohnschere wird auch von den Medien gerne immer wieder berichtet. Das Ganze hat nur einen Haken: Es gibt keine Lohnschere. Aber bevor ich mich im Einzelnen mit etwas beschäftige, was es nicht gibt, beschreibe ich einmal, was es gibt.

Eine triviale Feststellung: Der Tag hat 24 Stunden. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Ähnliches gilt für menschliche Energie. Unsere Aufmerksamkeit und unser Einsatz sind genauso begrenzt wie unsere Zeit auf dieser Welt. Wenn wir mehr feiern, arbeiten wir weniger. Wenn wir mehr arbeiten, haben wir weniger Zeit für Freunde und Familie. Wenn wir uns mit voller Kraft unseren Kinder widmen, geht sich keine Karriere aus. Zumindest keine Top-Karriere. Zumindest nicht zeitgleich. Unsere Zeit und Energie sind wie eine Flüssigkeit, von der wir nur eine begrenzte Menge haben. Wenn unser Leben ausgeglichen ist und wir keinen äußeren Druck haben, verteilt sich unsere Zeit und Energie annähernd gleichmäßig zwischen Arbeitsleben und Privatleben.

ausgleich

Das nennt man neudeutsch work-life-balance. Und bei einem modernen, jungen, kinderlosen, einigermaßen gut ausgebildeten Menschen funktioniert das oft ganz gut. So lange Männer und Frauen keine Kinder haben, entwickeln sich ihre Karrieren, ihr Einkommen und ihre Kochkünste heutzutage ungefähr gleich. Aber wenn das erste Kind kommt, muss sich etwas ändern. Ein Kind erzeugt Zwang. Jemand muss in der Nacht aufstehen und jemand muss aufpassen. Den ganzen Tag. Plötzlich ist nicht mehr alles freiwillig. Auch die Arbeit nicht. Das Kind braucht schließlich Essen und ein sicheres Zuhause. Der Druck kommt aber nicht nur von den objektiven Bedürfnissen eines Kindes, sondern auch vom Staat. Wobei der Staat immer nur Druck auf Männer ausübt und das in entgegengesetzter Weise. Im Berufsleben werden durch Frauenquoten Männer verdrängt, im Familienleben durch das einseitige Familienrecht ebenfalls. Der Effekt dieser Maßnahmen ist gegenläufig. Wenn der junge Mann aufgrund von Frauenbevorzugung in Verwaltung und Wissenschaft keine Karriere mehr machen kann, wird er mehr Zeit für das Kind haben. Wenn der junge Mann nach einer Trennung als Vater entsorgt wird, hat er mehr Zeit für die Karriere. Irgendwo taucht die männliche Energie wieder auf. Welcher Druck ist stärker?

druck

Unser aller Erfahrung zeigt, dass die gesetzliche Verdrängung der Väter ungleich größere Auswirkungen hat als alle Förderungsmaßnahmen im Berufsleben zusammen. Das ist nichts Neues. Diese Zusammenhänge sind seit Jahrzehnten bekannt. Auch etwas anderes hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert: Weder konservative „Rechte“ noch feministische „Linke“ wollen an der Vorherrschaft der Frauen in der Familie etwas ändern. Mit den bekannten Ergebnissen. Den 90% alleinerziehenden Müttern stehen 90% Männer in Spitzenpositionen gegenüber.

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Alleinerzieher und Spitzenjobs sind zwei Seiten der gleichen Medaille und gleichzeitig nur die Spitze des Eisbergs. Der staatliche Druck wirkt auch bei der Durchschnittsfamilie. Und er wirkt auch bei Vätern, die (noch) nicht getrennt von der Kindesmutter leben. Schließlich weiß ja jeder Mann, was ihm nach einer Trennung blüht. Also geht der typische Vater mehr oder weniger freiwillig vor allem Geld verdienen und die typische Mutter arbeitet halbtags oder gar nicht, womit der Vater natürlich mehr Geld verdient. Verdienen muss. Das ist kein männliches Privileg, sondern eine männliche Pflicht. Der Mann verdient mehr, aber das Geld wandert ohnehin zu Frau und Kind. Das ist offenbar politisch gewollt. Daher ändert sich auch an den Einkommensunterschieden nichts. Ist die Lohnschere also ein Produkt des Familienrechts? Nein. Weil es keine Lohnschere gibt. Für eine „Schere“ müssten sich die Einkommen von Männern und Frauen mit der Zeit entgegengesetzt auseinanderentwickeln.

schere

Wenn wir eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen hätten, würden Männerlöhne steigen und Frauenlöhne fallen. Oder zumindest Männerlöhne steigen und Frauenlöhne gleichbleiben. Das würde dann ungefähr so aussehen.

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Das ist eine Lohnschere. Aber nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen Arm und Reich. Die Grafik zeigt die Entwicklung der Jahreseinkommen in Österreich in absoluten Zahlen. Ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung verdient weniger als die untere Kurve, ein Viertel verdient mehr als die obere Kurve, der Rest ist dazwischen. Die Einkommen des unteren Viertels stagnieren. Inflationsbereinigt verlieren die unteren 25% laufend an Einkommen, während die oberen 25% laufend gewinnen. Das ist eine Schere. Mit Frauen und Männern hat das aber nichts zu tun.

geschlechter

So sieht das Verhältnis Männer zu Frauen in Österreich aus. Beide Einkommen steigen im Durchschnitt. Weder steigt das Männereinkommen stärker, noch stagniert das Fraueneinkommen. Das Verhältnis von Frauenlöhnen und Männerlöhnen ist konstant.

geschlechter-prozent

 

Fraueneinkommen sind im Durchschnitt 60% der Männereinkommen. Die einzigen wahrnehmbaren Veränderungen sind die grössere Konjunkturabhängigkeit der Männereinkommen und ein 2%-Anstieg bei den Frauen durch die staatliche Frauenförderung der letzten Jahre.

Als Ersatzbehauptung für die leicht widerlegbare Lohnschere hört man dann oft, dass Frauen angeblich für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekämen. Auch das ist falsch. Natürlich bekommt nicht jede Frau so viel bezahlt wie jeder Mann. Es bekommt ja auch nicht jeder Mann das Gleiche wie jeder andere Mann. Die angebliche Diskriminierung der Frauen wird immer wieder mit einem „unerklärten Rest“ bei den statistischen Einkommensunterschieden begründet. Wieviel „unerklärter Rest“ bleibt, hängt aber davon ab, wie genau man hinsieht. Wenn man Teilzeitarbeit, Karriereunterbrechung, Überstunden und so weiter statistisch herausrechnet, bleibt irgendwann überhaupt kein „unerklärter Rest“ bei den Einkommensunterschieden übrig. Das wurde vor einem Jahr recht deutlich mit Zahlen veranschaulicht.

Damit sind wir wieder bei der begrenzten Zeit und Energie. Der Staat übt auf Männer in allen Lebensbereichen Druck aus. Bei getrennten Eltern werden Väter aus der Familie verdrängt, während Frauenförderprogramme Männer aus Spitzenpositionen in Wirtschaft und Politik verdrängen sollen. Aber man kann die Männer nicht überall gleichzeitig verdrängen. Und die Erfahrung zeigt, dass der Druck durch das Familienrecht ungleich wirksamer ist. Am langfristigen 40%-Einkommensunterschied konnten all die Förderungsmaßnahmen der letzten Jahre nichts wesentliches ändern, weil das Familienrecht nicht entsprechend reformiert wurde. Die staatliche Diskriminierung von Vätern im Verbund mit den natürlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen erzeugt eine über Jahre stabile statistische Ungleichheit in Familie und Beruf.

Eine Lohnschere zwischen Männern und Frauen gibt es nicht. Es gibt stabile Unterschiede und es gibt Diskriminierung. Bei den Unterschieden ist der Familienbereich die Ursache und die ungleiche Arbeitsverteilung die Folge. Und die Diskriminierung richtet sich gegen Männer. Wer die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen beseitigen will, muss Mütter zur Lohnarbeit verpflichten und Väterquoten bei alleinerziehenden Eltern umsetzen.

Und übrigens: Jeder Journalist, der das Wort „Lohnschere“ verwendet, zeigt vor allem, dass er nicht über die Begriffe nachdenkt, die er verwendet.