Perfekt und so…

An meiner Uni hat eine junge Dame studiert, die es sich irgendwann zum Anspruch gesetzt hatte, perfekt zu sein. Sie hat den perfekten Job (ja, sagt sie, ich finde das, was sie macht dann doch für mich eher uncool), den perfekten Mann (jahaaa klar, ich find ihn jetzt auch nicht so hitverdächig) und immer den perfekten Spruch, um einen, wenn man schon mega auf der Fresse liegt, noch volle lotze den imaginären Stiefel in die Nierengegend zu kicken.

Wenn ich etwas esse, das aus Fleisch besteht, dann kommt der Vortrag darüber, dass ich jetzt gerade eben ein Tier vollends töte … Wenn ich meine Nägel rot trage, sähe ich nuttig aus und wenn ich mich an der Nase kratze, dann weiß ich auch nicht.
Eigentlich hätte sie es schon mehrfach verdient gehabt, dass ich sie mit voller Wucht an den Haaren packe und sie runter an unseren Fluss ziehe und sie dann mal mehrere Minuten lang, den Schlamm betrachten lasse. Doch irgendwo tut sie mir in ihrem Bestreben nach Äußerlichkeiten leid- schrecklich sogar. Anfangs nervte sie tierisch, doch irgendwann stellte ich fest, dass Perfektion und das Streben danach etwas sind, das mir nicht zu liegen scheint, denn man orientiert sich zu sehr an dem, was andere als toll empfinden würden.

Streben diese Menschen nach Anerkennung und müssen deswegen alles niedermachen, was ihnen nicht passt? Ein schwäbisches Sprichwort besagt: „Man sieht nur Dinge von außen, aber man sieht die Gründe oft nicht“ (Das war jetzt sehr frei übersetzt).
Doch warum vergessen das viele? Ich fühle mich langsam davon unter Druck gesetzt, nicht mehr scheitern zu dürfen, sondern immer nach außen hin kontrolliert und völlig ideal wirken zu müssen, da ich sonst dumme Blicke ernten würde. Ich umarme meinen Freund, esse Döner und spacke auch mal in der Disko ab, aber mit diesen Menschen ist das undenkbar.

Warum sind viele Frauen meiner Generation so schrecklich unlocker? Warum zur Hölle sind sie teilweise so opportunistisch in ihrem Perfektionsdrang? Warum nervt sie das nicht?
Ich habe langsam das Gefühl, dass diese Mädels verbissen auf ein Leben à la Whysteria Lane hinarbeiten: Mann, Hund, Kaffeeklatsch, gut bezahlter Job und Teil einer extrem optisch fixierten Elite?

Irgendwie könnte es sein, dass dies tief in uns Menschen steckt und vielleicht in uns Frauen noch mehr. Wir wollen geliebt und geachtet, bewundert und hofiert werden, weil wir ein Mal die Prinzessin sein möchten. Blöderweise gibt es auch Frauen, denen das Prinzessliche im Laufe ihres Lebens etwas abhanden kam. Das Streben nach Wohlstand bedeutet auch, ein Streben nach der Anerkennung der anderen Menschen und deren Neid. Neid muss man sich bekanntlich erarbeiten und so wird fleißig an der Fassade eines Hauses verputzt, dessen Innenleben gut geschützt ist. Nur frage ich mich, ob während der ganzen Verputzungsarbeiten oft nicht Missgunst kurz und heftig aufflackert. Oft wird nicht die kleinste Gelegenheit ausgelassen, das voll auszukosten. Doch sind es nicht genau die Momente, die einen Minderwertigkeitskomplex sondergleichen aufflackern lassen. Der Moment, in dem man von jenen verbal oder auch real eine mitbekommt, tut weh – man ist verletzt und es trifft.

Doch es steckt meist mehr dahinter. Wer die Anerkennung der Welt braucht, fühlt sich oft nicht geliebt, glaubt, die Anerkennung der anderen sei der Schlüssel zum Glück. Ich möchte mich nicht wie ein Misanthrop anhören, denn andere Menschen sind richtig und wichtig – nur braucht es dafür auch die richtigen Menschen um einen herum. Es muss irgendeinen Mittelweg zwischen diesem Suchen nach der Bewunderung aller und völliger Misanthropie – zu der ich bisweilen tendiere.

Aber warum ist ersteres bei uns Mädels so ausgeprägt? Ist es tatsächlich unsere frühkindliche Prägung, dass wir uns ordentlich und liebenswürdig verhalten, um angenehm zu sein und nicht aufzufallen. Blöderweise gehöre ich zu den Menschen, die diese Art des Weges des geringsten Widerstands nicht bestreiten können – irgendetwas tief in mir hindert mich daran: Es mag meine Bequemlichkeit sein, denn das Streben nach der Liebe von Dritten finde ich fürchterlich anstrengend, schließlich darf man dann – wenn man perfekt sein möchte – nichts mehr. Kein „Kippe aus dem Fenster werfen“ – am besten man gibt das Rauchen gleich auf, kein öffentliches Trinken von Red Bull oder ähnlichen bösen Getränken mit Zucker und bösen Stoffen – dafür grüne Detoxdinger, kein wildes Tanzen im Auto – wirkt ja voll peinlich… Die Liste ist lang und sie scheint täglich noch zu wachsen.
Doch sie gibt jenen Menschen auch Sicherheit. Diesen BMI von 18 habenden, perfekt liierten, blondierten und lackierten Mädels, die vegetarisch leben, sich detoxen und noch eine Menge tolle Dinge tun, die die Welt schützen und Gott damit sie. Und schon ist es wieder die Anerkennung dieser Dritten, die sie sich erhoffen.
Vielleicht mag ich nicht erstrebenswert sein, nicht mit dem pefekten Sunny-Surfer-Superboy zusammen sein und auch jetzt nicht die optimale Figur haben, dass mich die halbe Welt als brüllerschön bezeichnen würde und kleine Jungs „perfeqqt“ unter meine Instagrammfotos setzen würden, aber ich mag mich – und das ist doch irgendwie die Hauptsache.

Schnuffi und Purzli im Knutschbohnenwald

Welch bescheuerter Titel – würde ich denken und ja, es ist legitim. Aber keine Angst, ich erzähle kein Märchen von rosa Hasen und lila glitzerfurzenden Einhörnern.
Es geht um mich und eine Bekannte. Als ich sie das erste Mal sah, war mein Urteil gefallen. Bildhübsches Gesicht, wunderschöner Modellathletinnenkörper auf hohen Hacken und um das Bild komplett zu machen, fehlte nur noch ein Hund in der Tasche. Ihr erster Satz zu einer Freundin war: „Hey Schnecki, na alles gut. Mensch, ist das Top süß.“ In meinem Kopf liefen die Schicksen-Klischees Amok. Ich war eine Mischung aus verstört und ziemlich heftig verwirrt. Was wollte meine coole Freundin in diesem Schnecki-Hasi-Kosmos – zumal sie eine der coolsten Frauen ist, die ich kenne. Stark, besonnen, intelligent und mit einem grandiosen Humor ausgestattet.
Einige Tage später kam Schnecki wieder mit – diesmal in die Mensa zum Essen. Ich machte mich schon auf Handtaschen-Kosmetik-Trallala-Smalltalk gefasst. Da ich wegen einer Lebensmittelunverträglichkeit auf einiges bei uns im Futtertempel verzichten muss, aß ich Salat und ein belegtes Brötchen. Der erste Satz von Schnecki war: „Oh, willst Du was abhaben. Ich pack die frittierten Hähnchenschenkel eh nicht.“ Daraufhin erklärte ich ihr, dass ich nicht wisse, was drin sei. Sie flitzte los und fragte… mit dem Ende vom Lied, dass sie mir die Hälfte gab. In den folgenden Vorlesungen merkte ich, dass sie wirklich so ist. Super bemüht, dass es einem gut geht und ganz und gar nicht so, wie sie auf mich wirkte.
Als ich irgendwann mit meinem Freund darüber sprach, meinte er, dass ich recht vorurteilsbeladen ihr gegenüber gewesen sei. Ich schluckte und ich hasste das Gefühl, dass er Recht hatte. Irgendwie hatte sie mich an die süßlichen Tussicliquen aus meiner Abizeit erinnert, bei denen man derartig aufpassen musste, dass sie einem nicht lächelnd das Messer in den Rücken rammten.
Irgendein schlauer Mensch sagte einmal, Frauen wären nur so lange Freundinnen, wie sie einen gemeinsamen Feind hätten. Das passte so auf diese Mädels aus der Abizeit – und auch auf meine Mädels und mich, denn diese Damen waren unsere Feinde. Dass wir uns heute wahrscheinlich verstünden, hätte ich anno 2006 nie gedacht. Oberflächlich, arrogant und ungebildet empfand ich sie – und sie mich als rückständig, klugscheißerisch und pickelig. Treffe ich einige von ihnen heute, ist es ein normaler Umgang, trotzdem habe ich noch immer dieses dumme Gefühl. Gerade bei diesen Mädels. Der Mensch ist doch ein zu tiefst grüblerisches Wesen – was zumindest mich betrifft, stimmt das. Doch diese Vorsichtsstrategien beschützen einen einerseits, andererseits lässt man sich doch vieles durch die Lappen gehen.
Im Nachhinein betrachtet wäre mir eine loyale und liebenswürdige Person durch die Lappen gegangen, hätte ich mich nicht auf sie eingelassen und sie sich nicht auf mich. Wir sind zwar nicht aus dem gleichen Universum, aber doch irgendwo vom selben Stern. Und auch, wenn Sie mich mit: „Hey Süße, oooh, Deine Jacke ist so toll, das steht Dir so mit Deinem Pony – Du bist so goldig“ begrüßt, dann weiß ich, dass sie das ehrlich meint, auch wenn mein sechzehnjähriges Ich seine Augen verdreht und den Kopf schüttelt.
Ich dachte immer, Frauen wären so besonders heikel mit ihren Vorurteilen, doch meine Jungs sind kein Haar besser. Wie oft lästern und schimpfen sie über Mitmänner… Und wieder merkt man spätestens dann, dass Menschen einen tiefen Drang dazu haben, sich über andere zu setzen und sich gegen sie abzugrenzen. Warum? Erhoffte Achtung? Angst davor ignoriert zu werden? Panik vor dem Verlust der eigenen Wertebasis? Man weiß es nicht. Nur sollte man sich im Klaren sein, dass es selbst schlechte Erfahrungen gibt, die man trotz oder gerade wegen dieser Erfahrungen macht. Man braucht aber diese Erfahrungen auch, um daraus lernen zu können.
Gerade bekomme ich eine Whats-App Nachricht von meiner Bekannten: „Hey Süße, wünsch Dir nen tollen Abend, hab an Dich gedacht und Schatzi und ich schauen das Spiel an. Wenn Du und Kerl wollt, kommt doch. Knutschi“. Und egal, wie nachher Brasilien gegen Deutschland spielt… ich weiß, dass sie sich wirklich auf mich gefreut hat.

… Ich weiß, Deutschland steht im Finale. Wenn ihr den Artikel lest, sind wir entweder Zweiter oder Weltmeister… 😉

Kindernamen können grausam sein…

Gerade scheinen sämtliche Frauen in meinem Umfeld Kinder zu bekommen. Andauernd laufen mir riesige Bäuche über den Weg, die zu Frauen gehören, deren Sexualien ich lieber garnicht wissen will. Jedenfalls wird man, sobald man sich mit diesen Mädels unterhält mit potentiellen Namen konfrontiert, die oft an Schrägheit nicht zu übetreffen sind. Da dienen Fußballer (Lionel Messi, Marcello Lippi) und Bibelfiguren (jaaa, schon wieder Aaron, Noah und Eliah) als namensgebende Vorlage für den Namen des kleinen männlichen Menschen. Bei Mädels werden gerne Models (Tyra Banks, Naomi Campell oder Fiona Erdmann)oder  Schauspielerinnen verwendet.

Doch inzwischen habe ich einen neuen Trend entdeckt: Was der Proletariermutter ihr Tyson Noah oder ihre Tyra Madlen, ist der gebildeten Mammi ihr Aeneas, ihre Ariadne oder auch ihre Rhea. Die weiter rechts orientierte Mutter greift hier auch gerne zum Wotan oder zur Freya. Aber warum suchen sich Eltern Namen aus, die ihren Kinder bereits im Alter von 2 Stunden den Stempel: „Schlauberger“ auf die Stirn brandmarkt?

Es gibt Namen, die einen Menschen in eine Ecke drängen. So wird ein Aeneas nie Automechaniker oder eine Ariadne niemals als Modeverkäuferin arbeiten, denn der Name impliziert quasi schon die Intellektualität per se. (Ebenso wird ein Wotan auch weniger interkulturelle Kompetenz studieren- aber das nur al Rande) Sind es tief vergrabene Elternwünsche dem Kind auf dem Wickeltisch schon den Studienplatz und den Doktor der Altertumswissenschaften zu wünschen? Oder ist es doch die versteckte Rache für die Schwangerschaftsstreifen? Wer der Meinung ist, man könne mit einem normalen Namen wie Stephanie, Julia, Tim oder Christian keinen Doktortitel machen, der irrt. Schließlich untersuchen und dozieren uns sehr viele Menschen die kein bleibendes Trauma in Form ihres Vornamens mit sich rumtragen.

Und wenn das nächste Mal im Edeka die Mutti von Ariadne und Theseus sich darüber ärgert, dass Theseus Ariadnes rote Strümpfe zerrissen hat, werde ich in mich hineingrinsen und mich fragen, ob sie sich auch wundern wird, wenn der kleine Herakles die gesamte Wohnung unter Wasser setzt?

Sie wurden gegendert!

Ich studiere an einer kleinen Uni, die sehr groß bei Genderfragen ist, wirklich alles scheint gegendert zu werden, denn sobald ich mich als Geisteswissenschaftler bezeichne, wird mir aus allen möglichen Ecken ein <in> an das Wort hingebastelt. Gender ist das große Thema der Wissenschaft und ich habe in jeder meiner Abschlussprüfungen ein Genderthema gehabt. In diesem Zuge lernt man viel über völlig groteske Auswüchse unsere gendergerechtigkeitsfanatischen Gesellschaft und gerade dann, wenn sich Dozentinnen mittleren Alters die Befreiung der Frau auf die Fahne geschrieben haben.

Mein Freund besucht gerade eine Vorlesung, in der das Thema auch sehr wichtig ist. Denn man soll schließlich auch Jungen dazu bringen, zu lesen und Bücher nicht als Stützen für wackelnde Möbelstücke zu sehen. Das Seminar wird von einer sehr frauenbewegten Dame gehalten und dementsprechend ist der Tenor. Schlimm genug, dass man nicht die eigene Meinung vertreten kann, weil es einem negativ ausgelegt werden könnte, kam sie auf das Thema Gendergerechtigkeit zu sprechen und lamentierte sich zu Tode. Hinter mir regte sich Widerstand. Klein, süß, drittes Semester. Sie meldete sich und beschwerte sich dann über das Gendern der Sprache in jedem verfluchten Kontext – hatte zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber es ließ mich grinsen. An jedes Nomen, das Berufsgruppen beschreibt, muss man jetzt ein <in> hängen und das dann noch dementsprechend umbauen. Lehrerinnen und Lehrer finde ich ja noch nett, Studentinnen und Studenten ist auch ok. Aber Studierende (was ja sowieso mein Hasswort ist) zu genderderivieren finde ich dämlich. Denn es ist nicht nur mehr Schreib- und Formulierungsaufwand, sondern es stellt einen vor ein neues Problem: Manche Berufe haben seltsame weibliche oder männliche Versionen.

So gibt es Polizistinnen, Gärtnerinnen oder Mechanikerinnen, beim Kindergärtner wird es dann schon schwierig. Auch Maschinenschweißerin, Maurerin oder Galvanisateuse finde ich seltsam. Ich fragte mich auch lange Zeit, ob es einen Krankenbruder oder einen Kosmetiker gäbe oder wie ich Kardinälin, Bischöffin oder Päpstin werden könne.

All das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass die Debatte um Frauen- und Männerberufe eine große ist. Trotzdem bin ich momentan froh, dass sich mein Job zwar gendern lässt, es aber recht egal ist, dass ich eine Frau bin.

Richtige Männer – richtige Kurven!

 „Richtige Männer stehen auf Kurven“, genau deshalb rast ein Freund von mir auch immer wie ein Gestörter durch die Gegend. Der weitere Fortgang des Satzes müsste den meisten bekannt sein, nämlich, dass Hunde nur mit Knochen spielten. Jedes Mal, wenn ich ihn lese muss ich grinsen. Oft kommen dann noch Aussagen hinzu, dass schlanke Frauen oberflächlich sind, und dass nur dicke Frauen Charakter haben. Ungefähr 70% meine Freundinnen sind demnach also nur zu Sodomie zu gebrauchen und vollkommen charakterlos. Ja schön – wenn man sich die Welt so einfach macht. Angenommen, ich mit meinen 1,64 und meinen irgendwas um die 60 Kilos würde mir den Satz zu Herzen nehmen und beginnen zu fressen… zunächst wäre ich vom Aufwand abgeschreckt, meine Garderobe umrüsten zu müssen, dann liefe mein Arzt Amok, denn mein Knochengerüst ist etwas seltsam und verzeiht mir keine Woche ohne Sport. Mit diesem Hintergrund amüsiere ich mich oftmals sichtlich über Frauen, die solche Dinger raushauen.

Neulich war ich mit einer Freundin etwas trinken. Wir saßen in einem Café und ratschten. Sie, einige Kilo schwerer als ich, bestellte einen Kuchen. Ich aß eine Brezel, weil ich keinen Bock auf Kuchen hatte. Dann kam eine ältere Frau, die zu mir meinte, ich solle doch was G’scheites essen, ich sähe aus wie ein Flüchtlingsmädle. Was zur Hölle geht das die anderen Menschen an, wie fett oder unfett man ist? Wir alle haben unsere Körper und es ist jedem seine Sache, ob er was isst oder nicht.

Ich frage mich manchmal auch, ob das dann die Leute sind, die den Zucker- und Fettkonsum pro Mensch individuell verschreiben lassen wollen? Ich habe eine Nachbarin, die Kreischanfälle bekommt, wenn ihr Sohn Würstchen isst – mit dem Ergebnis, dass meine Mom den Kleinen ab und an Zufüttern will, weil sie denkt, er kippe gleich nach Hinten über. Das sind nämlich auch die Menschen, die einem im einen Satz sagen, man sei zu dünn und einen dann strafend anschauen, wenn man einen Datschweggen (Brötchen mit Schokokuss – war das jetzt ethnisch korrekt?) isst. Das sind auch die Leute, die Juchu schreien, wenn man endlich diese schwarzen Ekellungen auf Zigarettenschachteln druckt. Das wären auch die Menschen, die auf Zuckerpackungen dicke Kinder drucken würden und auf Bullrichs magersüchtige Teenager. Was man aber in diesem ganzen moralischen Jojo-Effekt-Haschen vergisst ist, dass jeder Mensch doch so viel Hirn haben sollte, mit seinem Körper so umzugehen, wie es für ihn passt. Das heißt nicht, dass man komplett auf ein gesundes Leben verzichten sollte, doch sollte man auch nach sich sehen. Würden einige Menschen nun versuchen verzweifelt abzunehmen, wenn sie etwas stabiler gebauter sind, dann ist das genauso dämlich, wie wenn jetzt jemand mit akuter Schilddrüsenunterfunktion plötzlich das Fressen beginnen würde.

Bei manchen Menschen wünscht man sich jedoch auch, dass sie endlich aufhören ihren Senf zur imaginären Gewichtswurst dazugeben zu müssen. Und wenn ich das nächste Mal auf Facebook lese, dass echte Männer nur auf Kurven stünden, habe ich mir ernsthaft schon überlegt, derjenigen Angebote für ein ADAC-Sicherheitstraining auf einem Verkehrsübungsplatz zu posten. Das Gewicht sollte doch bei der Partnerwahl eher einen hinteren Rang einnehmen. Denn schließlich hatten wir in der Mittelstufe immer eines dieser Mädels/ dieser Jungs in der Klasse, das/der DIE geile Figur hatte, aber deren Charakter sich nur bis 15 entwickelt hatte. Auf denjenigen standen rund 70% des jeweiligen Gegengeschlechts in der Klasse, nur um dann nach wenigen Wochen zu merken, dass das nicht wirklich die glückseligmachende Idee war.

Als ich mit meiner Freundin zu Ende Kaffeegetrunken hatte, trafen wir auf dem Weg durch Müller, H&M und Buchhandlung einen alten Kommilitonen von uns: Der schönste Mann der Uni, der dann meinte: „Hey, ich bin jetzt Sportlehrer – meine Schüler finden mich voll cool, sie nennen mich Toasty. Weißt Du so wie den Gnom bei der Gummibärenbande.“ Dabei reckte er sein Hühnengesicht gen Sonne und setzte voll lässig seine Sonnenbrille ab und postierte seine rasierte und durchtrainierte Brust auffällig in die Nähe meiner Freundin. „Weißt Du wie der Coole Böse bei der Gummibärenbande.“ Sie zog ihre Augenbraue hoch und meinte im Weitergehen: „Der weiß, dass er Herzog Igzorn meinte und der Gnom hieß Toady!“

Mein Freund, also der mit den Kurven und dem spannenden Fahrstil hat übrigens eine Freundin. Sie ist alles andere als kurvig und er ist glücklich mit ihr. Für ihn ist sie das schönste Mädchen der Welt, er liebt sie und trotzdem würde keiner auf die Idee kommen, ihn als Hund zu bezeichnen. Toasty hingegen fühlt sich, weil er auf Frauen steht, die Pornomaße haben, vollkommen männlich und sehr auf Charakter bedacht. Denn schließlich sind ja Frauen mit mehr Kurven – auch wenn es die künstlichen sind – diejenigen mit dem größeren Herzen und dem besseren Charakter.

Ob es nun an Toasty liegt, oder an der ultimativen Kompatibilität meiner beiden Freunde, weiß ich nicht. Ich weiß nur eins, dass Körperformen, Charakter und dumme Internetsprüche selten etwas haben, das der Wahrheit entspricht. Macht euch mal locker, Mädels!