Warum eine erfundene Krankheit noch keinen wahren Mann macht.

Seit einiger Zeit brüte ich darüber, was ich als nächstes thematisieren soll. Habe eine Idee, finde sie erst mal gut, nur um sie wenig später wieder zu verwerfen.

Bezüglich Männerrechten gibt es eigentlich wenig, zumindest fällt mir gerade nichts ein, was nicht schon mindestens einmal gesagt oder geschrieben wurde. Und seien wir ehrlich: die männlichen Männerrechtsbewegten sind einfach viel besser mit der Materie vertraut als ich es auf absehbare Zeit sein werde. Doch nicht mangels Interesse, sondern eher mangels freier Kapazitäten.

Doch ich würde mich gern weiterhin am Geschlechterallerlei beteiligen. Und bei all den vielen Themen über die ich gern schreiben würde, für die mir jedoch die nötige [Recherche-]Zeit fehlt, gibt es etwas, das hier zu thematisieren mich schon länger in den Fingern juckt. Genauer gesagt, seit ich das hier gelesen habe. Dort schreibt Oliver Flesch unter anderem:

AD[H]S gibt es nicht. Oder sagen wir es nicht ganz so krass: Neunundneunzig Prozent der Kinder, denen es diagnostiziert wurde, sind kerngesund.

Er erzählt von einem Jungen, der angeblich AD[H]S hat. Weil: Wenn sich ein Kind nur auf jene Themen konzentrieren kann, die zufällig in sein persönliches Interessensgebiet fallen, dann ist das in Ordnung und ganz normal. Der Autor erzählt, er selbst habe sich als Kind ebenfalls nicht auf die „uninteressanten“ Fächer konzentrieren können. Und er habe es auch gar nicht gewollt.

Das mit dem Wollen ist ein interessanter Aspekt. Viele Menschen, die mit der Materie nicht vertraut sind, erliegen dem Irrglauben, betroffene Kinder seien „ganz normale“ Kinder und müssten etwas einfach nur genug wollen, dann würden sie es auch auf die Reihe bekommen. Doch AD[H]S und die Unfähigkeit, sich auf eine langweilige oder eintönige Sache zu konzentrieren, ist keine Sache des Wollens bzw. des Nicht-Wollens. AD[H]S ist nichts, wofür man sich bewusst entscheidet. Ist ja schön und so weit tatsächlich normal, dass Klein-Oliver null Bock auf langweilige Fächer hatte. Nur ist AD[H]S tatsächlich etwas gänzlich Anderes. Es ist viel komplexer und besteht aus weit mehr als bloßem „sich-nicht-konzentrieren-Können“.

Für mich, ist der Junge, der heute noch glaubt, er hätte AD[H]S, nicht krank. Für mich ist er ein wahrer Mann!

Die erste Frage, welche sich bezüglich des obigen Artikels aufwirft, ist natürlich folgende: Sind weibliche AD[H]S-Betroffene eigentlich auch „wahre Männer“?

Ich gebs zu, der war flach. Da ich selbst einen AD[H]S-betroffenen Sohn habe und derartige Behauptungen von AD[H]S-Verleugnern bzw. -Verharmlosern ziemlich anmaßend finde, hinterließ ich einen Kommentar und überlegte seitdem, ob ich dieses Thema hier bearbeiten soll.

Unschwer zu erkennen: ich entschied mich dafür.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass AD[H]S nach wie vor ein heißes Eisen ist, zumal die Leserschaft hier größer und auch breiter gefächert ist als auf meinem eigenen Blog, wo ich das Thema mehr oder weniger regelmäßig bearbeite.

Ist AD[H]S nun ein Geschlechterthema? Ich sags mal so: Ja und nein. Ja weil immer wieder aus irgendeiner Ecke die Behauptung kommt, es sei ein Mittel, um unbequeme Kinder, vornehmlich Jungs, „ruhig zu stellen“. Ja weil AD[H]S bei Jungs um ein Vielfaches häufiger [und, womit Oliver Flesch ja durchaus ein Stück weit Recht hat, oftmals vorschnell, bei Mädchen dagegen ist es genau umgekehrt] diagnostiziert wird, und nein weil AD[H]S tatsächlich eine Störung des Hirnstoffwechsels ist, die Mädchen ebenso betrifft wie Jungs. Aus irgendwelchen noch nicht vollständig erforschten Gründen ist bei Mädchen die hypoaktive [„Träumerle“], bei Jungs die hyperaktive [„Zappelphillip“] Version stärker vertreten, wobei es natürlich auch verträumte Jungs und hyperaktive Mädchen gibt.

Es wird behauptet, AD[H]S sei eine erfundene Krankheit. Gern wird hierbei eine angebliche Aussage eines gewissen Leon Eisenberg hinzu gezogen, welche er während eines Interviews gemacht haben soll. AD[H]S sei „ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“ und„die genetische Veranlagung für AD[H]S wird vollkommen überschätzt.“ Diese Aussage hat es vor zwei Jahren sogar in den Spiegel geschafft.

Tatsächlich war Leon Eisenberg nur einer von vielen Kinder- und Jugendpsychiatern [und obendrein nicht der erste], die sich mit der Materie beschäftigten. Und tatsächlich hat er AD[H]S nicht erfunden, er hat lediglich Kinder mit Entwicklungsproblemen und ihre Zusammenhänge erforscht.

Irgendwo, ebenfalls in einem Blog, las ich kürzlich, AD[H]S sei ein Instrument üblicherweise überforderter und / oder desinteressierter Eltern, um aufmüpfige, „schwierige“ Jungs mithilfe von sogenannten Drogen „gefügig“ zu machen. Ich finde es jetzt nicht mehr, vielleicht wurde der entsprechende Artikel vom Blogbetreiber gelöscht, nachdem ich einen kritischen Kommentar hinterlassen hatte. Ich weiß es nicht.

Die Frage ist hier wohl: wenn es [Ritalin] dazu missbraucht wird, um Jungs gefügig zu machen, warum wird es dann auch Mädchen verschrieben? Man könnte meinen, dass sich mittlerweile herumgesprochen hat, welche Faktoren sich ursächlich bzw. auslösend auswirken können. Doch scheinbar ist dem nicht so.

Da wären einmal tatsächlich die genetische Disposition, welche nachweislich von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird. Ist dieses Kriterium erfüllt, braucht es noch mehr oder weniger äußere/soziale Einflüsse [Stress/Rauchen/Alkohol während der Schwangerschaft, angespannte familiäre Situation, Trennung der Eltern, emotionale Störung aufgrund des Verlustes einer wichtigen Bezugsperson, etc.] um die Aufmerksamkeitsdefizits[-Hyperaktivitäts]störung „ausbrechen“ zu lassen. Außerdem wurden bei verschiedenen AD[H]S-Betroffenen verkleinerte Hirnregionen festgestellt.

adhs-grafik

Vielerorts wird nach wie vor behauptet, Kinder mit AD[H]S bekämen Ritalin [oder ein anderes Medikament, welches Methylphenidat enthält], um sie ruhig zu stellen. Es werden immer wieder nebulös Behauptungen von angeblichen Todesfällen aufgestellt, doch jedes Mal wenn ich in einem solchen Fall nachhake, wird zurück gerudert oder ausgewichen. Oder aber, das Medikament wurde grob missbräuchlich verwendet. Ich weiß von keinem einzigen Todesfall, welcher durch ärztlich verschriebenes und daraufhin nachweislich korrekt dosiert verabreichtes Methylphenidat verursacht wurde.

Gerne werden, speziell in den Massenmedien, jedoch auch in diversen Blogs, die angeblichen überall vor sich hinvegetierenden Ritalin-Zombies bemüht. Dumm nur, dass ich noch keinem einzigen begegnet bin, und auch niemand den ich kenne, inklusive sämtlicher Kinderärzte bzw. Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, bei denen wir bis dato vorstellig waren.Und das hier ist auch nur einer von vielen Fällen, die man getrost unter Missbrauch ablegen kann. Ärzten und Therapeuten kann man bekanntlicherweise  nicht glauben, die werden ja sowieso alle von der Pharmalobby geschmiert. [Wer Ironie findet, darf sie behalten]

Achtung: Ich behaupte NICHT, es gäbe keinen Missbrauch. Doch tatsächlich sind es nicht die Eltern von betroffenen Kindern, die ihnen Ritalin geben um sie auf diese Weise zu gefügigen Junkies zu machen.

Wer Ärzten und Psychologen nicht glaubt, könnte ja auch einfach jemanden fragen, der selbst von AD[H]S betroffen ist, ob und wenn ja auf welche Weise das AD[H]S-Medikament hilft.

Wenn es nicht erfunden ist, was ist dieses AD[H]S dann?

Eine Störung des Hirnstoffwechsels. Aufgrund von beschleunigtem Dopaminabbau können die Zellen nicht richtig kommunizieren, was unter anderem zu verminderter Konzentrationsfähigkeit, motorischer Unruhe und verminderter Impulskontrolle führt.

Und was macht es, wenn man es nicht behandelt?

Bedeutung für den Betroffenen selbst:

– Schwierigkeiten, sich auf „weniger spannende“ Inhalte zu konzentrieren und daraus resultierend die Gefahr, trotz hohem kognitiven Potential unverhältnismäßig schlechte Leistungen abzuliefern. Außer beim „Lieblingsfach“ bzw. „Spezialgebiet“, was mit dem Belohnungszentrum zusammenhängt: Aufgrund der veränderten Dopamin-Wiederaufnahme sind AD[H]S-Betroffene ständig auf der Suche nach einem neuen „Kick“.
– Hohe Gefahr, als Schulabbrecher auf der schiefen Bahn zu landen.
– Häufiges Anecken in Schule, Beruf und Privatleben und als Konsequenz niedriges Selbstwertgefühl bzw. das Gefühl „falsch“ zu sein, nicht richtig zu funktionieren, was wiederum zu Depression und Suizidgedanken führen kann.
– Geringe Frustrationstoleranz führt häufig zu unkontrollierten Wutausbrüchen.
– Unfähigkeit, Freundschaften zu knüpfen bzw. aufrecht zu erhalten.
– Erhöhte Gefahr, von Zigaretten, Alkohol und/oder Drogen abhängig zu werden.
– Erhöhtes Verletzungsrisiko / erhöhte Unfallgefahr.
– Keine Impulskontrolle. „Handelt/spricht, bevor er/sie denkt, ist vorlaut, frech, spricht aus was ihm/ihr gerade in den Sinn kommt, ungeduldig, kann nicht abwarten bis er/sie an der Reihe ist.“

Für das Umfeld des Betroffenen:

– Innerhalb der Familie: Allgemein sehr angespannte Familiensituation aufgrund eines Kindes [oder mehrerer Kinder], welches unverhältnismäßig mehr Aufmerksamkeit, Zuspruch und Förderung benötigt als ein nicht-betroffenes Kind.
– Konflikte innerhalb der Partnerschaft bezüglich des AD[H]S-betroffenen Kindes bzw. dessen korrekter Erziehung/Behandlung/Förderung. Paare, in denen ein oder mehrere Kinder von AD[H]S betroffen sind, trennen sich ca. 50% häufiger als solche, in denen kein Kind betroffen ist. [Hierfür habe ich leider keine Quellenangabe, da der Psychologe meines Sohnes dies bei einem unserer Termine erzählt hat].
– Geschwister, die sich vernachlässigt oder zumindest hinten angestellt fühlen, weil dem anderen Kind bzw. dessen Besonderheit so viel Beachtung geschenkt wird.

In der Schule: chronisch genervte Lehrer [sofern nicht speziell geschult bzw. auf einer Förder- oder Erziehungshilfeschule] und Mitschüler, da AD[H]S-Kinder nicht nur ständig den Unterricht stören, sondern grundsätzlich Schwierigkeiten haben, Regeln einzuhalten. Sie spielen den Klassenclown oder sind aggressiv und quatschen ständig dazwischen, vergessen Hausaufgaben und Arbeitsmaterial. Hypoaktive ADS-betroffene Kinder sind mit den Gedanken ständig woanders. Zwar stören sie nicht so massiv den Unterricht wie ihre hyperaktiven „Leidensgenossen“, doch sind sie ebenso wenig konzentriert bei der Sache.

– Im Beruf: chronische „Aufschieberitis“, Projekte werden nicht rechtzeitig fertig, was häufig zu Stress mit Vorgesetzten und/oder Chef führt.
– AD[H]S-Betroffene verheddern sich in zu vielen angefangenen Projekten, bis sie schließlich völlig den Überblick verlieren, und bringen nichts zu Ende. Falls doch, gelingt dies nur unter äußerstem Kraftaufwand und mit guter Organisation.
– Häufige Arbeitsplatzwechsel, schlimmstenfalls Arbeitslosigkeit.

Was kann man dagegen unternehmen?

Vorab: Es ist nicht „heilbar“. Es gibt keine Medizin und keine Therapie, die einen Betroffenen ein für allemal von seiner AD[H]S befreit. Es gibt allerdings Mittel und Wege, mit deren Hilfe der Betroffene lernt, sein Leben zu bewältigen, zusammengefasst in der sogenannten „Multimodalen Therapie“.

1. Aufklärung der Eltern
2. Elterntraining
3. Aufklärung des Kindes
4. Verhaltenstraining
5. Medikamentöse Behandlung [normalerweise zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Kontrolle]

Hier wird explizit die Behandlung eines betroffenen Kindes erklärt. Warum ist schnell erklärt: Da es für betroffene Erwachsene Psychotherapie bzw. Versorgung im Sinne einer multimodalen Behandlung einfach nicht gibt.

An der medikamentösen Behandlung scheiden sich die Geister. Methylphenidat reguliert die Kommunikation der Gehirnzellen und ermöglicht es dem Betroffenen, sich zeitlich begrenzt auf etwas zu konzentrieren, bei der Sache zu bleiben. Ebenso aktiviert MPH eine Art „Reizfilter“ in dessen Gehirn: der Betroffene ist nicht mehr so leicht ablenkbar und wirkt allgemein „sortierter“. Aufgrund der veränderten chemischen Zusammensetzung löst es keinen „Kick“ aus und macht somit bei korrekter Einnahme nicht süchtig.

Doch ich will nichts beschönigen. Methylphenidat [kurz MPH], ein AmphetaminDerivat, unterliegt nicht grundlos dem Betäubungsmittelgesetz, und entsprechend streng sind die Verschreibungskriterien. Es kann als Droge missbraucht werden, und nicht umsonst wird die Behandlung ausschließlich unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle durchgeführt, denn es können Nebenwirkungen auftreten. Häufig beobachtete Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit und Einschlafstörungen.

Für Eltern von betroffenen Kindern ist die Entscheidung pro/contra MPH gewiss keine Einfache. Ich weiß das, weil ich selbst zwei Jahre gebraucht hab, um den Weg von völliger Ablehnung bis hin zu „naja, alles andere hat ja nicht funktioniert, versuchen wir´s halt mal“ zu gehen. Realistisch betrachtet ist ab einer gewissen Schwere der AD[H]S weder ein gesundes Großwerden des Kindes noch ein normaler Familienalltag mehr möglich. Bei den leichteren Fällen kann man sicher hie und da ohne Zuhilfenahme von  MPH Strategien für das Leben mit AD[H]S lernen.

Wer es bis hierher geschafft hat: Danke für deine Aufmerksamkeit. Ich weiß, ich habe ziemlich weit ausgeholt, und dennoch habe ich das Thema eigentlich nur „angekratzt“. Es gibt so viel mehr, was es darüber zu wissen gibt, und noch mehr, was erst noch erforscht werden muss. Kinder, die davon betroffen sind, haben natürlich nicht nur Nachteile. Sie sind wie andere Kinder liebenswerte kleine Menschen, die neugierig, regelrecht wissensdurstig sind, dazu noch freundlich und hilfsbereit. Sie sind sensibel und ausgesprochen mitfühlend ihren Mitmenschen gegenüber, häufig unangepasst und kritisch hinterfragend. Ein Grund mehr, genauer hinzusehen und vielleicht selbst zu hinterfragen, bevor man einen weiteren von den Massenmedien hingeworfenen Happen einfach so schluckt.

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Getrennt leben, gemeinsam erziehen – warum der Vater so wichtig ist.

Ein Paar mit Kindern stellt fest, dass es als Paarbeziehung in dieser Konstellation nicht funktioniert. Natürlich geht man nicht ohne triftigen Grund auseinander, schon gar nicht, wenn Kinder da sind. Da versucht man vielleicht noch eher, die Beziehung irgendwie doch noch zu kitten, um den Kindern das oftmals traumatische Erlebnis der Trennung zu ersparen. Und macht es damit unter Umständen nur noch schlimmer.

Ich selbst bekam von meinen Eltern das volle Programm gereicht, zuerst eine katastrophale Ehe und nach fünfzehn unendlich langen Jahren des sich-gegenseitig-das-Leben-schwer-Machens kam dann doch die äußerst hässliche Trennung, inklusive Nachspionieren, Ausfragen und Aufhetzen der Kinder gegen das jeweils andere Elternteil. Das war der Hauptgrund warum ich mir irgendwann im Laufe meiner ersten Schwangerschaft schwor, meinen Kindern so etwas nicht anzutun. Das war sogar der Hauptgrund dafür, warum ich eigentlich die längste Zeit überhaupt keine Kinder wollte.

Mal ganz abgesehen davon, dass Kinder ein Recht auf ihren Vater haben und umgekehrt, bin ich der festen Überzeugung, dass ein Kind beide Elternteile braucht. Doch wo über die Notwendigkeit der Mutter allgemeine Übereinstimmung herrscht, sieht das beim Vater leider – zumindest in vielen Köpfen – immer noch anders aus. Zum Glück findet langsam aber sicher ein Umdenken statt, und der Wert des Vaters findet Anerkennung, wie zB hier.

Der Artikel von Fanny Jimenez beschäftigt sich unter anderem mit dem inzwischen emeritierten US-Psychologen Ronald Rohner, welcher das „Center for the Study of Interpersonal Acceptance and Rejection“ an der University of Connecticut aufgebaut und bereits in den frühen 70er-Jahren Studien zur Bedeutung des Vaters in der Familie durchgeführt hatte.

Jimenez schreibt:

So fand er im Jahr 1975 in einer vergleichenden Studie an 101 verschiedenen Kulturen heraus, dass Kinder, bei denen der Vater mit im Haushalt wohnte, von der Mutter, aber auch von anderen Bezugspersonen mehr Akzeptanz und Wärme erfuhren. Seine Arbeit motivierte viele andere Wissenschaftler, seinem Beispiel zu folgen. So rückte die Rolle des Vaters für die Kindesentwicklung stärker in den Fokus der Forschung.

Im Jahr 2012, am Ende seiner beruflichen Laufbahn, veröffentlichte Rohner zusammen mit Kollegen aus 13 Nationen im „Personality and Social Psychology Review“ einen einzigartigen Überblick über alle Ergebnisse der vergangenen Dekaden. Egal ob es der Vater oder die Mutter ist, so das Ergebnis: Wenn ein Kind sich ungeliebt oder abgelehnt fühlt, steigt sein Risiko, später aggressiv und emotional instabil zu werden. Auch ein gering ausgeprägtes Selbstbewusstsein, ein Gefühl der Unzulänglichkeit und eine negative Sicht auf die Welt resultieren häufig daraus.

Was ich sehr interessant finde. Es deckt sich zufällig mit meinem eigenen Erleben der Beziehung zwischen meinem Vater, der mir [gefühlt] desinteressiert bis ablehnend gegenüber stand, und mir.

Jimenez schreibt weiter:

[…]Einige Studien ergaben darüber hinaus sogar, dass die Einstellung und das Verhalten des Vaters für manche Entwicklungen des Kindes grundsätzlich mehr Gewicht hat, egal, wie es um die Hierarchie in der Familie bestellt ist. Wenn Väter ihrem Kind gegenüber gleichgültig, ablehnend oder gar feindselig agieren, entwickeln diese überdurchschnittlich oft Verhaltensauffälligkeiten, depressive Störungen und werden drogenabhängig oder straffällig – und zwar auch dann, wenn die Mutter ihr Kind bedingungslos liebt und unterstützt.

Was ebenfalls auf mich selbst zutrifft. Doch von den negativen Aspekten der Ablehnung durch den Vater kommen wir mal zu den Chancen, die sich durch Anwesenheit und positive Aufmerksamkeit des Vaters ergeben:

[…]“So waren in der Studie Kinder, deren Väter bereits eine intensive und liebevolle Beziehung zu ihnen führten, als die Babys erst drei Monate alt waren, im Alter von einem Jahr besser entwickelt und zeigten mehr soziale Kompetenz.“ […]

„Der Umgang des Vaters mit seinem Kind unterscheide sich oft deutlich von dem der Mutter. „Wenn sich Väter mit ihren Kindern beschäftigen, tun sie das auf andere Weise“, erklärt Rohner. „Väter spielen eher auf körperlicher Ebene. Sie raufen sich mit ihren Kindern, fördern ihre Wettbewerbsbereitschaft und ihre Unabhängigkeit – und den Mut, Risiken auf sich zu nehmen.“

„Im „Journal of Early Adolescence“ berichten die Forscher, dass Kinder Ausdauer und Beharrlichkeit eher vom Vater lernen als von der Mutter. Väter, die ihren Kindern diese Eigenschaft erfolgreich vermitteln, seien warmherzig, zuverlässig und liebevoll, setzen aber klare Regeln und Grenzen, die sie ihren Kindern gut erklären konnten. Gleichzeitig seien sie gut darin, ihren Kindern ein altersgerechtes Maß an Selbstbestimmung einzuräumen.

Warum Väter in dieser Hinsicht wichtiger für die Kinder seien, konnten die Wissenschaftler in der Studie nicht beantworten. Ihre Vermutung ist, dass Vätern Durchhaltevermögen einfach etwas wichtiger ist als Müttern und sie deshalb bei ihren Kindern mehr darauf achten. Mütter hingegen konzentrieren sich den Forschern zufolge häufig mehr darauf, Eigenschaften wie Dankbarkeit und Höflichkeit zu vermitteln.“

Auch dies erlebe ich ganz ähnlich im Erziehungsverhalten des leiblichen Vaters meiner Kinder. Selbiges gilt für meinen Partner, der für die Kinder ganz klar eine Vaterfigur darstellt. Er handhabt die Erziehung anders als ich, was ich einerseits gut und wichtig finde. Andererseits ergeben sich aus der Besonderheit meines Sohnes immer wieder Konfliktsituationen, die uns beide gleichermaßen verunsichern und auch ermüden.

Außerdem spricht die Autorin mit Peter Seher, dem Vater einer fünfjährigen Tochter, über seine Art der Erziehung und wie er sein elterliches Dasein wahrnimmt. Neben seiner Tätigkeit als Börsenmakler und seinem Blog herdzeit.de kümmert er sich liebevoll um seine Tochter und verrät abschließend: „Wenn ich Hanna abends manchmal ins Bett trage und sie sich schlaftrunken an meine Schultern kuschelt, dann fühle ich mich unersetzbar.“

Der Kindsvater und ich haben uns getrennt, als unsere gemeinsamen Kinder ein Jahr bzw. zweieinhalb Jahre alt waren. Wir hatten uns in der Vergangenheit gegenseitig versprochen, unsere persönlichen Querelen nicht auf dem Rücken der Kinder auszutragen. Natürlich gab es Tränen, Wut und mindestens ein verletztes Ego. Wir verhielten uns unvernünftig und es hagelte beiderseitig Vorwürfe und verletztende Worte. Doch irgendwann erinnerten wir uns an das Versprechen und daran, was wir doch eigentlich vorhatten besser zu machen als meine eigenen Eltern.

Dieses gemeinsam Erziehen, obwohl man kein Paar mehr ist, bedeutet wohl vor allem eines: Absoluter Wille, trotz der Trennung im Interesse des Kindes bzw. der Kinder zu handeln. Und die Fähigkeit, das eigene Ego auch mal hinten anzustellen. Es bedeutet einerseits, sich an Absprachen zu halten, und andererseits, auch mal „fünfe gerade“ sein zu lassen.

Es bedeutet in meinem speziellen Fall, dass ich mich manchmal regelmäßig dafür verfluche, keines von diesen Weibsbildern keine von jenen Frauen zu sein, die den Vater einfach „entsorgen“, sondern mich statt dessen ständig über Bezuschussung diverser Anschaffungen, gemeinsame Termine, Arztbesuche sowie sonntägliche Aktivitäten mit dem Kindsvater austausche und mich außerdem mit dem allgegenwärtigen „Menscheln“ auseinander setze.

Meine Kinder haben also einen leiblichen Vater, der sich bemüht, doch dessen Kapazitäten aufgrund räumlicher Entfernung und Berufstätigkeit stark eingeschränkt sind. Aber: während der Zeit, als er arbeitslos bzw. arbeitssuchend war, konnte und durfte er die Kinder täglich sehen.

Sie haben seit fünf Jahren außerdem noch einen sozialen Vater, der zwar ebenfalls berufstätig ist, doch für die Kinder mittlerweile fast genauso „Papa“ ist wie der leibliche Vater. Er liebt sie und sorgt für sie, als wären es seine eigenen Kinder.

Dies verursacht einen Loyalitätskonflikt bei den Kindern. Sie lieben uns, schließlich sorgen wir für sie; Wir sind alles, was unsere Kinder haben und natürlich wollen sie auch von uns geliebt werden. Und dafür würden sie alles tun. Wer selbst Kinder hat, weiß, wie sensibel die kindlichen Antennen sind, und wie erfinderisch Kinder sein können, wenn es um zielführende Strategien geht. Doch zum Glück müssen meine Kinder nicht entscheiden, wen sie lieber mögen.

Gerade stelle ich fest, so weit wollte ich eigentlich gar nicht auf das Thema eingehen oÔ

Der Artikel bedeutet für mich einerseits die Bestätigung meines eigenen Empfindens bezüglich meiner Eltern und der Einbeziehung des leiblichen Vaters meiner Kinder in deren Erziehung. Weiters kann ich jetzt irgendwie leichter die väterliche Herangehensweise akzeptieren, die sich tatsächlich von meiner eigenen unterscheidet. Ich selbst neige tatsächlich zum „Helikoptern“, wobei ich mich wirklich auf dem Wege der Besserung befinde. Ich weiß, dass ich meinen Kindern Raum geben muss, und dass ich ihnen erlauben muss, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, um daraus lernen zu können. Auch wenn das, nun ja… auch wenn das Mamaherz dabei blutet.
Die beiden Männer hingegen lassen die Leine eher mal länger und die Kinder dürfen erst mal machen. Dies ist dann der Moment, in dem ich [innerlich kopfschüttelnd und mal mehr mal weniger erfolgreich den Helferimpuls niederringend] danebenstehe und mich frage, wie so etwas möglich ist. Aber das ist eben meine Art und Weise, und nur deswegen muss sie ja nicht die einzig richtige sein.

Ich bin sehr auf Zuverlässigkeit und regelmäßige Abläufe bedacht. Ich weiß nicht ob es an meiner Persönlichkeit liegt, daran, dass ich eine Frau bin oder einfach nur der Tatsache geschuldet ist, dass ich in 99,9% der Fälle die Konsequenzen von nicht eingehaltenen Tagesplanungen ausbaden darf. Vielleicht ein bisschen von allem.
Die beiden Herren [und JA ich werfe tatsächlich auch diesbezüglich beide in einen Topf, denn in gewissen Verhaltensweisen sind sie sich tatsächlich sehr ähnlich] sind da eher gelassen. Abendessen? Gibts. Kann man um sechs. Kann man aber auch gut erst um acht. Frühstück? Joa, gibts auch. Kann man direkt nach dem Aufstehen. Muss man aber nicht.

Und wenn es darum geht, den Kindern etwas beizubringen, dann bin ich sehr darauf bedacht, eine gute Anleitung zu liefern. Gleich vorab. Leiblicher wie sozialer Vater drücken dem Kind das Werkzeug in die Hand und sagen „Da. Mach mal.“

Nur damit das jetzt nicht falsch verstanden wird: Ich möchte hiermit ausdrücklich keinem allein erziehenden Elternteil auf den Schlips treten. Oft genug besteht berechtigter Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, bei Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch. Ich finde eher solche Konstellationen problematisch, in denen die Kinder instrumentalisiert werden, um dem jeweils anderen Elternteil zu schaden. Keine Trennung läuft angenehm ab; Wo Gefühle im Spiel sind kochen die Gemüter hoch, und kaum einer kann rational handeln. Doch trotz allen Gemeinheiten und verbalen Tiefschlägen: Eltern sind auch während und nach einer Trennung immer noch Eltern. Und somit Vorbild; Das, was ihre Kinder sehen, erleben und nachahmen werden.

Das, was wir tun, tun wir  gewiss nicht, weil es immer einfach oder angenehm ist. Ich tue es, weil es das einzige ist, was sich für mich aufgrund dessen, was ich weiß, richtig anfühlt.

[EDIT] Hier der heutige Artikel von Agens: Scheidungskinder brauchen beide Eltern! [/EDIT]

Jungs und rosa Einhörner.

Eigentlich schreibe ich solche Sachen eher auf meinem eigenen Blog, aber da ich finde, dass das hier gut reinpasst, und für heute noch kein Beitrag drin ist, landet es beim Geschlechterallerlei.

Mein Sohn ist sieben Jahre alt, interessiert sich für allerlei „Jungskram“ sprich Autos, Fußball, Lego Technic und was es halt noch so gibt. Nun interessiert er sich seit einer Weile vermehrt für die Spielsachen seiner Schwester. Er mag mit ihren Fillys spielen und kuschelt ganz gern mit ihren Kuschel-Einhörnern. Ist für mich kein Problem, seine Schwester allerdings findets nicht so prall, weil er sie immer um ihre Sachen anbettelt. Daher spielte sich kürzlich folgendes Gespräch ab:

Sohn: „Schwester, krieg ich deine Regenbogen zum kuscheln?“ [Regenbogen ist ein fliederfarbenes Kuscheleinhorn mit mehrfarbigen, glitzernden Hufen sowie farblich passendem Horn und Zaumzeug]

„Hmm, nö. Ich mag lieber selber damit kuscheln.“

„Krieg ich dann Sternchen?“ [Rosa Kuschel-Einhorn]

„Warum willst du immer mit meinen Kuscheltieren kuscheln? Du hast doch eigene!“

Mein Partner schaltet sich ein: „Weißt du was, wenn du so gern mit Einhörnern kuschelst, dann kaufen wir dir einfach ein eigenes, und du musst nicht immer die von deiner Schwester nehmen.“

Sohn murmelt: „Nö.“

– „Und warum nicht?“

Sohn antwortet zögernd: „Weil die anderen sonst lachen.“

Etwa so lief das ab. Seitdem grüble ich, wie ich es hinbekomme, dieses Ding aus der Welt zu schaffen, und auch wenn das vielleicht seltsam rüberkommt: Wie würdet ihr das angehen?

 

Warum ich als Mensch Feminismus kritisch sehe & Manöverkritik am Maskulismus.

Oder: Doppelmoral, wohin ich blicke.

In den vergangenen Wochen habe ich mich vermehrt mit Maskulismus und teilweise, wenn auch nicht ganz so intensiv, mit Feminismus beschäftigt. Ich las hauptsächlich verschiedenste Blogs, die Kommentare darunter und teilweise auch bei twitter.

Was ich vom Maskulismus las, erweckte auf mich größtenteils den Anschein, als seien Maskulisten tatsächlich an etwas wie Gleichberechtigung interessiert. Wiederholt las ich den Satz „gleiche Rechte – gleiche Pflichten“, was ich vollkommen legitim finde. Teilweise jedoch fand ich Maskulismus-intern heftige Kritik, welche die selbst ernannten „straighten“ Maskus an den ebenfalls selbst ernannten gemäßigten Maskulisten übten. Und umgekehrt. Hat für mich einen schalen Beigeschmack, wenn mann vorgibt, für die Rechte von mann zu kämpfen, allerdings nur so lange wie mann den selben straighten bzw. gemäßigten Weg geht wie man selbst. Ich stellte fest, bin wohl nicht die einzige, die sich darüber wundert.

Der Feminismus hat sich auf den ersten Blick ebenfalls die Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben. Bei genauerem Hinsehen allerdings entpuppt sich das scheinbare Streben nach Gleichberechtigung – zumindest in meiner Wahrnehmung – als Wunsch nach einer frauendominierten Gesellschaft, in welcher die Bedürfnisse des Mannes ganz klar hinter denen der Frau anzusiedeln sind.

Wie ich darauf komme?

Wenn ein nicht-feministisch eingestellter Mensch in einer Diskussion die [übrigens sehr reellen] männlichen Probleme anspricht, wird ihm „derailing“ vorgeworfen. Welche männlichen Probleme ich meine? Man denke an gesetzlich abgesegnete Beschneidung von männlichen Kindern unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit [haben die denn kein Recht auf körperliche Unversehrtheit frage ich mich?], an die hierzulande praktizierte Familienpolitik, nach der es für eine Mutter ohne weiteres möglich ist, dem Vater die Kinder vorzuenthalten bzw. den Kindern den Vater; Männer sind viel häufiger als Frauen Opfer von Gewalt, Männer sterben früher, es gibt mehr männliche als weibliche Obdachlose, „Mann=Täter“, und noch einige mehr die mir gerade auf Anhieb nicht einfallen. Ist denn all das unwichtig? Sind Jungs und Männer etwa keine Menschen?

Mein Sohn hat das Glück, dass seine Mutter keiner religiösen Überzeugung folgt, und schon gar nicht einer die besagt, dass ein Junge nur dann ein „richtiger“ Mann sein kann, wenn man ihm vorher die Vorhaut abschneidet.

Und last but not least die aktuellste und wohl mitunter lächerlichste Blüte, welche der Feminismus bzw die Arbeitsgruppe für „Feministisch Sprachhandeln“ der Humboldt-Universität in Berlin getrieben hat: die Silbe „er“ sollte im deutschen Sprachgebrauch durch a bzw x ersetzt werden. Und auch das Wort „Mann“ müsste eigentlich richtigerweise „M@nn“ heißen. Entmännlichung der Sprache. Soll das wirklich, ernsthaft nach Gleichberechtigung klingen?

Dagegen gibt es in Deutschland nicht mehr sooo viele Dinge, in denen Frauen benachteiligt werden. Mal überlegen, vielleicht fallen mir ja ein paar Beispiele ein. Oder vielleicht kann mir ja jemand von euch auf die Sprünge helfen? Bis auf das vielfach bemühte Patriarchat [dem ich selbst übrigens noch nicht begegnet bin, aber vielleicht bin ich einfach nur zu privilegiert?] mit seinen frauenunterdrückenden Herrschaftsstrukturen, welches laut Feminismus die Gleichberechtigung der Frau systematisch zu verhindern versucht, will mir einfach nichts einfallen. Aber wo sind Frauen [in Deutschland] denn wirklich benachteiligt? Im Beruf? Eher nicht. Frau kann lernen, studieren und arbeiten, wonach ihr gerade der Sinn steht. Gender pay gap? Bereinigt ergibt sich laut Wikipedia  ein Wert von 8%, und dieser Wert ergibt sich aus den unterschiedlichen Vorlieben bei der Berufswahl. Mädchen in Kindergarten und Schule? Auch nicht. „Mädchen sind sozialer, anpassungsfähiger und oftmals den gleichaltrigen männlichen Mitschülern voraus“, lautet nach wie vor die einhellige Meinung.
Stichwort „Teilzeitfalle“: 69% der berufstätigen Mütter arbeiten in Teilzeit. Ich bin eine von ihnen. Ich gehe derzeit einer Beschäftigung nach, die ich als „okay, aber leider  unterhalb meiner Qualifikation und daher unterbezahlt“ bezeichnen würde. Ich mache es nicht weil mich jemand dazu zwingt, sondern weil meine Verfügbarkeit, meine aufgrund Kindern mangelnde Flexibilität und der Arbeitsmarkt in unserer Gegend gerade nichts anderes zulassen. Natürlich kann ich mich jetzt über die Ungerechtigkeit beklagen, ich kann ich darüber aufregen dass in meiner Branche eben lieber Vollzeitkräfte eingestellt werden, die keine Kinder haben. Und ich könnte natürlich das Patriarchat dafür verantwortlich machen, schließlich ist mein Chef ja männlich. Aber ich tue es nicht.
Warum? Keine Ahnung, vielleicht weil ich mich nicht benachteiligt oder diskriminiert fühle. Weil ich durchaus etwas ändern könnte, wenn ich nur wollte. Hierzu fand ich den Beitrag Mythos Lohnschere von @wiemanindenwald sehr aufschlussreich.
Ich habe vor achteinhalb Jahren, als ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, eine Entscheidung getroffen. Die Entscheidung, das Kind auszutragen. Ich hatte mein Leben eigentlich ohne Kinder geplant, wollte Karriere machen, mir öfters mal etwas gönnen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Doch es kam anders, und es war für mich okay. Auch wenn es bedeutete, dass ich beruflich würde kürzer treten müssen. Dass sich meine Prioritäten bezüglich meiner weiteren Lebensgestaltung drastisch verschieben würden. Kurz: Wenn ich mich in großem Maße um Kinder und Haushalt würde kümmern wollen, müsste ich eben beruflich zurückstecken, weil nun deutlich weniger Kapazitäten hierfür zur Verfügung stünden.
Ich könnte natürlich, wenn ich denn wollen würde, mich jetzt deutschlandweit oder auch im nah gelegenen europäischen Ausland nach einer passenden Stelle umsehen und meine Familie „einfach“ mitnehmen. Ich bin mir sicher, etwas würde sich finden, doch meine Kinder würde ich aus ihrem sozialen Umfeld herausreißen und noch dazu würde ich ihnen durch einen Umzug in weite Ferne die Möglichkeit nehmen, ihren leiblichen Vater regelmäßig zu sehen. Es würden sich Veränderungen in meiner Partnerschaft ergeben, die nicht in meinem und vermutlich nicht im Sinne meines Partners sein dürften. Das alles möchte ich nicht, deshalb mache ich dieses berufliche Zugeständnis.

Stichwort Rente: Frauen sind heute häufiger von Altersarmut betroffen als Männer, doch tendenziell holen die männlichen Rentner auf. Und was Zeitarbeit, Niedriglöhne, alternde Gesellschaft plus niedrige Geburtenrate aus dem machen, was später unsere Rente sein soll, das mag ich mir ehrlich gesagt gar nicht ausmalen. Mit großer Wahrscheinlichkeit bin auch ich in 30 – 35 Jahren von Altersarmut betroffen, vielleicht schon früher. Aber: Mein Partner wird aufgrund seiner körperlichen Verfassung ziemlich sicher schon vor seinem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters erwerbsunfähig sein. Warum also sollen nur Frauen von staatlicher Unterstützung profitieren? Altersarmut ist kein „Frauenproblem“. Es ist ein Problem, das beide Geschlechter betrifft.

Reden wir mal über sexuelle Belästigung. Es IST scheisse, wenn mann ein „Nein“ nicht akzeptieren kann, oder auf eine Abfuhr herablassend oder beleidigend reagiert. Andererseits, wo genau verläuft denn die Grenze zwischen harmlosem Flirten und sexueller Belästigung? Ich für meinen Teil würde sagen, verbal anbaggern ja, anfassen nein. Wobei wohl hier jede Frau ihre eigene, höchst persönliche Grenze zieht. Frauen können übrigens auch ziemlich aufdringlich werden, aber das nur so am Rande. Interessanterweise hatte ich meinen einzigen unfreiwilligen sexuellen Kontakt nicht mit einem Mann sondern mit einer anderen Frau. Vermutlich kann ich mich glücklich schätzen, dass ich bis zum heutigen Tage noch nie von einem Mann angefasst wurde, ohne es tatsächlich gewollt zu haben.

Mann buhlt um die Gunst von Frau. So weit normal, zumindest in der Heterosexualität. Sollen Männer jetzt gänzlich damit aufhören, nur damit sie auch ja nicht Gefahr laufen, eine Grenze zu überschreiten?

Und wo wir gerade bei Grenzen sind, was ist mit den Frauen, die übergriffig werden? Was ist mit den Kindern, die von Frauen [Mutter, Tante, Erzieherin etc pp] missbraucht und/oder geschlagen werden? Die Fälle, die niemals zur Anzeige kommen, weil Frauen in unseren Köpfen eher Opfer als Täter sind? Was ist mit den männlichen Vergewaltigungsopfern, deren Fälle niemals zur Anzeige kommen geschweige denn publik werden, weil mann sich zu sehr schämt und aus [berechtigter] Angst vor Häme keine Anzeige erstattet? Tut hier nichts zur Sache weil anderes Thema? Ich finde, es tut sehr wohl etwas zur Sache, es ist schließlich das selbe Thema, nämlich „sexueller Missbrauch“. Ich für meinen Teil bin der Ansicht, Menschenrechte müssen für beide Geschlechter gleichermaßen gelten.

Wie war das nochmal, von allen angezeigten Vergewaltigern[!] werden nur 8,4% verurteilt? Ein #aufschrei ging durch twitter, doch ich will mir gar nicht anmaßen darüber zu urteilen, wieviele von diesen angezeigten Vergewaltigungen tatsächlich den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllen. Ja, es gibt tatsächlich Fälle, in denen eine Frau [aus welchen Gründen auch immer] eine Anzeige wegen Vergewaltigung stellt, ohne tatsächlich auch nur in irgendeiner Form zu etwas gezwungen oder genötigt worden zu sein. Und selbst wenn sie die Anzeige später zurück zieht, das Leben des fälschlicherweise Beschuldigten ist irreparabel geschädigt.

Was ist mit den Frauen, die ihre Kinder benutzen, um dem Exmann oder Expartner eins auszuwischen? Sind das Opfer? Muss man sie schützen? Ich selbst durfte bzw. musste erleben, welche Macht eine Mutter über das Kind und somit auch über den Vater hat. Meine eigene Mutter hat mich [ich muss schon sagen, unter anderem] auf eine solche Weise indoktriniert, so dass ich viele Jahre der festen Überzeugung war, mein Vater sei ein schlechter Mensch. Und alle anderen Männer übrigens auch.

Reden wir über Entscheidungsfreiheit. Stichwort Sexarbeit. Alice Schwarzer hat sich gegen Sexarbeit ausgesprochen, denn Prostitution kann niemals freiwillig geschehen. Damit entmündigt sie ausdrücklich jene Frauen, die diesem Gewerbe tatsächlich freiwillig nachgehen.

Stichwort Entmündigung: In einem feministischen Blog wird frau dazu aufgefordert, sich nicht als „Instrument partiarchalischer Machtstrukturen“ benutzen zu lassen. Ich finde diese Aufforderung ziemlich anmaßend, denn ausgerechnet der Feminismus hat sich doch der Entscheidungsfreiheit der Frau verschrieben. Oder etwa doch nicht…? Ich soll mich nicht vom Patriarchat instrumentalisieren lassen, wohl aber von einer Netzfeministin? Nur, weil sie zufällig selben Geschlechts ist wie ich, vertritt sie automatisch „meine“ Interessen? Darf ich nun selbst entscheiden, wie ich agieren möchte, was ich gut und was ich scheisse finden möchte, oder diktiert der Feminismus? Bin ich nicht mündig genug, um mir selbst ein Bild zu machen und selbst Schlüsse zu ziehen aus dem, was ich um mich herum erlebe? Brauche ich einen Feminismus, der sich durch Widersprüche, Rosinenpicken und hashtags wie #mackergohome und #killallmen selbst demontiert? Ganz klares Nein.

Ich lese häufig in feministischen Blogs, sie, also Feministinnen, würden Männer eigentlich gar nicht hassen. Das mag sein, doch auf jeden Fall scheinen sich viele [nicht alle!] Feministinnen darüber einig zu sein, dass das Patriarchat sehr wohl existiert, und sehr wohl für unzählige [wenn nicht gar alle] Frauenprobleme verantwortlich ist. Und Frauen Feministinnen haben sehr wohl das Recht, #killallmen zu schreien, weil schließlich ist das ja gar nicht so gemeint und eigentlich nur eine logische Konsequenz dessen, was sie durch das Patriarchat schon alles erdulden mussten. Nochmal zum Patriarchat: Ich kenne einige Männer, darunter meinen Partner, diverse Expartner, den Vater meiner Kinder, meinen eigenen Vater, meine Brüder und etliche andere. Aber das Patriarchat kenne ich nicht. Ich kenne allerdings Menschen, die ihre Machtposition ausnutzen, welche sie anderen Menschen gegenüber inne haben. Und diese Personen sind mal weiblichen und mal männlichen Geschlechts.

Worauf ich hinaus will: Feminismus ist dort wichtig, wo Frauen tatsächlich unterdrückt werden. Dies geschieht vielerorts, ohne Frage, und es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen zwangsverheiratet, vergewaltigt, oder anderweitig unterdrückt werden. Wo Menschenrecht mit Füßen getreten wird, muss gegengesteuert werden. Aber ich wage zu behaupten, dass es in Deutschland [und nicht nur dort, man denke an die Anti-Homosexuellenpolitik in Russland sowie einigen Ländern Afrikas und der arabischen Welt]  eher solche Probleme gibt, die beide Geschlechter betreffen, und dass einer Frau hierzulande entgegen anders lautenden Behauptungen die selben Rechte eingeräumt werden wie einem Mann. Plus dem einen oder anderen Privileg.

Bei meinem letzten Blogeintrag wurde ich in den Kommentaren von @neuer Peter gefragt, ob es ein Schlüsselerlebnis gegeben hätte oder warum ich mir um die Zukunft meines Sohnes mehr Sorgen mache als um die meiner Tochter.
Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht. Es gab nicht das eine Schlüsselerlebnis. Es war das Gesamtbild, welches im Laufe der letzten Monate entstand, während ich alles mögliche an Feminismus-, Maskulismus- und Gender-Input in mich aufnahm. Und was @Zuerst Mensch neulich schrieb, bestätigte mein mieses Gefühl auf erschreckende Art und Weise.

Abschließend möchte ich noch los werden, dass es auf diese Weise in meinen Augen nicht funktionieren wird. Wenn jeder, der „vom Weg abweicht“, zur Zielscheibe wird für ausufernde Hasstiraden, dann hat wohl keiner wirklich begriffen, dass an irgend einer Stelle mal jemand mit dem „Miteinander“ anfangen muss. Weil der Graben sonst einfach immer nur noch größer wird. Wenn jeder nur „seine oder ihre eigenen“ Belange sieht, ist in den eigenen Augen immer nur man selbst das Opfer. Und „die Anderen“ sind schuld. Sie „schaden der Sache“. „Die haben aber angefangen!“ bzw. „Die machen das aber auch!!!!111elf“ Oder oder oder [hier beliebige Beschuldigung einfügen].

Regelmäßig, wenn ich meinen Kindern [sechs und sieben Jahre alt] beim Streiten zuhöre, werde ich unangenehm an so manches Verhaltensmuster erinnert, was ich Feminismus-/Maskulismus-intern bzw. zwischen den Fronten erleben durfte. Dort wurde vollkommen unreflektiert verbal aufeinander eingedroschen, ohne dass eine der beiden Parteien jemals gemerkt hätte, dass sie nichts anderes tut als der Gegenseite das eigene Verhalten zum Vorwurf zu machen, und jeder muss das letzte Wort haben bzw. noch eins draufsetzen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass auf diese Weise irgendwelche männerrechtlich relevanten Ziele erreicht werden.

Warum ich mich mit Geschlechterthemen beschäftige und was ich damit zu erreichen hoffe

Ja, warum tue ich das?

Erstens, ganz simpel, um meine Neugier zu befriedigen.

Zweitens, da ich zwei Kinder habe. Und nicht möchte, dass mein Sohn aufgrund seines Geschlechts benachteiligt wird. Weil bei meiner Tochter muss ich mir diesbezüglich ja keine Sorgen machen. [Und DAS wurde mir tatsächlich erst vor kurzem so richtig bewusst.]

Drittens. Ich weiß nicht, ob und wenn ja was ich überhaupt erreichen kann. Es muss sich die Wahrnehmung und das Bewusstsein diesbezüglich ändern, damit zumindest etwas in der Art wie eine „Gleichberechtigung“ eintritt. Denn in vielen Köpfen hängt tatsächlich noch immer das Rollenklischee „Mann=Täter“ und „Frau=Opfer“ fest.

Tatsächlich ist es natürlich viel komplexer. Gewalt wird von Frau – wieder nur meine eigene Annahme aufgrund von eigener Erfahrung – genauso häufig ausgeübt wie von Mann. Nur oftmals – nicht immer – auf eine andere Art und Weise.

Zum Thema Frau vergeht sich an Mann fällt mir gerade eine Geschichte ein, die mir ein guter Freund einmal erzählt hat. Er muss derart besoffen gewesen sein, dass er nach der Sauftour zuhause direkt umgekippt ist. Er hatte eine junge Frau dabei, die sich daraufhin an ihm zu schaffen machte, ihm ein Kondom überzog und ohne sein [bewusstes] Zutun mit ihm Geschlechtsverkehr hatte. Er selbst bekam von allem nichts mit, doch als er am darauf folgenden Morgen neben ihr aufwachte und sie nackt neben sich liegen sah, fragte er sie, was passiert sei, und auf sein wiederholtes Fragen gab sie die Tat zu und zeigte sogar das benutzte Kondom.

Dies erfüllt  laut § 177 den Strafbestand der Vergewaltigung. Er erstattete keine Anzeige.

Ein Rollentausch – oder wie es nicht funktioniert[e].

Um das Thema „Der Mann als Haupternährer“ wird vielerorts hitzig diskutiert; es steht die Frage im Raum, warum trotz emanzipierter Frauen immer noch so viele Männer Haupt- wenn nicht gar Alleinverdiener innerhalb der Familie sind.

Zu diesem Thema möchte ich euch etwas erzählen. Und zwar von meinem eigenen Versuch, den Part des Hauptverdieners zu übernehmen. Allerdings erzähle ich es nicht alleine; ich bat den Vater meiner Kinder, die Erzählung zu lesen und ggf. zu ergänzen. Der kursive Teil ist daher von ihm.

Es ergab sich durch eine Verkettung nicht-ganz-so-ideal geplanter Ereignisse, welchen natürlich meine eigenen Entscheidungen zugrunde lagen, dass ich im Alter von 26 Jahren aus Österreich zurück nach Deutschland kam. Ich war schwanger und arbeitslos, der Vater des ungeborenen Kindes steckte noch mitten im Studium.

Nur wenige Monate zuvor hatte ich den theoretischen, praktischen und mündlichen Teil der Meisterprüfung im Konditorenhandwerk abgelegt, nun trennten mich von meinem Meisterbrief noch der Unternehmer- sowie der Ausbilderkurs. Doch dies lag vorerst auf Eis, meine finanziellen Reserven waren mittlerweile nahezu gänzlich aufgebraucht, und ich überlegte, womit wir wohl weiterhin unseren Lebensunterhalt bestreiten würden.

Für eine schwangere Frau ist es aus Kostengründen für den Unternehmer quasi unmöglich, eine Vollzeitstelle zu finden. Dennoch hatte ich fürchterliche Angst davor, ins Hartz IV abzurutschen. ALG I bekam ich keins, obwohl ich in Salzburg während der letzten fünfeinhalb Jahre nahezu ununterbrochen in Vollzeit beschäftigt gewesen war. Doch, so teilte man mir auf der ARGE mit, ich sei ein „Präzedenzfall“ und man könne leider außer ALG II nichts für mich tun. Na toll. Zurück nach Salzburg zu gehen kam für mich nicht in Frage. Also sah ich mich um und fand einen 400 € Job, als Servicefahrerin für ein Schnellrestaurant mit Lieferservice. Das Restaurant gehörte zu einer Kette, die einst deutschlandweit vertreten war, welche jedoch ihre Glanzzeit bereits hinter sich hatte.

Ich übernahm den Job, schließlich hatte ich das während meiner Lehrzeit nebenberuflich schon einmal getan, um eine teure Autoreparatur zu finanzieren. Der Vater des Kindes fand zu der Zeit einen Minijob in einer Tankstelle, und so jobbten wir eine zeitlang vor uns hin. Mit Hilfe unserer Familien schlugen wir uns mehr schlecht als recht „halt irgendwie so durch“.

Es war auch eine Zeit, in der ich das Studieren nicht aufgeben wollte – ja, beurlauben vom Studium, das war möglich, habe ich dann auch für 4 Semester getan. Das war auch einer der Gründe, warum ich nicht Vollzeit arbeiten gehen konnte. Ich hätte meinen Status als Vollzeitstudent verloren, wäre vielleicht sogar exmatrikuliert worden. Zusätzlich bekam ich noch Halbwaisenrente, die hätte ich auch verloren. Das Geld, dass wir so zusammen kratzten, reichte gerade mal für die Miete und etwas zu Essen, aber wenn jetzt noch ein Kind unterwegs ist…

Eines Tages hing ein Zettel an der Tür des Schnellrestaurants. Man suchte einen neuen Pächter, und ich überlegte für einige Sekunden, ob das für uns nicht eine Chance sein könnte. Doch genau so schnell verwarf ich die Idee wieder; wer würde mir schon Geld geben, so ganz ohne Rücklagen oder Sicherheiten.

An diesem Tag besprach ich die Neuigkeiten mit meinem damaligen Partner, und gemeinsam beschlossen wir, es dennoch zu wagen. Mehr als nein sagen konnten die Franchisegeber schließlich nicht.

Wir waren jung, von unserer Unfehlbarkeit überzeugt. Wir glaubten, zu zweit schaffen wir alles. Das Geschäft wird ein Selbstläufer, schließlich kennen wir uns ja aus… wie naiv wir da waren…

Wider Erwarten wurden wir zu einem „Vorstellungsgespräch“ eingeladen. Nach dem Gespräch verließ ich das Gebäude mit dem Gefühl, hätte ich den Lizenzgebern das Geld bar auf den Tisch legen können, ich hätte auf der Stelle eine Zusage plus Vertrag erhalten.

Doch ganz so einfach war es nicht. Irgendwie schafften wir es, einige Tausend Euro Startkapital aufzutreiben, was für die Gründung eines Unternehmens lächerlich wenig ist. Doch mehr war nicht drin, und so versuchten wir unser Glück mit dem Wenigen, was wir hatten.

Uns wurden wundervolle Zahlen vorgelegt, vom Vorpächter und von den Franchisegebern. Wir haben damit gerechnet, und gerechnet, und gerechnet… und kamen zu dem Schluss, wir persönlich müssten maximal ein Jahr drinstehen, zumindest beide. Sie, als Chefin hatte mehr von der Last zu tragen. Sie hat auch so ziemlich alles unterschrieben, für mich war eher angedacht, ich mach ein Jahr Studienpause. An der Uni gibt es ja Kinderkrippen, und jede Vorlesung muss ich auch nicht besuchen. Ein Jahr, und ich bin wieder im Studium…

Sieben Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin fiel also der Startschuss meines Unternehmens. Wir hatten beschlossen, dass unser Sohn zum Teil vom Vater und zum Teil von den beiden Omas betreut werden würde. Ich selbst würde mich hauptsächlich um das Restaurant kümmern, schließlich hatte ich die Verträge unterschrieben und trug somit sämtliche Verantwortung für den Restaurantbetrieb.

Da es einen „fliegenden [Pächter-]Wechsel“ gegeben hatte, lief unser Einstieg in die Branche recht unspektakulär und sechs Wochen später an einem Sonntag machte sich unser Sohnemann auf den Weg. Fünf Tage nach der Entbindung ging ich schon wieder arbeiten.

Ich schildere das ganze recht nüchtern, denn ich könnte das emotionale Chaos, welches zu der Zeit in mir herrschte, nicht einmal ansatzweise beschreiben. Ich wäre ZU gern bei meinem Sohn zuhause geblieben – den Hormonen sei es gedankt. Doch alles war doch ganz anders geplant, wer hätte meinen Posten im Betrieb übernehmen sollen? Daher ging ich – schweren Herzens – tatsächlich kurze Zeit nach der Geburt meines Sohnes wieder Vollzeit arbeiten, und hoffte einfach, dass er das einigermaßen würde wegstecken können. Schließlich hatte er ja Papa, Oma oder die andere Oma, und wurde von denen liebgehabt und war bestens versorgt.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Als Sohnemann fünf Monate alt war, wurde ich erneut schwanger, das Resultat ist meine entzückende Tochter. Nach einem dreieinhalb Jahre andauernden Ausflug in die Selbständigkeit fuhr ich das Unternehmen, mittlerweile hochverschuldet und seelisch sowie körperlich komplett ausgebrannt, gegen die Wand, suchte [mit Einverständnis des Vaters, der nach unserer Trennung ebenfalls am Ende seiner Kräfte angelangt war] für die beiden Kinder eine Vollpflegestelle und versuchte, irgendwie wieder zu Kräften zu kommen und schnellstmöglich in einen normalen Lebensrhythmus zu finden.

Am Anfang funktionierte auch alles wunderbar. Wir waren motiviert, die Aufteilung funktionierte, auch was das Nachts aufstehen anging oder das Babysitten. Als die Tochter dann da war und es im Geschäft nicht so funktionierte wie geplannt, hatten wir erst Au Pair Mädchen (die erste verliess uns nach 3 Monaten wieder wegen einer Herz OP, die zweite hat sich illegal nach Frankreich abgesetzt…) und dann eine Tagesmutter. Zusätzliches Personal konnten wir uns in dem Maße wie am Anfang gar nicht mehr leisten, also stand ich auch länger im Geschäft…je nachdem 8-13 Stunden am Tag, Ruhetage gab es keine. Freizeit wurde zum absoluten Luxus. Gute Stimmung gab es privat auch nicht mehr…

Der Burnout war vor programmiert. Sie hat ja schon nach einem Jahr gefragt, ob die Entscheidung richtig war, den Laden zu übernehmen. Und ich habe sie davon versucht zu überzeugen, dass es das war. Aber ehrlich gesagt, überzeugt war ich davon auch nicht. Nur kam die Einsicht, wie bei vielem damals, einfach zu spät.

Was ich damit sagen möchte: Ein Kind frühzeitig in die Fremdbetreuung zu geben, ist für die Mutter nicht nur mit massivem emotionalen Stress und ständigen Gewissensbissen verbunden. Hinzu kommt, dass sie im besten Fall von anderen Leuten „nur“ schräg angeschaut wird; im schlimmsten Fall, so selbst erlebt, klingelt eines Tages jemand vom Jugendamt, da irgendeine Person den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ausgesprochen hat. Eine Mutter, die ihr Kind früh fremd betreuen lässt, kann ja nicht ganz richtig im Kopf sein. Oder so.

Dabei ist es, wie bei vielem, für Außenstehende nicht nachvollziehbar, wie es ist, in so einer Extremsituation zu leben. Es tut weh und man verzweifelt an sich selbst. Der Vorschlag für eine Pflegefamilie war zu dem Zeitpunkt wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Aber, sie hatte Recht. Wir waren beide am Ende, körperlich und emotional und dazu noch traumatisiert vom eigenen Versagen.

Unser Rollentausch lief unter verschärften Bedingungen ab, dessen bin ich mir bewusst. Doch ich war, und das ist keine Übertreibung, nicht zuletzt wegen der ständigen Trennung von meinem Sohn und später beiden Kindern irgendwann einfach nur noch ein Nervenbündel und nicht mehr ich selbst.

Es endete wirklich hässlich, und ich kann von Glück sagen dass wir alle so glimpflich davon gekommen sind. Wobei, ob Sohn und Tochter irgendwelche Schäden von der ich nenne es mal „unkonventionellen Betreuungssituation“ davongetragen haben, werden wir wohl erst erfahren, wenn beide Kinder erwachsen sind.

Es endete wie es Enden musste. Wir beide haben unsere Lehren daraus gezogen und haben in der Retrospektive am Ende die einzig richtige Entscheidung getroffen, nämlich uns selbst einzugestehen, dass es so nicht funktioniert und die Konsequenzen gezogen.

Quizfrage: Ist es sexistisch, dass nahezu alle Kunden, Vertreter und sonstige Mitmenschen entweder meinen damaligen Partner oder meinen Bruder, der ebenfalls im Restaurant mithalf, für den Chef hielten, niemals jedoch mich? 😉

[EDIT] Es geht nicht klar hervor: Ich bin der Ansicht, dass ein Rollentausch durchaus funktionieren kann; Genauso wie dieser vielleicht unter anderen Umständen hätte funktionieren können. Doch es IST problematisch, da eine Mutter, die ihre Kinder fremdbetreuen lässt, immer von mehr oder weniger heftigen Schuldgefühlen und Verlustschmerz geplagt wird. Und: Es mag sein, dass wir theoretisch an dem Punkt angelangt sind, dass Frauen selbst wählen dürfen, ob sie lieber die Kinder betreuen oder lieber arbeiten gehen, doch praktisch wird man als arbeitende Mutter immer noch schief angeschaut.[/EDIT]

Ein erstes [persönliches] Geschlechterallerlei-Fazit.

Hier beim Geschlechterallerlei gibt es nicht so viele Frauen. Wenn ich richtig gezählt hab sind es gerade mal zwei. Woran das liegt? Ich weiß nicht. Ist das hier ein maskulistischer oder ein geschlechterübergreifender Gemeinschaftsblog?

Geschlechterthemen sind oft emotional belegt, daher wird immer mal wieder – zumindest nehme ich persönlich es so wahr – mit „harten Bandagen gekämpft.“ Beiderseits. Männlein und Weiblein schenken sich nichts. Natürlich ergeben sich oft genug auch sachliche Diskussionen, die spielen sich jedoch sehr oft zwischen zwei oder mehreren Diskussionspartnern des gleichen Geschlechts ab oder man beschränkt sich auf gegenseitiges „auf-die-Schulter-Klopfen“. Dazwischen Vorwürfe, Verallgemeinerungen, Herabwerten der jeweils anderen Seite und immer wieder bitterböser Zynismus. Doch das ist etwas, was ich generell an dieser ganzen „Geschlechterkampf„-Sache nicht nachvollziehen kann.

In der letzten Zeit habe ich mich, wie es meine Kapazitäten zuließen, etwas intensiver mit den Maskulisten beschäftigt, den einen oder anderen Blogeintrag plus einiger Kommentare gelesen, fand einiges davon gut, anderes wiederum nicht so, in jedem Fall war mein Ausflug in die Maskulistische Blogsphere sehr aufschlussreich für mich. Auch wen es bisher größtenteils noch recht oberflächlich ablief, doch für mehr reichte es einfach nicht. Feminismus gab ich mir nur sporadisch, wenn ich zufällig drübergestolpert bin. Vielleicht hole ich es bei Gelegenheit nach.

Ferner habe ich festgestellt, dass ich relativ merkbefreit bin, was Sexismus angeht. Hauptsächlich gegen Männer gerichteten Sexismus. Etwas empfindlicher bin ich – wer hätts gedacht – betreffend gegen Frauen gerichteten Sexismus. Was wohl ein Stück weit normal ist, ich denke ein Mensch fühlt sich wohl eher  dann angegriffen, wenn er oder sie sich mit der „Zielgruppe“ identifiziert.

Und: Ich kann bei vielen Themen, die hier aufgegriffen werden, einfach nicht mitreden, weil mich das Thema entweder nicht persönlich betrifft oder ich mich einfach noch nicht ausreichend damit auseinander gesetzt habe, um bei so viel Fachwissen [?] und Genderspeech etwas der Sache Dienliches beitragen zu können. So.
Seit einigen Tagen läuft auf KiKa wieder „die wilden Kerle“. Eine Serie für Kinder, bei der ich nicht so recht weiß, was ich davon halten soll. Ich nehme an, die Wilden Kerle sind jedem bekannt. In einer der ersten Folgen beschließt ein fußballbegeistertes Mädchen, sie heißt Vanessa – dass sie mit den „normalen“ Mädels nichts anfangen kann, und daher bei den Wilden Kerlen mitspielen möchte. Doch die Jungs wollen nichts davon wissen und versuchen, sie schnellstmöglich wieder von der Backe zu bekommen. Über Realismus in Kinderserien kann man natürlich diskutieren, ich für meinen Teil denke dass ein Körnchen Wahrheit in vielen Sendungen drinsteckt, wenngleich vieles maßlos übertrieben oder – siehe Disney – einfach nur falsch dargestellt wird und den Kindern ein ziemlich verqueres Weltbild  vermittelt. Doch zurück zu den Wilden Kerlen. Nachdem die Jungs Vanessa einige Male ziemlich übel mitgespielt haben schafft sie es, sich im Elfmeterschießen tatsächlich gegen alle Kerle zu behaupten, und verschafft sich auf diese Weise deren Respekt und das Recht, fortan ebenfalls ein „Wilder Kerl“ zu sein.

Also muss man sich, wenn man irgendwo mitspielen oder dazu gehören möchte, erst einmal „als würdig“ erweisen. Das klingt für mich legitim, zumindest wenn jemand nach Gleichberechtigung schreit. Daher glaube ich, kann ich ein Stück weit nachvollziehen, dass es Männern sauer aufstößt, wenn Frauen Feministinnen einerseits Gleichberechtigung! brüllen und im selben Atemzug nach Sonderbehandlung verlangen.

Ich muss sagen, ich kenne es eigentlich nur so, dass ich mein Zeug selbst mache. Nach der Realschule begann ich eine Ausbildung als Maler und Lackierer, und dort wurde jeder Azubi gleich behandelt. Mit den ganzen Anzüglichkeiten der Kollegen konnte ich damals überhaupt nichts anfangen, und ich stand mehr als einmal mit hochroten Ohren auf dem Gerüst, weil mir die Sprüche hochgradig unangenehm waren. Doch es half nichts, ich war das einzige Mädel auf der Baustelle und hatte daher genau zwei Optionen: Ohren auf Durchzug schalten und mich irgendwie durchbeißen, oder aber das Handtuch zu werfen. Vielleicht war es für mich nicht das Verkehrteste, ausgerechnet auf dem Bau ins Berufsleben zu starten, so bekam ich eine halbwegs realistische Vorstellung davon, was mich in meinem zukünftigen Leben unter Umständen so erwarten würde. Ich wählte die zweite Option und  kapitulierte nach einem halben Jahr. Zwar aus gesundheitlichen Gründen, doch wenn ich unbedingt gewollt hätte, hätte ich sicher irgend einen Weg gefunden, die verlorene Zeit nachzuholen. Was ich aber nicht tat.

Statt dessen begann ich eine zweite Ausbildung, diesmal als Konditorin. Irgendwann, es war noch ziemlich am Anfang meiner Lehrzeit, war der Zucker alle. Im Lager befanden sich Säcke mit Zucker. 50 kg schwere Säcke. Ich dachte mir nichts dabei und schleppte – unter Aufbietung sämtlicher Kräfte, aber immerhin: ich schaffte es – den Sack aus dem Lager im Keller nach oben in die Backstube. Und fing mir direkt einen Anpfiff von meiner Lehrmeisterin ein: ich sei ja wohl nicht ganz bei Trost, den schweren Sack selbst zu schleppen, wofür seien schließlich die Männer da. Ich habe sie angeschaut wie ein Auto, mir kam keine Sekunde lang in den Sinn, einen meiner männlichen Kollegen um Hilfe zu bitten. Ich schleppte die Säcke auch künftig selbst nach oben.

Ich habe es eigentlich immer möglichst so gehalten, dass ich ohne die Hilfe eines „starken Mannes“ zurecht kam. Welche Sonderbehandlung mir zuteil wird, ohne dass ich es bewusst wahrnehme, bzw. wie es ohne sie wäre, das kann ich natürlich nicht beurteilen.

Auch wenn mich zwischendurch kurz die Zweifel packten, ob ich hier an der richtigen Stelle bin: Ich finde nach wie vor interessant, hier so viele teils unterschiedliche Sichtweisen und auch Denkansätze auf einem Haufen zu erleben, und freue mich auf den ersten „regulären“ Blogmonat.