Warum ich als Mensch Feminismus kritisch sehe & Manöverkritik am Maskulismus.

Oder: Doppelmoral, wohin ich blicke.

In den vergangenen Wochen habe ich mich vermehrt mit Maskulismus und teilweise, wenn auch nicht ganz so intensiv, mit Feminismus beschäftigt. Ich las hauptsächlich verschiedenste Blogs, die Kommentare darunter und teilweise auch bei twitter.

Was ich vom Maskulismus las, erweckte auf mich größtenteils den Anschein, als seien Maskulisten tatsächlich an etwas wie Gleichberechtigung interessiert. Wiederholt las ich den Satz „gleiche Rechte – gleiche Pflichten“, was ich vollkommen legitim finde. Teilweise jedoch fand ich Maskulismus-intern heftige Kritik, welche die selbst ernannten „straighten“ Maskus an den ebenfalls selbst ernannten gemäßigten Maskulisten übten. Und umgekehrt. Hat für mich einen schalen Beigeschmack, wenn mann vorgibt, für die Rechte von mann zu kämpfen, allerdings nur so lange wie mann den selben straighten bzw. gemäßigten Weg geht wie man selbst. Ich stellte fest, bin wohl nicht die einzige, die sich darüber wundert.

Der Feminismus hat sich auf den ersten Blick ebenfalls die Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben. Bei genauerem Hinsehen allerdings entpuppt sich das scheinbare Streben nach Gleichberechtigung – zumindest in meiner Wahrnehmung – als Wunsch nach einer frauendominierten Gesellschaft, in welcher die Bedürfnisse des Mannes ganz klar hinter denen der Frau anzusiedeln sind.

Wie ich darauf komme?

Wenn ein nicht-feministisch eingestellter Mensch in einer Diskussion die [übrigens sehr reellen] männlichen Probleme anspricht, wird ihm „derailing“ vorgeworfen. Welche männlichen Probleme ich meine? Man denke an gesetzlich abgesegnete Beschneidung von männlichen Kindern unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit [haben die denn kein Recht auf körperliche Unversehrtheit frage ich mich?], an die hierzulande praktizierte Familienpolitik, nach der es für eine Mutter ohne weiteres möglich ist, dem Vater die Kinder vorzuenthalten bzw. den Kindern den Vater; Männer sind viel häufiger als Frauen Opfer von Gewalt, Männer sterben früher, es gibt mehr männliche als weibliche Obdachlose, „Mann=Täter“, und noch einige mehr die mir gerade auf Anhieb nicht einfallen. Ist denn all das unwichtig? Sind Jungs und Männer etwa keine Menschen?

Mein Sohn hat das Glück, dass seine Mutter keiner religiösen Überzeugung folgt, und schon gar nicht einer die besagt, dass ein Junge nur dann ein „richtiger“ Mann sein kann, wenn man ihm vorher die Vorhaut abschneidet.

Und last but not least die aktuellste und wohl mitunter lächerlichste Blüte, welche der Feminismus bzw die Arbeitsgruppe für „Feministisch Sprachhandeln“ der Humboldt-Universität in Berlin getrieben hat: die Silbe „er“ sollte im deutschen Sprachgebrauch durch a bzw x ersetzt werden. Und auch das Wort „Mann“ müsste eigentlich richtigerweise „M@nn“ heißen. Entmännlichung der Sprache. Soll das wirklich, ernsthaft nach Gleichberechtigung klingen?

Dagegen gibt es in Deutschland nicht mehr sooo viele Dinge, in denen Frauen benachteiligt werden. Mal überlegen, vielleicht fallen mir ja ein paar Beispiele ein. Oder vielleicht kann mir ja jemand von euch auf die Sprünge helfen? Bis auf das vielfach bemühte Patriarchat [dem ich selbst übrigens noch nicht begegnet bin, aber vielleicht bin ich einfach nur zu privilegiert?] mit seinen frauenunterdrückenden Herrschaftsstrukturen, welches laut Feminismus die Gleichberechtigung der Frau systematisch zu verhindern versucht, will mir einfach nichts einfallen. Aber wo sind Frauen [in Deutschland] denn wirklich benachteiligt? Im Beruf? Eher nicht. Frau kann lernen, studieren und arbeiten, wonach ihr gerade der Sinn steht. Gender pay gap? Bereinigt ergibt sich laut Wikipedia  ein Wert von 8%, und dieser Wert ergibt sich aus den unterschiedlichen Vorlieben bei der Berufswahl. Mädchen in Kindergarten und Schule? Auch nicht. „Mädchen sind sozialer, anpassungsfähiger und oftmals den gleichaltrigen männlichen Mitschülern voraus“, lautet nach wie vor die einhellige Meinung.
Stichwort „Teilzeitfalle“: 69% der berufstätigen Mütter arbeiten in Teilzeit. Ich bin eine von ihnen. Ich gehe derzeit einer Beschäftigung nach, die ich als „okay, aber leider  unterhalb meiner Qualifikation und daher unterbezahlt“ bezeichnen würde. Ich mache es nicht weil mich jemand dazu zwingt, sondern weil meine Verfügbarkeit, meine aufgrund Kindern mangelnde Flexibilität und der Arbeitsmarkt in unserer Gegend gerade nichts anderes zulassen. Natürlich kann ich mich jetzt über die Ungerechtigkeit beklagen, ich kann ich darüber aufregen dass in meiner Branche eben lieber Vollzeitkräfte eingestellt werden, die keine Kinder haben. Und ich könnte natürlich das Patriarchat dafür verantwortlich machen, schließlich ist mein Chef ja männlich. Aber ich tue es nicht.
Warum? Keine Ahnung, vielleicht weil ich mich nicht benachteiligt oder diskriminiert fühle. Weil ich durchaus etwas ändern könnte, wenn ich nur wollte. Hierzu fand ich den Beitrag Mythos Lohnschere von @wiemanindenwald sehr aufschlussreich.
Ich habe vor achteinhalb Jahren, als ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, eine Entscheidung getroffen. Die Entscheidung, das Kind auszutragen. Ich hatte mein Leben eigentlich ohne Kinder geplant, wollte Karriere machen, mir öfters mal etwas gönnen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Doch es kam anders, und es war für mich okay. Auch wenn es bedeutete, dass ich beruflich würde kürzer treten müssen. Dass sich meine Prioritäten bezüglich meiner weiteren Lebensgestaltung drastisch verschieben würden. Kurz: Wenn ich mich in großem Maße um Kinder und Haushalt würde kümmern wollen, müsste ich eben beruflich zurückstecken, weil nun deutlich weniger Kapazitäten hierfür zur Verfügung stünden.
Ich könnte natürlich, wenn ich denn wollen würde, mich jetzt deutschlandweit oder auch im nah gelegenen europäischen Ausland nach einer passenden Stelle umsehen und meine Familie „einfach“ mitnehmen. Ich bin mir sicher, etwas würde sich finden, doch meine Kinder würde ich aus ihrem sozialen Umfeld herausreißen und noch dazu würde ich ihnen durch einen Umzug in weite Ferne die Möglichkeit nehmen, ihren leiblichen Vater regelmäßig zu sehen. Es würden sich Veränderungen in meiner Partnerschaft ergeben, die nicht in meinem und vermutlich nicht im Sinne meines Partners sein dürften. Das alles möchte ich nicht, deshalb mache ich dieses berufliche Zugeständnis.

Stichwort Rente: Frauen sind heute häufiger von Altersarmut betroffen als Männer, doch tendenziell holen die männlichen Rentner auf. Und was Zeitarbeit, Niedriglöhne, alternde Gesellschaft plus niedrige Geburtenrate aus dem machen, was später unsere Rente sein soll, das mag ich mir ehrlich gesagt gar nicht ausmalen. Mit großer Wahrscheinlichkeit bin auch ich in 30 – 35 Jahren von Altersarmut betroffen, vielleicht schon früher. Aber: Mein Partner wird aufgrund seiner körperlichen Verfassung ziemlich sicher schon vor seinem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters erwerbsunfähig sein. Warum also sollen nur Frauen von staatlicher Unterstützung profitieren? Altersarmut ist kein „Frauenproblem“. Es ist ein Problem, das beide Geschlechter betrifft.

Reden wir mal über sexuelle Belästigung. Es IST scheisse, wenn mann ein „Nein“ nicht akzeptieren kann, oder auf eine Abfuhr herablassend oder beleidigend reagiert. Andererseits, wo genau verläuft denn die Grenze zwischen harmlosem Flirten und sexueller Belästigung? Ich für meinen Teil würde sagen, verbal anbaggern ja, anfassen nein. Wobei wohl hier jede Frau ihre eigene, höchst persönliche Grenze zieht. Frauen können übrigens auch ziemlich aufdringlich werden, aber das nur so am Rande. Interessanterweise hatte ich meinen einzigen unfreiwilligen sexuellen Kontakt nicht mit einem Mann sondern mit einer anderen Frau. Vermutlich kann ich mich glücklich schätzen, dass ich bis zum heutigen Tage noch nie von einem Mann angefasst wurde, ohne es tatsächlich gewollt zu haben.

Mann buhlt um die Gunst von Frau. So weit normal, zumindest in der Heterosexualität. Sollen Männer jetzt gänzlich damit aufhören, nur damit sie auch ja nicht Gefahr laufen, eine Grenze zu überschreiten?

Und wo wir gerade bei Grenzen sind, was ist mit den Frauen, die übergriffig werden? Was ist mit den Kindern, die von Frauen [Mutter, Tante, Erzieherin etc pp] missbraucht und/oder geschlagen werden? Die Fälle, die niemals zur Anzeige kommen, weil Frauen in unseren Köpfen eher Opfer als Täter sind? Was ist mit den männlichen Vergewaltigungsopfern, deren Fälle niemals zur Anzeige kommen geschweige denn publik werden, weil mann sich zu sehr schämt und aus [berechtigter] Angst vor Häme keine Anzeige erstattet? Tut hier nichts zur Sache weil anderes Thema? Ich finde, es tut sehr wohl etwas zur Sache, es ist schließlich das selbe Thema, nämlich „sexueller Missbrauch“. Ich für meinen Teil bin der Ansicht, Menschenrechte müssen für beide Geschlechter gleichermaßen gelten.

Wie war das nochmal, von allen angezeigten Vergewaltigern[!] werden nur 8,4% verurteilt? Ein #aufschrei ging durch twitter, doch ich will mir gar nicht anmaßen darüber zu urteilen, wieviele von diesen angezeigten Vergewaltigungen tatsächlich den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllen. Ja, es gibt tatsächlich Fälle, in denen eine Frau [aus welchen Gründen auch immer] eine Anzeige wegen Vergewaltigung stellt, ohne tatsächlich auch nur in irgendeiner Form zu etwas gezwungen oder genötigt worden zu sein. Und selbst wenn sie die Anzeige später zurück zieht, das Leben des fälschlicherweise Beschuldigten ist irreparabel geschädigt.

Was ist mit den Frauen, die ihre Kinder benutzen, um dem Exmann oder Expartner eins auszuwischen? Sind das Opfer? Muss man sie schützen? Ich selbst durfte bzw. musste erleben, welche Macht eine Mutter über das Kind und somit auch über den Vater hat. Meine eigene Mutter hat mich [ich muss schon sagen, unter anderem] auf eine solche Weise indoktriniert, so dass ich viele Jahre der festen Überzeugung war, mein Vater sei ein schlechter Mensch. Und alle anderen Männer übrigens auch.

Reden wir über Entscheidungsfreiheit. Stichwort Sexarbeit. Alice Schwarzer hat sich gegen Sexarbeit ausgesprochen, denn Prostitution kann niemals freiwillig geschehen. Damit entmündigt sie ausdrücklich jene Frauen, die diesem Gewerbe tatsächlich freiwillig nachgehen.

Stichwort Entmündigung: In einem feministischen Blog wird frau dazu aufgefordert, sich nicht als „Instrument partiarchalischer Machtstrukturen“ benutzen zu lassen. Ich finde diese Aufforderung ziemlich anmaßend, denn ausgerechnet der Feminismus hat sich doch der Entscheidungsfreiheit der Frau verschrieben. Oder etwa doch nicht…? Ich soll mich nicht vom Patriarchat instrumentalisieren lassen, wohl aber von einer Netzfeministin? Nur, weil sie zufällig selben Geschlechts ist wie ich, vertritt sie automatisch „meine“ Interessen? Darf ich nun selbst entscheiden, wie ich agieren möchte, was ich gut und was ich scheisse finden möchte, oder diktiert der Feminismus? Bin ich nicht mündig genug, um mir selbst ein Bild zu machen und selbst Schlüsse zu ziehen aus dem, was ich um mich herum erlebe? Brauche ich einen Feminismus, der sich durch Widersprüche, Rosinenpicken und hashtags wie #mackergohome und #killallmen selbst demontiert? Ganz klares Nein.

Ich lese häufig in feministischen Blogs, sie, also Feministinnen, würden Männer eigentlich gar nicht hassen. Das mag sein, doch auf jeden Fall scheinen sich viele [nicht alle!] Feministinnen darüber einig zu sein, dass das Patriarchat sehr wohl existiert, und sehr wohl für unzählige [wenn nicht gar alle] Frauenprobleme verantwortlich ist. Und Frauen Feministinnen haben sehr wohl das Recht, #killallmen zu schreien, weil schließlich ist das ja gar nicht so gemeint und eigentlich nur eine logische Konsequenz dessen, was sie durch das Patriarchat schon alles erdulden mussten. Nochmal zum Patriarchat: Ich kenne einige Männer, darunter meinen Partner, diverse Expartner, den Vater meiner Kinder, meinen eigenen Vater, meine Brüder und etliche andere. Aber das Patriarchat kenne ich nicht. Ich kenne allerdings Menschen, die ihre Machtposition ausnutzen, welche sie anderen Menschen gegenüber inne haben. Und diese Personen sind mal weiblichen und mal männlichen Geschlechts.

Worauf ich hinaus will: Feminismus ist dort wichtig, wo Frauen tatsächlich unterdrückt werden. Dies geschieht vielerorts, ohne Frage, und es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen zwangsverheiratet, vergewaltigt, oder anderweitig unterdrückt werden. Wo Menschenrecht mit Füßen getreten wird, muss gegengesteuert werden. Aber ich wage zu behaupten, dass es in Deutschland [und nicht nur dort, man denke an die Anti-Homosexuellenpolitik in Russland sowie einigen Ländern Afrikas und der arabischen Welt]  eher solche Probleme gibt, die beide Geschlechter betreffen, und dass einer Frau hierzulande entgegen anders lautenden Behauptungen die selben Rechte eingeräumt werden wie einem Mann. Plus dem einen oder anderen Privileg.

Bei meinem letzten Blogeintrag wurde ich in den Kommentaren von @neuer Peter gefragt, ob es ein Schlüsselerlebnis gegeben hätte oder warum ich mir um die Zukunft meines Sohnes mehr Sorgen mache als um die meiner Tochter.
Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht. Es gab nicht das eine Schlüsselerlebnis. Es war das Gesamtbild, welches im Laufe der letzten Monate entstand, während ich alles mögliche an Feminismus-, Maskulismus- und Gender-Input in mich aufnahm. Und was @Zuerst Mensch neulich schrieb, bestätigte mein mieses Gefühl auf erschreckende Art und Weise.

Abschließend möchte ich noch los werden, dass es auf diese Weise in meinen Augen nicht funktionieren wird. Wenn jeder, der „vom Weg abweicht“, zur Zielscheibe wird für ausufernde Hasstiraden, dann hat wohl keiner wirklich begriffen, dass an irgend einer Stelle mal jemand mit dem „Miteinander“ anfangen muss. Weil der Graben sonst einfach immer nur noch größer wird. Wenn jeder nur „seine oder ihre eigenen“ Belange sieht, ist in den eigenen Augen immer nur man selbst das Opfer. Und „die Anderen“ sind schuld. Sie „schaden der Sache“. „Die haben aber angefangen!“ bzw. „Die machen das aber auch!!!!111elf“ Oder oder oder [hier beliebige Beschuldigung einfügen].

Regelmäßig, wenn ich meinen Kindern [sechs und sieben Jahre alt] beim Streiten zuhöre, werde ich unangenehm an so manches Verhaltensmuster erinnert, was ich Feminismus-/Maskulismus-intern bzw. zwischen den Fronten erleben durfte. Dort wurde vollkommen unreflektiert verbal aufeinander eingedroschen, ohne dass eine der beiden Parteien jemals gemerkt hätte, dass sie nichts anderes tut als der Gegenseite das eigene Verhalten zum Vorwurf zu machen, und jeder muss das letzte Wort haben bzw. noch eins draufsetzen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass auf diese Weise irgendwelche männerrechtlich relevanten Ziele erreicht werden.

Warum ich mich mit Geschlechterthemen beschäftige und was ich damit zu erreichen hoffe

Ja, warum tue ich das?

Erstens, ganz simpel, um meine Neugier zu befriedigen.

Zweitens, da ich zwei Kinder habe. Und nicht möchte, dass mein Sohn aufgrund seines Geschlechts benachteiligt wird. Weil bei meiner Tochter muss ich mir diesbezüglich ja keine Sorgen machen. [Und DAS wurde mir tatsächlich erst vor kurzem so richtig bewusst.]

Drittens. Ich weiß nicht, ob und wenn ja was ich überhaupt erreichen kann. Es muss sich die Wahrnehmung und das Bewusstsein diesbezüglich ändern, damit zumindest etwas in der Art wie eine „Gleichberechtigung“ eintritt. Denn in vielen Köpfen hängt tatsächlich noch immer das Rollenklischee „Mann=Täter“ und „Frau=Opfer“ fest.

Tatsächlich ist es natürlich viel komplexer. Gewalt wird von Frau – wieder nur meine eigene Annahme aufgrund von eigener Erfahrung – genauso häufig ausgeübt wie von Mann. Nur oftmals – nicht immer – auf eine andere Art und Weise.

Zum Thema Frau vergeht sich an Mann fällt mir gerade eine Geschichte ein, die mir ein guter Freund einmal erzählt hat. Er muss derart besoffen gewesen sein, dass er nach der Sauftour zuhause direkt umgekippt ist. Er hatte eine junge Frau dabei, die sich daraufhin an ihm zu schaffen machte, ihm ein Kondom überzog und ohne sein [bewusstes] Zutun mit ihm Geschlechtsverkehr hatte. Er selbst bekam von allem nichts mit, doch als er am darauf folgenden Morgen neben ihr aufwachte und sie nackt neben sich liegen sah, fragte er sie, was passiert sei, und auf sein wiederholtes Fragen gab sie die Tat zu und zeigte sogar das benutzte Kondom.

Dies erfüllt  laut § 177 den Strafbestand der Vergewaltigung. Er erstattete keine Anzeige.

Ein Rollentausch – oder wie es nicht funktioniert[e].

Um das Thema „Der Mann als Haupternährer“ wird vielerorts hitzig diskutiert; es steht die Frage im Raum, warum trotz emanzipierter Frauen immer noch so viele Männer Haupt- wenn nicht gar Alleinverdiener innerhalb der Familie sind.

Zu diesem Thema möchte ich euch etwas erzählen. Und zwar von meinem eigenen Versuch, den Part des Hauptverdieners zu übernehmen. Allerdings erzähle ich es nicht alleine; ich bat den Vater meiner Kinder, die Erzählung zu lesen und ggf. zu ergänzen. Der kursive Teil ist daher von ihm.

Es ergab sich durch eine Verkettung nicht-ganz-so-ideal geplanter Ereignisse, welchen natürlich meine eigenen Entscheidungen zugrunde lagen, dass ich im Alter von 26 Jahren aus Österreich zurück nach Deutschland kam. Ich war schwanger und arbeitslos, der Vater des ungeborenen Kindes steckte noch mitten im Studium.

Nur wenige Monate zuvor hatte ich den theoretischen, praktischen und mündlichen Teil der Meisterprüfung im Konditorenhandwerk abgelegt, nun trennten mich von meinem Meisterbrief noch der Unternehmer- sowie der Ausbilderkurs. Doch dies lag vorerst auf Eis, meine finanziellen Reserven waren mittlerweile nahezu gänzlich aufgebraucht, und ich überlegte, womit wir wohl weiterhin unseren Lebensunterhalt bestreiten würden.

Für eine schwangere Frau ist es aus Kostengründen für den Unternehmer quasi unmöglich, eine Vollzeitstelle zu finden. Dennoch hatte ich fürchterliche Angst davor, ins Hartz IV abzurutschen. ALG I bekam ich keins, obwohl ich in Salzburg während der letzten fünfeinhalb Jahre nahezu ununterbrochen in Vollzeit beschäftigt gewesen war. Doch, so teilte man mir auf der ARGE mit, ich sei ein „Präzedenzfall“ und man könne leider außer ALG II nichts für mich tun. Na toll. Zurück nach Salzburg zu gehen kam für mich nicht in Frage. Also sah ich mich um und fand einen 400 € Job, als Servicefahrerin für ein Schnellrestaurant mit Lieferservice. Das Restaurant gehörte zu einer Kette, die einst deutschlandweit vertreten war, welche jedoch ihre Glanzzeit bereits hinter sich hatte.

Ich übernahm den Job, schließlich hatte ich das während meiner Lehrzeit nebenberuflich schon einmal getan, um eine teure Autoreparatur zu finanzieren. Der Vater des Kindes fand zu der Zeit einen Minijob in einer Tankstelle, und so jobbten wir eine zeitlang vor uns hin. Mit Hilfe unserer Familien schlugen wir uns mehr schlecht als recht „halt irgendwie so durch“.

Es war auch eine Zeit, in der ich das Studieren nicht aufgeben wollte – ja, beurlauben vom Studium, das war möglich, habe ich dann auch für 4 Semester getan. Das war auch einer der Gründe, warum ich nicht Vollzeit arbeiten gehen konnte. Ich hätte meinen Status als Vollzeitstudent verloren, wäre vielleicht sogar exmatrikuliert worden. Zusätzlich bekam ich noch Halbwaisenrente, die hätte ich auch verloren. Das Geld, dass wir so zusammen kratzten, reichte gerade mal für die Miete und etwas zu Essen, aber wenn jetzt noch ein Kind unterwegs ist…

Eines Tages hing ein Zettel an der Tür des Schnellrestaurants. Man suchte einen neuen Pächter, und ich überlegte für einige Sekunden, ob das für uns nicht eine Chance sein könnte. Doch genau so schnell verwarf ich die Idee wieder; wer würde mir schon Geld geben, so ganz ohne Rücklagen oder Sicherheiten.

An diesem Tag besprach ich die Neuigkeiten mit meinem damaligen Partner, und gemeinsam beschlossen wir, es dennoch zu wagen. Mehr als nein sagen konnten die Franchisegeber schließlich nicht.

Wir waren jung, von unserer Unfehlbarkeit überzeugt. Wir glaubten, zu zweit schaffen wir alles. Das Geschäft wird ein Selbstläufer, schließlich kennen wir uns ja aus… wie naiv wir da waren…

Wider Erwarten wurden wir zu einem „Vorstellungsgespräch“ eingeladen. Nach dem Gespräch verließ ich das Gebäude mit dem Gefühl, hätte ich den Lizenzgebern das Geld bar auf den Tisch legen können, ich hätte auf der Stelle eine Zusage plus Vertrag erhalten.

Doch ganz so einfach war es nicht. Irgendwie schafften wir es, einige Tausend Euro Startkapital aufzutreiben, was für die Gründung eines Unternehmens lächerlich wenig ist. Doch mehr war nicht drin, und so versuchten wir unser Glück mit dem Wenigen, was wir hatten.

Uns wurden wundervolle Zahlen vorgelegt, vom Vorpächter und von den Franchisegebern. Wir haben damit gerechnet, und gerechnet, und gerechnet… und kamen zu dem Schluss, wir persönlich müssten maximal ein Jahr drinstehen, zumindest beide. Sie, als Chefin hatte mehr von der Last zu tragen. Sie hat auch so ziemlich alles unterschrieben, für mich war eher angedacht, ich mach ein Jahr Studienpause. An der Uni gibt es ja Kinderkrippen, und jede Vorlesung muss ich auch nicht besuchen. Ein Jahr, und ich bin wieder im Studium…

Sieben Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin fiel also der Startschuss meines Unternehmens. Wir hatten beschlossen, dass unser Sohn zum Teil vom Vater und zum Teil von den beiden Omas betreut werden würde. Ich selbst würde mich hauptsächlich um das Restaurant kümmern, schließlich hatte ich die Verträge unterschrieben und trug somit sämtliche Verantwortung für den Restaurantbetrieb.

Da es einen „fliegenden [Pächter-]Wechsel“ gegeben hatte, lief unser Einstieg in die Branche recht unspektakulär und sechs Wochen später an einem Sonntag machte sich unser Sohnemann auf den Weg. Fünf Tage nach der Entbindung ging ich schon wieder arbeiten.

Ich schildere das ganze recht nüchtern, denn ich könnte das emotionale Chaos, welches zu der Zeit in mir herrschte, nicht einmal ansatzweise beschreiben. Ich wäre ZU gern bei meinem Sohn zuhause geblieben – den Hormonen sei es gedankt. Doch alles war doch ganz anders geplant, wer hätte meinen Posten im Betrieb übernehmen sollen? Daher ging ich – schweren Herzens – tatsächlich kurze Zeit nach der Geburt meines Sohnes wieder Vollzeit arbeiten, und hoffte einfach, dass er das einigermaßen würde wegstecken können. Schließlich hatte er ja Papa, Oma oder die andere Oma, und wurde von denen liebgehabt und war bestens versorgt.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Als Sohnemann fünf Monate alt war, wurde ich erneut schwanger, das Resultat ist meine entzückende Tochter. Nach einem dreieinhalb Jahre andauernden Ausflug in die Selbständigkeit fuhr ich das Unternehmen, mittlerweile hochverschuldet und seelisch sowie körperlich komplett ausgebrannt, gegen die Wand, suchte [mit Einverständnis des Vaters, der nach unserer Trennung ebenfalls am Ende seiner Kräfte angelangt war] für die beiden Kinder eine Vollpflegestelle und versuchte, irgendwie wieder zu Kräften zu kommen und schnellstmöglich in einen normalen Lebensrhythmus zu finden.

Am Anfang funktionierte auch alles wunderbar. Wir waren motiviert, die Aufteilung funktionierte, auch was das Nachts aufstehen anging oder das Babysitten. Als die Tochter dann da war und es im Geschäft nicht so funktionierte wie geplannt, hatten wir erst Au Pair Mädchen (die erste verliess uns nach 3 Monaten wieder wegen einer Herz OP, die zweite hat sich illegal nach Frankreich abgesetzt…) und dann eine Tagesmutter. Zusätzliches Personal konnten wir uns in dem Maße wie am Anfang gar nicht mehr leisten, also stand ich auch länger im Geschäft…je nachdem 8-13 Stunden am Tag, Ruhetage gab es keine. Freizeit wurde zum absoluten Luxus. Gute Stimmung gab es privat auch nicht mehr…

Der Burnout war vor programmiert. Sie hat ja schon nach einem Jahr gefragt, ob die Entscheidung richtig war, den Laden zu übernehmen. Und ich habe sie davon versucht zu überzeugen, dass es das war. Aber ehrlich gesagt, überzeugt war ich davon auch nicht. Nur kam die Einsicht, wie bei vielem damals, einfach zu spät.

Was ich damit sagen möchte: Ein Kind frühzeitig in die Fremdbetreuung zu geben, ist für die Mutter nicht nur mit massivem emotionalen Stress und ständigen Gewissensbissen verbunden. Hinzu kommt, dass sie im besten Fall von anderen Leuten „nur“ schräg angeschaut wird; im schlimmsten Fall, so selbst erlebt, klingelt eines Tages jemand vom Jugendamt, da irgendeine Person den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ausgesprochen hat. Eine Mutter, die ihr Kind früh fremd betreuen lässt, kann ja nicht ganz richtig im Kopf sein. Oder so.

Dabei ist es, wie bei vielem, für Außenstehende nicht nachvollziehbar, wie es ist, in so einer Extremsituation zu leben. Es tut weh und man verzweifelt an sich selbst. Der Vorschlag für eine Pflegefamilie war zu dem Zeitpunkt wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Aber, sie hatte Recht. Wir waren beide am Ende, körperlich und emotional und dazu noch traumatisiert vom eigenen Versagen.

Unser Rollentausch lief unter verschärften Bedingungen ab, dessen bin ich mir bewusst. Doch ich war, und das ist keine Übertreibung, nicht zuletzt wegen der ständigen Trennung von meinem Sohn und später beiden Kindern irgendwann einfach nur noch ein Nervenbündel und nicht mehr ich selbst.

Es endete wirklich hässlich, und ich kann von Glück sagen dass wir alle so glimpflich davon gekommen sind. Wobei, ob Sohn und Tochter irgendwelche Schäden von der ich nenne es mal „unkonventionellen Betreuungssituation“ davongetragen haben, werden wir wohl erst erfahren, wenn beide Kinder erwachsen sind.

Es endete wie es Enden musste. Wir beide haben unsere Lehren daraus gezogen und haben in der Retrospektive am Ende die einzig richtige Entscheidung getroffen, nämlich uns selbst einzugestehen, dass es so nicht funktioniert und die Konsequenzen gezogen.

Quizfrage: Ist es sexistisch, dass nahezu alle Kunden, Vertreter und sonstige Mitmenschen entweder meinen damaligen Partner oder meinen Bruder, der ebenfalls im Restaurant mithalf, für den Chef hielten, niemals jedoch mich? 😉

[EDIT] Es geht nicht klar hervor: Ich bin der Ansicht, dass ein Rollentausch durchaus funktionieren kann; Genauso wie dieser vielleicht unter anderen Umständen hätte funktionieren können. Doch es IST problematisch, da eine Mutter, die ihre Kinder fremdbetreuen lässt, immer von mehr oder weniger heftigen Schuldgefühlen und Verlustschmerz geplagt wird. Und: Es mag sein, dass wir theoretisch an dem Punkt angelangt sind, dass Frauen selbst wählen dürfen, ob sie lieber die Kinder betreuen oder lieber arbeiten gehen, doch praktisch wird man als arbeitende Mutter immer noch schief angeschaut.[/EDIT]

Ein erstes [persönliches] Geschlechterallerlei-Fazit.

Hier beim Geschlechterallerlei gibt es nicht so viele Frauen. Wenn ich richtig gezählt hab sind es gerade mal zwei. Woran das liegt? Ich weiß nicht. Ist das hier ein maskulistischer oder ein geschlechterübergreifender Gemeinschaftsblog?

Geschlechterthemen sind oft emotional belegt, daher wird immer mal wieder – zumindest nehme ich persönlich es so wahr – mit „harten Bandagen gekämpft.“ Beiderseits. Männlein und Weiblein schenken sich nichts. Natürlich ergeben sich oft genug auch sachliche Diskussionen, die spielen sich jedoch sehr oft zwischen zwei oder mehreren Diskussionspartnern des gleichen Geschlechts ab oder man beschränkt sich auf gegenseitiges „auf-die-Schulter-Klopfen“. Dazwischen Vorwürfe, Verallgemeinerungen, Herabwerten der jeweils anderen Seite und immer wieder bitterböser Zynismus. Doch das ist etwas, was ich generell an dieser ganzen „Geschlechterkampf„-Sache nicht nachvollziehen kann.

In der letzten Zeit habe ich mich, wie es meine Kapazitäten zuließen, etwas intensiver mit den Maskulisten beschäftigt, den einen oder anderen Blogeintrag plus einiger Kommentare gelesen, fand einiges davon gut, anderes wiederum nicht so, in jedem Fall war mein Ausflug in die Maskulistische Blogsphere sehr aufschlussreich für mich. Auch wen es bisher größtenteils noch recht oberflächlich ablief, doch für mehr reichte es einfach nicht. Feminismus gab ich mir nur sporadisch, wenn ich zufällig drübergestolpert bin. Vielleicht hole ich es bei Gelegenheit nach.

Ferner habe ich festgestellt, dass ich relativ merkbefreit bin, was Sexismus angeht. Hauptsächlich gegen Männer gerichteten Sexismus. Etwas empfindlicher bin ich – wer hätts gedacht – betreffend gegen Frauen gerichteten Sexismus. Was wohl ein Stück weit normal ist, ich denke ein Mensch fühlt sich wohl eher  dann angegriffen, wenn er oder sie sich mit der „Zielgruppe“ identifiziert.

Und: Ich kann bei vielen Themen, die hier aufgegriffen werden, einfach nicht mitreden, weil mich das Thema entweder nicht persönlich betrifft oder ich mich einfach noch nicht ausreichend damit auseinander gesetzt habe, um bei so viel Fachwissen [?] und Genderspeech etwas der Sache Dienliches beitragen zu können. So.
Seit einigen Tagen läuft auf KiKa wieder „die wilden Kerle“. Eine Serie für Kinder, bei der ich nicht so recht weiß, was ich davon halten soll. Ich nehme an, die Wilden Kerle sind jedem bekannt. In einer der ersten Folgen beschließt ein fußballbegeistertes Mädchen, sie heißt Vanessa – dass sie mit den „normalen“ Mädels nichts anfangen kann, und daher bei den Wilden Kerlen mitspielen möchte. Doch die Jungs wollen nichts davon wissen und versuchen, sie schnellstmöglich wieder von der Backe zu bekommen. Über Realismus in Kinderserien kann man natürlich diskutieren, ich für meinen Teil denke dass ein Körnchen Wahrheit in vielen Sendungen drinsteckt, wenngleich vieles maßlos übertrieben oder – siehe Disney – einfach nur falsch dargestellt wird und den Kindern ein ziemlich verqueres Weltbild  vermittelt. Doch zurück zu den Wilden Kerlen. Nachdem die Jungs Vanessa einige Male ziemlich übel mitgespielt haben schafft sie es, sich im Elfmeterschießen tatsächlich gegen alle Kerle zu behaupten, und verschafft sich auf diese Weise deren Respekt und das Recht, fortan ebenfalls ein „Wilder Kerl“ zu sein.

Also muss man sich, wenn man irgendwo mitspielen oder dazu gehören möchte, erst einmal „als würdig“ erweisen. Das klingt für mich legitim, zumindest wenn jemand nach Gleichberechtigung schreit. Daher glaube ich, kann ich ein Stück weit nachvollziehen, dass es Männern sauer aufstößt, wenn Frauen Feministinnen einerseits Gleichberechtigung! brüllen und im selben Atemzug nach Sonderbehandlung verlangen.

Ich muss sagen, ich kenne es eigentlich nur so, dass ich mein Zeug selbst mache. Nach der Realschule begann ich eine Ausbildung als Maler und Lackierer, und dort wurde jeder Azubi gleich behandelt. Mit den ganzen Anzüglichkeiten der Kollegen konnte ich damals überhaupt nichts anfangen, und ich stand mehr als einmal mit hochroten Ohren auf dem Gerüst, weil mir die Sprüche hochgradig unangenehm waren. Doch es half nichts, ich war das einzige Mädel auf der Baustelle und hatte daher genau zwei Optionen: Ohren auf Durchzug schalten und mich irgendwie durchbeißen, oder aber das Handtuch zu werfen. Vielleicht war es für mich nicht das Verkehrteste, ausgerechnet auf dem Bau ins Berufsleben zu starten, so bekam ich eine halbwegs realistische Vorstellung davon, was mich in meinem zukünftigen Leben unter Umständen so erwarten würde. Ich wählte die zweite Option und  kapitulierte nach einem halben Jahr. Zwar aus gesundheitlichen Gründen, doch wenn ich unbedingt gewollt hätte, hätte ich sicher irgend einen Weg gefunden, die verlorene Zeit nachzuholen. Was ich aber nicht tat.

Statt dessen begann ich eine zweite Ausbildung, diesmal als Konditorin. Irgendwann, es war noch ziemlich am Anfang meiner Lehrzeit, war der Zucker alle. Im Lager befanden sich Säcke mit Zucker. 50 kg schwere Säcke. Ich dachte mir nichts dabei und schleppte – unter Aufbietung sämtlicher Kräfte, aber immerhin: ich schaffte es – den Sack aus dem Lager im Keller nach oben in die Backstube. Und fing mir direkt einen Anpfiff von meiner Lehrmeisterin ein: ich sei ja wohl nicht ganz bei Trost, den schweren Sack selbst zu schleppen, wofür seien schließlich die Männer da. Ich habe sie angeschaut wie ein Auto, mir kam keine Sekunde lang in den Sinn, einen meiner männlichen Kollegen um Hilfe zu bitten. Ich schleppte die Säcke auch künftig selbst nach oben.

Ich habe es eigentlich immer möglichst so gehalten, dass ich ohne die Hilfe eines „starken Mannes“ zurecht kam. Welche Sonderbehandlung mir zuteil wird, ohne dass ich es bewusst wahrnehme, bzw. wie es ohne sie wäre, das kann ich natürlich nicht beurteilen.

Auch wenn mich zwischendurch kurz die Zweifel packten, ob ich hier an der richtigen Stelle bin: Ich finde nach wie vor interessant, hier so viele teils unterschiedliche Sichtweisen und auch Denkansätze auf einem Haufen zu erleben, und freue mich auf den ersten „regulären“ Blogmonat.

„Männer stehen auf Schlampen.“ Echtjetz?

Im Zuge einer Diskussion bei Christian – Alles Evolution wurde in einem Kommentar behauptet, Männer stünden auf Schlampen und dahingehend seien promiske Frauen nicht benachteiligt.

Mich interessiert: Stimmt das wirklich?

Ich für meinen Teil habe es in meiner Hörner-abstoß-Phase, welche sich zwischen meinem siebzehnten und zwanzigsten Lebensjahr abspielte, folgendermaßen erlebt:

Ich hatte, wann immer ich Single war, mehr oder weniger regelmäßig wechselnde Sexualpartner. Ab einer gewissen Anzahl an One Night Stands, aus denen ich keinen Hehl machte und irgendwie auch gar nicht machen konnte, da sich vieles im selben Bekanntenkreis abspielte, hatte ich den Ruf weg, ich sei leicht zu haben. Das stimmte auch, irgendwie. Wenn ich Lust darauf hatte, ließ ich mich auf die Avancen ein, welche ein potentieller Sexualpartner machte, und hin und wieder übernahm ich selbst die Initiative. Doch ich merkte, dass sich mein Ruf bald verselbständigte bzw. mir vorauszueilen begann, und das war der Moment wo es anfing, hässlich zu werden.

Es war nie ein Problem, einen Sexualpartner zu finden. Doch wer will eine Schlampe als Freundin? Eine, über die schon mindestens einer oder gar mehrere aus der Clique oder dem Bekanntenkreis „drüber gerutscht“ ist? Davon, dass einer [jungen] Frau beim Knüpfen neuer Bekanntschaften möglicherweise der Ruf, eine Schlampe zu sein, massiv im Weg stehen könnte, hat wohl noch keiner von den Verfechtern der „Männer-stehen-auf-Schlampen“-Theorie etwas gehört.

Meine Erfahrungen zusammengefasst: Männer stehen auf Schlampen? Was reinen Sex angeht meist ja, für eine Beziehung lieber nicht.

Was sagt ihr dazu?

Zu meiner Moderation möchte ich Folgendes loswerden:
Ich habe schnell festgestellt, dass hier beim Geschlechterallerlei öfters mal scharf geschossen wird. Der eine ist empfindlicher was sexistische Aussagen angeht, ein Anderer wiederum nimmt an der selben Aussage keinerlei Anstoß.

Es liegt nicht in meiner Absicht, jemandem durch sexistische Aussagen zu nah zu treten.

Falls jemand von den Lesern sich dennoch durch eventuell vorhandenen Sexismus gestört oder gar angegriffen fühlt, darf er oder sie das gerne äußern. Es kommt jedoch auf die Art und Weise an, ob ich überhaupt darauf antworte.

Ich bitte darum, sachlich zu bleiben.

 

Dürfen Jungs weinen?

Dieses Video bringt die Problematik ganz gut rüber, wie ich finde.

Hierzu möchte ich euch etwas erzählen, was sich vor etwa zweieinhalb Jahren in unserem Kindergarten zugetragen hat.

Mein Sohn, damals noch nicht ganz oder gerade eben fünf Jahre alt, bekam einen neuen Platz in der Garderobe zugewiesen und war momentan mit der Situation überfordert. Er steigerte sich in einen waschechten Heulkrampf hinein.

Eine andere Mutter, deren Sohn etwa im selben Alter ist wie meiner, begann damit, dass sie uns schräg anschaute. Als nächstes begann sie, auf meinen Sohn einzureden, so à la „Was regst du dich denn auf, schau mal, die anderen Kinder weinen doch auch nicht!“ und schloss mit der Feststellung „Du bist ein Junge und Jungs weinen nicht!“ Dass ich gerade dabei war, beruhigend auf ihn einzureden, ignorierte sie dabei geflissentlich. Ich informierte sie darüber, dass ich das mit meinem Sohn ganz gut allein klären kann und damit war die Sache für mich erledigt.

Einige Tage später holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab, und der Sohn von der oben erwähnten Mama wurde ebenfalls von ihr abgeholt. Er kam weinend aus dem Kindergarten gelaufen, doch anstatt ihn zu trösten rügte sie ihn und befahlt ihm, er solle aufhören zu heulen, denn Jungs weinten schließlich nicht.

Es ist natürlich ihre Sache, ob sie ihren Sohn tröstet oder zusammenscheißt, wenn er weint. Doch innerlich wühlte mich dieser Vorfall ziemlich auf, denn ich selbst bezeichne meinen Sohn nicht als Heulsuse, wenn er weint. Ich tröste ihn. Dies hat mit meiner gesamten Erziehungs-Philosophie zu tun, welche ich nach Marshall B. Rosenbergs „gewaltfreier Kommunikation“ gestalte. Zumindest versuche ich es nach Kräften, und natürlich gilt auch hier: mal gelingt es mir besser, und mal nicht so gut.

Mich interessieren an dieser Stelle vor allem folgende Fragen:
1) An diejenigen von euch, die selbst Kinder haben: Wie handhabt ihr das, speziell bei euren Jungs? Tröstet ihr sie, wenn sie weinen? Wertet ihr das Weinen als „weibisch“ ab? Oder wie reagiert ihr?
2) An die Männer: Weint ihr auch mal, wenn euch etwas emotional berührt?
3) An die Frauen [und natürlich auch die Männer]: Wie findet ihr das, wenn ein Mann weint? Ist es für euch okay oder eher no-go?

Ich selbst halte nichts davon, Gefühlsäußerungen zu unterdrücken. Klar, im Berufsleben braucht es Professionalität und keine Gefühlsduselei. Wobei man hier, je nach Beruf, auch mal eine Ausnahme machen kann. Und wer bietet schon gern in der Öffentlichkeit eine Angriffsfläche, indem er oder sie vor aller Augen weint. Ich jedenfalls nicht. Aber innerhalb der Familie? Kann mann es wagen? Oder widerspricht es dem, was gemeinhin unter „Männlichkeit“ verstanden wird? Kann man – soll man – daran etwas ändern oder ist es zu  fest in unseren Köpfen verankert?

Evilmichi stellt sich vor.

Hallo allerseits!

Ich heiße Michaela, bin Baujahr ´79, Konditormeisterin und Mama von zwei Kindern im Alter von sechs und sieben Jahren. Lebe mit meinem Partner sowie Sohn und Tochter glücklich [wenn auch öfters mal schwer angenervt] in einer Art Patchworksituation, aus welcher sich zwangsläufig immer wieder unzählige Konflikte ergeben, die es zu lösen oder zumindest zu entschärfen gilt.

In erster Linie bin ich natürlich hier, weil mich das Geschlechterallerlei an sich interessiert. Warum es zwischen Männlein und Weiblein so viel Reibungspotential gibt und wie man möglicherweise die Kommunikation zwischen den Geschlechtern verbessern könnte.

Mein Interesse liegt aus persönlichen Gründen nicht zuletzt im Grundstein des Miteinanders, der ein Stück weit natürlich in der Kindheit gelegt wird: Stichwort Beziehungs- und Erziehungsverhalten der Eltern und natürlich ferner des nahen Umfelds.

Daher werde ich mich zumindest das eine oder andere Mal mit der Frage auseinandersetzen, warum eigentlich Jungs und Mädchen so unterschiedlich behandelt werden, welches Verhalten tatsächlich genetisch bedingt ist und welches durch die unterschiedlichen Arten der Sozialisation verursacht wird.

Was gibt es noch über meine Person zu sagen?

Ich halte mich eigentlich nicht für eine Feministin, jedoch bekam ich von meiner [Emma lesenden] Mutter den Gedanken der Gleichberechtigung und im speziellen der Unabhängigkeit der Frau quasi „eingeimpft“; Vielleicht bin ich durch und durch Feministin und nehme es einfach nicht bewusst wahr. Ist ja immer so eine Sache mit der Eigenwahrnehmung. Jedenfalls mache ich mir nicht allzu viele Gedanken über den Feminismus an sich oder inwiefern ich möglicherweise Vor- oder Nachteile wegen meines Geschlechts erlebe.

Was ich stellenweise nur sehr schwer nachvollziehen kann, ist der Kampf, welcher zwischen den Lagern „Feminismus“ und „Maskulismus“ entbrannt ist, das Rosinenpicken vieler Feministinnen sowie das Verallgemeinern und Herabwerten des jeweils anderen Geschlechts. Muss man wirklich gegeneinander kämpfen? Oder, naiv gefragt: ginge es „miteinander“ vielleicht besser?

Eigentlich versuche ich immer, beide Seiten zumindest bis zu einem gewissen Grad zu verstehen bzw. nachzuvollziehen. Wobei ich natürlich nicht aus meiner Haut kann und daher vielleicht nur leidlich über meinen Tellerrand hinausblicke.

Von mir wird man hier jedenfalls keine radikal feministischen Aussagen zu lesen bekommen. Zumindest nicht absichtlich. 😉