Das Blick-Embargo

Werden Frauen über 50 diskriminiert, weil sie nicht mehr so viele bewundernde Blicke von Männern erhaschen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die „Kolume Später: Der Nichtblick des Mannes“ in der taz. Eigentlich war dieser Beitrag als Kommentar auf der taz-Website geplant, aber da er immer länger wurde, veröffentliche ich ihn hier. Hier nun also meine Erwiderung:

Ihr Frauen habt echt Probleme. Erst ist es Euch zuviel, dann ist es Euch zuwenig. Und natürlich sind immer wir Männer Schuld. Nur weil wir eben die Frauen anschauen, die uns gefallen, und die ignorieren, die uns nicht gefallen. Wie sexistisch! Wie Schönheitsnormen-zementierend!

Nur: Die Schönheitsnormen haben nicht wir gemacht, das ist schlicht Biologie und Evolution. Ja, mal sind die Molligeren mehr angesagt, mal die Schlanken, das ist wohl kulturell bedingt. Aber was sich nie geändert hat und auch nicht ändern wird, weil es m.E. biologisch bedingt ist, ist, dass jüngere nun mal im Schnitt attraktiver sind als ältere.

Ja, es gibt attraktive Frauen über 50. Aber es sind eben weit weniger als bei den Frauen in den 20ern. Nichts und niemand wird uns Männer dazu kriegen, unsere Attraktivitätskriterien zu ändern, nur weil Frauen wie z.B. Bascha Mika das gerne so hätten. Oder verlangen wir von Euch, dass Ihr doch bitteschön auch mal arme Schlucker am unteren Rande der Gesellschaft attraktiv finden solltet?

Willkommen in der Welt des Mannes

Meint ihr, uns geht es anders? Wann zeigen denn Frauen uns Männern mal deutlich, dass sie uns begehrenswert finden? Normale Männer, also die 98%, die nicht zu den besonders begehrenswerten zählen, leiden unter dem Blick-Embargo, das Ihr als 50plus-Frauen beklagt, ihr ganzes Leben lang. Oder was heißt „leiden“, wir kennen es ja gar nicht anders. Kaum eine Frau dreht sich mal nach uns um oder pfeift uns gar hinterher. Es gibt keinen Anspruch darauf, vom anderen Geschlecht bewundert zu werden. Das muss man sich unter Umständen erst mühsam erwerben. Das haben wir Männer schon in der Pubertät begriffen, manche Frauen scheinen das aber erst in den 50ern zu begreifen und manche nie. Willkommen in der Welt derer, die das sexuelle Interesse des anderen Geschlechts nicht einfach so hinterher geworfen bekommen! Willkommen in der Welt der Männer!

Fundstück: AfD-Bashing und ein ruhiges Contra

Der „Freitag“ hat uns gestern mit dem Artikel „Die Kräfte der Gegenreform sind angetreten“ wieder eine Aufzählung angeboten, was alles so schlimm an der AfD ist, als ob es nicht schon genug derartiger Artikel in den Mainstreammedien gäbe. Artikel, die nichts, aber auch gar nichts erklären, sondern stattdessen nur den Teufel an die Wand malen, was für ein schlimmes Gesellschaftsmodell sich entwickeln würde, sollte die AfD maßgeblichen Einfluss gewinnen. Wieder einmal wird die Front aufgebaut zwischen der modernen, vielfältigen, gleichgestellten, multikuturellen Gegenwart und altbackenen, miefigen, spießigen Welt der Adenauerzeit, in die die AfD angeblich zurück will.

Nicht, dass mir die Inhalte des AfD-Programms so sonderlich sympathisch wären, ganz im Gegenteil, ich finde sie teilweise gruselig, aber derartige Verdammungsliteratur ist einfach nur langweilig und öde. Weil sie gar nicht erst erklären will, warum die AfD so viel Zulauf hat. D.h. es wird zwar versucht, Erklärungen zu finden, man findet aber nur die, die innerhalb des Sektors der eigenen ideologischen Scheuklappen zu finden sind.

Das, was der Artikel also leisten sollte, erledigt mal wieder einer der Kommentatoren darunter, der mir so dermaßen aus dem Herzen spricht, dass ich ihn hier ungekürzt übernehmen möchte. Sollte also der User „Sabado“ einen Einwand bezüglich seines Urheberrechts haben, möge er sich melden und wir werden eine Lösung finden. Hier also Sabados Kommentar:

Es gibt zahlreiche Menschen, die in ihrer Jugend froh waren, dem Mief der Adenauerzeit entronnen zu sein, die sich als freiheitsliebend und offen verstehen und sich mit der Gesellschaft und ihrem Diskurs weiter entwickelt haben. Menschen, die jederzeit für das Recht vom Minderheiten einstehen, ihr Leben nach ihrer Façon zu leben – und denen es nichtsdestrotz gewaltig auf den Wecker geht, wie die Lebensmodelle solcher Minderheiten derart übersteigert in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt werden.

Sind Regenbogen-Patchwork-Identitäten der einfachen Gewissheit vorzuziehen, ein Mann oder eine Frau zu sein? Ohne eindeutige geschlechtliche Identität aufzuwachsen ist das wenig beneidenswerte Schicksal einer Minderheit, die genauso wenige diskriminiert werden darf wie jede andere Minderheit. Zu betonen, dass sich trotz allem immer noch um eine Minderheit handelt und nicht um ein Rollenmodell für nachwachsende Generationen, setzt nicht voraus, sich als eindeutiger Mann oder eindeutige Frau als etwas Besseres zu fühlen, aber darf man denn nicht froh sein, wenigstens dies Problem nicht zu haben?

Es gibt auch Menschen, die in ihrer Jugend sich für die Sexualerziehung in der Schule stark gemacht haben und dennoch heute, mit wachsender Einsicht, Bedenken dagegen haben, Sechsjährige mit der Aufklärung über randständige Sexualpraktiken zu behelligen. Hier spürt man ganz deutlich noch die Reste der Ideologie der grünen Kinderfreunde von Anno dunnemals. Auch wenn die inzwischen an den Schaltstellen der Macht angekommenen „Alternativen“ sich noch so winden: die Literatur ist immer noch leicht zu finden, auch wenn viele, die sich heute deswegen schämen, sie weggeschmissen haben.

Und was soll daran eigentlich so erstrebenswert und fortschrittlich sein, dass beide Elternteile für ihr Überleben in einer zunehmend materialistischen Welt für Geld rackern müssen, statt ihrem Nachwuchs das Maß an Zeit und liebevoller Aufmerksamkeit zu geben, die nötig ist, um zu einem freien, selbstbewussten Menschen zu werden?

Von der Kinderkrippe über das Turboabitur zum Bätscheler, weiter zum Dauerpraktikanten, dann Zeitarbeiter beim Paketdienst, so sieht der typische Karriereweg der verunsicherten und zugleich angepassten Menschlein unter der von oben verordneten Regenbogenflagge aus. Nur wer ganz brav ist und nicht die falschen Fragen stellt, kann immerhin ein Bundestagsmandat ergattern oder eine Professur in der Genderforschung, oder wenigstens eine Umschulung zum Windkraftbeutelschneider.

Linke erklärten einst die „bürgerliche Kleinfamilie“ zur Keimzelle des Faschismus. Aus dieser Ecke kommt vermutlich die aufdringliche Propaganda gegen Mütter, die sich dafür entscheiden, sich vorrangig der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. Der kleine finanzielle Ausgleich durch die als solche diffamierte Herdprämie beträgt allenfalls einen Bruchteil der Ausgaben für einen Krippenplatz. Der enorme ideologische und finanzielle Aufwand, der getrieben wird, um auch noch das letzte Kind so früh wie möglich in eine staatliche Einrichtung stecken zu können, dient ganz gewiss nicht dem Ziel der Selbstverwirklichung von Kindern und Müttern, sondern der Formierung der Gesellschaft im Interesse des Kapitals, liebe Linke! Ist es reaktionär, darauf hinzuweisen?

Diese und weitere Widersprüche zwischen dem von oben verordneten synthetischen Weltbild und der real wahrgenommenen Lebenswelt sind es, samt dem Unvermögen der etablierten Parteien, sie schlüssig zu erklären, statt ihre unverstandenen Wähler und Nicht-Wähler zu beleidigen, die diese in Scharen zu einer heterogenen Protestpartei wie der AfD überlaufen lassen. Spätestens wenn überall die dritte Toilette vorgeschrieben wird, wähle ich die auch.

Frauen in der Bundeswehr, ein Rätselspiel

In der NDR info-Sendung Streitkräfte und Strategien vom Samstagabend beschäftigte sich ein Beitrag (Beginn bei Minute 14:08) mit der Integration von Frauen in der Bundeswehr.

Es wurde eine Studie vorgestellt, nach der die Akzeptanz von Frauen bei männlichen Soldaten in der Truppe „paradoxerweise“ sogar abnimmt, obwohl doch so viel für die Integration getan wird, mit Frauenparkplätzen, 12 Gleichstellungsbeauftragten und sogar einer eigenen Pressestelle für das Thema.

Der Anteil der Soldaten, die z.B. meinen, Frauen seien den körperlichen Anforderungen bei der Bundeswehr nicht gewachsen, hat sich innerhalb von 6 Jahren von 44% auf 52% erhöht.

Nun fragt man sich, wie sich das erklären lässt. Das hängt natürlich davon ab, wen man fragt, und wen man zu Wort kommen lässt. In dem Beitrag kommt nun aber kein einziger männlicher Soldat zu Wort, der die Situation kritisch sieht und aus männlicher Sicht erklären könnte, warum Männer Kameradinnen kritisch betrachten. Zu Wort kommen ausschließlich Sozialwissenschaftler, Soldatinnen und der Wehrbeauftragte.

Dementsprechend fallen also die Erklärungen aus:

  • Alte Macho-Muster
  • Frauen werden zur Konkurrenz
  • Männliche Organisationskultur, die Frauen als fremd wahrnimmt
  • Andere familiäre Situation der Frauen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Sehr bezeichnend finde ich das Zitat: „Auch heute denken die Männer in Teilen noch, dass sie eigentlich das diskriminierte Geschlecht sind“ Was natürlich auf gar keinen Fall der Realität entsprechen kann, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Frauen werden zwar bei gleicher Leistung und Eignung bevorzugt auf Dienststellen gesetzt, aber das hat natürlich überhaupt nichts mit Diskriminierung von Männern zu tun.

Interessant ist auch, dass die Befragung schon 2011 stattfand, die Studie aber erst Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde. Auf eine Anfrage einer Grünen Abgeordneten kam heraus, dass der Studienersteller angehalten wurde, seine Fragen zur sexuellen Belästigung zu kürzen. Ein Skandal! Da hat wohl wer „Angst vor der unbequemen Wahrheit“. Oder will einfach nicht, dass das in wirklich jeder Studie als Vehikel benutzt und aufgebauscht wird, um die Benachteiligung von Frauen in der Vordergrund zu stellen, um damit dann wieder die entsprechenden Frauenbevorzugungsprogramme begründen zu können.

Es bleibt also ein Rätsel, warum die Vorbehalte von Männern gegen über Frauen in der Bundeswehr zunehmen statt abnehmen. An den Frauen kann es natürlich auf keinen Fall liegen. Und auch nicht an deren ständigen Bevorzugung. Der Wehrbeauftragte ist wenigstens so generös, die Probleme nicht nur im Verhalten der männlichen Kameraden zu sehen. Sondern – auch – in den Strukturen, die dieses Verhalten hervorrufen. Aha. Männer sind also in jedem Fall Schuld, in einigen Fällen kann das aber entschuldigt werden, aufgrund der „Strukturen“.

Was sagt die Militärsoziologin dazu: Dem Thema wird noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ja klar, die Bundeswehr hat ja auch nichts wichtigeres zu tun, als immer mehr Frauen zu integrieren. Eine bessere Integration könne nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen für Frauen verbessert werden. Sagt der Wehrbeauftragte. Natürlich, was sonst, da wäre uns auch nichts besseres eingefallen.

Fazit: Ein typischer NDR-Beitrag, der vor Political Correctness nur so strotzt. Dass die Animositäten der männlichen Soldaten vielleicht gerade daher kommen, weil Frauen in der Bundeswehr bevorteilt und gepusht werden, die hübschen Bürojobs bekommen, während die Männer an diese nicht mehr in dem Maße wie früher rankommen, wenn’s aber in den Kampfeinsatz geht, die Frauen geschont werden, auf die Idee kommt natürlich keiner aus der Soziologen- und Wehrbeauftragtenriege. Stattdessen empfiehlt man ein „weiter so“ und „noch mehr davon“.

Der einzige vernünftige Beitrag kommt dann doch noch zum Schluss, der die ganze Sendung quasi karikiert. Eine Soldatin meint: „Bitte keine Extrawurst, Bevorzugungen würden das ganze nur noch schlimmer machen.“ Ach was…

Emma von Biologistinnen unterwandert?

Arne hat eben auf diesen Artikel in der Emma hingewiesen, in dem sich die Redaktion darüber lustig macht, dass nach einer Studie des Max-Plank-Institutes Pornokonsumenten kleinere Gehirne hätten. Die Studie möchte ich doch gerne mal sehen. Wie haben die das heraus gefunden? Schließlich geht das mit der Größenvermessung eines Gehirns wohl kaum anonym. Demzufolge dürften die Identitäten der vermessenen Personen (in dem Artikel steht jedenfalls nicht, dass nur Männer untersucht wurden) bekannt sein. Also gibt es eine ziemliche Hemmschwelle, Pornokonsum in derselben Studie zuzugeben. Vielleicht haben ja nur die, die zugeben, Pornos zu schauen, kleinere Gehirne?

Aber vor allem, wie auch Arne korrekt kommentiert, ist das ein phänomenales Eigentor. Wie man weiß, haben Frauen im Schnitt kleinere Gehirne als Männer. Seit Jahrzehnten wird es berechtigterweise, gerade vom Feminismus, zurückgewiesen, von der Größe des Gehirns auf die Intelligenz zu schließen. Schon wenn Männer nur auf die Tatsache hinweisen ohne auch nur zu behaupten, das habe einen Einfluss, wird das als übelster Sexismus gebrandmarkt. Und jetzt wischt die Emma das eben mal vom Tisch, für einen billigen Schenkelklopfer? Das Niveau von Emma ist schon tief gesunken.

Jetzt betreiben sie also plattesten Biologismus. Die Biologie hat Einfluss aufs Verhalten? Tatsächlich? Lasst das mal nicht Eure Freundinnen von der Gender-Fraktion hören!

Wie wärs denn zum Ausgleich mal mit einer Studie über die Korrelation von Hirngröße und Konsum von Liebesschnulzen oder Modezeitschriften? Ich wär gespannt, was dabei raus kommt. SCNR

Sie wurden gegendert! II

Eigentlich wollte ich längst eine weitere Rezension von Arne Hoffmanns neuem Buch schreiben, allerdings unter einem anderen Aspekt als die bisherigen. Die ist aber noch nicht fertig und deshalb stattdessen ein Revival von malinskis Artikel Sie wurden gegendert!.

Vor kurzem nämlich ist mir folgende Begebenheit zu Ohren gekommen: Eine mir bekannte Pädagogin schreibt einen Artikel für eine pädagogische Fachzeitschrift, eine Rezension eines pädagogischen Werkes. Da sie auch ein wenig „herausgefordert“ ist von dem zwanghaften „geschlechtergerechten“ Gegendere, unterlässt sie die sprachlichen Verrenkungen nicht nur konsequenterweise in ihrer Rezension, sondern kritisiert dieses auch an dem besprochenen Werk, das sich wohl sehr um politische Korrektheit bemüht. Sie erlaubt sich anzumerken, dass es doch unpassend sei, ausgerechnet in einem Buch, das sich im weitesten Sinne mit Ästhetik beschäftigt, eine solche verkomplizierte gekünstelte Sprache zu verwenden.

Sie schickt Ihren Text an die Redaktion und bekommt einige Stunden später die redigierte Version zurück. Und siehe da, alle Personenbezeichnungen in der Mehrzahl wurden durchgegendert. Aus „Lehrer“ wurde „Lehrerinnen und Lehrer“, aus „Autoren“ wurde „Autorinnen und Autoren“ etc. Die Rezensentin betrachtet dieses Umschreiben nicht nur als einen Eingriff in ihren Stil, sie empfindet es auch als widersinnig, wenn sie das Gendern in ihrem Text kritisiert, die Rezension dann aber selbst gegendert wurde. Dasselbe ist ihr einige Zeit bevor mit einem anderen Text bei derselben Redaktion auch schon einmal passiert. Auch da wurde ein absichtlich ungegenderter Text durchgegendert und die Redaktion ließ sich nicht erweichen, dies zurückzunehmen und ihren persönlichen Stil in diesem Sinne zu akzeptieren.

In meiner Bewertung des Vorgangs bin ich persönlich etwas zwiegespalten. Als gelernter Redakteur ist mir natürlich klar, dass es das Recht einer Redaktion ist, bei ihr eingereichte Texte auch zu redigieren, und zwar auch in stilistischen Angelegenheiten. Und wenn es eine Redaktionspolitik gibt, bestimmte Formulierungen zu verwenden oder eben nicht zu verwenden, dann ist auch das legitime Redaktionsarbeit.

Auf der anderen Seite ist es absolut widersinnig, in einem Text Gendersprech zu kritisieren und es dann selbst zu verwenden. Und wieviel gilt dann noch die Formulierungsfreiheit des Autoren, wenn durch das Redigieren die Intention des Autors ad absurdum geführt wird? Aber die eigentliche Frage, die sich mir stellt, ist: Wie weit hat sich das Diktat des Gendersprech in vielen Redaktionen schon so durchgesetzt, dass die Verwendung des generischen Maskulinums einem Gedankenverbrechen gleichkommt? Wo darf man als Autor in diesem Punkt überhaupt noch seinem eigenem Stil folgen?

Mir scheint, dass sich die feministische Argumentation im Lauf der Zeit ein wenig verschoben hat. Während man früher kritisierte, dass Frauen beim generischen Maskulinum „nur“ mitgemeint würden, wird jetzt so getan, als würden sie komplett nicht mitgemeint und ausgeschlossen. Die Strategie dahinter ist, die Existenz des generischen Maskulinum nicht anzuerkennen und dieses als natürliches Maskulinum zu begreifen, mit dem ab sofort nur die Männer gemeint seien. Dadurch erhebt sich erst recht die „Notwendigkeit“, das entsprechende Femininum hinzu zu stellen, weil ja ansonsten die Frauen gar nicht erwähnt würden.

Das totalitäre Element in dem Vorgehen ist kaum noch zu übersehen. Doppelplusungut.

Und jetzt wieder zur Popmusik. Zum Thema Totalitarismus fällt mir kaum was besseres ein als:

Autobahnplakate

Neulich fuhr ich auf der Autobahn, als ich am Straßenrand folgendes Plakat bemerkte:

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Als inzwischen männerrechtlich sensibilisierter Mann ist mir natürlich sofort das in meinen Augen sexistische Stereotyp aufgefallen. Der Mann handelt unverantwortlich und wird zum Täter, die Frau ist das Opfer, wie immer. Na prima, eigentlich war ich schon bedient, aber da es von diesen Autobahnplakaten oft eine Serie gibt, habe ich mich gefragt, ob es da noch weitere gibt und dort zum Ausgleich auch mal die Frauen die schlimmen Finger sind oder ob da das Stereotyp weiter geknetet wird.

Google brachte es an den Tag, ich habe folgende Websites gefunden:

Eine Berichterstattung über die Kampagne und die Website der Kampagne selbst.

Um Euch das surfen zu ersparen, es gibt zwei weitere Plakate, nämlich folgende:

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Erstes Fazit: Die weiteren Plakate bestätigen die Geschlechterstereotypen. Männer rasen und drängeln, Frauen sind allenfalls mal ein wenig abgelenkt, wahrscheinlich weil sie zuviel mit ihren Freundinnen tratschen, anstatt auf die Straße aufzupassen. Was aber eine deutlich verzeihlichere Sünde ist, als aggressiver Fahrstil mit Rasen und Drängeln. Immerhin wollte man sich nicht die Blöße geben, nur Männer als die Missetäter hinzustellen, also gibt es wenigstens ein Plakat mit Quotenfrau als Täterin.

An den Plakaten stört mich so einiges. Als erstes natürlich, dass sich das Bundesverkehrsministerium dafür hergibt, platteste Geschlechterstereotypen widerzukäuen, bei denen natürlich die Männer wieder mal die aggressiven Arschlöcher sind.

Es ist aber auch ansonsten nicht stimmig. Es mag schon sein, dass mehr Männer rasen oder drängeln. Ich fahre auch gerne schnell, aber auch dem Verkehr angepasst, und gedrängelt habe ich m.E. noch nie. ABER: Das tue ich nur, wenn ich alleine im Auto sitze. Wenn ich Beifahrer habe, speziell natürlich auch Frauen, dann fahre ich ein ganzes Stück gemächlicher.

Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen bin ich dann natürlich für das Wohlergehen meiner Beifahrer verantwortlich. Ich möchte nicht, dass sie in Gefahr geraten. Ich habe natürlich eine Fürsorgepflicht als Fahrer. Und da reicht es schon, dass sie auf dem Beifahrersitz sich wegen der Geschwindigkeit unwohl fühlt. Und natürlich will ich mir auch keinen Mecker deswegen einfangen. Der andere Grund ist aber auch, dass man umso konzentrierter sein muss, je schneller man fährt. Das geht ab einer gewissen Geschwindigkeit nur noch alleine. Da will ich mich nicht der Gefahr aussetzen, dass ausgerechnet in einem heiklen Moment die Beifahrerin nervös dazwischen quatscht und mich aus der Konzentration wirft.

Und wenn Kinder im Auto sitzen, dann gilt das alles erst recht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Familienvater riskant fährt, wenn die eigenen Kinder dabei sind. Wenn er allerdings alleine unterwegs zum nächsten Geschäftstermin ist und diesen halbwegs pünktlich erreichen will, kann es vielleicht sogar ein Zeichen von Fürsorge für die Familie sein, alles zu tun, um den Job nicht zu gefährden. Was keine Entschuldigung dafür sein soll, andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Ich will nur einen möglichen Aspekt für die Motivation herausstellen.

Noch ein Punkt, der mich stört: Warum müssen die alle gleich sterben? Ist das nicht ein wenig sehr moralisch überdramatisiert? Bei den wenigsten Unfällen sterben gleich alle Insassen. Ich hätte vielleicht formuliert: „Einer rast, zwei erwischt’s“. Aber das ist nur ein kleiner Nebenaspekt.

Der letzte Punkt, der mit ziemlich irritiert, ist der Text auf dem dritten Plakat: „Einer ist abgelenkt, vier sterben“. Warum „Einer“, wenn da deutlich eine Frau abgebildet ist? Müsste es nicht heißen: „Eine ist abgelenkt, vier sterben“? Hat man Angst, dass sich dann die Männer nicht mitgemeint fühlen? Hat man sich nicht mit dem Ministerium für alles außer Männer abgesprochen, wie heute korrekt sprachgegendert wird? Oder sollen da wieder mal die Frauen als Täterinnen unsichtbar gemacht werden, die Täterschaft von Frauen verschleiert werden? Kaum vorstellbar, schließlich ist die Fahrerin ja deutlich zu sehen auf dem Plakat. Oder hat man einfach überhaupt nichts gedacht und nach guter alter Väter Sitte einfach das generische Maskulinum verwandt? Ich bin für weitere Theorien offen…

Das Pop-Video kommt diesmal von Frank Zappa mit dem Song „Broken Hearts Are For Assholes“, wegen der Liedzeile „Well, ladies you can be an asshole too„, eine einfache und doch fundamentale Erkenntnis.

 

Sexuelle Aggression und Seitensprünge – ist das Doppelmoral?

Eigentlich wollte ich den Gastbeitrag von honeyinheaven „Matschos Albtraum“ kommentieren, aber da ich hier ja auch Mitautor bin und mein Beitrag ein wenig länger geworden ist, dachte ich mir, ich könnte es ja auch gleich als eigenen Artikel veröffentlichen. Also hier ist meine Premiere:

Der Gastbeitrag von honeyinheaven „Matschos Albtraum“ ist ein durchaus interessantes
Gedankenexperiment. Allerdings trifft es nicht so ganz. Zum einen, weil es wie das in den Kommentaren erwähnte Video aus Frankreich zu sehr alle möglichen Belästigungen in einen Tag komprimiert, was auch Frauen seltenst in dieser Häufigkeit passiert (behaupte ich mal).

Zweitens und viel wichtiger: Männer kommen mit sexueller Aggression viel besser klar. Einfach erklärt, sie ist aus den folgenden Gründen viel weniger bedrohlich als für Frauen.

1. Wir leben im Bewusstsein, dass wir uns aufgrund der größeren Körperstärke (zumindest Frauen gegenüber) besser wehren können. Was manchmal auch ein Trugschluss sein kann, nur so nebenbei.
2. Wir glauben, dass es zumindest sowas wie weibliche Vergewaltigung an Männern, also die schärfste Form der sexuellen Aggression, nicht gibt. Ob das wirklich stimmt, ist da erstmal unerheblich.
3. Selbst wenn es so etwas wie weibliche Vergewaltigung gäbe, die möglichen Folgen dessen, Schwangerschaft und ein Kind durchfüttern zu müssen, hätte – zumindest aus evolutionstheoretischer Sicht – die Frau zu tragen, auch wenn das heute aufgrund des kulturellen Überbaus, sprich Unterhaltsrecht, deutlich abgemildert, wenn nicht sogar umgekehrt wurde. Aber diese Anpassung an die geänderten Verhältnisse konnten unsere genetisch gesteuerten Instinkte noch nicht nachvollziehen.

4. Selbst bei einer erfolgten Befruchtung durch eine solche weibliche Vergewaltigung würde dies weniger der männlichen Fortpflanzungsstrategie widersprechen. Wer in der Sekunde über 1000 Spermien produziert und theoretisch am Tag drei oder vier Kinder zeugen könnte, kann damit auch verschwenderischer umgehen als die Frau, die ein Ei im Monat und grob ein Kind pro Jahr produzieren kann und sich der Risiken der Schwangerschaft bewusst ist, die früher ja viel erheblicher waren. Zudem trägt sie in unserer Spezies traditionell die Hauptverantwortung für die Aufzucht und ist während dieser Zeit tendenziell unattraktiver für weitere, vielleicht bessere Bewerber.

Zusammenfassend: Die Frau muss sehr genau auswählen, ob der Genpool des potentiellen Partners gut genug ist und auch ob dieser bereit ist, sie während der Aufzucht zu unterstützen. Der Mann dagegen kann die Strategie fahren, seinen Samen möglichst breit zu streuen. Ausschlusskriterien sind eher, ob die Frau überhaupt Kinder bekommen kann und wenn ja, ob sie in der Lage und verantwortungsbewusst genug ist, das Kind dann auch durchzubringen. Diese Theorie ist altbekannt und auch vielleicht ein wenig platt. Ich habe aber noch keine überzeugende Widerlegung gelesen.

All das erklärt, warum Frauen viel empfindlicher gegenber sexueller Aggression sind. Der schon diskutierte Arschgrapscher ist für uns Männer eben aufgrund der geringeren Bedrohlichkeit sogar oft ein Kompliment. Ein Annäherungsversuch ist ja auch immer ein Nachweis der eigenen Attraktivität, was wir ohne Bedrohungshintergedanken genießen können. Wie oft hört man Männer darüber jammern, dass sie auch gerne mal angebaggert werden würden und nicht immer der ersten Schritt machen müsten. Passiert aber so gut wie nie, und wenn, dann ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach der Prozentsatz der unattraktiven Frauen, von denen Mann Ann„äherungsversuche erfährt, noch weit höher als der Prozentsatz der unattraktiven Männer, von denen Frauen Annäherungsversuche erfahren. Kein Wunder, die attraktiven Frauen haben das ja auch nicht nötig, weil sie schon einen Pool an Verehrern um sich rum haben. Das scheint mit auch der Grund zu sein, warum ein Gutteil von Männern damit überhaupt nicht zurecht kommt, wenn Frau mal die Initiative ergreift. Es ist der unterschwellige Argwohn, „die hats nötig, die kriegt anders keinen, mit der ist was faul“. Jedenfalls höre ich oft von Frauen, dass es so gut wie nie funktioniert, wenn sie mal die Initiative ergreifen. Da ergreifen die Herren dann die Flucht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es einfach nicht zum männlichen Rollenbild des Aktiven, des Jägers geh”rt, wenn man mal der Gejagte ist. Aber es ist allenfalls unangenehm, aber nicht bedrohlich.

Etwas anderes ist nach meiner Erfahrung für Männer dagegen viel bedrohlicher als für Frauen, und sie kommen damit viel weniger klar als Frauen, nämlich Untreue der eigenen Dauerpartnerin. Frauen prangern es ja gerne als männliche Doppelmoral an, wenn Männer sich Seitensprünge gönnen, aber total ausflippen, wenn Frau sich das auch erlaubt. Nach meiner Lebenserfahrung können Frauen mit Seitensprüngen von Männer oft wesentlich besser umgehen. Männer betrachten ein Frendgehen Ihrer Frau viel eher als einen Angriff auf ihre Männlichkeit, während Frauen viel weniger ihre Weiblichkeit in Frage gestellt sehen.

Ich meine damit nicht die Eifersucht generell. Frauen sind oft eifersüchtiger, solange noch kein Grund vorhanden sind. Das liegt wohl am oft geringeren Selbstwertgefühl von Frauen. Während Frauen sich oft unterschätzen, neigen Männer ja bekannermaßen eher ein wenig zur Überschätzung. Warum sollte man also Konkurrenz fürchten, wenn man(n) sich eh für den tollsten hält?! Liefert der Partner aber einen Grund, schlägt das bei Männern viel schneller und viel mehr um ins Extreme.

Warum ist das so? Meine Theorie ist, dass es genau derselbe Grund ist, warum auf der anderen Seite sexuelle Aggression für Frauen wesentlich schlimmer ist. Es ist in unserer Spezies traditionell so, dass Frauen die Kinder aufziehen und die Kinder auch bei der Frau bleiben, sollten sich Eltern trennen oder ein Erzeuger von vorneherein kein Interesse hat, bei der Frau zu bleiben. Was Frauen oft nicht so auf dem Schirm haben, ist die Tatsache, dass, wenn sie ein Kind bekommen, sie zu 100% wissen, dass es tatsächlich auch ihres ist. Und dass das der Mann nie sicher weiß. Männer haben Angst vor Kuckuckskindern. Evolotionär betrachtet bedeutet dies eine Verschwendung von Ressourcen, wenn man unwissentlich ungewollte Gene durchfüttern und aufpäppeln muss. Das ist ungefähr gleichbedeutend mit einer Vergewaltigung, bei der Frau auch Gefahr läuft, ungewollte Gene aufziehen zu müssen.

Worauf ich hinaus will? Ich will zur Diskussion stellen, ob wir es akzeptieren können, dass Männer und Frauen manchmal anders ticken, andere Strategien für Überleben und Fortpflanzung haben, und damit auch unterschiedliche Empfindlichkeiten. Wenn Frau im Beisein des Partners mal mit nem anderen Typen flirtet, ist ein „Hab Dich mal nicht so, war doch harmlos“ genauso unangebracht wie dieselbe Ansage von einem Kerl, der Euch grade auf den Arsch geklatscht hat.

Und hier das obligatorische Popvideo. Es beschreibt, worum es ja doch immer geht und ist zugleich ein Aufschrei eines missverstandenen Mannes…

https://www.youtube.com/watch?v=lDJgtemS9MA