#Pride und #Pinkwashing : Die allgegenwärtige Regenbogenfahne

schuheSchwul
Vorbildlich: Endlich dürfen auch Schwule Schuhe tragen. Quelle.

Es ist wieder CSD-Saison und verstärkt nehmen Medien, Regierung und Unternehmen die Gelegenheit war, um auf „LGBT“ aufmerksam zu machen. Da ich online ohne Adblocker unterwegs bin, wurde ich in den letzten Wochen immer mehr mit bunten Werbebannern zugespamt. Auch das Frauenministerium, das sich noch nie weltanschaulicher Neutralität verpflichtet fühlte oder kritische Distanz zum Gender-Feminismus durchblicken ließ, macht fröhlich mit, wobei es natürlich nur um „Information“ geht. Pride-Veranstaltungen werden damit zu staatlich promoteten politischen Demonstrationen. Auf Websites, Straßen und auf Produkten – überall grellbunte, kitschige Regenbogenfahnen. Der Tagespiegel berichtet:

 Zum CSD im Juli wehen für gewöhnlich überall in Berlin die Regenbogenfahnen: An öffentlichen Plätzen, an Kulturstätten, von privaten Balkonen aus. Auch die Deutsche Bank, die Deutsche Bahn, MyMuesli, Douglas und Flaconi nutzen den Regenbogen – zu Werbezwecken. Die Firmen möchten Weltoffenheit, Diversität und Akzeptanz gegenüber der LGBTQI* Community und den Kunden demonstrieren – ein Image, aus dem sich Profit schlagen lässt.

Dazu stülpen manche Firmen ein Regenbogenmuster über ihre Produkte, um das LGBT-Kundensegment anzusprechen oder einfach als virtue signalling, um woken Millenials und wohlmeinenden Biedermeiern, den Groschen aus der Tasche zu locken. Die Zielgruppe wird im „Handelsbatt“ 2019 als zahlungskräftig beschrieben:

Seit Jahren gibt es hier einen harten Wettbewerb um die bunte Klientel, der viele Studien überdurchschnittliche Reise- und Konsumlust attestieren.

Die Kaufkraft der Queeren-Gemeinschaft ist immens und wird in Deutschland „rosa Geld“ genannt. Experten des britischen Marktforschungsunternehmens LGBT-Capital schätzen das rosa Geld der Welt auf 3,7 Billionen US-Dollar pro Jahr, doppelt so viel wie die gesamte Kaufkraft von Kanada. In Europa beträgt die jährliche Kaufkraft 950 Milliarden US-Dollar und für Deutschland wird eine Kaufkraft von über 151 Milliarden Euro geschätzt.

Auch der „Fokus“ schreibt:

Schließlich gilt die LGBTIQ+-Community als kaufstark – allein in Deutschland wird ihr jährlicher Umsatz auf 50 bis 100 Milliarden Euro geschätzt.

Der „LGBT“-Trend hat eben auch etwas mit „Selbstverwirklichung“ und auch mit Eitelkeit zu tun. Meiner persönlichen Ansicht nach, wiegt dieser Aspekt sogar schwerer als natürliche sexuelle Veranlagung. „Selbstverwirklicher“ haben im Allgemeinen Geld und geben es gerne für Produkte aus, die ihrem selbstkreierten „Selbst“ besonders entsprechen und auch die „politisch interessierte“ ImM-Studentin gibt das väterliche Geld gerne aus, um sich passend zur Saison ein paar bunt gestreifte Kosmetikartikel zu shoppen und ihren Freundinnen zu zeigen.

Das Geschäft scheint sich zu lohnen, doch bei der Zielgruppe selber weckt das politisch angesagte Marketing auch Kritik. „Pinkwashing“ nennen Queer-Aktivisten es, wenn Unternehmen ohne Bezug zu LGBT-Themen nur oberflächlich auf der Welle mitschwimmen. Die Kommerzialisierung der politischen Agenda und ihrer Symbole kommt nicht überall gut an. „Tagesspiegel„:

“Das ist kein ‘für die Community’, das ist reines Pinkwashing”, findet Candy [eine Aktivistin]. Aus ihrer Sicht profitieren allein die Firmen von den Aktionen, während glaubwürdige Gesichter aus der queeren Community nur benutzt werden.

Aktivisten bemängeln, dass die Firmen nicht glaubwürdig genug die LGBT-Bewegung unterstützen, indem sie z.B. an entsprechende Organisationen spenden oder mehr Queers in die Führungsetagen hieven. Man könnte natürlich sein Geld auch selbst an politische Organisationen der Wahl spenden, anstatt es für bunten Nippes auszugeben aber man kann natürlich auch einfach meckern und fordern. Aber Moment mal: Wenn man eine poltische Agenda übernehmen muss, eh man sich in der sympathischen Gemeinschaft von Tunten, Kampflesben und halbnackten Partyfreaks einreihen darf – würde das nicht bedeuten, dass „LGBT“ eben nicht einfach nur eine Ansammlung von „sexuellen Minderheiten“ ist, sondern doch eher eine politisch-ideologische Gruppe, wie Kommunisten oder Nationalisten?

Um diese Frage soll es hier gar nicht gehen, denn ich habe sie schon hier ausführlich behandelt. Spoiler: Ja, ich halte „LGBT“ in erster Linie für linke Ideologie. Menschen und ihre Gefühle respektiere ich und in das Liebesleben Fremder mische ich mich nicht ein, aber bei der LGBT-Bewegung geht es um weit mehr als ein bisschen Liebe, nämlich um eine politische Weltanschauung, in der marxistische Ideen von Gleichheit und Umsturz der bestehenden (Geschlechter-)Ordnung propagiert werden, ganz ähnlich wie bei feministischer Ideologie, die dementsprechend mit der LGBT-Bewegung heute im Gleichschritt marschiert.

Natürlich steht es jedem frei, an die Heilswirkung dieser Ideologien zu glauben – es herrscht schließlich die Freiheit der Weltanschauung – eine moralische oder rechtliche Verpflichtung, diesen Stuss gutzuheißen, gibt es aber ganz gewiss nicht. Man sollte es nicht einfach hinnehmen, wenn mit den Symbolen einer wie auch immer gearteten politischen Bewegung der öffentliche Raum weiträumig zugekleistert wird. Diese Republik ist nach wie vor pluralistisch (ein liberales Ordnungsprinzip, das in weiten Teilen der Linken heute kompett falsch als „diversity“ verstanden wird). Und eigentlich verboten ist es, wenn sich auch noch staatliche Institutionen – die der weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sind – mit den Farben einer kontroversen politischen Minderheitsbewegung „schmücken“, wie es z.B. die Hamburger Polizei hier mit … naja… viel Geschmack und Einfallsreichtum vormacht:

 

Hey, Hamburger Polizei und alle anderen Staatsorgane und Unternehmen, die ihre Logos, Websites und Produkte politisch verschönern wollen, wie wär’s das nächste Mal mit Hammer und Sichel zum 1. Mai? Wär unpassend? Verboten gar, Geschäftsschädigend? Spalterisch? Ach was! Na dann ein anderer Vorschlag: Schwarz-Weiß-Rot zum 18. Januar, dem Datum der Kaiserproklamation Wilhelms I in Versailles? Der historische Anlass würde alle Kriterien erfüllen: Sehr relevant, kontrovers und wichtiges Datum einer kleinen, unsichtbar gemachten Minderheit – nämlich reaktionären Monarchisten. Ein sehr vorbildlicher Bürstenhersteller aus Muldenhammer hat’s vorgemacht:

REICHSBESEN
Endlich: Der REICHsbesen! Zeige deinen Freunden, wie woke und progressive du bist und dass du fest an Kaisers Seite stehst und hol dir JETZT DEINEN stylischen REICHsbesen in angesagten Farben. Feg die ganzen patriophoben Sozialdemokraten und Franzosen aus DEINEM REICH einfach heraus! Direkt hier bestellen!

Wie? Kaiserfans als politische Minderheit zählen nicht? LGBTSED aber schon? Warum, wenn ich fragen darf? Weil die mediale Öffentlichkeit die einen wie heilige Kühe behandelt und die anderen wie Volltrottel? Diskriminierung! Ich will endlich meinen #REICHSday !!!1! Ich will endlich wenigstens einmal im Jahr Crèmedöschen mit Wilhelmkonterfei und Bismarck-Gummibärchen kaufen können. Ich will, dass die Regierung offiziell Werbung für kostümierte preußische Paraden macht und Tips gibt, wie man sich in der lokalen Reichsbürger-Community vernetzen kann. Das Deutsche Kaiserreich war schließlich der erste geeinte deutsche Staat. Also wehe, es kommt mir einer, der diesen Kult kritisiert! Wer nächsten Januar zum kommenden 150-jährigen Jubiläum (!) der Reichsgründung nicht schleunigst Opas alte Flaggen aus der Mottenkiste kramt, ist offensichtlich Gegner der Einheit, also Staatsfeind! Deswegen: Flagge zeigen! Macht euch Bodypaintings in ihren Farben und tanzt nackt mit Pickelhaube auf den Straßen. Sie soll allgegenwärtig sein, die erlösende Fahne Schwarz-Weiß-Rot!

 

Ist das keine lustige Vorstellung? Fände es der eine oder andere gar etwas gruselig, von allen Seiten einseitige Jubelpropaganda entgegen geblasen zu bekommen? Vor allem, wenn es dabei auch noch um eine politische Bewegung geht, die nicht die nationale Einheit anstrebt, sondern eine Art dadaistischen Sex-Tribalismus predigt?

Mit Sicherheit bin ich nicht der Einzige, der das so wahr nimmt, doch die meisten schweigen und wenden sich ab. Doch damit muss Schluss sein. Der Pluralismus und die Meinungsfreiheit sind in Gefahr. Runter mit den albernen postkommunistischen Kindergartenflaggen. Schluss mit dieser pseudoliberalen Diversity-Äfferei. Macht euren Vorgesetzten, Lehrern und Kollegen Dampf, dass sie virtue signalling und pinkwashing sein lassen sollen. Kauft nicht diesen billigen schwulen Kommerz. Lasst es nicht zu, dass linke oder rechte Ideologen den öffentlichen Raum okkupieren und pfeifft auf diese Schwachköpfe, die euch irgendwelche „Phobien“ einreden wollen.

Aber wem das alles zu anstrengend ist, der kann schon mal unsere zukünftige globale Nationalhymne auswendig lernen. der Text dürfte nicht all zu anspruchsvoll sein:

 

14 Kommentare zu „#Pride und #Pinkwashing : Die allgegenwärtige Regenbogenfahne“

  1. Es ist leider ein weit verbreiteter Irrtum dass, IdPol links sei. Es ist eher ein progressiv aussehendes Tarnmäntelchen für Neoliberalismus und daneben bestenfalls pseudo-links, aber ganz sicher nicht „marxistisch“ .

    1. Kürzlich schrieb, ich glaube, es war Alan Posener, dass die Postmoderne mit ein paar zivilisationsmüden Franzosen beginnt, die Heidegger und Nietzsche gelesen haben. Also zwei ganz berüchtigte Bolschewisten! 🙂 /sarcasm off

    2. Guter und berechtigter Einwand, nur leider wirst du – nicht nur hier – eine durch konservative youtube-Kanäle aus den USA geprägte Einstellung vorfinden, in dem die Label „marxist“, „socialist“, „communist“ völlig sinnbefreit verteilt werden.
      Dabei mutieren Sozialdemokraten zu Sozialisten, Anarchisten zu Kommunisten und scheinbar gibt es „marxistische Ideen von Gleichheit und Umsturz der bestehenden (Geschlechter-)Ordnung“, die mir leider nicht bekannt sind.

      Denn Marxismus ohne Wissenschaft macht für mich keinen Sinn.
      Anhänger der LGBT-Bewegung haben größtenteils biologische Eltern und sind Produkte sexueller Fortpflanzung – man könnte fast sagen, der von ihnen geschmähten „Heteronormativität“.
      Demnach gälte für den biologischen Teil des „Umsturzes der bestehenden (Geschlechter-)Ordnung“ etwas zu überwinden, was sie selbst erst hervorgebracht hat.

      Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihre eigene sexuelle Orientierung, Intersexualität oder Transsexualität reproduziert – selbst wenn sie sich fortpflanzen – ist gering.
      Die LGBT-Bewegung muss ihre eigenen Traditionen also immer wieder kollektiv herstellen, weil ihre Mitglieder und mit ihnen die sexuellen Neigungen und andere Eigenschaften aussterben.
      Die „Gleichheit“ zu heterosexuellen Paaren – in diesem Sinne – zu verlangen ist also aussichtslos, weil sie biologisch unmöglich ist.
      Lesben haben nur Kinder dank den Segnungen der patriarchalen Reproduktionsmedizin (pun intended), Schwule per Leihmutter oder Adoption und werden dann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit (über 90%) heterosexuellen Nachwuchs haben.

      Die Idee, würde man die Norm der Heterosexualität abschaffen, könnte sich jede/r für irgendeine sexuelle Orientierung entscheiden oder für eine „nicht-binäres Gender“, dreht den Spieß einer gesellschaftlichen Minderheit um und macht Heterosexualität zum Produkt eines Zwangs der Mehrheit der Gesellschaft.
      Man kann sich – so die Theorie – also ohne diesen Zwang frei entscheiden für irgendeine sexuelle Orientierung und irgendein Gender.
      Aber nicht z.B. für Heterosexualität und bspw. ein Mann zu sein.
      Denn eine solche Entscheidung steht unter dem Verdacht, lediglich Produkt einer repressiven heterosexuellen „Dominanzkultur“ zu sein.
      D.h. die vermeintliche Wahlfreiheit ist gar keine und die totale Veränderbarkeit der sexuellen, kulturellen und biologischen Verhältnisse richtet sich gegen die der Mehrheit der Gesellschaft – anders herum hieße diese Zumutung „Konversionstherapie“.

      Man kann jedoch nicht verhandeln, zu welchem Geschlecht man sich individuell hingezogen fühlt und welches Geschlecht für einen selbst sexuell attraktiv ist.
      Ein Argument, welches Schwulen, Lesben und Bisexuellen bekannt vorkommen sollte (außer Polit-Lesben, natürlich).
      Der Sexualdimorphismus in Zusammenhang mit der sexuellen Fortpflanzung macht es hochgradig unwahrscheinlich, dass sich wechselseitige sexuelle Anziehung der biologischen Geschlechter hat beliebig und wahlfrei herausbilden können. Ein zielloser Sexualtrieb ohne Objekt wäre für das Überleben der Menschheit/das egoistische Gen hinderlich gewesen.
      Wäre die Minderheit jemals die Mehrheit gewesen, es gäbe die Menschheit nicht; sie wäre in zwei oder drei Generationen ausgestorben.

      Aus meiner Sicht sind diese „Ideen von Gleichheit“ und vom „Umsturz der bestehenden (Geschlechter-)Ordnung“ weder marxistisch, noch als Forderung jemals umzusetzen.
      Sie „kulturalisieren“ eine nicht überwindbare biologische Schranke und machen sich zu einer Avantgarde/Gender-Elite, die sie nicht sind.
      Sie sind einfach eine Minderheit unter vielen Minderheiten und werden eine bleiben.
      Selbstredend gelten für sie spezielle Schutzrechte – wie für alle Minderheiten – und ebenso selbstverständlich ist, die heterosexuelle Mehrheit muss daher sensibilisiert werden, ihre Vorstellungen von „Normalität“ zu erweitern, um „Mehrheit“ eben nicht mit „Norm“ zu verwechseln. Nicht wegen der besonderen Rechte besonderer „Gruppen-Identitäten“, sondern aus Respekt gegenüber jeden einzelnen Individuum.

      1. @crumar
        Ich gehe im Kommentar weiter unten schon auf einige deiner Kritikpunkte ein. Hier jetzt noch ergänzend:

        „Man kann sich – so die Theorie – also ohne diesen Zwang frei entscheiden für irgendeine sexuelle Orientierung und irgendein Gender.
        Aber nicht z.B. für Heterosexualität und bspw. ein Mann zu sein.
        Denn eine solche Entscheidung steht unter dem Verdacht, lediglich Produkt einer repressiven heterosexuellen „Dominanzkultur“ zu sein.“

        Solche Tendenzen gibt es in der LGBT-Bewegung auf jeden Fall mehr oder weniger unterschwellig. Dies geht in Richtung einer neuen Prüderie. Da Männlichkeit und Weibichkeit als Konstrukte begriffen werden, die (u.a. ökonomischer) „Ausbeutung“ dienen, bzw. irgendwas mit „Privilegien“ zu tun haben, muss Heterosexualität natürlich als etwas Unanständiges gelten.

        „Selbstredend gelten für sie spezielle Schutzrechte – wie für alle Minderheiten – und ebenso selbstverständlich ist, die heterosexuelle Mehrheit muss daher sensibilisiert werden, ihre Vorstellungen von „Normalität“ zu erweitern, um „Mehrheit“ eben nicht mit „Norm“ zu verwechseln.“

        Da geh ich nicht unbedingt mit. Die Angelegenheit ist aber sehr vertrackt und komplex und ich kann hier keineswegs eine ausreichende Erklärung geben. Nur so viel:
        Es kommt jetzt darauf an, welche Bedeutung das Wort 2normal“ hat, aber nach meinen Begriffen verhält es sich so: Homosexualität im Sinne einer Lebensweise wird niemals als „normal“ gelten. Das halte ich für nicht zumutbar und schenke auch entsprechenden Akzeptanzbekenntnissen keinen Glauben. Schon gar nicht gilt das für Transsexualität oder Intersexualität. Sie werden immer besonders sein – also eben unnormal. (Gerade diese CDS-Freaks schreien ja geradezu danach, endlich wieder als unnormal angesehen zu werden). Das heißt nicht, dass man diese Menschen ins Abseits drängen und schikanieren muss, aber sie werden nun mal nie in gleichrangiger Weise Teil in einer Gesellschaft sein können, in der Familienbildung wenigstens noch irgendeine Relevanz hat. Warum das so ist, sagst du im Prinzip schon selber in deinem Kommentar.
        Des weiteren würde ich eine bisexuelle Lebensweise moralisch ganz anders bewerten als eine homosexuelle und eine homosexuelle Lebensweise wiederum ganz anders als eine transsexuelle. Allein schon deshalb kann mir die „LGBT-Community“ den Buckel runter rutschen. Diese Idee, dass das alles irgendwie normal, gleich und in Ordnung ist, find ich absurd. Da werden völlig verschiedene Dinge in einen Topf geworfen. Die Identitätsbildung dieser „Minderheiten“ kritisier ich aus historischen, psychologischen und ethischen Erwägungen, deren Ausführung mir jetzt zu schwierig ist. Ein bisschen konkreter werde dazu werde ich hier: https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2020/07/28/muessen-die-polen-lgbt-akzeptieren-teil-ii/

      2. @Jonas:

        »Homosexualität im Sinne einer Lebensweise wird niemals als „normal“ gelten.«

        Wie Du selber sagst: da erhebt sich dann die Frage nach der Definition von »Normalität«. Wenn wir davon ausgehen, dass sexuelle Präferenzen eben nicht frei wählbar sind, dann ist auch Homosexualität ein Teil dessen, was wir »Natur« nennen. Und zur modernen Idee eines selbstbestimmten Individuums gehört die Vorstellung, dass jeder Mensch sein Leben gemäß seinen Bedürfnissen und Veranlagungen soll leben können. Als »normal« würde ich daher eine solche Übereinstimmung von persönlichen Dispositionen und Lebensentwürfen ansehen.

        Ähnlich unterbestimmt scheint mir die Formulierung »in gleichrangiger Weise«. Es hat zwar m. E. seinen guten Sinn, wenn der Staat die Institution der Familie gesondert schützt, weil es darum geht, gute Bedingungen des Aufwachsens von Kindern sicherzustellen. Aber eine Gesellschaft wird ja nicht nur von Fortpflanzung bestimmt, und auch viele »Heteros« verzichte darauf, Kinder in die Welt zu setzen und großzuziehen, insofern bildet sich die Entscheidung für oder gegen Familie auch nicht auf sie sexuellen Präferenzen ab.

        Bürgerliche »Gleichrangigkeit« kann also nicht an Familie und Fortpflanzung gekoppelt werden, schon gar nicht (mit Blick auf Polen) auf Grundlage einer hier selbstwidersprüchlichen katholischen Ideologie, die ihren Priestern genau diese Familienbildung verweigert, denn warum sollte das Zölibat weniger »pervers« sein als die Homosexualität? Zumal es eine erhebliche verdeckte Homosexualität unter Priestern gibt, von der Mißbrauchsproblematik mal ganz abgesehen.

        Deine Aussage »… aber sie werden nun mal nie in gleichrangiger Weise Teil in einer Gesellschaft sein können, in der Familienbildung wenigstens noch irgendeine Relevanz hat« überschätzt daher in meinen Augen in unzulässiger Weise die Funktion der biologischen Fortpflanzung. Eine menschliche Gesellschaft aka »Population von homo sapiens« muss sich ebenso auch »kulturell fortpflanzen« (im Jargon: symbolisch reproduzieren), daher gibt es auch für Menschen, die sich am Geschäft des Großziehens von Kindern nicht beteiligen wollen, eine ganz grundsätzliche gleichrangige Dignität der Teilhabe an einer solchen Gesellschaft.

      3. @Jonas

        „Da Männlichkeit und Weibichkeit als Konstrukte begriffen werden, die (u.a. ökonomischer) „Ausbeutung“ dienen, bzw. irgendwas mit „Privilegien“ zu tun haben, muss Heterosexualität natürlich als etwas Unanständiges gelten.“

        Sie werden nicht zufällig als Geschlecht als „soziale Konstruktion“ begriffen, statt ihrer Geschlechtsrolle, weil das die Utopie einer totalen Veränderbarkeit/Erziehbarkeit der Welt eröffnet, in der Lyssenkoismus und Stalinismus nicht ganz zufällig entstanden sind.
        Dass Männer Frauen „ausbeuten“ ist ökonomisch ein Witz und nur der Nachweis der Ausbeutung würde ihre „Unterdrückung“ rechtfertigen.
        Jemandem sehr viel Geld in die Hand drücken, um damit einen entgegen stehenden Willen zu brechen nennt man Korruption und nicht Ausbeutung.

        „Homosexualität im Sinne einer Lebensweise wird niemals als „normal“ gelten. Das halte ich für nicht zumutbar und schenke auch entsprechenden Akzeptanzbekenntnissen keinen Glauben.“

        Homosexualität ist erst „Homosexualität“ im heutigen Sinne geworden – da ist Foucault gut. Es gibt eine Geschichte der „Akzeptanz“ homosexueller Handlungen, lange bevor es eine „Lebensweise“ geworden ist.
        An dem Punkt würde ich empfehlen, die Texte von djad über Jack Donovan zu lesen.
        Da „Homosexualität“ also zur Geschichte gehört und als „normal“ empfunden worden ist, muss man tatsächlich den Fokus darauf richten, wie eine solche „Normalität“ konstruiert worden ist, in der Homosexualität als „nicht zumutbar“ erscheint.
        Von den Forderungen nach „Akzeptanz“ halte ich derzeit ebenfalls nichts. Toleranz würde reichen.

        „Das heißt nicht, dass man diese Menschen ins Abseits drängen und schikanieren muss, aber sie werden nun mal nie in gleichrangiger Weise Teil in einer Gesellschaft sein können, in der Familienbildung wenigstens noch irgendeine Relevanz hat.“

        Ich glaube der Ausschluss erfolgte, als „Familienbildung“ hieß, die Reproduktion des Nationalstaats zu sichern und auszubauen.
        Also noch zu der Zeit, als „Produktivität“ mit der Zahl der Köpfe einherging – mehr Einwohner, mehr (produktive) Leistung.
        Die hysterische Diskussion der männlichen Masturbation, die Beschneidungspraktiken sehe ich ebenfalls auf dieser Linie, nämlich als Fokus auf Reproduktion und damit weibliche Sexualität.
        Jede Form sexueller Autonomie – darunter fallen auch homosexuelle Handlungen – geraten unter den Verdacht des männlichen „Egoismus“, der Selbstbezüglichkeit.
        Wer also von „gleichrangig“ redet, sollte immer im Hinterkopf haben, welche Rangfolge damit einhergeht und welche Festlegungen für diese gesorgt haben.

      4. @djadmoros

        Normalität entscheidet sich nicht direkt an der Biologie. Kleidung und feste Häuser sind ja auch nicht „biologisch korrekt“, trotzdem aber recht normal (in meinem Umfeld zumindest 😉 ). Normalität entscheidet sich daran, was das geläufige, anstrebenswerte, angepasste Verhalten ist und das ist kulturell bestimmt: Politische Blogs schreiben zum Bsp. ist weder geläufig noch angepasst noch für die Allermeisten wirklich anstrebenswert – ergo nicht normal und auch nicht gleichrangig mit anderen bürgerlichen Tätigkeiten. Kinderlosigkeit ist ebenfalls (noch) nicht normal. Die meisten bekommen Kinder, es wird erwartet und ich finde es aus ethischen Erwägungen auch richtig, dass das Kinderlosigkeit als unnormal gilt, auch wenn ich Paare/Menschen, die keine Kinder bekommen wollen durchaus verstehen kann. Unnormal zu sein, heißt ja nicht geächtet oder schlecht zu sein. Eine homosexuelle Lebensweise (also feste homo-Partnerschaft, die eine richtige Familie ersetzen soll) ist ebenfalls nicht geläufig, sondern sehr selten, und auch nicht anstrebenswert, weil – meiner moralischen Ansicht nach – eine homosexuelle „Ehe“ oder „Familie“ nicht vergleichbar ist mit einer heterosexuellen und ich so eine Modell für keine gute Idee halte; allein schon wegen den Kindern. Dementsprechend ist das auch nicht gleichrangig, sondern eben immer ein merkwürdiger und in dem Fall auch etwas moralisch zwielichter Sonderweg. Wenn wir jetzt aber davon ausgehen, dass – Gott bewahre – die westliche Gesellschaft endgütig zur radikal individualisierten, familienlosen, hedonistischen „mach-doch-wie-du-gerade-bock-hast“-Gesellschaft degeneriert, und wenn Babys endlich aus der Konserve kommen und direkt in die automatisierte Aufzuchtanlage eingespeist werden; ja gut, dann würde es tatsächlich egal sein, ob die Gelegenheitsbekanntschaften und anonymen Sexabenteuer, mit denen man seine Zeit totschlägt, homosexueller oder heterosexueller Natur sind und ob man sich selbst als Trans oder Inter oder als Stehlampe definiert. Das wäre dann wirklich alles irgendwie normal und gleichrangig.

        schon gar nicht (mit Blick auf Polen) auf Grundlage einer hier selbstwidersprüchlichen katholischen Ideologie, die ihren Priestern genau diese Familienbildung verweigert, denn warum sollte das Zölibat weniger »pervers« sein als die Homosexualität? […]

        Ja, die Katholische Kirche ist als moralische Autorität beim Thema Homosexualität wirklich sehr fragwürdig. Ich bin übrigens kein Christ und ich halte das katholische Zölibat auch für eine befremdliche Idee. Andere Religionen und christl. Konfessionen haben so etwas auch nicht oder selten. Aber nicht desto trotz steht die Kirche für konservative Familienwerte und viele Polen vertrauen darauf halt. Die Kirche predigt das Zölibat ja auch nicht für Laien, insofern ist auch für einen katholiken das Zölibat nicht normal, sondern eben nur der geistliche – nicht bürgerliche – Sonderweg. Im Sinne der mittelalterlichen Ständeordnung: Herrschen – Beten – Ackern.

      5. @crumar
        „Homosexualität ist erst „Homosexualität“ im heutigen Sinne geworden – da ist Foucault gut. Es gibt eine Geschichte der „Akzeptanz“ homosexueller Handlungen, lange bevor es eine „Lebensweise“ geworden ist.
        An dem Punkt würde ich empfehlen, die Texte von djad über Jack Donovan zu lesen.“

        Jup, ich weiß. Ich gehe darauf ausführlich in meinem Artikel „Müssen die Polen LGBT akzeptieren? II“ ein.
        Aber heute gibt es Homosexualität nun mal so wie es sie halt gibt. Und als das wird sie immer eine Art Nische bleiben und nie ganz akzeptiert werden. Die Donovan-Sachen sind hochinteressant. Ich kann Donovans Schritt, sich als Homo von der ganzen Subkultur zu distanzieren, gut nachvollziehen.

        „Da „Homosexualität“ also zur Geschichte gehört und als „normal“ empfunden worden ist, muss man tatsächlich den Fokus darauf richten, wie eine solche „Normalität“ konstruiert worden ist, in der Homosexualität als „nicht zumutbar“ erscheint.“

        Als Bsp. homophile Knabenliebe im antiken Griechenland und vormodernen Orient (m.E. bis heute in Afghanistan): Diese Form der Liebesbeziehung galt tatsächlich als normal, zumindest in weiten Kreisen. Kein Araber/Grieche/Perser wäre aber auf die verrückte Idee gekommen, mit seinem Lustknaben ernsthaft eine Ehe oder „eingetr. Lebenspartnerschaft“ eingehen zu wollen – das wäre dann nämlich nicht normal und es wäre der Gesellschaft nicht zumutbar gewesen, sowas zu akzeptieren oder auch nur zu tolerieren. Ebenfalls wäre es nicht normal gewesen (zumindest nicht in der islamischen Gesellschaft), mit dem Knaben Analverkehr zu vollziehen, denn Analverkehr verstößt gegen den Koran.

        Von den Forderungen nach „Akzeptanz“ halte ich derzeit ebenfalls nichts. Toleranz würde reichen.

        Seh ich ähnlich. Toleranz bedeutet Duldung. Es bedeutet, dass man abweichende Menschen nicht belästigt oder angreift. Akzeptanz hingegen bedeutet eher schon etwas in Richtung Anerkennung oder Wertschätzung. Übertragen auf die Homoehe würd ich z.B. sagen: Kann ich dulden, aber besonders viel Wertschätzung kann ich dafür nicht aufbringen.

        Ich glaube der Ausschluss erfolgte, als „Familienbildung“ hieß, die Reproduktion des Nationalstaats zu sichern und auszubauen.[…]

        gut möglich. Auch den Aspekt der Selbstbezüglichkeit finde ich sehr wichtig und würde ich bei der moralischen Bewertung von Homosex. auch heute noch ernsthaft in Betracht ziehen.
        Außerdem wird hier auch das moderne naturwissenschaftliche Weltbild eine Rolle spielen. Die biologische Natur und die Psyche des Menschen wurde durch die Aufklärung ergründet und der Mensch anhand dessen biologistisch definiert. Und da man die neu definierte Homosexualität als evolutionären Unsinn einstufte, musste es sich also um eine psychische Störung handeln. Thomas Bauer (der Arabist, auf den ich mich auch im Polen-Artikel und in meinen obigen Aussagen über Knabenliebe beziehe) führt übrigens die ausgeprägte Homophobie der westlichen Gesellschaft des 19. Jh. auf kapitalistisches Denken zurück. Rationalismus und Zweckdenken definierten hier den Mann-männlichen Umgang und ließen Zärtlichkeit nicht ansatzweise zu. Im ultrahomophoben Nahen Osten hingegen sind aber einfache (nicht-sexuelle) Mann-männliche Zärtlichkeiten bis heute nichts ungewöhnliches – weil sie es nie waren, denn im Orient ist kapitalistisch-rationaistisches Zweckdenken fremd und verpönt.

    3. @Fx @djadmoros @crumar
      Da hab ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. Ich sehe die LGBT-Bewegung nicht einfach nur als marxistische Ideologie, sondern ich meinte, dass marxistisches Gedankengut hier eine gewisse Rolle spielt. Aber nicht die einzige Rolle, weswegen ich ja auch ausführlich auf den Aspekt von individualistischer Selbstverwirklichung und Konsumismus eingehe (zwei Aspekte, die mit Marx schon mal nicht viel zu tun haben). Identity Politics und political correctness (und darunter zählt auch Queer-Aktivismus) haben auf jeden Fall auch andere Elemente. Fx beschreibt diese als „neoliberal“ (ein Begriff den ich grundsätzlich mit Vorsicht genieße, der aber auch nicht ganz unpassend ist) und Djad verweißt richtigerweise auf Nietzsche und die französischen Poststrukturalisten, Postmoderne, wie Foucault etc. (alle keine Neoliberalen). Das Phänomen ist vielschichtig und schwer zu fassen. Auch Crumars Einwand, dass gewisse „konservative YT-Kanäle“, willkürlich mit Kommunisten um sich werfen, ist richtig und dieses Problem sehe ich auch. J. Peterson, von dem ich als Psychologe und Philosoph sehr viel halte, watscht leider regelmäßig alles was ihm nicht passt, mit dem Schlagwort „neomarxist/postmodernist“ ab. Besonders großes Unrecht tut Peterson hier regelmäßig dem armen Foucault an – einer der brilliantesten Denker des 20. Jahrhunderts. Peterson hat Foucault wahrscheinlich gar nicht gelesen oder nicht verstanden. Ich aber durchaus- und für mich ist Foucault das Gegenteil von einem Marxisten, sondern ich sehe ihn am ehesten als Nietzscheaner, also eher als Antikommunisten. Die Neue Linke hat Foucault trotzdem mitgeprägt (obwohl ich immer das Gefüh habe, dass die Linken Foucault ebenfalls nur halb verstehen. Postmodernisten sind für mich aber keine echten Neomarxisten und LGBT-Aktivisten oder auch Genderfeministen keine Kommunisten. Die Dinge sind viel komplexer. Aber: Zu genau dieser Komplexität gehört mMn offensichtlich dazu, dass der Marxismus in der Neuen Linken eine deutliche Spur hinterlassen hat. Diese Spur beschreibe ich als „marxistische Ideen von Gleichheit und Herrschaftsumsturz“. Herrschaft gilt im Marxismus als zu überwindender Zustand um die Utopie der „klassenlosen Gesellschaft“ herzustellen. Freiheit wird als Gleichheit begriffen. Dieses Paradigma sehe ich recht deutlich im Feminismus und der Queerideologie. Auch weitere Parallelen gibt es. Religion, Tradition, Nationastaat und die Familie als Keimzelle der Gesellschaft (und das ist für mich keine billige CDU-Floskel, sondern ich lege das sehr weit aus) gilt weder den Marxisten noch den „Postmodernisten“ irgendwas. Die ersteren predigen den Totalitarismus des Proletariats um „Gleichheit“ herzustellen, die zweiteren arbeiten für das gleiche Ziel auf den Totalitarismus einer „linksliberalen“ Elite hin. Da die „Postmodernisten“ aber von wesentlichen Inhalten des Marxismus weitgehend abgerückt sind (nämlich von dem ökonomischen Klassenkampf) rede ich von – aufgepasst – postkommunistischer Ideologie, nicht von neokommunistischer.

      Marxismus und (radikaler) Marktliberalismus, um auf den berechtigten Einwand des „Neoliberalismus“ zurückzukommen, sind sich geistig mMn. sehr viel näher, als die beiden denken. Beide wollen den Menschen entwurzeln und nutzbar machen. Schon der alte Marx hat dies im Manifest d. K. P. sehr eindrücklich beschrieben. Wie ich finde der interessanteste Teil dieses Werkes:

      „Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt.

      Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen, und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose „baare Zahlung.“ Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmuth in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwerth aufgelöst, und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die Eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.

      Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Thätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.

      Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältniß seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältniß zurückgeführt.

      Die Bourgeoisie hat enthüllt, wie die brutale Kraftäußerung, die die Reaktion so sehr am Mittelalter bewundert, in der trägsten Bärenhäuterei ihre passende Ergänzung fand. Erst sie hat bewiesen, was die Thätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht, als egyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gothische Kathedralen, sie hat ganz andere Züge ausgeführt, als Völkerwanderungen und Kreuzzüge.“

      1. @Jonas:

        »Besonders großes Unrecht tut Peterson hier regelmäßig dem armen Foucault an – einer der brilliantesten Denker des 20. Jahrhunderts.«

        Wie sich manche in unserer Blogosphäre auf Foucault einschießen, habe ich tatsächlich auch nie verstanden. Er ist in meinen Augen zwar keiner der präzisen Denker der Moderne, aber trotzdem jemand, der uns wichtige Intuitionen über das Funktionieren der modernen Gesellschaft vermitteln kann, und zudem hat er auch kluge Gedanken über die Kultur der klassischen Antike formuliert.

        »Zu genau dieser Komplexität gehört mMn offensichtlich dazu, dass der Marxismus in der Neuen Linken eine deutliche Spur hinterlassen hat. Diese Spur beschreibe ich als „marxistische Ideen von Gleichheit und Herrschaftsumsturz“.«

        Ich würde sagen: die Neue Linke beginnt als marxistische Bewegung, unterliegt aber mit ihrem Anspruch, der Weltrevolution zuzuarbeiten, einem Selbstwiderspruch, da sie faktisch nur an national diversifizierten Kulturrevolutionen beteiligt ist. Diesen Selbstwiderspruch verarbeitet sie teils produktiv, indem sie sich von der marxistischen Dogmatik früher (Sponti-Bewegung, undogmatische Linke) oder später (Kommunistischer Bund Westdeutschland mit seinen beeindruckenden späteren bürgerlichen Individualkarrieren) löst, teils unproduktiv (die Sackgasse des Linksterrorismus, verbliebene Polit-Sekten wie die MLPD).

        Im Zuge der entstehenden Ökologiebewegung und dem entstehenden Bewußtsein einer »Dialektik der Aufklärung« wandert nun aber der ursprünglich politisch »rechte«, konservative Kulturpessimismus der Belle Époque auf die linke Seite des politischen Spektrums, weshalb »kulturkritische« (im Gegensatz zu »ökonomiekritischen«) Denker wie Nietzsche und Heidegger jetzt »links« gelesen werden, das heißt: es entstehen aberdutzendfache Versionen dessen, was Nietzsche das »Ende des sokratischen Menschen« nennt, der jetzt als, männlich, weiß, kolonialistisch, patriarchal etc. pp. verabschiedet wird.

        Das »Linke« daran, die »Ideen von Gleichheit und Herrschaftsumsturz«, sind freilich nur noch ein blasses Gespenst ihrer ursprünglichen Gestalt (Niklas Luhmann hat 1984 das sehr schöne Bild von den »erloschenen Vulkanen des Marxismus« geprägt), die ja in ihrem sachlichen Kern eine Ökonomiekritik gewesen ist. Das, was Marx zu einem soziologischen Klassiker macht, nämlich die Kritik der bürgerlichen »Politischen Ökonomie« als Ideologie, die von den gesellschaftlichen Voraussetzungen der Ökonomie zugunsten von anthropologischen Fiktionen abstrahiert, ist der heutigen »postmodernen« Linken völlig abhanden gekommen, die »feministische Ökonomik« ist eine Perversion solcher Ökonomiekritik.

        »Beide wollen den Menschen entwurzeln und nutzbar machen.«

        Was an dieser Formulierung schief ist, hat crumar schon gefühlt mehrdutzendfach auf AE eingewandt: die »Gesellschaft der entwurzelten Individuen« ist eine historische Voraussetzung, die Marx in seiner Epoche als irreversible Gegebenheit vorgefunden hat. Anders als die konservative Kulturkritik wollte er diese gesellschaftliche Epoche aber nicht durch die Hintertür (zurück ins Ancien Régime), sondern, an der Hegelschen Geschichtsphilosophie geschult, durch die Vordertür verlassen, also vorwärts hin zu einer erst zu schaffenden, postkapitalistischen Gesellschaft, die er »kommunistisch« genannt hat.

        Für Marx ist der Mensch bereits entwurzelt, es kann nur darum gehen, die Bedingungen seiner Entfremdung auf einem neuen Niveau der gesellschaftlichen Integration wieder aufzuheben. Die Fragen, welche Chancen auf eine Umsetzung dieses Projekt hat, und welche technisch-analytische Begriffswelt dazu verhelfen kann, stehen auf einem anderen Blatt.

      2. „die Neue Linke beginnt als marxistische Bewegung, unterliegt aber mit ihrem Anspruch, der Weltrevolution zuzuarbeiten, einem Selbstwiderspruch, da sie faktisch nur an national diversifizierten Kulturrevolutionen beteiligt ist.“

        Die NL ist globalistisch. Die Weltrevoution ist nicht mehr die der Arbeiterschaft, sondern die Themen sind andere: globale „Frauenbefreiung“, globaler „Antirassismus/Antikolonialismus“, globale Bekämpfung des Klimawandels, Pazifismus bis hin zu Fantasien über weltweite Grundeinkommen. Da kann ich den alten Marx noch regelmäßig raushören, wie eben auch bei der „Emanzipation“ der LGBT.

        „Im Zuge der entstehenden Ökologiebewegung und dem entstehenden Bewußtsein einer »Dialektik der Aufklärung« wandert nun aber der ursprünglich politisch »rechte«, konservative Kulturpessimismus der Belle Époque auf die linke Seite des politischen Spektrums, weshalb »kulturkritische« (im Gegensatz zu »ökonomiekritischen«) Denker wie Nietzsche und Heidegger jetzt »links« gelesen werden“

        Interessant, ist mir noch gar nicht so aufgefallen. Dazu nochmal zu Foucault: Ihn halte ich eigentlich auch am ehesten für so einen konservativen Kulturkritiker, weshalb ich immer nicht so ganz verstehe, warum die Linken den eigentlich so toll finden und die Rechten den so hassen. Der Unterschied zwischen Postmoderne (links, ganz toll!) und Antimoderne (rechts, böse!) ist halt sehr fließend.

        „Marx in seiner Epoche als irreversible Gegebenheit vorgefunden hat. Anders als die konservative Kulturkritik wollte er diese gesellschaftliche Epoche aber nicht durch die Hintertür (zurück ins Ancien Régime), sondern, an der Hegelschen Geschichtsphilosophie geschult, durch die Vordertür verlassen, also vorwärts hin zu einer erst zu schaffenden, postkapitalistischen Gesellschaft, die er »kommunistisch« genannt hat.

        Für Marx ist der Mensch bereits entwurzelt, es kann nur darum gehen, die Bedingungen seiner Entfremdung auf einem neuen Niveau der gesellschaftlichen Integration wieder aufzuheben.“

        Ja ich weiß, deswegen zitier ich ja das Manifest, das an dieser Stelle genau das sagt. Das Problem ist nur: Marx will diesen unmenschlichen Zustand nicht beenden, sondern radikalisieren. Ich habe was das angeht eine etwas unkonventionelle Ansicht, die da lautet: Sozialismus ist in erster Linie radikalisierter Kapitalismus. Die Entwurzelung, die Zerstörung trditioneller Gemeinschaftsbldung, die Abhängigkeit des Einzelnen, die Ressourcenausbeutung, die Ökonomisierung der Welt, die Entfremdete Arbeit – all das konnte der Sozialismus nie abwenden, sondern höchstens verstärken. Deswegen, um aufs Thema zurückzukommen, sehe ich keinen Widerspruch zwischen Kapitalismus/Neoliberalismus und dem Marxismus und sehe beim Genderfeminismus und der LGBT-Bewegung beides am Werk.

  2. Der »Reichsbesen« ist genial! 😀 Und wenn dann der Nachbar mit dem weiß-blau-roten Zarenbesen kehrt, gibt es Krieg!

    1. Sieh an, sieh an, der Iwan traut sich aus seinen frostigen Buchten und fordert die Kaiserliche Marine heraus. HA! Wär er doch lieber bei seinem Tanzbären geblieben. Dessen Prankenhieb ist noch ein zärtliches Streicheln gegen den Donner der Kruppstahlrohre und sein tierisch wildes Toben kann den schneidigen deutschen Matrosen höchstens zum herzlichen Lachen bringen.

      1. Russischer Minenleger gegen kaiserlichen Großen Kreuzer. 🙂

        Eine künstlerische Interpretation des Untergangs der Friedrich Carl, verlegt ins Jahr 1916. Der russische Minenleger »Sibirischer Schütze« (unter Kommandant Koltschak) lockt den deutschen Kreuzer in das soeben selbst gelegte Minenfeld vor Pillau.

        Leider ohne Untertitel, aber die Story erzählt sich über die Bilder fast von selbst. Off topic: der Film (2008) ist ein Beispiel dafür, wie das heutige Russland die konterrevolutionären Gottseibeiunse der Bürgerkriegszeit wieder rehabilitiert.

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