#Halle : Täter äußerte sich auch antifeministisch

Der Mörder von Halle hat in seinem Videostream, den er mit seiner Helmcamera während der Tat machte, über seine Motive gesprochen. Dabei ging es auch um Feminismus. Er verührte in dem Video anscheinend Antisemitismus, Antifeminismus und Fremdenfeindlichkeit.  ZEIT ONLINE:

Er dreht die Kamera auf sein Gesicht und sagt: „Hi, my name is Anon, and I think the Holocaust never happened.“ Er sei Anon – ein unter rechtsextremen Verschwörungstheoretikern im Netz verbreitetes Pseudonym – und er sei überzeugt, dass der Holocaust niemals stattgefunden habe. Er bezeichnet den Feminismus als Grund für niedrige Geburtenraten im Westen, die zu Massenimmigration führten. Und erklärt, dass „der Jude“ der Grund für all diese Probleme sei.

Es ist zu erwarten, dass dieser Umstand in den nächsten Wochen genüsslich ausgeschlachtet wird, auch wenn die Berichterstattung bisher nur auf den Aspekt des Antisemitismus fixiert ist. Ich sehe schon die Artikel kommen, die uns erklären möchten, dass auch „Maskulinisten“ oder „Antifeministen“ irgendwie an den Untaten Schuld sein sollen. Der mediale Diskurs neigt dazu, jede Kritik am Feminismus in die rechte Hass-Ecke zu stellen und wird mit dem Attentäter von Halle dafür nun einen vermeintlichen Kronzeugen finden. Einen solchen medialen Missbrauch durch feministische Medienmacher hat es schon im Zusammenhang mit vorangegangenen Massakern in den USA gegeben und dass gewisse medienwirksame Demagogen gerne den „weißen Mann“ in Kollektivhaft nehmen, ist bekannt. Wahrscheinlich wird nun bald darüber debattiert werden, wie man den „Hass im Internet“ eindämmen kann, wobei dann auch z.B. antifeministische Äußerungen pauschal als „Hass“ und als „rechtsextrem“ eingestuft werden könnten. Ich möchte daher folgendes klar stellen:

  1. Nein, die Ablehnung von Gleichstellungspolitik, Väterentsorgung und die Kritik an Gendertheorie und Metoo-Hexenjagden hat nichts mit Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus etc. zu tun.
  2. Dass die feministische Ideologie (mit-)verantwortlich für die niedige Gebutenrate (und andere gesellschaftliche Probleme) ist, wie der Täter meint, ist zwar durchaus richtig, doch absolut kein Grund, deswegen igendjemanden zu erschießen oder sonst irgendwie den Boden des friedlichen Zusammenlebens zu verlassen.
  3. Der Feminismus ist nicht durch „den Juden“ in die Welt gekommen, sondern ist ein hausgemachtes Problem.
  4. Die Political Correctness des medialen und politischen Diskurses selbst ist es, die den „Hass im Internet“ hervorbringt und ist daher mitverantwortlich für die Radikalisierung im Internet und die daraus entstehenden Bluttaten.

Ich wohne übrigens selbst ganz in der Nähe des Tatortes und wäre da fast selber hineingeraten. Die Taten selber habe ich aber nicht unmittelbar gesehen, möchte aber trotzdem eine kritische Anmerkung zum medialen Umgang loswerden, auch wenn es thematisch hier nicht hergehört: Die Berichterstattung über die Anschläge ist bisher mangelhaft, weil sie komplett auf den Angriff auf die Synagoge fixiert ist. Was untergeht ist, dass auch ein Dönerladen angegriffen wurde, und zwar nicht zufällig, sondern gezielt. Ich habe selbst kurz mit einem arabischen Mitarbeiter aus dem Laden geredet. Vor seinen Augen wurde ein Kunde niedergeschossen. In den Medien kommt es bisher so rüber, als sei da halt noch zufällig so ein Imbiss in der Nähe, der mit dem Motiv des Täters aber wenig bis gar nichts zu tun hätte. Der Laden wurde genauso angegriffen wie die Synagoge, doch die Medien gehen damit bisher recht stiefmütterlich um. In vielen Artikeln wird der Dönerladen noch nicht einmal erwähnt. Ich hoffe, dieses Versäumnis wird in den nächsten Tagen nachgeholt.

Autor: Jonas

Student der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Fokus Nahost

2 Kommentare zu „#Halle : Täter äußerte sich auch antifeministisch“

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