@frauenunion, Fakedemokratie und Völkermord

Annette Widmann-Mauz, Vorsitzende der Frauenunion. Bildquelle: Wikipedia

Da es heute bei Arne Hoffmann eine Meldung über Annette Widmann-Mauz, Vorsitzende der Frauenunion und Bundesbeauftrage für Migration und Flüchtlinge, zum Thema Frauenförderung in der Politik gab, wurde ich daran erinnert, dass ich von Widmann-Mauz mal eine Broschüre gelesen habe, in der sie anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts in Deutschland Werbung für das Paritätsgesetz (Frauenquote in Parlamenten) macht. Sie zählt dort Länder auf, in denen es bereits Parität bzw. einen hohen Frauenanteil im Parlament gibt. Ein Auszug aus dem Dokument(Stand Oktober 2018), das man auf der Seite der Frauenunion findet:

„Nicht etwa ein skandinavisches Land wie Schweden liegt an der Spitze, sondern das ostafrikanische Ruanda. Die Statistik der Interparlamentarischen Union (IPU) beziffert den Frauenanteil im nationalen Parlament auf 61,3 Prozent. Nach dem Völkermord in Ruanda 1994 gab es dort eine umfassende Umstrukturierung der Politik. Die starke Frauenbewegung führte zu einer Frauenquote von 30 Prozent in der Verfassung. Tatsächlich liegt der Frauenanteil seit Jahren bei über 60 Prozent.“

Könnte das eventuell daran liegen, dass diese „umfassende Umstrukturierung der Politik“ in etwa darin bestand, dass es nach dem Völkermord ganz einfach kaum noch Männer im Land gab? Fragen wir mal Wikipedia:

1999 [also ca. 5 Jahre nach dem Völkermord] gab es in Ruanda schätzungsweise 45.000 bis 60.000 Haushalte, denen Minderjährige vorstanden. Zirka 300.000 Kinder lebten in solchen Haushalten, von denen knapp 90 Prozent von Mädchen geführt wurden, die über kein reguläres Einkommen verfügten. […] Unmittelbar nach dem Völkermord lag der Frauenanteil in Ruanda durch die Ermordung, Flucht oder Verhaftung von Männern bei zirka 70 Prozent. Unter dem Aspekt der höheren Frauenquote wird der Völkermord in speziellen Publikationen deshalb auch als Gendercide bezeichnet.“

Weiß Widmann-Mauz, wovon sie hier redet, oder verstellt ihre ideologische Verblendung den Blick dafür, dass auch Männer Opfer sein können? Oder kennt sie diesen offensichtlichen Hintergrund und es ist ihr einfach egal? Von der Männervernichtung in Ruanda findet sich in der Broschüre jedenfalls kein Wort, stattdessen gibt es Lobhudelei über eine Frauenquote, die man dort eingeführt hätte und über eine „Veränderung der Mentalität“, die dazu geführt hätte, dass es „längst nichts Besonderes mehr [sei], dass Frauen wichtige politische Ämter einnehmen.“ Ich habe große Zweifel daran, dass die verbliebenen Männer in Ruanda ihre Situation als „nichts Besonderes“ wahrnehmen. Abgesehen davon gehört Ruanda übrigens auch nicht gerade zu den demokratischen Vorzeigeländern, sondern ist ein autoritäres Regime.

Die beiden weiteren feministischen Vorzeigeländer, die Widmann-Mauz uns vorstellt, sind Mexiko und Frankreich, da beide Länder Parlamente mit 50%-Paritätsregelungen haben. Mexiko gilt als „fehlerhafte“ oder „unvollständige“ Demokratie und hat außerdem ein Korruptionsproblem. Ich vermute, dass die Quotenfrauen, die sich die Mexikaner ins Parlament wählen dürfen, in erster Linie willfährige Anhängsel von männlichen Politikern sein werden, kenne die politische Situation dort aber nicht. Was Frankreich angeht, das in der Paritätsdiskussion regelmäßig als Vorbild herangezogen wird, gibt es ebenfalls Zweifel am demokratischen Charakter: Beim einflussreichen Demokratieindex, den „The Economist“ herausgibt, gilt das Land ebenfalls als fehlerhafte Demokratie und steht damit im westeuropäischen Vergleich nicht gut da. Dazu muss man allerdings sagen, dass der „Economist“ die hohe Beteiligung von Frauen am Parlament noch als Pluspunkt anrechnet. Würde in die Bewertung miteinbezogen werden, dass ein hoher Anteil der frz. Parlamentarierinnen nur Quotenfrauen sind und Parteien mit geringem Frauenanteil durch solche Gesetze erhebliche Nachteile im Wahlprozess haben, dürfte Frankreich daher in der Bewertung nochmal ein paar Punkte absacken.

Was lernen wir aus all dem? Undemokratische, bzw. zweifelhaft demokratische Staaten und massenhafte Männervernichtung gelten der Frauenunion unter Widmann-Mauz als Vorzeigebeispiele für „Gleichberechtigung“. Die Frauenunion ist übrigens die maßgebliche Frauenorganisation der CDU und Widmann-Mauz daher keine kleine Nummer. Das Thema behandelte ich auch schon in meiner „Femokratenliste“. Widmann-Mauz hat dort den Platz Nr. 33.

Werbeanzeigen

Autor: Jonas

Student der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Fokus Nahost

3 Kommentare zu „@frauenunion, Fakedemokratie und Völkermord“

  1. Die Frauen-Union (FU!, das Akronym braucht man wohl nicht weiter erläutern) wird übrigens als Ansammlung der „Christlichen Nattern“ bezeichnet und ausgerechnet diesen Titel dürften die wohl nicht ohne Grund erworben haben.

    Und McKinsey-Uschi nebst Annegrets Kanone-Klemmt sind ja glühende Anhänger dieses Sektierertrüppchens mit Allmachtanspruch in feministischer Hinsicht. Von der Leyen fabulierte ja vor Jahren schon mal von einer Partei-übergreifenden Frauen-Solidaritätsgruppe. Kaum in Brüssel nach dem Petra-Prinzip (die Schwester von Peter) hat sie ja sofort mit ihrem 50:50-Wahn angefangen.

    Man geh‘ mir weg mit Frauen in der Politik. Oder kann jemand wenigstens ein gutes Beispiel nennen? Gleiches gilt auch für die Pudelgruppe um Altmaier (noch so’n Peter) und Co. Da passt die Widmann-Kauz doch bestens rein …

    1. Frauen in der Politik, die ihr Geschlecht nicht in den Mittelpunkt stellen, sind tatsächlich rar. Womöglich ist das aber ein Phänomen der westlichen Welt. Politikerinnen können hier dreiste Bevorzugung für Frauen fordern und durchsetzen, weil männliche Politiker sie lassen, bzw. sie passiv unterstützen. Die Ursache daür liegt m.M.n. in einer bestimmten Angst, die der westliche Mann vor der Frau hat, bzw. im schwachen männlichen Selbstbewusstsein.

      Politikerinnen in nicht-westlichen Ländern sind wahrscheinlich charakterstärker, weil sie sich genauso wie die Männer durchsetzen müssen, oder vielleicht sogar um so mehr durchsetzen müssen.

      1. Zustimmung. Wir leben mittlerweile in einem Land, in dem sich Frauen, die aus Ländern eingewandert sind, in denen Frauen viel weniger gelten und viel weniger Rechte haben als hier, öffentlich fordern können, dass eine Mohren-Apotheke ihren Namen ändert, weil das angeblich ihre Gefühle verletzt, soll heißen, dass sie es als rassistisch wahrnimmt. Es ging nicht darum, dass sie wie ein Mensch niederer Klasse behandelt oder gar nicht bedient worden wäre. Und sie wird dann auch noch unterstützt, von Männern wie Frauen. Ich weiß allerdings nicht, wie die Sache mit der Mohren-Apotheke in Frankfurt ausgegangen ist.

        Jedenfalls scheint die politische Frauenbewegung insgesamt kein Maß zu haben. Die sagen zwar, sie wollen 50 – 50, und Gerechtigkeit, aber man muß nur mal auf ein Amt gehen, und man bekommt sofort den Eindruck, dass da fast nur noch Frauen sitzen. Und da passt es auch, dass eine Annette Widmann-Mauz die Notwendigkeit, dass die Frauen in Ruanda nach dem Völkermord (analog zu den Trümmerfrauen nach dem Weltkrieg) ohne große Hilfe der Männer wieder aufbauen müssen, zu ignorieren, und als eine besondere Leistung der Frau an sich zu feiern. Übrigens, nach feministischer/genderistischer Logik müßte ein Völkermord natürlich auch die Frauen miteinschließen, ganz nach dem Prinzip der Gleichheit und der Parität.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.