Feminismus an der Uni Kassel

Gastartikel von KlausT
Als ich gestern an der Uni in Kassel war, habe ich dort zwei Flugblätter gefunden. Eines zum geplanten „Frauenstreik“ am 8. März und eines zu Geschlechterstudien an der Uni Kassel. Als linker Kritiker des aktuellen Feminismus‘  hat mich dann beides stärker interessiert und ich habe zusätzlich im Internet recherchiert. Hier das Ergebnis meiner Recherchen, vielleicht auch allgemein interessant für die typische (?) feministische Infrastruktur einer von SPD und Grünen geprägten Stadt mitttlerer Größe (Kassel hat ca.200.000 Einwohner).

Der identitätspolitische bzw. Welle-3-Feminismus ist in Kassel besonders stark vertreten. Am 8. März wird zu einem „Frauen und Queers Streik*“ aufgerufen (das Sternchen hinter  „Streik“  bedeutet, dass die Verantaltung nur für Frauen ist):  www.frauenundqueerstreik.de
Die heterosexuellen Männer dürfen Unterstützungsarbeiten leisten: „Du bist cis-männlich? Unterstütze den Streik als Teil der geplanten Kinderbetreuung oder übernimm die Sorgearbeit von Frauen*, um ihnen das Streiken zu ermöglichen.“ (Flugblatttext).
Die Stärke des Gender- bzw. Welle-3-Feminismus‘ mag davon herrühren, dass dieser zum eine eine starke universitäre Basis hat.
Es gibt an der Uni Kassel ein feministisches Netzwerk, genannt „Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Frauen und Geschlechterforschung“  zu dem insgesamt ca. 20 Professoren und Dozenten gehören. https://www.uni-kassel.de/projekte/iag-frauen-und-geschlechterforschung/studienprogramm.html  (wobei man hier: https://www.uni-kassel.de/projekte/iag-frauen-und-geschlechterforschung/links.html interessante Links zum feministischen Uni-Netzwerk im deutschprachigen Raum findet)
Beteiligte Fachbereiche an der Uni Kassel sind FB 01 Humanwissenschaften, FB 02 Geistes- und Kulturwissenschaften und FB 05 Gesellschaftswissenschaften.
Der ASTA der Universität ist auch feministisch: www.asta-kassel.de
Es gibt ein „autonomes Referat für „Frauen* und Geschlechterpolitik“ und  eine Beratungsstelle „Antidiskriminierung und Gleichstellung“.
Der ASTA besteht passenderweise aus Grüner Hochschulgruppe und Die LINKE/SDS: http://medium-kassel.de/asta-gewaehlt-gruene-witzenhausen-und-sds-einigen-sich-auf-zusammenarbeit-jusos-und-lili-in-der-opposition
Zum anderen gibt es eine umfangreiche außeruniversitäre und langjährige feministische Infrastrukur in Kassel – wobei es sich hierbei nicht nur, aber inzwischen wohl überwiegend um Welle-3-Feministinnen handelt.
Insbesondere:
– das Frauenhaus,
– das Archiv der deutschen Frauenbewegung:  http://www.addf-kassel.de/archivderdeutschenfrauenbewegung/
– das Frauenbüro der Stadt Kassel, das das erste in Hessen war und seit 1984 besteht.  https://www.kassel.de/stadt/frauen/  Das ist u.a. auch zuständig für die Unterstützung und Verwaltung von Frauen- und Mädcheneinrichtungen und wird auch öffentlich tätig.
– ein FrauenLesbenZentrum
– die Beratungsstelle Frauen informieren Frauen e.V.
Daneben gibt es zunächst nicht offensichtlich feministische Projekte:
– Empowerment und Förderung von Mädchen und junge Frauen durch das Malala Mädchenzentrum und das Mädchenhaus Kassel (Ort für Interkulturalität und Geschlechtergerechtigkeit für Mädchen und junge Frauen).
–  Daneben Untergruppen zum Teil nicht offensichtlich feministischer Einrichtungen wie Ver.di (Bezirksfrauenrat) oder Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck  (Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales) (außerdem gibt es das „Frauenstudien- und Bildungszentrum in der EKD“ im nahegelegenen Hofgeismar).
Viele der Organisationen und Einrichtungen sind vernetzt über das „Kasseler Frauenbündnis“.
Sie werden zudem über staatliche Subventionen gefördert und dadurch erst dauerhaft möglich. D.h. ihre Stärke ist politisch aufgrund der Wahlergebnisse zugunsten der feministischen Parteien Grünen, SPD, Linke gewollt. Das muss ich als linker Männerrechtler akzeptieren und leider wieder mal feststellen, dass ich eigentlich z.Z. keine Partei wählen kann, wenn ich den Fokus auf Geschlechterpolitik lege. Trotzdem finde ich es wichtig, sich die feministische Infrastruktur deutlich zu machen, die natürlich auf Bundes- und Landesebene ihre Entsprechung findet. Die Zuschüsse kann man über den Haushaltsplan der Stadt Kassel erkennen. Zumindest den Entwurf für 2019 habe ich im Internet gefunden.  https://www.stadt-kassel.de/imperia/md/content/cms01/haushaltsplan_2019_internetversion.pdf
Danach erhält z.B. das Mädchenhaus vom Land Hessen 10.950 und von der Stadt 13.500 Euro (S. 265), Frauen informieren Frauen erhält für Beratung von Frauen bei häuslicher Gewalt 19.180 Euro von der Stadt und 72.120 Euro vom Land Hessen. Zusätzlich noch Zuwendungen für Beratung von Frauen bei Trennung und Scheidung und Beratung von Prostituierten (S. 272), das Mädchenzentrum Malala 124.210 Euro (S. 279), das Archiv der deutschen Frauenbewegung bekommt 21.620 Euro von der Stadt und bekam 2018  285.000  Euro vom Land Hessen, 2019 allerdings nichts (S. 282). Dass es keinerlei adäquaten Zuwendungen zu Männerprojekten gibt – nach feministischer Lesart gibt es ja keine Frauengewalt gegen Männer und auch keine sonstigen Bedürftigkeiten von Jungen und Männer – brauche ich ja eigentlich nicht besonders zu erwähnen!

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4 Kommentare zu „Feminismus an der Uni Kassel“

    1. Hi Klaus,

      schön recherchiert!

      Und wie du richtig aufgezeigt hast, handelt es sich um eine bestens vernetzte Bürokratie, die von Kommunen und vom Land finanziert wird. Viele in Form einer e.V. mit Vereinsgeschäftsführerin.

      Es gab bei Arne mal einen Bericht aus Mainz, wie viele Beschäftigte dort in einer einzigen Uni unter dem Banner der „Gleichstellung“ tätig sind.
      Es war eine erkleckliche Anzahl, finde ich aber gerade nicht.

  1. „Du bist cis-männlich? Unterstütze den Streik als Teil der geplanten Kinderbetreuung oder übernimm die Sorgearbeit von Frauen“

    Diese Aussage zeigt eigentlich schon, wie überflüssig dieser ganze Streik ist.

    Das ist so, als ob mir mein Arbeitgeber bezahlten Sonderurlaub gibt, damit ich ungestört dagegen demonstrieren kann, wie ungerecht er mich behandelt.

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